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Die Blinklichter haben so große Lichtstärke, daß sie auch bei den ungünstigsten Lichtverhältnissen auf 100 Meter Entfernung leicht und sicher wahrge­nommen werden können.

Es wird nun von dem Strecken- und Lokomotiv- personal der Reichsbahn immer wieder beobachtet, daß insbesondere Kraftwagenführer diese durch Blinklichtanlagen gesicherten Wegübergänge noch überqueren, wenn das Warnzeichen die unmittel­bare Annäherung eines Zuges anzeigt und damit der Wegübergang für den gesamten Straßenverkehr errt ist.

5 ist dringend notwendig, daß sich die Kraft­wagenführer an diese neuzeitlichen Sicherungs­einrichtungen gewöhnen und die Sperrzeichen un­bedingt beachten. Die Wegepolizeibehörde wird den Wegbenutzern, insbesondere den Kraftwagenführern, die genaue Beachtung * der für diese Warnlicht­anlagen ergangenen verkehrspolizeilichen Vorschrif­ten zur Pflicht machen. Die Reichsbahn ihrerseits sieht sich genötigt, angesichts der häufigen Unfälle an Bahnübergängen in Schienenhöhe gegen Per­sonen, die den Verordnungen zuwider handeln, un­nachsichtlich mit Bahnpolizeistrafen vorzugehen.

Die Erhaltung von Anwartschaften für Arbeitslose.

Zeiten der Arbeitslosigkeit, in denev der ver­sicherte Arbeitslose versicherungsmäßige Arbeits­losen- oder Krisenunterstützung erhält, oder aus der öffentlichen Fürsorge unterstützt wird, werden vom 1. April 19 3 3 ab in der Invaliden-, Angestell­ten- und knappschaftlichen Pensionsversicherung a l s Ersatzzeiten fürdie Erhaltung der An­wartschaft angerechnet. Für die nichtunterstütz­ten Arbeitslosen müssen zur Erhaltung der Anwart­schaft Beiträge entrichtet werden. Für Zeiten der Arbeitslosigkeit vor dem 1. April 1 933 muß das Arbeitsamt die notwendigen Beiträge zur Erhaltung der Anwartschaft entrichten, soweit der Arbeitslose eine Hauptunterstützung er- halten hat. Sonst hat der Arbeitslose, unter Um­ständen mit Hilfe des Wohlfahrtsamts die erforderlichen Beiträge zu entrichten. Bis zum 31. März 1934 dürfen Freiwillige Beiträge außerdem nachentrichtet werden, soweit sie am 31. Dezember 1931 für einen zurückliegen­den Zeitraum noch entrichtet werden durften, so­lange der Versicherungsfall (Invalidität, Berufsun­fähigkeit, Tod) noch nicht eingetreten ist. Soweit Mittel für die Nachentrichtung fehlen, genügt die Bereiterklärung des Versicherten zur Nachentrichtung gegenüber dem Versicherungsträger, wenn die Beiträge innerhalb angemessener Frist nachentrichtet werden.

Postdienst an den Feiertagen.

Am Karfreitag und an dem ersten Ostertag fin­det je eine Brief- und Paketzustellung statt. Am zweiten Ostertag findet keine Zustellung außer durch Eilboten statt. Die Geldzustellung ruht an den Feiertagen. Schalterdienst wie an Sonntagen.

Nie Ausstellung von Jagdscheinen in Preußen.

Wie der Landesjägermeister durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst mitteilt, werden die Jagd­scheine künftig nicht mehr für den Zeitraum eines vollen Jahres, das mit dem Tage der Ausstellung des Scheines zu laufen beginnt, ausgegeben. Als Laufzeit aller Jahresjagdscheine gilt vielmehr die Zeit vom 1. April bis 31. März. Wird also bei­spielsweise ein Jagdschein erst im Juni gelöst, so läuft er doch nur bis zum 31. März des nächsten Jahres. Die rechtzeitige Lösung ist daher erforder­lich, um ihn zeitlich voll ausnutzen zu können. Die Ausstellung eines Jnländerjahresjagdscheines ist nach den Ausführüngsbeftimmungen zum Jagdge­setz vom 24. Februar 1934 beim zuständigen Kreis­jägermeister schriftlich zu beantragen.

Daten für Dienstag, 27. März.

1813: Kriegserklärung Preußens an Frankreich, Einsegnung der Llltzowschen Freischaren in der Kirche zu Rogau (Schlesien); 1820: der Maler Gerhard von Kügelgen bei Dresden ermordet (ge­boren 1772); 1845: der Physiker Wilhelm Kon­rad Röntgen in Lennep geboren (gestoroen 1923).

Grestener Wochenmaritpreife

* Gießen, 27. März. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 Mark, Kochbutter 1,10 bis 1,15 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 9, Wirsing, das Pfund (gelb) 18 bis 20, (grün) 20 bis 25, Weißkraut 15, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20 bis 25, Unter­kohlrabi 6 bis 8 Pf., Feldsalat 1, bis 1,20 Mark, Zwiebeln 10 bis 12 Pf., Meerrettich 35 bis 45, Schwarzwurzeln 25, Kartoffeln 3 bis 3% Pf., der Zentner 2,80 bis 3, Mark, Aepfel, das Pfund 12 bis 25 Pf., Birnen 15 bis 20, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 40 bis 60, Blumenkohl 40 bis 60, Salat 20 bis 25, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sel­lerie 10 bis 35, Radieschen, das Bund 15 bis 20 Pf.

BornoNzen.

Tageskalender für Dienstag: Stadt­theater: 20 bis 22.30 Uhr,Der Eoangelimann". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Hans Westmar". Oberhessischer Kunstoerein, Turmhaus am Brand: 16 bis 17 Uhr, Ausstellung. Stadtkirche: 20 Uhr, Lichtbilder-Vortrag,Auf deutschem Vorposten in Südosteuropa". Hausfrauenberatung, Kirchen­platz 2: 16 bis 19 Uhr, Oster-Ausstellung; 16 Uhr, Koch-Vorführung.

Aus d e m Stadttheaterbüro. Mor­gen, Mittwoch abend, Wiederholung des Opern­abends mit der OperDer Eoangelimann" von Wilhelm Kienzl. (Siehe heutige Anzeige.)

*

** D i e Sprech st un den des Kreisschul­amtes Gießen werden entgegen der Be­kanntmachung im Amtsverkündigungsblatt am kommenden Mittwoch stattfinden.

** Evangelische Pfarrpersonalien. Uebertragen wurde: dem Pfarrer Georg Glock zu Mainz die evangelische Pfarrstelle zu Roßdorf, Dekanat Darmstadt; dem Pfarrer Gustav Böck- n e r zu Schlitz die evangelische Pfarrstelle zu Bicken­bach, Dekanat Zwingenberg; dem Pfarrer Alfred Mitzenheim zu Crainfeld die evangelische Pfarr­stelle zu Altenstadt, Dekanat Rodheim, dem Pfarrer Johannes V e l l e r zu Maar die evangelische Pfarr­stelle zu Kleestadt, Dekanat Groß-Umstadt: dem Pfarrer Friedrich Ziegler zu Wendelsheim die evangelische Pfarrstelle zu Eppelsheim, Dekanat Alzey und dem Pfarrer Hans Schilling zu Isenburg die zweite evangelische Pfarrstelle an der Johannisgemeinde (Südbezirk) zu Mainz, Dekanat Mainz. Auf ihr Nachsuchen und unter Anerken­nung ihrer langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt wurden: Pfarrer Georg Becker zu Langstadt mit Wirkung vom 1. Juni 1934, Pfar­rer Emil Fritsch zu Freilaub ersheim mit Wir­

kung vom 15.August 1934, Pfarrer Adolf Kalb - Henn zu Kirch-Göns mit Wirkung vom 1.Oktober 1934, Pfarrer August Memmert zu Ober-Wid- dersheim mit Wirkung vom l.Juni 1934, Pfarrer Karl Scheid zuAlcheim mit Wirkung vom l.Juni 1934 und Stadtpfarrer Georg Zimmermann zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. Juli 1934.

** Schulpersonalien in Oberhessen. Nach einer Bekanntmachung des Personalamts wurden in Oberhessen übertragen: Der Berufsschul­lehrerin Amalie Stroh zu Gießen, z. Zt. kom­missarisch an der Volksschule daselbst, eine Lehrer­stelle an der Volksschule zu Gießen; dem Berufs­schullehrer Julius Eberle zu Lollar, Kreis Gie­ßen, z. Zt. kommissarisch an der Volksschule daselbst, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Lollar; dem Berufsschullehrer Emil Hahn zu Gießen, z. Zt. kommissarisch an der Volksschule daselbst, eine Leh­rerstelle an der Volksschule zu Gießen; dem Be­rufsschullehrer Heinrich Otto zu Friedberg, z. Zt. kommissarisch an der Volksschule daselbst, eine Leh­rerstelle an der Volksschule zu Friedberg; dem Be­rufsschullehrer Karl Games zu Lauterbach, z. Zt. kommissarisch an der Volksschule zu Lich, Kreis Gießen, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Lich; dem Berufsschullehrer Hermann Schmidt zu Grünberg, Kreis Gießen, z. Zt. kommissarisch an

Am späten Nachmittag des Sonntags fanden sich alle Jungoolkführer Gießens in der Jungbanngeschäftsstelle Haus Schwarz ein, um neu verpflichtet zu werden. Oberjungbannführer Phi­lippi sprach einführende Worte. Er betonte die tiefe Verantwortlichkeit, die jeder trägt, der zum Jungenführer ernannt wurde. Jedem von uns soll allezeit in allen Handlungen der eine Führer Adolf Hitler vor den Augen stehen.

Gebietsjungvolkführer Heini Jung richtete dann einige Worte an die Führerschaft Gießens. Nachdem die Hitler-Jugend zur alleinigen Jugendbewegung geworden ist so führte er aus die in keiner Weise an Altes anknüpft, haben sich alle Führer darauf zu besinnen' daß sie an verantwortungs­reicher Stelle in dieser Bewegung stehen. Das We­sentliche einer Führerschaft ist eine gewußte Haltung den Aufgaben und Anschauungen gegenüber. Die Bubenart des Jungvolkjungen soll nur innerhalb jenes Entwicklungszeitraums gewahrt bleiben. Der Pimpf formt sich hier zum echten Jungen, um spä­ter in die Hitler-Jugend überführt zu werden, wo er ganz andre ( Gesichtspunkte zu vertreten erlernen muß. . ,

Was an Bündnischem' war, ist endgültig vorbei! Die andre Art und die Ernsthaftigkeit der Jungvolk­arbeit muß jeden Führer durchdringen. Wir müssen versuchen, immer mehr von unserer eigentlichen Le­bensform zum Ausdruck zu bringen, von jener inneren Anschauung, die aus dem Nationalsozialis­mus geboren wurde! Führereinseitigkeit gibt es bei uns nicht mehr! Werden alle diese Dinge beherzigt

Leider ist unser Volk in den letzten Jahren vor der nationalen Erhebung immer mehr dahin ge­kommen, daß der Nützlichkeitsgedanke sein Tun und Wesen über die Maßen beherrsche. Auch beim Bauern wurde das Gelddenken, das Umrechnen all seiner Besitzwerte in Geld, zur not­wendigen Uebung. Damit verschwand die Ehrfurcht vor Busch und Bqum, der Sinn für landschaftliche Anmut, für das Heimische der Felder und Wiesen, kurz die alte natürnahe Sinnigkeit. Was nur im geringsten geeignet erschien, wurde unter den Pflug genommen. Eine rücksichtslose Axt ebnete ihm die Wege. Die schattenden Bäume verschwanden, der bergende Busch und die hegende Hecke.

Kahlheit der Fluren, Geradheit der Grenzen, Gräben und Wege waren neue Trümpfe.

Gewiß ist auch hierin wieder eine tiefeingewurzelte Tugend des Deutschen und besonders des deutschen Bauern mit im Spiel: Die Freude am Urbarmachen, am Erobern. neuen Landes, am Erschaffen neuer Werte. Aber alles hat feine Grenzen, und die hat man im Ueberschwang der neuen Ansichten bei jener Arbeit im heimischen Land überschrittetn. Man hat Rodungen und Entwässerungen maßlos übertrie­ben. Heute beginnt mau einzusehen, daß man mit jenen neuen Trümpfen das Spiel gründlich ver­lieren und den Schaden bezahlen muß. Die nütz­lichen Vogelarten haben abgenommen. Der nicht ausblei'benoen Vermehrung des Ungeziefers sucht man mit künstlichen, kostspieligen, aber unzuläng­lichen Mitteln zu begegnen. Man erkennt, wie die Verödung der Heimat mit ein Grund war für die Landflucht und wie eine erwünschte Ansiedlung Stadtmüder auf dem Lande durch sie nicht geför­dert wird. Die Trockenlegung der Teiche, die alles Regenwasser schnell abführenden Gräben und Bäche u. a. m. sind Ursachen des gestörten Wasserhaus­haltes in unseren Feldern, Wiesen und Wäldern und des sinkenden Grundwasserstandes. Man ist auch hierin zu weit gegangen. Sümpfe und Teiche wur­den trockengelegt, aber keine neuen Wasserspeier geschaffen. Da hat auch die Forstwirtschaft gesündigt. Die wasserspeichernden Laubwälder schwanden im­mer mehr zugunsten der weniger Wasser zurück­haltenden Nadelwälder. Auch in den Wäldern über­schritt man die Grenzen der Entwässerungsnotwen­digkeiten. Schließlich haben Flußregulierungen neben dem erstrebten Nutzen heute noch nicht abweg­baren Schaden gebracht.

Wit der Verödung der Landschaft wurde auch unsere Tier- «nd Pflanzenwelt immer dürftiger. Das Nützlichkeitsdenken hat hier noch im be­sonderen schädigend gewirkt.

Wie manche schöne Blume, z. B. die Troll­blume (Klotzblume") des Vogelsberaes, wurde und wird vielleicht immer noch in Massen gesam­melt und auf städtischen Märkten verkauft. Der schöne Apollo-Schmetterling, der als Uebrigbleibsel der Eiszeit noch an wenigen Stellen des Vogelsberges vorkommt und leider in Hessen seither nicht geschützt war. wurde von einzelnen Frank­furtern weggefangen und zu Geld gemacht. Wie viele heimische Pelztiere werden um des Geldes willenerbeutet". Weil sieschädlich" seien, ver­folgt man heute noch viele Raubvögel, Eulen, Krö­ten, Igel, Schlangen usw. Es soll sogar noch Bauern geben, die die Bälge von Mäusebussarden als Zeugen ihrer Klugheit an die Scheunentore nageln. Schließlich gehört auch die völlige Ver­änderung des Waldes zum Kapitel Nützlichkeits- Die schnellwachsenden Nadelhölzer ergeben rajajer eine Bodenrente. Vor hundert Jahren waren

der Volksschule in Londorf, Kreis Gießen, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Landorf; dem Berufsschulrektor Otto Weber zu Butzbach, Kreis Friedberg, z.Zt. kommissarisch an der Volksschule zu Romrod, Kreis Alsfeld, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Romrod, Kreis Alsfeld; sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1934 an.

** Die Auszahlung der Militärver- sorgungsgebührnisse (Heeresrenten) für den Monat April erfolgt am Donnerstag, 29. März, die der Invaliden- und Unfallrenten am Samstag, 31. März.

Amtsgericht (Sieben.

Zwei Einwohner aus Steinbach hatten sich we­gen Betrugs zu verantworten. Der eine legte von März 1929 bis Februar 1933 in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensoorteil zu verschaf­fen, dem Arbeitsamt in Gießen mehrere Arbeits­bescheinigungen seines Vaters, des andern Ange­klagten, vor, in denen dieser Lohnzahlungen be­scheinigte, die in Wirklichkeit überhaupt nicht, oder nicht in der angegebenen Höhe ftattfanben. Der Amtsanwalt beantragte gegen beide Angeklagten je 75 Mark Geldstrafe. Das Gericht sprach den einen Angeklagten frei und verurteilte den andern wegen Verletzung des AVG. zu 100 Mark Geldstrafe.

und verwirklicht, fo können wir beruhigt auf die Zukunft harren.

Gebietsführer Kramer sagte darauf etwa fol­gendes: Ich bin nach Gießen gekommen, um die Iungvolkführerfrage offiziell zu erledigen. Wenn ihr heute den neuen Jungbannführer vorgestellt be­kommt, so möchte ich euch vor die Seele stellen, daß es um die Treue zur Arbeit geht? Die Eigenart des Jungvolkführers liegt darin, daß er seine Stellung im Sinne des Führers auffaßt. Wir werden das Führerprinzip bis zum Letzten vertreten! Als junger deutscher Sozialist hat er sich davon leiten zu lassen, daß, wenn er als Junggenosse schon einfach war, als Führer noch viel schlichter fein muß. Er muß in allem hingegebener werden! Noch stärker soll er wissen, daß nur die absolute, einwandfreie Leistung gewer­tet wird. Wir müssen tätige, arbeitsame Gemein­schaften werden! In diesem Gerst soll auch der Standort Gießen geleitet sein. Nur in diesem Geist des Fleißes erfüllen wir die Sendung, die auf uns als Führer der Jugend des neuen Reiches gekom­men ist.

Mit Dankesworten verabschiedete dann der Ge­bietsführer den bisherigen Jungbannführer Karl Heinz Stroh, der in den Oberbann berufen wurde. Der neuernannte Führer des Jungbanns 1/116 Hannsmuth Grether wurde danach der versam­melten Führerschaft vorgestellt. Mit der Verpflich­tung auf den neuen Führer und einem Sieg-Heil auf das Reich und seinen Führer endete die kurze Feier. Objbn. IV/13.

die Wälder des Vogelsberges nur zu einem Zehn­tel Fichtenwälder, heute zur Hälfte. Durch einseitige Bepflanzung veränderte sich der Boden in unerfreu­licher Weife; Windbruchgefahren und Jnsekten- schäden erhöhten sich, man erlitt Millionenfchäüen.

Jetzt legt man erfreulicherweise wieder Wert auf Erhaltung natürlicher Zustände im Walde. Man sucht seine gestörte Harmonie durch Pflanzung von Mischbeständen wieder herzuftellen und sieht auch die sog. Forftunkräuter mit anderen Augen an, als seither.

Es ist eben alles Gewordene, Natur und Hei­matlandschaft. eine große, zusammengestimmte Einheit, die vom Wenschen nicht ungestraft gestört werden kann.

Auf Grund solcher Einsicht berücksichtigen auch die Kulturämter mehr und mehr die Notwendigkeiten des Natur- und Heimatschutzes bei Durchführung der Feldbereinigungen.

Neben dem Nützlichkeitsdenken haben Gleich­gültigkeit, Gedankenlosigkeit und R o - t) eit naturverwüstend gewirkt. Manche Pflanzen find nur wegen ihrer schönen Blüten stark zurückgedrängt worden. Man denke nur an die Salweiden (die Palmkätzchen"), den Seidelbast (das Märznägelche), das wilde Schneeglöckchen (Märzglöckchen",März­becher"), die Maiblumen, den Türkenbund u. o. a. Manche, wie der wunderbare Frauenschuh, sind so gut wie ausgerottet. Was als Heilkraut bekannt ist, wird oft mit Wurzeln ausgerauft. Viele Tiere wer­den um eines dummen Aberglaubens willen ver­folgt. Angesichts solcher beklagenswerten Zustände mußte in einem gesunden Volke mit biologischer Notwendigkeit die erlösendeGegenwirkung einsetzen. Es erwachte der Naturschutzgedanke und wurde zur Bewegung, die schließlich auch die Be­hörden erfaßte. In den Alpen, in der Lüneburger Heide und anderswo hat der VereinNaturschutz­park" größere Gebiete erworben, um sie in ihrer Ganzheit vor Aenderungen durch den Menschen zu bewahren. Der Offenbacher Naturschutzverein unterhielt bisher das SumpfgebietDer Hengster"; den vogel- und pflanzenkundlich interessantenKüh- kopf" am Altrhein hat zuerst der Besitzer Freiherr von H e y l geschützt, jetzt tut es der Staat;

Gießener Naturfreunde hegten die Enzian- wiesen bei Rödgen, andere die Reste der Weerskrandsflora in Oberhessen.

Auch Gebirgs- und Wandervereine trieben auf ihren Wanderungen praktischen Naturschutz und er­zogen ihre Mitglieder wieder zur Ehrfurcht vor der Natur. Dem sinnlosen Abreißen von Pflanzen Zweigen und Aeften, dem rohen Zertreten von Tierchen, die dem Wandernden über den Weg lau­fen, traten Schulen und ernste Jugendbünde ent­gegen. Schließlich kam es zu Schutzgesetzen.

Wohl das älteste dieser Art ist das Reichs- vogelschutzgesetz aus dem Jahre 1908, das alle Singvögel und die meisten Raubvögel vor Ver­folgung und Ausrottung bewahren soll. Schutzbe- ftimmun^en finden sich auch in den Jagdstrafgesetzen Das hessische Gesetz über Denkmalspflege aus 1902 schützt Wasserläufe, Felsen und Bäume, nicht aber Pflanzen und Tiere. Ein großer Schritt vorwärts war für unsere engere Heimat das hessische Natur­schutzgesetz vom Oktober 1931. Es umfaßt zum ersten- mal Pflanzenwelt, Tierwelt und Landschaft als eine zu erhaltende Einheit. Hiernach können bestimmt begrenzte Gebiete unter Schutz gestellt werden Gegen Verunzierung der Landschaft (Reklame') sollen Polizeiverordnungen erlassen werden den Feldbereinigungsbehörden wird die Erhaltung des

Landschaftsbildes zur Pflicht gemacht, in den Voll, zugskommifsionen sollen nunmehr Sachverständige für den Schutz der Landschaft und der Natur mit- wirken. EhrenamtlicheNaturheger" werden neben den berufenen Schutzbeamten die Ausführung des Gesetzes überwachen.

Erst der neue Staat erkennt die wahre Bedeu­tung dieser Schuharbeit und Schuhgesehe. Für ihn geht es hier um eine Lebensgrundlage des Volkes und seiner selbst. Die Hoffnungen aller Natur- und Heimatfreunde werden sich in ihm erfüllen.

Wie nahe dem Führer diese Sache am Herzen liegt, beweist schon das von ihm so rasch geschaffene R e i ch s t i e r s ch u tz g e se tz. Mit der ftatt- licken Organisation des Reichsbundes Volkstum und Heimat hat Ministerialrat Ringshaufen alle Kräfte zu wirksamer Ar­beit zusammengefaßt. Für alle Heimat-, Natur- und Volksfreunde ist die Möglichkeit gegeben, mitzu­arbeiten (und fei -es auch nur durch einfachen Bei­tritt zu diesem Bunde), den ererbten, so oft schwer umkämpften Heimatboden unverschandelt Kindern und Enkeln zu überliefern. In letzter Stunde noch müssen wir retten, was zu retten ist. Erhalten und neuge ft alten wollen wir die natürliche Anmut unserer Landschaft, die Eigenart und die Be­sonderheiten ihres Menschenschlages, ihrer Tier- und Pflanzenwelt und ihrer geologischen Bildungen. Damit stärken wir das Heimgefühl unserer Menschen und wecken ihre alte Sinnigkeit und die Liebe zu ihrem Volkstum und Volke, zu feiner Geschichte und seiner Verbunden« h e i t.

Dieser Gedanke muß bei Ausstellung aller Feld« bereinigungs- und Bodenverbesse« rungspläne gestaltend mitwirken. Alte Sünden müssen wieder gutgemacht werden. Der Landschaft soll man ohne Not keinen Zwang antun. Die Füh- rung der Wege und Gräben ist dem Gelände anzu­passen. Die Aecker sollen nicht durch alle Gewanne in gleicher Richtung ziehen. Oft werden Neuansiflan- zungen nötig fein; daran muß schön bei Aufstellung der Pläne gedacht werden. Manche Feld- und Wiefenwege und = graben können und müssen von Obstbäumen begleitet, geeignete Stellen sogar durch ragende Laubbäume betont sein. Eine unbedingt notwendige Regulierung des Bachlaufes muß nicht das Landschaftsbild schädigen. Auch die Forstver­waltung hat Mittel in der Hand, die Waldgrenz­linien und Waldmäntel abwechslungsreich und schön zu gestalten und durch Mischen ihrer Bestände wie­der mehr Tier- und Pslan,vnleben in unseren Wald zu bringen. Der Wiederherstellung des gestörten Wasserhaushaltes dient neben der besseren und schöneren Führung der Gräben die Wiederanlage einst trockengelegter Wasserspeicher der Landschaft in Form von Stauweihern und -feen, die daneben die Landschaft so ungemein beleben. Meist sind die da­für geeigneten Stellen doch für den Wiesen- oder Feldbau ungeeignet und können durch Fischereibe­trieb eine höhere Renten ab werfen.

Es ist mir, unmöglich und nicht der Zweck dieses Aufsatzes, im besonderen auf die in unserer enge­ren Heimat der Lösung harrenden Aufgaben des Natur- und Heimatschußes einzugehen. Nur auf einiges fei noch kurz hingewiesen.

Die schöne Eigenart unserer Vogelsbergtanb- schast mit ihren bebuschten Rainen und Fels- grupper, ihren Hecken und Knicks, ihren baumumsäumten Bachläufen muß bei allen Feldbereinigungsmaßnahmen erhalten bleiben. Das Hochmoor im Oberwald muß vor weiteren Kulturmahnahmen" bewahrt bleiben.

Die Feldfluren der W e 11 e r a u, des Gießener Beckens und der Laubacher Gegend sind hier und da von floristisch bedeutsamen warmen Hügeln mit bunter Wildflora unter­brochen. Da sie meist Unland sind, können und mas­sen sie erhalten werden. Genannt seien nur neben dem bekannten Hanget st ein bei Lollar,b i e Burg" bei Ober-Widdersheim, derGoldrai n" und derGrohber g" rechts und links der Straße RodheimHungen, derLindenber g" zwischen Langsdorf und Birklar, derFaule B e r g" rechts der Straße DauernheimHof Schleifeld, ein Hügel, bei Nonnenroth und einer zwischen Ruppertsburg und V i 11 i n g en . Es gibt sicher auch noch manche unentdeckte. Die Reste einer einstmalig reichhaltigen Salzflora bei Wissels­heim, Münzenberg, Selters und Salzhausen müssen in letzter Stunde gerettet werden. Ebenso einige Teile der Kalkflora auf demSteinberg" bei Bleichen/)ach und des sogenannten Lauter- bacher Grabens. Auf zu schützende Bestände sel­tener Pflanzenarten (z. B. die E n z i a n w i e s e n bei Rödgen), sowie die geschützten Tier- und Pflan­zenarten überhaupt ist schon oft in unseren Heimat- unb Wanderzeitschriften, befonbers in ber Beilage Heimat im Bilb" bes Gießener Anzeigers hinge­wiesen worden. (Otto Vogt in Nr. 14 von 1933, Otto Bauer in Nr. 19 und Dr. R. Fischer in Nr. 28 desselben Jahrgangs). Besonders ehrwürdige Waldbestände, z. B. Deutschlands schönster Larchenbestand im Distrikt Richtberg bei Schlitz, und die in jedem Revier vorhandenen merkwürdi­gen ober bebeutungsoollen Bestände, Gruppen und Einzelbäume sinb ja schon immer in guter Hut ber Forstverwaltung. Vielleicht kann aber jetzt auch hier noch mehr geschehen. Da heißt es manchmal auch acht haben auf bie Eigentümlichkeit ber Flora des Waldbobens, die durch rücksichtsvolle Maßnahmen erhalten werden kann; ermähnt sei nur ein herrlicher, über Erwarten großer Bestand des Bärlapps und einer des Rippenfarns in einem Walde bei Lauterbach und Wernges. Als Natur­denkmäler zu hüten sind auch die geologisch merk­würdigen Felsgruppen und sonstigen Bil­dungen, wie z. B. derW i l b e Stein" bei Bü­dingen unbDie Steinern" bei Dübelsheim. Die Felsenwiese bei Ilbeshausen ist leiber schon ver- schwunben, anbere im Vogelsberg müssen jetzt vor bem gleichen Schicksal bewahrt werben.

Alle Hinweise unb Mahnungen, alle Be­mühungen ber Heimatfreunde, alle Schuh- gesehe jedoch sinb unwirksam, wenn unsere Menschen nicht mit ihrer Einsicht unb ihrem guten Dillen bahinter stehen. Alle müssen er­kennen lernen, worum es geht. Alle müssen mit bem Herzen babei sein, wo es um bie Bewah­rung unserer Heimat geht, bes Mutlerbobens aller unserer aufbauenben Kräfte.

Umfassende Erziehungsarbeit, zielsicher geleitet vom neuen Staate, muß allenthalben einsetzen. Nimmer­mehr darf reines Ich- unb Gelbdenken in Zukunft Vater- und Mutterland veröden! Heimatbund, Schulen und Wanderoereine, Zeitungen und Bücher, alle helfen mit, daß der Heimatschutz­gedanke in den Herzen des ganzen Volkes ver­wurzelt wird und wieder eine Naturverbundenheit entsteht wie ehedem. Dann brauchen wir keine Naturschutzgesetze mehr.

EinWrungdesneuenGießenerIungbannMrers

Schützt heimische Hahir und Landschaft!

Von K. Schnierle, staatlichem Vertrauensmann für Naturschutz.