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Nr. !16 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Donnerstag, 27.8eptember 1934

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Englands Naiionalregierung stellt sich der Kritik.

Ist der Versuch gelungen, Englands außenpolitische Unabhängigkeit zu wahren?

Rückkehr aus dem Urlaub

33on unserem v. Ll -Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, 25. September 1934.

Wenn englische Minister sich erholen, so meinen sie es ernst damit. Sie vertauschen dann wirklich wie Akten und Notizbücher mit der Angelrute, den Bergstiefeln, der Flinte, dem Golfschläger oder dem Brunnenwasser von Aix les Bains. Nur Premier- »ninister Macdonald bildet im allgemeinen einL Ausnahme. Aber Macdonald ist auch kein Eng­land e r, sondern Schotte... Melden sich die Herren Minister dann aber wieder zur Stelle, so Leginnt sofort, das politische Leben auch wieder zu Pulsieren.

Noch ein ganzer Monat trennt die Regierung wom Wiederzusammentritt des Par­laments, aber es hat sich sowohl auf inner- Politischem als auch auf außenpolitischem Gebiet inzwischen soviel ereignet, daß in Whitehall keine Zeit verloren wird, um die Zügel wieder voll in Lie Hand zu bekommen und dem kritischen Parla­ment ein tadelloses Regierungsgespann vorzufüh- xen. Je näher der Zeitpunkt rückt, zu dem die nationale Regierung Rechenschaft vor dem Land mblegen muß, um ein neues Mandat zu erhalten, Lesto peinlicher ist das Kabinett bemüht, sein chaus in Ordnung zu haben und dem Volke sine günstige Bilanz zu zeigen.

Auf zwei Gebieten, dem wirtschaftlichen und dem Politischen, muß die Regierung ihre Prüfung be­gehen. Das wirtschaftliche Reifezeugnis kann Mac- Donalb und seinen Kollegen kaum vorenthalten werden. Die Leistungen der nationalen Regierung ::n den w i r t s ch a f t l i ch e n Fächern sind so aut" und offenkundig, daß nur die demokratischen Voll­machten einer verfassungsmäßigen Opposition die Rechtfertigung berür schaffen, daß die Regierungs- )oantins mündliche zu steigen" braucht. Der Stand Der nationalen Finanzen hat sich dank der Tat­sache, daß sich alle Parteien der nationalen Regie­rung gezwungen sahen, freiwillig traditionelle WrunDsätze über Bord zu werfen: Tarifpolitik durch Werale Minister und Sparpolitik durch konserva­tive Minister zu treiben, ständig gebessert und weist verglichen mit der Finanz- und Wirtschaftslage mnberer Länder ein Bild auf, an dem auch die Nörgler und Pessimisten im eigenen Lager nicht wie! aussetzen können.

Während die Stellung der nationalen Regierung -in dieser Hinsicht also praktisch unanfechtbar ist, zu- rt>em die Programme der Opposition im besten Falle mach nicht aüsgeprobt sind und daher Experimente Larstellen würden, bietet der außenpolitische ^Rechenschaftsbericht der nationalen briti­schen Regierung immerhin zahlreiche Angriffs­punkte Auf dieser Front sind die Minister daher -im Augenblick hauptsächlich beschäftigt, die Stellung nuszubauen und Schlüsselstellungen zu errichten. Wenn man sich vor gingen hält, wie viele schöne Meden über die Notwendigkeit der Abrüstung schon -gehalten wurden, und wie oft die Entschlossenheit der Regierung betont wurde, diese Abrüstung zum Ziele MU führen und damit unter Erfüllung des Friedens- wertrages dem eigenen Land eine Erleichterung von tfben schweren Rüstungslasten zu bringen, so sieht iman sich jetzt auf einem Trümmerfeld ioon Hoffnungen und Versprechungen. Das kann auch dem verständnisvollsten Kritiker Macdonalds und seines Kabinetts schließlich nicht verborgen bleiben. Das Beste gewollt zu haben und Wit gutem Beispiel oorangegangen zu sein, genügt micht. Ein gutes Beispiel wirkt nicht immer auf alle: krs schwächt sogar, wenn man nicht bereit ist zu er» Iftären:und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt", die eigene Stellung und lleberzeugungs- üäbigkeit. Frankreich und andere große und kleinere Mächte haben es abgelehnt, dem britischen Beispiel zu folgenAls der Berg nicht zu Mo- iyammed kam, ging Mohammed zum Berge." So ähnlich verhielt sich auch England: es rüstete ! b e n f a 11 5 auf!

Die Lage wurde für die englische Regierung Mon il>rem Standpunkt gesehen dadurch ver- -infacht, daß der Umschwung in Deutschland den Gegnern der Regierung in der Rüstungsfrage, zeit­weilig, die Politik des britischen Kabinetts schmack­hafter machte. Diesen Kreisen, den liberalen und inksgerichteten Elementen im Unterhaus und im ganzen Lande, geht nun allmählich erst ein Licht Darüber auf, w o h i n die Entwicklung treibt. Di" Tatsache, daß nach vielen Jahren schärfsten Widerstandes der Gedanke an ein Bündnis mit Frankreich im Vvrkriegssinne Sowjetrußland ..um Eintritt in den Völkerbund bewegen konnte, not England die wahren, zynischen Züge der fran- cösisch-russischen Politik in der krassesten Gestalt ent» iiüllt. Schon jetzt beginnt sich zu zeigen, daß das Ansehen und der Wert des Völkerbunds trotz aller i'ffiziellen Erklärungen und Beteuerungen in den Augen der maßgebenden außenpolitischen Kräfte irnglands einen empfindlichen Schlag nrlitten haben.

'Hinstchtlich des A b r ü st u n g s p r o b l e m s und üen damit verwandten Fragen wird sich daher die britische Außenpolitik auf zahlreiche begründete Jßormürfe gefaßt machen müssen. Während der in ' iesen Punkten erwartete Tadel hauptsächlich von '«er Frontseite, nämlich der Opposition kommen wirb, stehen dem Kabinett zweifellos auch Rücken- i.n griffe aus b e m eigenen konserva­

tiven Lager bevor wegen der Gefahr, durch die Entwicklungen auf dem Kontinent oer stärkte britische Bindungen eingehen zu müssen. Die Lage in Oesterreich hat nach Ansicht der An­hänger einer außenpolitischen Autarkie des briti­schen Reiches die Möglichkeit einer freiwilligen oder unfreiwilligen Erhöhung der britischen Verpflichtun­gen auf dem europäischen Festland und einer Aus­dehnung der von Baldwin schon an den Rhein verlegten britischen Grenze bis an die Donau oder gar die Weichsel zu einer unmittelbaren Gefahr gestaltet. Um jeder Ausbeutung dieser These, die zu einer wirklichen Bedrohung der Stellung des

britischen Kabinetts im eigenen Lande anwachsen könnte, oorzugreifen, hat der britische Wortführer in Genf gleich erklärt, seine Anwesenheit bei Be­sprechungen, die die Frage der Unabhängigkeit und Unversehrtheit Oesterreichs zum Gegenstand haben, dürfe unter keinen Umständen in dem Sinne gedeutet werden, daß die britische Regie­rung etwa eine Erweiterung ihrer Bin­dungen in Europa in Aussicht nehmen wollte.

Diese Feststellung ist ehrlich. Die Losungkeine weitere Verpflichtung in Europa!" ist zurfixen Idee" des britischen Außenministers und der ganzen britischen Regierung geworden und ssntspricht nicht

Litwinow arbeitet ans Liquidierung der Abrüstungskonferenz hin.

England und Frankreich wünschen keine Erörterung des russischen Antrags.

Genf, 26. Sept. (DNB.) Litwinow hat ein Schreiben an den Präsidenten der Völkerbunds­versammlung gerichtet, in dem er bittet, die Ver­sammlung mit dem bisherigen Ergebnis der Abrüstungskonferenz zu befassen. Die Dölkerbundsversammlung soll dann den Völker­bundsrat ersuchen, seinerseits zu der gegenwärtigen Lage der Abrüstungsfrage Stellung zu neh­men.

Damit würden die Völkerbundsorgane zum ersten- mal wieder in die Abrüstungsfrage eingreifen, deren Behandlung bisher dem Präsidium der Abrüstungskonferenz bzw. den wirklich maßgebenden Mächten überlassen blieb. Heber den Sinn und Zweck des sowjetrussischen Vorstoßes sind verschiedene Ansichten zu hören. Die einen glauben, sie auf Gründe der sowjetrussischen Innen­politik zurüzuführen, andere wieder glauben, daß es sich um einen Versuch der Liquidierung der Abrüstungskonferenz durch den Völkerbundsrat handelt.

Litwinows Ankündigung wird in London stark beachtet. Die Genfer Berichterstatter sind aber der Meinung, daß die Entschließung nur z u r Kenntnis genommen" werden wird. Reuter bemerkt, die Annahme der Entschließung würde entweder eine Aenderung des bis­herigen Verfahrens der Abrüstungskonfe­renz oder die Beendigung dieser Konfe­renz fein. Im letzteren Falle würde der Völker­bundsrat die Verantwortung für die ganze Frage wieder übernehmen. Litwinow mache kein Hehl aus seiner Ueberzeugung, daß die Abrüstungs­konferenz nicht mehr l e i st u n g s f ä h i g sei und daß der Völkerbundsrat vielleicht bessere Er­gebnisse erzielen würde. Wahrscheinlich aber werde die Entschließung nicht angenommen, mög­licherweise überhaupt nicht erörtert wer­

den.Times" erwähnt zwei Bedenken gegen den oon Litwinow gestellten Antrag: 1. sei beschlossen worden, die Abrüstungsfrage auf der Dolkerbunds- oerfammlung diesmal nicht zu erörtern, weil die Abrüstungskonferenz noch bestehe und weil eine vorzeitige Aussprache ihren Aussichten nur scha­den könnte; 2. brauche der Völkerbundsrat keine Weisung von der Versammlung zu erhalten, da er in der Frage jederzeit selbständig Schritte tun könne, wenn er wolle. Unter diesen Umständen werde Litwinow wahrscheinlich veranlaßt werden, seinen Vorschlag zurückzuziehen.

Auch in P a r i s ist der sowjetrussische Vorstoß mit unverhohlenem Mißfallen ausgenommen wor­den. DerMatin" spricht oon einem sowjetrussischen Manöver und erklärt, man habe den Schritt Litwi­nows allgemein als sehr vorlaut beurteilt, denn angesichts der besonderen Umstände, unter denen die Sowjetunion in den Völkerbund ausgenommen worden sei, hätte man nicht erwartet, daß sie sich für berechtigt ansehe, die anderen Mächte in einer Frage zur Ordnung zu rufen, d i e überhaupt nicht auf der Tagesordnung stehe. Journal" sieht in dem Vorstoß Litwinows die Ab­sicht Sowjetrußlands, eine Konferenz über bie private Herste11ung und den Verkauf von Waffen herbeizuführen. Das Blatt spricht von einer Auferweckung der Toten durch Litwinow. Sein Vorschlag werde jedenfalls den Er­folg haben, daß der Aufschiebung der Abrüstungs­konferenz endgültiger Charakter gegeben werde. Oeuvre", das gute Beziehungen zu sowjetrussischen Kreisen pflegt, will in dem Schritt Litwinows e i n gegen Deutschland gerichtetes Manö­ver sehen. Der Außenkommissar wolle die Aufmerk­samkeit des Völkerbundes auf Deutschland richten, damit es nicht in aller Ruhe fortfahre, aufzu­rüsten."

Ein neuer Mordsall in Frankreich politisch beleuchtet.

Der Sohn des Abgeordneten Ma vy des Mordes an einem pariser Stadtverordneten beschuldigt.

P a r t s , 27. Sept. (DNB. Funkspruch). Paris hat wieder eine Sensation, und zwar in Gestalt des Mordfalles Dufrennes, der zur Zeit untersucht wird und mit dem zwar noch nicht erledigten, aber etwas abgeblaßten Fall P r i n c e in Wettbewerb zu treten verspricht. Wie im Falle Prince beginnt auch hier das Bestreben sich geltend zu machen, eine Kriminalangelegenheit in den Bereich der innerpolitischen Kämpfe einzubeziehen. Dufrennes, der Pariser Stadtverordneter und Direk­tor eines großen Varietes war, wurde vor Jahres­frist in seiner Wohnung ermordet ausge­funden. In großer Aufmachung beschuldigt heute nun dieAction Fran^aise" den Sohn des radikalsozialistischen Abgeordn etc n Malvy des Mordes an Dufrennes. Der Abge­ordnete Malvy ist als Vorsitzender des ,5>nanzaus- fchuffes der Kammer hervorgetreten Sem Sohn soll, wie das Blatt behauptet, ebenso wie Dufrennes besonders veranlagt gewesen sein Bei einem Streit zwischen den beiden fei Maloy von Dufrennes schwer verletzt worden und habe daraufhin den Stadtverordneten gewissermaßen m Notwehr g - tötet. Malvy jun. selbst sei bann t n eine Pariser Privatklinik gebracht worden, das Schweigen des behandelnden Arztes habe man mit 400 000 Francs erkauft Heute befinde sich der Sohn Malvys in einem kleinen Ort in d r Nähe von Paris, wo er feiner endgültigen Gene-

ist bas einzig- Blatt, bas diese Behausung bringt. Es führt außerdem noch eine Reihe von Aussagen aus der Untersuchung des Falles an, bie nach Ansicht bes Blattes beweisen sollen baß gewiss- Poliz-.b-amte g-. kaust worben seien, um zu oerhmbern, baß bas Gebe mnis um ben Tob oon Dufrennes gelüftet werbe. Eine Krankenfchwester, bie im Der- lauf des Donnerstag vernommen werden |oU, hat

erklärt, sie kenne den Mörder von Dufrennes, denn sie sei eine Freundin der Krankenschwester, die Malvy in der Klinik gepflegt habe. Sie hat ferner am Mittwoch Klage gegen zwei unbe­kannte angebliche Polizeiinspektoren erhoben, die sie in der Nähe ihrer Wohnung ange­halten und aufgefordert hätten, sich nicht mehr um die Angelegenheit Dufrennes zu kümmern. Man habe sie gezwungen, einen Brief an den Untersuchungsrichter zu schreiben, in dem sie ihre Dritten gegenüber gemachten Aussagen widerrufe. Verweigere sie den Widerruf, so werde man sie in eine Irrenanstalt ein- sperren. _ _

In Spanien ist dieser Tage em gewisser L a - b o r i e unter dem Verdacht des Mordes an Du­frennes verhaftet worden. Nun hat am Mitt­woch Labories Vater erklärt, ein gewisser Polizei- Inspektor Ma so sei bei ihm in der Wohnung erschienen und habe ihm den Rat gegeben, er solle seinen Sohn erschießen, denn dieser habe die Absicht geäußert, seinen Vater zu ermor­den In den Kreisen, aus denen die Enthüllungen derAction Fran?aise" stammen, legt man das so aus daß die Polizei Interesse an der Beseitigung Labories habe, um dann er­klären zu können, er habe sich aus Furcht vor Strafe das Leben genommen.

Einstweilen erscheint der von derAction Fran- ?aise" in fetten Überschriften aufgemachte Fall noch reichlich unklar und verworren. Allerdings haben die Polizeiskandale in der letzten Zeit die Oeffent- lichkeit so skeptisch gemacht, daß man von nichts mehr überrascht sein würde. Jedenfalls er­wartet man, daß die Vernehmung der Hauptzeugm, der erwähnten Krankenschwester, Licht in das Dun­kel bringen und vor allem Klarheit darüber schaffen wird ob an den außerordentlich schweren Beschul­digungen derAction Franxaife" etwas wahres ist.

nur der eigenen Ueberzeugung, sondern auch dem Bewußtsein, daß jedes Abgehen von dieser Linie angesichts der entschlossenen Haltung der überwältigenden Mehrheit des Landes zum Sturz der Regierung führen würde. Die britische Außenpolitik tut daher in der österreichischen Frage das, was die britische Politik immer tut, wenn sie ich in einer heiklen und schwierigen Lage sieht: s i e b r e m ft. Nach ihrer Ansicht ist die osterreichi'che Frage augenblicklich nicht so kritisch, wie sie von manchen Seiten dargestellt wird und befindet sich nicht mehr in dem Stadium, wo sie eines Serums, wie es die italienische Regierung in Gestalt eines Dreimächtepaktes mit evtl. Sanktionen im Auge hat, bedarf. Die Auffassung verantwortlicher Außenpoli­tiker geht dahin, daß es nur z»w e i Lösungen gibt, die Aussicht auf Erfolg haben: eine Ideal­lösung und einen Notbehelf. Die Ideallösung wäre eine Garantie der Unabhängigkeit Oesterreichs un­ter Beteiligung Deutschlands, der Notbehelf, bei der erwarteten Nichtbeteiligung Deutschlands, eine Erklärung aller österreichischen Grenzländer, einschließlich vor allem Jugosla­wiens. Diese Erklärung könnte im Rahmen, aber vielleicht auch außerhalb des Rahmens des Völker­bundes erfolgen. Die augenblicklichen Beziehungen zwischen Italien und Jugoslawien bieten aber nach englischer Auffassung noch keine große Aus­sicht auf das Zustandekommen auch nur des Not­behelfs. Für die britische Politik, die vorläufig mehr nach London schielt als nach Wien, bleibt das Maß­gebende, daß Großbritannien feine Unabhän­gigkeit in dieser Frage wahrt und daß die eng­lische Regierung mit freien, starken Hän­den vor das Unterhaus und das Land treten kann.

Die deutsche Frage spielt, obgleich sie in letzter Zeit an der Oberfläche nicht so hervorragend in Erscheinung getreten ist wie in früheren Mona­ten, dennoch eine, wenn auch nicht die maßgebende Rolle. Die psychologische Atmosphäre, in der weite, der inneren Wandlung in Deutschland gegenüber voreingenommene Kreise alle mit Deutschland zu­sammenhängenden außenpolitischen Entwicklungen anzusehen beliebten, hat nun einer anderen, nicht weniger getrübten Atmosphäre Platz gemacht: die Schuld en läge zwischen England und Deutsch­land überschattet, daran darf kein Zweifel herrschen, im Unterbewußtsein der öffentlichen Meinung des Landes und der Regierung augenblicklich jede an­deren innen» und außenpolitischen Erwägungen und führt leider zu einer alles andere als sachlichen Be­urteilung deutscher Fragen. Die Einmütigkeit, mit der die für die Stimmung des Landes keineswegs unmaßgeblichen Kreise des Handels und der Indu­strie der britischen Delegation in Berlin zuriefen, festzubleiben, bietet einen Anhalt für den Geist, in dem hier an diese Frage herangetreten wird und für die Folgen, die zweifellos ein negatives Ergebnis der Schuldenverhandlungen in England nach sich ziehen wird. Der Widerhall, den Chamberlains Clearing-Drohung gegenüber Deutschland seinerzeit im Unterhaus erweckte, läßt keinen Zweifel daran aufkommen, daß die britische Regierung in dieser Frage schwerlich auf eine Opposition stoßen wird. Die Versuchung, außenpolitische Fehler und Unter­lassungen in einer durch Pfund, Schilling und Pence'verdunkelten Atmofphüre zu vertuschen, wird daher nicht gering sein und kaum überwunden werden, wenn die Entwicklungen es der Regierung ermöglichen, ausgiebig ba^n Gebrauch zu machen. Wenn man nicht Staatsmann sein kann, so ist man eben Politiker!

Große piötie für die amerika­nische Handelolustfahri.

Amerika will Zeppelinluftschiffe bauen.

Washington, 27. Sept. (DNB.-Funkspruch). Eine Vorlage für eine Ausgestaltung der ameri­kanischen Handelsluftfahrt durch den Bau von Zeppelinluftschiffen hat der Leiter der Luftschiffahrtsabteilung im Handelsamt, Ewing Mitchell, dem Bundesausschuß für Luftschiffahrt unterbreitet. Er schlägt vor, durch die Goodyear- Zeppelin-Company Zeppeline erbauen zu lassen, die in den Dienst eines weltumspannenden regel­mäßigen Verkehrs gestellt werden sollen. Als Bau­kosten sind 17 Millionen Dollar veranschlagt. Man nimmt an, daß die Einrichtung eines Luftschiffver­kehrs von Amsterdam nach Batavia und nach der Ostküste der Vereinigten Staaten, auch in den Niederlanden ein Interesse finden würde, das sich in einer Beteiligung an der Finanzierung des Betriebes ausdrücken würde. Mitchells Plan hebt besonders die Not­wendigkeit hervor, die Entwicklung von Luftver­kehrsmitteln zu fördern, die auf dem Grundsatz Leichter als die Luft" beruhen.

Gleichzeitig verlautet, daß die Admiralität dem Lustschiff mit großer Abneigung gegenübersteht und das Flugzeug für das geeignetere Luftverkehrsmittel hält. Jniolgedeffen wird die Ad­miralität auch davon absehen, die Ersetzung des verunglückten MarineluftschiffesAcron" durch einen Neubau zu empfehlen. Mitchell hat demgegenüber bereits erklärt, daß er von dem Wert des Luftschiffes als Verkehrsmittel über­zeugt sei. Dabei wies er besonders auf die erfolg­reiche regelmäßige Amerikafahrt des Luftschiffes Graf Zeppelin" hin.

lieber die Regelung des Zahlungsver­kehrs ist in Berlin zwischen Deutschland und Italien ein Abkommen unterzeichnet worden, durch das alle im Warenverkehr zwischen Deutsch­land und Italien zu leistenden Zahlungen einem Verrechnungsverfahren unterworfen wer­den, an das die Einführer und Ausführer in den beiden vertragschließenden Ländern gebunden sind.