Mittwoch, 28. gebruar 1934
Gießener Anzeiger ^General-Anzeiger für Gveryessen)
Nr. 50 Drittes Blatt
Der Führer und die Kleinsten.
Oberheffen
Nach solchen Lehrjahren (sprich Flegeljahren) beginnen nun Hansens Wanderjahre. Er walzt bis Ungarn nährt sich dreist und gottesfürchtig von seinen Schlichen, die er auf der Landstraße um ein.Erkleckliches vermehrte, und wurde schließlich Diener bei einem ungarischen Grafen. Sobald er sich leidlich wieder herausgefressen hatte, packte ihn der Schelmenteufel. Als die alte Gräfin, offensichtlich ein habgieriges Möbel, ihm einst bedeutet hatte, daß sie nach der Sitte der Zeit und des Ortes ein Geschenk von ihrem Dienstmann begehrte, ließ er auf eine fingierte Order hin ihre eigenen Gänse und Puten schlachten und schickte seiner Herrin den ganzen Segen ins Haus. Strahlte da die Alte! Spie aber Gift und Galle, als sie den Schwindel merkte. Da griff denn der „märkische Lümmel" zu einer seiner natürlichen Listen: er stellte sich tot. Legte sich gar — mit dem Einverständnis des jungen Grafen, der ihn schätzte, — in einen offenen Sarg und ließ sich in die Kirche tragen. Die Gräfin wünschte den Toten noch einmal zu sehen und sprach: „Ich verzeihe dir alle deine Sünden, mein lieber Hans, wenngleich du mich sehr gekränkt hast."
fürst in Trebbin weilte, kam Hansens Ungehorsam natürlich heraus Der Landesvater ließ ihn kommen und schnob ihn an: „Wo ist der Brief?" — „Ei, ist er noch nicht hier?" — „Wie kann er hier sein, wenn du ihn nicht hergebracht!" — Hans drauf mit gekränkter Unschuld „Gnädigster Kurfürst und Herr, Euer Kurfürstliche Gnaden haben mir befohlen, daß ich den Brief ja „eilends" gen Trebbin bringen sollte. Nun hatte ich zu Berlin noch viel auszurichten, darum warf ich den Brief in die Spree, daß er vorausschwimmen und desto zeitiger ankommen möchte . " — Der Kurfürst soll darauf gelacht haben, daß seine ganze landes-
zur Verfügung stellen würden. Die Versammlung hat ohne Widerspruch sich bereit erklärt, das Fest, das voraussichtlich am 3. oder 10 Juni stattfindet, zu übernehmen Die Gründung einer Fußballabteilung, die von einem Mitglied empfohlen wurde, mußte vorläufig zurückgestellt werden, weil hierfür fast gar kein Interesse vorlag. In einer Schlußansprache gedachte der Vereinsführer des Nationalhelden Horst Wessel und schilderte eingehend dessen Leben und Sterben in der Freiheitsbewegung. Durch Erheben von den Plätzen und mit einer Minute des Schweigens wurde sein Andenken geehrt. Mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes fand die Versammlung ihr Ende
<£ Holzheim, 27. Febr. Dieser Tage hielt der hiesige Kriegerverein im Rathaus seine Generalversammlung ab. Der 1 Führer, Landwirt Wilhelm Laux 1. begrüßte die Kameraden und forderte sie auf, wie in den vergangenen Jahren, auch in der Zukunft treu zum Verein zu stehen. Anschließend erhoben sich alle Anwesenden zu Ehren der verstorbenen Kameraden Jakob L a u r, Gg. Pbilipp Jäger und Matheis Janisch bon ihren Plätten. Der Kassenbericht wies einen an- sebnlichen Ueberschuß aus. Zur SAR. II meldeten sich 28 Kameraden. Eine Anzahl Kameraden will am Regimentsappell des Dritten Reiches in Darmstadt teilnehmen. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Reichspräsidenten von Hindenburg, den Volkskanzler Adolf Hitler und unser deutsches Vaterland wurde die Versammlung geschlossen.
# Dorf-Gill, 26. Febr. Dieser Tage hielt der Kriegerverein im Rathaus eine Mitgliederversammlung ab. Der Vereinsführer K n ö p - per eröffnete die Versammlung. Der zweite Vereinsführer Lehrer Jung wies auf den Bezirkstag von Friedberg hin. 25 Mitglieder meldeten ihren Beitritt zur SA.-Reserve II. Nach der Erledigung interner Angelegenheiten wurde die Versammlung mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Reichspräsidenten und den Volkskanzler geschlossen.
z. Watzenborn-Steinberg, 27. Febr. Der hiesige Landwirtschaftliche Konsumver- e i n hielt am Samstag im „Goldenen Stern" seine Generalversammlung ab. Während der Inflationszeit haben es Vorstand und Aufsichtsrat verstanden, den Verein durch diese Jahre hindurchzubringen, so daß die Herren auf diesem Gebiet durch ihre reiche Erfahrung geschult sind und den Konsumverein auf eine beachtliche Höhe gebracht haben. Direktor Sommer, der bereits 20 Jahre die Geschäfte
des Vereins wahrgenommen hat, gebührt vor allem Dank, war es doch vor allem seiner einwandfreien Führung zu verdanken, daß der Verein während des Krieges und ganz besonders in den Nachkriegsjahren keinen Rückgang zu verzeichnen hatte, sondern immer mehr Fortschritte machte. Auf solche Erfahrungen gestützt, vermag er heute in mustergültiger Weise seinem Verein vorzustehen. Die Lagerstelle wurde am 1. Oktober v. I. verlegt. Im letzten Vierteljahre sind zehn Neuaufnahmen zu verzeichnen, so daß heute ca. 220 Mitglieder vorhanden sind. Im Dezember v. I. wurden für Winterhilfe, Arbeitsbeschaffung und Volkswohlfahrt 250 Mark bewilligt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates Karl Andermann eröffnete die Versammlung und hieß die ca. 300 Teilnehmer besonders die Frauen, willkommen. Er gedachte der verstorbenen Mitglieder, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Direktor Sommer erstattete den Bericht über die Bilanz, die einen Reingewinn von 3600 Mk. ergab. An Warenrückvergütung werden 8 Prozent gewährt. Nachdem der geschäftliche Teil erledigt und der erste Vers des Deutschlandliedes gesungen war, schloß sich das übliche Kaffeekränzchen im Rahmen der Volksgemeinschaft an. Nationale- und Volkslieder, humoristische Vorträge des Mitglieder Gg. Schäfer 4. und eine kleine Musikkapelle halfen die wohlgelungene Verunstaltung verschönern,
£ Steinbach, 27. Febr. Wie schon berichtet, feierten am Samstag Hch. Arnold IV. und seine Ehefrau Sophie Carolina, geb. Roth, ihre goldene Hochzeit. Morgens brachte der Pfarrer mit der obersten Schulklasse dem Jubelpaare ein Ständchen, die Kinder sangen „Lobe ben Herrn, meine Seele". Nachmittags fand eine schlichte Feier im Hause statt, wobei Pfarrer D ö l l auch die Glückwünsche des Landeskirchenamtes und des Kirchenvorstandes und als Geschenk eine große Bilderbibel überbrachte. Bürgermeister Krämer sprach für die Gemeinde und im Namen des Staatsmini- ters und des Kreisdirektors die Glückwünsche aus: ein Ehrengeschenk wurde von diesen Behörden ebenfalls bewilligt. Ferner hatte der Herr Reichspräsident ein (Glückwunschschreiben gesandt. Aus nah und fern war eine Fülle von Glückwünschen
Eine Momentausnahme in den Straßen Berlins: Der Führer und ein kleiner Junge, der schon voll Begeisterung das braune Hemd trägt.
Don einerDanaierabieiluna fofaefabren
* Butzbach, 27. Febr. Ein tragischer Unglücksfall, dem leider ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich heute gegen 9.45 Uhr auf dem Bahnhof Butzbach. Hier war der 46 Jahre alte Schrankenwärter Heinrich Mohr aus Pohl-Göns, der im Schrankendienst am Bahnhof Butzbach stationiert war, mit dem Reinigen der Rillen am Bahnübergang beschäftigt. Dabei wollte er einem herankommenden G ü t e r z u g a u s w e i ch e n und trat in ein Nebengleis, auf dem aber im gleichen Augenblick eine Rangierabteilung heranfuhr, die er nicht bemerkt hatte. Er wurde von dem Waaen überfahren und a u f d e r S t e l l e g e töt e t. Der bedauernswerte Mann, der als zuverlässiger Beamter bekannt war. hinterläßt eine Frau und zwei Kinder im Alter von 18 und 12 Jahren
V<inofreie (tieften
<£ Großen-Linden, 26 Febr. Am Samstag fand im Saale der Gastwirtschaft „Post" die Jahreshauptversammlung des Turnvereins Großen-Linden statt. Nach dem gemeinsamen Lied „Ein Ruf ist erklungen" sprach der Vereinsführer Dr. Römer über das verflossene Vereinsjahr Er führte dabei aus, daß das Jahr 1933 im Zeichen des Umbruchs der Nation stand. Der Turnverein sei mit innerster Ueberzeugung mitgegangen und. habe an allen nationalen Feiern teilgenom- wen Mit besonderer Freude könne er das gute Zusammenarbeiten mit der Führung der hiesigen SA feststellen. Der Mitqliederstand habe sich auf der seitherigen Höhe gehalten, die verstorbenen Mitglieder wurden durch Erheben der Versammlung geehrt. Anschließend berichteten die Fachwarte und der Leiter der Handbollabteilung über die Tätigkeit in ihren Abteilungen. Wenn auch der Besuch der Turnstunden nicht immer zufriedenstellend gewesen sei, so konnte doch eine allgemeine Aufwärtsentwicklung verzeichnet werden. Den Kassenbericht gab der Rechner Ludwig Lang. Die Einnahmen überstiegen die Ausgaben im Jahre 1933 um rund 88 Mark. Für die gewissenhafte Kassenführung wurde dem Rechner herzlich gedankt. Besonderen Eindruck machte die Mitteilung, daß der Turnverein dieses Jahr das Kreisfest übernehmen solle. Hierzu gab der Vereinsführer nähere Aufklärung und stellte fest, daß etwa 120 Vereine Turner entsenden würden. Sturmbannführer Becker (Großen-Linden) erklärte daß sich die politische Leitung und die SA. mit ganzer Kraft für die Durchführung des Festes
Ein Leben und tausend Streiche
Heitere Erlebnisse um Hans Elauert, den „Märkischen Eulenspiegel".
Äon Ernst Keienburg
Zu den kräftigsten und eigentümlichsten Erscheinungen deutschen Volkstums gehört H a n s Clauert, der große Spaßmacher des märkischen Landes, den Bartholomäus Kruger, Stadtschreiber von Trebbin, in einem würzig geschriebenen Volksbuch 1587 eingefangen hat. Es ist, als ob die Erbmasse eines humorbegabten Volkes das seine Quellkraft gegen die Kärglichkeit eines dürftigen Bodens durchzusetzen gezwungen ist, in der Persönlichkeit dieses um 1500 geborenen Trebbl- ners in einen höchsten Ausdruck zusammengeronnen sei: Hans Clauert ist ganz und gar Marker, sein Witz ist äußerste Oekonomie und Ausfluß eines außerordentlich kritischen Denkvermögens. Nichts von dem, was er verübt, ist platte Hanswurstiade, aus einem heimlichen Winkel jedes dieser zahllosen Schwänke, die gleichsam eine punktierte Linie seines ruhelosen Lebens ausmachen, lauert der Schelmenblitz auf eine kleine menschliche Schwäche.
Die Schwerhörigen widerWillen
Hans Clauerts Leben ist bunt wie ein geschecktes Kleid. Von ehrsamen Eltern geboren, wuchs er in leidlicher Zucht auf und kam bald nach Zerbst m die Schlosserlehre. Hier brachte er es schnell zum Meisterstück — zwar nicht in den Dingen seines Gewerbes, sondern in der Schelmepkunst. Das war eines Tages, als ein „viereckiger Bauernknecht" ein Schloß kaufen wollte. Der Meister mochte grabe in der Wohnstube über Bernauer Bier und Schinken sitzen, dieweil es Vesperzeit war, so sagte also Hans dem Kunden, er wolle flugs den Meister herausrufen. Zugleich aber bedeutete der dem Bauern arglistig, er'sollte schreien wie nicht vernünftig, wenn der Meister käme, denn der wäre so taub wie eine tote Katze. Dem Meister in der Stube aber berichtete er ähnlich, vorn wäre ein Bauernknecht, der könnte „sich nicht wohl mit dem Gehör behelfen" und man müsse „gar laut" schreien, sonst verstände er kein Wort. — Der geneigte Leser mag sich nun selbst ausmalen, wie der Handel ausging. Die beiden Kerle brüllten sich an wie Stiere auf der Weide und, da der Schlosser, dampfend vor Schweiß, zwischenhinein „so ein tauber Narr" sagte, so kriegten sie sich dermaßen an die Köpfe, daß sie durch die mittlerweile versammelten Dorfgenossen buchstäblich voneinander gerissen werden mußten.
Der lebende Tote
eingegangen.
oo Lollar, 27. Febr. Im festlich geschmückten Sitzungssaale des Gemeinberats fanb burch Pg. Oberregierungsrat Dr. S ch ö n h a l s - Gießen die feierliche Vereibigung und Einführung unseres Bürgermeisters Pg. Lubwig Wagner in sein Amt statt. Pg. Beigeorbneter Zaubert eröffnete bie Sitzung. Oberregierungsrat Dr. Schönhals wies auf bie befonbere Bebeutung ber Einführung eines Bürgermeisters im Dritten Reich hin. Er fei von ber nationalsozialistischen Regierung eingesetzt unb solle beshalb immer sein Amt im Sinne Adolf Hitlers führen. Für ihn gelte zuerst die Pflicht und bann erst bas Recht, zuerst bas Ganze unb bann bie Person. Der Gemeinde- rat solle ihm treu zur Seite stehen, benn nur durch bie vertrauensvolle Zusammenarbeit aller sei bie Grunblage für bas Wohl ber Gemeinbe zu schaffen. In feierlicher Weise würbe hierauf Bürgermeister Wagner, ber seit 15. Juli v. I. sein Amt kommissarisch versah, oereibigt. Er gelobte, nach wie vor seine ganze Kraft für bas Wohl ber Gemeinbe einzufetzen.
* Staufenberg, 27. Febr. Der 70jährige Polizeibiener Louis Zecher kam so unglücklich zu Fall, baß er einen Bruch des linken Oberschenkels erlitt. Der bedauernswerte Mann mußte zur Behandlung in die Chirurgische Klinik nach Gießen verbracht werden
£ Daubringen, 27. Febr. Der hiesige O b st - und Gartenbauoerein hielt dieser Tage seine Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende W a l- t e r eröffnete die Versammlung, begrüßte einige neue Mitglieder und machte Mitteilungen über den erfolgreichen Abschluß der Arbeiten an den Obst- bäumen (Beschneiden Abkratzen, Ausputzen) in der Gemarkung. Lehrer Henkel hielt sodann einen Lichtbildervortrag über Himbeer- unb Erdbeeranbau. Die lehrreichen Ausführungen gaben ein abgerun- betes Bild über die Arbeiten, den Nutzen und großen Wert solcher Anlagen, die bei geringer Mühe doch reichen Lohn verheißen. Den Schluß bildete eine Uebersicht der Schädlinge dieser Pflanzen und ihre Bekämpfung. Anschließend vertiefte eine rege Aussprache das Gewonnene. Eine Verlosung von Sämereien beschloß die Versammlung.
wg. Großen-Buseck, 26 Febr. In den hiesigen Gemeindewaldungen fand die diesjährige N u tz- und Werkholzversteigerung statt. Es wurden folgende Preise erzielt: Eichenstämme und -Abschnitte 20 bis 60 Mark, Buchenabschnitte 5. Kl. 25 bis 28 Mark. Kiefernstämme 3. und 4. Klasse 28 bis 30 Mark, Lärchenstämme 4. Kl. 25 Mark, Fichtenstämme 3. und 4. Kl. 25 bis 28 Mark je Festmeter. Fichtenstangen kosteten 1. Kl. 1,80 bis 2 Mk., 2. Kl. 1,20 bis 1,50 Mk., 3. Kl. 0,80 bis 1 Mark. Esche Derbstangen kosteten 1 bis 1,50 Mark je Stück. Eschenabschnitte 25 bis 28 Mark je Festmeter. Die Brennholz -Ver st eigerung brachte folgende Preise: Kiefern-Rundscheit 10 bis 11 Mark, Kiefernknüppel 7 bis 9 Mark je 2 Raummeter Kiefernreisig kostete 3 bis 3,50 Mark je 5 Raummeter. — Die Notstandsarbeiten und bie Maßnahmen ber Feld bereinig ung geben ben hiesigen Fuhrunternehmern für geraume Zeit lohnenbe Beschäftigung. Das Anfahren von Steinen für ben Wegebau würbe zum Preife von 1 bis 1,20 Mark pro Kubikmeter bem Wenigstnehmenben übertragen. — Der Rosettenverkauf für bas Winterhilfswerk erbrachte in ber Ortsgruppe Großen-Buseck folgenbe Beträge: Großen- Buseck 40,35 Mark Alten-Buseck 26,20 Mark, Röd- gen 20,25 Mark, Burkharbsfelben 10 Mark, Oppen- rob 7 Mark unb Trohe 4,90 Mark Insgesamt gingen 108,70 Mark ein.
? Reiskirchen, 27. Febr. Die diesjährige Generalversammlung bes Gesangvereins „Harmonie" fanb im Gasthaus Val. Schäfer statt. Der Vereinswalter Pg. Lubw. Balser II. erstattete zunächst Bericht über das vergangene Jahr, bem zu entnehmen war, baß in Reiskirchen bas beutsche Lieb ernsthafte Pflege erfährt. Im Winter vorigen Jahres hielt ber Verein ein größeres Konzert ab. Weiter beteiligte sich ber Verein an allen Feiern bes neuen Deutschlands. Die Sängerzahl l>at sich im verflossenen Jahr erhöht, nicht zuletzt burch ben Eintritt von Sangesbrübern aus bem aufgelösten früheren Gesangverein „Einigkeit". Die Singstunben, von Chormeister Nikolai (Großen-Buseck) wöchentlich gehalten, erfreuen sich eines regelmäßigen guten Besuches. Aus bem Bericht bes Kassenwarts war zu ersehen, baß ber Verein trotz erhöhter Inanspruchnahme finanziell recht befriebigenb steht. Dem Kassenwart Pg. K. Schäfer yiurbe Anerkennung für seine Arbeit unb (Entlüftung zuteil. Im Verlause des Abends wurde
eine Tellersammlung für das Winterhilfswerk durchgeführt, die ben Betrag von 6 Mark ergab. Chor- meister Nikolai ermahnte bie aktiven Sänger zu pünktlichem unb regelmäßigem Singstunben- besuch, bamit am 27. Mai bei bem Gauwertungssingen in Gießen auch entsprechend übgeschnitten werben könne. Der Vereinswalter schloß bie Versammlung mit einem Treuegelöbnis zu Volk, Vater- lanb unb Führer.
? Reiskirchen, 27. Febr. Den Frauenschaft en von hier, Hattenrob, Linbenstruth und Bersrod wurde dieser Tage durch eine Schwester des Kreisjugend- und Fürsorgeamts ein Lichtbildervortrag über „Pflege und Ernährung des Säuglings" gehalten. Anschließend sprach Pfarrer Frank von hier über die Kindersterblichkeit jetzt und in früheren Jahren. Die Frauenschaftsführerin, Frau Frank, schloß den Abend mit einem Treuegelöbnis zum Führer. Schwester Margaretha vom Fürsorgeamt wird in nächster Zeit einen weiteren Vortrag über ein ähnliches Thema halten.
* Reiskirchen, 27. Febr. Der Arbeiter Heinrich Brück von hier erlitt bei seiner Arbeit einen schweren Unfall dadurch, daß ihm ein Stahlsplitter in ben Oberschenkel brang. Der Verunglückte mußte sofort zur Operation in bie Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werben.
Q Göbelnrod, 27. Febr. Vor einigen Tagen hielt bie NSDAP, bei Gastwirt Becker eine Versammlung ab, bie von Stützpunktleiter Stüh- ler geleitet würbe. Pg. Michel (Gießen) sprach über bas Thema: „Unser Kampf einst unb jetzt". In packenben Ausführungen schilberte ber Rebner ben zahlreichen Zuhörern ben 14jährigen Kampf Hitlers um bie Macht. Nach einem Jahre schon seien große (Erfolge aufzuweisen, unb vor allem bie Sehnsucht ber Deutschen nach bem Einheitsstaat Wirklichkeit geworben. So sei es nun selbstverständliche Pflicht jebes Deutschen, bem Führer vollstes Vertrauen entgegenzubringen unb beim Aufbauwerk selbstlos mitzuarbeiten.
Kreis Schotten.
)—( Ruppertsburg, 27. Febr. Unter Leitung bes Ortsbauernführers Wilhelm Horft fand im Gemeinbefaal eine gut besuchte Bauernversammlung statt, zu ber auch viele Frauen und Mäbchen erschienen waren. Es sprach zuerst in längerer, klar burchbachter Rebe ber Leiter ber Abteilung III, Genossenschaftswesen, Herr Rühl von Schotten, über die Entwicklung bes Bauern- standes, feine Versklavung unb bie Maßnahmen ber Reichsregierung zu feiner Befreiung und Hebung Kreisbauernführer Straub (Rainrod) unterstrich und ergänzte in begeisterten Worten das Gesagte und ermahnte zu wahrem Gemeinschaftsgeist. Beide Redner nahmen dann noch Stellung zu verschiedenen Fragen, die aus der Versammlung heraus aufgeworfen worden waren. Ein „Sieg- Heil!" auf den Führer und der Gesang des Horst- Wessel-Liedes beschlossen die Veranstaltung. — Der hiesige Gesangverein „Sängerbund" hielt am Sonntag bei Gastwirt Schlörb seine 52. Generalversammlung ab. Der Leiter W Port begrüßte die Mitglieder und gedachte des im letzten Jahre verstorbenen treuen Mitgliedes Wilhelm Parr 5. Ein ausführlicher Jahresbericht legte Zeugnis von der eifrigen Tätigkeit des Vereins im Jahre 1933 ab. Die Zahl der aktiven Mitglieder wuchs um drei, von den passiven traten fünf aus. Der langjähriae Kassenwart Wilhelm Lehr 2. erstattete die Rechnungsablage, die einen Kassen- oorrat von 8,54 Mark und ein Barvermogen von 489,07 Mark aufwies. Zum Schriftwart wurde Wilhelm Parr 6. ernannt.
4- Eichelsdorf, 27. Febr. In den verschiedenen Bezirken der hiesigen Försterei werden in diesem Jahre große Holzmengen geschlagen. Die Holzbauerrvtten, in einer Gesamtstärke von über 40 Mann, sind bis in den Monat März hinein beschäftigt. Der weitaus größte Teil der gefällten Buchen wird als Brennholz abgegeben, das von den Gemeinden der nördlichen Wetterau zu Hunderten von Raummeter zum Preise von 5,50 bis 5,80 Mark übernommen wird. Infolge des niedrigen Preises scheint sich die Wetterau stärker mit Brennbolz einzudecken als in den vorausgehenden Jahren. Das Holz wird zum großen Teil von hiesigen Fuhrleuten am Bahnhof verladen, zum Geringeren Teil von den Wetterauer Bauern im Walde abgeholt.
Kreis Alsfeld.
11. Merlau, 26. Febr. Im Vereinslokal (Hin- denburgschule) hielt dieser Tage der Gesangverein „Eintracht-Sängerkranz" seine Jahresversammlung ab. Vereinswalter Semper leitete die Versammlung. Nach ber Erstattung bes Geschäfts- unb bes Kassenberichts würbe die Vor- standswahl oorgenommen. Als Ersatzmänner zur Erweiterung des Vorstandes wurden vom ersten
Bei diesen Worten erhob sich der „Tote" aus seiner । väterliche Leibesfülle in Gefahr geriet, vor um unbequemen Lage und erwiderte artig: „Ich danke | mäßiaer Heiterkeit zu bersten ...
Euch, hohe Herrin." Die Wirkung ist leicht auszu- malen, aber dem Schelm wurde verziehen.
Der Brief des Kurfürsten.
Hans blieb nie lange auf einer Stelle, wo es ihm gut ging. Der Frühling und die ungelegten Eier (sprich ungetane Streiche) lockten ihn auf die Straße. Zudem hing der Halbmond in der Luft. Hans zog als Waffenschmied gegen die Türken, die 1529 Öfen und Pest belagerten. Zu allem Unglück schnappten die Sohne des Propheten seinen Herrn, den Grafen, und legten ihn gefangen. Da war denn für Hansen keine Bleibe mehr an der Donau. Auf einem Umwege über alle Jahrmärkte der Christenheit tippelte er nach Trebbin zurück, nahm eine Frau, versprach, seßhaft zu werden (was er nicht tat) und einen ordentlichen Lebenswandel zu führen (woran nicht zu denken war). Die „Mei- sterjahre", die auf die Wanderjahre hätten folgen müssen, wurden seine Schelmenjahre, worin er alle ßebensfünftler seines lachlustigen Jahrhunderts weit übertraf. Handeltreibend zog er durchs Land, ein Kometenschweif von scherzhaften Begebenheiten wirbelte hinter ihm her. Nicht erzählte Scherze, wohlverstanden, sondern gespielte und gelebte. Das Volk jubelte ihm zu. Es sah einen Teil seines Wesens in ihm verwirklicht. Die Schoppen wurden ihm frisch geschwenkt, wo er sich auch blicken ließ. In Jüterbog, Treuenbrietzen, Teltow, Zossen oder Sewekow. Er zahlte mit der blanken Münze seines Witzes. Seine Schwänke durchpflügten das Volk mehr als irgendeine gelehrte Schwarte. Der hohe Adel selbst, bezwungen durch die naive Denkkraft seines Narrentums, öffnete ihm Tür und Tor. Er wurde der besondere Liebling jenes Eustachius von Schließen, den der Historiker Ranke „den ersten brandenburgischen Minister von durchgreifendem und fortwirkendem Verdienste" nennt.
Als ganz außergewöhnlich aber muß bezeichnet werden, daß ihm auch der Landesvater, Kurfürst Joachim II., feine Gunst zuwandte. Das kam so: Clauert war eines Tages von seiner Frau Margarete „lockeren Kartenspielens halber" persönlich beim Kurfürsten verklagt worden. Der hohe, sehr leutselige Herr, der viel von dem Trebbiner Spaßvogel gehört hatte, ließ Hansen kommen und befahl ihm nach kurzem Verhör, einen versiegelten Brief „eilends" an den Hauptmann von Schlieben nach Trebbin zu überbringen. Hans witterte Unrat. Er ging an die Spree, erbrach das Schreiben, ließ sich den Inhalt von einem Scholaren gegen wenige Viergroschen vorlesen (er selbst konnte weder lesen noch schreiben) und erfuhr so, daß der von Schlieben in diesem Brief gehalten war, den Ueber- bringer, (also Hans selbst) auf der Stelle in Haft zu nehmen, bis zum Tage der Untersuchung, die der Kurfürst nach etlichen Tagen in Trebbin selbst vornehmen wollte. — Hans verlor keinen Augenblick die Fassung: er warf den Brief kurzerhand in die Spree, und kneipte sich drei Tage im Bernauer Keller fest. Fünf Tage später, als der Kur-
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