Neuer Reichsführer -er Deutschen Kachschulschast.
UM
Der bisherige Stellvertretende Reichsführer dex Deutschen Fachschulschaft, Sturmführer Hermann • Ziegler, wurde, wie bereits gemeldet, zum Reichsführer der Fachschulschaft ernannt.
UM?2 Drittes Blatt
Tietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberheffen)
Donnerstag, 26.Zulil93H
Einkommen und Lebenshaltung inAalien.
Mussolini kaust ein.-Hohe Mietender steuerfreieHäuser.- Teure Monopolpreise Spaghetti, des Rätsels Lösung.
Don unserem römischen E-Korrespondenten.
Rom, Juli 1934.
Als Mussolini kürzlich ganz unerwartet sein Haushaltsbuch aufschlug und dem Volk daraus vorlas, gab es viele lange Gesichter. Es solle nur niemand sich einbilden, daß die gute alte Zeit bald zurückkehren werde. Wir haben Schulden gehabt, liebe Leute, wir haben Schulden dazu gemacht, die Staatsschulden sind infolgedessen nicht weniger geworden. Wie viel auf der unangenehmen Nichthabenseite steht? Nun, es sind über 100 Milliarden, hundert Milliarden, jawohl. Da heißt es sparen. Aber wo und wie? In den letzten Jahren ist das Defizit immer größer geworden, heuer kommen wieder vier Milliarden dazu, und die Zinsen für diese vier Milliarden. Ausfuhr? Devisen? Nichts zu machen. Am Ende des Jahres werden wir wahrscheinlich eine Unterbilanz von drei Milliarden buchen müssen ...
Die langen Gesichter brauchten über der langen Rede Sinn nicht lange zu grübeln. Der Vater des Vaterlands hatte einen unheimlichen Haufen von Kontobüchern neben sich und griff wacker hinein. So viel Zahlen und so viel unerfreuliche hat die Kammer noch nie auf einmal vorgesetzt bekommen. Schlußfolgerung.- noch einmal sparen! Ansprüche herabsetzen! Auch den Arbeitern müsse gesagt werden, daß Opfer zu bringen seien. Der Staat tue, was er tun könne. Die Lebensmittelpreise seien herabgesetzt worden. Der Vrotpreis wurde von 2,48 Lire auf 1,50 Lire für das Kilo gesenkt. Man könne aber auch schon ein Kilo für 1,30 haben, er habe sich selb st davon überzeugt. Und dann erzählte Mussolini, wie er in der Zeitung gelesen habe, er sei ja eifriger Zeitungsleser — daß man da und dort billig einkaufe. Daraufhin habe er zur Probe dem unbekanntesten und harmlosesten Ausläufer den Auftrag gegeben, für ihn solches Brot zu kaufen, ein Kilo Suppenfleisch dazu für vier Lire, und — tatsächlich, der Mann brachte die Sachen. „Das war mein Mittagessen an diesem Tage, und ich muß sagen, das Brot war ausge
zeichnet und aus dem Fleisch konnte man eine anständige Suppe machen!"
Soweit die Kammerrede. Tags darauf geht beim Duce ein Brieflein eines sorgenvollen Familienvaters ein, der ihm schreibt, er möge doch die Freundlichkeit haben und ihm diese Perle von einem Bäcker verraten. Der Duce, nicht faul, erkundigt sich nach der genauen Adresse und teilt sie dem Zweifler mit. Für den Bäcker eine unbezahlbare Reklame, denn die Zeitungen veröffentlichen natürlich den eigenartigen Briefwechsel, und heute soll es in Rom schon Dutzende von 1,30= Bäckern geben, obwohl der amtliche Preis auf 1,50 steht. Freilich, Mussolini hat mit seinem populären Einkauf nur gezeigt, daß sich die Tugend seiner Jugend, die Mäßigkeit, noch nicht verflüchtigt hat; die Römer haben im übrigen über ihr Brot ihre besondere Meinung, und daß für einen Nordländer das Brot in ganz Italien, vor allem das ungesalzene Weißgebäck, die Brötchen und Semmeln, wenn es solche gibt, ungenießbar ist, es sei denn, man kriege es ganz frisch, weiß jeder Reijende. Ebenso kann das Suppenfleisch für vier Lire wirklich nur zum Auskochen benützt werden, gutes Rindfleisch kostet mindestens 10 Lire, Kalbfleisch 13 bis 15 Lire.
Schauen wir uns nun einmal um, was im allgemeinen das Leben in einem Lande kostet, das von der Krisis zwar erfaßt, aber noch nicht zu Boden gedrückt wurde, und wie sich der Haushalt zum — Einkommen verhält. Teuer sind immer noch die Wohnungen, obwohl die Mietpreise nun zum drittenmal innerhalb weniger Jahre befehlsgemäß herabgesetzt wurden. Für eine leidlich moderne Dreizimmerwohnung mit Bad muß man in Rom 6000 Lire ansetzen, wenn man sie mietet. Kauft man sie, so sieht die Rechnung, auf die Dauer gesehen, weit besser aus, denn der Raum wird durchschnittlich mit 7000 Lire bewertet, eine Vierzimmerwohnung mit Zubehör ist also schon für 50 000 Lire erhältlich, und diese Summe kann in 25 Jahren abbezahlt werden. Außerdem sind Neubauten, ganze Häuser wie Einzelwohnungen, auf 25 Jahre steuerfrei. Kein Wunder, daß die Bautätigkeit nicht zum Erliegen kommt, die kleinen wie die großen Kapitalisten legen ihr Geld in Häusern an, die ganz kleinen vermieten noch Zimmer und — leben nicht selten einzig und allein von dieser Einnahmequelle. Das ist eine der vielen Möglichkeiten, die man kennen muß, wen man die italienische Statistik der Einkommen verstehen will.
Teuer ist ferner das Wasser, rund 2000 Lire bei offenem Hahn in Rom, das Dreifache in der Umgebung; teuer ist de r elektrische Strom, denn auf ihm lastet eine Verbrauchssteuer von rund 60 Prozent, so daß sich die Kilowattstunde auf über 2 Lire stellt; teuer kommen Arzt und Apotheke, denn die Krankenversicherung steckt noch in den Kinderschuhen. Auf der höchsten, nicht mehr überbietbaren Höhe sind, nach Mussolini, d i e Steuern angelangt, vermutlich auch die Monopolsachen: Zucker 6,40 Lire das Kilo, Tafelsalz durchschnittlich 3,50, Zigaretten mittlerer Qualität 25 Centesimi. Zigarren gibt es eigentlich nur zwei rauchbare Sorten, zu IV2 und 2V2 Lire das Stück. Benzin 2 Lire, das Kleinauto 10 000 Lire. Alles, was mit Dokumenten irgendwelcher Art, seien es auch nur Rechnungen oder Quittungen, zusammenhängt, verteuert sich durch die Stern- p e l st e u e r. Wie Tische, Stühle, Räume und Kellner, sind die Speisekarten im ganzen Regno einander so ähnlich wie Zwillinge, unter 15 Lire für ein
normales Mittagessen kommt man nicht weg. Aber Wandervögel haben auch schon für ganze 7 Lire einen ganzen Tag gelebt. Man muß sich eben auskennen.
Machen wir nun die Rechnung auf: Ein kleinerer Beamter bezieht ein Gehalt von 800 Lire. Er nimmt eine ganz billige Wohnung, sagen wir für 400 Lire im Monat, bleiben ihm für den gesamten Lebensunterhalt der Familie ebensoviel! Wieso geht er nicht unter? Wieso kommen seine Töchter so elegant daher? Das Geheimnis lautet: Spaghetti! Und sehr zu Unrecht wird von den Futuristen dieses wahrhaft geniale Nahrungsmittel verspottet. Außerdem haben wir bereits den Ausweg der Zimmervermietung kennengelernt. Und noch etwas kommt hinzu, was zu schildern in diesem knappen Rahmen nicht möglich ist: der unbedingte Zusammenhalt der Familie und Sippe.
Professoren, Richter und ähnliche Berufe beziehen monatlich durchschnittlich 2000 Lire, ein Oberst hat 2500, der Unterstaatssekretär dagegen nur 8448 im Jahr! Der Minister erhält 19 289, der Duce — nichts. Er hat auf alle Bezüge verzichtet. Wie lassen sich nun diese Rätsel lösen? Nun, je höher der Posten, desto größer die Nebeneinkünfte durch Nebenämter, die bei den Offizieren durch eine entsprechende Mitgift ersetzt werden. Die Statistik kann also dem wenig Eingeweihten nicht viel sagen. Fast alle Abgeordneten bekleiden einen Regierungsposten; umgekehrt gibt es aber auch viele Amtsstellen, die nicht besoldet werden. Da muß eben dann Prioatvermögen vorhanden sein und daran herrscht in Italien, auch das eine Folge des Familienzusammenhalts, kein Mangel.
Für alle Angestellten segensreich ist die Sitte des 13. Monats, zumal ihr die Arbeitsverfassung noch durch Abfindungssummen eine kräftige Stütze verleiht. Bei einer Kündigung stehen dem Arbeitnehmer nämlich in der Regel außer der Kündigungsfrist noch so viele Monatsbezüge zu, als er Dienstjahre aufzuweisen hat, und für jedes Dienstjahr wieder die Weihnachtsgratifikation oder der „13. Monat". Im günstigen Falle stellt sich also die Abrechung bei beispielsweise zehn Dienstjahren folgendermaßen: 9 Monate Kündigungsfrist + 10 Monatsbezüge + 10 Weihnachtsmonate = 29 Monate. Da kommen Summen heraus, die schon über die kritische Zeit hinweghelfen können. So hat kürzlich der Hauptschriftleiter einer bekannten Zeitung oder, genauer gesagt, der verantwortliche Leiter (direttore responsabile), dank seiner Mitarbeit an
einem zweiten Blatte nach einer Dienstzeit von nur wenigen Jahren, eine Abfindungssumme von fast einer halben Million Lire erhalten müssen. Wie denn überhaupt die Journalisten in Italien finanziell in dieser Beziehung sehr gut gestellt sind.
Die niederen Einkommensziffern, die Mussolini nannte, müssen also cum grano salis verstanden werden, und die beste Einkommensquelle des kleineren italienischen Angestellten ober Arbei« ters ist seine Mäßigkeit und Bescheidene h e i t.
Admiral Ayrd.
Der amevikanische Admiral Richard Byrd, der zur Zeit mit einer Expedition in der Antarktis weilt, befindet sich, wie gemeldet, seit einiger Zeit allein in einer Schneehütte, die etwa 200 Kilometer von dem Hauptlager der Expedition entfernt ist. Da er von dort funkentelegraphisch seine Erkrankung mit- geteilt und seine Ablösung gefordert hat, wurde sofort ein Hilfstrupp in Marsch gesetzt. Dieser mußte jedoch wegen starker Schneestürme umkehren, so daß der kranke Forscher für absehbare Zeit auf sich allein angewiesen bleiben wird. Man ist daher um sein Schicksal sehr besorgt.
WM
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Wie der Bauer stir-i.
Nach Erzählungen und geschichtlichen Quellen.
Von Joseph Weigert.
Der badische Volksschriftsteller Heinrich Hans- j a k 0 b (gestorben 23. Juni 1916) schildert in seinen Volkrerzählungen das Sterben des Bauern vom Hermeshof wie folgt:
Auf einer kleinen Anhöhe liegt der Hermeshof und schaut ins stille Tal hinab bis gen Zell zur Wallfahrtskirche. In diese war manchen Sonntag der alte Bur gewandelt, der „Mutter Gottes zulieb", und als er krank und kränker ward, hatte er seine Kinder hinabgesandt in die Kapelle, damit sie beteten um eine glückselige Sterbestunde. Der Kaplan von Zell aber brachte ihm öfters die heilige Wegzehrung; darum fürchtete der Hermesbur das Sterben nicht.
Es war ein heißer Sommertag, als der Sensenmann auf dem Hermeshof anklopfte, um den Bur zu seinem Weibe abzuholen. Die Kinder, alle erwachsen, umstanden das Sterbelager des Vaters. Drunten im Tal arbeiteten Knecht und Mägde, um die Weizenernte heimzubringen. Drüben von der Kinzig her zog ein Gewitter dem Tale zu. Schon
rollte der Donner in der Ferne. Der alte Hermesbur hörte im Sterben die Stimme des kommenden Wetters und wußte, daß die Ernte drunten lag am Fuß des Hügels. „I kann allei sterbe", Hub der Alte zu feinen Kindern zu reden an, „helft ihr drunte dene Völker (dem Gesinde) Garbe binde und sorgt für euer Brot zur Winterszeit. I brauch keins meh, i wart uf de Winter drunte im Gottesacker."
Hinter dem uralten Kasten in der Sterbekammer stand eine alte lange Flinte, im Hause von jeher nur der „Brummler" genannt. Schon der Urahn des Sterbenden hatte mit dem Brummler das Neujahr und die Kirchweih ins Tal hinunter geschossen. Mit ihm wollte auch der sterbende Hermesbur seinen Tod ansagen. „Legt mir den Brummler", so sprach er weiter, „geladen unters Kammerfensterle und bindet ans Schloß eine Schnur. Die gebt mir in die Hand." So geschah es, und alsdann redete der Alte roeiter:' „So, jetzt geht ihr hinab und helft Garben binden, und euer Vater wartet auf den Tod. Wenn der
Etwa in der Mitt- dieser Linie steht ..Wa- Ihr hatte eine g«. Heine
wollt", romantische-- Lustspiel, märchenhaft und die, van Kapet meister K -r 3^ s&n^t »mfliert alle schwerelos fabulierend mit unendlichen Möglich- Szenen umspielte, begleitete uno miteinander
band.
Die Inszenierung des Intendanten König unterstützt von den bewährten Mitarbeitern Loss- l e r (Bühnenbild) und Keim (Beleuchtung) betonte mit Geschick den lockeren impromfatoritoen Stil, der sich schon im Titel andeutet und auf die commedia dell* arte hmweisft sie legte besonderen Nachdruck auf die Rüpelszenen die sich hier in aller Unaebundenheit entfalten konnten und von unmittelbarer Wirkung waren: vor allem bas besoffene Kanonsingen, die großangelegte und beinah qraufame Verulkung des Malvolw und das komische Duell der unfreiwilligen und zitternden Kontrahenten Viola und Bleichenwang. — Albert Krämer
Was die bereits gestreifte Raumfrage angeht, so hatte man im Äadthausgarten die einfachste und natürlichste Szenerie gefunden, die man sich denken kann, einen von hohen Bäumen eingefaßten Rasenplatz mit gewachsenen Kulissen, Zugängen und Abgängen; eine Bank in die Mitte neben das Blumenbeet gerückt, und das Spielfeld ist fertig, und das Stück kann beginnen.
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keiten, bunt und zuerst fast verwirrend gemischt in den Elementen seiner Handlung, die dennoch von I
einer Meisterhand ineinander verschlungen, vermischt, gesteigert und am Ende beglückend gelöst werden.
Die heiter quellende Phantasie Shakespeares ersinnt sich die erstaunlichsten und anmutigsten Gestalten und Situationen: da ist an der Küste Illyriens ein Herzog in eine reiche Gräfin verliebt, die seine Werbung hartnäckig in den Wind schlägt und sich dafür in den Boten verguckt, den ihr der Fürst mit Erklärungen. Beschwörungen und Geschenken ins Haus schickt. Doch ahnen weder die Gräfin noch der Herzog, daß der Liebesbote ein als Junker verkleidetes Mädchen sei, das sich seinerseits in solcher Maske in die Nähe des Herzogs geschlichen hat, dem seine Neigung gehört.
Dieses reine Lustspielmotiv wird dadurch überhöht und gesteigert, daß die also für einen Mann gehaltene, Caesario genannte, liebende und geliebte Viola ihrem Bruder Sebastian zum Verwechseln ähnlich sieht, und daß beide Geschwister einander für tot halten, bei einem Schiffbruch ums Leben gekommen. Das zarte Liebesspiel übers Kreuz erhält seine derbe Begleitmelodie und kontrastierende Spiegelung im ausgelassenen Rüpelspiel des Narren und der närrischen Junker und wird zuletzt doch aufs glücklichste entwirrt und geschlichtet, indem sowohl die Geschwister als auch die richtigen Paare einander in die Arme fliegen.
Gießener Stadttheater.
Freilicht-Auffiihruna: „Was Ihr wollt" von Shakespeare.
Mit dieser hochsommerlichen Aufführung im Garten des Stadthauses an der Bergstraße kam die Theaterleitung Bestrebungen unseres kulturellen Lebens entgegen, die in der jüngsten Zeit eine zuvor nicht geahnte Ausbreitung und Bedeutung gewonnen haben. Mit der Rückkehr zum Theater unter freiem Himmel, die, entwicklungsgeschichtlich betrachtet, zugleich eine Hinwendung zu den Anfängen des Theaterspieles und Dramas in unserem Kulturkreise überhaupt bedeutet, will man bewußt nicht nur die ursprüngliche Form sondern auch den Geist und die volkhasten Grundlagen der dramatischen Kunst neu beleben.
Bestrebungen dieser Art mußten über kurz oder lang auf die Probleme stoßen, die das Freilichtspiel von jeher begleitet haben, Probleme vor allem räumlicher und stofflicher Art. Während jene verhältnismäßig leicht und zweckdienlich gelöst werden konnten und können, bereiteten diese ernstere Sor- aen schon deswegen, weil das große Repertoire unseres klastischen und modernen Schauspiels verhältnismäßig arm ist an Stücken, die sich ihrem Stil und ihrem inneren Wesen nach zwanglos (darauf kommt es doch wohl an) für eine Aufführung im Freien eignen oder sogar anbieten. Man hat deshalb in jüngster Zeit folgerichtig die entscheidende Lösung dieses Generalproblems in der Schaffung eigener, neuer, ausdrücklich für das Freilicht-Theater geschriebener Stücke gefunden oder doch in Angriff genommen.
In dem kleinen Vorrat von Haus aus geeigneter Werke der vorhandenen dramatischen Literatur haben die shakespeareschen Lustspiele, allen voran der „Sommernachtstraum", seit jeher eine bevorzugte Stellung eingenommen. Die Reihe der Stücke, die bei Shakespeare unter der Bezeichnung „comedy“ zusammengefaßt werden, umgreift von der „Komödie der Irrungen" bis zum „Kaufmann von Venedig" in bezaubernder Spannweite, dichterischer Fülle und Vielfalt alle Stufengrade und Schattierungen einer heiteren Schauspielkunst — vom schwankhaften Scherzo der Verwechslungen bis zur fast tragisch beschatteten, ernsten Komödie im höchsten und reinsten Sinne.
Als Herzog Orsino traf Herr Sieten mit Geschmack den rechten Stil für einen milden und verliebten Märchenfürsten im Lande Illyrien. Fräulein Flemming war als Olivia elegant und anmutig zugleich, mit Laune hingegeben an den Wechsel der Stimmungen und Gefühle, welche diese Gestalt bewegen. Als Viola führte sich in Fräulein Lorie Pflug eine neue Darstellerin recht vorteilhaft ein: schlankes Figürchen, dem man die Verwandlung und Verwechslung glauben mochte; sie fand sich in der nicht ganz einfachen Rolle schnell zurecht und behielt bis zuletzt die vielfach verschlungenen Fäden in der Hand.
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Herr Kühne holte sich als steif und geckenhaft, „mit gekreuzten Kniegürteln" wild verliebt daherstolzierender, halb eitler, halb grilliger Malvolio einen Sonderapplaus. — Von stürmischer Ausgelassenheit war das närrische Terzett: insbesondere Herr Hub als Tobias wirtschaftete mit tollem Redefluß und drastischen Gebärden aus dem Vollen und bereicherte den seligen Shakespeare mit ungeahnten Improvisationen; Herr Michel machte sehr hübsch den Narren mit Witz, Beweglichkeit und allerlei Gesang; Herr Lüpke als Bleichenwang war ein Ritter nicht ohne Furcht, aber von betörender Einfalt des Gemütes. Fräulein W i e l a n d e r war das muntere und zu vielen Scherzen aufgelegte Kammerzöfchen Maria. Auch alle übrigen machten sich mit Lust und Liebe um die Aufführung verdient. —
Das Publikum kam bald in Stimmung und spendete angeregt und erheitert Beifall. hth.
Zeitschriften.
— „D a s Innere Reich." Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben. Herausgeber: Paul A l v e r d e s und K. B. von Mechow. Preis pro Heft 1,80 Mark. Verlag Albert Sangern Georg Müller, München. — Im Juliheft lesen wir u. a. Proben aus den Gedichten von Ernst Bertram. Selten ist nordisches Wesen im dunklen Wort so Klang geworden wie in diesen Versen. Georg Brittings Erzählung „Das Fliederbäumchen" hat wieder die intensive Nähe zu Mensch und Landschaft, die alle seine Arbeiten auszeichnet. Den bedeutendsten Beitrag dieses Heftes darf man wohl in Wilhelm Schäfers „Christophorus-Rede" sehen, die — kommend aus dem Herzen eines aufrechten deutschen Menschen und geformt mit der Sprachkraft eines echten Dichters — uns alle angeht. Schäfer spricht darin von der Erschütterung des religiösen Lebens, die zu neuer Gläubigkeit führen muß. Außer diesem herrlichen Bekenntnis zu deutscher Gläubigkeit und deutscher Aufgabe bringt das
Heft noch die Fortsetzung von Emil Straußens großem Roman „Das Riesenspielzeug", den Schluß von Curt Langenbecks Tragödie „Alexander" und das Weihespiel „Das kaiserliche Liebesgespräch" von Konrad Weiß, das zu Ostern dieses Jahres durch den Reichssender München uraufgeführt wurde.
— Das „I n f e l f ch i f f", Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages, eröffnet fein neues Heft (Sommer 1934) mit einer ausgreifenden Würdigung der Dichterin Ricarda Huch von Reinhard Buchwald zu ihxem 70. Geburtstage. Nach dem Empfang des kürzlich an dieser Stelle empfohlenen kleinen Schmetterlingsbuches sandte Hermann Hesse dem Insel-Verlag als Gruß und Dank ein schönes Gedicht „Schmetterlinge im August", das im vorliegenden Heft zu lesen ist. Zwei Proben aus dem Werk eines jungen deutschböhmischen Dichters, Josef Mühlbergers aus Trautenau: eine Szene aus einem preisgekrönten Wallenstein-Drama, die zu naheliegenden, interessanten Vergleichen anregt, und ein Prosastück „Erlebnis im Krieg"; auf seine im Insel- Verlag soeben erschienene Erzählung „Die Knaben und der Fluß" werden wir noch zurückkommen. Ein neues farbiges Insel-Bändchen, „Das kleine Buch der Vögel und Nester", wird mit einer Bildprobe und einem Auszug aus dem Geleitwort von Heinz Graupner anqefünbigt. Vom ferneren Inhalt seien genannt die Beiträge zum Gedächtnis von Rudolf Koch, „Möglichkeiten deutscher Klassik" von Ernst Bertram und eine reizende kleine Plauderei von Otto Nebelthau über das aktuelle, auch für weibliche Leser beachtliche Thema „Vom Garten im Sommer und von der Aalsuppe". — Aus den Mitteilungen des Verlages dürfte die Feststellung interessieren, daß das allererste Insel-Bändchen, Rilkes „Weise von Liebe und Tod", nunmehr eine halbe Million Auslage erreicht hat.
— Die „Deutsche Ze.itschrist" (Verlag Georg D. W. Callwey, München) hat ihr Juli-Heft dem Generalthema „Das (9efid)t Frankreichs" gewidmet und eine Reihe französischer Schriftsteller eingeladen, sich über einige der brennendsten Probleme der europäischen Gegenwart zu äußern; sehr aufschlußreich und zum Nachdenken anregend, was hier von jenseits der Westgrenze u. a. über die französische Außenpolitik, über die Zerrbilder und Vorurteile, die drüben im Hinblick auf Deutschland verbreitet sind, und über den Gesinnungswandel in der französischen Jugend gesagt wird. Aus dem onftigen Inhalt des Heftes sind die Gedenkartikel für Ricarda Huch, Professor Rudolf Kocb. den Offenbacher Schriftkünstler, und Richard Strauß hervorzuheben, ferner die Film- und Buchberichte. Aus dem Bilderteil: Reproduktionen nach Arbeiten des süddeutschen Malers Max Unold, der im Text von Ulrich Christoffel charakterisiert wird.


