gerichtete Frontkampferbewegung patriotisch nur im deutschfeindlichen Sinne. Diese Vorspiegelung falscher Tatsachen kann heute nicht einmal mehr von Franklin Bouillon versucht werden, dem „Mann zwischen zwei Kriegen", wie eine Pariser Tageszeitung schneidend diesen Parlamentarier und Nicht- kriegsteilnehmer nennt.
Pierre Laval hat durch seinen Verzicht auf die Entsendung französischer Völkerbundspalizei für die Saar den Beweis erbracht, daß er trotz seiner Versicherung in der Kammer, er wolle keine bilaterale Politik treiben, doch eine unmittelbare Klärung des deutsch-französischen Verhältnisses anstrebt. Er nahm überdies mit dieser Versicherung auch von den Strömungen im Sinne einer zweiseitigen, bündnisähnlichen Beziehung zu Moskau Abstand. Die Grenzen der Freundschaft sowie der innere Zusammenhang der französischen und der russischen Politik werden durch das Protokoll vom 6. Dezember bestimmt. Der O st p a k t mit seinem Ziel, den schwierigen Zustand eines Gleichgewichts in Osteuropa rechtlich herzust^llen, wird zum Zweck der Zusammenarbeit zwischen Paris und Moskau. Von Barthou war das Ostpaktprojekt bündnisbaft verstanden worden. Die Besuche russischer Militär- missionen in Frankreich waren ein beredter Kommentar dazu. Die französisch = italienische
Verständigung wird von Laval als Ergänzung seiner Ostpolitik langsam, aber folgerichtig weiter betrieben. In allem merkt man eine Abkehr von der einseitigen Festlegung auf die Kleine Entente, ohne daß damit mehr gesagt werden soll, als daß augenscheinlich die Bedeutung der europäischen Großmächte deutlicher erkannt wird als. zu jenen Zeiten, da man die Staaten fast nur als Stimmen in Genf bewertete. Die englische Beteiligung an der Saarpolizei hat in Paris ebenfalls neue Hoffnungen auf aktive Einbeziehungen des großen Weltreichs in die europäischen Ausgleichspläne erweckt.
Die innere Entwicklung in Frankreich ist zunächst der außenpolitischen nicht unbedingt gefolgt. Seit 1933, dem Jahr der deutlichen Krise des Parlamentarismus, sucht Frankreich nach einer Möglichkeit, sein inneres Leben neuen Erfordernissen anzupassen,- aber das Kräftespiel hat noch keinen Ausgleich gefunden. Zu Beginn des Jahres 1935 kann man ebensowenig voraussagen, wie die Entwicklung verlaufen wird, wie man im Januar 1934 geglaubt hätte, daß Tausende von erregten Parisern wenige Wochen später nur durch Schüsse daran verhindert werden würden, das Abgeordnetenhaus zu stürmen.
Sm Zahl des Ausstiegs in England.
Von unserem v.ll.-Berichterstatter.
Wer Gelegenheit gehabt hat, die innen- und außenpolitische Entwicklung Großbritanniens seit der Zeit kurz nach dem Weltkriege bis zum heutigen Tage aus nächster Nähe zu beobachten, kann folgende, sich logisch aneinanderreihenden Etappen feststellen: Die Zeiten des Taumels, der Ernüchterung, der Sammlung, des Aufstieges. Innenpolitisch führte der Weg über Sinowjew-Brief, Generalstreik und Abgehen vom Goldstandard zur nationalen Regierung und einem Haushaltsüberschuß, außenpolitisch parallel mit der inneren Erstarkung des Landes zur allmählichen Wiedergewinnung einer vergrabenen Initiative.
Das Jahr 1934 war endgültig e i n Jahr des A u f st i e g s. Auch die schärfste Kritik der Oppositionsparteien kann das englische Budget vom Frühjahr 1934 nicht von einem positiven in ein nepatioes verwandeln. Dies Ergebnis war nur möglich durch die nach Jahren der Enttäuschung gewonnene Einsicht, daß das Land finanziell und wirtschaftlich nicht gesunden kann, solange es der Spielball des Parlamentskampfes ist und daß die Rettung nur in einer Zusammenfassung seiner besten Kräfte in Gestalt einer nationalen Regierung liegt. Traditionelle Grundsätze wurden von Konservativen, Liberalen und Sozialisten über Bord geworfen, als der Ernst der Lage es erforderte. Diese Selbstverleugnung hat sich glänzend gerechtfertigt, denn heute steht England finanziell und wirtschaftlich besser da als je seit dem Kriege. Die natioale Regierung sieht jedoch trotz der Aussicht aus ein noch günstigeres Budget im Frühjahr 1935 die Zeit nicht für gekommen an, um die Zügel aus der Hand zu geben und wird bei den nächsten Neuwahlen das Land um ein neues Mandat ersuchen. Daß sie dies Mandat trotz einer vielleicht starken Zunahme der sozialistischen Stimmen wieder erhalten wird, wenn sie keine großen innen- und außenpolitischen Fehler macht, steht außer Zweifel.
Auch in der größten der das britische Reich berührenden Fragen, der indischen Verfassung s r e f o r m , hat sich die Zusammenfassung der national gesinnten Kräfte aller Parteien durch Entdeckung einer parlamentarisch und politisch zu erreichenden Lösung gerechtfertigt. Der überwältigende Sieg des Standpunktes der Regierung in der Hochburg der Opposition gegen die indische Verfassungsreform, nämlich in der konservativen Partei, hat den Weg freigemacht, um den Grundstein für
ein neues Verhältnis zu Indien zu legem Auch diese Tat wäre ohne die nationale Regierung kaum möglich gewesen und muß daher als ihr bisher größter Erfolg auf dem Gebiete der Reichspolitik gebucht werden.
Auch der auswärtigen Politik der britischen Regierung ist im Jahre 1934 durch die nationale Regierung der Stempel aufgodrückt worden. Um die Außenpolitik Großbritanniens im gegenwärtigen Zeitpunkt völlig zu verstehen, muß man sich vor Augen halten, daß in der Regierung nicht nur Männer verschiedener Parteien sitzen, sondern Männer verschiedener Charaktere und verschiedene Temperaments. Die britische Regierung wird ge- führt von dem idealistischen Weltbürger Mac- donald, die Hauptvertreter der konservativen Partei, Baldwin und Chamberlain, sind nüchterne, praktisch denkende Insulaner, und der Hauptvertreter der Liberalen, der Außenminister Sir John Simon, ist ein logisch denkender Jurist. Daß bei diese» Kombination von Kräften nichts im Affekt geschieht, aber auch nichts, was eines gewissen Idealismus sowie einer rechtlichen Grundlage entbehrt, liegt auf der Hand.
Frühere britische Regierungen haben, im Bewußtsein, daß der durch den Krieg geschwächte britische Löwe der Ruhe und Schonung bedarf, mit Ruhe die berüchtigte „X^att-anci-Lee-Politik" angewandt und dadurch der zielbewußteren, energischeren Politik anderer Länder Vorschub geleistet. Inzwischen hat aber Großbritannien wirtschaftlich und politisch Reserven angesammelt und ein Kapital, dessen Zinsen jetzt fühlbar in Erscheinung treten. Die Haltung der britischen Regierung in verschiedenen enftcheidenden Fragen der Außenpolitik der letzten Zeit war ein klarer Beweis dafür, daß England sich jetzt wieder fester im Sattel fühlt und im Begriffe ist, die Initiative in europäischen und Weltfragen neu zu ergreifen. Für Deutschland ist diese Entwicklung von größter Bedeutung, da sich das Ziel der deutschen Regierung — Friede — mit dem Ziel der britischen >oeckt und auf dieser Grundlage in den kommenden Jahren zahlreiche Probleme, die noch vor kurzem unlösbar erschienen, auf idem Wege der Vereinbarung geregelt werden können. Das ist vor allem durch die Stär- kung Englands sowohl innen- als auch außenpolitisch bewiesen worden — und auch Deutschland hat die Bedeutung dieses Wortes erfaßt: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!"
Stalins Kampf gegen die Opposition.
Abteilung im Auswärtigen Amt, die durck h mäkiaen Austausch von sn r a ? - r z9oet>!
und einen Selbstverwaltungsplan für
Weiße Weihnacht in Berlin
Er erwartet Dich am Montag, den 24. Dezember Saales begrüßte der Führer eine ganze Reih!.'- 1934, mittags 1.30 Uhr zur Weih nachtsbe- alten Parteigenossen. Dann nahm Oberacuvvr f Aori, n n i m © r. »+ « (T f n n" fO « - . ___s. • <r> . r ......... V .. " ...
strahlenden Licht prangende, mit Adventskränzen
5 0 0 bedürftigen Kindern, die von den Bürgermeistern der verschisdenen Stadtbezirke ausgewählt worden waren, war eine wunderhübsche Einladungskarte zuasgangen, auf der es heißt: „Ministerpräsident Hermann Göring hat mit dem Weihnachtsmann gesprochen, damit auch Du zu Weihnachten nicht vergessen wirst.
rer Brückner die Bescherung der SÄ.» uni)» Männer vor. Glückstrahlend konnte jeder mit« großen Weihnachtspaket nach Hause gehen.
d s ch u r e i, der im Lauf von zehn Jahren durchgeführt werden soll, und die Schaffung einer neuen
scherung im Ko nzerthaus „Clou", Berlin, Mauerstraße 82." Schon um 1 Uhr war der im
wurde durch den minutenlangen 9ubel btr als- ? Kämpfer. Immer wieder klang aus der Nr t:: hervor, was in den langen Jahren des W < die Bewegung groß gemacht hat und was Mi-, i Deutschland groß machen wird: Unbeugsamer 511 Kraftbewußtsein und unbeirrbares Weiter!-:-? >- auf dem bisherigen Wege. Beim Verlassen ü •
und Weihnachtsbäumen geschmückte Elm,' I besetzt: 500 Kinder mit ihren AngehörigenV T1 an weißgedeckten Tischen Platz, wo ihnen und Kuchen gereicht wurden. In der W.L'I! Riesenraumes waren auf langen Tafeln hi. I ’ schenke aufgebaut: Kleidungsstücke, gute I 1 fachen, Körbe mit Lebensmitteln. Und j>ie S ' für jedes Kind nach Alter und Bedürfnis? i1 wählt. Die Kapelle der Landespolizei-Gruvv»- " neral Göring", spielte Weihnachtslieder D !! Präsident Göring sprach herzliche Wort,' < Willkommens und kündigte das Komme-.
W e i h n a ch t s m a n n e s an. Und wirklich h d gleich darauf St. Nikolaus, dargeftellt ooni ! Mitglied des Staatlichen Schauspielhauses!- r ath mit 12 kleinen Heinzelmännchen in denÜ 6 umjubelt von groß und klein. Der große n ■ Bescherung folgte, bei dem es nur selige L ’! Herzen und leuchtende Kinderaugen M , “ Schätzen reich beladen, ging es zurück cm bie <i ' wo die Knaben und Mädchen ihren Anae^j ' glückstrahlend die reichen Gaben zeigten < j fang man Weihnachtslieder, die Kinder-Weil^ J filme bildeten den Abschluß des schönen Feslk^ Liebe, das „Onkel Göring" so vielen kleinen^ schenkindern im „Clou" bereitet hatte.
Der Führer feiett im Kreisei ättestenRünchenerpatteigeG
M ü n ch e n, 24. Dez. (DNB.) Wie in den letzten Jahren, so verbrachte der Führer qiZ Heiligen Abend des Jahres 1934 einige V Kreise von mehr als taufend derä st en Münchener SA. - und SS.-Männ, die er in den großen Wagnersaal zu einem meinsamen Mittagessen eingeladen und die anschließend von ihm beschenkt win? Der Saal war mit Tannengrün festlich geldjm.- Ueber die Tische spannten sich Tannengirlanden denen rote Kerzen hervorflackerten. Saal, und Nebenräume waren dicht besetzt mit Kämpfern, denen die Freude aus den Augen leis tete, mit dem Führer Weihnachten feiern und em: -I Stunden frohen Zusammenseins verbringen • nen: Kaum einer ohne das goldene HrenaS,iech.i, der Partei, zahlreiche von ihnen geftjiMmübtRi Blutorden vom 9. November. Der Führ« * t an die alten Kämpfer eine tief zu $)erj«q^>: Ansprache, in der er immer wieder untmret ■ ?
Berlin, 24. Dez. (DNB.) Der große Tag des Festes der Liebe und der Freude erfüllte zur freudigen Ueberraschung für jung und alt auch die letzte stille Sehnsucht: Er brachte den Weihnachtsschnee. Weiße Weihnacht über Berlin! — Noch einmal war die Großstadt zu kurzer aber schwerer Arbeit erwacht. Schwer ist für die abertausend Verkäufer und Verkäuferinnen, die noch den letzten Ansturm des Publikums zu bestehen hatten. Ueberfüllte Bahnen mit heimwärtsstrebenden Pakete beladenen Menschen. Glückliche, strahlende Gesichter im Gefühl des Schenkenkönnens. Allmählich löschte Geschäft auf Geschäft seine Lichter. Auch der Weihnachtsmarkt im Lust- g arten, das große Ereignis dieses Jahres, wechselte innerhalb kurzer Augenblicke sein Festbild. Hunderttausenden Besuchern hatte er Freude, unzähligen kleinen Händlern Verdienst und- damit ein frohes Weihnachtsfest gebracht, wer eine Stunde später durch die Kaufstraßen der Großstadt schritt, der ging plötzlich als einsamer Wanderer durch eine schlummernde, märchenhafte Dornröschenwelt, lieber allem lag die weiße Decke des ersten Weihnachtsschnees.
Mit der sterbenden Straße aber kehrte das Leben in die Häuser. Von der Höhe ihrer Türme läuteten d i e Glocken aller Kirchen den Heiligen Abend ein, riefen die Schar der Gläubigen zu einer stillen Andachtsstunde. Durch die hohen bunten Kirchenfenster drang der Schein mystisch gedämpften Lichtes. Orgelklang: Dom Himmel hoch, da komm' ich her! Weihnacht überall! In den katholischen Kirchen waren bereits um 5 und 6 Uhr früh Christmetten abgehalten worden, aber auch die Mitternachtsstunde rief noch einmal zur Mette.
Das Amt für Volkswohlfahrt hatte allen Familien, die seiner Fürsorge anvertraut waren, einen besonderen Gabentisch aufgebaut. Für Junggesellen und alleinstehende Frauen war im Berliner Funkhaus eine Abendfeier veranstaltet. Die NSV. hatte einen Aufruf an die bessergestellten Volksgenossen ergehen lassen, sich dieser Vereinsamten anzunehmen, sie zu beschenken und zu bewirten. Der Berliner hat seine Volksverbundenheit gezeigt. Unzählige waren um Zuteilung Alleinstehender eingekommen. Es hat wohl selten eine Weihnacht gegeben, an der die Schicksalsgemeinschaft in ähnlichem Maße zum Ausdruck kam, wie an diesem Heiligen Abend, der von dem herzlichen Wunsch aller getragen war, Freude zu bereiten.
Formosa vorsieht. Unter den weiteren Vorlagen mäßigen Austausch von P r o fe f inÖ' befinden sich auch die Kündigung des Washingtoner Studenten mit anderen Ländern nett Flottenvertrages, ein Ansiedlungsplan für düngen mit dem Auslande fchaffen i Zwei Millionen Koreaner in derMan- Staatsschuld Japans beträgt zehn tmJ.
Den bei einem Zinsendienst von 400 Mill sarnthaushalt balanciert mit 2194 000dj'!'
Oer Heilige Abend in der Reichshauptstadt. - „Ministerpräsident (Sftriit I hat mit dem Weihnachtsmann gesprochen/'-S00 bedürftige Kinder im
Die allgemeine Wehrpflicht ;i die Charakterschule des deutschen Doll« ; Unterredung des Deichswehrministers mit einem amerikanischen 3ourn*
Oie politischen Hintergründe des Attentats aus Kirow.
Oie Anklageschrist gegen Nikolajew.
Moskau, 27. Dez. (DNB. Funkspruch). Die Telegraphenagentur der Sowjetunion veröffentlicht die Anklageschrift gegen Nikolajew, den Mörder Kirows, und dreizehn seiner Genossen. Die Anklageschrift und ihre Begründung umfaßt drei Bände von etwa je dreihundert Seiten. Die Angeklagten werden des Vergehens gegen den § 58, Punkt 8 und Punkt 11 des Kriminalgesetzbuches der RSFSR. (Räterußland) — gegen Revolution und politischen Mord — beschuldigt. Im Laufe der Untersuchung, so heißt es in der Anklageschrift, sei festgestellt worden, daß die Terroristen aus ehemaligen Anhängern der Sinowjew-Gruppe bestanden und die Bezeichnung „Leningrader Zentrum" geführt hätten. Die führende Rolle in dieser Gruppe habe K a t al y n o w inne gehabt. Er sei vor seinem Uebertritt zur Opposition Sekretär der Parteiorganisation der Jungkommuni st en im Viborger Bezirk Leningrad gewesen. Katalynow, ein überzeugter Gegner Stalins und seiner Gruppe, habe einen sehr großen Einfluß auf Nikolajew, mit dem er seit 1924 zusammen gearbeitet habe, gehabt. Die Terroristen, die größtenteils 30 bis 35 Jahre alte Studenten und Angestellte seien, werden als Vertreter der Jugend bezeichnet. Ein Teil dieser Leute habe einen A n - schlag auf Stalin vorbereitet.
Nikolajew sowie seine Genossen hätten gestanden, daß Nikolajew mit Wissen Katalynows einen ausländischen Konsul in Leningrad einige Male aufgesucht habe. Der Name des Konsuls ist in der Anklageschrift mit 16 Punkten, der seines Landes mit 12 Punkten angegeben. Nikolajew, der ein überzeugter Anhänger der Intervention ausländischer Mächte gewesen sei, habe den ausländischen Konsul um Geld gebeten. Der Konsul habe ihm 5000 Rubel gegeben, von denen er 4500 an Katalynow weitergegeben habe. Ein Bruder Nikolajews und einer seiner Freunde hätten bei ihrer Vernehmung angegeben, daß Nikolajew immer gegen die Intervention gesprochen habe. Dies beweise, daß Nikolajew dieselben Ziele verfolgt habe, wie die weißrussischen Emigranten» Organisationen im Auslande.
Nikolajew habe die Ermordung so durchführen wollen, daß es ausgesehen hätte, als ob es sich um einen einzelnen Terrorfall handele, um damit die Organisation zu decken. Der Angeklagte Schazki habe ebenfalls den Auftrag zur Ermordung Kirows
gehabt. Deshalb habe er seit langer Zeit die Lebensgewohnheiten Kirows beobachtet.
Mch Verordnungen des Zentralvollzugsausschusses vom 10. Juli und 1. Dezember d. I. werden sämtliche Angeklagten dem Militärkolleaium des Obersten Gerichtes der Sowjetunion zur Aburteilung übergeben. Nack einem weiteren Erlaß des Zentralvollzugsausschusses müssen die Todesurteile 24 Stunden, nachdem die Anklage- schrift den Angeklagten zugegangen ist, v o l l st r e ck t werden.
/z(Säuberungen^ in der Ukraine.
Moskau , 27. Dez. (DNB. Funkspruch.) Amtlich wird mitgeteilt: Die Sowjetregierung hat das Parteikomitee von Dnjepropetrowfk in der Ukraine einer Säuberung unterzogen. Eine Reihe von Funktionären wurde von ihren Posten enthoben. Es wurde festgestellt, daß unter den Professoren der Universität Dnjepropetrowsk Trotzkische sowie u k r a i n i s ch - a u t o n o- mistische Ideen stark verbreitet waren. Eine Reihe von Professoren wurde ebenfalls ihrer Po st en enthoben.
Ein politischer „Gehirntrust" in Japan.
Tokio, 26. Dez. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt, daß in dem Staatshaushalt von 1935/36 200 000 Yen für die Gründung und Unterhaltung eines „Rates für Staatspolitik" eingesetzt wurden. Diesem Gremium wird in politischen Kreisen die Bezeichnung „Gehirntrust" gegeben. Er soll aus 10 bis 15 führenden Politikern bestehen, die unabsetzbar sind und nicht mit dem Abtreten des Kabinetts wechseln, obgleich der Vorsitzende der jeweilige Ministerpräsident ist. Der Rat soll alle wichtigen Fragen der Außen - und der Militärpolitik Japans bearbeiten, soweit sie nicht unmittelbar dem Oberkommando der japanischen Armee unterstehen.
Die große Derwaltungsreform Man- dschukuos ist in Kraft getreten. Der Kolonial- minifter wird aus der Verwaltung ausscheiden, an seiner Stelle übernimmt Kriegsmini st er Hayashi das Mandschukuo-Büro im japanischen Kabinett. Dem Reichstag, der heute feierlich eröffnet wurde, ist der Reorganisationsplan der Verwaltung Mandschukuos zugeleitet worden. Gleichzeitig wurde ihm der Haushalt unterbreitet. der iL a. eine zusätzliche Bauernhilfe
Berlin, 24. Dez. (DNB.) Der Berliner Chefkorrespondent der „Associated Preß" P. L o ch n e r hatte eine Unterredung mit dem Reichswehrminister Generaloberst v. Blomberg, über die er wie folgt berichtet:
Reichswehrminister Generaloberst v. Blomberg empfing mich in seinem freundlichen Arbeitszimmer am Tirpitz-Ufer zu einer etwa anderthalbstündigen freimütigen Unterhaltung. Auf meine erste Frage über die deutsche Rüstungslage erklärte Generaloberst von Blomberg: „Zu einer solchen Auskunft bin ich natürlich nicht befugt. Eine Antwort auf diese rein politische Frage kann ich Ihnen als Fachminister nicht geben. Das liegt allein in der Hand des Führers und Reichskanz- l e r s."
„Gestatten Sie, Herr Reichsminister, daß ich Ihnen erkläre, wie ich zu dieser Frage kam" entgegnete ich. „Es vergeht wohl kaum eine Woche, ohne daß unser Berliner Büro eine Anfrage über die deutsche Rüstungslage aus unserer Zentrale in Neuyork erhält. Ich habe immer zurückgedrahtet, ich sei kein Spion; ich könne nur über öffentliche bekannte Tatsachen auf militärischem Gebiet berichten. Mein Generaldirektor, Kent Cooper, schrieb mir kürzlich, er billige meinen Standpunkt voll und ganz. Er und ich würden uns natürlich sehr freuen, wenn wir autoritative Antworten erhalten könnten. Darf ich Ihnen ein paar der an mich gedrahteten Fragen vorlegen?"
General von Blomberg nickte mit dem Kopfe. Ich zog wahllos hervor: Jene Nachricht von der angeblichen Fabrikation eines neuen tödlichen Giftgases in Mißburg (Bayern) (?); die Mutmaßung des Sonderausschusses des amerikanischen Senats, daß Militärflugzeuge im geheimen von Amerika nach Deutschland geschmuggelt werden; Lammot Duponts Behauptung, Deutschland fabriziere große Mengen hochexplosiver Spreng st offe entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrages.
Ein amüsiertes Lächeln umspielte die Lippen des Ministers. „Wissen Sie", meinte er, „wir lesen täglich so viele absurde Behauptungen über unsere militärischen Angelegenheiten, daß wir es uns versagt haben, auch nur den Versuch zu machen, den offensichtlichen Unsinn, der den meisten dieser Behauptungen zugrunde liegt, zu dementieren. Nehmen wir z. B. die Behauptung, daß wir im geheimen Flugzeuge aus dem Ausland hereinschmuggeln. Die Franzosen wissen genau so wie wir, daß die amerikanischen Flugzeuge mit zu den besten der Welt gehören. Die Franzosen haben elbst eine Anzahl „Musterexemplare" verschiedener amerikanischer Typen erworben. Warum? Weil sie diese Typen auszuprobieren wünschen, um lelUustellen. ob evtl. Der
ber SA. aufa; er. „Es ist der g’
Handlungen mit den Konstrukteuren gepflim w* - den sollen zur Erwerbung einer jjübri1 1 kationslizenz. Weder schmuggeln mir iffl Heimen amerikanische Flugzeuge ein, noch1 man solche importierten Flugzeuge auf das Fr- tiel de guerre‘ anrechnen."
Hier erlaube ich mir eine weitere Frage- steht es mit der SA und S S", fragte ich " Ausland herrscht die Meinung vor, diese se-eo '■ dem ,potentiel de guerre* zu rechnen.*
„Seit den Ereignissen des 30.Juni hat Soldatenfpielerei in t.
hör t", entgegnete der Minister. „»=> h» — ., Wille und ausdrückliche Befehl de- Führers, W f d i e Reichswehr — und fie allein-^' Waffenträger der Nation fein soll- r neue Chef des Stabes der SA. Lutze findet hierin in voller Uebereinftimmung mit dieser »- faffung." .
Auf meine weitere Frage, ob die Regierung m“ beabsichtige, die allgemeine WehrpU'^, der Vorkriegszeit wieder einzuführen, erwidertet u Minister, nachdem er sich die Antwort genau uo • legt hatte:
„Zunächst ein TB ort über u n fere Rr.48' wehr m i f ihrer langen
Sie werden mich nicht für unbescheiden ho"en, wenn ich behaupte, daß wir wirklich n ® J fein können auf das v e r teidigvngr' instrument, das sich aus unserem new Berufsheer entwickelt hat. Indem ich die allgemeine Wehrpflicht cusipr^ wünsche ich keineswegs etwas gegen die • slung des bisherigen Berufsheeres zu wi' 3m Gegenteil. Wenn Deutschland auch DU.r (Eroberungen oder sogar an Krieg so erkläre ich als Fachmann Ihnen offto eine Armee, die sich a us Berufs so los mit langjähriger Dienftverpi t u n g zusammenfehl, für diese 3 " besser ist, als ein Heer von kurz dien Wilitärpflichtigen. Auf technischem Gebt«\ w tet die Entwicklung so rasch In diesem 2Haf Zeitalter fort, daß eine kleinere 2ln;ah Männern, die jedoch durch viele Iahre Y> ausgebildet worden sind, besser ist, als große Masse von nur kurz Ausgebildetem deutsche Auffassung über das Militär eine ganz andere. Dir sehen iniy _ ein Instrument des Angriffes und'der rung, fonbern eine hohe scho Bildung des L hn ro He re. M«P wofür sich bet JtationalfoiletismM «W*1


