schon verbesserungsbedürftigen Anlagen. Leitungen, Schalter, Steckdosen, Apparate, Stecker und Schnüre sind vielfach schadhaft und verbraucht. Alle diese kleinen Mängel sind seit Jahren mehr oder weniger vernachlässigt und oft die Quelle unliebsamer Er- scheinungen geworden. Die Beseitigung all dieser kleinen und kleinsten Mängel, für den einzelnen tragbar, schafft eine Unsumme von Arbeit, gibt tausenden Volksgenossen Lohn und Brot.
Darüber hinaus sind die Vorteile der Elektrizität so mannigfaltig, daß in jedem Haushalt noch zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten sich schaffen lassen. Jede Anwendung der Elektrizität erfordert aber eine ausreichende und einwandfreie Leitungsverlegung, die nur der zugelassene Elektrofachmann ausführen darf. Der zuverlässige Elektromeister hilft, nicht der Pfuscher und Schwarzarbeiter, der zudem gar keine Berechtigung hat, Reparaturen und Aenderungen vorzunehmen. Jeder sollte nach besten Kräften dazu beitragen, daß der vielfältige Segen der Arbeitsbeschaffung im kleinen sich auch in Der neuen Arbeitsschlacht Durchsetzt.
Wenn die Elektrogemeinschaft und ihre Mit- alieder in den nächsten Wochen sich anschicken. Ärbeitsmöalichkeiten in den Wohnungen zu erschließen, so denke jeder daran, daß sie nur das Veste wollen, und jeder untestütze dieses Bemühen, Arbeit zu schaffen.
Jeder kann helfen, jeder wird helfen, weil es einfach Pflicht eines jeden Volksgenossen ist.
Unfer neuer Roman.
In der heutigen Ausgabe des Gießener Anzeigers beginnen wir mit Der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, das alle unsere Leserinnen und Leser in Stadt und Land ohne Zweifel nicht minder in Atem halten, und das mit der gleichen Spannung von Fortsetzung zu Fortsetzung verfolgt werden wird wie sein Vorgänger. Wir lassen mit dem neuen Werk wieder eine Autorin zu Worte kommen, die sich in ganz kurzer Zeit einen ausgezeichneten Namen beim deutschen Lese- Publikum im Allgemeinen und bei den Freunden unseres Blattes im Besonderen erworben hat:
„Weißt du, was Liebe ist?" von Klothilde von Stegmann — so heißt unser neuer Roman, das soeben beendete jüngste Werk der beliebten Verfasserin, das sich ihren früher mit so starkem Erfolg bei uns erschienenen Romanen — „Deiner Hände Werk"; „B 518. Yvonnes Geheimnis"; „Was mein einst war"; — würdig an die Seite stellt. Diese Geschichte eines armen jungen Mädchens, das sein Schicksal selbst energisch in die Hände nimmt und den Weg zum großen Glück seines Lebens findet, ist eine prächtige Erzählung aus einem Guß, ein Roman voller Spannung und Leidenschaft, den niemand ohne tiefe Bewegung verfolgen wird. Wir freuen uns, unseren Lesern mit diesem neuen Roman eine wirklich genußreiche Lektüre bieten zu können, die Überall freudige Zustimmung finden dürfte.
Graf Luckner kommt nach Gießen.
Man schreibt uns: Wir kennen ihn ja schon alle aus seinen Büchern und aus der Presse als einen der volkstümlichsten deutschen Seehelden des großen Krieges. Das abenteuerliche Leben dieses Mannes und seine Leistungen als Kommandant des „Seeadler" sind Gemeingut des deutschen Volkes geworden Nach dem Kriege hat der „Seeteufel" sechs Jahre lang die Vereinigten Staaten kreuz und quer durchreist und mit seiner herzerfrischenden Vortragsweise für sein Deutschtum geworben. Sein Buch „Der Seeteufel" ist in 17 Sprachen übersetzt worden, in Hunderten von Orten hat Amerika seinen Vorträgen mit Spannung und Begeisterung gelauscht, es hat ihn zum Ehrenmitglied seiner angesehensten Gesellschaften, zum Ehrenbürger seiner großen Städte, ja der Vereinigten Staaten selbst gemacht. So hat Graf Luckner in friedlicher Werbearbeit Deutschland unendliche Dienste geleistet.
Vor Berichterstattern der Berliner Presse hat er sich jüngst über seine künftigen Pläne geäußert; er bereitet eine Propagandafahrt seines berühmten Segelschiffes durch die ganze Welt vor und wird dabei von einer auserlesenen Schar der HI. begleitet sein. Es ist klar, daß ein Mann wie Luckner seinem ganzen Wesen und Leben nach nichts anderes sein kann als Nationalsozialist im besten Sinne des Wortes, und wir sind gewiß, daß überall da, wo er mit seiner Schar vor Anker gehen wird, um an Bord seines Schiffes seine Lichtbildervorträge über Deutschland und das neue Reich zu halten, Bresche geschlagen wird in Unkenntnis, Haß und Verständnislosigkeit.
Bevor aber Luckner seine Ausreise über die skandinavischen Häfen und England nach Amerika antreten wird, haben wir Gelegenheit, ihn selbst kennen zu lernen und seiner urwüchsigen Beredsamkeit zu lauschen. Wer ihn einmal gesehen hat, wird das Erlebnis nicht vergessen, wie Luckner in den Saal kommt, die unvermeidliche Seemannspfeife im Munde, unter feine Hörer tritt, und noch ehe er ein Wort gesprochen, alle Augen und Herzen ihm entgegenfliegen. So darf der Volksbund für das Deutschtum im Ausland, der Graf Luckner für einen Lichtbildervortrag über „Ernstes und Weiteres aus dem Leben des Seeteufels" gewonnen hat, gewiß erwarten, daß Gießen dem deutschen Seehelden ein volles und aufmerksames Haus stellen wird. Näheres in der Anzeige am Montag.
Gießener Dochenniarktpreife.
* Gießen, 27. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,45' bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (ausländische) 10 bis 11, (inländische, Kühlhaus) 10 bis 12, Wirsing (grün), das Pfund 8 bis 10 Pf., der Zentner 7 bis 8 Mark, Weißkraut, das Pfund 6 Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mark, Rotkraut, das Pfund 10 bis 12 Pf., der Zentner 8 bis 9 Mark, Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12, Römischkohl 8, Unterkohlrabi 8, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 60 bis 80, Tomaten 12 bis 15, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Pilze 25 bis 40, Kartoffeln, das Pfund 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Aepfel, des Pfund 7 bis 12 Ps., der Zentner 8 bis 12 Mark, Birnen, das Pfund 6 bis 10 Pf., Nüsse 25 bis 30, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 60 bis 70, Gänse 70 bis 80, Enten 80 bis 90, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 10, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 20 Pf.
Vornottzen.
— Tagestalender für Samstag: NSLB. Arbeitsgemeinschaft „Technische Lehrerin- nen", 15.30 Uhr, Mädchenberufsschule, Zusammenkunft. — Stadttheater, 20 bis 22.30 Uhr, „Polen- blut" (NS.-Kulturgemeinde — Ring Deutsche Bühne). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Insel". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Das Tau«
Aufruf an die Bevölkerung der Stadt Gießen.
Am Samstag, 27. Ott., mittags 12.35 llhr, triff« auf dem Bahnhof Gießen ein
Gaarurlauberzug
ein. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Kreisamtsleitung der NSB. marschieren dieGäste und die Untergliederungen derpartei durch folgendeStraßen: Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frankfurter Sttaße, Seltersweg, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Schulstraße, Marktplatz, Kirchenplatz, Watttorstrahe, Braugosse zum Landgraf-Philipp,Platz.
Hier findet der offizielle Empfang durch die Vertreter der Partei sowie der Stadt Gießen statt.
Ich fordere die Bevölkerung der Stadt Gießen zu reger Teilnahme aus!
Heil Hitler!
Kreisamisleiiung der 71GV.
Kloß, Kreisamtsleiter.
Flaggen heraus zum Empfang der Gaardeutschen!
Am Samstag, 22. Oktober, treffen um 12.35 Uhr SO Volksgenoffen von derSaarin Gießen ein. Sie werden von einer Kapelle vom Bahnhof zum Landgras-Philipp-Platz geleitet. Dort findet der Empfang statt. Wir bitten in den Ourchmarschstraßen zu f l a g g e n.
Kreisleitung Gießen der NSDAP.
cher-Duell". — Männerturnverein, 20 Uhr, Caf6 Ebel, Mitglieder-Versarnmlung. — Volksmissionarisches Amt Der evangelischen LanDeskirche Nassau- Hessen, 20 Uhr, Volksmissions-Vortrag „Christentum unD nationalsozialistischer Staat".
— TageskalenDer für Sonntag: NSBDT., Kreisamtsleitung Gießen, 11 Uhr, Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, Film-Schulungsvortrag. — StaDttheater, 15.30 bis 18 Uhr, „Polenblut"; 19 bis 22 Uhr „Zigeunerbaron". — Oberheff. Kunstverein, Turmhaus am Branbplatz, 11 bis 13 Uhr, GemälDe-Ausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Die Insel". — Astoria-Lichtspiele, Selters- weg, „Das Taucher-Duell". — Dolksmissionarisches Amt Der evangelisches LanDeskirche Nassau-Hessen, 9.30 Uhr PreDigt „Bekenntnis zur Kirche"; 18 Uhr, Volksmissionsvortrag „Das Schwert Der Kirche: 400 Jahre Deutsche Bibel". — Sportplatz 1900, 15 Uhr, HanDball-Pokalspiel Gau NorDhessen—Gau BaDen.
— Aus Dem StaDttheaterbüro. Morgen, Sonntag, nachmittags Operette „Polenblut", abenDs Operette „Zigeunerbaron". — Dienstag: Oper „Traviata". — Mittwoch: Wiederholung Der Oper „Traviata". — Freitag: Wiederholung der Oper „Traviata".
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** D i e ausgeschiedenen Mitglieder des Stadttheaters wurden nach einer Zuschrift aus dem Stadttheaterbüro wie folgt neu verpflichtet: Sybille - Eveline F l e mm i n g ans Albert-Theater nach Dresden, Maria Koch ans Stadttheater Freiburg im Breisgau, Erna Renz ans Oberschlesische Landestheater nach Beuthen, Hansi Stadler ans Stadttheater Heilbronn, Alfred F i e r m e n t ans Landestheater Neustrelitz, Walter Michel ans Stadttheater Landsberg a. d. W., Heinz-Albrecht M a r ck s ans StaDttheater Mainz, OswalD Förderer ans Stabtheater Ratibor.
** Die Urliste für Die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte liegt vom 29. Oktober bis einschließl. 5. November im Stadthaus, Bergstraße, zur Einsichtnahme offen. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung der Bürgermeisterei ersichtlich.
** Eine öffentliche Zahlungsanmahnung der Stadtkasse ist im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes enthalten. Zur Zahlung angemahnt werden Rückstände aus Wohnungsmiete, Schulgeld für die Studienanstalt, Handwerkskammerbeiträge, sowie Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlagen einschließlich Sondersteuer. Säumige Zahler seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen.
** StaDttheater unD Konzertverein. Die JntenDanz macht nochmals Darauf aufmerksam, Daß neu hinzutretenDe Abonnenten alle bis jetzt fälligen Abonnementsvorstellungen noch besuchen können, Da sämtliche Vorstellungen Dieser Spielzeit noch auf Dem laufenden Spielplan erscheinen. — Durch Vereinbarung zwischen Konzertverein und Theaterleitung konnte erreicht werden, daß die vier großen Orchesterkonzerte des Konzertoereins im Stadttheater stattfinden. In diesem Winter wird erstmalig Die Neuerung getroffen. Daß jedes Theaterabonnement je ein Symphonie-Konzert des Konzertvereins in feinem Vorstellungsring hat. Außer- Dem stehen Den Theater-Abonnenten bei Den übrigen Konzerten des Konzertoereins die Vergünstigungen der Abonnenten des Konzertvereins zu. Es liegt nun beim Gießener Publikum, durch zahlreiche Meldung zum Abonnement Das Vertrauen zu rechtfertigen, Das Dem Konzertoerein seitens Der Stabtverwaltung unb Der Reichsmusikkammer in so nachDrücklicher Weise ausgesprochen wurDe. Auskunft und Anmeldung für den Konzertverein in der Musikalienhandlung Ernst Challier, Neuenweg 10.
** Wechsel in der Leitung der Baugenossenschaft 18 9 4. Wie uns berichtet wird, ist in Der Leitung der Baugenossenschaft 1894 e. G. m. H. Gießen insofern eine Aenberung eingetreten, als das langjährige Vorstandsmitglied, der derzeitige 1. Vorsitzende des Vorstandes Herr Karl Aliendörfer von seinem Amte zurückgetreten und an dessen Stelle Herr Heinrich Schneider, Kugelberg 51, vom Aufsichtsrat bestellt worden ist.
** Kasperltheater Radirullala im (S a f 6 Leib. Gestern nachmittag war der Saal Des Caf6 Leib erfüllt von Der Begeisterung Der Ju- genD, Die mit großen Erwartungen Dem Gastspiel des Mainzer Kasperletheaters Raoirullala entgegen- sah. Der Saal war beide Male — in der Vorstellung für Jungens und für Mädchen — bis auf den letzten Platz besetzt. Lehrer und Lehrerinnen, die die Aufsicht führten, hatte alle Mühe, das kleine Volk in Ordnung zu halten. Solange die Lampen im Saale brannten, war ein einziges Stimmengewirr im Raum, aber atemlose Stille herrschte, als das
Licht verlosch und Kasperle auf der schön ausgestalteten Bühne erschien und fragte, ob sie alle da seien. Im Chor Hang das „Ja!" und im Chor klang alles wie aus einem Munde, wenn der Kasperl irgendetwas fragte. Zur Aufführung gelangte das Stück von der Reife des Kasperls in das Saargebiet, in dem die vielen Abenteuer geschildert wurden, die der Kasperl mit dem Teufel, mit den Franzosen und dem Negerhäuptling zu besteben hatte. Begeistert sangen die Kinder auf dem „Marktplatz im Saargebiet" das Saarlied, Damit sich Die Franzosen ärgern sollten, unD wie freuten sie sich, als es Dem Kasperle gelang, nicht nur mit Dem Negerhäuptling, sondern auch mit den Franzosen und sogar mit dem Teufel fertigzuwerden. Viel Heiterkeit löste das Auftreten von Kaspars stets aufgeregter Frau Gretel aus, die durch ihre Neugierde und Unvorsichtigkeit in französische Gefangenschaft geraten war und den Negerhäuptling heiraten sollte. Tief befriedigt zogen die Kinder von bannen, nachdem der Kasperl endlich doch seiner Großmutter, die im Saargebiet wohnte, zu ihrem 80. Geburtstag gratulieren konnte. Herzhaft gratulierte das kleine Publikum mit. Während der Pausen sangen die Kinder einige Volkslieder und unterhielten sich damit selbst. Dielen der Kleinen wird das Gastspiel des Mainzer Kasperltheaters Radirullala ein schönes Erlebnis gewesen sein. Am Abend sand eine Kasperlvorstellung für Erwachsene statt, in der das Stück „Kasperl beim Völkerbund" gezeigt wurde.
Oberhessen.
Schulungsabend der Ortsgruppe Lich der NSDAP
? L i ch, 26. Okt. Die Ortsgruppe Lich der NSDAP, hielt gestern abend in Steins Saal ihren Schulungsabend für Oktober ab, der einen sehr guten Besuch aufzuweisen hatte. Nach Dem gemeinsamen Gesang Des Liedes „Volk ans Gewehr" und Eröffnung durch den Ortsgruppenleiter, Pg: Karl Kuhn, ergriff das Wort der Schulungsleiter der Ortsgruppe, Pg. Stiftspfarrer D r a u d t (Lich). Da Stiftspfarrer Draudt mit Wirkung vom 1. November nach Sonnenberg bei Wiesbaden versetzt wird, sprach er statt des vorgesehenen Vortrags Nationalsozialistische Außenpolitik", Der sich infolge seiner Bedeutung und Zergliederung auf mehrere Schulungsabende erstrecken sollte, in etwa einstündigen Ausführungen über das Thema „Nationalsozialistische Selbstverständlichkeiten". An den Beginn seiner Ausführungen stellte er die erste selbstverständliche Forderung des Na- twnalsozialismus, die Disziplin jedes Nationalsozialisten. Er ging dann auf einige kleinere Begebenheiten des Alltags ein, Die er selbst erlebt habe und die immer noch deutlich zeigten, wie wenig echt nationalsozialistisches Wesen und Handeln anzutreffen sei. In seinen weiteren Ausführungen führte er den Anwesenden insbesondere den verheerenden Einfluß des um die Jahrhundertwende einsetzenden Liberalismus auf dem Gebiete der Politik, der Wirtschaft, Kunst, Religion und anderen Gebieten vor Augen. Der Liberalismus kenne in seiner Politik nur den persönlichen Vorteil des Einzelnen, während der Nationalsozialismus das Wohl der Gesamtheit vor die Einzelperson stelle. Der Liberalismus habe durch die wirtschaftlich freie Verfügung jedes einzelnen zum Ruin geführt. Die Ichsucht habe einen ungeheuren Konkurrenzkampf hervorgebracht, der ein Sinken der Geschäftsmoral zur Folge hatte. Staatspolitisch habe sich der Liberalismus in der Bildung zahlreicher Parteien und sog. Jnteressentengruppen ausgewirkt. Der Nationalsozialismus stehe hierzu in schroffem Gegensatz. Er erblicke in dem Wohlergehen des Staates das Glück der Einzelperson. Der Redner zeigte dann an einzelnen Beispielen, daß auch heute noch von vielen Volksgenossen die im Liberalismus beruhende Einstellung gegenüber Volk und Staat nicht abgelegt sei, sondern immer noch weiter wuchere, daß diese Volksgenossen immer noch ihr „Ich" über das des Volksganzen stellen und betonte, daß Saboteuren und Schwätzern, denen noch Disziplinlosigkeit anhafte, mit aller Schärfe entgegenzutreten sei. Nachdem Pfarrer Draudt den Begriff der Kameradschaft und verschiedene weitere nationalsozialistische Selbstverständlichkeiten bärge- legt hatte, beendete er seine Worte mit dem Appell an alle, ihr ganzes Sein und Handeln in ihrer letz- ten Konsequenz stets nur in Den Dienst für Volk und Vaterland zu stellen und nur immer eins im Auge zu haben: Deutschland und immer wieder nur Deutschland! Ortsgruppenleiter Pg. Kuhn dankte Pg. Draudt für seine Worte und über- reichte ihm in Anerkennung feiner in den Jahren des Kampfes geleisteten treuen Dienste für die Ortsgruppe das Werk Dr. Goebbels' „Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei". Nachdem der Sturmführer des
hiesigen SA.-Sturmes, Dr. Erb, ebenfalls anerkennende Worte für den scheidenden früheren SA.- Mann und Schulungsleiter Pg. Draudt gefpro- chen hatte, schloß sich an den Schulungsabend ein kameradschaftliches Beisammensein der PO. und NS.-Verbände mit ihrem Pfarrer an. Zum nach- folgenden Schulungsleiter Der Ortsgruppe wurde Pg. Dr. K o e p p e ernannt.
Haus Peter Äück in Langsdorf.
CV0 Langsdorf, 27. Okt. Die architektonische Schönheit unseres Dorfbildes hat dieser Tage eine bemerkenswerte Bereicherung erfahren. Das seither schon unter Denkmalschutz stehende Haus Peter Bück, an der Ecke der Reichen Gasse und der Obergasse gelegen, wurde von [einem Besitzer mit einem neuen Kleide versehen, so daß nun er ft seine ganze architektonische Schönheit zur Geltung kommt. Seine Geschichte ist so bemerkenswert, daß Der Öffentlichkeit einiges davon mitgeteilt fei:
Der große Glaubenskrieg des 17. Jahrhunderts brachte unserem Dorfe neben anderen Schicksalsschlägen unD Trübsalen auch etliche, durch Kriegsbanden verursachte verheerende Brände. Als man nach den Tagen von Osnabrück und Münster auf bei ganzen Lime an bie Wieberaufbauarbeit ging, brauchte man führenbe Persönlichkeiten, bie an bie Spitze ber dezimierten und entmutigten Bauern traten. Nach der Lage der Dinge konnten es nur Leute sein, die über die erforderliche wirtschaftliche und finanzielle Bewegungsfreiheit verfügten, um Zeit und Kraft in den Dienst der Oeffentlichkeit stellen zu können. Die Sippen, die vordem in der Gemeinde maßgebend gewesen waren, hatte ber Krieg zerrieben, verarmen lassen ober zum Aussterben gebracht. Aber neue Familien waren hochgekommem Das ging zum Teil ganz eigenartig zu: Einst blühenbe Stämme waren völlig ausgestorben ober hinterließen nur noch einen Erben ber Namen und ber Besitztümer. Es kam also vor, daß ein Erbe die Hinterlassenschaft von drei ober vier Familien überkam. Trotzbem blieb noch „erbloses" Land genug, bas niemand haben wollte. Diesem unhaltbaren Zustande machte der Staat ein Ende, indem er Die „erblosen" Ländereien den einzelnen Bürgern „dar- schätzte", wofür sie die auf diesen Grundstücken lastenden Abgaben und etwaige Hypothekenzinsen der früheren Besitzer zu übernehmen hatten. Durch dieses Vorgehen kamen einige Sippen, die sich den erforderlichen Lebensmut durch all die Verderbnis der langen Kriegszeit hindurchgerettet hatten, rasch zu bedeutendem Grundbesitz und damit wieder zu Wohlstand. Dazu gehörte die damals führende Sippe unseres Dorfes, die Schultheißenfamilie Fay. Von
Das Haus nach der Herrichtung.
1624 an haben Vater, Sohn und Enkel dieses Amt fast 90 Jahre lang geführt und sich um den Wieder- aufbau ihrer Gemeinde hervorragende Verdienste erworben. Der mittlere unter ihnen, Johann Sebastian Fay, scheint nach unseren Quellen der traft- vollste gewesen zu sein. Denn seine Amtszeit brachte den eigentlichen Wiederaufbau. Es galt im Dorfe, die vielen ehemaligen Hofstätten, die nur noch Schutt und Brandspuren aufwiesen, die sog. „Hofplacken", mit neuen Gehöften zu besetzen. Da ging Der Schultheiß selbst mit gutem Beispiel voran. Er errichtete im siebenten Jahrzehnt des Jahrhunderts zwei neue Hofreiten, beide an ber Hauptstraße bts Dorfes gelegen, bem Steinweg, ber leiber im 19. Jahrhunbert ben alten Namen eingebüßt hat unb heute Obergaffe heißt. Es waren zwei stolze, geräumige Bauernhäuser von bem Typ, ben Der oberhessische Denkmalpfleger „breizonig" nennt. Die beiben Gebäube stehen einanber schräg gegenüber unb kehren sich bas Gesicht zu, so baß noch heute ihre einstige Zusammengehörigkeit zu erkennen ist. Des einen charakteristische Schönheit kommt nicht zur Geltung, weil bas Fachwerk verputzt ist. Das anbere ist unser Haus Bück. Es weist alle konstruktiven unb ornamentalen Farmen des hessischen Holzbaues ber Renaissancezeit auf unb hat seine ehemalige Gestalt nur in unwesentlichen Stücken eingebüßt Die Anorbnung ber Fenster hat im Lause ber Zeit einige Aenderungen erfahren, unb bie Haustür, Die, eine Alt-Langsborfer Besonberheit, unmittelbar auf bie Hauptstraße münbete, ist an bie Langseite verlegt worben. Aber sonst ist bie ursprüngliche Schönheit voll erhalten. Wie eine Reihe von Häusern bessergestellter Leute hat es an seiner Stirnseite einen Erker, ber ben Blick gestattet bis zur Hungener Pforte. Daß man 20 Jahre nach bem Westfälischen Frieben Häuser von solcher Kraft unb Schönheit bauen konnte, beweist, baß bie lange Kriegszeit bem Lebensmut unb ben baukünstlerischen Fähigkeiten bes beutschen Dorfes nur wenig Abbruch getan hatte.
Darum ist es ein schätzenswertes Verdienst des gegenwärtigen Besitzers, daß er mit Hilfe ber Denkmalspflege bas alte Schultheißenhaus in seiner vollen Schönheit hat wieberherstellen lassen. Auch bas Gießener Hochbauamt unb bie Weißbinber Otto Pauli unb Ernst Rabenau haben ihr BeM zum Gelingen bes Werkes getan. Es ist zu hoffen, baß im Laufe ber Zeit noch etliche Gebäube W5 jenen Aufbautagen in ihre ursprüngliche Form fit* bracht werben.
Landkreis Gießen.
00 Klein-Linben, 26. Oft. Am Mittwoch gab bas „Ergötzliche Kasperletheater Radi Rulala aus Mainz auf Veranlassung der NS.-Gemeinschasi „Kraft durch Freude" im Saale des Gasthauses „Zur deutschen Eiche" einen heiteren Abend. AM Nachmittag waren die Kinder von hier und Allen- darf a. d. Lahn Gäste des Kasperletheaters. Beide Vorführungen lösten bei alt und jung viel Freude aus.
* Lollar, 27. Okt. Der Turnverein Lollar stellt sich in den Dienst des Gedankens „Gesunde Frauen durch Leibesübungen" unb wird unter biefer Losung mit einer Veranstaltung an Die Oeffentlichkeit treten, in ber alles gezeigt wirb, was in ben einzelnen Abteilungen des Vereins an turnerischer Arbeit geleistet wirb. Die Werbeve r- anftaltung finbet am heutigen Samstag statt.
(D Weitershain, 26. Okt. Für das Winterhilfswerk konnten anläßlich ber Brotsammlung an Die Kreisführung des Winterhilfswertes Gießen


