Einzelbild herunterladen

Die Hauptpersonen des Dramas

Bundeskanzler Dollfuß f*

Wie es zu Dollfuß'Tod kam

Minister Fey.

Der deutsche Gesandte in Wien abberufen

e Entwicklung der Gesamtsituation in Oesterreich ri lassen die vorliegenden Meldungen keine Vorhersage ,lzu.

Das Echo in England und Amerika

smV Ti ... 1,1 öu oeacyren, oatz oer ^uyrer des Nationalsozialismus überall dort schon eingriff.

doh

so sei er hierzu bereit. Diese Erklärung hat er dar­auf von den Ministern Neustädter-Stür­mer und Fey erhalten und dann noch auf Wunsch des Staatssekretärs Karwinsky, der zu diesem Zweck aus dem immer noch besetzt ge­haltenen Bundeskanzleramt herausgelassen wurde, auch von diesem die Bestätigung des getroffenen Abkommens entgegengenommen.

Kaiserslautern, 25. Juli. (DNB.) Auf einer großen Saarkundgebung führte Landesleiter Pirro in einer Auseinandersetzung in erster Linie mit den Emigranten u. a. aus: Das erste Ba­taillon der Fremdenlegion in unserem Saarlande stellen die Emigranten, die dabei ihr eigenes Geschäft im Auge haben. Nach dem Konkurs, nach der Flucht vor dem Gläubi­geranspruch und dem Staatsanwalt wol­len sie sich hier ein neues Geschäft gründen. Aus der Erkenntnis heraus, daß sie sich in Deutsch­land nicht mehr mästen können, klam­mern sie sich an das Saargebiet. Deshalb sagt der Emigrant:Stimme für den Status quo, dann werde ich aus Dankbarkeit durch meine Anwesen­heit deine Zukunft segnen."

Klosterstürmer und Priestermörder zum Kirchen­erbauer werden? Sie werden die Katholiken so be- handeln, wie man Verräter nach vollbrachter Tat immer behandelt. Als Katholik möchte ich sagen:

Seien wir doch aufrichtig genug gegenüber der geschichtlichen Großtat des Führer! Der Führer hat durch sein Eintreten vielleicht Hundert­tausend Menschen das Leben gerettet. Unter die­sen hunderttausend konnten sogar Priester fein und zwar schließlich die Kameraden derjenigen, die heute dem Führer den Vorwurf machen, daß es richtiger gewesen wäre, am 30. Juni lieber nichts zu tun, als vielleicht einen Unschuldigen mikbüßen zu lassen. Ganz Deutschland sieht in öcr Tat des 30. Juni das große Geschehen, das unsere Nation gerettet hat.

Höchste Erregung in England.

L 0 nd 0 n , 26. Juli (DNB. Funkspruch). Die auf­regenden Ereignisse in O e st e r r e i ch und der jähe Tod des Bundeskanzlers Dollfuß haben die englische Oeffentlichkeit aufs Höch st e er­regt. Sie bildeten Mittwochnachmittag und abends den ausschließlichen Gesprächsstoff aller an poli­tischen und internationalen Vorgängen interessierten Personen. Die meisten heutigen Morgenblätter wid­men den Wiener Meldungen mehr als eine volle Seite ihrer Ausgabe, d. h. über sieben Druckspalten. In parlamentarischen Kreisen wird erklärt, die Arbeiteropposition im Unterhaus werde sich bestimmt der für Dienstag vorgesehenen Vertagung des Parlamentes wider­setzen, falls die Lage besorgniserregend bleibe. Bei Beginn der Sitzung werden am Donnerstag die Minister gelegentlich der kleinen

Neuerdings wird die Rekrutierung zur Legion der Erfahfranzofen auch aus den Kreisen des Katholizismus versucht, hier bringen einige Träger des Katholizismus es fertig, ihren Se­paratismus mit einer angeblichen Kirchenfeind­lichkeit im neuen Deutschland zu begründen.

Als in Deutschland Gottlosigkeit und Un- Ntte ungehemmt verbreitet werden konnten, als . ,e Zaristischen Gottesleugner die K i r ch e und ihre Priester verlästerten, da erhob sich im Saargebiet nicht eine einzige Stimme mtt der Forderung:Weil im Reich der Bolsche- wismus wütet und die Gottlosigkeit groß wird, wollen wir nicht mehr zurückkehren." Inzwischen wurde die bolschewistische Gefahr und damit des G 0 t t e s l e u g n e r t u m in Deutschland 0 us gerottet. Seine Träger sind zum großen Teu fluchtig, und nicht wenige haben das Saarge- gemacht. Während sie drüben in ^Eutfchland früher von Waffen redeten, heucheln

Die deutsche Not im Saarland

Landesleiier pirro spricht in der Pfalz. - Llebertragung der Rede im Saargebiet verboten.

Anfragen um Auskunft über die österreichische Lage ersucht werden.

Ernst und Besorgnis.

N e u y 0 r k, 26. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die gestrigen Vorgänge in Wien werden von sämtlichen Neuyorker Morgenblättern groß aufgemacht. Re- daktwnell äußert sich bisher lediglich dieNeu- york Herold Tribun e", die u. a. ausführt: Was auch immer die nächste Folge des Todes von Bundeskanzler Dollfuß fein möge, das Prestige seiner Partei, der C h r i st l i ch s 0 z i a l e n, sei jedenfalls ernstlich erschüttert. Die Auf- gäbe des neuen Bundeskanzlers werde doppelt schwierig sein, da wahrscheinlich Zweidrittel der österreichischen Bevölkerung zum Nationalsozialismus hinneige. Nach Meldungen aus Washington betrachten die politi­schen amerikanischen Kreise die weitere Entwicklung in Oesterreich mit Ern st und Besorgnis.

tonÄrer-?rLe^er 1 G^ubt denn wirklich ein einziger schewismus in der rufiifrhpn Dob«#.

Ratboht daß die Bundesgenossen für den Sta?us tausend" Jon"VriefÄnJ SÄfJte quo etwa am Tage nach dessen Erklärung vom Chvisten hinschlachten ließ.

die das Bundeskanzleramt besetzten. Schon die ersten Meldungen über die Besetzung des Bundes­kanzleramtes besagten, daß Dr. Dollfuß ver­wundet worden war.

der Hingerichteten aufnehmen? Wird ihre Erbitte­rung, durch die Hinrichtungen aufgestachelt, sich nicht in furchtbaren Explosionen ent­laden?

Dazu kommen die Spannungen inner­halb der Regierung s e l b st. Es ist ein of­fenes Geheimnis, daß die Heimwehrbewe­gung in ganz Oesterreich in scharfem Rück­gang begriffen ist. In Niederösterreich z. B. gibt es in den einzelnen Ortschaften überhaupt keine Heimwehrleute mehr, sondern nur mehr H e i m ät­sch u tz k 0 m m a n d a n t e n, die sich bei Aufmär­schen die Mannschaften gegen gutes Tagesgeld aus Wien kommen lassen müssen. Maßgebliche Heim­wehrkreise machen für diesen Mitgliederschwund den Fürsten Starhemberg verantwortlich, des­sen Abmachungen mit Bundeskanzler Dr. D 0 l lfuß zur Folge gehabt haben, daß die Konjunktur­ritter, die bis jetzt bei der Heimwehr waren, aus Gründen der Opportunität zu den aussichts­reicher erscheinendenO st m ä r k i s ch e n Sturm­scharen" übergelaufen sind. Es ist weiter ein offenes Geheimnis, daß es deshalb zwischen Star­hemberg und Fey zu schweren Konflik- t e n gekommen ist, der aber, da begreiflicherweise Dr. Dollfuß auf Seite Starhembergs zu finden ist, mit einer Niederlage des einstigen Vizekanzlers, späteren Sicberheitsministers und jetzigen Ministers ohne Portefeuille enden wird. Man kann Fey zwar aus der Regierung drängen, den An­hang der Heimwehrunterführer aber kann man ihm nicht wegnehmen. So bilden sich Wolken dro­hender Gefahren nicht nur im Lager der großen Opposition.

und eines brennenden Herzens als Liebe.) Alles Schreien und Jammern der Frau aber nützte nichts, die Bilder wurden beschlagnahmt.

Gegenüber allen ungezählten, eine so deutliche Sprache sprechenden Beweis der leidenschaftlichen Hingabe an eine Idee hatte man in den offiziellen Kreisen Wiens immer nur diese läppische E r - klärung zurHand":Es handle sich bei den Nationalsozialisten in Oesterreich um wenige, meist bezahlte, subversive Elemente". Man wollte £le Wahrheit nicht sehen, man verschloß sich Tatsachen, die jeder Fremde, wenn er nur 14 Tage in Oesterreich mit offenen Augen lebt, fest­stellen muß. Man trieb eine Vogel-Strauß- Politik des Nicht-Verstehen-Wollens. Freilich, in dieser törichten Verblendung der Regie­rungskreise lag S y st e m. Das Selbsteingeständnis der wahren Stimmung in der Bevölkerung müßte den regierenden Männern dieses Staates jede moralische Grundlage entziehen. So hat sich die Regierung verleiten lassen, immer und immer wieder härtere Strafen anzudrohen und anzusetzen, die Verfolgungswelle zu steigern, alle Mittel des Staates gegen einen Gegner einzusetzen, von dem sie annimmt, daß er durch abschreckende Mittel niedergeworfen werden kann. Man erwartete schließlich von der Einfüh­rung der obligatorischen T 0 d e s st r a f e eine volle Niederlage der politischen Widersacher. Die Bestürzung in Regierungskreisen, als nichts dergleichen geschah, sondern im Gegenteil die politischen Kundgebungen aller Art, wie An­schläge, Widersetzlichkeiten gegen die Wache und De­monstrationen verstärkt ihren Fortgang naymen, ist, wie man aus eingeweihten Kreisen hört'

U 4 Jetzt erst begann

die Einsicht aufzudammern, daß man es nicht mit smer Handvollbezahlter Desparados", nichtmit einer verschwindenden Minderheit von Terroristen" so lautete die übliche offizille These bis jetzt U tun hat, sondern daß eine bis zur letzten Leiden- schäft aufgestachelte Mehrheit des Volkes

Ein Streiflicht auf die Hintergründe.

Oie Schrecken der Oollfuß-Oittatur.-Oie Lage unmittelbar vor dem Aufstand.

Don unserem ständigen Or. A.-Äerichterstattei-.

Wenn dieser oder jener einmal seinen Gegensatz zum Chr.stentum zum Ausdruck bringt, so ist damit nach christlicher Auffassung nicht gesagt, daß das Chri­stentum als solches dadurch vernichtet würde. Viel- mehr trifft nach christlicher Auffassung der Schaden immer lenen der gegen Gottes Lehre ist. Würden m der Tat Aeußerungen genügen, das Christentum $U*4f-f£Oren' 1? hatten die Bundesgenossen der sepa- ratistischenNeuen Saarpost" den Katholizismus schon lange restlos ausgerottet, noch ehe Hitler an die Macht kam; denn diese dem Christen­tum angeblich ergebenen deutschen Emigranten ha- ben den K a t h 0 lizismusimReichan einem Tag mehr S ch m ach und Schande zugefügt als vereinzelte Leute des nationalsozialistischen Re­gimes es in nahezu zweijähriger Regierungszeit vermochten. Dabei ist zu beachten, daß der Führer

Nach dem Tode des Bundeskanzlers Dollfuß trat die Besatzung des Bundeskanzleramtes mit den Mitgliedern des früheren Kabinetts Dollfuß in Unterhandlungen. Beide Parteien wand­ten sich an den deutschen Gesandten in Wien mit der Bitte um Vermittlung. Es kam zu der Ab­machung, daß das Bundeskanzleramt wieder freigegeben, die gefangen Gesetzten freigelassen und dafür der Besatzung freies Geleit an die Grenze zugesichert wurde. Am spä­ten Abend trafen dann der wieder freigelas­sene Minister Fey, der Staatssekretär Kar- winsky und Minister Schuschnigg im Wie­ner Sender ein, von wo aus sie den Tod des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß b e st ä t i g t e n.

Weder über die Frage der Neubildung des österreichischen Kabinetts, noch über die Situation in der österreichischen Provinz liegen bis Mitternacht Nachrichten vor. Durch die Entsetzung des Bundeskanzleramtes scheint die Aktion, soweit sie im Wiener R e - g i e r u n g s v i e r t e l vor sich gegangen ist, zum Abschluß gekommen zu sein, lieber die weitere

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Wien, 24. Juli.

Wie immer der Kampf in Oesterreich ausgehen mag bleiben wird das Gedenken an die in die­sen schwersten Tagen des deutschen Volkes in Oesterreich offenbar gewordene rührende Hin- gabe an eine Idee, die uns wieder gelehrt hat welch tiefer sittlicher Kern in der Seele unseres Volkes schlummert, lieber das Ausmaß d e r Verfolgungen in Oesterreich kann man 11$, roenn man nicht selbst hier lebt, kaum eine Vorstellung machen. Man bedenke, daß die Zahl der Gemaßregelten, - sei es durch die Serbängung meist sehr schwerer Kerkerstrafen, sei es durch Entzug des Ruhegehaltes, den Verlust des Postens (auch in der Privatindustrie wird jetzt auf Druck der Regierung vielfachgesäubert"), Entzug von Gewerbeberechtigungen, Geldstrafen von sol- chem Ausmaß daß sie die Sparpfennige von Jahren wegnehmen usw., in die Hunderte u nb ?ber Hunderttausende geht, schätzt man doch die Zahl der bisher Verhafteten allem auf zwei - bis dreimalhundert- taufend! Und nichts, gar nichts hat diese opfer­bereite Menge ungezählter Kämpfer für die na- tlona sozialistische Idee zu erschüttern vermocht. Leise von Ohr zu Ohr wird eine kleine ^."ekdote erzählt, die, besser als viele Worte es konnten, die Hingabe charakterisiert, von der die Anhänger der nationalsozialistischen Idee beseelt sind: Bei einem alten Weiblein wurde eine Haus- juchung veranstaltet. Dabei wurden auch drei Bilder, von Adolf Hitler, Goebbels und Goring, gefunden. Sie sollten weggenommen werden Doch die Frau stürzte sich wie verzweifelt über die Bilder und schrie:Alles könnt ihr mir wegnehmen, nur das nicht; denn das ist meine Siebe, mein Glaube und meine Hoffnung!" (Eine Anspielung auf die in vielen österreichischen Fami- lren zu findende bildlich-symbolische Darstellung des Kreuzes als Glaube, des Ankers als Hoffnung

herrschenden stürmischen Wellers und dichlen Re- bels verlor der Pilot die Orientierung und erklärte, den Flug nicht foctfehen zu können. Der Pilot kehrte in der höhe von Völker­markt um und wandte sich über Graz wieder Ve­nedig zu, wo abends die Landung er­folgte Bundesführer Vizekanzler Starhem­berg trifft Donnerstagvormittag in Wien ein.

Das Kommunique läßt darauf schließen, daß es auch in der Provinz zu Aufstandshandtun- gen gekommen ist, doch sind Einzelheiten nicht be­kannte.

Sie mutmaßlichen Mörder des Bundeskanzlers in Sonderhasi.

Wien, 26. Juli. (DRV. Funkspruch.) Die an der Besetzung des Bundeskanzler­amtes beteiligten Personen sind zunächst in der Polizeikaserne in der Warokkanergasse unter­gebracht worden. Die drei mutmaßlichen Wörder des Bundeskanzlers bestnden sich dagegen in So n d e r h a f t.

Standrecht in Wien.

Wien, 26. Juli. (DNB.) Der Polizeipräsldenk hat für Wien das außerordentliche S t a n d r e ch t verhängt. Ab 20 Uhr abends müs­sen alle Haustore und Ga st Häuser ge­schlossen sein. Ansammlungen und Grup­penbildungen sind verboten.

Standrecht in Steiermark.

Wien, 26. Juli. (DNB. Funkspruch.) In Steiermark wurde bas außerordentliche Standrecht verhängt. Die Haustore müssen um 19 Uhr, die Gasthäuser um 21 Uhr geschlossen wer­den. Ansammlungen und Gruppen in den Straßen sind verboten.

Beileid der Reichsregierung.

Berlin, 26. Juni. (DRB.) Reichsauhenminister Frhr. v. Neurath Hal der österreichischen Bundesregierung zum Tode des Bundes­kanzlers Dollfuß telegraphisch das Beileid der Reichsregierung übermittelt.

Berlin, 26. Juli. (DNB.) Soweit sich bisher aus den vorliegenden Meldungen ersehen läßt, haben sich die Ereignisse, die zum Tode des Bundeskanzlers Dollfuß führten, in fol­gender Form abgespielt:

Gestern nachmittag wurde in der österreichischen Bevölkerung bekannt, daß das erste Todes­urteil des neuen österreichischen Standgerichtes durch den Strang vollzogen ist, und daß in den Untersuchungsgefängnissen die Gefange­nen mittelalterlichen Folterungen unterworfen werden. Der österreichischen Bevölke­rung bemächtigte sich eine außerordentliche Empörung und Erregung, die zu der­artigen Ansammlungen in den Straßen Wiens führte, daß der seit elf Uhr tagende M i n i st e r - rat unterbrochen werden mußte. Gegen 13 Uhr tauchten an mehreren Stellen bewaff­nete Formationen auf, die in die Uniform des österreichischen Bundesheeres ge­kleidet waren. Von diesen Formationen wurde das Bundeskanzleramt am Ballhausplatz in Wien besetzt, wobei es zu den ersten blutigen Zusammenstößen kam. Die im Bundeskanz­leramt befindlichen Regierungsmitglieder, vor allem Bundeskanzler Dr. Dollfuß, der frühere Vize­kanzler Minister Fey und der Staatssekretär für Sicherheit Dr. Karwinsky sowie eine Reihe anderer österreichischer Politiker waren ganz in der Gewalt der Bewaffneten

sich einem System gegenübergestellt hat, dessen Anhänger aus wenigen Ideologen einer papternen katholischen Reichsidee und Mitläufern aus Konjunkturgrünben besteht! Zum ersten Male seit einem Jahr konnte man in ber christlichsozialenReichspost" die Feststellung lesen, daß die Nationalsozialisten Oesterreichs von ber blinden Hingabe an eine Idee erfüllt seien. Mit diesem Eingeständnis ist gleichzeitig die Schwäche des offiziellen Regierungskurs enthüllt. In der Tat: die Fortsetzung der Opposition gegen die Regierung auch nach ber Verkündung der obli­gatorischen Todesstrafe hat für die Regierung lehr­reich gewirkt. Sie scheint eingesehen zu haben, daß sie allein mit innerpolitischen Mitteln nicht zu Rande kommen kann. Es dürfte nicht ohneihr Zutun geschehen sein, daß plötzlich wieder die große Auslandpresse gegen Len National­sozialismus i n O e st e r r e i ch zu Felde zieht, daß man mit einemmal wieder von einerInter­vention der Mächte in Berlin" spricht. Wobei aller­dings nicht einzusehen ist, wie die deutsche Reichs­regierung verhindern soll, daß die Idee Adolf Hitlers über alle Grenzpfähle hinweg die Her­zen der deutschen Menschen nicht nur in Oesterreich erfaßt.

Waren die letzten Wochen in Oesterreich von Er­eignissen angefüllt bis zum Rande, die kommen­den Wochen werden es nicht minder fein. Mit fiebernder Spannung erwartet die ganze Bevölkerung die er st en Stanbgerichtspro- z e f f e , die unter dem Stern der neuen ver­schärften Strafandrohungen vor sich gehen sollen. Wenn man sich zu Todesurteilen ent­schließt: wie werden das die Gesinnungsfreunde

Berlin, 26. Juli. (DNB.) Amtlich wird mil- geteilt: Der deutsche Gesandte in Wien, Rieth, hat auf Anforderung österreichischer Re­gierungsstellen bzw. der österreichischen Aufständi­schen sich bereit finden lassen, zu der zwischen diesen beiden getroffenen Abmachungen bezüglich freien Geleites und Abzug der Aufständischen nach Deutsch­land ohne Rücksprache bei der deutschen Reichsregierung seine Zustimmung gegeben. Er wurde daraufhin sofort von seinem Po­sten abberufen.

Die Verhandlungen in Wien.

Wien, 26. Juli. (DNB.) Der deutsche Gesandte Dr. Rieth wurde am Mittwoch gegen abend vom Bundesminister Fey, der noch im Bundeskanzler­amt eingeschlossen mar, telephonisch angerufen. Es wurde ihm mit geteilt, baß zwischen Vertretern der Regierung und der in bas Bundeskanzleramt ein- gedrungenen Gruppe ein Abkommen getroffen roor- ben Jei, wonach letztere mit zugesichertem freien Geleit unter militärischer Bedeckung auf ihren Wunsch an die deutsche Grenze gebracht werden solle. Diese Truppe verlange, um die Ge­wißheit zu haben, tatsächlich nach Deutschland einreifen zu können, daß der deutsche Gesandte von den Vertretern der Regierung entsprechend in Kenntnis gesetzt werde. Infolgedessen bat Minister Fey, der Gesandte solle eine solche Erklärung von dem Minister Neustädter - Stürmer ent­gegennehmen.

Der Gesandte Dr. Rieth erklärte, wenn er durch die persönliche Entgegennahme einer derarti­gen Erklärung des Ministers Neustädter-Stürmer die Durchführung des Abtransportes ermöglichen und so vielleicht Blutvergießen verhindern könne,

Der Leiter der staatlichen Polizei in Innsbruck erschossen.

Innsbruck, 25. Juli. (DNB.) Der Leiter ber staatlichen Polizei in Innsbruck, Polizeistabshaupt­mann H i ck l, ber gegen verhaftete Nati 0 - nalsozialisten mittelalterliche Fol­ter in Anwenbung brachte, würbe heute kurz vor 3 Uhr von einer erbitterten Volksmenge aus bem Statthaltereigebäube gezerrt unb erschossen.

Aus privaten Quellen kommen aus anberen Stäbten ähnliche Melbungen, bie barauf schließen lassen, baß bie Volksbewegung gegen Dollfuß sich auf bas ganze ßa nb Oe ft e r - reich ausbehnt.

Anschlag

ans österreichische Legitimistenführer.

Linz, 25. Juli (DNB.) In Linz würbe auf ben Führer bes Öberösterreichischen Hei­matschußes, ben bekannten Legitimistenführer Graf Coreth, ein Revolveranschlag ausgeführt. Wie basLinzer Volksblatt" melbet, fall Graf Coreth bei bem Attentat mit bem Leben bcwongekommen fein.

<