Ir.301 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen) Donnerstag, 27. Dezember 1954
Kalender und Almanache auf das Zahl 1035
— Spurkalender 1935. 11. Ausgabe, 320 Seiten. Ganzleinen 1 Mk. Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam.— (629) — Die 11. Ausgabe des Spurkalenders steht unter dem Gesichtspunkt der Wehrhaftigkeit, die den deutschenJungen beispielhaft vorAugen geführt wird in zahlreichen lebendigen Beiträgen aus Vergangenheit und Gegenwart, in vielen Bildern, vor allem in den 12 schönen Monatsbildern. Reichlicher Schreibraum und ein praktischer Kalenderteil machen den Kalender zu einem brauchbaren Schreibbuch für den deutschen Jungen.
— Wassersport - Kalender. Verlagsanstalt Eduard Mayer, Donauwörth, Preis 2,30 Mk. — (628) — Alle Freunde des Wanderns mit Faltboot und Zelt werden gern in diesem hübschen Kalender blättern, der reizvolle Aufnahmen von der I Ausübung des schönen Paddellvorts in aller öer-1
Benehmen mit dem Abstimmungsberechtigten auszufüllen und dem Transportleiter der einzelnen Züge einzureichen. Die ausgestellten Beförderungsscheine werden sodann durch die Obmänner den Abstimmungsberechtigten rechtzeitig zugestellt.
Die Entscheidung darüber, in welcher Weise die Reise von den einzelnen Abstimmungsberechtigten auszuführen ist, liegt ausschließlich b ei d e n O r - ganen des Bundes der Saarvereine. Es hat daher keinen Zweck und bringt nur unnötigen Schriftwechsel und Verzögerungen mit sich, wenn sich die Abstimmungsberechtigten wegen des Fahrausweises usw. an andere Stellen, z. B. die Reichsbahn, wenden. Zur ordnungsmäßigen Abwicklung des ganzen Verkehrs muß vielmehr unbedingt darauf gehalten werden, daß die Abstimmungsberechtigten ihre Wünsche rechtzeitig, d. h. bei der Ausfüllung der oben erwähnten Antragsformulare durch die Ortsgruppenleiter und Obmänner vorbringen. Nur wenn von den Abstimmungsberechtigten in jeder Beziehung st r e n g e Disziplin gehalten wird, ist die glatte und zufriedenstellende Durchführung der Abstimmungsreisen gesichert.
und die A b f a h r t s st r e ck e im Saargebiet vom Sonderzug zum Bestimmungsbahnhof sowie die gesamte Rückfahrt einschließlich etwaiger Schnellzugszuschlagskosten usw. eingeschlossen. Die Saarbahnen haben die Anwendung des vorhin bezeichneten Beförderungsscheines für ihre Bahnen abgelehnt; Schwerkranke oder Schwerbeschädigte, die mit Rücksicht auf ihren Gesundheitszustand fahrplanmäßige Züge benutzen können, müssen daher für die (im allgemeinen nur sehr kurzen) Eisenbahnstrecken innerhalb des Saargebiets Fahrkarten nachlösen. Das saarländische Zugbegleitpersonal ist verpflichtet, bei der Nachlösung auch deutsches Geld anzunehmen.
Anträge auf Ausstellung der Beförderungsscheine sind von den Obmännern und Ortsgruppenleitern des Bundes der Saarvereine im
IL e rli n, 21. Dez. (DNB.) Für die Volksab- iinmung im Saargebict kommen rund 48 500 Ab- I >nnmungsberechtigte aus dem Reichsgebiet in Beacht. Die Beförderung dieser Äbstimmungs-
lechtigten zum Saargebiet und zurück erfolgt a u f !>o sten des Bundes der Saarvereine, ! r die ganze Organisation der S)in= und Rückbe- irderung übernommen hat. Für den einzelnen Ab- i-mmungsberechtigten ist die Beförderung u n - < rt geltlich.
2ie Beförderung geschieht auf der Hin- und - ickreise grundsätzlich mit Sonderzügen klitter Klasse. Einzelreisen mit planmäßigen ^>gen sind nur in ganz besonderen Ausnahme- filen zulässig. Die Rückreise dagegen kann l m Vorliegen ausreichender Gründe im größeren Infange mit planmäßigen Zügen ausgeführt wer- ti. Die Entscheidung über etwaige Sonderwünsche
Reisenden über — nur in dringlichsten Fällen rigliche — freizügige Reisen für die Hinfahrt und irr die Benutzung der zweiten Wagenklasse liegt, c indsätzlich beim Bund der Saarvereine als dem l-ranstalter dieser Reisen.
Äanz besonders wird darauf hingewiesen, daß i Mitnahme von nichtabstimmungs- Frechtigten Angehörigen nicht mög- lch ist. Auch Kinder müssen in der Regel zu hufe gelassen werden. Sie werden, soweit 'cdere Familienmitglieder nicht vorhanden sind, !>n der NS.-Volkswohlfahrt für die -iuer der Abwesenheit der Eltern betreut wer- -tn. Nur in ganz besonderen Fällen kann die Mit- ibme von Kleinstkindern gestattet werden. Eine (■ tscheidung hierüber liegt ausschließlich bei den tränen des Bundes der Saarvereine.
3ur Bewältigung des Abstimmungsverkehrs aus tun Reich sind 57 Sonderzüge aus allen Gegenti Deutschlands vorgesehen. Die Sonderzüge aus r 111 (e r e n und weiten Entfernungen st'en am Freitag oder Samstag vor der Abftim- nng im Saargebiet eintreffen und am Montag, ^ll.weife auch erst, am Dienstag, das Saargebiet -lieber verlassen. Die Züge aus der Nah- -i' n e werden dagegen erst am Sonntag ins Saar- piet fahren und am gleichen Tage abends wieder / ückgeführt werden. Bei der Besetzung der Züge frh durch eine straffe Organisation dafür Sorge ■ erogen, daß jeder Mitreisende einen l quemen Platz bekommt. Die Züge werden cch keine übermäßige Länge erhalten, damit die (nvähr für eine genügende Erwärmung auch der -Men Wagen des Zuges gegeben ist. Da die Son- dzzüge aus betrieblichen Gründen keine G e- x, ck w a g e n mit sich führen können, ist die Mit- n!h me von großem Reisepepäck nicht nüglich. Die Reisenden sind vielmehr auf die I Mahme von Handgepäck angewiesen. Zur Ver- iriibung non Unbequemlichkeiten in ben Sonber- pen und gegebenenfalls beim Umsteigen wirb pichzeitig bringenb empfohlen, bie Mitnahme von frnbgepäck soweit als möglich zu beschränken, .^ankensahrstühle usw. werben gegebenen- Jüs in Saarbrücken zur Verfügung gestillt. Dahingehenbe Wünsche sinb alsbald bei hn zuständigen Ortsgruppenleiter des Bundes der Li arvereine vorzubringen. Jeder Sonderzug wird dp einem vom Bund der Saarvereine ernannten kansportleiter begleitet; daneben wird für Mn Wagen ein Obmann bestellt. Weiter wer- b i seitens der Reichsbahn den Sonderzügen be- jckdere beamtete Begleiter mitgegeben werdett, so bp jede Gewähr für eine reibungslose und zu- «sPdenstellend- Durchführung der Züge gegeben ist. A3ur Durchführung der Reisen werden besondere fchrausweise, sog. Beförderungsscheine, abgegeben. Sie gelten für die Gefamtstrecke, die d Reisende zurückzulegen hat. Es ist also auch eine kwaige Anfahrts st recke zum Sonderzuge
Die Beförderung der Abstimmung«! berechtigten ins Gaargebiet.
— Deutscher Reichspo st-Kalender 1 9 35. Herausgegeben mit Unterstützung des Reichspostministeriums. Konkordia-Verlag Reinhold Rudolph, Leipzig CI. Preis 2,80 Mark. — (626) — Der Kalender will in gemeinverständlicher Form Zeugnis ablegen für die neuzeitliche und wirtschaftliche Geschäftsführung der Deutschen Reichspost und für ihre Bedeutung als gemeinnützige Einrichtung im Dienste der Volksgesamtheit. In großem Querschnitt führt er durch alle Zweige der vielgestaltigen Aufgaben- und Tätigkeitsgebiete der Deutschen Reichspost; er will gleichzeitig Erklärer der bequemsten und wohlfeilsten Benutzungsmög- lichkeiten und praktischer Berater sein. 128 Blätter geben ein Bild der Ausgestaltung und Leistungen der Deutschen Reichspost. Beförderung und Zustellung, Bahn-, Luft- und Kraftpost, Scheck- und Geld- verkehr, Telegraph, Fernsprecher, Telegraphen- und Fernsprechbau, Rundfunk und Ueberseefunk sowie Verwaltung ziehen an unseren Augen vorüber. Daten aus der Entwicklungsgeschichte der Reichspost begleiten die einzelnen Tage, ausführliche Gebührenübersichten der wichtigsten Post-, Postscheck-, Telegraphen- und Fernsprechgebühren und zwei Kalendarien bilden den Schluß.
— Deutscher Jägerkalender 1935. F. C. Mayer Verlag („Der Deutsche Jäger"), München 2 C. 246 Seiten, Leinen 1,50 RM. — (635) — Der 17. Jahrgang des bewährten Jagdkalenders, zusammengestellt von der Schriftleitung'des „Deutschen Jägers", ist in mustergültiger Ausführung erschienen. Er wird wieder ein Jahr lang der ständige Begleiter des Jägers sein. Seine praktische Zusammenstellung, sowie sein wichtiger sonstiger Inhalt auch in wirtschaftlicher Beziehung usw. heben den „Deutschen Jägerkalender" über den Rahmen eines Fachkalenders hinaus. Er kann sozusagen als ein kleines Jahrbuch betrachtet werden, das säst in allen Fragen Aufschluß gibt.
ren ßäniber in bunter Folge aneinanderreiht, vornehmlich Qus allen Gewässern der deutschen Gaue. Der bekannte Wassersportler, Bergsteiger unb Skiläufer I. C. Luther, ber dem Kalender ein Vorwort gewidmet hat, hat auch viele Bilder beigesteuert.
— Elly Petersens Hunde - und Katzenkalender 19 3 5. Ein künstlerischer Wochenabreißkalender mit 65 Tierbildern. Preis 1,95 RM. Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München. — (487) — Der Jahrgang 1935 ist wieder vortrefflich geglückt. Auf seinen wundervollen Kunstdruckbildern der besten Tierphotographen geben sich Doggen, Pudel, Schäferhunde, Terriers, Teckel, Spitze, Pinscher, Hauskatzen, Siam- und Angorakater ein friedliches Stelldichein. Andere Bläter zeigen treffliche Studien eindrucksvoller Tierphysiognomien, eine brave Hauskatze, die einem kleinen Eichhörnchen Mutter ist, den Schlittenhund Nenana, der einer ganzen Stadt in Alaska das Leben gerettet hat, oder die preisgekrönte dänische Dogge der Filmschauspielerin Jean Howard. Eine Reihe geglückter Bilder stammen von Preisträgern des letzten Photowettbewerbs, zu dem auch heuer wieder den Liebhaberphotographen hohe Geldpreise ausgesetzt sind. So grüßt uns jede Woche ein neues, wunderschönes Kalenderbild, begleitet von einem knappen einfallsreichen Text.
— Hessischer Landkalender für das Jahr 1935. 216. Jahrgang. Ein hessisches Jahrbuch, herausgegeben von Karl Esselborn. Darmstadt, C. F. Wintersche Buchdruckerei. Preis 60 Pf. — (579) — Im neuen Jahrgang ist der echte Kalenderton besonders gut getroffen. Volkstümlich, heimatverbunden, besinnlich, herzenswarm und von sonnigem Humor getragen sprechen die einzelnen Beiträge, meist in Prosa, aber auch in gebundener Rede, zum Leser und laden zu einem behaglichen Feierstündchen am Sonntagnachmittag oder beim traulichen Lampenschein ein. Die 'beigegebenen Bilder Richard Magers, meist hessische Landschaften darstellend, passen sich dem Ganzen stimmungsvoll an. Hoffentlich findet der Kalender nun auch den Weg in recht viele Häuser; vielleicht auch als Gabe unter dem Weihnachtsbaum. Er verdient es. — Daß in der Schilderung des Schreibpultes des bekannten Darmstädter Dichters Christoph Ruths ein 1818 geschaffenes, von großem Können zeugendes Kunstwerk eines Gießener Schreiners der Vergangenheit entrissen wird, sei noch besonders bemerkt. L.
— Athenaion-Kalender „Kultur unb Natur" 1935. Als Abreißkalenber eingerichtet,
mit einem farbigen Titelbild von G. Engelhardt.
.....------ — —., 1,95 RM. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Ausübung des schönen Paddelsports in aller Her-1 m. b. H., Potsdam. — (594) — Auf 185 Seiten
finden wir Abbildungen aus Natur unb Lebern reizvolle Photographien aus allen Gegenben ber Erbe wechseln mit Darstellungen aus Technik unb Wirtschaft, Reprobuktionen wertvoller Kunstwerke stehen neben Bildern aus ber Kulturgeschichte unb Volkskunde. Die Bilber werben ergänzt burch zahlreiche kleine Essays, bie in knapper Form bie Bilber erläutern unb Anregung unb Unterhaltung über den Tag hinaus bieten. Der Text enthält ferner Sprüche und Sprichwörter, Wetterregeln und Garten» Ratschläge in großer Zahl. Auch ein Preisausschreiben finden wir wieder auf der ersten Seite.
— Bayernkalender 1935. Seit dem Erscheinen der ersten Ausgabe sind 25 Jahre verflossen^ Der jetzt vom Verlag Carl Gerber, München, herausgebrachte Jahrgang 1935 — (526) — ist als Jubiläumsausgabe besonders sorgfältig ausgestattet worden. Er bietet aus 122 Blättern und zwei farbigen Kunstblättern eine mit sicherem künstlerischen Geschmack ausgewählte und drucktechnisch mustergültige neue Sammlung schönster Bilder bayerischer Kunst, bayerischen Städtebaues unb bayerischer Landschaft. Preis 2,50 RM.
— Ausritt 1934/1935, Almanach des Verlags Albert Langen-Georg Müller, München Mit 13 Bildbeilagen. 160 Seiten. Preis 80 Pf. —* (616) — Der Almanach gibt einen Querschnitt der Jahresarbeit des Verlages. Neben Paul Ernst („Das deutsche Geschichtsbild"), E. G. Kolbenheyer, Hans Grimm („Gruß an die Freunde in Afrika"), Wilhelm Schäfer, H. Fr. Blunck und Will Vesper stehen die Männer der Kriegsgeneration: Ernst Wiechert mit einer ergreifenden Szene seines Dramas „Der verlorene Sohn", Josef Magnus Wehner mit einer „Herbstelegie"; K. B. v. Mechow erzählt mit leichtern Humor die Geschichte eines kleinen Lebens „Innozenz", Paul Alverdes ist mit einer Erzählung aus dem Kriege „Der Fremde" vertreten, Friedrich Griese fehlt ebensowenig wie Hans Johst. Seine besondere Note erhält der Almanach durch eine Fülle von Gedichten junger Autoren, wie Herbert Böhme, Curt Langenbeck, Eberhard Wolfgang Möller und Peter Hüchel. Ferner die auslanddeutschen Dichter Heinrich Zillich, Adolf Meschendörfer, Erwin Wittstock und Wilhelm Pleyer; endlich Proben aus neuen Büchern von Abendroth, Hohlbaum, Gunnarsson, Rudolf Huch, Ehrler und Lauckner. Alles in allem: ein eindrucksvolles Zeugnis, das der Verlag feinen Freunden ablegt.
— Der Jnfel-Älmanach auf das Jahr 1935 — (454) — enthält wiederum eine Reihe von Proben in Bild und Wort aus wertvollen Neuerscheinungen des Insel-Verlags. Aus Reinhold Schneiders hier schon angezeigtem Buche „Auf Wegen deutscher Geschichte" wurde die schöne Betrachtung an ben Kaiser- gräbern des Speyerer Doms ausgewählt, aus Ernst Bertrams „Deutsche Gestalten": Goethe als Erzieher zur sinnlichen Ueberlieferung. Von andern deutschen Autoren steuerte Karl Scheffler eine interessante Skizze über Londoner Volksgarten bei. Rudolf Alexander Schröder, R. M. Rilke, Hofmannsthal find mit Gedichten vertreten, Friedrich Schmack, Rudolf Kaßner, Otto Nebelthau, Hans Caroffa, Max Mell u. a. mit kürzeren Prosastücken. Die kleine Kindertragödie „Tellervo" des finnischen Dichters Sillanpacae, Timmermans behaglich breit hingelegte Volksszene „Das Nachtquartier in der Holzbaracke", ein Abschnitt aus dem großen Roman „Die Jungfrau auf Skalholt" des Isländers Kam» ban, künden neben anderen Proben von dem Eifer, mit dem der Insel-Verlag seiner Verpflichtung nachkommt, seiner deutschen Gemeinde auch die besten Werke zeitgenössischer Dichter der uns verwandten Völker zu vermitteln. —e.
— Deutscher Almanach für das Jahr 19 3 5. Kartoniert 1,50 Mark. Philipp Reclam jun., Verlag, Leipzig. — (334) — Der Reclam- Almanach für 1935 sucht den neuen Stil eines literarischen Jahrbuchs zu begründen, der dem Wesen und der Weltanschauung des Dritten Reiches angemessen ist. Unter den dichterischen Leistungen finden wir eine neue Novelle von H. Fr. Blunck, „Dammbruch", Tatberichte aus Weltkrieg und Nachkriegszeit von Richard E u r i n g e r, Gerhard Menzel, Alfred Hein. Aus dem großen Dio-
Unter dem Mstelzweig.
'iton unserem ständigen v. -Berichterstatter.
London, im Dezember.
Oberflächlich betrachtet, feiern die Engländer das L ristfest in derselben Weise wie wir Deutschen. v:r Weihnachtsbaum hat auch hier schon längst Ic5 Bürgerrecht erworben; er ist gewissermaßen ini Gefolge des 1861 verstorbenen deutschen Gatten lc Königin Victoria, des Prinzgemahlen Albert, iad) England gekommen. Und heute fehlt er in lenem Hause, das sich die Ausgabe seiner An- Itiffung leisten kann und nicht durch religiöse crvägungen veranlaßt wird, dem Gast aus dem Adelwald die Tür zu versperren. Es gibt auch irr einen Weihnachtsmann, der „Father CHristmas" heißt und den Kindern am Heiligen iliknd Süßigkeiten in die zu diesem Beginnen am Eßende des Bettes aufgehängten Strümpfe stopft.
•.'s ist also ungefähr alles wie in Deutschland. Lur bei näherem Zuschauen wird man den großen knterschied gewahr: in Deutschland ist Weihnachten n:in erster Linie ein Fest der Kinder; ein Fest, k um ihretwillen gefeiert wird und an dem die stwachsenen eigentlich mehr in der Rolle des Verwalters und Zuschauers teilnehmen. In England hegen ist das Verhältnis umgekehrt: die Kinder fri willkommene Gäste, die sich ausnahmsweise rrmal an den Unternehmungen der Großen betei- hn dürfen — und sich bei dieser Gelegenheit nicht bhen den Magen verderben. Statt des Christbaums ■' •et der zum Weihnachtsessen festlich geschmückte "'irf) den wahren Mittelpunkt der Begebenheiten. * - die Eßlust tatsächlich ungemein anregende Dust
wohlgebratenen Truthahns ist bed^itungs- stÄer als der harzige Hauch des Tannengrüns, und ■ bläulichen Flammen, die als Abschluß des Mahls
dunklen Pudding umlodern, schlagen die Lichter V Wachskerzen aus dem Felde...
Nicht wie bei uns herrschen Stille und Beschaulich- Fröhliches Geplauder und — nach dem Genuß h gediegenen Mahls und eines guten Tropfens — fr.i Musik und Tanz an der Tagesordnung, 'i i ber Abend besonders gut gelungen, dann herrscht ire Stimmung wie beim rheinischen Karneval. Jtrn könnte versucht sein, von einer heidnischen Lttbarfeit zu reden. Aber das soll kein Vorwurf fr:, sondern die einfache Feststellung, äaß die Eng- inder das Weihnachtsfest eben anders auffassen if wir.
'3olkspsychologen werden diese Tatsache vielleicht 3 die Einwirkung der Puritaner zurückfübren, le'im Jahre 1644 das Weihnachtsfest als „unchrift-
lich" verurteilten und das Verzehren von Fleischpasteten und Plumpuddings am 25. Dezember als „heidnische Greuel" bezeichneten. „Eine sündhafte Wiederbelebung der barbarischen Feier der Wintersonnenwende", meinten sie. Und vom historischen Standpunkt betrachtet, hatten sie dabei zweifellos recht. Aber nach Wiederherstellung der Monarchie kehrten die Engländer wieder zu den Gebräuchen ihrer Vorfahren zurück. Immerhin mag dieser mit so viel Grimm erfolgte Hinweis auf den wahren Ursprung des Festes die Ursache sein, daß es in England einen so weltlichen Charakter erhalten hat.
Wie sich dies nun in Wahrheit verhalten mag, — soviel steht fest, daß sich in den ganzen letzten Wochen vor dem Fest in ganz England unzählige Hände mit der Zubereitung von Plum- pudding und der Abschlachtung ganzer Heerscharen von Truthähnen beschäftigt haben. Die Nachfrage nach diesen bedauernswerten Vögeln war so groß, daß nicht nur die Dominions, sondern auch andere Länder mit Lieferungen aushelfen mußten, zum großen Kummer der Vorkämpfer des britischen Freihandels, denen vor einigen Wochen eine ganz besonders schwere seelische Erschütterung zuteil wurde in Gestalt eines Berichtes, daß sich ganze Schiffsladungen von Truthähnen von Japan aus nach England in Bewegung gefetzt hätten. Wahr oder nicht wahr, — die Nachricht empörte. Gewiß, die Japaner sind noch bis vor zwölf Jahren die Bundesgenossen Englands gewesen, aber der „Samurai a l s Weihnachtsmann" wird doch als stilwidrig empfunden.
Um auch von etwas anderem als von Essen und Trinken zu berichten: Das englische Weihnachten hat noch eine, Anzahl weiterer Merkmale. So z. B. die Sitte, mit schönen Bildern bedruckte Glückwunschkarten an Freunde und Bekannte zu senden, und die von vielen Theatern gegebenen Weih- n a <f) t s p a n t o m i m e n, bei denen das meist jugendliche Publikum durch Darstellung der Erlebnisse Aschenbrödels, Dornröschens, des gestiefelten Katers usw. ergötzt wird. Es gibt die alljährlich wiederkehrenden Straßensänger, die ihre Weihnachtslieder nicht wie in der guten alten Zeit erst am Weihnachtsabend anstimmen, sondern ihre auf Sammlung von Geldspenden abgestellten Streifzüge schon Wochen vorher begannen. Und um es ja nicht ZU vergessen: es gibt den sinnigen Brauch, Mistel- zweige aufzuhängen. Wer vorsätzlich oder versehentlich unter dieses Symbol gerät, der muß sich ohne Widerrede küssen lassen!
Einen Ort aber hat es während der Adventstage in London gegeben, der dem Besucher die deutsche Weihnacht vor Augen führte, wie sie in der Erinnerung und im Glauben des deutschen
Volkes seit Jahrhunderten fortgelebt hat und wie sie die großen deutschen Meister des 16. Jahrhunderts in Gemälden und Holzschnitten dargestellt haben: in der deutschen evangelischen Marienkirche gelangte ein deutsches Krippenspiel zur Ausführung, um die in London wohnenden Deutschen mit der Heimat aufs engste zu verbinden. Unter dem Patronat des deutschen Botschafters von H o e s ch und der Baronin Schröder ließen die Damen, Herren und Kinder der Botschaft und der deutschen Kolonie, sowie der Schwesternchor des deutschen Hospitals die Anwesenden für einige Stunden aus dem Alltag im fremden Lande in die Innigkeit des deutschen Advents entrücken und spendeten ihnen damit neue Kraft zur weiteren Mitarbeit an der Wiedergeburt des Vaterlandes.
Don f undihrerGeschichie
Seit den Tagen, da der Mensch aus dem Stand der Sonne und dem Schatten eines Baumes die Tageszeit zu erkennen suchte, war er auch bemüht, künstliche Mittel zur Zeitbestimmung zu finden. So sollen die alten Aegypter ihre Obelisken als Sonnenuhren benutzt haben. Aber bald merkte man, daß diese Uhren von den Wckterungseinflüssen abhängig waren; wenn Wolken den Himmel bedeckten, versagte ihre Genauigkeit, und erfinderische Mechaniker sannen auf Mittel, um diesem Uebel- stande abzuhelfen. So entstanden die Sand- und Wasseruhren; zu der nüchternen Zweckmäßigkeit gesellte sich bald die Kunst, die Apparate wurden ausgeschmückt und sinnvolle Mechanismen angefügt. Die berühmte Wasseruhr, die Harun al Raschid Karl dem Großen zum Geschenk machte, wurde von den Zeitgenossen als ein Wunderwerk bestaunt. Sie war aus Bronze gefertigt, kunstvoll vergoldet, zeigte auf einem Zifferblatt die Stunden, und immer, wenn eine Stunde verstrichen war, fiel eine entsprechende Anzahl von kleinen Eifenkugeln auf eine Glocke, so daß die Uhr ein regelrechtes Schlagwerk besaß. Wenn dann der Stundenschlag ertönte, öffneten sich zwölf kleine Türen, Ritter traten aus ihnen hervor, vollzogen eine bestimmte Anzahl von Bewegungen und verschwanden dann wieder im Innern der Uhr. Im mittelalterlichen Gerichtswesen spielte die Wasseruhr eine besondere Rolle. Ein Beamter hatte die Aufgabe, den Lauf der Wasseruhr zu überwachen, und wenn die festgesetzte Zeit abgelaufen war, kündete der Beamte mit einem kurzen Schlag dem Advokaten an, daß er nun sein Plädoyer zu beenden habe. Kein Wunder, daß die Advokaten der alten Zeit keine Freunde der Wasseruhr waren und bei ihren feurigen oder gelehrten Reden stets angstvoll nach dem Wasserglase schielten.
um abzumessen, wann ihr Redeschwall abgestoppt werden würde. Als dann die Uhrmacherkunst so weit fortgeschritten war, daß Uhren durch eigene Trieb» werke im Gang gehalten werden konnten, entstanden jene phantastischen Turmuhren des Mittelalters, die die Bürger zu staunender Bewunderung hinrissen. Man begnügte sich nicht mit dem Stündenschlaa, oben am Turm tauchten seltsame Gestalten auf, oft zogen ganze Prozessionen vorüber, um den ©tun» denabschluß anzukünden. Man sah die drei Weisen aus dem Morgenlande, die alle Stunde zur Jungfrau Maria kamen und niederknieten, bisweilen aber auch geharnischte Ritter, die mit Speer und Schwert auseinander losgingen und durch Stiche und Hiebe die Stundenzahl anzeigten. Bei der berühmten Turmuhr von Lund in Schweden erklangen bei dem Erscheinen der drei Weisen schmetternde Fanfaren, die Könige brachten ihre Geschenke dar, und dann verschwand wie durch einen Spuck der ganze Aufzug wieder im Gehäuse. Von der altehrwürdigen Straßburger Münsteruhr erzählte man die Legende, daß die Ratsherrn den Meister der Straßburger Uhr nach Vollendung seines Werkes blenden ließen, damit er für keine andere Stadt der Welt ein solches Wunderwerk Herstellen könnte. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts fertigte Burdeau für Ludwig XIV. eine Meisteruhr an; da sah man den Sonnenkönig auf feinem Throne sitzen, und alle Stunden kamen genaue Nachbildungen aller europäischen Fürsten, um sich vor Ludwig bis zur Erde zu verneigen. Besonders Wilhelm III. von England, dessen Stolz den Sonnenkönig einst verletzt hatte, mußte sich bis tief in den Staub neigen. Die Uhr wurde dann öffentlich dem Publikum gezeigt, aber eines Tages ereignete sich ein Zwischenfall. Eine der Federn im Werke löste sich los, schleuderte Ludwig XIV. von feinem Throne, und zwar gerade vor die Füße des aufrecht stehenden Wilhelm Ul. Am Hof sah man darin eine Jntrigue des Uhrmachers, und der arme Burdeau mußte in die Bastille wandern und erhielt mehr Zeit als ihm lieb war, um darüber nachzudenken, wie er seine Uhr besser hätte regulieren können.
Hochschulnachnchten.
Dr. Rudolf Kapp, Privatdozent an der Universität Freiburg i. Br., ist zum ordentlichen Professor für englische Philologie an der Universität Würzburg ernannt worden.
Professor Dr. Hermann S e n f t l e b e n , Extraordinarius für Physik an der Universität Breslau, hat einen Rus als Ordinarius an die Universität Münster erholtem


