PO.-ASVO.-M.-Sludentenschast.
Am Dienstagnachmittag fand im Konferenzzimmer des Gießener Studentenhauses eine Zusammen- fünft von Vertretern der Kreisleitung der NSDAP., der Arbeitsfront Gießen, der „Kraft durch Freude" und der Gießener Studentenschaft statt. Der Hoch» schulgruppenfuhrer des NSDStB. Gießen, Bernhard Edler von Graeve, berichtete zunächst von der geleisteten und für die kommenden Semester geplanten Arbeit der Studentenschaft und des Studentenbundes. Hieran schloß sich eine lebhafte Aussprache an, die mit einem vollen Erfolg endete. In Zukunft werden die obengenannten Organisationen in engsterZusammenarbeitihre gleichen kulturellen Aufgaben gemeinsam zu lösen suchen.
Als erstes äußeres Auftreten in der Oeffentlich- keit werden die einzelnen Organisationen die Walpurgisfeiern am Montag, 30. April, abends, a u f dem Gleiberg veranstalten. Hier soll bei einem Walpuraisfeuer der von den Vätern gepflegten Sitten und des Erwachens der
Natur und nicht zuletzt der erwachten Nation gedacht werden. Gedichte, Sprechchöre, Volks- und Fruhlingsliedervorträge, sowie Volkstänge werden die nächtliche Feier umrahmen. Von der Gauleitung ist Besuch zu erwarten, ebenso werden von der Kreisleitung der Studentenschaft Vertreter erschei- nen. Nach Abbrennen des Feuers findet dann im Kaisersaal des Gleibergs kameradschaftliches Beisammensein statt, wobei auch zum Tanz aufgespielt werden wird. Hoffentlich hilft auch das.Wetter dieser ersten Veranstaltung zum Erfolg.
Für die Pfingstwoche ist die Abhaltung einer Singfreizeit geplant, die mit einer gemeinsamen großen Veranstaltung in der Dolkshalle abschließen soll.
Für Juni/Juli soll ein deutsches Volksstück im Laienspiel auf dem Gleiberg uraufgeführt werden.
Wir begrüßen es, daß die einzelnen Organisationen von jetzt ab gemeinsam arbeiten und wünschen ihren Veranstaltungen vollen Erfolg.
Hausfrauen lernt Mädchen an!
Nahezu 3000 Mädchen in Oberhessen — 200 allein von den Gießener Stadtschulen — haben jetzt Ostern die Schule verlassen. Sie wollen ins Leben, in die praktische Arbeit, wollen ihre Kräfte im Dienst einer Aufgabe entfalten und bewähren. Nur ein verhältnismäßig kleiner Teil von ihnen konnte in Lehrstellen, oder sonstige Arbeitsplätze gebracht werden. Viele werden vorerst zu Hause bleiben, sich im Haushalt der Mutter betätigen können. Wer eine weitaus größere Anzahl bleibt übrig.
Was geschieht mit diesen jungen Mädchen? Sollen sie der Straße überlassen werden, sollen sie untätig bleiben und verbummeln?
Deutsche Hausfrauen, es wäre unverantwortlich, wenn Sie diesem Geschehen tatenlos zusehen mürben! Helfen Sie, diesen jungen Mädchen den Eintritt in das Leben zu ermöglichen! Helfen Sie, ihnen Arbeitsplätze zu schaffen! Helfen Sie, sie in das Volksganze einzugliedern, an der Stelle, wo ihre künftigen Aufgaben liegen, im Haushalt!
Alle diese jungen Mädchen, die in der entbehrungsreichen Zeit kurz nach dem Kriege geboren wurden, deren Kindheit unter dem Zeichen des härtesten Existenzkampfes, den unser Volk zu führen hatte, stand
alle diese jungen Mädchen wollen einmal Hausfrauen und Mütter werden.
Mehr als je eine Generation bringen sie die Bereitschaft, sich für den Dienst am Volke einzusetzen, mit Mutig wollen sie jetzt beginnen, sich auf die großen Aufgaben in der Familie, im Volk vorzubereiten. Das Schicksal unseres Volkes und das Glück künftiger Generationen werden davon abhängen, wie diese jungen Mädchen für ihre Ausgaben erzogen wer- den.
Deutsche Hausfrauen, deutsche Mütter, geben Sie den jungen Mädchen Gelegenheit, sich im haushalt auszubilden! Nehmen Sie junge Mädchen in Ihren haushalt auf! Machen Sie sich die Mähe, sie anzulernen!
Sie erweisen damit nicht nur der einzelnen Familie, die oft gar nicht in der Lage ist, die Schulentlassenen auch nur kurze Zeit wirtschaftlich mit durch- zuhalten und nicht nur dem jungen Mädchen selber, das damit vielleicht für das ganze Leben Halt und Richtung mitbekommt, einen großen Dienst. Nein, Sie leisten dem ganzen Volk unersetzbare Dienste, Sie helfen Haus und Familie der Zukunft mit aufbauen.
Arbeitsamt Gießen.
nungs(euten In Empfang genommen und zum Aufstellungsplatz geleitet werden.
Fe st wagen fahren ausnahmslos auf der Grün- berger Straße weiter, ohne auf den Trieb selbst zu kommen. Man beachte die Anweisung der Ordnungsleute.
Oie Aufmarschleitung: gez. Hopfenmüller,stellvertr. Kreisleiter
Aus her Provinzialhauptstadt.
Oie Sprache des Pulses.
Von Or. med. August Wallraf.
Es gibt Aengstliche und Ueberängstliche, die der Meinung sind, daß ihr ganzes Heil und ihr Gesundheitszustand von der Anzahl ihrer Pulsschläge abhängt. Auf diesem Gebiet wird durch übertriebene Selbstbeobachtung eine vollkommen unnötige Krankheitsangst heroorgerufen, die verurteilt werden muß.
Der Puls gibt zwar die Zahl der Herzzusammenziehungen an und schafft uns daher Aufklärung über die Arbeitsweise unseres wichtigsten Organs. Trotzdem müssen wir immer bedenken, daß auch bei völlig gesunden Menschen der Puls im selben Zeitraum ganz verschieden schlägt. Bedenklich ist nur der plötzliche Wechsel der Pulsschläge, nicht aber jede Abweichung von der normalen Zahl.
Diese normale Zahl hängt von den verschiedensten Umständen ab, wobei Alter, Geschlecht und Körperlänge zu berücksichtigen sind. Im ersten Lebensjahr beträgt die Schlagzahl pro Minute oft weit über 100, im Laufe der Kindheit sinkt die Zahl langsam ab, am Anfang des zweiten Jahres auf etwa 110, im dritten Jahr auf 100, im fünften Jahr auf 90. Beim völlig Erwachsenen bis zum beginnenden Alter wird dann die bekannte Zahl von 72 Schlägen pro Minute erreicht, um in höherem Lebensalter bis auf 65 zu sinken. Im hohen Greisenalter dagegen tritt wieder eine leichte Erhöhung auch ohne äußeren Anlaß ein. Bei Frauen ist der Puls im Durchschnitt etwa 6 bis 8 Schläge schneller, als beim Manne. Interessant und wenig bekannt ist die Tatsache, das besonders lange Leute meist etwas weniger Pulsschläge aufzuweisen haben, als kleinere Figuren.
Wann tritt nun eine plötzliche Pulsbeschleunigung auf? In erster Linie natürlich bei jedem Fieberanfall. Das Fieber bedingt ja eine gewaltige Stosf- wechselsteigerung und zwingt daher das Herz zu einer Mehrarbeit, die es durch eine gesteigerte Anzahl von Zusammenziehungen auszugleichen versucht. Sehr häufig ist auch die Pulsbeschleunigung durch eine Ueberlabung des Körpers mit den Produkten der Schilddrüse (Basedowsche Krankheit). Mitunter jedoch können auch Störungen der Herznerven, ober des allgemeinen Nervensystems höhere Pulszahl Hervorrufen.
Bei allen Untersuchungen muß man jedoch immer die Stellung des Körpers, also Sitzen, Stehen ober Liegen, berücksichtigen; auch etwa unmittelbar vor- hergegangene geistige ober körperliche Anstrengungen spielen bei der Pulsbeschleunigung eine Rolle. Mitunter ist es auch möglich, aus der Beschleunigung des Pulses nach solchen Anstrengungen die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels zu beurteilen. Zu diesem Zweck werden die bekannten 10 Kniebeugen vorgenommen. Sie müssen in ca. 40 Sekunden ausgeführt werden. Als normal ist dann nach diesen 40 Sekunden eine Pulszunahme van nicht mehr als 10 Schläge zu betrachten. Diese Zunahme muß jedoch innerhalb zwei Minuten bei einem gesunden Herzen wieder dem Normalzustand weichen. Allerdings kommen auch oft ohne Organschäbigun- gen lediglich durch nervöse Einflüsse Abweichungen von diesen Regeln vor.
Manche klagen ständig über Pulsverlangs^mung. Falls Pulsschläge bis herunter zu 54 einen Dauerzustand bilden, liegt kein Anlaß zur Beunruhigung vor. Es können solche Leute trotz der angeborenen
S)ie echte und die falsche Sor alies Roman von Anny von Panhuys.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (6.) 26 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Alles erledigte sich rasch und glatt; der Justizrat konnte sich bald empfehlen. Er tat es mit dem warm klingenden Wunsch: „Fröhliches Weihnachtsfest!"
Draußen auf dem Flur sagte er zu Holm Meerhold, der ihn hinausbegleitet hatte: „Schicken Sie lieber gleich nach dem Arzt! Besser ist besser! Ich glaube zwar nicht, daß unmittelbare Gefahr droht, sondern nur, daß der alte Herr unter dem Einfluß einer Stimmung leidet, die der heutige Abend in ihm heroorgerufen hat. Mancher wird ja am Christabend melancholisch."
Doktor Meerhold wollte umkehren, da sah er sich Ägina gegenüber. Sie war ihm rasch gefolgt, flüsterte: „Er möchte wieder ins Weihnachtszimmer."
Sie gingen zusammen ins Arbeitszimmer, und auf die Arme der beiden gestützt, schritt Jobst Freese zurück in den großen, altmodisch möblierten Raum, tn dem Frau Malwine die brennenden Kerzen des Weihnachtsbaumes behütete. Sie entfernte sich auf einen Wink ihres Herrn sofort, und Regina zog die Vorhänge fest zu.
In der Ecke des braunen Plüschsofas saß jetzt der alte Herr und blickte in das Kerzengefunkel des Baumes, sagte fast vergnügt: „Nun noch ein wenig Weihnachtszauber, den doch nur der lichtergeschmückte Baum geben kann, dann wollen wir essen. Mir ist mit einem Male wieder sehr wohl."
Regina atmete auf. Dem Himmel fei Dank, da würde sie Jobst Freese in den nächsten Tagen wohl bewegen können, das Testament zu ändern, dessen Inhalt sie bedrückte. Denn die Erbschaft durfte sie nicht annehmen, die hätte sie nicht verdient.
Mit großen Augen sah der alte Herr in bas fröhliche Kerzenleuchten. Plötzlich rief er: „Mein letzter Weihnachtsabend ..." Er taumelte jäh empor, streckte beide Arme dem Baum entgegen, murmelte: „Stille Nacht, heilige Nacht..."
Holm Meerhold konnte gerade noch zuspringen, um ihn vor dem Fall zu bewahren.
Ein Stöhnen klang auf, ein ganz eigenes Lächeln umspielte die Lippen Jobst Freeses, und ein bläulicher, wundersamer Schein breitete sich über die klugen Züge. Die Augen schlossen sich — der Tod stand unter dem glänzenden Baum und winkte.
Da tat das Herz des alten Mannes seinen letzten Schlag. Holm Meerhold hielt einen Toten im Arm.
Regina starrte fassungslos auf den Leblosen, den Holm Meerhold mit Anstrengung auf das Sofa bettete. Danach öffnete er weit das Fenster.
niederen Pulszahl ein hohes Lebensalter erreichen. Beängstigend ist nur das plötzliche Absinken einer an und für sich normalen Pulszahl. Es empfiehlt sich, dann sofort einen Arzt um Rat zu fragen.
Kreisleitung der NSDAP. Gießen.
Amt für Volkswohlfahrl.
Arn Donnerstag, 26. April, um 19 Uhr, findet in Gießen, im Caf6 Leib, Walltorftraße, ein Amtsleiter Appell des Amtes für Volkswohlfahrt statt.
Es sprechen über „Bevölkerungspolitische Maßnahmen" der Leiter des Aufklärungsamtes für Be- völkerullgspolitik und Rasfenpflege Pg. Dr. Kranz (Gießen) und der Leiter des Gesundheitswesens im Amt für Volkswohlfahrt Pg. Dr. Hofmann (Gießen).
An diesem Appell haben alle Ortsgruppen-, Zellen- und Stütz>punktamtsleiter des Kreises Gießen teilzunehmen.
Heil Hitler! Gez.: Klöß, Kreisamtsleiter.
An dem am Donnerstag, 26. April, um 19 Uhr in Gießen im Cafä Leib, Walltorftraße, ftattfinben»
Von irgendwo draußen klang es aus Kinderkehlen ins Zimmer: „Stille Nacht, heilige Nacht..." Und es schneite noch immer, dichter und dichter fielen die Flocken.
Regina kniete vor dem Sofa nieder, betete für den guten Mann, der sie in einer trüben Stunde ihres Lebens vertrauend zu sich ins Haus genommen, und Träne auf Träne rollte über ihre Wangen.
Hell und fröhlich funkelten die Kerzen am Baum, aber mit ernstem Gesicht schaute Holm Meerhold in das Geflimmer. Er fuhr sich mit dem Taschentuch über die Augen, sie brannten plötzlich so sehr. Ihm war es, als ob sein Vater, der schon vor Jahren gestorben, noch einmal von ihm gegangen wäre in dieser Christnacht.
Justizrat Stein sagte in freundlich beruhigendem Ton: „Aber bitte, verehrtes Fräulein Graven, seien Sie doch nicht eigensinnig. Welchen vernünftigen Grund hätten Sie denn, die Erbschaft auszuschlagen? Gar keinen! Sie täten ja dem alten Herrn noch Schmerz über das Grab hinaus an, wenn Sie bei Ihrem Entschluß blieben. Er hat seinen Entschluß, Sie zu seiner Erbin einzusetzen, bei vollem Bewußtsein gefaßt, und es war feine letzte Freude."
Es war feine letzte Freude!, klang es in Regina nach.
Es war am Tage nach dem Begräbnis, und Regina befand sich mit Justizrat Stein im Arbeitszimmer des Verstorbenen.
Regina erwiderte leise: „Warum ich nichts annehmen möchte? Sehr einfach: Weil ich nicht begreifen kann, daß er mir, gerabe mir, alles hinterlassen hat. Er war doch sonst schon gut genug gegen mich. Ich habe das bedrückende Gefühl, mir etwas anzueignen, worauf ich fein Recht habe, und das häßliche Wort .Erbschleicherin' quält mich."
Der Justizrat lächelte ein wenig belustigt.
„Das unsichere Gefühl wird sich geben. Das verliert sich bald, und daß Sie und das Wort .Erbschleicherin' nicht zueinander passen, sieht jeder auf den ersten Blick." Er wurde sehr ernst. „Ein Recht auf den Nachlaß aber gab Ihnen der Verstorbene selbst, und er war der einzige Mensch, der darüber zu entscheiden hatte. Ich rate Ihnen nochmals und dringend, nehmen Sie die Erbschaft an. Sie berauben ja niemanden. Von all den persönlichen Annehmlichkeiten abgesehen, die Sie sich fortan werden leisten können, kommen Sie auch in die ßage, Gutes tun zu dürfen. Sie werden schöne Reisen machen, etwas von der Welt sehen und..."
Helles Rot stieg plötzlich in Regina Gravens ®efid)t. Ein Gedanke war da plötzlich, ein Gedanke, Öen sie schon früher als heiße Sehnsucht gehegt. Aber als eine unerfüllbare Sehnsucht. Jetzt winkte mit einem Male die Erfüllung.
Sie lächelte ein wenig und fiel dem Justizrat ins ^ort: Ich mache keinen Einwand mehr, nehme die Erbschaft an und bitte Sie, alles zu regeln."
Der Justizrat nickte zufrieden: „Endlich sind Sie 'vernünftig!"
den Amtsleiter-Appell des Amtes für Volkswohl- fahrt haben die Bürgermeister des Kreises Gießen teilzunehmen.
Heil Hitler! Gez.: Kloß, Kreisamtsleiter.
NG.-Aerztebund Kreis Gießen.
Hiermit fordere ich die Parteigenossen und Mitglieder des NS.-Aerztebundes des Kreises Gießen auf, an der Veranstaltung der NS.-Volkswohlfahrt am Donnerstag, 26. April, um 19 Uhr, im Cafö Leid teilzunehmen.
Heil Hitler!
Gez.: Dr. Vetz berger
Kreisabteilungsleiter für Volksgesundheit. Aus parteiamtlichenBekanntmochungen Das 21 mt für Beamte, Kreis Gießen, weist nochmals auf den am morgigen Freitag, 20 Uhr, im Hause der Deutschen Arbeitsfront stattfindenden Fachschaftsabend der Fachschaft 12 (All- aemeine Länderverwaltung) hin, an dem alle Fach- schaftsmitglieder teilnehmen müssen, während die Berufskameraden der übrigen Fachschaften eingeladen sind.
Er dachte: „Die Aussicht auf schone Reisen hatte Regina Graven bezwungen, endlich nachzugeben. Seit einer Stunde plagte er sich ja schon herum mit ihr, die durchaus die Erbschaft hatte ausschlagen wollen, weil sie behauptete, kein Recht darauf zu haben.
Sie hatte jetzt leuchtende Augen und fah wunderschön aus in dem einfachen schwarzen Trauerkleid, das sie sich gekauft. Wie zufrieden und glücklich die kurz zuvor noch so nervös scyeinende Regina Graven mit einem Male dreinschaute!, mußte der Justizrat denken.
Am Nachmittag schon fand er sich wieder ein, saß ihr gegenüber im Arbeitszimmer des Verstorbenen und berichtete, ein bißchen sachlich betonend: „Ich habe, da ich schon zuweilen mit der Ordnung von Dermogensangelegenheiten vom Herrn Landgerichts- bireftor betraut wurde, leicht meine Erkundigungen einziehen können. Außer dem Grundstück, das nur mit einer kleinen Hypothek belastet ist, liegen auf der Bank Schnydder gute Wertpapiere für annähernd hunderttausend Mark. Das Barvermogen beträgt hundertzwanzigtausend Mark, so daß Sie, das Grundstück eingeschlossen — es ist mit sechzig- tausend sehr niedrig taxiert —, jetzt über ein Vermögen von etwa dreihunderttausend Mark verfügen."
Regina verstand ja nicht allzuviel von Vermögens- dinaen. Bisher schienen ihr, für ihre Begriffe, tausend Mark schon eine Unsumme. Und wenn sie nun auch angenommen hatte, das Haus wäre sehr wertvoll, blieb es doch immerhin zunächst nur ein Gegenstand. Eine Barsumme dagegen sah für sie 9an3 anders aus. Sie hatte angenommen, daß Jobst Friese höchstens über zehn- ober zwanzigtausenb Mark verfügt hätte, hatte geglaubt, weil er fach- schriftstellerisch noch so fleißig tätig gewesen war, er hätte bas Einkommen nötig gebraucht, um sein kleines Vermögen nicht anzugreifen, unb hielt jetzt förmlich ben Atem an vor Schreck über bie eben gehörte Summe.
Justizrat Stein schien zu erraten, was sie bachte.
Er sagte: „Herr Freese war reich unb lebte verhältnismäßig einfach. Man vermutete gar nicht so viel Gelb hinter seiner Schlichtheit — nicht wahr?"
Regina nickte, unb auf ihrem Gesicht lag noch immer grenzenloses Erstaunen, blieb barauf liegen währenb ber ganzen weiteren Unterhaltung.
Sie war froh, als sich ber Justizrat empfahl. Ganz benommen blieb sie zurück.
Sie saß an bem geschnitzten Schreibtische, einem wertvollen antiken Möbel, unb hatte ben tief geneigten Kopf auf die gefalteten Hände gelegt. Sie sann: wie so ganz anders, als vorauszusehen war, hatte sich doch ihr Leben gestaltet, unb nur baburch, daß sie an Stelle von Doralies Wolfram nach Berlin gereift war. Sonst säße sie jetzt noch als Arbeitslose in Mooshausen unb wäre wohl auf die Unterstützungskasse bes Städtchens angewiesen. Statt dessen gehörte ihr nun eine vollständig und bequem eingerichtete große Villa mit schönem Gar-
Die NS.-Haga Ortsgruppe Gießen» Süd und Gießen-Nord machen ihre Mit« glieber auf bie am morgigen Freitag, 20 Uhr, ig ber Liebigshöhe ftattfinbenbe Kunbgevung aufmerk« sam unb forbern zu vollzähligem Besuch auf. Redner ist Pg. F e i ck e r t - Frankfurt a. M.
Ortsgruppe Sießen-Süd.
Dom Donnerstag, bem 26., bis Montag, ben 30 b. M., findet in ber Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenschaft eine ßebensmit- t e I f a m m I u n g für bie NS. -Dolkswohl« fahrt statt. Es ist Pflicht eines jeden Volksgenossen, zur Linderung der immer noch bestehenden Not zu seinem Teil tatkräftig beizutragen. Ich bitte, bie Lebensmittelspenbe zur Abholung bereitzuhalten.
gez. Zoll, stellv. Ortsgruppenamtsleiter.
Deutscher Heimarbeiter- und Haus- gehitfen-Verbanb.
Derbandsort Gießen.
Achtung! töerbanbsmitglieber!
Am Freitag, 27. April, 20.30 Uhr, finbet eine wichtige Mitglieberverfammlung im Saale bes Caf6 Leib statt. Es spricht ber Derbanbs- bezirksleiter Pg. Paul Rahner (Frankfurt a. M.). Zur Unterhaltung spielt bie SA.-Kapelle Niebergall. Restloses Erscheinen ist Pflicht.
Gez.: Zotz, Verbandsortsleiter.
Von der HI.
Der ehemalige Oberiungdannführer des Oberjungbanns V Rheinpfalz, Ruprecht Hainer, wurde zum Gebietsjungvolkführer in das Gebiet Hessen-Nassau berufen.
Heini Jung, der bisherige Gebietsjungvolkführer, übernimmt die Leitung des Sozialen Amtes in der HI. im Gebiet Hessen-Nassau.
Oie Wertquittungen des WHW.
Am 2. IHai Ablauf der Wertqutttungen für die Sohlenverforgung des DHD.
Die Reichsführung des WHW. gibt bekannt: Es wurde wiederholt durch Rundschreiben und Notizen in der Fach- und Tagesvresse darauf hingewiesen, daß die Gültigkeit der Wertquittungen für die ge- samt« Kohlenversorgung im Reiche mit dem 2. Mai 1934 abläuft.
Die Kohlengutscheine der letzten Ausgabe Serie „F", welche von den Kohlen-Kleinhändlern bis zum 10. April 1934 nicht bei den zuständigen Ortsgruppen des WHW. abgerechnet wurden, sind verfallen. Die bis zum 10. April 1934 ausgestellten Wertquittungen sollten bis zum 20. April 1934 von ben Kohlenkleinhänblern bei ben Kohlengroßhänblern in Zahlung gegeben fein. Die Kohlen-Großhändler haben biefe Wertquittungen bis zum 25. April 1934 bei den Syndikaten einzureichen. Der Einreichungstermin der Syndikate bei der Reichsführung ist der 2. Mai 1934. Nach dem 20. April 1934 hat der Kohlen-Kleinhändler, nach dem 25. April 1934 hat der Kohlen-Großhändler keinen Anspruch mehr daraus, baß chm eine Wertquittung abgenommen wirö. Wenn ein Kohlen-Großhändler trotzdem nach dem 20. April 1934, oder wenn ein Syndikat nach bem 25. April 1934 noch eine Wertquittung annimmt, so tun sie das auf eigene Gefahr, da bie Reichsführung nach bem 2. Mai 1934 grundsätzlich keine Wertquittungen mehr entgegennimmt. Es wirb nochmals, unb zwar nachdrücklichst, barauf aufmerksam gemacht, baß von ber Reichsführung nach bem 2. Mai 1034 keine Wertquittungen mehr angenommen werden.
Tagung der Landessynode.
Die Lanbessynobe der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen tritt am Freitag, 27. April, vormittags 10.30 Uhr, tn dem Synodalgebäude zu Darmstadt zu einer Sitzung zusammen.
Einziger Punkt der Tagesordnung ist bie Ueberführung der Evangelischen San»
ten in einem Vorort Berlins, und ein Vermögen dazu.
oie konnte und wollte das noch nicht fassen. Ueberroältigenb war die Vorstellung. Sie grübelte: Peter Konstantin verurteilte die Luge — und ihre Lüge war doch so überreich belohnt worden.
Belohnt worden? War sie wirklich belohnt worden?
Hatte sie nicht durch ihre Lüge Peter Konstantin kennengelernt und damit das Leid? Sie liebte ihn doch, das wußte sie nun. Und ihr Herz krampfte sich vor Weh zusammen, wenn sie an ihn dachte. So jämmerlich klein stand sie ja in seinen Augen da, die sich in seinem Beisein mit der Polizei hatte drohen lassen müssen.
Sie seufzte und schloß die Augen, sann: wie schön wäre jetzt alles, wenn sie Holm so lieben könnte wie Peter Konstantin — Holm, der dem anderen so sehr ähnelte und doch wiederum nicht.
Es klingelte am Gittertor. Sie hob en Kopf aui ihren Händen, warf einen Blick durch das Fenster.
Draußen stand Holm Meerhold. Sie erinnerte sich unwillkürlich daran, wie erschrocken sie gewesen war, als sie ihn zum ersten Male so wartend vor der Gartentür hatte stehen sehen, und wie sie bestimmt gemeint hatte, es wäre Peter Konstantin.
Der Irrtum wäre jetzt wohl nicht mehr möglich.
Ein paar Minuten später klopfte es, unb bie hohe Gestalt Holm Meerholbs trat ein.
Regina ging ihm ein paar Schritte entgegen; aber ohne baß sie es eigentlich wollte, war ein Etwas in ihrer Haltung, bas wie leichter Wider- ftanb, wie Ablehnung war.
Regina Graven und Holm Meerhold reichten sich die Hände. Er fragte:
„Wie geht es dir? Wir haben uns feit gestern vor der Beerdigung nicht mehr gesehen? Du bliebst ja zu Hause, was auch gut war; es hätte dich doch nur aufgeregt, die ganze traurige Zeremoni« mitzumachen.
Sie bat:
„Setze dich, Holm, unb bann erzähle mir, wie das Begräbnis gestern verlief. Ich las heute früh schon in ber Zeitung barüber. Unb Justizrat Stein meinte auch, es wäre alles sehr feierlich gewesen; aber ich höre gern noch von bir, wer dabei war. Ich sah und hörte doch nichts davon."
Er dachte: Wie kam es nur, daß Regina ihm jedesmal, wenn er sie wiedersah, noch schöner und begehrenswerter erschien, obwohl er wußte, sie liebte ihn nicht, sondern einen anderen, der ihm ähnelte — einen, den er deshalb haßte, weil sich ohne ihn jetzt vielleicht alles so wunderschön gestaltet hätte.
Er berichtete:
„Die Beerdigung war sehr feierlich, die Predigt klug und warm zugleich; verschiedene Reden ebenfalls. Nur war niemand da, dem man, Beileid aus« I drückend, die Hand geben konnte. Das ist immerhin etwas Seltenes unb fiel auch auf."
(Fortsetzung folflt) j


