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Ur. 225 Erster Blatt

18§. Jahrgang

Mittwoch, 26. September |93<

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Zrantturt am Main 11686 Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfitätr vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. §chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Mengen?bsch?M Stasft?8

Oer Notruf Memels.

Don Dr Werner Wirths.

Just zur gleichen Zeit, da in Genf die hohe Völ­kerbundsversammlung, an Hand des auf Verallge­meinerung der bestehenden Minderheitenschutzver­träge gerichteten polnischen Vorschlages, gezwungen wurde, zur Minderheitenfrage Stellung zu nehmen, mit dem Ergebnis, daß Polen sich angesichts der intransigenten Einstellung der ausschlaggebenden Staaten genötigt sah, seinen Antrag zurückzuziehen wurde den Unterzeichnerstaaten der sogenannten Memelkonvention durch den Vizepräsidenten des memelländischen Landtages, Meyer, die Be­schwerdeschrift der memelländischen Bevölkerung überreicht. Dieser Vorgang ver­deutlichte erneut das peinliche Versagen der Ga­ranten jener Verträge, die im Zuge der in Ver­sailles verfügtenpolitischen Neuordnung Europas" abgeschlossen wurden, um die Rechte des vom Mut­terlands abgetrennten Volkstums im fremden Staatsbereich ficherzustellen.Der unterzeichnete Vizepräsident des Landtages ist während eines kur­zen Krankheitsurlaubs, den er außerhalb des Me­melgebiets verbringen mußte, widerrechtlich feiner Aem ter enthoben und mit so­fortiger Verhaftung bedroht worden. Mit der vorliegenden Eingabe vertritt er die Auf­fassung von mindestens 85 v. H der einheimischen Bevölkerung des Memelgebiets". Schon diese zwei Sätze der genannten Beschwerdeschrift kenn­zeichneten eindeutig die Lage: die Vergewal­tigung desautonomenMemelgebiets" durch die litauischen Machthaber und die bisherige Methode der Unterzeichnerstaaten, dem litauischen ITerror gleichgültig zuzusehen.

Die Memelkonvention Wie großartig stellt sie an ihrem Anfang fest, daß das Britische Meich, Frankreich, Italien und Japan mit dem 'Staate Litauennach Austausch ihrer in guter und «gehöriger Form befundenen Vollmachten über fol­gende Bestimmungen übereingekommen sind!" Wie Ischön find dann diese Bestimmungenin Ver- lwirklichung des weisen Entschlusses, dem Memel- ,gebiet Autonomie zu gewähren und die über- ilieferten Rechte und die Kultur seiner Bewohner sticherzustellen" in vielen Paragraphen aufge- Jählt! Die Wirklichkeit? Die litauischen Machthaber ^betrachteten das Memelstatut als einen Fetzen ^Papier. Von den autonomen Rechten der Be- ivölkerung hlieb nichts mehr übrig. Das verfassungs- imäßige Direktorium wurde a b g e s e tz t, und die ?Volksvertretung, die dem litauischen Gewaltdirekto- rrium Reizgys niemals das Vertrauen aussprechen iwird, kurzerhand ausgeschaltet. Und in den letzten ?Monaten setzte gegen die Gesamtheit der heimat- dtrcuen Memelländer eine Derfolgungswelle ein, die ^ihresgleichen nicht hat. Parteien wurden v e r - Sb o t en und die meisten führenden Persönlichkeiten irunter dem haltlosen Vorwande, sie betätigten sich in ssstaatsfeindlichem Sinne gegen ßitaueji, unter ^Polizeiaufsicht ge st eilt oder verhaf- St e t; ja, das Gewaltdirektorium Reizgys brachte ses seit dem 28. Juni 1934 fertig, insgesamt 538 ^Personen, also rund zwei Drittel aller im Dienst befindlichen memelländischen Beamten und Ange­stellten, unter den verschiedenstenBegründungen" ßu entlassen. Solches geschieht durch ein Direk- itorium, das keinerlei verfassungsmäßige Befugnisse besitzt, aber im Zeichen des Kriegszustandes, der im Memelgebiet als Dauerzustand eingeführt wurde, Willkürlich schalten und walten kann.

Die den Unterzeichnerstaaten überreichte Denk- ischrift hat auf vierhundert Seiten die zahllosen lUebergriffe der litauischen Machthaber und die prak- iiische Vernichtung von Recht und Gesetz auf allen Gebieten zusammengestellt. Im einzelnen wie ins- igefamt stellt sie eine ungeheuerliche An- !?lage gegen den litauischen Staat und diejenigen dar, die dies alles zuließen. Und immer wieder zeigt sich in den von den litauischen Machthabern durchgeführten Aktionen, welche Gro­tesken die Jagd auf angeblicheStaatsfeinde" zei­tigte. Da wurden bei hochnotpeinlichen Haussuchun­gen in den memelländischen Schulen alte Landkarten ober dieGedanken und Erinnerungen" Bismarcks , beschlagnahmt. Sogar dasBraune Buch" von Hermann Löns, dem friedlichen Heidedichter, verfiel ! S'iem Häscher; denn der Name dieses Buches verrät :nocf) schon, daß es sich um ein nationalsozialisti- xhes Propagandawerk handelt. Da werden nicht ; nur Studentenrapiere und sonstige Erinnerungs­lücke bei friedlichen Bürgern als gefährliche, der litauischen Staat bedrohende Waffen beschlagnahmt, wndern auch Jagdgewehre, deren Inhaber sich am Besitze rechtsgültiger, vom litauischen Kriegskom- mandanten genehmigter Jagdscheine befinden. Und wlcheBeweisstücke" dienen eben dazu, die Inhaber m die litauischen Gefängnisse zu verschleppen.

Was gedenken die Unterzeichner st aaten: l«as Britische Reich, Frankreich, Italien und Japan I :.u tun, um die Bestimmungen, über die sie mit Litauenübereingekommen" sind, wieder in Kraft au setzen? Was gedenken sie zu tun, um deut­sch e s Volkstum das sinnlos genug vom deutschen Mutterlands abgetrennt wurde, um dem Zwergstaat Litauen den Hafen Memel zu über- mtroorten vor weiterem Terror zu Mützen? Was gedenken sie zu tun, um einen Vertrag, der abgeschlossen wurde und von dem Ii.nterzeichner Litauen täglich gebrochen wird, zu schern? Die memelländische Beschwerde stellt an ! inrem Schluß, unter Berufung auf die Slutonomie-- Stimmungen, in klarer Form fest, was zu geschehen tat, um den Rechtszustand im Memelgebiet wieder I « nzuführen. Es sind höchst bescheidene Forderungen, i;e die Memelländer aufgestellt haben, und sie be- j-nnen damit, daß die beiden wichtigsten Organe , ter Autonomie (Direktorium und Landtag) in tiore verfassungsmäßigen Rechte ein-

Auf der Reichsautobahn in die Schönheit der deutschen Alpen.

München, 25. Sept. (DNB.) Ueberall pulsiert Leben und Arbeit im neuen Reich unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler. Das wurde so recht deutlich anläßlich einer Tagfahrt der Vertreter der Presse zur Besichtigung der Bauarbeiten der Reichsautobahn München - Landes­grenze mit rund 125 Kilometer Länge, die eine Fülle eindrucksvollen Erlebens bot sowohl hinsicht­lich der Schönheiten unseres bayerischen Alpenge­bietes als auch hinsichtlich der Leistungen zur Voll­endung des gigantischen Werkes der Straßen Adolf Hitlers. Kaum ein Jahr ist verflossen, seit der Füh­rer den ersten Spaten st ich oollführte und schon wachsen die Autobahnen buchstäblich aus dem Boden. Unter Leitung des Pressereferenten ging die Fahrt entlang der neuen Autobahn und vor allem an besonders markanten Bauabschnitten vorbei. Die M a t e r i a l a u f b e r e i t u n g bei Unter­haching, wo der Führer selbst am 21. März 1934 den Beginn der Arbeitsschlacht einleitete, die beiden großen Brückenbauwerke über die Mangfall bei Weyarn und über den Inn bei Pfraunsdorf und schließlich nach Inzell und Mauthaeusl, wo die Vor­alp e n st r a ß e als Teilstück der großen Queralpen­verbindung, ausgebaut wird und später bei Achen­mühle Anschluß findet an die Reichsautobahn.

In zuvorkommender Weise machte Reichsbahn­oberrat Doll bekannt mit den gewaltigen Lei­stungen, die bereits vollbracht wurden. So sind bei­spielsweise auf der Reichsautobahn München-Lan- desgrenze gegenwärtig allein rund 80 Brücken­bauwerke gleichzeitig in Arbeit und, während Ende vorigen Jahres insgesamt rund 500 Arbeiter beschäftigt wurden, finden heute pund 9 0 0 0 Arbeiter durch die Autobahn Brot und Verdienst. War es schon interessant zu sehen, mit welch peinlicher Sorgfalt die Aufbereitung des verwendeten Baumaterials in Unterhaching für die im allgemeinen 24 Meter breite Autobahn einschließ­lich des 3,5 Meter breiten Grünstreifens erfolgt, so vermittelten die Arbeiten an den beiden großen Brückenbauwerken gewaltige Eindrücke technischer Höchstleistungen. 288 Meter weist die Mangfall- brücke auf, deren Kosten sich auf 1,8 Millionen Mark stellen. Ihre größte Stützweite beträgt 108 Meter, die größte Höhe über der Talsohle 68 Meter. Die I n n b r ü ck e, die im Sommer 1935 vollendet werden wird, hat eine Länge von 265 Meter.

Was die Reichsautobahn MünchenLandesgrenze besonders begehrlich machen wird, ist die äußerst geschickt gewählte schöne Linienführung, die immer wieder bie herrliche Gebirgskette der Alpen am Auge des Fahrers in neuen Bildern vorüberziehen läßt.

Die neue Straße soll ja nach dem Willen des Führers keine Rennstrecke werden, sondern die neu­zeitlichste Autostraße, die dem Benutzer die Schön­heiten unserer Alpenlandschaft voll erschließt. Die Autobahn wird daher auch so gebaut, daß sie nicht als grober Eingriff in die Natur erscheint. Die volle Bergwelt eröffnet sich einem nach dem Ueberqueren des Mangfalltales beim Kloster Weyarn in ihrer ganzen Pracht. Sind es zuerst d i e Schlierfeer und Chiemgauer Berge die Autobahn führt hart südlich des Chiemsees ent­lang, die auf der ersten Fahrtstrecke aus dem Alpenmaffiv hervortreten, so rückt später das Wendel st eingebirge mehr und mehr heraus, und immer schöner zeigt sich das Gebirgspanorama dem Auge. Der Abstieg zum Inn ist unter möglichster Anpassung an die Eigenart der Gegend durchgeführt. Dabei mußte gerade beim Bau der

Jnnbrücke größte Sorgfalt auf bie Ableitung ber Jnnauenbäche gelegt, biefe zusammen­gefaßt unb bamit ber Hochwasserspiegel gesenkt werben, führt boch nach reiflicher Ueberlegung bie Autobahn bort nicht über, sonbern unter ben schon bestehenben Verkehrswegen ber Eisenbahn unb ber Staatsstraße hinburch.

Durch bie Reichsautobahn München Laubes- grenze werben aber auch neue bis jetzt bem Frem­denverkehr wenig zugängliche Gebiete, bie noch nctturverbunben blieben, erschlossen. In fünfzig Minuten kann nach ihrer Fertigstellung von München aus ber Chiemsee erreicht werben. Der Schliersee unb ber Tegernsee in beiviertel Stunben, Bad Reichenhall unb bas Berchtesgabener Laub mit bem König­see in eineinhalb Stunben. Für ben Verkehr ber Zubringerstraßen ist eine Reihe von Anschluß- [teilen vorgesehen. Don ben 65 Millionen Mark Kostenooranschlag sinb bisher 30 Millionen Mark an Aufträgen vergeben. Sie bringen Beschäftigung für 108 Tiefbauunternehmungen, 16 Brückenbau­anstalten unb 18 Lieferfirmen.

Der endgültige Verlaus der Deutschen Alpenstraße

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ßERCHTES- i >^GÄDEN '5 KÖNIGSSEE

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Die Straße, bie vom Bobensee bis zum Königssee, von Lindau bis Berchtesgaden gebaut wird, wird 480 Kilometer lang fein unb in ihrer Streckenführung 105 Brücken, 15 Tunnels unb 10 Viabukte enthalten. Der Bau, besten Kosten auf runb 135 Millionen Mark berechnet sind, wird mehr als 25 000 Arbeitern in 10 Millionen Schichten Arbeit geben.

gefetzt und die Gewähr geschaffen werden müsse, daß sie ihre Pflichten unbeeinflußt durch Gouver­neur und Kriegskommandant ausüben können. Es find höchst bescheidene Forderungen, weil sie nichts anderes verlangen, als was rechtens ist, nämlich die Beachtung der Bestimmungen des Memelstatuts, die auf allen Gebieten des öffent­lichen Lebens, der Verwaltung, der Presse- und Versammlungsfreiheit, der Gerichtsverfassung und des Schul- und Sprachenwesens von Litauen außer Kraft gesetzt wurden mit dem Ziel, die Assimilierung deutschen Volksgebiets vorwärtszutreiben. Und wäh­rend der Heimattreue Memelländer jederzeit ge­wärtig sein muh, ins Zuchthaus gebracht zu werden, kann ich diegroß-litauische" Propaganda mit den gehäss gsten Angriffen gegen das Deutschtum un­gehemmt und unter wohlwollender Förderung des litauischen Kriegskommandanten und seiner Gesin­nungsgenossen entfalten.

Was also gedenken die hohen Unterzeichner- ftaaten zu tun? Wo bleibt England, dessen Ver­treter in Genf soeben erst erklärte, daß die Frage ber Behanblung ber verschobenen Volksteile ein Barometer für ben zivilisatorischen Stand des be­treffenden Staates sei, und das boch sonst so gern für Gerechtigkeit schwärmt? Wo bleibt Frank­reich, bas wenn es auch innerhalb seiner eigenen Staatsgrenzen bie Existenz frember Volks­gruppen leugnen möchte sich selbst oft als Hüter ber Volkstumsrechte" bezeichnet hat und immer wieder betont, daß Verträge heilig find? Der Notruf der Memelländer zeigte nicht nur an, wie unhaltbar die Lage im Memelgebiet ist, sie nimmt auch den Signatarstaaten jede Berechtigung und jeden Vorwand, die bisherige Methode des Sich- tot-stellens weiter fortzufetzen es fei denn, sie selbst bezweckten, unter Beweis zu stellen, daß sie ihrerseits Verträge, für deren strikte Innehal­tung sie sich höchst persönlich verbürgten, für nicht mehr halten als einen Fetzen Papier, es fei denn, sie billigten ihrerseits das litauische Verfahren des nackten Vertragsbruches.

Funksendung aus dem Flugzeug.

Der Deutschlandfender bereitet für Samstag, 6. Oktober, 20.10 Uhr, eine in ihrer Form völlig neuartige Sendung vor. Die Sendung geht von einem Flugzeug aus, das zu Beginn der Sen­dung in Köln startet und am Schluß im Flughafen Tempelhof landet. Der Funkberichter, der sich in der Maschine befindet unb mit bem Kopfhörer aus bem Funkhaus neben feinem eigenen Bericht auch ben Sprecher im ©enbefaal hört, fo baß bie Möglich­keit eines Gegenfprechens besteht, tritt währenb bes Fluges burch eine Kurzwellenstation mit vier Punk­ten auf ber Flugstrecke unb mit bem Funkhaus in Verbinbung. Der Hörer wirb also ein lebenbiges Bilb vom Verlauf bes Fluges erhalten, biefen un­mittelbar miterleben, ja sich selbst als Fluggast füh­len. Ein Fallschirmpilot wirb währenb eines Ab­sprunges mit Hilfe eines kleinen für biefen Zweck befonbers konstruierten Kurzwellensenbers zu ben Hörern sprechen. Im Rahmen ber Senbung sollen auch bie Stimmen unserer toten Flieger, bie auf Schallplatten festgehalten sinb, ertönen.

Barthou hat fein Glück.

Oie Genfer Verhandlungen über Oesterreich auf dem toten Punkt. Verstimmung über die Politik Italiens und der Schweiz.

Paris, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Genfer Dienstagverhanblungen, bie mit einem Miß­erfolg für Frankreich a u f ber ganzen Linie enbeten, haben in ber Pariser Presse leb­haften Wiberhall gefunben unb eine ziemliche Miß­stimmung ausgelöst.

Die österreichische Angelegenheit, schreibt Pertinax imEcho be Paris , sei auf einem toten Punkt angelangt, weil bie ita­lienische Regierung freie Hanb in Mitteleuropa verlange. Wie stark auch ber Wunsch ber französischen Regierung sei, sich mit Mussolini zu verstänbigen, so sei es für Frankreich boch unmöglich, biefer italienischen Folgerung stattzugeben. Barthou könne unmöglich noch einmal in ben Fehler Paul-Boncours unb be Jouvenels verfallen, bie burch ben Abschluß bes Vierer- pattes ben 23 e r l u ft ber Zusammenar­beit mit Polen herbeigeführt hätten. Das Blatt ist in Uebereinftimmung mit allen großen Blättern ber Ansicht, baß sich ber französische Außenminister in Ermangelung eines besseren wahrscheinlich bar- auf beschränken werbe, von Italien unb Englanb eine -Wieberholung ber bereits am 17. Februar ab­gegebenen Erklärung zugunsten ber öfter» reichischen Unabhängigkeit zu forbern. Der Kleinen Entente soll anheimgestellt wer­ben, sich biefer Erklärung anzuschließen. Erst in Rom würbe Barthou bann versuchen, bie italienische Regierung zu einer Aenberung ihrer bisherigen Haltung zu bewegen. DasOeuvre" wirft Italien vor, eine Hegemonie in Oesterreich zum Scha­

ben aller anberen benachbarten Staaten errichten zu wollen.

VomMatin" wirb bie Haltung ber Schweiz in ber Frage ber Rekrutierung einer Saarpolizei stark verurteilt. Das Blatt erklärt, baß bie Schweiz bas erste Mal, ba man sich im Interesse bes Frie- bens an sie roenbe, auf ihre Neutralität poche unb sich einer moralischen Pflicht zu entziehen versuche. DerPetit Parisien" fügt hinzu, biefe übertriebene Vorsicht beweise eine Jnteressenlosigkeit, bie schlecht mit ber Pflicht einer freunbschaftlichen Zusammen­arbeit zugunsten bes Friebens vereinbar sei, bie ber Volkerbunb jebem seiner Mitglieber auflege.

Zu ber Ungehaltenheit ber französischen Presse gegenüber ber Schweiz kommt noch bie Mißstim­mung, bie bie Antwort bes italienischen Vertreters a u f bie französische Saar- denkschrift ausgelöst hat. Die Ablehnung Aloisis, sofort Beschlüsse über bie z u - künftige Regelung gewisser Fragen zu fassen, wirb vomEcho be Paris" als eine be­wußte Antwort auf bie französischen Folgerungen in ber österreichischen Frage ausgelegt. Es scheine, so schreibt bas Blatt, als ob Aloisi noch unter bem Einbruck ber Auseinanbersetzungen über bie öster­reichische Unabhängikeit geftanben habe. Barthou habe dies dem italienischen Vertreter in einer pri­vaten Aussprache auch zu verstehen gegeben unb ihn gefragt, ob ber Umftanb, baß in der öster­reichischen Frage gewisse Meinungsverschiedenheiten beständen, genüge, sich auch noch in der Saarfrage zu streiten.

Die Schweiz fordert Ersah für im Weltkrieg erlittene Schäden.

Erregte Auseinandersetzung zwischen Motta und Barthou im Döikerbundsrat.

Genf, 25. Sept. (DNB.) Bundesrat Motta behandelte vor dem Völkerbundsrat den Anspruch der Schweiz auf Entschädigung für öie im Weltkrieg erlittenen Verluste. Es handele sich erstens um Schäden, die schwei­zerische Bürger unmittelbar im Zusam­menhang mit militärischen Operation n e n erlitten hätten, zweitens um Schäden, bie burch Requisitionen in besetzten G e - bieten entstauben seien, unb brütens um Schö­ben burch Beschlagnahmen innerhalb ber kriegführenben Staaten. Die Ent- schäbigungsansprüche richteten sich gegen Groß­britannien, Frankreich, Italien und das Deutsche Reich. Im ganzen habe die Schweiz einen Verlust von runb 50 Millionen Golbfranken erlitten. Motta schlug vor, ein Gutachten bes Haager Ge­

richtshofes über bie Folgerungen ber Schweiz einzuholen unb gleichzeitig einen B e r i ch t e r st a t - t e r zu ernennen, ber sich mit ben Fragen befasse unb sie später zur Entscheibung vor ben Rat bringe.

Eben bestritt, baß bie Schweiz Anspruch auf bie von ihr geltenb gemachten Entschädigungen habe. Die Frage gehöre nicht vor den Völkerbund.

DerfranzösischeAußenministerBarthou lehnte dann in ausgesprochen erregter Stimmung jede Anerkennung des schweizerischen Anspruches ab. Dabei gebrauchte er Schärfen gegen Motta, die im Zuschauerraum Bewegung auslösten. Barthou wurde schließlich so erregt, daß er mehrmals m i t der Hand a u f den Tisch schlug. Er bestritt der Schweiz jedes Recht, diese Forderung auch nur