Einzelbild herunterladen

llr.172 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (Vberheffen)

Donnerstag, 26.M 1954

Aus der Provinzialhauptstadt.

Neue Zünfreichsmarkstücke.

Selb.

Wir alle wissen, was das heißt: Geld. Unnötig, seine Nichtigkeit, unnötig seine Allmacht zu beschrei­ben. Wir alle wissen, daß Geld nichts ist gegenüber dem wirklich Großen, gegenüber den reinen Ideen. Und wir wissen, daß nichts Großes, daß keine reine Idee Wirklichkeit werden kann ohne Geld. Das Sprichwort sagt, daß Geld die Freundschaft ver­dirbt. Ist das nicht eine erniedrigende Vorstellung, daß Geld als ebenbürtiger Feind auftreten kann gegen ihm so unendlich wesensferne Dinge wie Liebe und Freundschaft?

Wie ist dies trübe Sprichwort in die Welt ge­kommen?

Das Geld ist ausgebrochen aus den Grenzen sei­ner ökonomischen Befugnis und Daseinsberechti­gung und hat sich wie eine Barriere aufgerichtet zwischen den Menschen. Der eine besitzt soviel und der andere soviel, und schon aus dieser Tatsache heraus entstehen unzählige Mißverständisse und Feindseligkeiten. Anstatt ein schlichtes Austausch­objekt für alle möglichen materiellen Dinge zu blei­ben, wurde das Geld zu einer Eigenschaft, um die herum tausend Heimlichkeiten gewoben werden und nach der zu fragen für unfein gilt. Unmerklich wurde das Geld mit dem Seelischen vermischt, und allmählich verloren die Menschen ihm gegenüber alle Naivität.

Nehmen und Geben, Schenken und Verschenken sind ganz einfache Dinge. Im Moment aber, wo es sich dabei nicht mehr um Gegenstände, sondern um Geld handelt, wird alles schwierig und kompliziert bis an die Grenze der Peinlichkeit. Warum?

Warum derStolz" des Armen, dieVerlegen­heit" des Wohlhabenden, wenn es sich um Geld handelt?

Der eine hat mehr als der andere von dieser lebenswichtigen Substanz. Doch warum vermengt man die Regelung dieses Mißverhältnisses mit Ehrendingen? Was für eine Freude macht es, zu schenken! Aber ist es ebenso beim Verleihen?

Wie schön ist es, etwas geschenkt zu bekommen! Aber geliehen? Alle Freude wird von vornherein durch das Bewußtsein verdorben, daß man es ja früher oder später wiedergeben muß. Im Moment, da dieser faule Handel zwischen Freunden möglich wird, in diesem Moment ist in ihre reine Beziehung der erste Riß gekommen

Man hat sovielSachlichkeit" geredet und ge­schrieben. Fast ein bißchen zu viel. Hier aber, hier ist sie brennend angebracht.

Zn jede Familie ein §amilienstammbuch

Die Maßnahmen der Reichsreqierung auf bevöl­kerungspolitischem und erbgesunoheitlichem Gebiet lassen es als angezeigt erscheinen, daß jede Familie ein Familienstammbuch besitzt. Der Verein für Standesamtswesen in Berlin gibt deshalb ein Deutsches Einheitsfamilien st amm- b u ch" heraus, das von allen deutschen Ministerien zur Anschaffung empfohlen wird.

Dieses Einheitsfamilienstammbuch enthält ein Ge­leitwort über Sippenforschung von Dr. Achim G e r ck e, dem Sachverständigen für Rassenforschung beim Reichsministerium des Innern und anschlie­ßend daran Abhandlungen von Männern der Wis­senschaft übA dieFamilie im Dienste der Rassen­hygiene" und über dieRechtsgrundlage der Fa­milie".

Eine dem Buch einverleibte Sippen- und Ahnen­tafel ermöglicht Eintragung der Voreltern bis zu den Ururgroßeltern zurück und am Schluffe ist ein Verzeichnis der gebräuchlichen Vornamen ange­hängt. Das Buch dient der Eintragung und geschlos­senen Aufbewahrung der wichtigsten Urkunden in rechtsgültiger Form über die Geburt, die Heirat und den Tod der' Familienmitglieder, Über Staats­angehörigkeit, Unterschriftsbeglaubigung ufw. Ein besonderer Wert des Familienstammbuches liegt darin, daß es den Amtsstellen, insbesondere den Standesbeamten gegenüber bei Amtshandlungen als Ausweis zu dienen vermag.

Seit einigen Tagen ist mit der Ausgabe der ! neuen Fünfreichsmarkstücke begonnen worden. Sie unterscheiden sich von den zur Erinnerung an den Tag von Potsdam geprägten Fünfreichsmarkstücken dadurch, daß das bei diesen Münzen auf beiden Seiten des Turmes der Garnisonkirche angebrachte Datum 21. März 1933 und das als Einrahmung dienende Hakenkreuz fehlen. Neben den beiden Fünfreichsmarkftücken mit der Garnisonkirche bleiben die großen Fünfreichsmarkstücke mit dem Eichbaum und die zur Erinnerung an besondere Begebenheiten geprägten Fünfreichsmarkstücke weiter kursfähig.

NGSAp - Amt für Volkswohlfahrt.

Kreisamlsleilung Gießen.

j Velr.: INitgliederstandsmeldung und Veilragsab- rechnung.

Nachstehende Ortsgruppen haben bis heute die Meldung noch nicht abgegeben. Wir ersuchen letzt­malig um sofortige Erledigung:

Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bellersheim, Beltershain, Bettenhausen, Ettingshausen, Gießen- Mitte, Gießen-Nord, Gießen-Ost, Großen-Buseck, Grünberg, Harbach, Lang-Göns, Lich, Mainzlar, Ober-Bessingen, Saasen, Watzenborn-Steinberg, Weitershain.

Ferner wollen die anderen Ortsgruppen, die mit den anderen Meldungen noch im Rückstand sind, diese ebenfalls sofort einsenden.

Heil Hitler!

gez. M o h a u p t, Kreisgeschäftsführer.

Gchadenverhütung und Wmterhilfswerk.

Die NS. - Volkswohlfahrt führt gegen- wärtig mit ihrer Abteilung Schadenverhütung einen großzügigen Aufklärungskampf durch, der sich auf | das gesamte Reichsgebiet erstreckt. Die NSV. hat sich damit zur Aufgabe gesetzt, den Millionen werk­tätiger Volksgenossen, die täglich von Gefahren des Betriebes, der Straße und sogar des eigenen Hei- mes bedroht werden, diese Gefahren klar und ver­ständlich vor Augen zu führen und sie zur Vor­sicht zu mahnen. Ist es notwendig, daß alljährlich 24 000 Menschen ihr Leben durch Unfälle verlieren? Das find täglich 60 Deutsche, die ihr Leben durch Unachtsamkeit, Unkenntnis von Vorschriften oder Leichtsinn verlieren. Es sind Menschen, die in der Vollkraft ihrer Leistungsfähigkeit stehen, gute, deut­sche Arbeitsmenschen. Durch Feuersbrünste wird dem Volke ein Schaden von jährlich 500 Millionen Mark zugefügt, während Ratten, Mäuse, Käfer, Raupen und andere Schädlinge dem deutschen Volke einen Schaden von 400 Millionen Mark zu­fügen. Ungeheuer sind die Schäden, die in den ge­werblichen und landwirtschaftlichen Betrieben vor­kommen. Alles zusammen kommen wir auf eine Gesamtschadenssumme von ungefähr fünf Milliar­den Mark.

Wenn es möglich ist, nur 10 v. H. dieser Summe durch Aufklärungsarbeit zu gewinnen, so erhalten wir dem deutschen Volke 500 Millionen Mark jährlich, womit wir fast zwei Winterhilfswerke durchführen könnten. Da 75 v. H. aller Unfälle vermieden werden könnten, müßten wir bei der richtigen Durchführung des Aufklärungsfeldzuges mindestens 35 v. H. der Unfälle verhindern können. Wir vermeiden dadurch nicht nur einen großen Teil wirtschaftlicher Schäden, sondern wir bewah­ren unser Volk vor Leid, Trauer und Sorgen. Die Schadenverhütung ist keine Aktion, die zeitlich be­grenzt ist Unvorsichtige, Eilige und Leichtsinnige wird es immer geben. Darum müssen wir immer auf dem Bosten sein und dürfen in der Aufklärung nicht ermüden. Unser Leben gehört nicht uns allein, sondern dem ganzen Volk. _____________

weisende Jugend "

Lichtspielhaus

Dieser Film von Robert Adolf S t e m m l e und Walter Supper, den dieEuropa" .nach Max Dreyers SchauspielReifeprüfung" gedreht hat, ist aus mehreren Gründen eine erfreuliche und be­grüßenswerte Erscheinung der deutschen Produk­tion. Zunächst läßt der Film als solcher, äußer­lich, technisch, in Aufnahme und Bildwirkung die sehr sichere, ruhige Hand und den klaren Blick 'eines erfahrenen und begabten Regisseurs erkennen. Carl Froelich wird sich zwar darüber klar gewesen sein, daß er mit seinen Mitteln die inneren Vor­gänge der Fabel auch nicht eindringlicher und über­zeugender zu gestalten vermochte, als es dem Dra­matiker und jeder guten Bühnenaufführung mög­lich war. Daß er hinter diesen Möglichkeiten nir­gends zurückblieb, bedeutet eine hohe Anerkennung für die Spielführung selbst und für ein ausgezeich­net zusammengestelltes, ungewöhnlich geschlossenes und dabei individuell gestuftes Ensemble. Doch ist auch alles geschickt ausgenutzt worden, was die fil­mische Fassung naturgemäß über die Bühnenform hinausgelangen läßt: räumliche Weite, großzügige, unbeengte und un'gesAllte Landschaft und die ganz eigentümliche Atmosphäre des architektonisch pracht­vollen alten Klostergymnasiums einer norddeutschen Stadt an der Wasserkante. Dazu ein interessanter und überraschend geglückter Versuch, die natür­lichen optischen Wirkungen der Kamera mit klang­lichen Elementen zur Verdeutlichung eines seeli­schen Vorganges zu verschmelzen (in einer kleinen, aber starken Szene des jungen Knud, der beim Unterricht durch einen Sinneseindruck gefühlsmäßig getroffen und sofort abgelenkt wird.) Die Regie arbeitet übrigens mit großer Ruhe, beginnt in einem durchaus epischen, stellenweise fast idyllischen Tempo zu schildern und zu erzählen, steigert sich aber zum Schluß in scharf zusammengerafften Szenen zu unmittelbar dramatischer Wirkung. Dies alles mögen mehr oder minder äußere Vorzüge des Films sein, obwohl dergleichen auch heute nicht so häufig und unbestreitbar angetroffen wird, wie man vielleicht vermuten könnte; der erfreulichste Eindruck des Stückes beruht für unser Gefühl auf der schö­nen, gesunden, offenen Menschlichkeit, mit der die Probleme angefaßt, beurteilt und dargestellt wer­den. Das Leben und Zusammenleben einer jungen Generation vor den Toren der Welt und im Kampf um ihre wissenschaftliche und menschliche Reise. Das Verhältnis der Geschlechter innerhalb

dieser Generation zueinander und das Verhältnis zwischen Jungen und Alten. Die Liebesgeschich­ten auch, die verwirrend, gefährlich und kaum lösbar in die vor dem Examen begreiflicherweise näherliegenden Sorgen und Nöte der Abiturienten hineinspielen: das alles wird so unverkrampft, lebendig, menschlich einfach und mit Sinn für Hu­mor wie für die Anforderungen und Lebensgesetze eines innerlich gesunden Geschlechtes junger deutscher Menschen an den Beschauer und Hörer herangetragen, daß er sich dem unmittelbaren Ein­druck schwer wird entziehen können und bestimmt an die Zeit erinnert wird, mag sie nun weit zurück- liegen oder nicht, wo er sich selber iu der gleichen oder ähnlichen Lage befand, seine Prüfung als Schüler oder als Efrarafter zu bestehen hatte und seinen ersten Zusammenstoß mit dem wirklichen Leben und mit einem großen Gesuhl erlebte und in sich austragen mußte. - Wir hoben bereits ange­deutet, wie sehr die schauspielerischen Leistungen in diesem Film zu einem solchen Eindruck beitra­gen. Da ist an erster Stelle Heinrich ® - ° rge zu nennen der zwar manchmal wie ein oller ehr­licher Segelschiffskapitän daherkommt, obwohl er doch der Gymnasialdirektor Broder,en 'ft- ®eorge macht das prachtvolli er gibt einen vorbildlichen Pädagogen, einen Mann mit Herz mit warmem und liebevollem Verständnis sur die ihm anver­trauten jungen Leute, einen °°lerl,ch besorgten Lehrer dem nichts Menschliches fremd isti alles in allem eine Gestalt von wirklicher Reife einer er- wärmenden Güte und inneren Gesundheit Sehr hübsch gesehen und persönlich abgestuft d,e höchst verschiedenen Typen des Kollegiums i vor allem Peter Voß mit einer scharf profilierten Charakter- ftuhie (Br Sterner) und Paul Henckels meiner beängstigend witzigen Charge. Aus dem Schuler- kreise heben sich der von Albert Lieven mit le>- s ^nfHirhpm ^rnvuls und wachem Intellekt vor- r?sM N'e Knud »ad die von Hertha T h i e l e ehr zart und anmutig gegebene Elfriede hervor eine Rolle übrigens, die stark an lhre Aufgabe als Mädchen in Uniform" erinnert. Auch Maneluise Claudius die Enkelin des Dichters, Sabine Peters und die begabte kleine Carfta Lock verdienen lobende Erwähnung.

Es ist 3U wünschen, daß der Film die Beachtung findet die er verdient. Im Beiprogramm sieht man u a eine photographisch wohlgelungene Bilderreihe Deutscher Frühling" und einen Vorspann zu dem Üfa-FilmEinmal eine große Dame sein."

Die Verbuchung der Beitrags­einnahmen zur Sozialversicherung im

Falle des Verzuges.

Von der Allgemeinen Ortskranken­kasse für den Kreis Gießen wird uns geschrieben:

Der Präsident des Landesarbeitsamtes Hessen gibt unserem Landesverband Hessen und Hessen- Nassau des Reichsoerbandes der Ortskrankenkassen e. 23., Frankfurt a. M., unterm 21. Juni 1934 fol­gende Mitteilung:

Die Schwierigkeiten des Beitragseinzugs führen vielfach dazu, Beitragsrückstände unter der Voraus­setzung zu stunden, daß die laufend aufkommenden Beiträge pünktlich am Fälligkeitstage entrichtet werden. Für die Rückstände werden in solchen Fäl­len entweder Ratenzahlungen vereinbart, die über die laufend anfallenden Beiträge hinaus zu ent­richten sind, oder die gesamte rückständige Summe bleibt als vorläufig uneinbringlich in der Schwebe.

Nach den von mir gemachten Beobachtungen er­folgt die Verrechnung der eingehenden Zahlungen in den weitaus meisten Fällen nach Maßgabe der getroffenen Vereinbarungen.

Dieses Verfahren ist unzweckmäßig, weil es die Gefahr in sich birgt, daß im Falle eines Konkurses die bevorrechtigte Forderung als bezahlt gilt, wäh­rend die nicht bevorrechtigte Forderung noch offen steht. Zur Wahrung des Vorrechts nach § 61 der Konkursordnung sollten deshalb unbeschadet anders­lautender Vereinbarungen alle eingehenden Zah­lungen grundsätzlich nur auf die ältesten Rückstände verrechnet werden. Diese Verrechnungsweise wird von mir seit Jahren in allen Fällen, in denen die Reichsanstalt Stundung gewährt, ausdrücklich vgr- geschrieben und zum Bestandteil des Stundungs­abkommens gemacht. In gleicher Weise müßten aber m. E. die Einzugsstellen allgemein vorgehen. Aller­dings ist es zur Vermeidung von etwaigen späte­ren Auseinandersetzungen notwendig, den Beitrags­schuldner über die Verrechnung von vorneherein zu verständigen, d.h. die Verrechnungsweise ausdrück­lich zu vereinbaren. Da der Beitragsschuldner Ent­gegenkommen verlangt, muß er sich es auch gefallen lassen, daß ihm der Gläubiger die Bedingungen diktiert."

Die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen wird in Verfolg dieser Stellungnahme schon mit Rücksicht auf die pünktlich zahlenden Arbeitgeber gemäß § 61 der Konkursordnung die eingehenden Gelder an den Rückständen bis zur restlosen Tilgung derselben verbuchen.

Anmeldepflicht der Milchhändler zum Reichsnährstand.

Auf Grund der öffentlichen Aufforderung des Reichsbauernführers vorn 25. Juni 1934 und der Bekanntmachung des Reichsministers für Ernäh­rung und Landwirtschaft vom 6. Juli d. I. müssen sich alle Milchhändler bei ihrer zuständigen Kreis­bauernschaft für den Reichsnährstand, Reichshaupt­abteilung IV, anmelden. Diese Anmeldung ist auch dann erforderlich, wenn der Anmeldepflichtige schon zu einem anderen Verband, wie z. B. einer milch­wirtschaftlichen Vereinigung bzw. zu einem Milch­wirtschaftsverband, gehört. Erst auf Grund dieser Anmeldung zum Reichsnährstand, Reichshauptab­teilung IV, erfolgt automatisch die Eingliederung in die entsprechende Fachschaft. Anderslautende Mit­teilungen haben keine Gültigkeit. Bis zur endgül­tigen Regelung der Beitragszahlung zum Reichs­nährstand haben die Beitragszahlungen der Milch­händler, die Mitglied von Milchhändlervereinen oder -verbänden sind, wie bisher zu erfolgen.

25 Zahre Bauunternehmung Ernst Wagner.

* Die Firma Ernst Wagner, Bauunternehmusig, Bergstraße, konnte am Samstag den Tag begehen, an dem vor 25 Jahren das Geschäft gegründet wurde. Aus diesem Anlaß war die gesamte Gefolg­schaft eingeladen, diesen Tag in einfacher und wür-

Anordnung.

Es ist in letzter Zeit wiederholt festgestellt wor­den, daß unberufene Instanzen und Gliederungen der Partei zur freiwilligen Mithilfe bei Erntearbeiten und auch sonst zur Arbeits­leistung aufrufen. Diese Anweisungen liegen nicht im Interesse der Arbeitsbeschaffung, sondern stellen vielmehr eine Aufforderung zur Umgehung der Arbeitsämter zur Vermittlung solcher Kräfte, die dann auch der Kontrolle des Gaues ent­zogen werden, dar. Solche Aufrufe bedürfen jeweils der Genehmigung des Gau-Kontrollamts, soweit sie von ParteidienststeUen erfolgen.

Gez.: Sprenger.

Tag der Hunderttausend!

Der große Gebietsaufmarsch der Hitler­jugend auf den 1. und 2.ScPtember verlegt.

Um allen Volksgenossen Gelegenheit zu geben, den Führer, der am 26. August auf Ehrenbreitstein bei Koblenz auf einer großen Saarkundgebung sprechen wird, zu sehen oder zu hören, wird der Tag der hunderttausend", der große Gebietsauf­marsch der Hitlerjugend am 25-/26. August in Frank­furt a. 2H. auf den 1./2. September verlegt.

Die Hitlerjugend-Ausstellung auf dem Frankfurter MessegeländeKampf und Sieg der HI." bleibt vom 19. August bis 5. September unverändert bestehen.

biger Weise mit dem Gründer und dessen Familie sowie den geladenen Gästen zu feiern.

Der Betriebsführer ging in seiner Ansprache auf die Gründung des Geschäftes ein und gab einen Ueberblirf über die vergangenen Jahre. Herr Wagner schilderte die Verhältnisse vor dem Kriege, seine Wiederaufbauarbeit nach Rückkehr aus dem Felde, die Sturm- und Drangjahre während und nach der Inflation bis zur Gegenwart. In einfachen Worten schilderte der Betriebsinhaber Kampf und Erfolg.

Der Sprecher der Gefolgschaft übermittelte dem Betriebsführer die herzlichsten Glückwünsche der Ge­folgschaft und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm gelingen möge, immer den Anteil an Arbeit zu erhalten, der es ihm» ermögliche, sie alle im Ar­beitsprozeß zu erhalten und den Betrieb darüber hinaus noch zu vergrößern. Als äußeres Zeichen der Verbundenheit überreichte der Sprecher inj Namen der Gefolgschaft dem Betriebsführer ein Ehrendiplom.

Als Vertreter des Handwerks übermittelte der Vorsitzende der Handwerkskammer-Nebenstelle Pg. S t ü h l e r die herzlichsten Glückwünsche des ge­samten Handwerks und betonte, daß Betriebsführer und Gefolgschaft eins fein müßten in ihrem Han­deln zum Wohle des Handwerks und zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes. Stadtbaurat G r a -- v e r t überbrachte Glückwünsche im Namen des Städtischen Hochbauamtes und schilderte in kurzen Umrissen die Arbeitsmöglichkeiten der Zukunft für das Handwerk und dessen Auswirkungen für die Gefamtwirtfchaft in unserem Gebiet. Kreisamts­leiter Pg. Himmelseher dankte für die Ein­ladung, übermittelte die Grüße der Arbeitsfront und gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß Ge­folgschaft und Familie gemeinsam diesen Tag feier­ten ein Zeichen der Zusammengehörigkeit.

Der Betriebsführer dankte für die herzlichen Worte und gelobte, weiterzuarbeiten im Sinne unseres Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler. Ein dreifachesSieg-Heil" auf Volk und Vater­land beschloß den offiziellen Teil der Feier. In aefelliger Unterhaltung und bei dem Gesang froher Lieder faßen Betriebsführer und Gefolgschaft noch geraume Zeit beisammen.

Das verzauberte Dors.

Von German M. Donau.

Das haben wir uns als Jungens fo geträumt:

Wir waren durch einen dichten, verwachsenen Wald bergauf gestiegen, dann war da eine Lich­tung, Wiese mit Blumen übersät, und die Wiese stieß an ein altes Gemäuer. Vorsichtig waren wir durch das hohe Gras gewatet, und vor der Mauer horchten wir, was dahinter lebte. Aber alles blieb still. Dann kletterten wir über die Mauer, wo sie schon halb zerfallen war, kamen in einen verwilder­ten Garten, hinter dem sich ein altes Haus versteckte. Das Haus war leer. Alle Häuser des seltsamen Dorfes, das wir entdeckt hatten, waren leer. Wir stapften durch enge Gaffen, wagten uns in dunkle Gänge, in denen es muffig nach Staub und Fleder­mäusen roch. Als es dämmerte, verließen wir das verwunschene Dorf, wie wir es betraten. Wir klet­terten über die Mauer, gingen auf unseren eigenen Spuren durch die Wiese in den Wald und liefen mit unserer Erregung über das Erlebnis schnell zu Tal.

Wenn wir erwachten und mit hellen Augen in die Wälder fliegen, waren sie voller gerader Wege, die zur Höhe führten. Oben aber lag ein Dorf mit sauberen Gehöften. Hinter den Mauern bellten Hunde, und über die Wiesen zogen Mähmaschinen. Da war nichts zu entdecken als eine Gelegenheit, wie wir billig Obst ernten könnten, von den Aesten, die tief über die Mauer hingen.

An meine Knabenträume dachte ich, als ich von dem südlichen See bergwärts stieg, auf steinge- pflaftertem Weg, in dessen Fugen üppig Gras und Unkraut wucherten. Es war so heiß, daß die Luft flimmerte und die Felseninsel im See zu schweben schien. Der Weg flieg im Zickzack bergan und endete wie jener Traumpfad vor einer maüUrbegrenzten Blumenwiese. Riesige alte Kastanien schatteten über das Farbenmeer der Blumen und Gräser. Ich ging die lange Mauer entlang, hinter der eine romantisch verbaute Villa in einsamer Parkwildnis schlief. Das Dorf, in das ich nun behutsam auf schmalen dunklen Gassen hinaufstieg, schien völlig von Menschen ver­lassen. Bis ich den Laut von hellen Knabenstimmen hörte und auf dem Pflaster eine Gruppe von Jun­gens fand, die Karten spielten. Ich fragte sie nach einer Wirtschaft. Sie wiesen nur mit lachenden Ge­sichtern auf das Haus gegenüber. Das trug die kühne Aufschrift: Osteria delle Alpi con Alloggio. Aber dieser kümmerlicheAlpengasthvf"" war ver­schlossen, wo ich auch an verwitterten Türen tlmtte.

Lange noch horte ich das Gelächter der Jungens, die mich angeführt hatten. Auch die nächsten Gaffen waren ausgestorben. Mir war zumute wie in einem Dorf, das die Bewohner, vor einer Katastrophe flüchtend, verlassen hatten. Nur die Kinder waren ahnungslos zurückgeblieben. Ihr Lachen klang lange in meinen Ohren nach, bis ein neues Geräusch die Stimmen verdrängte: Das Plätschern eines Brun­nens. Auf einem winzigen Platz riefelte klares Wasser aus schmalem Rohr in ein Steinbecken. An demPlatz" gab es eine zweite Osteria, die nach dem BrunnenFontana benannt war. Der Wirt, der in der offenen Tür stand, führte mich durch den kleinen Gastraum in ein zweites Zimmer, das wie diegute Stube" unserer Großeltern aussah: Da gab es, als das Auge das Halbdunkel durchdrungen hatte, uralte Sessel, blumige Tischdecken, prächtig gerahmte Bilder von Schlössern und Kirchen, deren Mauern von aufgeklebtem Glimmer farbig glitzerten.

Ich saß an dem runden großen Tisch, auf dem ein riesiger Rosenstrauß moderig alten Duft ver­strömte. Draußen rauschte der Brunnen, und an der Wand verbot ein Schild, von Politik zu sprechen: E proibito parlare di politica. In diesem ver­wunschenen Dorf war das Verbot sicher überflüssig. Hier gab es keine Zeitprobleme, denn es gab kaum Menschen. Hier hatte die Zeit ihre Grenzen ver­loren. Durch Jahre und Jahrhunderte floß der Brunnen. Generationen nach Generationen tranken von ihm und werden von ihm trinken, und das gestern ist so gleichförmig wie das heute und mor­gen. Nur das Schild mit dem Wort Politik verrät die Unruhe, in dem die heutige Welt lebt, die Un­ruhe, die vielleicht schon bis in dieses verlassene Dorf gestiegen ist, bis auf die steinigen Aecker, auf denen die Erwachsenen des Ortes zu dieser Stunde wohl schaffen.

Ich schlürfe den roten Wein, der draußen am Berg gewachsen ist, sehe, wie ein Kind neugierig durch die Tür zu mir hereinspäht und verschwindet.

Seltsam erregt, von den Gestalten meiner Kna­benträume erfüllt, verlasse ich das stille Dorf. Von der Höhe fassen meine Augen den Glanz des Sees und der Wolken: Meine Füße gehen wie von selbst zu Tal.

Wenn ich morgen erwache, will ich wieder zu meinem Dorf hinaufpilgern. Oder soll ich meine Entdeckung für immer in das wohltätige Dunkel der Knabenträume versenken?