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Ur. 98 Drittes Matt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Zreitag, 27. April

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5. Anordnung für den 1. Mai in Gießen.

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Organisation des Fesizuges.

Die Leitung des Aufmarsches am 1. Mai hat der stellvertr. Kreisleiter Pg. Hopfenmüller, fein Vertreter ist Ortsgruppenleiter Pa. Horst.

Die einzelnen Gruppen des Festzuges unterstehen:

1. Gruppe Betriebe: Kreisbetriebszellenobmann Pg. Wagner.

2. Gruppe Hago: Kreisamtsleiter Pg. Schim­mel.

3. Gruppe Behörden: Kreisamtsleiter Pg. Heß.

4. Gruppe Freie Berufe und Angestellte: Orts­gruppenleiter Pg. Schwarz.

5. Landstand: Kreispressewart Pg. Michel.

6. Vereine: OG.»Propagandaleiter Pg. Ditt - mar.

Sprechstunden der Aufmarschleitung: täglich 4 bis 5 Uhr auf der Kreisleitung, Löberstraße 9, Tel. 4032.

Es wird jedoch ersucht, persönliche Nachfragen weitestgehend zu beschränken, da alle Anordnungen durch die Presse in verständlicher Form bekannt­gegeben werden.

Im Folgenden gibt die Aufmarschleitung die ein­gehenden und endgültigen Anordnungen für den Festzug bekannt.

gez. Schmelz, Kreispropagandaleiter.

Endgültige Anordnungen über Aufstellung und Aufmarsch des Festzugs.

1. Allgemeines.

Eine reibungslose Abwicklung des Aufmarsches erfordert, daß sich jeder einzelne Teilneh­mer mitverantwortlich fühlt am Gelin­gen. Er trägt sein Teil dazu bei, indem er die ge­gebenen Anweisungen bis ins kleinste, und, soweit es sich um festgelegte Zeitpunkte handelt, auf die Minute pünktlich erfüllt.

Bei der großen Vielgestaltigkeit teilnehmender Gruppen, Vereine usw. ist eine restlose Aufzählung nicht möglich. Wer in dem folgenden Aufmarsch­plan nicht ausdrücklich genannt ist, reiht sich dort ein, wo er berufsmäßig hinge­hört. Dies gilt sowohl für Einzelpersonen, wie für Vereine u. a.

Bei Aufstellung des Zuges in den festgelegten Straßen haben die Kolonnen scharf die rechte Straßenseite einzuhalten.

Den Anweisen der als Ordner tätigen politischen Leiter ist unbedingt Folge zu lei st en.

Marschiert wird in Sechser-Reihen.

Die Teilnahme am Festzug darf in keiner Weise zur Reklame ausgewertet wer­den. Verstöße bedingen Ausschluß von der Teil­nahme.

2. Ausstellung.

Der Festzug marschiert in 6 großen Grup­pen, die durch Ehrenkompanien, Fahnenabord­nungen und Musikkapellen untereinander verbunden sind. Die 6 Gruppen sind: 1. Betriebe und Arbeiter, 2. Handel, Handwerk und Gewerbe, 3. Behörden (mit Universität), 4. Freie Berufe und Angestellte, 5. Landstand, 6. Vereine (aber nur Fahnengrup­pen),

Festwagen fahren bei dem Betrieb bzw. der Gruppe, zu der er gehört. Eine Verteilung Der Wa­gen über den Zug findet nicht statt.

Eine bestimmte Reihenfolge der einzelnen Be­triebe, Vereine, Verbände usw. innerhalb der 6 Marschgruppen ist nicht festgelegt, sondern die Teilnehmer marschieren ohne weiteres in die Aufmarschstrshen ein, so daß sich die Reihen­folge nach dem zeitlichen Eintreffen bestimmt.

Die Leiter der 6 Gruppen sind berechtigt, von sich aus Umstellungen vorzunehmen.

Im einzelnen:

Spitze: SS., Reichswehrkapelle mit Spiel- mannszug, Ehrenkompagnie der Reichswehr.

Gruppe 1: Betriebe und Arbeiter.

Es nehmen teil: Nattmann, Bänninger, Gas­werk, Elektrizitätswerk, Eisenbahn, Sparkasse, Poppe, Schaffstaedt, Bataillonsverwaltung, Heil- und Pflegeanstalt, Handels- und Gewerbebank, Den- ninghoff, Gießener Anzeiger, Kliniken, Stempel- kreuter, Opel, Hochbauamt, Tiefbauamt. Grieb, Oberhessische Tageszeitung, Dresdener Bank, Gail- sches Tonwerk, Tabak- und Zigarrenfabriken, Volks­bad, Schlachthof, technische Nothilfe und alle weite­ren, nicht namentlich aufgeführten Betriebe.

Daran schließt sich an die AbteilungArbeiter". Hierhin gehören die Angehörigen kleiner Betriebe, die nicht geschlossen auftreten, sowie die Arbeits­losen.

In der Mitte der Gruppe 1 marschiert die Ka­pelle der SA.-Standarte 116 mit SZ. und Ehren­kompanie der SA. und Fahnengruppe.

Ueberleitung: Kapelle des SA. - Roserve- sturmbannes 1/116.

Gruppe 2: handel, Handwerk und Gewerbe.

Die Gruppe umfaßt Innungen, Berufsvereine und Berufsverbände und Betriebe (d. h. Geschäfte.)

Es nehmen teil: Gastwirte, Konditoren, Dachdecker, Kellner, Schuhmacherzwangsinnung, Buchdruckerver­ein, Fleischerinnung, Schreinermeistervereinigung, Bäckerzwangsinnung, Freie Innung des Kraftfahr­zeuggewerbes, Freie Schneiderinnung, Kohlen­händler, Friseurzwangsinnung, Kutscherverein, Schlosserinnung, Fuhrwerksbesitzer, Verband der Elektroinstallationsfirmen, Freie Innung der Uhr­macher und Goldschmiede, Gartenbaubetriebe, Ma­ler- und Weißbinderoereinigung, Kraftdroschken­besitzer, Drogisten, Einzebhandelsverband und alle übrigen Berufsvereinigungen, Sattler- und Tape­zierer-Innung. Sämtliche Einzelbetriebe (Geschäfte).

Gruppe 3: Behörden (mit Universität).

Es nehmen teil: Polizei, Arbeitsamt, Amts­gericht, Landgericht, Reichsbahn, Biebertalbahn, Finanzamt, Kreisamt, Prooinzialverwaltung, Zoll­amt, Reichsbank, Versorgungsamt, sonstige Landes­behörden (Forst, Vermessung und andere), Postamt, Krankenkasse, Schulbehörden, geistliche Behörden, Stadtverwaltung, alle bisher nicht genahnten klei­neren Behörden, Feuerwehr. Dann Universität, Fahnengruppen, Lehrkörper, Studentenschaft (aus­genommen Kliniken Gruppe 1 und Versuchs­güter Gruppe 5)

Ueberleitung: Kapelle der HI. mit SZ., Ehrenkompanie der HI. und Fahnengruppe.

Gruppe 4: Freie Berufe und Angestellte.

a) Aerzte, Zahnärzte, Dentisten, Rechtsanwälte, Architekten, Musiklehrer und alle sonstigen;

b) Angestellte, soweit sie nicht durch die Betriebe erfaßt sind. Führung von 4b hat die Deutsche Arbeitsfront, Angestelltenschaft;

c) Hausangestellte.

Ueberleitung: SZ. des Jungvolks, Ehren­kompanie des Jungvolks, Fahnenabteilungen von Jungvolk und BDM.

Gruppe 5: Landstand.

a) Wieseck mit Trohe (ohne Rücksicht auf Beruf); b) Klein-Linden;

c) Gießen: Oberer Hardthof, Unterer Hardthof, Hennecken und alle weiteren landwirtschaft­lichen Betriebe;

ä) Annerod;

e) Rödgen marschiert sofort zum Festplatz auf dem Trieb;

Ueberleitung: Stahlhelmkapelle.

Gruppe 6:

Vereine (nur Fahnengruppen zu je drei Mann).

Es nehmen teil: sämtliche Kriegervereine, dann Schützenvereine, Schwimmverein, Turnerschaft, Rad­klub Germania, Spielvereinigung 1900, Gesang­verein Eintracht, Verein für Bewegungsspiele, Gut­templer, Philologenverein, Jugendherbergsverband, Sängerkranz, Kolonialverein, Rudergesellschaft, Rudersport, Theatervereinigung, Bavaria, Ruder­klub Hassia, Schützengesellschaft, Gesangverein Kon­kordia, Kraftsportklub, Schützenklub, Gesangverein Frohsinn, Touristenvereinigung, Wandervogel Hö­henflug, Reit- und Fahrklub, Gießener Radfahr­verein'1885, Gießener Sängervereinigung mit allen ihr angegliederten Vereinen sowie alle nicht ge­nannten Vereine, die in diesen Rahmen gehören.

Abschluß Fahnengruppe der Politischen Orga­nisation: SS.

Die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz verteilt sich über den ganzen Zug zur Hilfeleistung bei Un­glücksfällen.

3. Aufmarsch.

Der Abmarsch des Festzuges erfolgt pünktlich um 2 Uhr. Es sind daher die angegebenen Zeiten unbedingt einzuhalten. Nur die absolute Diszi­plin aller Zugteilnehmer kann eine reibungslose Abwicklung gewährleisten. Es ist selbstverständlich, daß sich jeder Volksgenosse, der als Leiter irgend einer Gruppe in Betracht kommt, diesen Aufmarsch­plan mit sich führt.

Im einzelnen:

Ehrenkompagnien der Reichswehr, der SS., der SA., der HI., des Jungvolks, sämtliche Fahnengrup­pen der politischen Organisationen und alle Spielmannszüge treten auf dem Oswaldsgar- t e n an. Eintreffen spätestens um 1.30 Uhr; A n - marsch durch die Neu st ad t.

Gruppe 1: Betriebe.

Aufstellung Hammstraße, Spitze am Biebertal­bahnhof. Anmarsch nur durch Frankfurter Straße, Wetzlarer Weg, Brücke in der Hammstraße. Die Be­triebe müssen spätestens um 1 Uhr eingetroffen fein.

Gruppe 2: hago.

Aufstellung Wernerwall (früher Nordanlage), Spitze an der Turnhalle. Anmarsch durch Walltor­straße in den Wernerwall. Eintreffen spätestens 1.15 Uhr.

Gruppe 3: Behörden.

Aufstellung Steinstraße, Spitze an der Turnhall^ Anmarsch über Landgraf-Philipps-Platz, Hitlerwall, (früher Ostanlage), Marburger Straße in die Steinl straße. Eintreffen spätestens 1.15 Uhr.

Die Universität stellt sich auf in der Goethestraße^ Spitze Universitätsgebäude und rückt über Ludwig« straße, Gartenstraße, Hitlerwall, Marburger Straß- zur Steinstraße. Eintreffen dort 1.30 Uhr.

Gruppe 4: Freie Berufe und Angestellte.

Aufstellung 12.45 Uhr Bleichstraße, Spitze Lony- straße. Anmarsch zum Oswaldsgarten über Hin» denburgwall, Gartenstraße, Neuen Bäue, Neuenweg Kaplansgasse, Bahnhofstraße in die Neustadt. Dis Spitze steht am Geschäft I. B. Häuser. Eintreffen dort spätestens 1.30 Uhr.

Gruppe 5: Landstand.

Aufstellung Rodheimer Straße, Spitze am Bieber« talbahnhof. Eintreffen spätestens 1.30 Uhr.

Klein-Linden: marschiert über die Brücks in die Hammstraße ein und rückt nach Abmarsch der Gruppe 1 bis zum Biebertalbahnhof vor.

W i e s e ck : marschiert in die Steinstraße ein, und rückt mit Trohe nach Abmarsch der Gruppe 3 bis zur Turnhalle vor.

Annerod: marschiert über Kaiserallee, Moltke- straße, Hitlerwall in den Wernerwall ein und rückt nach Abmarsch der Gruppe 2 bis zur Turnhalle vor.

Die Ortschaften müssen bis spätestens 1.45 Uhr an ihren Plätzen stehen.

Gruppe 6: Vereine.

Aufstellung Kirchstraße, Spitze am Geschäft I. V. Häuser. Anmarsch über Marktplatz, Kirchenplatz iit die Kirchstraße. Eintreffen spätestens 1.45 Uhr.

4. Marsch des Festzugs.

Der Festzug nimmt folgenden Weg: Horst-Wessel- Wall, Seltersweg, Neuenweg, Neuen Bäue, Garten- straße, Ludwigsplatz, Kaiserallee zum Trieb.

Der Anmarsch auf den Trieb ist so geregelt, daß die dort eintreffenden Marschkolonnen von Ord­nungsleuten in Empfang genommen und zum Auf- stellungsplatz geleitet werden.

Fe st wagen fahren ausnahmslos auf der Grün­berger Straße weiter, ohne auf den Trieb selbst zu kommen. Man beachte die Anweisung der Ordnungs­leute.

Die Aufmarschleitung.

Gez.: Hopfenmüller, stellv. Kreisleiter.

Höhenfeuer der Hitler-Jugend brennen.

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai werden im ganzen Deutschen Reich die Höhen­feuer der Hitler-Jugend brennen.

Zu gleicher Stunde, im gleichen Augenblick wer­den Millionen deutscher Jungen und Mädel ein Manifest ihres R e i ch s j u g e n d f ü h r e r s Baldur von Schirach hören.

Leuchtende Flammensignale werden von einem Berge zum andern künden, daß die geeinte deutsche Jugend versammelt ist, um ihrem Willen Ausdruck zu geben.

Diese Feuer werden erneut ein Bekenntnis der de utschen Jug end zur Einheit des Reiches darstellen.

In Gießen brennen die Feuer auf folgenden Höhen: Bismarckturm, Schiffenberg, Trieb, auf der Höhe von Launsbach. Um 21.30 Uhr werden die Flammen auflodern. Punkt 21.50 Uhr erfolgt die Verlesung der Botschaft. Die Feiern werden um 22.15 Uhr beendet sein. Es nehmen teil: HI., ID., BDM. und IM.

Die Gtallwache.

Von Wolfgang pehet.

Heute Nacht stürzte in der ... Straße (... Vorstadt) die Decke eines Stalles ein, die offenbar von Rüben zu stark belastet war. Unter den Trümmern wurde der am Rangierbahnhof beschäftigte Arbeiter I. G. tot aufgefunden, der im Stalle genächtigt hatte, um einer Kuh beim Kalben zu helfen. Ein Balken hatte ihm, wahrscheinlich im Schlafe, die Brust eingedrückt. Wunderbarer­weife waren das Tier und fein neugeborenes Junges unversehrt geblieben."

(ZeUungsmeldung.)

Der Arbeiter Julius Garner war Dor vielen Jah­ren Knecht bei einem Viehhalter gewesen. Dann heiratete er und zog in die Stadt und nahm Ar­beit auf dem Rangierbahnhof. Das Haus, in dessen viertem Stock er mit seiner Frau und fünf Kin­dern wohnte, stand in einer Gegend, in der sich die ländlichen Reste eines Dorfes mit häßlich städtischen Mietsgebäuden mischten: die Brandmauern fielen kahl zu beiden Seiten ab; rechts und links standen niedere Bauten aus Fachwerk; an den Kramladen schräg gegenüber schloß sich der hölzerne Verschlag eines Stalles. Auf dem Bahnhof duldete Garner nicht daß dem verladenen Vieh ein Leid zugesügt würde. Im Sommer schleppte er den durstig damp­fenden Mäulern Wasser herbei; im Winter dichtete ir den Güterwagen mit Flaschenstroh. Die Tiere reckten ihre Köpfe übereinander und leckten fein Gesicht, wenn er in die Nähe kam.

Eines Tages hörte er die Frau des Krämers im Laden erzählen, daß ihre Kuh noch diese Nacht kal- ben würde, sie gebärde sich sehr unruhig und kläg­lich; auch der Tierarzt wolle für nichts bürgen sie hätte rechte Sorge um das Tier. Garner sagte, er wolle dem Tier in der Nacht beistehen. Nach dem Abendessen führte ihn der Kaufmann in den Stall Der Kaufmann wollte ihm noch einen Krug Bier bringen, aber Garner dankte; auch Decken halte er sich mitgebracht, der andere könne ruhig schlafen gehen und brauche weiter keine Sorge um das Tier zu haben; morgen hätte er deren zwei.

Die Kuh trat unruhig vor ihrer Krippe hin und her legte sich auf die Streu, erhob sich mühsam wieder rieb sich an den Wänden; sie zitterte unauf- hörlich.' Im letzten Tageslicht, das durch die ver­staubte Scheibe über dem Gesimse siel, ging Gamer zu ihr und strich ihr zwischen den Hörnern über den harten, fellbespannten Stirnknochen. Sie sah

ihn mit weit aufgerissenen Augen angstvoll an. Er raufte etwas Heu aus der Trense und hielt es ihr vor die Nüstern, aus denen der weiße Saft zur Erde troff. Aber das Tier hob die Schnauze über seine Hand hinweg und blies ihm den Atem stoß­weise näher ins Gesicht. Da klopfte er auf den braungescheckten, feisten Hals:Nur Mut!" und strich wegtretend mit seinen großen Händen über ihre Flanken: sie waren feucht von Schweiß.

Da er kaum noch etwas im Stall unterscheiden konnte, zündete er eine Laterne an. In der Ecke, in der er auf zwei zusammengeschobenen Bänken schlafen wollte, stand noch allerlei Stallgerät, Rechen, Gabeln, ein Bündel Stroh. Er brachte das Gerät auf die andere Seite, breitete den Strohbund auf den Bänken aus, ihn am oberen Rande zu einem Kopfkissen aufschüttend, und legte die Decke dar­über. Laterne und Zündhölzer stellte er vorsorg­lich auf einen Holzbock zur Seite. Die Kuh war stiller geworden, hatte sich niedergelegt, atmete schwer und gleichmäßig. Noch einmal trat er zu ihr, betrachtete sie scharf und lange Zeit und nickte bil­ligend mit dem Kopf. Dann streckte er sich auf das Lager, sah den schweren Deckenbalken dunkel und nahe über sich gelegt und löschte das Licht. Er schlief ein, während der Atem des Tieres auf und ab stieß.

In der Nacht zeigten ihm Geräusche an, daß die Stunde der Kuh gekommen sei. Anfänglich glaubte er im Dunklen, er stemme sich gegen die Puffer eines Güterwagens, der polternd, knirschend, den Hemmschuh über das Geleise vor sich herguetschend unaufhaltsam auf feine Brust zu drückte. Da begriff er, daß er die beiden Füße des Kalbes im Leib der Mutter bereits zu packen bekommen; das Licht zu entzünden blieb keine Zeit; er zog die kleinen Hufe mit aller Macht auf sich zu, preßte sie gegen feine Brust, warf sich rücklings nieder, damit das junge Tier geboren werde.

Am andern Morgen kam Julius Gamer nicht nach Hause; seine Frau wollte ihm den Kaffee in den Stall bringen; sie öffnete die Türe, aber in dem kaum erleuchteten Raume fand sie sich nicht sogleich zurecht. Schließlich bemerkte sie, daß eine Ecke des Stalles eingestürzt war. Unter dem schweren Deckenbalken, der sich, belastet von Kartoffeln und Rüben, über Stroh und zusammengebrochene Bretter gelegt hatte, streckten sich die beiden Beine ihres toten Mannes vor. Daneben standen auf einem Holzbock Zündhölzer und Laterne. Der Raum drehte sich; noch fiel das Licht der Ture aus die Kuh, die unermüdlich ihr In der Nacht geborenes schwarzes Kalb leckte.

Mein Herz ruß nach Dir".

Jan Kiepura singt in Gießen eine auch für verwöhnte Musikfreunde nicht alltägliche Sensation, mag der große Tenor auch nicht in Person, sondern im Tonfilm auftreten. Für diesen Rahmen hat Ernst Marischka eine ebenso amüsante wie sckMissige Geschichte erfunden, die sogar und das will heute bestimmt etwas heißen die übliche Schablone der Tonfilmoperetten nicht nur im Musi­kalischen sprengt. T)as nie versagende Fluidum der Bretter, die die Welt bedeuten, das Bordleben eines Ozeansteamers und schließlich die Spielhölle von Monte Carlo inmitten der paradiesischen Natur der Riviera, das sind an sich ebenso wirkungsvolle wie abgegriffene Attribute für die Leinwand, Es kann also nur an der Komposition liegen, wenn hier etwas Eigenartiges herausgebracht wurde.

Die Geschichte des armen Theaterdirektors Rosö und seiner Schauspieler, die auf der Jagd nach einem Engagement sich in Südamerika nach Monte Carlo einschiffen, fängt schon bei der Zollabfertigung mit Pech an, und Pech verfolgt den betriebsamen kleinen Mann und die ihm anvertrauten Schäflein auch an der neuen Arbeitsstätte. Wenn nicht sein Tenor" stets im rechten Augenblick mit dem Zau­ber feiner Stimme alle feindlichen Mächte siegreich niederschmetterte. Er erweicht mit seinem Lied das Herz der bärbeißigen Zöllner, seine strahlende Stimme erfingt für ein kleines verschüchtertes Mä­del, das er als blinden Passagier in seiner Kabine versteckt fand, das Geld für die Uebersahrt, und in Monte Carlo muß fein siegreicher Tenor wieder in die Bresche springen, um beim Operndirektor zu Gehör zu kommen. Aber nun beginnen die Schwie­rigkeiten. Der Direktor, der telegraphisch ein Engage­ment der Truppe abgelehnt hatte, ist bezaubert von dem Schmelz des Tenors, aber leider stellt es sich heraus, daß es nur der Sekretär des Direktors ist, und dieser selbst mehr Interesse für schone Frauen als für Dperntenöre hat. Nun will die kleine blinde Passagierin aus Kabine Nr. 13 sich revanchieren. In einem Modesalon ist der Operndirektor auf die blonde Schönheit der Kleinen aufmerksam gewor­den und verabredet ein Rendezvous im Spielsaal. Und grade dort hat sich sehr unprogrammäßig in diesen einer andern Kunst geweihten Hallen die gewaltige Stimme des Tenors Gehör verschafft, um für seinen Direktor und die auf Engagement wartenden Kollegen eindringlich zu werben. Aber der durchschlagende Erfolg ist erst einer Freilicht­aufführung beschieden, die der ungemein betrieb­same kleine Direktor Ross, den die Verzweiflung auf die ausgefallensten Dinge bringt, als Konkur­

renz für eine Vorstellung von PuccinisToska" in der Oper, auf dem Platz vor dem Operngebäude veranstaltet. Alles strömt aus dem Hause, angelockt von der gewaltigen Stimme des Tenors dieser Truppe, die sich auf so seltsame Weise Beachtung und Anerkennung erzwingt. Daß Rose mit seinen Schauspielern engagiert wird und die kleine blonde Passagierin das Herz des Tenors nicht mehr länger vergebens rufen läßt, versteht sich am Rande.

Unter der geschickten und einfallreichen Spiel­leitung Carmine Gallones vereinigt sich ein ausgesuchtes Ensemble. Da ist, um nur wenige zu nennen, der unwiderstehliche Paul Kemp, ein Direktor, der auch aus der verfahrensten Lage etwas zu machen weiß, seinen um einige Stufen höher auf der Rangleiter stehenden aber an In­telligenz ihm um ebenso viel unterlegenen Kollegen von der grande opera Monte Carlo spielt Paul Hörbiger unvergleichlich trottelhaft, dessen musi­kalischer Sekretär mit Direktorenallüren ist Theo Lingen. Dies ulkige Kleeblatt sorgt mit viel Witz und Behagen für Heiterkeit und Laune. Hübsch, blond und charmant Martha E g g e r t h als blinde Passagierin und dann endlich der Clou: ihr Part­ner Jan Kiepura, als lyrischer Tenor ganz große Klasse, eine strahlende unbekümmert dabin- brausende und doch bei aller Kraft ungemein weiche, einschmeichelnde Stimme, die mit gleichem Schmelz und gleicher Modulationsfähigkeit die bekannten Schlager der Tonfilmoperette wie die eingestreuten großen Partien aus PuccinisToska" meistert. Die technisch ausgezeichnete Wiedergabe im Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße, ließ keinen Wunsch offen und verhall dem Film in Gießen zu dem gleichen großen Erfolg, den er bisher schon sowohl in Berlin wie im Reich gehabt hat.e.

Zeitschriften.

Im .Aprilheft vanVolk und Rasse" (I. F. Lehmann, München) bietet an Hand von aufschlußreichen Karten Professor Helbok, Inns­bruck, ein Bild jener Dolkselemente, die unseren Boden besetzt hielten, als die Germanen ihn in Be­sitz nahmen. Wolfgang Willrichs Aufsatz: Mein Weg und meine Einstellung zu Nasse und Kunst, ist ein Bekenntnis zur nordischen Rasse, in deren Dienst er seine Kunst gestellt hat. Mehrere Proben dieser Kunst sind beigegeben. Karl Tornow be­tont die Bedeutung der Hilfsschulen für Rassen­hygiene und Volksaufartuna. Kleinere Beiträge bringen eine Fülle anregenden Materials zu bren­nenden Fragen der Gegenwart.