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Vortrag von Kreisschulungsleiter Michel.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Reifende Jugend". .Waldeslust", am Flughafen: ab 17 Uhr: Kon­zert.

Märchen st adt Liliput auf Os- waldsgarten. Schaefers Original-Märchenstadt Liliput wird auf Oswaldsgarten ein Gastspiel geben. (Siehe heutige Anzeige.)

** Würdige Ausgestaltung der Ehrenfriedhöfe. Der Deutsche Ehrenfriedhof auf dem Neuen Friedhof am Rodberg soll eine Ver- besserung erfahren, und zwar insofern, als sämtliche

^0rei Zratellinis" in Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Durch Gemeinschaftsarbeit des Stadttheaters mit der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" und der NS.- Kulturgemeinde (Deutsche Bühne und Kampfbund für deutsche Kultur) hat sich ein zweitägiges Gastspiel der drei weltberühmten italienischen Clowns (Gino, Mar und Gustavo Fratinelli) in der Volkshalle Gießen am 30. und 31. Juli ermöglichen lassen. Das Gastspiel verspricht ein großes Fest der Fröhlichkeit, heiterster Lust und sorgloser Ausgelassenheit zu werden. Der eigentliche Programmteil der drei Clowns, der fast eine Stunde dauert, wird eingeleitet durch ein glänzendes Varieteprogramm, das einige unserer besten deut­schen Artisten vereinigt. (Man beachte die heutige Anzeige.)

OerNachrichten-Sonderdienst desGA.

Unser Nachrichten - Sonderdienst unterrichtete gestern abend die Bevölkerung von Gießen und der unmittelbaren Vororte über die bedeutsamen Er­eignisse in Oesterreich durch die Weitergabe der Meldungen an die Verkehrslokale. Die Mitteilungen wurden allenthalben mit sehr starkem Interesse aus­genommen.

(^icftener Wochenmarktpreise

Gießen, 26. Juli. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 bis 1,35 Mark, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), Klasse S 10^, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, Wirsing (grün), das Pfund 15, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15, Gelbe Ruben 10 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 25, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 12, Rhabarber 8 bis 9, Kartoffeln (neue) 7 bis 8, der Zentner 6,50 bis 7 Mark, Frühäpfel, das Pfund 20 bis 25 Pf., Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 25 und 30, Himbeeren 25, Brombeeren 30, Birnen 20 bis 30, Kirschen 20 bis 25, Stachelbeeren 12 bis 15, Johannisbeeren 15, Pflaumen 15 bis 20, Zwetschen 25 bis 30, Mira­bellen 20 bis 25, Reineklauden 18 bis 20 junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 10 bis 70, Salat 8 bis 10, Salatgurken 8 bis 25, Einmachgurken 2 bis 3, Endivien 25 bis 30, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch (Suppengrünes) 5, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bund 8 Pf.

Inschriften auf den 285 Denksteinen überholt wer­den sollen. Für den Russischen Ehrenfriedhof ist an Stelle der kleinen Holzkreuze die Aufstellung von 170 Denksteinen vorgesehen. Die notwendiaen Ar­beiten sind in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil ausgeschrieben.

** E i n Nachwort zum 116er°Tag. Dom Musik- und Vergnügungsausschuß des 116er-Tages werden wir um die Aufnahme folgender Zeilen ge­beten:Seitens der Festbesucher wurde wiederholt darüber Klage geführt, daß die Volkshalle am Sonntagabend kurz nach 20 Uhr geschlossen wurde, anstatt diese weiter für die Besucher offenzulassen. Der Festausschuß war infolge Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Festzelte gezwungen, die am Trieb gelegenen Wirtschastslokale wie Dolkshalle, Liebigshöhe und Schützenhaus für den 116er-Tag zu verpflichten, und der Festausschuß mußte die Bedingung eingehen, sämtliche Standquartiere der Formationen in diese Lokale zu legen. Da sich durch diese Maßnahmen aber das ganze Festtreiben außerhalb der Stadt abspielte, mußte daran ge­dacht werden, auch die in der Stadt gelegenen Wirtschaften an dem Massenbesuch teilnehmen zu lassen. Nur aus diesem Grunde war bestimmt, die Volkshalle um 20 Uhr zu schließen, und es ist auch trotz des einsetzenden leichten Regens daran fest­gehalten worden. Der Zweck dieser Maßnahme, daß nicht nur einige, sondern möglichst alle Gießener Wirtschaftslokale Nutzen an dem Massenbesuch der ehemaligen alten Soldaten haben sollten, ist voll und ganz erreicht worden, denn es hatten durch­weg alle Wirtschaftslokale in der Stadt am Sonn­tagabend erheblichen, zum Teil sehr starken Besuch aufzuweisen."

** Fahrgeldermäßigung b ei der Kraftpost für Lehrgänge des Reichs-

Rauschen des deutschen Blutes. Das deutsche Volt habe sich auch aus der Stimme des Herzens her­aus finden müssen und gefunden.

Adolf Hitler der Führer und Kanzler sei uns allen ein Vorbild. Er verzichte auf alles, weil ee wisse, daß in Deutschland noch viele Menschen irt Not und Elend befangen seien. Wir alle müßten seinen Weg gehen. Er habe die NS.-Volkswohlfahrt nicht geschaffen, um einer Notverordnung aus dem Wege zu gehen, sondern einzig und allein in dem Wunsche, dem ärmsten Volksgenossen helfen zu kön­nen. Wir brauchten immer nur den Worten des Führers zu glauben, dann sei uns der Weg klar vorgezeichnet. Der Weg fei manchmal hart und der Schweiß könne uns aus allen Poren brechen, wir dürften uns dessen aber bewußt sein, daß der Füh­rer immer mit uns sei. Das Volk vertraue dem Führer und habe sich gefunden. Wer heute glaube, immer nur Ansprüche zu haben, wer 50 v. H. seines Gehaltes opfere und es nicht als ein Opfer zu emp­finden brauche, weil er auch dann noch gut leben könne, der habe noch lange nicht so viel geopfert wie jene, die vor dem äußeren und inneren Feinde ihr Blut gaben.

Uns allen müsse klar sein, daß wir als Einzelne nichts seien, das Vaterland und das Volk in feiner Gesamtheit aber alles. Und wenn der stellvertre­tende Führer sage, daß jeder Baum und Strauch unserer deutschen Heimat verteidigt werde, dann fön ne er es sagen im Vertrauen auf das ganze

Die Pflichten, die wir zu erfüllen hätten, seien chwerer als je. Die NSV. kämpfe einen harten Kampf ifür das Volk. Millionen seien Mitglieder. Wollte Gott, daß sie Mitglieder seien mit ganzem Herzen, bereit, alles zu opfern für Deutschland. Den Kindern, die heute auf das Land kämen, dürfe der Lebensraum nicht verweigert werden. Sie müßten alle spüren, daß der Führer hinter ihnen tehe, daß er bemüht fei, allen zu helfen.

Der die Kinder aber nicht völlig uneigennützig zu sich nehme, habe nie die Liebe zur deutschen Jugend gefühlt, die die Zukunft des deutschen

Volkes darstelle.

Oberschlesien sei Grenzland, Land des Kamp­fes um die Erhaltung des Deutschtums, des Kamp­fes um die Existenz und um Brot, um die Arbeits­stätte, ein Land, das viel Großes erleben lasse, und diese einmal empfangenen Eindrücke niemals wieder vergessen werden könnten. Alle jene, denen der Idealismus fremd sei, müßten dorthin geführt werden, müßten erleben, wie jene Menschen in Oberschlesien niemals ihr Deutschtum um irgend eines materiellen Vorteiles opfern würden, die nicht )on ihrem Lande ließen, auch wenn es in der Car- ten-Zentrum-Grube jährlich 60 bis 70 Tote gebe. Taufende fahren täglich in die Gruben, nicht wis- end, ob sie das Tageslicht wieder erblickten, doch liege ein Lächeln auf diesen Gesichtern und freudig klinge dasHeil Hitler!", wenn Deutsche aus ande­ren Gauen diese Menschen an ihren Arbeitsstätten besuchten.

Gelrost gingen sie immer an ihre Arbeitsstätte unter Tag, weil sie auch wühlen, daß für ihre Familie, wenn sie das Schicksal einmal aus dem Leben reihen sollte, das ganze deutsche

Volk sorge.

Und wenn sie dann die Schicht hinter sich haben, dann seien sie immer noch für ihr Volk da, seien noch bereit, zu Helsen und zu opfern. So lange Men­schen, wie jene, lebten, könne Deutschland nicht un­tergehen. Und jene Menschen in Oberschlesien seien nicht verbittert, seien nicht böse über ihr Geschick. Sie wollten auch gar nicht fort aus jenem Lande des Leides, sondern ausharren an der. Stelle, an der schon der Großvater stand und die Kinder stehen sollen.

Der oberschlesische Arbeiter, der, einstmals ver­fuhrt, Marxist gewesen sei, sei heute der treuesten einer in der Volksgemeinschaft und arbeite um geringen Lohn um des Vaterlandes und um feines Volkes willen. Dem Deutschen in Oberschlesien aber müsse sein Leben erleichtert werden und wenn es gelte, zu opfern für diesen Teil unserer Volks­genossen, dann dürfe keiner sagen, daß er nicht opfern könne. Aus dem Herzen gegebene brüder­liche Liebe müsse es aber sein, die jenen entgegen» «werde und nicht betonte Barmherzigkeit.

fer dürfe nicht als eine Gelegenheit be­trachtet werden, um sich selbst in den Vordergrund stellen zu lassen.

Wenn von Oberfchlefien, von der Saar und aus dem Ruhrgebiet Kinder kämen, um bei uns Aufnahme zu finden, dann dürfe diese Auf­nahme nicht aus irgendeinem fadenscheinigen Grunde abgelehnt werden. Wer hier die Hilfe ablehne, habe die Volksgemeinschaft falsch ver­standen, anstatt sie zu beweisen.

Volksgemeinschaft könne nur vom Herzen kommen und werde nur bestimmt von dem empfundenen

»<5eif des oder seis des nett?"

' Stehe ich da beim 116er-Treffen abends in der Volkshalle und suche nach einem Platz. Da kom­men zwei Bauern aneinander vorbei, dem Dialekt nach ein Wetterauer und ein Vogelsber­ger. Zwei Meter voneinander bleiben sie instink­tiv stehen und bohren ihre Blicke ineinander. Sie haben sich seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Ihre Züge klären sich auf, sie lachen sich an. Sagt der Wetterauer zu dem Vogelsberger:Ich waß nett, seis des ober seis des nett?" Darauf der Vogelsberger:Woas meich ogitt (angeht), eich seis, oroer ob dau dos birst, das waaß eich nett!" Lachen beiderseits und darauf der Wetter­auer:Alleweil waaß ich, deß des feist, Dau hast fchut bei de Gombenie e dies Maul!" Anschlie­ßend fand ein Marathonlauf nach dem Bieraus­schank statt. Fi.

Die Ortsgruppe Gießen-Nord der NS.- Volkswohlfahrt hatte ihre Amtsleiter und Mitglieder sowie auch die Amtsleiter und Mitglieder der übrigen Ortsgruppen zu einer Versammlung in das Caf6 Leib eingeladen. Die Veranstaltung war gut besucht und nahm einen sehr anregenden Verlauf.

Der stellvertretende Ortsgruppenamtsleiter Pg. I ö ck e l hieß die Teilnehmer, insbesondere aber den Redner des Abends herzlich willkommen und führte in weniaen Worten aus, daß die Mitglieder, die sich der NSV. angeschlossen haben, sehr wohl ein An­recht darauf hätten, zu wissen, in welcher Weise die aufgebrachten Gelder dem notleidenden Teil un­seres Volkes nutzbar gemacht würden.

Kreisschulungsleiter pg. Michel schilderte sodann seine Eindrücke van einer Fahrt in das oberschlesische Land. Er wolle, so betonte er, mit seinen Ausführungen, den Weg zeigen, den die Regierung beschritten habe, als sie die National­sozialistische Volkswohlfahrt schuf und mit ihr ein Werk, das seinesgleichen auf der ganzen Welt suche.

nährstandes. Auf Antrag des Reichsnährstan­des hat der Reichspostminister genehmigt, daß den Teilnehmern an Schulungs- und Führer-Lehrgän­gen des Reichsnährstandes ober seiner Lanbesbau- ernschaften bis auf weiteres gegen jederzeitigen Widerruf eine Fahrgeldermäßigung von 50 v. H. bei Benutzung von Kraftposten zwischen dem Wohn-« ort und bem Lehrgangsort gewährt wird, soweit es sich hierbei um Kraftpostfahrten auf Strecken ohne Eisenbahnverbindung handelt. Als Ausweis für die Inanspruchnahme dieser Fahrgeldermäßigung dient nur das vom Reichsnährstand ausgestellte Ein­berufungsschreiben zum Lehrgang.

** Die Auszahlung der Militärver- sorgungsaebührnisse (Heeresrenten) für den Monat August erfolgt bereits am Samstag, 28. Juli.

** Einzigartige Leistung einer Brief­taube. Am gestrigen Mittwoch kehrte eine Brief­taube zu ihrem Besitzer, Herrn Willi M ö h l - Wieseck, zurück, bie zusammen mit anberen deutschen Brieftauben in Burgas in Spanien am Samstag aufgelassen worben war. Die Strecke, bie bie Taube zurücklegte, betrug etwa 1500 km Luftlinie. Die Auflassung in Burgas war die erste Auflassung eines zwischen sechs ßänbern vereinbarten Brief- tauben-Preis-Flugwettbewerbs.

** Kinber reifen an bie Nordsee. Zu ber von uns gestern gebrachten Notiz über Kinber an bie Ostsee" teilt uns bas Kreisjugenbamt Gießen bericfjtigenb mit, baß es sich nicht um Kinber aus Gießen, fonbern aus bem Kreise Gießen hanbelt, bie nicht von zwei Herren bes Kreisjugend- ömtcs, fonbern von zwei Kreisfürsorgerinnen be­gleitet werben. Die Kur wirb nicht an ber Ostsee, fonbern in Orbing an ber Norbsee burchgeführt.

So wie bie NSV. für bie Kinber sorge, bie jetzt leben, so wolle sie auch sorgen für jene, bie noch geboren werben sollen. Bei biesem Werk für bie Zukunft abfeits geftanben zu haben, biefen Vorwurf bürsten wir niemals auf uns nehmen.

Nationalsozialist sei man nicht von heute auf morgen, fei es nicht burch eine noch so große Geld- fpenbe, fonbern nur burch bas Herz auf bem rechten Fleck, nur burch bie rechte Tat. Die NSV. habe große Taten gezeigt im vergangenen Winter, zeige sie jetzt im Sommer, unb werbe sie roieber zeigen, wenn roieber ber Winter in bas Lanb ziehe. Alles Werk erwachse aber aus nationalsozialistischem Jde- alismus, ber uns niemals verloren gehen bürfe. Aus biesem Idealismus heraus müsse stets gekämpft unb gearbeitet werben. Gemeinsam müsse unser Weg gegangen werben; ber Akabemiker müsse neben bem Bauer, ber Arbeiter neben bem Geschäftsmann flehen im gleichen Geiste, im Geiste bes Führers. Der Geist Abolf Hitlers in unserem Volke bürfe nie verfälscht werben. Wer es versuche, werde seine gerechte Strafe finden müssen. Wer sich gar an Geldern bes Volkes vergreife, werbe einer unerbitt­lichen Härte begegnen müssen.

Das Werk der NS.-Volkswohlfahrt habe die große Aufgabe, allen zu helfen, die in Rot feien.

Der Führer stehe unb halte bie Fahne, so, wie er es in 14 schweren Jahren getan habe. Er tue seine Pflicht bem Volke gegenüber zu jeber Zeit. Wir aber müßten, wo wir auch stehen, auch unsere Pflicht tun in unwanbelbarer Treue. Nicht um irgenb einer Anerkennung willen solle geholfen werben, fonbern um bes ganzen beutschen Volkes 5>,Uf?nr-fliegenben Fahnen unb bem Horst- Weffel-Lied auf ben Lippen müßten wir bei bem

sich

um

er-

Santikoff wußte, daß ber Flüchtling nicht weit gekommen fein konnte. In dieser Wald- und Berg- wirrnis ohne Weg unb Steg fand sich nur ein Kundiger zurecht. Wer nicht genau Bescheid wußte, war von steten Gefahren umgeben.

Er machte sich ernstlich Sorge um Walterstorff unb traf sofort Anstalten, um den Entflohenen zu finden.

*

Wolterstorff hatte eine strapaziöse Nacht hinter sich.

Gewiß bot sich ihm ein Panorama von einzig­artiger, wildromantischer Pracht. Aber der Runb- blick war boch verhältnismäßig eng.

An allen Seiten türmten sich Berge hoch, bie in ihrer Einförmigkeit keine Möglichkeit zu einwand­freier Orientierung boten.

Er war müde und abgespannt und legte sich beshalb unter einem Felsvorsprung zum Schlaf nieber. Die Anstrengungen während der Nacht zwangen naturnotmenbig zur Ruhe.

Ein paar Stunben später weckte ihn ber Schrei eines großen Raubvogels.

Es mußte schon über Mittag sein, benn bie Sonne, bie zeitweise Gewölk durchdrang, stanb steil über ihm.

Er fühlte sich kräftig unb beschloß deshalb, weiter- zumarschieren, um möglichst vor Abend, vor Son­nenuntergang, den Gebirgsrand zu erreichen. Es schien ihm nämlich, als erstrecke sich im Sübosten eine Hochebene. Möglich, daß er bort auf menschliche eiebfungen stieß unb Hilfe erhielt.

3um erftdn Male griff er jetzt auch seinen kärg­lichen Lebensmittelvorrat an.

Gestärkt machte er sich dann auf den Weg. Santikoff hatte alles moboil gemacht, was er erreichen konnte.

Sn verhältnismäßig kurzer Frist waren zahlreiche Manner zu Füßen des Burgberges versammelt, die von ihm Anweisung erhielten, nach welcher Rich- tung hin sie ihre Nachforschungen anzustellen hatten. Jeder Trupp führte einen oder mehrere Hunde bei sich.

Santikosf selbst machte sich mit auf die Suche.

Es war ihm unb feinen Leuten ein Leichtes, ?urch den Busch zu dringen. Das Gelände hier war ihre Heimat, bie sie durch unb burch kannten. Schwierigkeiten waren ben wetterharten, kernigen Gebirglern fremb. Außerdem wurden sie durch ihren Gehorsam und ihre Treue zu Santikoff, der ihr Herr unb Führer war, zu impulsiver Leistunqs- kraft angestachelt. Sie sahen, baß ihm viel daran

Der Berg, den er aus Orientierungsgründen zu besteigen für notwendig erachtet hatte, erwies "' als unzugänglicher als er geglaubt.

Nur mühsam kam er hoch.

Stunde um Stunde verrann.

Bei Morgengrauen erreichte er die Spitze, aber eine niederschmetternde Enttäuschung zu leben.

ZweiMmm and Hilda

Roman von Hermann W. Walber.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 13 Fortfetzung Nachdruck oerboten!

Ein schöner Sonnensonntagmorgen!

In den Anlagen des Tennisklubs herrschte trotz der frühen Stunde schon reger Betrieb. Alle Felder waren besetzt.

Hilda und ßiesgreta saßen auf einer Bank, und oor_ ihnen standen ihre Bräutigame.

Sie scherzten und lachten und vertrieben sich so die Zeit, bis sie zu spielen an der Reihe sein wurden.

ßiesgreta", fragte nun neckisch Hilda die Freun­din,findest du nicht auch, daß unsere zwei beiden «ad)9tergctot?"aU5,e6Cn- 015 * *äen fie öie 0an3e

Ja, ja, Hilda, ich glaube auch, mit denen wird heute beim Spiel nicht viel Staat zu machen sein!" gab ßiesgreta lachend als Antwort zurück.

v't'rSu tütte sehr um Verzeihung, wenn ich mir Höflichst zu widersprechen erlaube!" meinte Doktor Zecker.Ich bin ein paarmal diese Nacht in die 4WS gerufen worden. Das dürfte mich wohl ent­schuldigen."

itnsrR?£!te \n Ziemlich gereiztem Tone gesprochen und bedauerte dies sofort. Die Mädels waren un­schuldig. Sie hatten doch keine Ahnung, was ihn nachts geplagt und ihm keine Ruhe gelassen. 9

"Richt gleich so böse sein, ßieber!" sah ihn ßies» greta schelmisch an. ßachend und versöhnt griff er nach ber sich ihm entgegenstreckenden Hanb ber cieöjten.

fS(Är W 9tir nichts!" brohte Hilda

lächelnd> mit bem Finger.Er sieht so schuldbewußt drein. Komm mal her, Schlingel beichte'"

^Wn! Ich bin ein schlimmer ©nüber! fugte er sich mit zerknirschter Komik in l°n-e"6lef) "al, , bald hört mein Jung­gesellentum auf, meine Freiheit wirb bahin sein __

mufcUifh Äs^obe doch Freunde, und von denen muh ich Abschied nehmen.

Ach du! Da ist wohl der gestrige Tag etwas langer geworden? Na, warte nur, daß mir das nicht noch einmal vorkommt!"

. ÖQbeJZu sich heran, drückte zärtlich seine Hand, und es hatte wahrlich nicht viel gefehlt geküßt^ot e ihren Verlobten vor allen Leuten ßiesgreta fragte:

Sollen wir denn das ganze Tennis für heute ma4en?b"M eitC ° Unb Iieber einen Spaziergang

Die Herren protestierten. Sie wollten den Damen die Freude nicht verderben.

gelegen war, des Fremdlings wieder habhaft zu werden, und dieser Wunsch ihres Gebieters spornte sie mächtig an und ließ sie keine Mühe verdrießen.

Prachianu war inzwischen wieder entlassen wor- x n- Er zog sich an den Grenzort zurück, wo er oas Vorliegen von Nachrichten Myas vermutete.

Er fand ein Telegramm vor. Es lautete:Abreifet

fofort, Anwesenheit dringend erforderlich!"

Prachianu wußte, daß Wolterstorff gemeint war.

hatte mit Mya vereinbart, daß Wolterstorffs Name nicht genannt werden sollte, um Weiterungen oie für ihn, Prachianu, gefährlich werden konnten' zu vermeiden.

Er drahtete in unverfänglicher Ausmachung die neue Situation und sicherte laufende Nachrichten ZU.

E? blieb ihm selbst nichts weiter übrig als zu roarten. Daß ihm tn dieser erzwungenen Ruhepause zumute war als säße er auf heißen Kohlen, ergab sich von selber. a

Doktor Becker traf sich am Montag zweimal mit Mya Korber, und zwar war als Treffpunkt das elterliche Haus in Potsdam bestimmt. Man mußte ia damit rechnen, in Berlin selbst unter Beobachtung durch Kirchhofen zu stehen. ' 9

bebeutete für bie beiben einen schweren Schlag als bie Nachricht aus Rumänien eintrat Wolters- torff fei gefluchtet unb vorläufig noch nicht ae- funben. Hatten sie boch mit seinem Eintreffen am Dienstag gerechnet. 11

nenau fest" weitere,Vorgehen lag an sich

Fch weiß nicht ich bin heute so besonbers froh und glücklich. Eigentlich schon seit gestern. Ob das bie Nachricht über Knauer getan hat? Wie geht es bem armen Menschen denn heute? Schon bei ihm gewesen, Doktor?" sagte Hilda nach einiger Zeit.

Ja, das würde mich auch interessieren!" fiel Hans von Kirchhofen ein.

Doktor Becker beschäftigte sich mit seinem Anzuge, als läge Staub auf ihm, ben es zu beseitigen galt, unbe rroiberte:

',Er hat eine gute Nacht hinter sich. Seit heute früh liegt er wieder in einem bleiernen Schlaf. Kaum, daß er etwas gegessen unb seine Medizin eingenommen hatte, schloß er roieber bie Augen."

Kirchhofen atmete sichtlich auf. Myas Pulver schien also bereits gewirkt zu haben. Offen ge- ftanben, er hatte ber schwarzen Hexe nicht so recht getraut, aber nach bem, was er eben gehört hatte, schien sie bie Wahrheit gesprochen zu haben und tatsächlich im Krankenhaus gewesen zu fein.

__Nun hieß es für ihn nur noch ein bißchen Theaterspielen, bie Zeit bis Dienstag totschlagen. Er sorgte sich nicht mehr, daß sein großer Schlag etwa noch mißglücken könnte.

Doktor Becker hatte unauffällig den Bräutigam Hildas beobachtet und sehr wohl dessen angstvolle Miene bemerkt und bas stille Aufleuchten in feinen Augen, als er von bem bleiernen Schlaf Knauers hörte.

Könnte er bem Menschen boch die Maske vom Gesicht reißen! Aber vorläufig mußte er ja noch gute Miene zum bösen Spiel machen. Wieviel Un­glück konnte entstehen, wenn er vorzeitig ben Ver­brecher entlarvte.

-Jetzt aber ran!" rief Hilba.Dort wirb ein Felb frei! Nun wollen wir zwei also, ßiesgreta, ben Mannsleuten die Beine etwas gelenkig machen."

Der Sonntag verlief ohne weiteren Zwischenfall.

Prachianu war noch am Samstag abgereift.

In der Nacht zum Montag erreichte er den kleinen Grenzort, wo er von dem benachrichtigten Santikoff an geheimer Stelle empfangen wurde. In kurzen Zügen fetzte Prachianu den Freund, ber übrigens bem Alter nach fein Vater fein konnte, in Kenntnis, unb bann machten sich beide im Kraftwagen auf bie Fahrt nach ben Bergen, um Wolterstorff bie Frei­heit wiederzugeben. Den letzten Teil mußten sie zu Fuß zurücklegen, ba es keine befahrbaren Straßen gab. Der Wagen blieb unterbeffen in einem Dorfe bei Freunben.

Das war eine große Ueberrafchung, als sie nach mehreren Stunden ihr Ziel erreichten und feststellen mußten, baß ihr Gefangener entwichen war.

Santikoff schimpfte und fluchte, und die Peitsche sauste schwer auf den Rücken des pflichtvergessenen Wächters nieder.

Seit vierunbzwanzig Stunden war das Nest leer. I

21m Dienstag sollte Notar Althaus ins Vertrauen gezogen werden. Man wollte den von diesem an" gesetzten Termin, an dem Kirchhofen zum Werks­direktor ernannt werben sollte, so lanae hinaus- W°!.ttrstorff zurück war. Ihm sollte die Entscheidung überlassen werden, inwieweit Maß- u°hmen gegen Kirchhofen zu ergreifen waren. rnm!h-iC^te ^wadalvermeidung war die Grund- Wolterstor^s -Es mar anzunehmen, daß

mi? Kaltstellung Kirchhofens

m!.t Rücksicht auf Hilda Geyerling bewenden lassen Är^inbÄ ?Dd) Knauer. Aber sicherlich würde Ä Lr fe£en Aabcn ' - Wenn nicht - nun, bann war es auch nicht zu ändern...

^^ra?nrfrfJe6t^?<ld)bteTn mit rechtzeitiger Rückkehr ^hr gerechnet werden konnte?

h?r lS ?aU5?Ienft. war Doktor Becker unter . grunbung dringlicher Familienangelegen-

e? mitMva^ör?^ Rach? hinein

ui?h ff» r?Cr unb einem Vater zusammen,

und sie beratschlagten, was zu tun sei.

torHl\ue"Ä» Pn ^.nötigenfalls ^ne Wolters- Zunächst aber wollte Becker am

Dienstagfruh den Notar Althaus unterrichten....

(Fortsetzung folgt)