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Der Siegeszug der drchilosen Telegraphie.

Zum 60. Geburtstag ihres Erfinders.

Qn diesen Tagen feierte Guglielmo M a r c o n i, der Erfinder der drahtlosen Telegraphie, seinen sechzig st en Geburtstag. Die drahtlose Tele­graphie ist heute aus dem Weltgeschehen nicht mehr wcgzudenken. Die hohe Politik wie die Wirtschaft bedienen sich ihrer mit einer voraussetzungslosen Selbstverständlichkeit. Und unsere Zeit ist so schnell­lebig geworden, daß wir heute schon Einrichtungen und Möglichkeiten als gegeben hinnehmen, die noch zu Zeiten unserer Großväter, ja noch unserer Väter als kaum vorstellbar galten, geschweige denn, daß man daran geglaubt hätte, daß sie einmal Wirklich­keit werden könnten. Dazu gehört nicht zuletzt die drahtlose Telegraphie. Heute sind knapp 3 3 Jahre vergangen, seit es dem italienischen Ingenieur gelang, zum erstenmal den atlanti­schen Ozean mit radiotelegraphischen Morse­zeichen zu überbrücken. Seine erste Station, die eine Reichweite von etwa 20 Kilometern besaß, hatte Marconi mit den primitivsten Mitteln im Jahre 18 9 7 errichtet.

Rur sehr langsam machte die Technik auf diesem Gebiet zunächst ihre Fortschritte, und die Jahre des jungen Erfinders waren mit unermüdlicher Arbeit ausgefüllt, bis es ihm endlich gelang, die Reichweite der noch unbekannten Radiowellen auf eine größere (Entfernung auszudehnen. So war es im Sommer 1899 schon eine Sensation, als zwei englische Kriegsschiffe über eine Strecke von rund 190 Kilometern drahtlos mitein­ander verkehrten und sich verständigten. Bald dar­auf wurden auch die ersten deutschen Dampfer mit drahtlosen Stationen ausgerüstet, und Marconi und

seine Mitarbeiter setzten jetzt allen Ehrgeiz darein, alsbald die drahtlose Verbindung zwi- schen Europa untz derneuen Welt" herzu st ellen. Am 12. Dezember 1901 mar es endlich so weit.

Mit erstaunlicher Schnelligkeit entwickelte sich nun die drahtlose Technik von Monat zu Monat. Im gleichen Winter gelang es einem gestrandeten Schiff, mittels der drahtlosen Telegraphie Hilfe herbeizu­holen. Die Welt horchte auf. Und nun begann der Siegeszug. Man erkannte allenthalben, welche ungeheure Bedeutung die drahtlose Tele­graphie besonders auch für die Schiffahrt hatte. Fie- berhaft arbeiteten die Techniker, und es gelang ihnen in kurzer Zeit, die Reichweite der Radiowellen auf 4 00 Kilometer' hinaufzusetzen. Und am 12. Dezember 1901 war dann der große Wurf ge­lungen: Marconi hatte von einer europäi­schen Station nach einer kanadischen Empfangs st ation den Buch st obenS" morsetelegraphisch übermittelt. Das bedeutete, daß eine Entfernung von 3600 Kilometer überbrückt war, daß zwei Kontinente durch Radio­wellen überbrückt waren. Und heute, nach wenig mehr als 30 Jahren, steht in f a st jedem Haus ein Radioapparat, der die drahtlose Verbindung mit der Welt herstellt. Seit dem Weltkrieg ist die draht­lose Telegraphie in den Dienst der Menschheit ge­treten. Wenn man von einersegensreichen Erfin­dung" sprechen will, so ist es gewiß die Schöpfung des Italieners Marconi, der unlängst auf Vorschlag des Duce von König Victor Emanuel zum Präsi­denten der Königlichen Akademie ernannt wurde.

mutter, der greisen Rentnerin Ernestine Andry- ßewski, im Norden Berlins begangen hat. Vogel­mann, der schon während der Schulzeit Mutter und Großmutter bestohlen hatte, fristete feit Entlassung aus der Berufsschule sein Leben von D i e b - stählen aller Art. Seine Mutter, die von ihrem Mann getrennt lebte, war nicht imstande, den völlig verwahrlosten und arbeitsscheuen Bur­schen in bessere Bahnen zu lenken. Sein ganzes Sinnen und Trachten war darauf gerichtet, sich irgendwie Geld au verschaffen, um Lokale un6< Rummelplätze aufsuchen zu können. So sank er von' Stufe zu Stufe, betrog das Wohlfahrtsamt, be­raubte wiederholt die Gasautomaten in den Woh­nungen seiner Mutter und Großmutter und scheute sich auch nicht, den kärglichen Arbeitsverdienst seiner Großmutter zu verjubeln. Als Vogelmann dann wieder einmal ohne Geld war, beschloß er, seine Großmutter zu ermorden und ihr die letzten Ersparnisse zu rauben. Am 10. Dezember schritt er zur Tat. Er wartete, bis die Greisin eingeschlafen war und erstickte sie dann mit einem Kopfkissen. Er erbeutete ganze 18 Mark.

keine Spur von Dillinger.

Das Heer von Polizeibeamten, das mit der Suche nach dem Schrecken des amerikani-schen Mittel- Westens, Dillinger und seiner Bande beauftragt ist, hat auch Mittwoch keinerlei Erfolge aufzu-, weisen gehabt. Im Gegenteil scheint sich die Spur der Verbrecher weiter zu verflüchtigen. Gleich­zeitig wurde das Erscheinen des Ban- denfuhrers an verschiedenen Orten gemeldet, die zum Teil über tausend Meilen von einander entfernt sind. So wurde ein lieber» fall auf eine Farm in Elkriver (Minnesota) Dil­linger ebenso zugeschrieben, wie ein gleichfalls am Mittwoch erfolgter Bankraub in Akron (Ohio). Ebenfalls auf Grund einer Anzeige wurde in Staunton (Virginien) ein nach Washington gehen­der Eilzug angehalten und nach, der Dillingerbande durchsucht. Aber auch hier toor feine Spur von den Verbrechern (zu finden. Zur Ver­folgung Dillingers sind außer 500 0 Polizei- beamten und zahlreiches Ptilizsoldaten 300 Mann Infanterie von be'rvi .Bundesregierung eingesetzt worden. Die zusammenge^vgenen Flieger­staff e l n warten jeden Augenblick auf den Befehl, in die Jagd eingreifen zu können.

Todesstrafe in Rußland für einen betrunkenen Kraftwagenführer, der einen Passanten überfuhr.

In Tiflis wurde der russische Kraftwagen­führer Karnauchow, der in betrunkenem Zustande mit seinem Kraftwagen einen Passanten überfuhr und tötete, zum Tode verur- t e l t. Die Behörden haben seine Begnadigung ab­gelehnt. Das Urteil ist bereits vollstreckt worden.

Feuersbrunst zerstört ein ganzes Dorf.

In dem Dorfe M o f z c z a n i c a, in der polni­schen Wojewodschaft Kielce, entstand durch Funken­flug aus dem schadhaften Schornstein eines Back­ofens ein Brand. Infolge des starken Windes setzte sich das Feuer mit rasender Geschwindigkeit fort. In kurzer Zeit stand das ganze Dorf in Flam­me n. Die inzwischen angerückten 16 Feuerwehren konnten nur noch wenige Häuser, die vom Brand­herd weiter entfernt lagen, schützen. Den Flammen fielen 72 Anwesen mit dem gesamten lebenden und totenJnventar zum Opfer. Etwa 500 Einwohner sind obdachlos. Soweit bis­

her bekannt, sind vier Personen, die versuch­ten, aus den brennenden Häusern ihr Hab und Gut zu retten, ums Leben gekommen. Meh­rere Feuerwehrleute wurden bei den Löscharbeiten zum Teil schwerverletzt. Der angerichtete Schaden läßt sich zur Zeit nicht übersehen. Er wird auf mehr als 200 000 Zloty geschätzt. Der Brand wütete 16 Stunden lang. Die 'Aufräumungsarbeiten sind ein­geleitet.

Carilas-Sammlung in ganz Deutschland.

Der Caritas-Verband wird in ganz Deutschland vom 5. bis 11. Mai eine Haussammlung und am 5. und 6. Mai eine Straße nsarnrn- lung abhalten, die von den Reichsbehörden und Länderregierungen genehmigt wurden. Sie sollen der im Deutschen Caritas-Verband zusammen­geschlossenen kirchlichen Liebestätigkeit der deutschen Katholiken die Mittel be­reitstellen, die ihr Dienst an den bedürftigen und notleidenden Volksgenossen mit den dazu geschaffe­nen zahlreichen Einrichtungen (Krankenhäusern, Erholungs-, Alters- und Erziehungsheimen ufw.) erfordert.

Methusalem gibt Fersengeld.

In Istanbul pfeifen es die Spatzen von den Dächern, die Zeitungsmänner rufen es aus, und in den Teehäusern sprechen die vornehmen Türken davon: Zaro Agha, derälteste Mann der Welt", ist verschwunden. Er, der Stolz aller Türken, der jedem erzählt, er fei 16 0 Jahre alt, hat sich aus seiner Wohnung ent­

fernt und konnte noch nicht wieder aufgefunden werden. Gerade in diesen Tagen stand der Greis wieder einmal im Mittehpunkt des öffentlichen Interesses. Jetzt sollte der Beweis erbracht werden, daß er tatsächlich 160 Jahre auf dem Buckel spa­zieren führt. Denn wenn ihm auch ein guter Teil des Volkes staunend und gläubig zuhört, wenn er von persönlichen Erinnerungen an Ereignisse spricht, die eigentlich schon sagenhaft sind, so gab es doch von jeher Zweifler, die in Zaro Agha nur einen Aufschneider und geriebenen Schlaukopf sahen. Nach­weisen konnte man ihm bis jetzt gar nichts, denn als er geboren wurde, gab es noch keine Standes­ämter und Geburtsurkunden. Jetzt wollte man ihm aber mit einer wissenschaftlichen Untersuchung zu Leibe rücken. Mehrere Aerzte baten Zaro Agha, sich zur Verfügung zu stellen, und da er sich keine Blöße geben durfte, sagte der Alte zu. Als es dann aber Tatsache werden sollte, verschwand er spurlos. Natürlich trumpfen jetzt seine Gegner auf und erklären lachend, er werde wohl einen Grund zur Flucht gehabt haben. Im übrigen wird Zaro Agha auch weiterhin derälteste Mann der Welt" bleiben, selbst wenn er ein paar Jahrzehnte hergeben muß.

Vier Tote bei einem Flugzeugunglück.

WieAssociated Preß" aus Tegucigalda in Hon­duras meldet, stürzte auf der Strecke PoroTeguci­galda ein Passagierflugzeug in einer schweren Re- genböe ab. Der Flugzeugführer und drei Fahrgäste wurden getötet.

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Joachim von Ribbentrop ift~ wie schon gemeldet wurde vom Reichspräsidenten zum deutschen ^Beauftragten für Abrüstungsfragen be­stimmt worden.

Chinesisches Pulverlager in die Cuff geflogen. 68 lote.

Nach einer Meldung aus Dolonor ist auf einem Militärposten bei der Stadt Tschifu ein chinesi­sches Pulverlaaer aus noch nicht bekannter Ursache in die Luft geflogen. Bis jetzt wer­den 6 8 Tote gemeldet.

Dritte Südamerikafahrt desGraf Zeppelin" bis nach Buenos Aires.

Es ist, wie aus Friedrichshafen gemeldet wird, beabsichtigt, die dritte diesjährige Reife des Luft­schiffesGraf Zeppelin" nach Südamerika (Abfahrt am 23. Juni) von Friedrichshafen über Rio de Janeiro bis nach Buenos Aires aus­zudehnen.

Wettervoraussage.

Durch die Störung über England, die langsam ihren Weg ostwärts nimmt, erfolgt weiterhin Zu­fuhr ozeanischer Luft, die an der Rückseite aus höhe­ren Breiten zugeleitet wird. Der Witterungscharak­ter bleibt daher wechselhaft, so daß bei mäßigen, aber schwankenden Temperaturwerten Bewölkung und Aufheiterung sich ablösen und vereinzelt noch Niederschläge zu erwarten sind.

Aussichten für Freitag: Wolkig mit vor­übergehender Aufheiterung, noch mäßig warm, ein­zelne Niederschläge.

Aussichten für Samstag: Noch kein be­ständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 25. April: mittags 14,5 Grad Celsius, abends 6,9 Grad; am 26. April: morgens 7,5 Grad. Maximum 15,4 Grad, Minimum 6,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. April: abends 12,1 Grad; am 26. April: mor­gens 9 Grad. Sonnenscheindauer 7 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 34: 11 550. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.

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