jausend Handwerkerinnen sind heute Helferinnen «inb unentbehrliche Mitarbeiterinnen ihrer Schweglern, der deutschen Mütter und Hausfrauen. Diese Lehen alle in steter Verbindung mit den Handwerkerinnen, die ihre Kleidung nach ihren Wünschen eilfertigen, die die Hüte der Mode ihrem Geschmack enpassen, die Wäsche nähen und sticken usw. Aber neben den rein weiblichen Handwerksberufen sind jn den letzten Jahrzehnten auch Frauen in ur- prünglich männliche Berufe hineingewachsen, so >. B. ins Friseur-, ins Photographen-, ms Buchbinder- und in verschiedene Kunsthandwerke, seltener ins Kürschner-, Uhrmacher-, Metzger- und Läckerhandwerk. Auch die Frauen die einen Hand- verksberuf ausüben wollen, müssen die bestehen- ben Vorschriften über die fachliche Ausbildung und Weiterbildung erfüllen, um nach abgeschlossener Lehr- und Gesellenzeit ihre Meisterprüfung ablegen m können. Die im Jahre 1931 durchgeführte Hand- Derksstatistik brachte das überraschende Ergebnis, taß von der Gesamtheit aller Inhaber von Hcmd- verksbetrieben rund 12 v. H. weiblichen Geschlechts sind.
Es ist bereits eine Selbstverständlichkeit geworben, daß Nahrungsmittel beim Bäcker, beim Kon- bitor und beim Metzger durch Frauen verkauft »erben. Auch sonst wird in vielen Handwerks- Zweigen der Verkauf und die Verhandlung mit der Kundschaft von Frauen übernommen, sofern nicht bie Größe des Betriebes die Beschäftigung von fremden Hilfskräften erforderlich macht. Die betriebliche Mitarbeit in den handwerklichen Geschäften umfaßt vielfach auch die Arbeiten im Büro, i B. Buchhaltung, Korrespondenz usw. Diese Frauen sind durch ihre Mitarbeit ein Glied der Handwerklichen Betriebsgemeinschaft. Die Lebensfähigkeit der kleinen und mittleren Handwerksbetriebe beruht ja auf der Tatsache, daß die handwerkliche Betriebsgemeinschaft gleichsam eine erweiterte Familiengemeinschaft ist, deren Glieder sich kurzfristig als Mitarbeiter dem jeweiligen Beschäftigungsgrad anzupassen vermögen, deren Leistung und Ertrag in enger Wechselbeziehung zu dem Verbrauch in der Familie steht. Die pflichtbewußte „Frau Meisterin" wird durch ihre Arbeit lind Gesinnung mithelfen, den Geist der Schicksalverbundenheit, der Werkgemeinschaft und des rei
bungslosen Zusammenwirkens aller Kräfte zu pflegen, sie wird wieder, wie ehedem, auch zu einem guten Teile die Hüterin der Tradition im
Handwerksbräuche in alten deutschen Städten.
Wenn wir in alten Urkunden und Chroniken blättern, entrollen sich anschauliche und bunte Bilder von dem Leben der mittelalterlichen Gilden und Zünfte, aber auch von dem Dasein in diesen alten
Am Sonntag, 28. Oktober, dem Tage des Deutschen Handwerks, finden vormittags 11 Uhr im gesamten deutschen Reichsgebiet pflichtverfamm- lungen des Handwerks statt, um die Rundfunkübertragungen des Reichsstandes des Deutschen Handwerks aus Braunschweig geschlossen entgegenzunehmen.
Zu diesen Pflichtversammlungen, die gemäß der Jahrhunderte alten Tradition des Handwerks im Zeichen des Dreiklangs: „Meister — Geselle —
Städten, von ihren Gebräuchen und Sitten und von den Meinungen und Gesinnungen ihrer Bewohner. Ungemein aufschlußreich sind die Ordnungen der einzelnen Zünfte, die von ihren Mitgliedern treue und ehrliche Arbeit verlangen und ihnen auch außerhalb der Werkstatt moralische und religiöse Verpflichtungen auferlegen, wie diese: „Wer zu einem Begräbnis gebeten wird und nicht erscheint, bevor die Leiche vor die Dachtraufe kommt, der zahlt sechs Pfennige." Oder: „Trinkt ein Geselle im Wirtshaus so viel Bier, daß Unannehmlichkeiten daraus entstehen, so zahlt er ein Pfund Wachs
Strafe; ebenso wenn einer im Wirtshaus Würfel herauszieht und Geld dabei nimmt, was „geraftelt" heißt."
Wer Meister werden will, muß natürlich sein Meisterstück machen, das die Danziger Rolle der Beutler und Gürtler (Lederhandwerker) so festsetzt: „Eines Mannes Taschengürtel mit einer zweifach gewalzten Schnalle, mit getriebenen Gurtspangen, einem Halbmond von rohem Eisen und einen Frauengürtel von sämischem Leder mit einfach gewalzter Schnalle, mit ausgestochenen Scheiben und sechs ausgestochenen Gurtspangen und einem Halbmond als Nestel. Alles dieses zur Arbeit Gehörige
Lehrling" stalkfinden, tritt das gesamte Handwerk des Kreises Gießen örtlich geschlossen an. Die 3n- nungsobermeister sind dafür verantwortlich, daß alle Meister, Gesellen und Lehrlinge an der Feier teilnehmen.
Kameraden der Arbeit! Beweist durch Euer Erscheinen Eure Verbundenheit mit Volk und Staat und Eure Bereitwilligkeit zur Mitarbeit im Sinne unseres Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler.
Ludwig S t ü h l e r, Kreishandwerksmeister.
soll ihm der Meister vorlegen bis auf die Meißel, die soll er selber haben ..."
Die Zunftvorschriften geben strenge Anweisungen, um den unredlichen Wettbewerb der Mitglieder untereinander zu unterbinden und die Preise nicht hochschnellen zu lassen — Bestimmungen, die heute wieder ausgenommen worden sind —, und so lieft man in der Ordnung der Glaser und Glasmaler zu Freiburg i. B.: „Wer eines anderen Arbeit übernimmt, die diesem zuerst übergeben wurde, zahlt fünf Schillinge, es fei denn, daß der erste säumig beim Werk war und der Auftraggeber die
Verzögerung nicht dulden will und von einem anderen begehrt, die angefangene Arbeit zu vollenden, dann mag jeder ohne Strafe die Arbeit zu Ende führen." Und so wird für die Freiburger Gerber bestimmt: „Keiner soll unseren Metzgern Geld vorschießen, denn dadurch würden dessen Häute und Felle für andere unerreichbar, und der Kauf wäre nicht gleich für Arme und Reiche. Wer aber solches tut, der soll nach dem Ermessen der Meister gestraft werden."
Tiefer bringen wir in das Leben einer mittelalterlichen Stadt ein, wenn wir die Handwerker bei ihrer Arbeit beobachten. „Im Jahre 1416", so heißt es in einer Augsburger Chronik, „Hub man an, die Röhrenbrunnen zu machen, die Quelle dafür war im Graben vor dem Schwibbogentor, dort hatte man ein Häuslein gemacht, darin der Brunnen gefaßt war... Im ganzen waren es heben, die kosteten der Stadt großes Gut und waren doch unnütz, die Röhren waren von Eisen geschmiedet und zu eng. Die Stadt verlor wegen dieser Brunnen viel Geld, der Brunnenmeister Leopold Karg machte Bankrott, kam aus der Stadt, fing Streit mit ihr an, er brachte sie in großen ! Schaden, wiewohl er auch nicht viel dabei gewann." Eine eigene Zunft, die der Knochenhauer oder I Metzger, bildeten damals die Fleischer. „Zu den «Zeiten war großer Mangel an allerlei Fleisch, und die Metzger waren gar hochmütig, besonders mit dem Schweinefleisch, und gaben den Leuten üppige Worte." Da greift der Rat Augsburgs ein, regelt Verkauf und Preise, und „als diese Verordnungen bestätigt wurden, wurde zur Bekräftigung die Sturmglocke geläutet."
Erscheint uns das Glockengeläut als feierliche Be- ftätigung etwas seltsam? Die Glocken sprachen damals eine andere, ernstere und lautere Sprache als heute, wo sie im Lärm der Städte verschwinden. So verstehen wir den ausführlichen Bericht, den die Danziger Chronik gibt: „Anno 1516 ward Franz Wessel Vorsteher für Sankt Marien und besonders für den Turmbau; deshalb stieg er mit Hans Francke, dem Kirchenknecht, auf den Turm und fand überall so manche gefährliche Notbauten, so daß bei einem großen Sturm die Spitze herunterfallen könnte. Das Kuvfer war ringsum zerbrochen, so daß man hindurchsehen konnte, die Eschennägel
Aufruf.
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