Bundes jedoch als Einheit oder gar orte „Kampfgemeinschaft- erscheint nach dem Dolch- stich von Quehin, der alle Deutschen traf, nicht mehr tragbar.
Einstweiliges Verbot des RGOKB. im Kösliner und Stettiner Bezirk.
Köslin, 25. Juni. (DNB.) Die Staatspolizei- stelle Köslin teilt mit: In der letzten Zeit ist festgestellt worden, daß zwischen dem NSDFB. und der SA. sich scharfe Gegensätze herausge
bildet haben. Die Ursachen sind begründet in einem übelwollenden Verhalten der Mitglieder des NSDFB. gegenüber der SA. Da es die Führer der ersteren an dem erforderlichen disziplinarischen Durchgreifen haben fehlen lassen, ist es zu sehr ernsten Zusam- men stoßen gekommen. Um Weiterungen durch das nicht zu billigende Verhalten des NSDFB. vor- zubeugen, ist von den Staatspolizeistellen in Köslin und Stettin ein einweiliges Verbot des NSDFB. für deren Bereich am 25.Juni 1934 erlassen worden. Das Verbot erstreckt sich auf jede politische Betätigung, das Auftreten in Versammlungen und Aufmärschen, sowie das Tragen der Uniform und Abzeichen.
Der Ausbau des neuen deutschen Rechts.
Oer Heichsjustizkommiffar spricht vor nationalsozialistischen Juristen.
Dessau, 25. Juni. (DNB.) Auf einer großen Abendkundgebung im Tiergarten sprach am Sonntag auf der Gautagung des Nationalsozialistischen Juristenbundes zu den versammelten tausend Juristen der
Reichsstatthalter in Braunschweig und Anhalt Loeper
der u. a. ausführte, eine Krise der Justiz habe es niemals gegeben, denn, was man in der Vergangenheit eine Krise der Justiz genannt habe, sei eine Krise des Staates gewesen. „War nicht die Machtergreifung Adolf Hitlers eine E r- l ö s u n g? Haben wir nicht den Juristen ihre eigentliche Aufgabe wiedergegeben und sie hineingestellt in den Blutkreis des Volkes; haben wir nicht auch den deutschen Juristen die Möglichkeit gegeben, auf Grund vernünftiger Gesetze wahres Recht zu sprechen? Welch' ein Wahnsinn der Vergangenheit war es, daß jüdische Richter über Deutsche richten konnten." Der Reichsstatthalter schloß mit einem begeisterten Sieg-Heil auf unser deutsches Volk und Vaterland, woraus gemeinsam das Deutschlandlied gesungen wurde. Darauf ergriff, von lebhaftem Bei- fall begrüßt,
Reichsjustizkommiffar 0r. Frank
das Wort und führte u. a. aus: Die deutsche Juristenbewegung ist eine klare nationalsozialistische Angelegenheit. Wer sich als deutscher Jurist 14 Jahre lang nicht um diese Bewegung des deutschen Volkes gekümmert hat, der hat heute nichts mehr in der nationalsozialistischen juristischen Bewegung zu suchen. Ich erkläre hier:
Das nationalsozialistische Recht kann nur von nationalsozialistischen Kämpfern gestaltet werden.
Dr. Frank würdigte dann eingehend die in dem letzten Jahre von der Regierung Adolf Hitler durchgeführten gesetzgeberischen Maßnahmen, die bereits vorbildlich die Einheit des nationalen Lebens für alle Stände und Schichten des Volkes sichergestellt haben, und fuhr dann fort: I Das deutsche Recht wird das Recht einer ehrenhaften, stolzen und vor allem einer jeden!
Skaverei völlig abhold gewordenen freien Nation sein.
Deshalb erheben wir auch vor der ganzen well den Anspruch darauf, unsere Rassengesehgebung so durchzuführen, wie wir es für Deutschland notwendig halten. (Lebhafte Zustimmung.) wir verbitten es uns, daß irgendwelche ausländischen Kreise sich in die Entwicklung der deutschen Verfassungsgesehgebung einmengen, wir mengen uns nicht ein in die Verfassungsrechtslage anderer Länder und verlangen deshalb, daß man uns unsere deutsche Verfassung so aufbauen läßt, wie wir es für gut und nötig finden.
Der zukünftige Volksrichter muß ein R i ch- t e r k ö n i g sein, denn er hat die Entscheidung über Leben und Tod, und es geht nicht an, daß eine solche Entscheidungsmacht in die Hände von Fremd- rassigen gelegt wird. Darum werden wir auch unsere Rassengesetzgebung ohne Konzessionen durchhalten. Man soll uns hier nicht weich finden. Denn wenn wir in diesem Punkte nachgeben würden, dann hätten wir unsere Revolution umsonst gemacht. Große gesetzgeberische Pläne stehen bevor. Die Reichsreform wird durchgeführt werden, und die Reformen auf allen Gebieten des Rechts nehmen unausgesetzt ihren Fortgang.
Bei allem revolutionären wollen denken wir daran, daß wir die Verantwortung haben, Ge- seheswerke zu schaffen, die für kommende Generationen die Lebensordnung aufstellen sollen.
Das deutsche Volk lehnt Unrecht ab. So wie wir im Inneren das Recht zu schaffen haben, so verlangen wir auch das Lebensrecht unseres Volkes aller Welt gegenüber. Wir wollen den Frieden. Aber die Knechtschaft unseres Volkes hat ein Ende.
Ein Beifallssturm folgte den Worten des Reichskommissars, der sich erst legte, als der Musikzug der 2. Brigade das Horst-Wessel-Lied anstimmte.
Frankreichs Werben in Belgrad.
Belgrad, 25. Juni (DNB.) Der französische Außenminister B a r t h o u legte am Montagvormittag am Grabe des unbekannten Soldaten einen Kranz nieder. Auf der Rückfahrt äußerte er den Wunsch, im Radio eine Rede zu halten. Der Rundfunk veranstaltete demzufolge eine sogenannte „Stunde der Gerechtigkeit". Barthou erklärte, er sei schon immer für die Freiheit der Südslawen eingetreten. Von der Sendestation begab sich Barthou ins Außenministerium, wo er mit dem südslawischen Außenminister Jef- ritsch eine Besprechung hatte. Sodann stattete er dem Ministerpräsidenten U s u n o w i t s ch einen Besuch ab. Als der Besuch beendet war, wurden llsunowitsch und Barthou von Zeitungsphotographen gestellt, die einige Aufnahmen machen wollten. Barthou zog den Ministerpräsidenten, der in einiger Entfernung von ihm Aufstellung genommen hatte, gana nahe an sich heran und sagte: „Kommen Sie näher an das französische Herz, damit man uns so photographiert."
Sodann begab sich Barthou zum König Alexander, wo er in Audienz empfangen wurde. Der König behielt den französischen Außenminister bei sich zu Tisch. Nachmittags hatte Barthou eine Besprechung im Kriegsmini st e- rium. Um 5 Uhr nahm er an einem Tee in der französischen Gesandtschaft teil, zu dem 700 Personen geladen waren. Am Abend veranstaltete die Regierung zu Ehren Barthous ein Bankett.
„Belgrad ist zu realistisch gestimmt."
Ein Kommentar der „Times".
London, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Wiener Vertreter der „Time s" bemerkt zum Beuch Barthous in Belgrad, Barthou bemühe sich, em südslawischen König die franzö- ische Politik der östlichen Pakte zu er- [ären und auf die Notwendigkeit der Zusammen- crbeit mit der Sowjetregierung hinzuweisen. (Er sei in Belgrad zwar mit der großzügigen Herzlichkeit ausgenommen worden, die alten und vertrauenswürdigen Alliierten vorbehalten bleibe; aber er werde zweifellos gefunden haben, daß der jetzige Grundton der südslawischen Lußenpolitik mehr in unabhängigem Urteil, als in begeistertem Einvernehmen bestehe. Belgrad sei zu realistisch gestimmt, um für Pakte oder Serien von Pakten besondere Verwendung zu haben, wenn sie nicht so abgefaßt seien, daß sie den Beitritt Bulgariens erreichen. Die südslawischen Staatsmänner wünschten auch im Interesse ihres Außenhandels und als Gegengewicht gegen die italienische Betätigung -m Tonaugebiet mit Deutschland auf freund- schriftlichem Fuß zu bleiben. Auch bestehe
Neigung zu glauben, daß das Bündnis mit Frankreich auf finanziellem Gebiete nicht alles gezeitigt habe, was von ihm hätte erwartet werden können.
Südslawischer Königsbesuch in Paris.
Keine Sympathie für Sowjetrutzland in Belgrad.
Paris, 26. Juni (DNB. Funkspruch). König Alexander von Südslawien hat Außenminister Barthou zugesagt, im H e r b st offiziell Paris zu besuchen. Dieser Entschluß des Königs wird in Paris mit großer Genugtuung aufgenommen. Die Unterredung Barthous mit dem König steht im Mittelpunkt der Berichte aus Belgrad. In der Unterredung sollen alle aktuellen Fragen erörtert worden sein.
Der Sonderberichterstatter des „Journal" will berichten können, daß Barthou den französischen Standpunkt in der Adrü st ungs frage nochmals umriffen habe: „Kein Abrüstungsabkommen vor der praktischen Organisation der Sicherheit". Diese Organisation sehe eine Reihe von regionalen Bei- standsverträgen vor. Deutschland werde beitreten können, wenn es Bürgschaften für sein „vernünftiges Verhalten" (!) geben. Barthou habe in diesem Zusammenhang auch über die Verträge gesprochen, die Frankreich mit Sowjetrußland oorbereite.
Es sei allerdings kein Geheimnis, daß der Gedanke an Verhandlungen mit den Bolschewisten in Belgrad nicht gerade gefalle. Die Serben blieben dem alten Rußland treu, das nach ihrer Ansicht sich für sie geopfert habe. Sie zögerten mit der Anerkennung der Sowjets.
Dagegen seien sie durchaus geneigt, die Beziehungen zur Türkei enger zu gestalten. Das sei auch ein indirektes Mittel, um zu einer Verbindung zur Politik Moskaus zu kommen. Man spreche bereits von einer bevorstehenden Reise Mustasa Kemals, nach Belgrad.
Dem „Petit Parisien" zufolge hat Barthou auch den König über die französisch- italienischen Verhandlungen unterrichtet. Die französische Regierung habe den seinerzeit fallenaelassenen Gedanken, Bildung eines Dreibundes Jtalien-Frankreich-Süd- f l a w i e n wieder aufgegriffen. Auch über Deutschland und über den Besuch von Ribbentrops in Paris soll in der Unterredung Barthous mit dem König gesprochen worden sein.
Aeichslusifahrlminlsser Göring dankt den Deutschlandfliegern. Der alte deutsche Fliegergeist ist lebendig geblieben.
Berlin, 25. Juni. (DNB.) Im Kreis der Teil- nehmer am Deutschlandflug, die gestern zur Feier der Preisverteilung im Marmorsaal im Zoo versammelt . waren, erschien gegen 0.30 Uhr Reichs- luf*fa^rtminifter General Göring. Reichsminister Göring, der von der Frankentagung auf dem Hesselberg im Nachtflug von Nürnberg nach Berlin zurückgekehrt war, bat die siegreiche Mann- schaft der F l i e g e r g r u p p e Hannover an feinen Tisch und hielt dann eine Ansprache, in der er die Leistungen der Deutschlandflieger mit großer Anerkennung würdigte. Der Schneid und der hohe Kameradschaftssinn, die die Teilnehmer des Deutschlandfluges beseelt haben, ließen erkennen, daß der alte deutsche fliegerische Geist lebendig geblieben ist. Die vollbrachten Leistungen erfüllten ihn mit stolzer Freude. Der jungen Generation, die sich begeistert dem Flugsport widmet, möge der sportliche Ehrgeiz und das Draufgängertum, den die Deutschlandflieger gezeigt haben, Anreiz und Vorbild sein. Nach einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer, dem die Deutschlandflieger auf ihrem Fluge ihre Huldigung barbringen konnten, überreichte der General der siegreichen Mannschaft den von ihm gestifteten Wanderpreis mit der Erwartung, daß der Mannschaft Hannover, nachdem sie zweimal den Preis errungen hat, auch im dritten Jahr der Erfolg deschieden fein möge.
Oer Hirtsiefer-Prozeß.
Berlin, 25. Juni. (DNB.) Im H i r t s i e f e r - Prozeß begann am Montag die Zeugenvernehmung über den Anklagekomplex „Reichszentrale". Als erster Zeuge wird der Ministerialrat Freiherr von Gemmingen vernommen, der als Beamter des Reichsarbeitsministeriums als Reichskommissar für die Organisation Reichszentrale beordert war. Die Frage des Vorsitzenden, ob die Kinder
verschickung auch nationalpolitischen Zielen Mente, bejahte dieser Zeuge. Dann richtete der Vorsitzende an den Zeugen die Frage, ob ihm bekannt sei, daß anläßlich der Verleihung des Ehrendoktortitels der Universität Graz an Hirtsiefer im Wohlfahrtsmini- fterium ein Essen veranstaltet wurde, bei dem das trockene Gedeck 11 Mark und die Flasche Wein bis zu 25 Mark kostete. Der Zeuge er« klärte, daß in diesem Rahmen von allen Mi» nisterien Veranstaltungen durchgeführt worden seien.
Dann wurde Dr. Hans Steinacher, der Führer des VDA., vernommen. Er bestätigte ebenso wie der Leiter der Hauptoertretung des Deutschen Charitas-Verbandes, Prälat W i e n k e, und der ehemalige hessische Staatspräsident Adelung, daß bei dem Kinderaustausch der nationalpolitiscys Gedanke eine besondere Rolle gespielt hätte. Adelung wurde auch über den Anklagekomplex „Wein s p enden" befragt. Der Magistrat der Stadt Düsseldorf hatte dem Angeklagten Hirtsiefer bekanntlich eine Weinspende gemacht, in der von der Anklage eine Bestechung erblickt wird. Der Zeuge Adelung erklärt, solche Weinspenden könne man nicht mit anderen Zuwendungen auf die gleiche Stufe stellen. Sie hätten damals als eine Ehrengabe gegolten, die man nicht zurückweisen durfte. Es komme natürlich darauf an, unter welchen Umständen solche Spenden gegeben wurden. Hierzu bemerkte der Vorsitzende: Gewiß, wenn ich von einem guten Freunde eine Kiste Wein erhalte, so nehme ich sie mit Vergnügen an. Aber ich würde sie zurückweisen, wenn sie mir jemand schicken würde, mit dem ich dienstlich in Moabit zu tun habe.
Dollfuß'Besuch bei Mussolini.
Wien, 26. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Das halb- amtliche Organ der österreichischen Regierung, die christlichsoziale „Reichspost", teilt jetzt mit, daß Mussolini Dr. Dollfuß eingeladen habe, ihn Ende Juli in seiner Villa Riccione mit feiner Familie zu besuchen. Dollfuß habe diese Einladung angenommen.
Aus aller Wett.
Schweres Verbrechen im Gefängnis.
Drei Schwerverbrecher nach Ermordung eines Gefangenenaufsehers entsprungen.
Eine schwere Bluttat wurde am Montagabend im Amtsgerichtsgefängnis in Oelsnitz verübt. Als der Gefangenen-Hauswachtmeister Otto Becker die Zelle des wegen politischer Vergehen seit einem Jahr in Untersuchungshaft befindlichen 34 Jahre alten Wenzel Ottmar betreten hatte, wurde der Beamte von diesem überfallen und mit einem Handtuch erwürgt. Ottmar nahm dem Beamten die Zellenschlüssel ab und befreite den 35- jährigen Mitgefangenen Bruno Gebhardt, sowie den 30 Jahre alten Karl Schröter aus ihren Zellen. Durch Hilferufe lockten dann die drei Verbrecher die im Garten arbeitende Frau des Hauswachtmeisters in ihre Wohnung und zwangen sie unter Todesdrohungen, die Hintertür zu öffnen, durch die die Verbrecher ins Freie gelangten. Sie überfliegen die das Gelände umgebende Mauer und flüchteten. Auf die Alarmierung durch die Frau wurden sofort alle Maßnahmen getroffen, um die nahe Grenze abzusperren. Polizei, Gendarmerie und SA. sind aufgeboten, um nach den geflüchteten Verbrechern zu fahnden.
furchtbare Bluttat in Kassel.
Längere Familienstreitigkeiten sanden am Sonntag in Kassel ein blutiges Ende. Der 57jährige Wunderle geriet, wie so oft, mit feiner Frau in Streit. Auf das Geschrei der Mißhandelten eilten die Nachbarn herbei. Der Nachbar Johannes Simon versuchte, die Streitenden zu trennen und die Mißhandelte zu schützen. In seiner Wut stach W u n d e r l e mit einem feststehenden Dolchmesser auf Simon ein und brachte ihm eine Herzwunde bei. Der Verletzte lief noch etwa acht bis zehn Schritte und brach dann tot zusammen. Ein weiterer junger Mann, der zu Hilfe herbeigeeilt war, wurde ebenfalls mit dem Messer von Wunderle angegriffen, jedoch zerriß ihm der Dolchstoß nur die Hose. Erst ein dritter herbeigeeilter Nachbar konnte den Wütenden durch einen Schlag mit einer Latte auf den Kopf unschädlich machen. Durch das herbei- gerufene Überfallkommando und die Beamten der Kriminalpolizei wurde eine Lynchjustiz der sehr erregten Menge verhindert.
Schwerer Verkehrsunfall im Rheinland.
In der Nacht zum Sonntag kurz nach 3 Uhr ereignete sich auf der Chaussee Wuelfrath—Mettmann im Rheinland ein schweres Verkehrsunglück. Nach den bisherigen Ermittlungen rannte ein Motorrad mit Beiwagen mit solcher Wucht gegen einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Personenkraftwagen, daß der Kraftwagen ein Stück zurück- geschlagen wurde, sich überschlug und mit den Rädern nach oben liegen blieb. Das Motorrad wurde vollständig zertrümmert. Von den Insassen des Personenkraftwagens wurden zwei Frauen schwer verletzt, ein Mann kam mit leichteren Verletzungen davon. Der Motorradfahrer und der Beifahrer trugen sehr schwere Verletzungen davon und fanden Aufnahme im Mettmanner Krankenhaus, wo der Motorradfahrer nach einigen Stunden starb.
Umwandlung von Todesstrafen in lebenslängliche Zuchthausstrafen.
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident die von dem Schwurgericht in Berlin am 24. Juli 1933 gegen Paul Foelz und Ewald Szezodry wegen gemeinschaftlichen Mordes verhängten Todesstrafen in lebenslängliche Zuchthausstrafen umgewandelt. Der preußische Ministerpräsident hat von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch gemacht, weil die Verurteilten sich an dem am 12. Mai 1932 auf die Gastwirtschaft „Zur Linde" in Berlin- Lichtenberg verübten Ueberfall nicht führend beteiligt, vielmehr
auf Anordnung der flüchtigen Haupttäter gehandelt Haben, und weil durch ihre Schüsse auch nachweislich niemand getötet oder verletzt worden ist.
40 Grad Hitze in Oesterreich.
Eine neue Hitzewelle breitete sich am Sonntag über ganz Oesterreich aus. Die Temperatur stieg bereits in den frühen Morgenstunden von 20 Grad auf über 40 Grad Celsius. Die meteorologischen Stationen melden, daß mit einem Andauern der Hitzewellen zu rechnen ist. Infolge der außerordent- lich hohen Temperatur verließ die Bevölkerung Wiens am Sonntag fluchtartig die Stadt. In den umliegenden Bädern find über 250 000 Badegäste gezählt worden. Trotz des Großbetriebes find jedoch nur zwei tödliche Unfälle und 30 Fälle von Hitz- schlag zu verzeichnen.
Jüdischer Filmdireklor verbietet Venedig-Film in England.
Der Bildstreifen von dem Zusammentreffen Hitlers mit Mussolini in Venedig wird, wie der „Star" aus London meldet, wegen der „hitlerfeindlichen Gefühle der Juden" nicht der englischen Oeffentlichkeit gezeigt. Es fei bedauerlich, so schreibt das Blatt, daß solche „Gefühle" die Vorführung verhindern. Im Irischen Freistaat wird der Film vorgeführt.
Hierzu ist zu bemerken, daß der Verband der eng- lischen Lichtbildtheater der Kontrolle des jüdischen Filmdirektors Isidor Öftrer untersteht.
43 Verletzte bei einem Zugzusammenstoß bei Paris.
Ein Zugzusammenstoß, bei dem insgesamt 43 Personen mehr oder weniger schwer verletzt wur- den, ereignete sich am Sonntag kurz vor Mitternacht in der westlichen Bannmeile von Paris. Kurz vor dem Bahnhof Houilles fuhr ein vollbesetzter Personenzug auf einen leeren Güterzug auf, der infolge ungenügenden Dampfdruckes auf der Strecke lag. Bei dem Zusammenstoß schoben sich einige Wagen ineinander, andere sprangen aus den Schienen. Mehrere Reisende, darunter drei mit schweren Schädel- und Beckenbrüchen, sind in das Krankenhaus von Nanterre eingeliefert worden. Andere konnten nach Anlegung von Notoerbänden weiter befördert werden. Der Heizer des Personenzuges und dessen Maschinist befinden sich unter den Schwerverletzten. Erst nach langen Bemühungen gelang es, den Maschinisten, der zwischen zwei Eisenklappen eingeklemmt war, aus seiner gefährlichen Lage zu befreien; er ist später seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Zugzusammenstoß hätte leicht zu einer größeren Katastrophe führen können, weil im gleichen Augenblick auf einem Nebengleis der Schnellzug Cherbourg—Paris heranbrauste. Glücklicherweise waren keine Trümmer, die den Schnellzug hätten zum Entgleisen bringen können, auf dieses Gleis gefallen.
Flugzeug stürzt in die Zuschauermenge. — Acht Tote.
Bei einer Flugveranstaltung in Esseg stürzte am Sonntag eine Maschine ab und fiel in die Zu- schauermenge. Fünf Personen wurden auf oer Stelle getötet, 12 wurden verletzt. Im Laufe der Nacht sind drei Verletzte im Krankenhaus gestorben.
Englisches Flugzeugunglück. — Drei Tote.
Auf dem englischen Flugplatz Gloucestershire stießen am Montagnachmittag zwei Flugzeuge in der Luft zusammen und stürzten ab. Drei Personen wurden getötet.
Brandstifterbande in Ehikago festgenommen.
Die Polizei in Chikago hat eine aus elf Männern und einer Frau bestehende Brandstifterbande festgenommen, der man den größten Teil der gro- ßen Brandkatastrophen, die sich in den letzten drei Jahren in Chikago ereigneten, zur Last legt. Man schätzt den Anteil der Bande an den Brandschäden des letzten Jahres, die sich in Chikago auf fünf Millionen Dollar bezifferten, auf 60 v. H.


