Die deutsch-österreichische Schicksalsgemeinschast.
Eine Reöe Gtarhembergs. — Der austrofaschistische Pferdefuß.
Wien, 26. April. (DNB.) Auf Einladung des Heimatschutzes hielt der Bundesführer der Heimwehren Starhemberg eine Rede, in der er sich mit der Stellung Oesterreichs im deutschen Volke befaßt. In der Diplomatenloge bemerkte man den italienischen Gesandten Prezosi. Bundeskanzler Dollfuß, Vizekanzler Fey und eine Reihe von Ministern nahmen an der Kundgebung teil. Starhemberg führte u. a. aus:
Am 1. Mai tritt eine neue Verfassung Oesterreichs in Kraft. Damit bekommt der neue österreichische Staat einen neuen einheitlichen Guß. Wesentlich ist, daß jetzt der neue Oe st erreich e r sich zur Geltung bringt. Die Ideen, die das alte große Oesterreich geschaffen hoben und die vielfach fruchtbar und entscheidend für die gesamte europäische Entwicklung gewesen sind, nüissen wieder die leitende Kraft der österreichischen Staatspolitik werden. Oesterreich war immer 100pro- zentig deutsch. Oesterreichisch sein, heißt deutsch sein. Ein wirklich österreichischer Staat wird immer ein ganz und gar deutscher Staat sein. Das deutsche Oesterreich hat deutsche Aufgaben zu erfüllen. Ein deutsches Oesterreich muß zum entscheidenden Faktor der gesamtdeutschen Entwicklung werden. Dies ist die Hauptfrage der Zukunft. Es wäre ungesund und unmöglich, ein Oesterreich zu denken, das i m Gegensatz zu dem ihm durch Natur, Blut und Rasse engverbundenen gesamtdeutschen P o l k e steht. Die österreichischen Aufgaben liegen m der engsten S ch i ck s a l s g e m e i n s ch a f t mit den großen deutschen Aufgaben.
Das österreichische deutsche Volk hat besondere deutsche Aufgaben im Donauraum zu erfüllen. Daher ist es die Pflicht des deutschen und des österreichischen Volkes gegenüber Blut und Rasse den Blick frei zu halten für die großen historischen Aufgaben und Ziele der Zukunft, die sich für die gesamtdeutsche Entwicklung bieten. Oesterreich muß deutsch sein als ein selbständiges deutsches Oesterreich, muß eine eigene österreichische Führung haben, nicht aus lokalem Patriotismus heraus, sondern um wirklich gesamtdeutsche Politik im Donauraum treiben zu können.
Die unselige Kluft zwischen Deutschland und Oesterreich beruht weniger auf gewissen Ereignissen der letzten Wochen und Monate, sondern uralte Verschiedenheiten in der Auffassung der deutschen nationalen Begriffe, des deutschen Pflichtenkreises sind wieder wach geworden. Hier be
steht vielfach eine andere Auffassung als im Norden Deutschlands. In vergangenen Jahrhunderten sind zum Nachteil des Gesamtdeutschtums diese Gegensätze oft zu Tage getreten, haben selbst zum Kampf um die Vormacht mit Waffengewalt geführt.
Der große Aufstieg der deutschen Nation wird jetzt beginnen. Ueberall in Europa setzen sich die f a - ichistischen Ideen durch. Auf der Grundlage des faschistischen Gedankens ist die Verständigung der europäischen Völker möglich geworden. Das, was die alte österreichisch-ungarische Monarchie verkörpert hat, muß jetzt durch ein System gegenseitiger, vernünftig geregelter Beziehungen wieder ent st ehe n. In dem Augenblick, wo das deutsche Österreich in einer solchen Gruppierung den entscheidenden Einfluß ausüben kann, wird Oesterreich in der Lage sein, die gesamtdeutschen Aufgaben im Donauraum zu erfüllen und dem Gesamtdeutschtum zu dienen.
Demonstration gegen die Dollfuß-Iiegierung.
Linz, 26. April (DNB.) Aus der Umgebung von Gmunden zogen zahlreiche Arbeiter unter dem Ruf „Heil Hitler" in Gmunden ein. Eine Gruppe warf in die Villa des Bürgermeisters von Gmunden, Thomas, 60 Steine und zertrümmerte 40 Fensterscheiben. Die gleichen Vorgänge ereigneten sich vor der Wohnung des Bezirkshauptmanns, dem durch Steinwürfe 60 Fensterscheiben zertrümmert wurden. Auch kam es angeblich zu Scyießereien, die jedoch keinen Schaden anrichteten. Man nimmt an, daß d i e Haussuchungen der letzten Tage der Anlaß zu den Kundgebungen gewesen sind. Die Polizei ging gegen die Demonstranten mit dem Gummiknüppel vor. Mehrere Nationalsozialisten wurden verhaftet.
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Am Sonntag starb in Lienz der wegen verbotener parteipolitischer Betätigung in Haft gewesene Franz Arlang im.Krankenhaus an den Folgen einer Magenoperation. Anläßlich des Begräbnisses war eine große Zahl national« sozialisti cher Parteigänger erschienen. Sie sangen am offenen Grabe mit zum Hitlergruß erhobenem Arm das H o r st - W e s s e l - L i e d. Im Zusammenhang damit wurden viele Personen verhaftet.
Das Valtikum als politisches Problem.
Warum Deutschland den Sarantievertrag mit Rußland ablehnte.
Zu der Veröffentlichung der Lettischen Telegraphenagentur über den sowjetrussischen Baltikum- Garantie-Dorschlag, die von den Vorgängen kein richtiges Bild gibt, wird von amtlicher deutscher Seite u. a. folgendes mitgeteilt:
Am 28. März hat der Außenkommissar der Sowjetunion, Litwinow, dem deutschen Botschafter in Moskau gegenüber zum Ausdruck ge- bracht, daß die Sowjetregierung es für erwünscht halte, das beiderseitige Bestreben nach Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion zu konkretisieren. Zu diesem Zweck schlug Litwinow die Unterzeichnung eines deutsch-sowjetischen Protokolls vor, durch das die Unabhängig, keitund Unversehrtheit der baltischen Staaten, die früher zum Bestand des ehemaligen Russischen Reiches gehörten, garantiert werden müßten. Die deutsche Regierung hat das Mittel, das Litwinow vorschlägt, für die Verwirklichung des von ihm angegebenen Zwecks nicht für geeignet gehalten. Es ist schon auffallend, daß Litwinow mit einem Projekt zur Sicherung des Bestandes der baltischen Staaten an die deutsche Regierung herantritt, das er noch vor kurzem mit einer anderen Regierung verfolgt hat. Diese Initiative ist vielfach als eine Aktion mit politischer Spitze gegen Deutschland auf- gefaßt worden. Aber auch abgesehen davon, ist die deutsche Regierung der Ansicht, daß der Vorschlag jeder realpolitischen Grundlage ent- b ehrt, da die Unabhängigkeit und Unversehrtheit der baltischen Staaten auch ohne solche Bindung von keinem der beiden Kontrahenten bedroht werde.
Wenn aber die Möglichkeit einer Bedrohung durch die Sowjetunion oder Deutschland ausscheidet, so bliebe nur die Bedrohung von einer dritten Seite. Auch eine solche Annahme entbehrt nach deutscher Ansicht jeder Grundlage. Die deutsche Regierung vermag also nicht zu ersehen, inwiefern Deutschland und die Sowjetunion einen Grund haben könnten, die Rolle von Schutzmächten der baltischen Staaten zu übernehmen.
Don dieser Auffassung der deutschen Regierung ist die Sowjetregierung am 14. April unterrichtet worden. Die deutsche Regierung glaubt, daß der Berliner Vertrag, der von ihr im vorigen Jahre ratifiziert worden ist, alle Elemente für die Pflege und Ausgestaltung der beiderseitigen Beziehungen enthält.
Eine litauische Initiative.
Schwierigkeiten für die Verwirklichung eines baltischen Bllndes.
K o w n o, 26. April. (DNB.) Die litauischen Gesandten in Reval und Riga überreich, ten am Donnerstag im Auftrage ihrer Regierung der e st ländischen und der lettländischen Regierung eine Denkschrift, in der die litauische Regierung in bestimmter Form ihre Ansicht in Angelegenheit der Solidarität und der weiteren Zusammenarbeit zwischen den baltischen Staaten äußert.
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Seit einigen Monaten sind wieder Bestrebungen im Gange, einen engeren Zusammenschluß zwischen den baltischen Staaten herbeizuführen. Insbesondere waren Lettland und Estland in dieser Richtung sehr aktiv. Diese Bemühungen fanden indessen bei Litauen immer eine gewisse Zurückhaltung, vor allem wegen der ungeklärten Haltung Lettlands und Estlands in der Wilna-Frage. Auch der vor kurzem ausgebrochene Eisenbahn st reit zwischen L i t a u en und Lettland, der zur Sperrung des lettländischen Verkehrs über Moscheiki führte, zeigte mit aller Deutlichkeit, welche Hindernisse auch auf wirtschaftlichem Gebiet noch zu überwinden sind, ehe die Verwirklichung des Gedankens eines engeren Zusammengehens unter den baltischen Staaten greifbare Formen annehmen könnte. Bezeichnenderweise waren die Stimmen, die für eine Annäherung der baltischen Staaten Propaganda machten, in den letzten Wochen sowohl in Lettland und Estland wie auch in Litauen mehr oder weniger verstummt.
Die Aufgabe -er Berliner Auslands, schulden-Konferenz.
Oer ^elEhandel muß von dem Block der alten Schulden befreit werden, ^kur durch Senkung der Zinssätze kann Deutschlands Transferfähigkeit wiederhergestellt werden.
Berlin, 26. Aprll. (DNB.) Am Donnerstag- abend sprach Reichsbankpräsident Dr. Schacht im Rundfunk über die am 27. Aprll in Berlin zusam- mentretenüe Konferenz der Gläubiger- Vertreter für die deutschen mittel- und lang, sristigen Schulden. Dr. Schacht führt« u. a. aus- Die zur Debatte stehende Frage ist: Wie kann man d i e Uebertragung der deutschen Schul- denzahlungen in fremde Währung ermöglichen — das ist das Problem des sogenannten Transfers —, und wie kann man die S t ö - ru n g e n , die von diesem Transfer Problem auf die Welt ausgehen, beseitigen?
Auch für das hier vorliegende Problem ist der Versailler Vertrag der Ursprung allen Uebels. Auf Grund dieses Vertrages hat Deutsch- land jährlich Milliardenbeträge an Reparationen zu zahlen gehabt. Aber die Reparationsgläubiger gaben sich mit dem aus Steuern aufgebrachten deutschen Geld nicht zufrie- den, sondern forderten von uns ausländisches Geld. Ausländisches Geld aber kann sich Deutsch- land nur dadurch beschaffen, daß es deutsche Waren im Ausland verkauft. Es gibt in- dessen einen vorübergehenden Weg, in den
Besitz ausländischer Zahlungsmittel au kommen, nämlich dadurch, daß man im Ausland Anleihen aufnimmt. Tatsache ist, daß infolge dieses Pumpsystems im Laufe der Zeit weit über 10 Mil- liarDen Reichsmark Anleihen, die wir jetzt verzinsen und tilgen müssen, nicht der deutschen Volkswirtschaft zugute gekommen sind, sondern in Form von Reparationen d i - IV *an das Ausland geflossen sind. Wir befinden uns nun dem Problem gegenüber, daß Deutschland dieses bei ausländischen Privatleuten sur Reparationszwecke aufgenommene Geld zurückzahlen muß.
Devisen können wir uns jedoch nur beschaffen, inbem wir Daren im Ausland verkaufen. Das Ausland legt aber einer Steigerung unserer Ausfuhr immer größere Schwierigkeiten in den weg, so daß wir gegenwärtig nicht in der Lage find, so viel waren auszuführen, daß wir damit unsere Einfuhr bezahlen und darüber hinaus unseren Schuldenverpflichtungen an das Ausland in fremdem Geld nachkommen können.
Infolge der Kredit- und Dankenkrachs von 1931 ist die Gold- und Devisenreserve der Reichsbank völlig zum Versiegen gebracht worden. Der Zusammenbruch des internationalen Kreditgebäudes hatte verheerende Folgen für den internationalen Handel. Zwei unserer größten Gläubigerländer, England und Amerika, haben durch eine Entwertung ihrer Wäh- r u n g unsere Ausfuhr auf das empfindlichste erschwert, indem sie uns auf den eigenen und an fremden Märkten unterbieten. Die überall ein- geführten Zollerhöhungen und Einfuhr- beschränkungen haben unserem Export wed terhin unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg gelegt, die insbesondere noch verstärkt werden dadurch, daß man die Boykotthetze gegen deutsche Waren geduldet hat. Eine Fort- setzung der gegenwärtigen teilweisen Erfüllung in fremder Währung ist nicht mehr möglich.
Abhilfe kann nur von zwei Seiten kommen: Die eine Möglichkeit ist eine Steigerung der deutschen Ausfuhr durch Belebung des Welthandels, die andere ein Entgegenkommen der Gläubiger in der Höhe Der Zinsen, der Hinausschiebung der Tilgung und ähnlichen Maßnahmen. Der Block Der alten Schulden stellt sich einer internationalen Geschäftsbelebung entgegen. Während sich in den einzelnen Ländern binnenwirtschaftliche Belebungserscheinungen geltend machen, verharrt die Weltwirtschaft auf ihrem tie
fen Stand, wett He Kredit bezieh urigen von Land zu Land infolge der notleidend gewordenen alten Schulden ins? Stocken geraten finti
Es ergibt sich daher der jeder Vernunft bare Zustand, daß diejenigen Länder, die Rohstoffen verbrauchen und industrielle Fertigprodukte im lleberfluh Herstellen können, aus Mangel an fremden Zahlungsmitteln daran gehindert werden, Rohstoffe zu kaufen, und daß diejenigen Länder, die Rohstoffe produzieren, auf den Konsum industrieller Fertigwaren verzichten müssen. Dieser den eigenen Interessen des Auslandes zuwiderlaufende Tatbestand zwingt Deutschland, feine Rohstoffeinfuhr auf ein 2Uinbef(- maß z u beschränken. Hier stehen wir unter einem Zwang, den nur eine vernünftige Handelspolitik des Auslandes selbst andern kann.
Angesichts dieser Sachlage erscheint es nur vernünftig, die Last der Auslandsschulden durch eine Senkung der Zinssätz.e zu vermindern. Eine solche Zinsherabsetzung würde nicht nur die Kapitalforderungen des ausländischen Privatgläubigers innerlich besser machen, sondern sie würde angesichts des niedrigen Weltzinsnioeaus auch moralisch gerechtfertigt sein.
Oie Hitlerjugend.
Eine Unterredung mit dem Keichsjugendsührer Baldur von Schirach.
Berlin, 26. April. (DNB.) Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Reichsiugendführer Baldur von Schlrach über aktuelle Fragen der Jugendbewegung. U. a. antwortete der Reichsjugendführer auf die Frage nach der angeblichen Ueberanstrengung der Jugend durch die HI.:
„Es mag hin und wieder zu Reibungen zwischen der Arbeit der Schule und der Arbeit der Jugend kommen. Ick glaube aber, daß das nur U e b e r - gangserscheinungen sind, und gerade die jetzt immer enger werdende Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialistischen Lehre r b u n d wird sich vielleicht in einigen Monaten schon so auswirken, daß diese Gegensätze, wo sie heute noch sind, re st los verschwinde n."
Auf die durch Vorwürfe von verschiedenen Seiten bedingte Frage: „Ist die HI. religionsfeindlich?" betonte Baldur von Schirach u. a.: „Wir treten nicht ein für die Sonderinteressen einer Kirche, sondern wir stehen auf dem Boden des positiven Christentums. Alle HJ.- Führer und Hitlerjunaen sind in ihrer Zugehörigkeit zur HI. überkonfessionell, in ihrem privaten religiösen Leben Protestanten oder Katholiken. Nur innerhalb der HI.
gibt es überhaupt keine Diskussion über religiöse Themen, gibt es aber auch keinen spezifizierten Gottesdienst.
Fragen Sie die evangelische Jugend, die zu uns gekommen ist, ob sie das Empfinden hat, daß sie gegen die Kirche erzogen wird, und fragen Sie dann auch die katholischen Jungen, die wir bekommen haben, ob wir tatsächlich so sind, wie man uns gemalt hat. Ich selbst gehöre der protestantischen Kirche an, bin nie ausgetreten und habe auch nicht die Absicht auszutreten. Ich lehne es aber kategorisch ab, mich in besonderer Weise für die evangelische Kirche ober für überhaupt eine Kirche einzusetzen, denn meine Aufgabe habe ich vom Staat bekommen und nicht von einer Kirche."
Abschließend betonte der Reichsjugendführer auf die Frage nach den nächsten Zielen der Hitler- Jugend: „Ich meine, daß das ganze Jahr 1934, und vielleicht auch das Jahr 1935, ausschließlich ein Jahr der Schulung zu sein hat. Wir haben heute die Massen, die wir gewonnen haben, zu durchdringen und zu wirklichen Nationalsozialisten zu machen. Die Hitler-Jugend ist kein Wehr- verband, keine Jung-SA. Sie ist die weltanschauliche Erziehungsarbeit der jungen Nationalsozialisten.
Treibstoffwirtschast und Verkehrsmotorisierung.
Probleme der deutschen Mineralölversorgung.
Berlin, 26. April (DNB.) Die Deutsche Gesell- schäft für Mineralölforschung hält ihre Hauptversammlung in der Technischen Hochschule in Char- lottenbUrg ab. Die Tagung begann mit einer großen öffentlichen Sitzung, auf der Staatssekretär Feder u. a. ausführte: Hand in Hand mit der grundsätzlichen Neuordnung der deutschen Derkehrswirtschast geht die Bereitstellung des benötigten Treibstoffes. Der Ausgangspunkt einer Verbreiterung der Rohstoffbasis ist eine gründliche Erforschung der deutschen Rohstoffe. Durch Bohrbeihilfen wird die Erschließung deutscher Oe l lager st Litten gefördert. An die Seite der natürlichen Quellen tritt die synthetische Herstellung von Treibstoffen. Die Lager- Haltung ausländischer Rohstoffe muß planmäßig gesteigert werden. Die Nutzbarmachung anderer Treibstoffquellen kommt ergänzend hinzu. Planmäßige Steigerungen der Treibstoffe und Senkung der Gestehungskosten werden eine weitere erhebliche Steigerung des Kraftverkehrs zur Folge haben.
Reichsarbeitsminister S e l d t e betonte den politischen und wirtschaftlichen Wert der Oelversorgung Deutschlands, der am klarsten vor Augen trete, wenn man sich vorstelle, welche Folgen ein hundertprozentiger Erfolg der Oeldohrungen in Nord- deutschland mit sich bringen müsse. Es ergäben sich
daraus zwei Forderungen, die uns von der Natur gegebenen Werte bis zur äußersten Grenze a u s z u n u tz e n und mit den uns geschenkten Rohstoffen haushälterisch umzugehen. Wir haben eine Vorratswirtschaft zu führen. Auf die Privatinitiative werde man dabei nicht verzichten können. Doch müsse man auf eine starke staatliche Wirtschaftsordnung für diese Gebiete hinzielen. Fortschreitende Motorisierung werde bestimmend bei dem Erfolg der Arbeitsbeschaffung sein.
Ministerialdirektor Dr. Brandenburg sprach über Treibstoff und Motorisierung. Die Treibstoff- frage sei geradezu eine Schicksalsfrage für den erfolgreichen Fortgang der von der Reichsregierung betriebenen Motorisierung Des Verkehrs in Deutschland. Der Treibstoffbedarf für Kraftfahrzeuge betrage 1,4 Millionen Tonnen, davon werde ein Drittel in Deutschland her- gestellt. Man könne mit einem stetigen Anwachsen des Treibstoffbedarfs in Deutschland rechnen, der in den nächsten 4 bis 5 Jahren eine Verdoppelung Des heutigen Verbrauches herbeiführen werde. Das große Ziel sei, Deutschland in der Treibstoff- Versorgung unabhängig zu machen. Das dürfe aber nicht zu einer Verteuerung der Antrieb- kosten führen.
Weg und Ziel des Deutschen Siedlungswerks.
Daß es auf den Geist ankommt, auf den Schöpferwillen, das läßt sich bei dem Siedlungswerk erkennen, das das Dritte Reich neu gestalten will, nachdem das Zwischenreich trotz großer finanzieller Mittel mit der Siedlung nichts Rechtes anzufangen wußte. Schon rein zahlenmäßig fällt der Unterschied auf, denn von 1919 bis 1931, also in 13 Jahren, sind 48 218 Neusiedlerstellen mit 496 000 Hektar geschaffen worden, von denen etwa 30 000 Neusiedlerstellen mit einer Spannweite von über zwei Hektar ausgestattet wurden. Die für Siedlungszwecke erworbene oder urbar gemachte Fläche mar in diesem Zeitabschnitt allerdings größer, denn sie betrug 800 000 Hektar, von den indessen 122 000 Hektar auf Anliegerstellen zu Eigentum ausgeteilt wurden. Der größte Teil der Neusiedlerstellen wurde in Ostpreußen errichtet, nämlich 7800, während die Provinz G r e n z m a r k nur mit 992 Neusiedlerstellen zum Zuge kam.
Die Siedlung ist nicht Selbstzweck. Wie Staatssekretär Gottfried Feder in einem Vortrag aus« führte, soll das Siedlungswerk im Dritten Reich sick) nicht in Kleinsiedlung und Stadtrandsiedlung erschöpfen, sondern echte Siedlungen schaffen, die sich zu neuen Gemeinden und neuen Städten zusammenfassen lassen. Staatssekretär Feder ist vom Führer mit der Leitung des Siedlungswerkes beauftragt worden. Es steht nicht nur der Siedler zur Verfügung, der Bauer werden kann und will, es ist auch ein Landvorrat vorhanden, der es möglich macht, das auf lange Sicht geplante Werk im großen Stil sofort zu beginnen Der Landoorrat beträgt für 1934 nicht weniger als 207 500 Hektar. Das neue Siedlungswerk will nur Siedlerstellen und Gemeinschaften einrichten, wenn die wirtschaftliche Zukunft unbedingt gesichert ist Das Siedlungswerk soll nicht ein Notbehelf sein andern vorbildliche soziale Gemein-' chaften begründen und ausge st alten, )ie auch den Grundsätzen Rechnung tragen, die an die Rass« sowie an die körperlich« und geistige Tüchtigkeit und Brauchbarkeit gestellt werden.
„Der Landvorrat reicht aus, um neue spann- lählge Bauernhöfe zu schaffen, wie er auch
ausreicht, Kleinbauern, die sich an sich Dafür eignen mit Land auszustatten, um diese Kleinbau. ernstellen z u E r b h ö f e n u m g e st a l t e n zu tonnen. Indessen können Die Ostprovinzen nur Dann so- Ajal gesunden und national von unzerstörbarer Widerstandskraft sein, wenn für eine soziolo- 3 rsch gesunde Mischung der Bevölke- r uin g gesorgt wird. Es gilt also nicht nur Sauern- stellen zu errichten, um sie in Gemeinden zusammen- jufaffen, es gilt vielmehr diese Gemeinden vom Dors bis zur Mittelstadt lebensfähig zu gestalten. Das bedingt, daß eine gewisse Industrialisierung der rein ländli-
Gebiete erfolgt, was sich durchaus erreichen laßt, zumal es Jndustriegruppen gibt, Deren Standort nicht an Rohstoffe nfw. gebunden ist. In den großen Raum, den die deutschen Ostgebiete darstellen, können noch Millionen deutscher Volksgenossen untergebracht und mit einem sicheren Nah- rungsspielraum sowohl auf Dem Lande wie in der Stadt ausgestattet werden. Wie Staatssekretär Feder mitteilte, wird die Neugestaltung des deutschen Ostens nicht nur siedlungstechnisch erfolgen, sondern auch darauf Rücksicht nehmen, die Dörfer und Städte so zu gestalten, daß sie mit der Landschaft zu einer Einheit verwachsen Die Möglichkeiten zu geistiger und künstlerischer Tätigkeit sind damit gegeben, so daß die urtümliche Verbindung Der kommenden Geschlechter mit der Erde in neuer Form erstehen soll. Alles wird so zweckmäßig zur Sicherung einer Lebens- und Staatsgemeinschaft eingesetzt und ausgestaltet, weil nur diese neue Volksgemeinschaft die nationale Zukunft sichern Fann.
Oer Termin für Instandsehungs- arbeiten mit Beichszuschüffen &Uf
31 März 1935 verlängert.
Der Reichsarbeitsminister teilt mit, daß Termin bis au Dem die mit Reichszuschüssen geforderten Jnstandsetzungs-, Erganzungs- und Um- bauarbeiten an Gebäuden beendet fein müssen, bis Zum 31. März 1935 verlängert ist.


