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Protest der stimm- und faustgewaltigen Mehrheit in Versammlungen und Tagungen.

Das neue Reich, das mit allen Mitteln d i e Qualität der Arbeit zu heben sucht, konnte sich hiermit nicht abfinden. Es ist aber weiter ent­schlossen, bei der Lohnbemessung auch die Bedeutung des Arbeiters für die Zukunft von Volk und Staat zu berücksichtigen, hieraus ergibt sich der Zwang zur Gewährung beträchtlicher und möglichst pro­gressiver Lohnzuschläge auf Grund des Fami­lie n st a n d e s. Die Lohnbemessung ist nicht die einzige Möglichkeit, die nationale und soziale Leistung des einzelnen für seine Gemeinschaft zu werten und abzugelten. Verhältnismäßig alt ist die Bevorzugung des kinderreichen Arbeiters bei der Bemessung der Einkommen st euer. Auch bei der Erhebung von Entgelt für besondere kultu­relle Leistungen (Schulgeld) wurde und wird die Kinderzahl berücksichtigt. Vor wenigen Wochen hat die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft einen weiteren Schritt unternommen: die Ermäßigung der Eisenbahn-Fahrpreise für kinder­reiche Familien nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Eltern.

Es ist überaus schwer, die Bevorzugung der kinderreichen Arbeiter in der gesamten Wirtschaft über einen gewissen Grad zu steigern. Da zahlreiche Unternehmungen auf Niedrighaltung der Produk­tionskosten angewiesen sind, wäre die Folge eine verstärkte Nachfrage nach Unverheirateten und Kinderlosen zum Schaden der Kinderreichen also das genaue Gegenteil von dem, was die national­sozialistische Regierung will. Schließlich gebietet ja auch die Gerechtigkeit festzustellen, daß Volk und Staat also die beiden der privaten Wirtschaft übergeordneten Prinzipien das Hauptinteresse an einer sozialen Ausgestaltung der Böhne haben, und daß sie daher von sich aus entsprechende Auf­wendungen machen müssen.

Jede neue Idee braucht einige Zeit, bis sie die Mehrheit der Menschen so durchdringt, daß ihre Ausstrahlungen und Konsequenzen als selbstver­ständlich angesehen werden. Es sind doch noch keine IV2 Jahre vergangen, seit große Teile des deut­schen Volkes dem Geist des Klassenkampfes ergeben waren! Damals wurden die Verhandlungen über die Gestaltung des Arbeitsverhältnisses und damit auch der Löhne also die Tarifverhandlungen mit dem Hintergedanken geführt, daß jeder der beiden Parteien oen Kampfzustand herbeizuführen bereit war, wenn sie dadurch einen Vorteil er­hoffen konnte. Hinter diesen Verhandlungen stan­den die Streikdrohung der Arbeiter und die Aus­sperrungsdrohung der Unternehmer. Das amtliche Schlichtungswesen hat zwar bisweilen den Aus­bruch von Arbeitskämpfen verhindert, aber die Verständigungsbereitschaft der Parteien noch weiter vermindert.

Es gab schließlich fast mehr verbindlich erklärte behördliche Schiedssprüche als freiwillig abge­schlossene Tarifverträge. Dadurch ist in einem ge­radezu ungeheuerlichen Maße das deutsche Volk sozial aufgespalten und gegeneinander verhetzt wor­den. Die nationalsozialistische Regierung ist hier einen klaren Weg gegangen: sie hat die Angehörigen der früheren beiden sozialen Lager persönlich und berufsethisch einander so nahe gebracht, daß die Verhandlungen innerhalb der Betriebs­oder Berufsgemeinschaft wieder aussichtsvoll ge­worden sind. Wenn auch zunächst noch der Ver­treter der Staatsautorität, der Treuhänder der Arbeit, häufiger eingreifen muß, um zu vermitteln oder zu entscheiden, so ist doch auf diesem Gebiet eine ständige Besserung der Verhältnisse zu er­warten. Das wird dann der Fall sein, wenn sich der Arbeiter bei der Lohnfestsetzung nicht mehr aus­gebeutet und der Betriebsführer nicht mehr er­preßt fühlt.

Oer Führer am Grabe eines verdienten Parteigenossen.

Nürnberg, 25.April. (DNB.) In Anwesen­heit des Führers wurde auf dem Südfriedhof zu Nürnberg der verdiente alte Parteigenosse Schnei­dermeister Josef Heinrichs zu Grabe getragen. Der unübersehbare Trauerzug legte Zeugnis ab von der Beliebtheit, deren sich der Verstorbene in weiten Kreisen erfreute. Nach der Aussegnung be­wegte sich der Trauerzug unter den Klängen eines Trauermarsches zum Grabe, gefolgt von SA. und SS. mit ihren Fahnen. Der Sarg war von Fackel­trägern begleitet. Ihm folgten die Leidtragenden, sodann der Führer mit dem Frankenführer Streicher und seinem Adjutanten Brückner. Unter den Klängen des Präsentiermarsches senkte sich der Sarg in die Gruft, die von einem Meer von Blumen umkränzt war.

Nach den Gebeten der katholischen Geistlichkeit hielt der Priester die Trauerrede. Nach dem Vater­unser spielte die SA.-Kapelle das Lied vom guten Kameraden. Während des Liedes senkten sich die Fahnen über die Gruft. Frankenführer Strei­cher gedachte des Toten in kurzen ehrenden Wor­ten. Was der Führer, was der Kanzler des Rei- ches von diesem Kämpfer halte, das beweise er da­mit, daß er aus der Reichshauptstadt hierher ge­kommen sei. Auch die fränkischen Nationalsozialisten und die fränkische SA. habe dem Verstorbenen un­endlich viel zu verdanken. Zum Zeichen des Dan­kes legte der Gauleiter einen Lorbeerkranz an der offenen Gruft nieder. Für die Stadt Nürnberg sprach Bürgermeister Dr. Eickemeyer: sodann folgten zahlreiche weitere Kranzniederlegungen. Der Kranz, den der Führer an der Gruft nieder- legen ließ, trug die Aufschrift:Dem einstigen treuen Förderer der NSDAP. Adolf Hitler." Auch Staatsminister Esser ließ dem treuen Freund einen letzten Blumengruß widmen. Ehe der Führer das Grab verließ, sprach er den Anverwandten des Toten sein Beileid aus.

Die Mitgliedschaft bei SA. RI und RS.-Trontkämpferbund.

Berlin, 25. April. (DNB.) Das Presseamt der Ober st en SA.-Führung teilt mit: In verschiedenen Landesteilen sind Unklarheiten Hinsicht- lich der Frage der Mitgliedschaft zum NS.-Front- kämpferbund bzw. zur SA.-Reserve I aufgetreten. Es ist darum Veranlassung gegeben, folgendes noch­mals festzustellen:

Mitglieder des ehemaligen Stahlhelmbundes, die bereits in die SA.-Reserve I übernommen sind, dür­fen eigenmächtig aus der SA.-Reserve I nicht ausscheiden, nur um sich anderen Ver­einigungen anzuschließen. Wer etwa wegen körper­licher Behinderung im Dienst oder aus anderen Gründen aus der SA.-Reserve I ausscheiden möchte, muß seine Entlassung beantragen und besonders begründen.

Eine Doppelmitgliedschaft in SA.-Re- serve I und NS.-Frontkämpferbund ist st a t t h a f t und zwar bei denen, die dem ehemaligenStahl­helm" vor. dem 3 0. Januar 19 33 beigetreten

sind, ohne weiteres, bei den später einge- getretenen jedoch nur mit Genehmigung der Obersten SA.-Führung.

Oie Aerzteschast im berufsständischen Aufbau.

Wie Dr. med. Karl Haedenkamp in derSozialen Praxis" ausführt, ist beabsichtigt, die Errichtung einer Reichsärztekammer durch den Erlaß einer Reichsärzteordnung. Die Reicbsärzteordnung wird den gesamten Aerztestand in den berufsständischen Aufbau des Dritten Reiches eingliedern. Die Reichs­ärztekammer wird zahlreiche Selbstverwaltungsauf­gaben auf die Aerztefchaft übertragen. Der Reichs­

führer ist kraft Gesetzes gleichzeitig Reichsführer der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Kassenärztliche Vereinigung wird nämlich unver­ändert Bestandteil der Reichsärztekammer sein, sie bleibt dabei Körperschaft des öffentlichen Rechtes, die Aufsicht behält der Reichsarbeitsminister. Da­gegen werden der Deutsche Aerztevereinsbund und der Verband der Aerzte Deutschlands mit dem Erlaß der Reichsärzteordnung aufge­löst, ihr Vermögen geht als Sondervermögen auf die Reichsärztekammer über. Die Reichsärzteordnung geht auf einen Entwurf des Reichsführers der Deutschen Aerzteschast Dr. Gerhard Wagner- München zurück.

Suvich verläßt London.

Geringe Aussichten für den Muffoliniplan. England und Italien lehnen einen antideutschen Block in Genf ab.

London, 25. April. (DNB.) Suvich beendete am Mittwochabend seine Londoner Besprechungen. Er erklärte der Presse u. a.: Ich weilte nicht in einem Sonderauftrag in London. Auch war es nicht meine Aufgabe, Verhandlungen einzuleiten oder Vorschläge zu unterbreiten, da jedoch mein Besuch zufällig auf einen besonders wichtigen Augenblick in der europäischen Politik fiel, hatte ich Gelegen­heit zu einem Meinungsaustausch mit der englischen Regierung, besonders in der Abrüstungsfrage. Wir konnten eine Harmonie der Ansichten feststellen, be­sonders über die Notwendigkeit, eine Verein­barung zwischen allen interessierten Mächten zu erreichen. Die bloße Tatsache einer Vereinbarung selbst wenn diese nicht allen bei der Eröffnung der Abrüstungskonferenz gehegten Erwartungen entsprechen sollte wäre von solcher Wichtigkeit, daß dies als ein endgültiger Schritt zur Wieder­herstellung des Vertrauens und des guten Willens zwischen den Nationen betrachtet werden müsse. Suvich sagte dann noch, Italien sei aber immer noch der Ansicht, daß das italienische A b - rüstungsmemorandum der einzig gang­bare Weg zur Lösung der Abrüstungssrage sei. Er teile nicht die Pariser Auffassung, wonach die Abrüstunasverhandlunaen nur noch auf der Gen­fer Plattform fortgesetzt werden könnten. Bei den Bemühungen zur Erreichung einer Abrüstungsver­einbarung dürfe keine gegen Deutschland gerichtete Front gebildet werden. Dies sei einer der klar abgezeichneten Punkte der italieni­schen Politik.

Daily Telegraph" schreibt: Suvich war nach London gekommen, um der Ueberzeugung Mussolinis Ausdruck zu geben, daß der italienische Plan über Rüstungsbegrenzung den ein­zigen Ausweg bildet. Er war ursprünglich be­reit, für eine baldige Wiederaufnahme der diplomatischen Verhandlungen zwischen den vier großen westeuropäischen Mächten einzutreten, wobei der italienische Plan oder irgend

ein neuer Vorschlag die Grundlagen bilden sollte. Wahrscheinlich hat ihm aber seine Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten Doumergue einige Zweifel über die praktische Mög- li ch k e i t solcher Verhandlungen vor dem Wieder- Zusammentritt des allgemeinen Ausschusses der Abrüstungskonferenz am 29. Mai eingeflößt. Auf jeden Fall hat er festgestellt, daß die britischen M i n i st e r in diesem Punkt durchaus skep­tisch sind. Die britischen Minister sind vollkommen einverstanden mit Roms Argument, daß keine Anstrengung unterlassen werden sollte, um einen antideutschen Ausbruch in Genf und den Versuch der Bildung eines antideutschen Blocks zu verhindern.

Daily Herold" führt aus: Das einzige end­gültige Ergebnis der Unterredungen war, daß dem Unterstaatssekretär Suvich mitgeteilt worden ist, nach Ansicht der Sachverständigen der britischen Regierung sei der M u s s 0 l i n i p l a n praktisch undurchführbar.

Der PariserFigaro" meint, daß eine englisch­italienische Front nicht zustande gekommen sei und daß jetzt auch die größten Optimlsten an dem Ab­schluß irgend eines Abkommens zu zweifeln beginnen. In England mache sich eine starke Strömung zu­gunsten der Verstärkung der englischen Verteidigungsmittel bemerkbar. Von Garantien spreche man kaum noch. Italien fürchte einen Rüstungswettlauf, durch den es in Unterlegenheit geraten könne. Deutschland denke ebenso. Mussolini werde sich also bemühen, die Schiedsrichterrolle zu übernehmen, die England aufgegeben zu haben scheine. Auch Hitler scheine, wie die Betrauung Ribbentrops zeige, die Verhandlungen wieder aufnehmen zu wollen.Bleiben wir fest, schließt das Blatt, das ist immer noch die beste Art und Weise, uns Gehör und Achtung zu verschaffen."

Kabinettökrisis in Spanien.

Lerroux zurückgetreten. Kommt eine Regierung der Rechten.

7N a d r i d, 25. April. (D31B.) Das Kabinett Lerroux hat soeben dem Staatspräsidenten feinen Gefamtrücktritt erklärt, der von diesem auch angenommen worden ist. Die Gründe hierfür sind in den Meinungsverschieden­heiten zwischen dem Kabinett und dem Präsidenten über das Amnesiiegeseh zu suchen. Die Lö­sung der Krise wird schwer sein. In eingeweihten Kreisen herrscht starker Pessimismus. Es fehlt auch nicht an Stimmen, die die Krise als Präsi­dentenkrise bezeichnen und den Rücktritt des Staatspräsidenten für unvermeidlich halten. Auf­fallend ist die Haltung der katholischen Presse und des Führers der Katholischen Volks­aktion, Gil R 0 b l e s, die beide für die W i e - derkehrvon Lerroux eintreten, statt selbst die Macht zu verlangen, wie sie es erst am Sonntag bei ihrem Massenaufmarsch im Escorial getan haben.

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Dazu schreibt uns unser v. Oss. -Korre­spondent aus Madrid: Wenn das einzige Logische, die Machtübernahme durch die stärkste Partei, die katholische Dolksaktion mit den Agrariern, noch nicht geschehen ist, so liegt das daran, daß eine reine Rechtsregierung von den Linksleuten als Angriffssignal aufgefaßt würde und daß man rechts sich noch nicht so st a r k fühlt, um diesen Kampf erfolgreich führen 3U können. Lange wird es allerdings nicht mehr dauern, bis die mit einer vorbildlichen Zähigkeit, Klugheit und Energie betriebene Organisation der Kräfte im katholischen Lager katholisch ist in

Spanien seit Jahrhunderten gleichzusetzen mit natio­nal ausgebaut sein wird. Diese gerade in der katholischen Volksaktion zusammenge'faßten Kräfte sind jung und von einem Ideal beseelt, das ihnen den Kampf erleichtern wird. Man kann heute schon ohne zu übertreiben sagen, daß sie die Retter Spaniens sein werden. Auch sie haben erkannt, daß der Parlamentarismus abgewirtschaftet hat und daß nur ein autoritäres Sy ft em ge­eignet ist, den Staat vor seiner Zertrümmerung zu bewahren. Obwohl diese Jugend bzw. ihre Führer, also in erster Linie Gil Nobles, nicht müde werden, au versichern, sie seien keine Faschisten oder Nationalsozialisten, haben sie doch ihr Programm auf der faschistischen Idee soweit aufgebaut, daß nur drei oder vier Punkte ihres neunzehn Forde­rungen enthaltenden Programms sich nicht mit ihr decken. Mit anderen Worten: Die Jugend der katholischen Dolksaktion stellt die Grundlage für einen spanischen Faschismus dar, der nun einmal der spanischen Geschichte und Mentalität entspre­chend nur im engsten Einvernehmen mit der Kirche erfolgreich vorwärts gebracht werden kann.

Bombenanschlag auf den spanischen Innenminister.

in a d r i d, 26. April. (DNB.Funkfpruch.) Gegen den spanischen Innenminister wurde am Mittwoch- abend in der Innenstadt von Madrid ein Bom­benanschlag verübt. Der Anschlag erfolgte in dem Augenblick, als der Minister feinen Kraftwagen be st eigen wollte. Nähere E i n- zelhei 1 en fehlen noch, jedoch scheint bet dem Anschlag niemand verletzt worden zu sein.

Ihir Vereiiwilligkeil zum Warenaustausch kann die Weltwirlschast wieder in Gang bringen.

Ein Appell Direktor Keßlers auf der Berliner Tagung der Internationalen Handelskammer.

Berlin, 25. April. (DNB.) Auf der Tagung der IHK. in Berlin machte nach der Eröffnungsrede des Präsidenten der deutschen Gruppe der IHK., Abr. F r 0 w e i n , zunächst der Führer der deutschen Wirtschaft, Direktor Kesseler, u. a. folgende Aus­führungen: Wenn man den Versuch macht, die Schwierigkeiten der Wirtschaft auf einen Nenner zu bringen, so ist festzustellen, daß das Volumen des Absatzes in einem Mißverhältnis 3u Der Produktionskapazität, dem Er­zeugungsvermögen steht. Wenn ein Unternehmer zu oer Errichtung einer Produktionsstätte oder der Er­weiterung einer bestehenden schreiten will, so muß er sich vorher folgende drei inhaltsschwere Fragen »1'n?$<elli,em?e9enffäni,e f°Uen erzeugt mcrben? 2 Welche Mengen können davon a b g e - Le,?e.r,bc"? Aus welche Zeit kann ich mit fb reJ*I*cn? Die Mängel bei der Beant- wortung emer d.e,er drei Fragen führt fast immer Ln aH»V Lv ÜrWml0 n e n' öie xnx Äusammenwir- id!~einfid)t5DoIIen Kräfte verhin- hi! Sr J ^iUöeA Soweit es notwendig ist, muß die Autorität der Wirtschaftsführung nn? § E a a t e s e i n g r e i f e N. Das ist nickst nur eine Angelegenheit der Nationalwirtschaften sondern der Wirtschaft der Welt überhaupt Im

letzteren Falle spielt besonders die erste Frage, was soll erzeugt werden, eine ungeheure Rolle. Ebenso wie man es vernünftigerweise nicht wagen darf, eine Hochofenanlage an einer Stelle zu errich­ten, wo es weder Kohlen, noch Erze, noch Schiffahrts­anschluß usw. gibt, ebenso wenig ist es gleichgültig, was die einzelnen Länder erzeugen. Die Beantwor- tung der Frage, was ein Land erzeugen soll, muß Rücksicht nehmen auf die natürlichen G e - gebenh eiten, denn die Natur der Dinge läßt sich auf die Dauer nicht mißbrauchen.

Die Länder, welche z. B. von der Natur mit reichen Rohstoffvorkommen, z. V. Baumwolle. Kautschuk, Kupfer, Erzen, Oet u. a. tn. gesegnet sind, dürfen künftig nicht vergessen, daß sie aus die Dauer diese Rohstoffe nur absehen können, wenn sie denGegenwertin Wa­ren annehmen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die mangelnde Stabilität der Wäh­rung und die Knappheit an Devisen. Da alle Bestrebungen nach Ordnung der Weltwirtschaft in gemeinsamer Arbeit bislang zu keinem oder nur zu ganz unbefriedigendem Erfolg geführt haben, hat die deutsche Wirtschaft begonnen,

mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln, un- terstüht von der Regierung, ihre Natio­nalwirtschaft selb st in Ordnung zu bringen. Gleichzeitig reicht die deutsche Wirt­schaft. den gegebenen Voraussetzungen entspre­chend, anderen Ländern die wirtschaftliche Hand. Diesen müssen wir mit Eindringlichkeit sagen, daß es gelingen muß, unseren Ex­port wieder zu heben, weil damit die deutsche Wirtschaft in den Stand gesetzt wird, Rohstoffe und waren des Auslan­des in entsprechender Menge und

auf die Dauer aufzunehmen.

Nur an einer Stelle darf man an diesen lieber- legungen bewußt eine Ausnahme machen, nämlich in der Frage der Ernährung: denn den not- wendigsten Bedarf für die Ernährung des eigenen Volkes durch Erzeugung im Lande sicher- zustellen, ist eine gebieterische Forderung, die aus der machtpolitischen Ungleichheit in der Welt resul­tiert. Der Lebens st andard eines schaffenden Volkes spielt bei der Ordnung eine ganz bedeutende Rolle. Es muß sehr nachdenklich stimmen, wenn ein Land mit unverständlich niedrigen Exportpreisen den Weltwarenverkehr stört und gleichzeitig in lohn- politischer und sozialpolitischer Hinsicht riesige Unterschiede gegenüber anderen Exportländern aufweist. Wenn der Führer des neuen Deutschland in staatspolitischer Weitsicht verlangt, daß j)er Lebensstandard des deutschen Volkes nicht pri­mitiver gestaltet werden soll, so müssen sich andere Staatsführungen überlegen, wie sie die großen Unterschiede in dem Lebens­standard vermindern können. Wenn ich diesen Gesichtspunkt besonders unterstreiche, so tue ich dies deshalb, weil ich mir von einer Aktivität auf diesem Gebiet einen wesentlichen Beitrag zur Ordnung der Wirtschaft der Welt oerfpreche.

Oer Präsident der Internationalen Handelskammer

S. H. Fentener van Blissingen betonte die Notwendigkeit eines normalen wirt­schaftlichen Verkehrs zwischen den Völkern, der nicht möglich sei, ohne daß eine Stabilisie­rung der Währungen und eine Rege­lung der Verschuldung stattgefunden habe. Wo es jetzt allmählich Sitte geworden sei, daß die Regierungen gegenteilig mit Ein- und Ausfuhr- kontingenten feilschen, Waren gegen Waren tausch­ten und der Beamte zum Kaufmann, der Kauf­mann aber Aum Beamten gemacht werde, müsse man sich wohl fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn die Erzeuger sich rechtzeitig untereinander verständigt hätten über gewisse Beschränkungen, die jeder sich hätte auf­erlegen müssen, um zu gesunderen Absatz­verhältnissen zu gelangen, und ob man nicht noch nachträglich diesen vielleicht richtigeren Weg beschreiten könne. Auch in Amerika habe man ein- gesehen, daß der Lebensstandard eines Landes ohne Ausfuhr nicht haltbar sei. Sehr einflußreiche Kreise in Washington verlangten jetzt sogar eine Herab­setzung der amerikanischen Einfuhr­zölle. Auch das neue Deutschland spreche offen aus, daß die Wohlfahrt der Welt einen Güteraus­tausch zwischen den Völkern, der gepflegt und ge­fördert werden müsse, erfordere.

Belebung der Kunstseiden­industrie.

Der jüngste Ast am Baume der deutschen Textil­wirtschaft, die Kunstseidenindustrie,' ist gegenwärtig deshalb von besonders großer nationalwirtschaft­licher Bedeutung, weil sie keiner ausländi­schen Rohstoffe bedarf. Baumwoll- und Wollindustrie sind bekanntlich in hohem Maße auf die Einfuhr ihres Hauptrohstoffes angewiesen. Sie sind Veredelungsindustrien und als solche von der weltwirtschaftlichen und neuerdings auch von der Währungsgestaltung abhängiger als es wünschens­wert ist. In dieser Hinsicht hat die Kunstseiden­industrie wertvollen Vorsprung, und es läge daher im nationalwirtschaftlichen Interesse, wenn es ge­länge, einen Teil des deutschen Verbrauchs an Baum­wolle und Wolle durch Mehrverbrauch von Kunst­seide oder auch von Leinwand zu ersetzen.

Natürlich sind der Ausdehnung des Kunstfeiden­verbrauchs Grenzen gesteckt. Daß diese aber heute noch wesentlich erweitert werden können, beweist am besten die alle Erwartungen weit übersteigende Zunahme des Kunstseidenbedarfs im Frühjahr 1934. Die Absatzsteigerung der kunstseidene Gewebe her­stellenden Fabriken ist gegenwärtig so groß und hat so überraschend stark eingesetzt, daß die Belie­ferung der Vorarbeiter mit gestimmten Kunstseiden- sorten vielfach mit Schwierigkeiten verbunden ist oder Verzögerungen erleidet. Das ist aber teilweise auf die Sperrung der Einfuhr ausländi­scher K u n st s e i d e zurückzuführen.

Im übrigen ist die Leistungsfähigkeit der deut­schen Kunstseidenindustrie so groß, daß die vorüber­gehenden Lieferungsschwierigkeiten sehr bald beseitigt sein werden. Nur als Symptom der außerordentlich starken Bedarfssteigerung und der nachhaltigen Konjunkturbesserung in der gesamten deutschen Textil- und Bekleidungswirtschaft sind sie bemerkenswert. Soweit es möglich ist, den inländi­schen Bedarf an Textilwaren durch Erweiterung des Kunstseidenverbrauchs zu decken, verdient diese Um­stellung in der Zeit der Devisenknappheit jede För­derung: denn die Ausdehnungsfähigkeit der sehr arbeitsintensiven deutschen Kunstseidenindustrie ist unbegrenzt.

Feierliches Staatsbegräbnis für K-maleddin Sami Pascha.

Der verstorbene türkische Botschafter in Berlin, General Kernaleddin Sami Pascha, ist zur letzten Ruhe geleitet worden. Nach Gebeten bewegte sich durch die von Menschenmengen dicht umsäumten Straßen Istanbuls ein gewaltiger Trauerzug, in dessen Gefolge sich auch der deutsche Botschafter von Rosenberg, das Personal der Botschaft und des Ge­neralkonsulats eine 30 Mann starke Abteilung der Ortsgruppe Istanbul der NSDAP, und zahlreiche Angehörige der deutschen Kolonie befanden. Dem auf einer Lafette geführten und von der türkischen Flagge bedeckten Sarg folgte die gesamte Generali­tät, Abteilungen der einzelnen Waffengattungen und Abordnungen der Kriegsinvaliden. Don den deut­schen Geschäftshäusern und Banken wehen die auf Halbmast gefetzten Flaggen beider Länder. Der Sarg wurde bann zu Schiff über das Goldene Horn zum Ehrenfriedhof Eyup überführt, wo die Beisetzung erfolgte. In einem Sammelgrab ruhen hier zahlreiche türkische Soldaten der 5. Kau­kasus-Division, die der General 1920 während der Besetzung Jnstanbuls durch die Engländer beseh- ligte.