Einzelbild herunterladen

Itr. 277 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Dienstag, 27. November 1954

Erlebnisse auf Tierfang-Expeditionen

i, in dem sie ihren Wohnsitz haben oder

fr Gewerbe betreiben. Die mit den Anträgen vor-

,^ch weiß schon, was ich tue, mein lieber Borg-

Fvrfchunaen einmal weiter- ich vielleicht zu alt geworden

Freude", 19.30 Uhr, CafL Leib, Jahresfeier der NSG.Kraft durch Freude"; 19 Uhr,Einhorn", Feier der Betriebsnemeinfchaft der städtischen Be­triebe. Kreisamtsleitung der NSV., 14 Uhr, Cafs Leib, Saarkinder-Nachmittag. Stadttheater, 20 bis 22.15 Uhr,Die Braut von Messina". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, Gastspiel des Kuban- Kosaken-Chors undEin Herz für ein Lied". Gießener Konzertoerein, Universitätsaula, Klavier­abend: Professor Alfred Hoehn. Reichskammer

Schilderung, daß der Elefant etwa 120 bis 150 Zentner wiegt, jeder seiner Stoßzähne etwa zwei Zentner, daß ein Nashorn ein Gewicht von etwa 40 Zentner hat und das Horn über einen Meter lang wird, der Löwe am Tage vor dem Menschen davonläuft wie ein Hase, lediglich der an Menschen­fresserei gewöhnte Löwe auch am Tage gefähr­lich ist.

Im weiteren Verlaufe des Abends schilderte Dr. H e ck in Anlehnung an seinen Bericht über den Tierfang die Landschaft Ostafrikas, die gar nicht so unheimlich sei, wie man sie im allgemeinen ge­schildert habe, die vielmehr auf jeden, der sie ein­mal kennen lernte, einen außerordentlich fesseln­den Reiz ausübe und ihn mit großer Liebe zu diesem Lande erfülle, so daß er sich immer wieder nach ihm sehne. Afrika sei überhaupt nicht der dunkle, sondern der hellste Erdteil, wenn man sich an das wunderbare lichte Bild seiner weiten Step­pen mit dem hellen Sonnenschein Tag für Tag erinnere, die Unberührtheit jener Erde und ihren unendlichen Reichtum an Tieren aller Art sich ver­gegenwärtige, so daß man dort drüben immer nur ein großes Glücksgefühl empfinde.

Viele gute Lichtbilder zeigten dann den mit größter Aufmerksamkeit lauschenden Besuchern die Schönheiten des Landes und die verschiedensten Rassen seiner Bewohner. Es war von großem Reiz, anhand dieser Lichtbilder den Vortrag des Redners auf sich wirken zu lassen. Eine sehr wert­volle Bereicherung bot Dr. Heck durch die Vor­führung einiger Schallplatten auf einem Grammo­phon, die alle möglichen Tierstimmen von einem Lager beim Tierfang Wiedergaben, angefangen von dem Gezwitscher der verschiedensten Vogelarten über das Lachen der Hyäne, das Bellen des Schakals, das Schreien der Affen, bis hin zu dem Gebrüll des Löwen auf der Jagd und beim Riß. Weiter­hin gab er seinen Zuhörern eine Vorstellung von den großen Schwierigkeiten beim Transport ge­fangener Tiere aus der freien Wildbahn durch die Steppen bis zum Hafen, dann mit dem Schiff und mit der Bahn bis zum Bestimmungsort in irgend­einem Zoologischen Garten, und von der großen Arbeit eines solchen Transports, zugleich aber auch von der Liebe, mit der der Mensch dem gefangenen Tier begegnet.

Am Schlüsse seines fast zweistündigen, fesseln­den Vortrages gab Dr. Heck noch einen kurzen Hinweis auf die Wichtigkeit des Kolonialbesitzes für unser Volk und Vaterland, wobei er dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß es uns möglichst bald vergönnt sein möchte, unsere schönen afrikanischen Kolonien wieder zu erringen und dort unter dem alten schwarzweißroten Banner, das uns mit der Vergangenheit verbinde, und unter dem Hakenkreuzbanner unseres Führers Adolf Hitler, das einzig und allein die deutsche Zukunft darstelle, zum Segen der Kolonien und zum Besten unseres Volkes wieder zu arbeiten.

Dem Vortragenden wurde für den schönen Abend, den er mit seinen Erzählungen bereitete, mit leb­haftem und herzlichen Beifall gedankt.

Die Vortragsvereinigung (Goethebund und Kauf­männischer Verein) bereitete ihren Mitgliedern und Gästen am gestrigen Montagabend in der Neuen Aula eine außerordentlich fesselnde und belehrende Unterhaltung. Vor dem vollbesetzten Saale hielt der Direktor des Zoologischen Gartens in Berlin, Dr. Lutz Heck, einen sehr interessanten Vortrag über seine Erlebnisse und Eindrücke auf Großtier-Fang- expeditionen in Deutsch-Ostafrika, wobei er seinen in freier Erzählung gebotenen Vortrag durch eine große Anzahl schöner Lichtbilder ergänzte.

Einleitend erwähnte Dr. Heck, daß der Berliner Zoologische Garten mit seinem Bestand von rund 4000 Tieren der größte Zoo der Welt sei. Als wertvollstes Stück besitzt der Berliner Zoo eine Elefantenrobbe, die aus dem Südpolargebiet stammt, über 40 Zentner wiegt und mehr als 40 000 Mark gekostet hat. Als sehr seltenes Exem­plar gehört ihm ein riesiger Gorilla-Menschenaffe, der jetzt rund 5 Zentner wiegt und der größte Affe in der Gefangenschaft ist. Weiter erwähnte der Vortragende, daß der Berliner Zoo als Selten­heiten noch Wisente, Elche, Uhu, Auerhahn usw. uiw. besitzt. In diesem Zusammenhänge wies der Redner mit Genugtuung auf die Bestrebungen des Reichsjägermeisters, Ministerpräsidenten Göring auf Schaffung eines Urwaldgeheges in der Schorf­heide zur Hege der seltensten Wildarbeiten in Deutschland hin.

Im Geiste führte Dr. Heck seine Zuhörer dann nach Ostafrika, wo er schon mehrmals zum Tier­fang weilte. Er teilte mit, daß Ostafrika das tier­reichste Land der Erde überhaupt sei. Um Iren Aequator herum herrsche ein Tierreichtum, von dem man sich bei uns in Deutschland überhaupt keine Vorstellung machen könne. Dabei sei aber nicht etwa der Urwald die tierreichste Gegend, weil er den Tieren infolge Mangels an Licht nicht die erforderlichen Lebensbedingungen biete. Der gewal­tige Tierreichtum sei vielmehr in den weiten Step­pen zu finden, wo man so riesige Mengen von Tieren aller Art antreffe, wie man sich nach euro­päischen Verhältnissen überhaupt nicht denken könne. Als Beispiel dafür erwähnte der Vortragende, daß er selbst in dem Krater von Morogoro (es handelt sich dabei um eine Strecke von etwa 20 Kilometer Durchmesser) rund 50 000 Tiere beieinander gesehen hat, bestehend aus Wild aller Arten. Außerordent­lich anschaulich schilderte er dann manche Erlebnisse inmitten der gewaltigen Tierherden, wobei er aucfy unzutreffende Vorstellungen und Ansichten, die auf gewissen Renommierberichten beruhen, richtigstellte. Er erwähnte dabei auch, daß die vom Berliner Zoo veranstalteten Tierfang-Expeditionen nicht etwa durch Zuschüsse von irgendwelcher Seite her finanziert wurden, sondern die Kosten ihre Deckung fanden aus dem Verkauf von gefangenen Tieren, der Berliner Zoo überhaupt ein Privatunterneh­men sei, dessen finanzielle Grundlage ohne Zu­schüsse sich in voller Ordnung befinde. Weiterhin teilte der Redner mit, daß man als für Menschen gefährliche Tiere nur den Elefanten, den Büffel, das Nashorn, den Löwen und vielleicht noch den Leopard ansehen könne. Interessant war bei dieser

der bildenden Künste, Gruppe Gießen, Turmhaus am Brand, 16 bis 18 Uhr, Weihnachtsausstellung.

Stadttheater Gießen. Heute im Dienstagabonnement das TrauerspielDie Braut von Messina" von Schiller; Spielleitung hat Inten­dant König.

Adventszeit in der deutschen Kin- b e r ft u b e." Unter diesem Leitsatz veranstaltet das Fröbelseminar am Freitag, 30. November, im Kindergartensaal, Walltorstraße 59, Weihnachts-.

Zeuau so jung, unschuldig und träumerisch war sein Schwesterchen Margarete gewesen. Alles, was von unterdrückter Zärtlichkeit in seinem einsamen Herzen ruhte, strömte Eva van Koster entgegen.

Die kleine Eva schien das zu fühlen. Sie schloß sich mit einem rückhaltlosen Vertrauen an den viel alteren jungen Mann an. Sie sah in ihm bald etwas wie einen älteren Bruder. Zu ihm kam sie mit all ihren Sorgen und Wünschen.

Eva scheint mehr Vertrauen zu Ihnen zu haben, Friedrich, als zu mir!" sagte van Koster nach einiger Zeit.

Friedrich erschrak. Sollte der väterliche Freund es unlieb empfinden, daß sein einziges Kind sich einem Fremden erschloß?

Aber auf eine stockende Frage Friedrichs hatte der Professor nur gütig gelächelt:

,/Zch wäre ein schlechter Vater, wenn ich mich über die Freundschaft meiner kleinen Eva zu einem anderen Menschen nicht freuen sollte. Es ist ein großer Altersunterschied zwischen Eva und mir. Das habe ich immer mit einer gewissen Sorge bedacht. Eva wurde mir und meiner verstorbenen Frau nach fünfzehnjähriger Ehe geboren. Und ich fühle doch sehr, daß ich nicht mehr der richtige Gefährte für meine kleine Eva bin. Sehen Sie, auch das war mit ein Grund, weswegen ich Sie ins Haus gezogen habe. Ich hatte das Gefühl, Sie könnten meiner kleinen Eva ein Berater und Freund werden und Eva Ihnen vielleicht ein kleiner Ersatz für das, was Sie verloren."

Wie gütig Sie alles für mich bedenken, Herr Professor!" hatte Friedrich damals gesagt. Und die weise Wärme des verehrten Mannes hatte ihn mit tiefer Dankbarkeit erfüllt. Der Kummer um den Verlust der Eltern und seiner kleinen Schwester Margarete verblaßte allmählich. Mit der glücklichen Elastizität der Jugend begann Friedrich Borgloh in der Gegenwart zu leben. Diese Gegenwart hieß die geliebte Arbeit mit dem verehrten Forscher, diese Heimat in dem schönen Hause hier in dem Vorort von London hieß das Zusammensein mit der kleinen Eva.

Friedrich Borgloh seufzte unhvrbar auf. Da hatte er sich in diesen Minuten ganz in die Vergangenheit versenkt. Und doch mußte er jetzt an die Zukunft denken. Und diese Zukunft hieß: Trennung von van Koster und von der kleinen Eva.

Wieder seufzte er auf. Diesmal schien Professor van Koster den leisen Laut vernommen zu haben. Er wandte sich um. Blickte über seine Brillengläser, einen Augenblick noch ganz abwesend, zu dem jungen Chemiker. Dann nickte er ihm herzlich zu:

Das ist recht, daß Sie kommen, Borgloh! Ich bin hier mit meiner Untersuchung ein schönes S*ück weitergekommen."

Er 'setzte das Glasröhrchen behutsam zum Ab­kühlen in ein dazu bestimmtes Gefäß.

(Fortsetzung folgt!)

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag: Deutsche Meitsfront, NS. - GemeinschaftKraft durch

Aus der Provinzialhauptstadt.

Hexenringe.

Wer zur Zeit die dunklen Tannenwälder durch- wandert, bleibt vielleicht plötzlich wie gebannt vor 1 einem merkwürdigen Pilzvotkommen stehen. Dutzende von großen Hutpilzen der gleichen Art wachsen reihenweise aus dem schwarzbraunen Wald- Zoden und beschreiben dabei einen mehr oder weni­ger regelmäßigen, in sich geschlossenen Kreisbogen. Äm auffallendsten ist der Anblick bei den großen weißen Hüten mancher Milchpilze, dem gelblichen Rreisling, Zigeunerpüz oder auf Kalkboden bei zroßen Keulenpilzen. Auch auf feuchten Wiesen- ^ründen kommt der bläuliche Ritterplitz manchmal m größerer Menge vor, der mächtige Kreise be­treibt

Was der Volksglaube früherer Zeiten nicht durch atürliche Vorgänge zu erklären vermochte, schrieb ir.übernatürlichen Wesen wie Waldgeistern, Wich- l.lmännchen, Elfen, Druden und spater dem Urn- pnfl des Teufels mit Hexen zu. Der von solchen keifen umschlossene Raum war der Tanzplatz, auf imen die gemeingefährlichen Wesen ihre nächtlichen Versammlungen und Spiele abhielten. Die Wissen- shaft hat zwar mit den Ausgeburten einer aus- chweifenden Phantasie aufgeräumt, der Name .Hexenring" aber ist geblieben.

Das Rätsel, dem der einsame Herbstwanderer r elleicht nachsinnt, löst sich auf einfache Weise, wenn ran sich vorstellt, daß alles was wir gewöhnlich ls Pilze bezeichnen, die Früchte einer Planze irfteüen, die dem Auge verborgen, im Wald- oder Ziesenboden wuchert. Vom Ausgangspunkte aus, o einmal die winzig kleine Spore keimte, wächst is Pilzgeflecht Jahr um Jahr je nach Art und Witterung 20 bis 50 Zentimeter weiter nach außen, nbei immer neuen Raum und unverbrauchten Loden gewinnend. Gleichzeitig stirbt die Pilzpflanze »d) hinten zu ab. Wo der Boden gleichmäßig eben nb ohne größere Steine oder sonstigen Wider- linbe ist, sind die Vorbedingungen für das Ent- d hen von Hexenringen gegeben. Ein Pilz der ge- i^entlich hübsche Bogen und Kreise beschreibt, ist it Wiesen-Champignon. Er ist zwar zu vergäng- ch, als daß er die kreisförmige Verbreitung fo Jrutlid) verraten könnte, wie die Arten des Wal- )s. Aber um so deutlicher lassen sich die von ihm hurührenden Kreise an dem dunklen Graswuchs flennen. An solchen Stellen ist es nicht, wie man licht vermuten könnte, die ungleichmäßige Vertei- lmg von Düngemitteln, welche ein üppiges Wachs­ten des Grases verursacht, sondern die Einwirkung ls Pilzgeflechts, das auf die Mineralstoffe des tobens löfenb einwirkt unb burch bie Atmung eine »ar nicht meßbare aber vorhanbene Erhöhung der mbenternperatur bewirkt.

Vereinheitlichung der Bauweise.

LPD. Das Staatspresieamt teilt mit: Das 23er- stvren für die Zulassung neuer Bauweisen hat in al«n Ländern eine Vereinheitlichung erfahren. An­tragsteller, die die Zulassung ihrer Bauweise in alLN Ländern gleichzeitig erwirken wollen oder

Aber sehr bald lernte er das begreifen. Die Fabrik des Vaters hatte ihren Wert eigentlich nur durch die Arbeitskraft des Vaters selbst. 'Mit seinem Tode be­mächtigte sich die Konkurrenz der mühsam erkämpf­ten Absatzgebiete. Die Mitarbeiter des Vaters waren entweder nicht tüchtig oder nicht genügend inter­essiert. Genug, die Bedeutung des väterlichen Be­triebes sank und mit ihm die Einnahmen.

Friedrich Borgloh hatte damals kurz vor seinem Staatsexamen als Chemiker gestanden. Er hatte nicht die geringste Ahnung von Geschäften. Vielleicht hatten ihn die Mitarbeiter des Vater auch ein wenig in Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse gelassen. Jedenfalls muhte eines Tages die Fabrik Hals über Kopf verkauft werden. Friedrich Borgloh stand vor dem Nichts. Er hatte Vater, Mutter, Schwester und seine ganze Existenz verloren. Mit seinen wissen­schaftlichen Studien war er noch nicht fertig. Die Zum Examen notwendigen Versuche und die Exa­mensgebühren selbst besaß er nicht. Ungewandt, wie er gegenüber dem realen Leben war, hätte er ver­hungern können, wäre nicht Professor van Koster gewesen.

Professor Hendrijk van Koster lehrte damals als Gast an der Heidelberger Universität. Er hatte sehr Ed die ungewöhnliche Begabung des jungen Fried­lich Borgloh erkannt und ihn an sich herangezogen. Friedrich Borgloh durfte als einziger in dem Privat­laboratorium arbeiten, das sich Professor van Koster in Heidelberg eingerichtet hatte. Der berühmte Ge­lehrte arbeitete damals schon an der Entdeckung 5"^ Sumpffieberbazillus, der hauptsächlich in hol­ländischen und englischen Kolonien Afrikas und In­diens auftrat.

Friedrich Borgloh mar ihm dabei ein ebenso ge­schickter wie persönlich wertvoller Mitarbeiter ge­worden.

Und so war Professor van Koster über die schwe­ren Schicksalsschläge, die Borgloh getroffen hatten, ehrlich betrübt. Als er schließlich noch hörte, daß auch die wirtschaftliche Existenz des jungen Chemi­kers vernichtet schien, griff er ein. Er schlug Fried- rich Borgloh vor, ihn nach Schluß des Heidelberger Semesters nach London zu begleiten. Dan Koster lebte seit Jahren in London, wo er mit den be­rühmtesten Forschern des Tropeninstituts in reger Beziehung stand. Ab und zu nur entschloß er sich auf Ruf einer auswärtigen Universität zu einer Gastvorlesung.

Friedrich Borgloh hatte zunächst gezögert. Denn selbst wenn van Röfter ihm ein Assistentengehalt Zahlte, so war doch London ein teurer Boden. Und er selbst wagte nicht, feine Kenntnisse schon sehr hoch einzuschätzen.

Van Koster aber hatte ihn beruhigt und gesagt:

alles nahm: die Eltern und die geliebte kleine ,^ch schvn, mus ich iue, mein neoer «org- Schwester. Im ersten dumpfen Schmerz hatte er loh! Ich erwarte sehr, sehr viel von Ihnen! Ich nicht daran denken können, daß dieser jähe Tod des denke, daß Sie meine Forschungen einmal weiter- Vaters ihm noch viel mehr nahm, nämlich die führen können, wenn ich vielleicht zu alt geworden Sicherheit seiner Existenz. bin. Denn daß wir diesen Sumpffieberbazillus nicht

heute oder morgen fassen können, ist mir klar. Sie machen also zunächst Ihr Examen in Deutschland, denn Ihre wissenschaftliche Karriere darf nicht unter­brochen werden. Die Gelder dazu erhalten Sie von meinem Londoner Bankhause überwiesen."

WSWklWlSMkU

Vornan von Rainer Helden.

llcheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) Nachdruck verboten.

1. Kapitel.

Klare Wintersonne fiel durch die breiten Fenster h Laboratoriums. Funkelnd spiegelte sie sich in den Retorten, den Gefäßen aus durchscheinendem )lAS. Sie legte einen milden Schein auf das kluge limiännergesicht Professor van Kosters, lieh sein icites weißes Haar noch heller aufleuchten.

Ls klopfte einmal und noch einmal an die Tür. kn Koster hörte nicht, ganz in seine Untersuchun- ?r vertieft. Er stand über ein kleines Röhrchen fteugt, das über einer Spiritusflamme in einem lernen Gestänge befestigt war. Eine matte Flüssig- ;i kochte darin.

Sian Kosters Augen hinter den scharfen Brillen­gläsern waren mit äußerster Aufmerksamkeit auf Dies Flüssigkeit gerichtet. Das kluge, durchgearbeitete Leicht war nur Schauen, Beobachten.

Mrie brich Börgloh, der erste Assistent und engste Ülbai'beiter van Kosters, hatte einen Augenblick hmer der Laboratoriumstür gewartet. Da aber tof fein Klopfen nach wie vor keine Antwort kam, Oifnete er leise die Tür. Er blieb einen Moment stton und umfaßte mit warmem Blick das Bild, free sich ihm bot: Der Helle, große Forschungsraum mit feinem vertrauten Geruch von Chemikalien, das gdf volle, Gelehrtengesicht des verehrten Lehrers Uni väterlichen Freundes. Seit drei Jahren kam et Tag für Tag ins Haus, nicht nur als Mit- ab iter nein, auch als jüngerer Freund und 8?r:rauter des verehrten Mannes. Und nun sollte e üir Jahre dies alles nicht mehr sehen: Die Sraeitsftätte, in der man zum Wohle der Mensch- rr so manchen Tag und manche Nacht in restlosem tHqjen verbracht; den gütigen Lehrer, zu dessen ii i.en er daheim in Heidelberg auf der ehrwürdigen | mater gesessen. Der ihn bann hierhergeholt tr Jias englische Forschungsinstitut und der ihm tue em Vater geworden.

S'Me oft hatte er ihn mit hinübergenommen in K zwischen den schön gehaltenen eng-

Nten Rasenflächen inmitten von Blumen und Bäu- ITT lag! Ja, eine Heimat war ihm das Haus van fifsrs geworden. Und nicht nur der Professor war er, Der ihm lieb und wert die junge Eva van war ihm gleichfalls ans Herz gewachsen. Sie etnnerte ihn immer wieder an seine einzige Schwe- ' Ittr fftläre, die mit den Eltern zusammen bei dem IfUcitbaren Eisenbahnunglück damals auf der Strecke 0enBudapest umgekommen.

5 iedrich Borgloh hatte damals geglaubt, er müsse ivhnsinnig werden, als eine einzige Stunde ihm

musik und Vortrag und am Samstag, wie auch am Sonntag (1. und 2. Dezember), im Fröbelseminar, Gartenstraße 30, eine Ausstellung, Weihnachtswerk­stuben und Märchenspielaufführungen. Aut bie heutige Anzeige sei aufmerksam gemacht.

Volkshochschule. Der Beginn bes Kurses überGrunbbegriffe ber nationalsozialistischen Welt- anschauuna" muß um acht Tage verschoben werben. Der erste Abenb findet deshalb erst am 4. Dezember statt. (Näheres in der heutigen Anzeige.)

tfnfer neuer Roman.

Nachdem wir in der gestrigen Nummer des Gie­ßener Anzeigers den RomanWeißt du, was Liebe ist?" von Klothilde von Stegmann zum Ab­schluß gebracht haben, beginnen wir in der heutigen Ausgabe mit der Veröffentlichung eines neuen gro­ßen Romanwerkes. Mit dieser Erzählung stellen wir unseren Leserinnen und Lesern in Stadt unb Land einen äußerst begabten und erfolgreichen jun­gen Schriftsteller vor, der bisher in unseren ©pal­ten noch nicht zu Worte gekommen ist, dessen Ro­man aber sich überall steigender Beliebtheit erfreuen und ihm in ganz kurzer Zeit eine große und begei­sterte Lesergemeinschaft geschaffen haben.

Daö Geheimnis um Eva"

Don Rainer Helden.

fo nennt sich unser neuer Roman, der ein über­aus fesselndes Thema in ungemein spannender, von Fortsetzung zu Fortsetzung sich steigernder Schilde­rung behandelt. Wir bringen hier eine Liebes­geschichte und einen Kriminalroman zugleich. Das Geheimnis der tiefgreifenden inneren Wandlung, welche die schöne junge Titelheldin Eva von Koster in einer kurzen aber bedeutungsvollen Spanne ihres Lebens durchmacht, und die der Autor den Leser ungemein packend miterleben läßt, löst sich auf eine ebenso überraschende wie befriedigende Weise, fo daß jedermann den Roman mit hohem Genuß unb wirklicher Befriebigung verfolgen wirb.

Wir bürfen also gewiß fein, auch mit ber Erwer­bung unseres neuesten Romans bas Richtige getrof­fen zu haben, unb wir freuen uns, mit ber Veröf­fentlichung unseren Lesern eine willkommene vor­weihnachtliche Gabe unb eine von Tag zu Tag aufs neue mit Spannung erwartete Lektüre bieten zu können.

NGBOT. (früher KOAZ.).

Kreis Gießen.

Donnerstag, 2 8. November, 20.30 Uhr, im Cafö Ebel (1. Stock) Lichtbilbervortrag von Pg. Gg. Heß, Leiter bes Amtes für Beamte, über

M it Lettow-Vorbeck in Deutsch- Ostafrik a".

Der ©aubienftfteUenleiter bes NSBDT. wirb an biefem Abenb anwesenb fein. Die Mitglieber werben aufgeforbert, vollzählig zu erscheinen. Gäste sind willkommen!

Die Fragebogen finb, soweit noch nicht zurück- geschickt, umgehenb in b o ppelter Ausferti­gung einzusenben.

Gez.: Kurz, Kreisamtsleiter-

AGLB., Kreis Gießen.

Arbeitsgemeinschaft für körperliche Erziehung.

Die nächste freiwillige Uebungsstunde bes Bezirks Gießen-Stadt unb Gießen-Lanb finbet am Mittwoch, 28. November, 15.30 Uhr, in ber Turnhalle ber Schillerschule statt. Turnzeug ist mit- zubringen.

Nächste Pflicht arbeitsgemeinschaft am 12. De­zember 1934.

Aus parteiamilichenBekanntmachungen

Der NSLB., Kreis Gießen, veranstaltet am Mittwoch, 5. Dezember, 18.30 Uhr im Saale der Liebigshöhe" eine Kreis Versammlung, in

Auf Friedrichs beschämten Einwurf, baß er bas nicht annehmen könne, hatte van Koster kurz er- roibert:

Das müssen Sie schon mir überlassen, lieber Borgloh! Ich tue es ja für bie Wissenschaft. Unb ich hoffe, Sie werben es ber Wissenschaft doch noch ein­mal banken. Unb wenn Sie, rote ich doch annehme, Ihr Examen gut gemacht haben, kommen Sie her­über nach London. Sie finden ein reiches Arbeits­gebiet. Und ich denke, wir werden es gut miteinan­der haben."

All dies ging durch den Sinn des jungen For­schers, als er jetzt ungesehen in der Türöffnung stand und das ganze, altvertraute Bild in sich noch einmal aufnahm. Drei Jahre waren vergangen seit jenem Gespräch zwischen van Koster und ihm in Heidelberg. Drei Jahre, erfüllt von rastlosem For­schen. Von Enttäuschungen, wie sie im Leben eines Geistesarbeiters nie ausbleiben. Don Dorwärts- kommen. Von ersten Ergebnissen, die ein günstiges Endresultat erhoffen ließen.

In diesen drei Jahren hatte Friedrich Borgloh das Empfinden, nicht nur ein Mitarbeiter zu sein. Nein er fühlte sich im Hause van Kosters wie ein Sohn. Schon nach dem ersten Vierteljahr hatte van Koster ihm angeboten, zwei Zimmer in seinem schö­nen Landhause draußen in einem Vorort zu bewoh­nen. Und damit hatte der vereinsamte junge Mensch endlich wieder ein Heim. Dan Koster war ihm wie ein Vater geworden. Und Eva, die kleine braun- lockige Eva mit den schwärmerischen blauen Augen, war ihm wie ein Ersatz für seine so früh gestorbene kleine Schwester.

Zwölf Jahre war Eva van Koster gewesen, als Friedrich Borgloh in das Haus des Professors zog. Er sah sie noch vor sich, als wäre es eben erst ge­wesen. Er hatte den Professor hinten auf der Gar­tenterrasse gefunden. Vor der Gartenterrasse auf einer Schaukel zwischen den Bäumen hatte Eva van Koster gesessen. Sie wiegte sich leise hin und her. Die Bäume legten sommerliche Schatten auf ihr weißes Kleid. Ihr liebliches Gesicht mit den feuchten, glänzenden, blauen Augen hatte träumerisch hinauf­geschaut zum Himmel. Von ihren weichen, roten Lippen hatte eine leise Melodie, ein kleines Volks­lied sich hinaufgeschwungen in die Wärme der Som­merluft. Dies war das erste liebliche Bild der klei­nen Eva van Koster gewesen. Schon damals hatte Friedrich Borgloh den heißen Wunsch gehabt, dieses kleine Mädchen möchte Vertrauen zu ihm fassen.

in einzelnen von ihnen, brauchen in Zukunft nur eiren Antrag bei der Zulassungsstelle des Landes 311 stellen, in dem sie ihren Wohnsitz haben oder tr Gewerbe betreiben. Die mit den Anträgen vor- guegenben Nachweise und Prüfungsergebnisse einen als Grundlage für die Zulassung in den tiraclnen Ländern. Durch diese zwischen Den Län- ien getroffene Vereinbarung ist der vielfache Umsch der Bauwirtschaft nach Vereinheitlichung ie- Zulafsungsverfahren im ganzen Reiche erfüllt.