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Nr.M Zweites Blatt

Gktzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 26. Juni (934

Aus der Provinzialhauptstadt.

Der Siebenschläfertag.

Drei Tage nach der Sommersonnenwende haben seit den Zeiten Kaiser Karls, den man den Großen nennt, die Siebenschläfer ihren Platz im Kalender. Die Legende von Den Siebenschläfern weiß zwar nichts zu berichten, was mit dem verbreiteten Glau­ben in Verbindung gebracht werden könnte, daß das Wetter an diesem Tage den Witterungscharak­ter der folgenden sieben Wochen vorausbestimmen soll. Doch wie bei allen Wetterregeln liegt auch in dieser Annahme ein Körnchen Wahrheit.

Die Wetterregeln verdanken ja nicht irgend- welchen Zufällen ihre Entstehung und Verbreitung. Sie sind aus den Beobachtungen vieler Geschlechter, oft vieler Jahrhunderte geworden. Der Bauer, der der Svrache der ihn umgebenden Naturerscheinungen aus seinem täglichen Umgang viel aufmerksamer lauscht, als der Städter, will die Zeichen deuten, die über seinem Tagewerke stehen. Lange bevor die Astronomie die tieferen Zusammenhänge begrün­dete, wußte der Landmann aus der Erfahrung, daß der Sommersonnenwende in der Regel auch eine Wetterwende folgt, die ihre Ursache in der Mond­stellung hat. Uebrigens hatten schon die alten Baby­lonier, die gute Sterndeuter waren, herausbekom­men, daß länger anhaltendes Wetter auf die sieben­tägige Dauer der einzelnen Mondphasen zurückgeht. Nimmt man dazu noch den Glauben an die sieben als heiliger Zahl, so sind die Punkte aufgezählt, die mit oem Siebenschläfertag und seinen sieben­wöchigen Folgen als Laubfrosch-Orakel in Verbin­dung stehen sollen.

Wenn es an Siebenschläfer regnet, dann soll der Regenschirm sieben Wochen lang ständiger Beglei­ter sein. Wie selten in einem Jahre wäre den Sie­benschläfern in diesem Jahre der Dank der Bauern gewiß, wenn sie zwar nicht alle Schleusen des Him­mels, aber doch einige Hähne zu einer ausreichen­den Durchtränkung der lechzenden Fluren öffnen würden. Vieles reift noch der Ernte entgegen, das dringend der Feuchtigkeit bedarf. Ein richtiger Landregen wäre ein Segen. Gleich ganze sieben Wochen sind dazu nicht unbedingt erforderlich.

Was hat es mit dem Siebenschläfer eigentlich überhaupt auf sich? Unter Kaiser Decius, um die Mitte des dritten Jahrhunderts, mußten wegen der Christenverfolgungen sieben junge Männer aus der Stadt Ephesus flüchten und sich in einer nahen Höhle verbergen. Ihr Versteck wurde jedoch ausfin­dig gemacht, und der Kaiser ließ den Eingang zu­mauern. Nach einem todähnlichen Schlaf sollen die sieben Glaubensbekenner beinahe 200 Jahre später unter Kaiser Theodosius erwacht sein, einem tatkräftigen Bekämpfer des Heidentums, um vor ihm und dem Bischof Martin von Ephesus erneut für den christlichen Glauben zu zeugen und wieder zu entschlummern. Diesen Tag wollte unter Kaiser Karl der Gelehrte Rhabanus Maurus als den 27. Juni ausfindig gemacht haben, und damit wurde er in den Kalenderablauf emgereiht. K. J. G.

Gießener Volksschule

im Schuljahr 1934/35.

Aufschlußreiche Zahlen.

Es ist recht interessant, sich einmal mit der Gießener Schuljugend in ihrer Gesamtheit zu be­schäftigen.

Ds Gießener Volksschulen sind im gegenwärtigen Schuljahr 1934/35 von 3453 Kindern besucht. Im vergangenen Schuljahre wurden 3477 Schul­kinder gezählt. Die Anzahl der Kinder verteilt sich auf insgesamt 69 Klassen. Diese Klassen sind im einzelnen sehr stark besetzt. Mehr als die Hälfte der Klassen zählt über 50 Schüler. Nur eine Klasse zählt unter 30 Schüler. 7 Klassen sind von 31 bis 40 Schülern, 26 von 41 bis 50, 32 Klassen von 51 bis 60 und 3 Klassen von mehr als 60 Schülern besucht. Im Schuljahr 1933/34 standen 67'/r Lehr­kräfte zur Verfügung. In diesem Jahre sind es

Mario.

Von Io Hanns Rösler.

Ein großer schlanker Mann, ohne Hut, blond wie ein Wunder, betrat das Hotel. Seine braune Haut brachte die Sonne der Berge mit, die auch noch in dem hellen Blau seiner Augen lag. Mit langen kräftigen Schritten durchmaß er die Halle und trat zum Portier.

Die Zimmer für Mario Mertens?" fragte er.

Die Zimmer sind reserviert." Der Portier grüßte mit jener vertrauten Ehrerbietung, mit der die Por­tiers der großen Hotels ihre Gäste auszuzeichnen pflegen. Er überreichte dem Gast die Schlüssel und warf einen kurzen Blick auf das zahlreiche Gepäck, das die Hausdiener vom Wagen hereintrugen und um das sich sofort die Boys heimlich zu raufen begannen. Die Koffer waren durchweg von einem einheitlichen Gelb mit breiten roten Streifen, von denen sich die zwei Buchstaben des Namens scharf abhoben.

Ich werde das Gepäck sofort hinaufschicken," sagte der Portier.

Ja, tun Sie das." Er nickte kurz, trat zum Kiosk, um sich einige Zeitungen zu kaufen, die er sofort öffnete, und schritt lesend, ohne auf die ande­ren Gäste zu achten, zur Fahrstuhltür.

*

Evelyne hatte sich sofort beim Eintritt des Frem­den erhoben. Sie hatte ihn hier erwartet. Schon seit drei Tagen. Sie war in dieses Hotel gefahren, unvorbereitet, einem plötzlichen Impuls folgend, als sie in den Zeitungen las, daß der berühmte Schrift­steller Mario Mertens hier einige Wochen verbrin­gen werde. Sie hatte jenes Gefühl, dessen Wesen sich nicht beschreiben läßt, das sie zwang, hierher zu reisen, ohne an gestern und morgen zu denken, nur van dem einen Gedanken getrieben, ihn sehen zu müssen. Sie kannte alle seine Bücher, die einen Welterfolg hatten, und auch jene Bücher der An­fangszeit, die nur eine treue Gemeinde fanden. Und da sie sich in seinen Büchern fand, war sie keinesfalls überrascht, als er eintrat. So hatte fie ihn immer gesehen, in allen seinen Gestalten, in allen seinen Romanen, neben sich, Evelyne. S'.e öffnete die Tür seines Zimmers.

Verzeihen Sie, Mario Mertens"

Er stand am Fenster, den weichen Kragen roeit zurückaeschlagen, schien ihr Kommen nicht gehört zu haben. Evelyne ließ die Tür hinter sich ins Schloß fallen. Er drehte sich verwundert um. Eve­lyne blieb an der Tür stehen.

Verzeihen Sie, Mario Mertens," sagte sie.Ich

deren nur 65Vz. Die Stadt Gießen hat sich aber entschlossen, zwei Hilfslehrkräfte zu besolden, so daß die Zahl der Lehrkräfte des Vorjahres erhalten bleiben konnte. Von den 3453 diesjährigen Schul­kindern find 1740 Mädchen und 1713 Knaben. 2999 Kinder sind evangelischer, 342 katholischer, 46 jüdischer Religion; 66 Kinder gehören anderen Glaubensgemeinschaften an, müssen aber den evan­gelischen Religionsunterricht besuchen.

Auf die einzelnen Klassen verteilt sich die Anzahl der Kinder wie folgt: I. Klasse 508 Schüler, II 428, III 546, IV 503, V 342, VI 334, VII 383, VIII 340, IX 35 und X. Klasse 14 Schüler.

Än einer H i l f s k l a s s e sind 30 Kinder, 23 Knaben und 7 Mädchen vereinigt. Eine Förder- klasse wird in diesem Schuljahre nicht geführt. Zwei Klassen mit erweiterten Lehr­zielen sind von insgesamt 93 Schülern, 54 Kna­ben und 39 Mädchen, besucht. Den Schülern ist in diesen Klassen Gelegenheit gegeben, die Prüfung für die mittlere Reife zu machen.

3n den Gedenktafeln der Ruhmes- halle verewigt.

Unter den im Weltkriege gefallenen Komman­deuren selbständiger preußischer Truppenteile ist auch der Name eines früheren langjährigen Gieße­ner Offiziers enthalten. Es handelt sich um den Oberstleutnant Georg Großmann von unse­rem früheren Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116. Oberstleutnant Großmann wurde dem Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116 am 15. Mai 1883 als Leutnant überwiesen. Er gehörte unserem ruhmreichen Regiment fast bis unmittelbar vor seinem Heldentod an. Bei Kriegsausbruch rückte er als Kommandeur des III. Batl. Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm Nr. 116 ins Feld. Am 25. März 1916 fand er als Kommandeur des Füsilier-Regi­ments Nr. 37 bei Verdun den Heldentod.

Aus parteiamtlichen Bekanntmachungen

Die Ortsgruppe Gießen-Mitte gibt bekannt, daß die nächste Versammlung gemeinsam mit der Orts­gruppe Gießen-Süd am Donnerstag, 28. Juni, 20.30 Uhr im Cafe Leib stattfindet. Als Redner wurde Pg. Siebert-Darmstadt gewonnen. Das Erscheinen aller Parteigenossen und der Mitglieder der Gliederungen der Partei ist Pflicht. Alle ande­ren Volksgenossen sind herzlich eingeladen. Die Ar­beitsgemeinschaft für Turnen usw. im NSLB. des Kreises Gießen macht darauf aufmerksam, daß von jetzt ab die Uebungsstunden wieder regelmäßig jeden Dienstag von 17.30 bis 19 Uhr auf dem Uni­versitätssportplatz stattfinden.

Reichsbund Volkstum und Heimat.

Mittwoch, 27. Juni, 15.30 Uhr, Versammlung mit dem NSLB. im Cafe Ebel. Es sprechen Prof. Dr. S pilger (Darmstadt) und Dr. K. R. Fischer.

Anmeldepflicht des Lebens­und Genußmittel-Einzelhandels beim Reichsnährstand.

Der Reichsnährstand, Reichshauptabteilung IV, teilt mit:

Obwohl von den zuständigen Stellen die Zuge­hörigkeit des Lebens- und Genußmittel-Einzelhan­dels zur Reichshauptabteilung IV des Reichsnähr­standes auf Grund des Reichsnährstandsgesetzes und der Dritten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes schon mehrfach klar­gestellt worden ist, scheinen in kleineren Kreisen im­mer noch Irrtümer zu bestehen. So mehren sich die Meldungen, daß in manchen Bezirken von Seiten des Rekofei offiziell erklärt wird, der Rekofei sei korporatives Mitglied des Reichsnährstandes. Demgegenüber muß noch einmal auf die ganz ein­deutigen und allein gültigen Gefetzesbestim-

heiße Evelyne. Ich weiß, wer Sie find. Vor drei Jahren, ich war noch nicht sechzehn, las ich Ihren RomanSüdhang". Von diesem Tag an war ich kein Mädchen mehr. Ich habe keinen Mann ge­liebt, der nicht in Ihren Büchern war. Wenn ich einen Ihrer neuen Romane aufschlug, war ich in Abwehr und Angst wie ein Mädchen gegen den Mann, den sie liebt. Wenn später Ihr Buch zu Ende ging, ging eine große Liebe zu Ende, die mich zur Frau gemacht und die nachklang in Leid und Sehnsucht. Ich heiße Evelyne, Mario Mer­tens, ich fahre morgen nach Wien zurück ich wollte Sie nur einmal sehen."

Sie sind sehr wundersam, Evelyne," seine Stimme hatte den tiefen Klang des Mannes.

Der schönste Roman ist vielleicht der, den man nicht schreibt" sagte der große schlanke Mann, blond wie ein Wunder, als sie zwei Tage später von einem Ausflug zurückkehrten.Und Sie, Evelyne, sind das schönste Kapitel in diesem schönen Roman."

Sie nahm seine Hand und legte ihr Gesicht hin­ein,Ich bin sehr glücklich, Mario Mertens."

Lieben Sie mich?"

Ich liebe Mario Mertens."

Und wenn ich nicht Mario Mertens wäre?"

Sie sprach in den Himmel:Das ist unmöglich. Ich hätte Mario Mertens nie betrügen können. Und deswegen sind Sie Mario Mertens? Küß mich, Mario Mertens!"

Plötzlich sagte er ernst:Mario Mertens kommt heute nachmittag an."

Was?"

Ich habe vor drei Stunden sein Telegramm be­kommen. Ich bin sein Sekretär."

Nein!" schrie sie,nein, nein!"

Evelyne"

Rühren Sie mich nicht an! Das ist alles so schmutzig! Wer sind Sie denn? Gehen Sie! Ich hasse Sie!"

Er sprach in ihr Weinen hinein:Ich schreibe die Romane Mario Mertens. Mertens hat seit zehn Jahren keine Zeile mehr geschrieben. Der Roman Südhang" war fertig, bevor ich Mertens kennen lernte. Er engagierte mich. Ich war arm, seine Bedingungen waren gut. Seitdem hat Mertens nichts mehr getan, als unter meine Romane seinen Namen zu setzen.

Ich liebe nur Mario Mertens."

Ich bin ja Mario Mertens, den Sie kennen" Sie starrte ihn an:Sie! Ich kenne nicht ein­mal Ihren Namen! Gehen Sie!"

mungen hingewiesen werden, aus denen sich fol­gendes ergibt:

Grundsätzlich gebären zur Reichs­hauptabteilung IV des Reichsnähr- standes alle Betriebe, die sich mit der Verteilung, Be- oder Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnis­sen, also auch Lebens - und Genußmit­teln befassen. Ausgeschlossen ist die Zugehörigkeit lediglich dann, wenn Betriebe neben anderen Waren die genannten Erzeugnisse nur in ganz geringem Umfange führen. Bei Betrieben, die neben anderen Waren auch Ge­bens- und Genußmittel in einem nicht unerheb­lichen Umfange führen, greift sowohl die Zugehörig­keit zum Reichsnährstand, Reichshauptabteilung IV, wie auch zu den entsprechenden anderen wirtschaft­lichen Verbänden bzw. Berufs- und Standesoertre- tungen Platz. Alle Betriebe, die neben Lebens- und Genußmitteln andere Waren nur in geringem Umfange füh­ren, gehören ausschließlich zur Reichs- Ha u p t a b t e i l u n tz IV des Reichsnähr­standes. In Zweifelsfällen entscheidet der Reichsmini st er für Ernährung und Landwirtschaft. Der Rekofei ist keineswegs korporatives Mitglied beim Reichsnährstand, folg­lich find alle Betriebe, wie auch die Mitglieder des Rekofei, die Lebens- und Genußmittel führen, verpflichtet, sich entsprechend dem Aufruf des vom Reicksnährstand, Reichshauptabteilung IV, mit der Erfassung des Lebens- und Genußmittel-Einzel- Handels beauftragten Pg. P a e s ch, umgehend un­ter Benutzung der in diesen Tagen durch Postwurf­sendung bei ihnen einlaufenden Formulare beim Reichsnährstand zu melden. Es wird alsdann der Entscheidung an zentraler Stelle un­terliegen, wie die Zugehörigkeit der einzelnen Be­triebe zum Reichsnährstand auf Grund des Um­fanges ihrer Beschäftigung mit Lebens- und Genuß­mitteln zu regeln ist. Wer diese Anmeldung unter­läßt, macht sich auf Grund des Reichsnährstands­gesetzes strafbar (Geld- oder Gefängnisstrafe).

Entrümpelung und Wohlfahrt!

Die Entrümpelung der Böden, die jetzt vom Reichsluftschutzbund in Angriff genommen wird, ist eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen für den Fall eines Luftangriffes.

Aber nicht nur im Falle eines Luftangriffes, auch im Falle eines anderen Brandes ist Entrümpelung der Böden von höchstem Wert. Es liegt auf der Hand, daß nicht nur das Feuer weniger Nahrung findet, wenn all die alten Kisten mit Packmaterial entfernt sind, sondern auch die Feuerwehr findet freie Bahn für ihre Löscharbeiten.

Es liegt nun in der Natur des Menschen, daß all die Dinge, die er bisher nicht achtete, in dem Augenblick einen Wert gewinnen, in dem er sie abaeben soll.

Man muß sich aber von Dingen trennen können, die wirklich für einen selbst wertlos sind, für an­dere aber sehr wertvoll sein können.

Wieviel Freude kann man einem jüngeren Paar mit einem Bett, einer Wiege, einem Schrank machen, an die einen alte Anhänglichkeit bindet, die man aber vielleicht nie mehr gebrauchen kann.

Die Freude der jungen Generation ist aber mehr wert und wird mehr innere Befriedigung auslösen, als die Anhänglichkeit an tote Dinge.

Wenn jetzt die Beauftragten des Reichsluftschutz» bundes bei euch zur Entrümpelung erscheinen, so gebt freudig, was immer nur möglich ist. Ihr nützt euch selbst und der Allgemeinheit.

Sprecher der Jugend bei den Vertrauensräten.

Durch das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit wurden an die Stelle der alten Betriebsoer- tretungen, Vertrauensräte gefetzt, deren Aufgabe die Förderung und Pflege des Vertrauens innerhalb der Betriebsgemeinschaft ist. Bereits vor Monaten gab es in ersten Betrieben Jugendbetriebszellen­obleute, die als Sprecker der Jugend den damaligen Betriebsräten beigeoronet waren. Mit der Einglie­derung der NS.-Jugendbetriebszellen in die HI., kamen diese jugendlichen Betriebszellenobleute in Fortfall. Das hat sich nachteilig ausgewirkt, denn damit verloren die Jungens und Mädels in den Betrieben den Kameraden, der als ihr Altersgenosse ihre Sorgen teilte und zugleich ihr Vertrauensmann der damaligen Betriebsvertretung war.

Um das Vertrauensverhältnis im Betriebe zu stärken und der Betriebsführung die Möglichkeit zur engsten Verbindung mit dem Betriebsnachwuchs zu sichern, ist zwischen HI. und der Arbeitsfront fol­gende Vereinbarung getroffen worden:

Die Ziele und Arbeit der RGB.

Erklärungen des Reichsleiters Hilgenfeldt.

Der Leiter des Amtes für Volkswohlfahrt der NSDAP., Reichsleiter Hilgenfeldt, der anläß­lich der Auflösung des paritätischen Wohlfahrtsoer­bandes in Frankfurt weilte, gab Vertretern der Presse einige grundlegende Aufschlüsse über Ziele und Arbeit der NSV.

Nach der Auflösung des paritätischen Wohlfahrts­verbandes, der jetzt in die NSV. übergeführt wor­den fei, gebe es in Deutschland noch vier Gruppen der freien Wohlfahrt. An erster Stelle die NSV., die heute mehr als zwei Millionen Mitglieder umfasse; das Deutsche Rote Kreuz; den Caritasverband und die Evangelische Innere Mission. Die Leitung aller Wohl­fahrtsarbeit dieser Verbände liege heute bei der NSV., deren nächste Aufgaben die Kinderland­verschickung und dieM üttererholung" seien. Etwa 500 000 Kinder würden durch die NSV. auf vier bis sechs Wochen in die Ferien geschickt. Ein äußeres Ergebnis, das sich zugleich wirtschaftlich auswirke, sei, daß

seil Jahren wieder das erste Zitat alle zur Ver­fügung stehenden Kinderheime den ganzen Sommer über vollbesetzt seien.

Von derMüttererholung" würden 30 000 bis 40 000 Mütter erfaßt. Für die Zeit ihres Urlaubs würden gleichzeitig von der NSV. Haushilfen ge­stellt. Das Werk der M ü 11 e r e r h o l u n g er­

schöpfe sich aber nicht allein in dieser Mütterver­schickung. Eine wesentliche Aufgabe sei auch die materielle Unterstützung mit Wochen- hilfen, Kinderwäsche usw. Erfreulich sei, daß dis Reichsbahn vor einigen Tagen für die Mütterver­schickung der NSV. eine 50prozentige Fahrpreis­ermäßigung gewährt habe.

Neben diesen akuten Ausgaben bereite die NSV. jetzt schon das Winterhilfswerk 1934/35 vor, das am 1. Oktober einsetze.

Durch die Erfahrungen des letzten Jahres be­reichert, werde das kommende Winterhitfswerk noch umfassender und systematischer durchge­führt werden können, als das letzte.

In diesem Zusammenhang kündigte Reichsteiter Hilgenfeldt an, daß in allernächster Zeit eine einheitliche und planmäßige Rege­lung der Sammeltätigkeit durchgeführt werde.

Erfreulich sei die Mitgliederbewegung der NSV., die immer noch zunehme. Im Gebiet des Gaues Hessen-Nassau werden heute etwa 150 000 Mitglieder gezählt, davon etwa 50 000 in Frank­furt und 15 000 in Darmstadt. Für die NSV. werde immer das Wort des Führers Richtschnur bleiben: Meine Kameraden, Sie sollen die Garanten für den Sozialismus der Partei fein

Wenige Stunden später kam Mario Mertens an. Er war der berühmte Sckriftfteller und der Direktor des Hotels schritt ihm yöchstpersönlich ent­gegen. Der große schlanke Mann, blond wie ein Wunder, half Mertens aus dem mächtigen Rolls Royce. Mühsam, auf den Arm seines Sekretärs gestützt, stieg er die wenigen Treppen zum Hotel empor. Er war alt, müde, fein zu kleiner Mund bewegte sich nervös. Der Anzug lag hilflos um feine eingesunkenen Schultern.

Evelyne stand auf der Terrasse, als man Mario Mertens an ihr vorüberführte.Mario Mertens" sagte sie tonlos,Mario Mertens"

Am Abend ging sie zu dem Mann, der groß und schlank war und auf dessen brauner Haut noch die Sonne der Berge lag. Ihr Gesicht vergrub sich in sein volles blondes Haar.

Wir wollen unfern Roman zu Ende leben," sagte sie,aber er, er wird nie seinen Namen drunter schreiben."

Weiß Zerdl:©er Meisterboxer".

Es ist natürlich ein aufgelegter Schwindel, daß Weiß Ferdi diesmal ein Meisterboxer sein soll. Er ist es nur, dank der Initiative seines Kompagnons, der ihm zu einigen freien Stunden verhelfen will, über die sonst seine Gattin, sehr sorgfältig wacht. Dem Wurstfabrikanten Breitenwieser, den Weiß Ferdi diesmal darstellt, kommt natürlich außerdem der Zufall zustatten, daß ein berühmter Boxe? auch Breitenwieser heißt. DerMeisterboxer" ist gleich­zeitig der Vorwand dafür, die vom Arzt aufgelegte Diät zu umgehen. Und während nun die Familie eifrig am Radio den Kampf ihres Haushaltungs­vorstandes verfolgt, sitzt der Herr Wurstfabrikant in einem Hotel und ist eifrig mit einer ausgewach­senenKalbhaxn" beschäftigt. Gleichzeitig hört auch er sich den Kampf an, um im Bilde zu sein. Es war von vornherein klar, daß dieser Schwindel schief gehen mußte. Er tat es denn auch gründlich! Breitenwieser, der Wurstfabrikant, kam mächtig ins Gedränge, ja, er mußte sogar zu einem Probekampf aegen einen Neger dazu noch vor den Augen seiner Gattin antreten und schon damit wurde seineLaufbahn" besiegelt. Aber erst allmählich löste sich die Fülle der inzwischen angerichteten Ver­wirrungen, zu dem außerdem die Tochter noch den echten Breitenwieser kennen lernte. Nur seinem Sohne Fritz hat es der Meisterboxer zum Schluß zu danken, daß es nicht zu der stets befürchteten Gar­dinenpredigt kommt.

Die Handlung ist ganz auf Situationskomik ein­gestellt und jede der lustigsten Szene wechselt in die

andere hinüber. Die Darstellung ist recht gut. Weiß Ferdi ais Wurstfabrikant undMeister­boxer" reizt in jedem Bild zum Lachen. Neben ihm sind zu nennen: Käthe Haack als seine Frau Adel­heid, Hans I u n f e r m a n n, als der schlaue Mit­inhaber der Firma Wurstfabrik und geistige Vater der Meisterboxer-Jdee, Fita B e n k h o f f, als Amalie Wipperling, die Inhaberin eines Modege­schäftes und stets eifersüchtige Frau ihres Mannes Tobis (Paul Henkels). In ansprechenden Rollen sieht man ferner Eduard Wesener und Margot Wagner als die Kinder Breitenwiesers. Genia Nikalojewa und Rudolf Platte als Tanzpaar Co­lette und Sullivan gefallen sehr gut. Der Film wird seiner Aufgabe, gut zu unterhalten, vollauf gerecht. Wer herzhaften Humor liebt, wird nicht versäumen den Bildstreifen anzusehen. Das Film­lustspiel läuft seit gestern abend im Lichtspiel­haus Bahnhofstraße.

0ie Leistungen eines Rekord-Tauchers.

Die Kühnheit und Ausdauer eines Mannes, der Tag für Tag Leben und Gesundheit aufs Spiel ge­setzt hat, ermöglicht den Bau der größten Brücke der Welt, die das Goldene Tor von San Franzisko Überspannen soll. Dieser Mann ist der Inspektor der Unterwasser-Konstruktion der Brücke, William S. Reed, ein geübter Taucher. Der Mittelbogen der Brücke, die 75 Millionen Dollar kosten wird, hat eine Länge von 1280 Meter. Außerdem wird noch eine andere Brücke errichtet, die San Franzisko mit dem über aroölf Kilometer entfernt auf der ande­ren Seite der Bucht gelegenen Oakland verbinden soll. Drei große Pfeiler, von denen zwei in vorher niemals erreichte Tiefen hinuntergehen, müssen in den Felsgrund verankert werden, und es ist Reeds Auf­gabe, für die höchste Standfestigkeit dieser Beton­pfeiler zu sorgen. Zu diesem Zweck vollbrachte er zwei Rekord-Tauch-Leistungen an einem Tage. Das eine Mal ging er 70, das andere Mal 72 Meter hin­unter. Nach dem ersten Tauchen wurde er fast be­wußtlos herausgeholt, erholte sich aber rasch und sagte:Keine Sorge, das war nur eine kleine Er­müdung!" Dann stieg er von neuem in die Tiefen^ Nachdem er seine Unterwasser-Untersuchungen vor- läufig beendet hatte, wurde er in eineKompres­sionskammer" gebracht und hielt sich unter Wasser ober in dieser Kammer drei ganze Tage auf. Wah­rend dieser Ziet tauchte er fünfmal tiefer als 60 Meter. Reed erhält ein Jahresgehalt von 15 000 Dollar, und die amerikanischen Blätter haben aus­gerechnet, daß ihm damit ein Dollar für den Fuß aller seiner Tauchleistungen in Tiefen von mehr als dreißig Meter bezahlt wird.