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seine kleine MW.

Roman von Gert Rothberg. vrheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.).

(Schluß.)

Mehrere Male war er nahe daran gewesen, sie einfach in seine Arme zu nehmen und sie so lange zu küssen, bis sie ihm glaubte, daß auch er sie lieb hatte. Mehr lieb hatte als alles andere auf der Welt.

Und dabei kam er aus dem Staunen nicht her­aus. Wie sicher und taktvoll Käthe sich benahm! In jeder Situation war sie still und vornehm. Wo hatte dieses kleine Mädel diese Beherrschung ge­lernt? Und dieses tadellose Benehmen? Er war stolz auf seine schöne, junge Frau. Eifersüchtig war er obendrein! Wie die Herren Käthe anstarrten! Wie sich die Blicke auf ihrer blonden Schönheit festsaugten! Es war zum Verrücktwerden! Abreisen würde er! Er gönnte Käthes Antlitz keinem ande­ren Manne. In Berkenhofen konnte er sie ver­stecken. Dort sah nur er sie!

Käthe aber sah ihn mit großen Augen an, wenn er droben in ihrem Zimmer sagte:

Hast du den frechen Kerl gesehen, der dich an­starrte? Dir gefällt das wohl, Käthe?"

Sie antwortete ihm nicht. Und bei ihm wurde die wütende Eifersucht immer stärker.

Seit drei Tagen wohnte eine wunderschöne Rus­sin mit im Hotel. Blond und blauäugig war sie. Käthe hatte sie schon einige Male gesehen. Arndt war mit einigen Herren auf einer Tour ins Sa­binergebirge. Aber heute erwartete man die Herren zurück.

Käthe und eine andere Dame, deren Gatte mit von der Tour war, saßen zusammen in der Hotel­halle unter einer großen Palme. Sie hatten schon einige Male zusammen gesprochen, die beiden jungen Frauen, und sie gefielen einander. Nun hatte die Abwesenheit der Gatten sie einander näher gebracht.

Die schöne, blonde Russin betrat die Halle. Frau Hildegard Braun meinte leise:

Die Fürstin Jarmila Kameroff. Eine wunder­schöne Frau! Meinen Sie nicht auch, liebste Frau von Berken?"

Ja, sie ist wunderschön!"

Käthe sagte es ganz leise, und es legte sich da­bei ein schwerer Druck auf die Brust.

Die Fürstin ließ sich ganz in der Nähe der bei­den jungen Frauen nieder. Und dann zuckte Käthe einmal nervös zusammen. Erst hatte sie geglaubt, sie bilde es sich nur ein; aber nun hatte sie es deutlich gesehen, daß die Fürstin sie musterte, und daß dabei ein Lächeln um ihren Mund lag. Und Käthe dachte: Wem gleicht sie nur? Wem?

Auf einmal wurde es ganz hell um sie.

Mila Kranz! Sie hatte damals das Haar anders getragen aber sie war es!

Die schöne Filmschauspielerin aus Berlin, die auf dem Fest der Berani gewesen war!

Fürstin Jarmila Kameroff! So hatte Frau Braun gesagt! Und Arndt kannte die schöne Frau auch.

Da blickte die Fürstin aüf, sah sie lächelnd an.

^.Kennen wir uns nicht von Berlin her?

Käthe sah sie groß an. Wollte die Fürstin jetzt hier dartun, daß die Frau von Berken einmal eine arme, kleine Komparsin gewesen war?

Die Fürstin lächelte noch immer.

Es war in Berlin, gnädige Frau! Auf emem Fest der berühmten Filmschauspielerin Berani.

Ich besinne mich, Frau Fürstin! Ja, es war sehr schön damals. Ich war in Begleitung meines Gatten. Das heißt, damals waren wir noch nicht verheiratet.

Ich weih! Leben Sie noch in Berlin?" Nein! Wir bewohnen unser Gut Berkenhofen.

"Ah Sie bevorzugen das Landleben?"

Das Gespräch bewegte sich in diesen Bahnen weiter, und Käthe dachte aufatmend: Die Fürstin meint es nicht schlecht mit mir.

Aber dos Mißtrauen blieb dennoch in ihr.

Die Herren kamen gegen Abend heim. Sie waren gar nicht müde, schwärmten von ihrer Tour, und nur der dicke Herr von Sassen meinte ächzend:

Ich danke, ich mach' nicht mehr mit! Sie haben mich mitgeschleppt. Immer weiter hinauf. Ich leg' mich schlafen."

Seine Gattin und seine Töchter waren außer sich. Heute abend war doch geselliger Tanzabend im Hotel. Da waren immer allerlei interessante Menschen da. Frau Hildegard Braun meinte gutmütig:

Bitte, kommen Sie doch trotzdem mit, gnädige Frau! Wir bilden eine gemütliche Runde für uns. Nicht wahr, liebste Frau von Berken?"

Käthe nickte.

Bitte, kommen Sie mit!"

So kam es, daß sie nach der Abendtafel alle ge­mütlich beisammen saßen. Und so gegen zehn Uhr kam dann noch die Fürstin Jarmila Kameroff und steuerte direkt auf die Ecke zu, wo die bekannten Familien sahen. Käthe hatte ihrem Manne nichts davon gesagt, daß die Fürstin hier sei. Jetzt sah sie, wie er leicht zusammenzuckte, sich erhob, die Fürstin begrüßte. Und dann waren sie an diesem Abend in ein langes Gespräch vertieft. Käthe fühlte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen.

Aber sie beherrschte sich, lächelte.

Und einmal blickte Arndt von Berken zu seiner

Frau herüber. Und lächelte!

Die Fürstin war ihm ungefährlich, wie ihm Mila Kranz einst ungefährlich geworden war, als er wußte, daß sie ein geheimnisvolles Dunkel hinter sich hatte. Das Dunkel war noch jetzt da! Aber trotz­dem war es gut, daß die Fürstin hier war. Es schadete nämlich dem süßen, blonden Trotzkopf dort drüben nichts, wenn er jetzt eifersüchtig wurde. Mächtig eifersüchtig.

Und Arndt von Berken tanzte mit der Fürstin, und eine ältere Dame sagte ganz laut:

Welch schönes Paar! Ist die Dame die Frau des stattlichen Mannes?"

Käthe senkte den Kops ganz tief. Alle Bekannten hatten das mit angehört, was die Dame am kleben- H|d>e gejagt' hatte. Aber Hermann Braun memte:

Das ist dach die alte, verrückte Schnftstellerm! Die Leute müssen dach immer gleich Illusionen haben, wenn sie etwas sehen. Sonst ist ihnen nicht

Das hatte der gute Hermann Braun auch so takt­los und laut gesagt. Aber er wurde unter die Lorgnette genommen, und die Schriftstellerin meinte zu ihrer Umgebung: m..t ...

Er hat einen Kopf wie eine Rübe. Ihn konnte ich allerdings kaum als Helden in einem Roman ver-

Worauf Hermann Braun fürchterlich lachte und seiner Frau einen Kuß gab.

Hast du gehört, mein Liebling? Graulst du dich nicht vor deinem häßlichen Manne?" .

Woraus Frau Braun in sein Lachen herzlich ein« stimmte. Sie tanzten dann und schienen sehr, sehr glücklich zu sein.

Don jenem Abend an waren sie oft mit der Fürstin zusammen. Und einmal meinte Käthe:

Ich möchte gern nach Hause."

Wozu? Es ist so schön hier. Jetzt ist s erst schon. Wir bleiben noch, Käthe! Dir hat es doch auch bisher sehr gefallen. Und morgen abend besuchen mir das Fest des Grafen Morelli."

Da sagte Käthe leise:

Ja, wir besuchen das Fest des Grafen Morelli!

Und bei sich dachte sie: Du bleibst hier, um der Fürstin nahe zu sein.

Ein Fest, wie es eben nur in einem römischen Garten abgehalten werden kann. Ein unerhörter Aufwand an Lampen, Springbrunnen, Feuerwerk, Marmorfiguren, Tänzerinnen und so weiter.

Ein japanischer Tempel mit Teemädchen.

Es war märchenhaft schön. Und Graf Morelli war ! fast immer an Käthes Seite. Seine dunklen, schwer­mütigen Augen sogen sich fest an ihrer blonden . Schönheit; aber der Graf wahrte die Grenze streng, trat der Ehre des Herrn von Berken mit keinem Worte zu nahe. Aber er liebte diese blonde, junge Frau! Und er hätte um ihretwillen die größten Torheiten begangen, wenn sie es gewollt hätte.

Aber sie wollte ja nichts. Ihre Augen folgten nur immer ängstlich der hohen Figur des Gatten, der sehr oft an der Seite der Fürstin war. Und lag um den Mund der Fürstin Jarmila nicht ein kleines, sieghaftes Lächeln?

Ganz hinten im Zaubergarten stand ein kleiner, hölzerner Pavillon. Und dort saß Käthe einmal und dachte über sich und Arndt nach.

Er hatte die schöne Jarmila gekannt. Sie hatte ihm einst nahegestanden, und heute waren sie auch wieder zusammen. Und die Fürstin war wunder­schön.

Käthe fühlte ein dumpfes Hämmern im Kopfe. Sie dachte: Ich kann nicht von Arndt fortgehen, ich kann es nicht. Ich kann mich ihm aber ja auch nicht anbieten, nachdem ich ihn erst von mir gewiesen.

Was soll ich tun? Wenn ich doch Briaitte fragen könnte! Ader ich bin ja so allein. Ganz allein bin ich."

Käthe drückte sich plötzlich ganz unter die Zweig« der großen Pflanze.

Zwei Menschen betraten den kleinen, intimen Raum. Die Fürstin Jarmila und Arndt!

Dann standen sie schweigend voreinander.

Arndt, diese kleine, schöne Frau ist Ihr @(f?» Nein! Ich habe es mir selber brutal verscherzt. Aber ich hoffe, das Herz meiner Frau wieder, gewinnen zu können. Ich liebe das kleine Geschöpf, chen über alles. Aber ich muß ihr Zeit lassen. Trok. dem ich halb wahnsinnig werde bei diesem Warten!"

Dann ist in Ihrem Leben nur noch diese blonde, süße, kleine Frau, Arndt?"

Ja!"

Herr von Berken, vergessen Sie, daß es jemals eine Jarmila Kranz gab, di« Sie liebte! Und ver­gessen Sie auch niemals, daß Jarmila Kameroff Sie bat, Ihrer kleinen Frau die Treue zu halten. Ich habe dich geliebt, Arndt von Berken! Und ich bin dir nachgersist, weil ich mir ein Glück mit dir erzwingen wollte. Aber ich habe die kleine Frau lieb, wie ich schon das blonde Mädchen in Berlin lies hatte. Ich reise morgen abend nach Alexandrien. Leben Sie wohl, Arndt von Berken!"

Arndt küßte ihre Hand.

Leben Sie wohl, Jarmila!"

Wie gehetzt verließ die Fürstin den kleinen Pa­villon. Arndt von Berken aber stand eine Weile unschlüssig da, dann brannte er sich eine Zigarette an, und ganz deutlich sah Käthe das geliebte, dunkle Gesicht.

Arndt von Berken verließ langsam den Pavillon. Käthe aber preßte beide Hände auf die Brust.

Arndt! Lieber, lieber Arndt!"

Ihre Frau Gemahlin hat das Fest verlassen. Sie ist im Wagen heim, ins Hotel gefahren. Es war ihr nicht gut." . I

Arndt von Berken blickt« in das Gesicht des Grafen Morelli. Er wußte ja nur zu gut, daß der Gras Käthe sehr verehrt hatte. Dann sagte er:

Darf ich mich verabschieden? Diese törichte, kleine grau statt mir etwas zu sagen, fährt sie allein nach Hause. Und sie bleibt doch nicht gern allein in den Hotelzimmern. Gestatten Sie, daß ich mich Der- abschiede? Ich muß so schnell als möglich nach Haus."

Ich verstehe vollkommen. Leben Sie wohl, Herr von Berken!"

Ein Händedruck, dann war der Graf allein. Er lächelte still und ging dann zu seinen Gästen zurück.

*

Es war dunkel im Salon. Arndt machte Licht. Da zuckte er wie geblendet zurück. Käthe stand mitten im Zimmer, breitete die Arme aus:

Arndt, ich liebe dich! Vergib mir, Arndt!"

Er stürzte zu ihr hin, nahm sie fest, fest in feine Arme, sagte leise:

Kleines Mädel du, mein liebes, kleines Mädel du, ich liebe dich!"

Ende.

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