Nr. 72 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Montag, 25. März (934
Aus Oer Provmzialhauptstavt.
Petersilie, Suppenkraut wächst in unserem Sorten.
Don Or. WNly Zink.
Millionen deutscher Hausfrauen müssen gegen Ende jeder Woche oder jeden Monats voll Schrecken feststellen, daß ihr Wirtschaftsgeld in bedenklichem Maße zusammengeschrumpst ist. Ein Blick in das Wirtschaftsbuch zeigt dann, daß neben den großen Ausgaben, bei denen kaum noch Einsparungen möglich sind, eine Unmenge kleiner Ausgaben für Suppengrün, Petersilie und ähnliche Gewürze stehen, die in ihrer Gesamtheit auch einen erheblichen Betrag ausmachen. Hier sind zweifellos noch erhebliche Einsparungen möglich, ohne daß man aus diese wertvollen Gaben der Natur ganz verzichten muß. Manche Hausfrau versteht es, sich Petersilie und Lauch im Blumentopf für ihren eigenen Bedarf heranzuziehen.
Weit größere Möglichkeiten als der Blumentopf bietet naturgemäß der Haus- oder Schrebergarten. Leider wird von diesen Möglichkeiten längst nicht mehr in dem Maße Gebrauch gemacht, wie das tn früheren Zeiten der Fall war. Gewürze, wie Estragon, Majoran, Kerbel, Wacholder, Kümmel. Borretsch (Gurkenkraut), Beifuß, ZitronenmUissc. Fenchel, Lavendel, Rosmarin, Dill, Thymian, Bohnen- oder Pfefferkraut, Alant, Knoblauch, Schnittlauch, Porree, Basilikum und Meerrettich, von denen die meisten im Garten unserer Eltern und Großeltern vertreten waren und die heute noch in vielen Landgärten zu finden sind, sind in der Stadt stark in Vergessenheit geraten. Man hat in den städtischen Haushaltungen z. T. ausländischen Gewürzen den Vorzug gegeben. Im Durchschnitt der Jahre 1841 bis 1855 sind je Kops der Bevölkerung in Deutschland 0,07 Kilogramm ausländischer Gewürze jährlich verbraucht worden-, diese Zahl ist bis 1930 auf das Doppelte, 0.14 Kilogramm, angestiegen, nachdem der höchste Verbrauch um die Jahre 1906 bis 1910 mit 0.18 Kilogramm Jahresverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung erreicht worden war. Es sei nur an die Gasthaus- und Hotelküche erinnert. Der Vergleich der durchschnittlichen Gasthausküche mit der Küche einer „Hausfrau vom alten Schlage" zeigt, wie sehr es gerade bei der Zubereitung der Speisen nicht nur auf die Güte der Hauptbestandteile. sondern auch auf das richtige Würzen ankommt. Um die alte „Hausmannskost", die „Kost bei Muttern", wieder erstehen zu lassen, ist es notwendig. daß die neuzeitlichen Kochbücher einer gründlichen Durchsicht und Prüfung unterzogen werden. Viele dieser Werke verwechseln nämlich teuer kochen mit gut kochen. Die einfache Küche erscheint nach jenen „Rezepten" unvereinbar mit schmackhafter Küche. Ein Teller gut zubereiteter Erbsen mit Speck kann aber besser munden als der teuerste Braten, wenn letzterer etwa von einer in der Kochkunst unerfahrenen Hausfrau auf den Tisch gebracht wird. Vor allem sollte man die alten, erprobten Rezepte unserer Vorfahren zu neuen Ehren kommen lassen. Mit zunehmender Selbstversorgung Deutschlands wird nämlich zwangsläufig die Kochkunst unserer Vorfahren, die aus die Erzeugnisse der eigenen Scholle im wesentlichen zugeschnitten war, nid)t nur für den einzelnen Haushalt, sondern auch für die ganze deutsche Volkswirtschaft an Be- deutuna gewinnen. Unsere Vorfabren haben die heimischen Gewürze nicht nur wegen der Verbesserung und Verfeinerung des Geschmacks verwandt, sondern auch deshalb, weil diese in bohem Maße gesundheitsfördernd wirken. Sind doch viele dieser heimischen Gewürze gleichzeitig altbekannte Heilmittel, was für fremde Gewürze keineswegs immer zu^ifft.
Eine erhöhte Anwendung unserer heimischen Gewürze könnte mit dazu beitragen, die Einfuhrziffer berabzusetzen. Die Ersparnisse würden, soweit die Gewürze im eigenen Garten angebaut werden, dem einzelnen Haushalt unmittelbar oder aber, wenn sie gekauft werden müssen, dem deutschen Erzeuger, der Gärtnerei und der Landwirtschaft und damit der gesamten deutschen Volkswirtschaft zugute kommen, denn: Petersilie, Suppenkraut wächst in unserem Garten?
Gesundheitliche Betreuung der Hifterjuaend
Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst, und Volkstum hat folgende Verfügung an die Direktion der höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsanstalten und an die Kreis- und Stadtschulämter gerichtet:
„Zur Vermeidung einer gesundheitsschädlichen Ueberbeanspruchung und zur gesundheitlichen Sicherung der Hitlerjugend sind folgende Richtlinien zu beachten:
Soweit die beamteten Aerzte der Länder und Kommunen mit der gesundheitlichen Betreuung der Ji^end beauftragt sind oder bei dieser mitarbeiten, fiiw sie gehalten, den von der Reichsleitung der HI. bestellten HI.-Aerzte n auf Anforderung jede Auskunft über den gesundheitlichen Werdeaanq, den Gesundheitszustand und das zulässige Maß der Inanspruchnahme der in der HI. stehenden Jugend zu geben. Die Amts- und Fürsorgeärzte haben ferner irgendwelche gesundheitlichen Störungen der ihnen zur Bewachung anoertrauten Jugend sofort dem zuständigen HJ.-Arzt zur Anordnung der notwendigen Maßnahmen mitzuteilen; sie sind berechtigt, aus gesundheitlichen Gründen die völlige oder teilweise Befreiung von Mitgliedern der HI. vom Dienste in der HI. zu verlangen.
Die HJ.-Aerzte sind gehalten, bei allen von ihnen im Rahmen des Dienstes und der Ausbildung der HI. betreuten Jugendlichen sich die erforderlichen Unterlagen von dem zuständigen beamteten Arzt oder den Kommunal-, Schul- und Fürforge-Aerzten zu verschaffen, mit diesen enge Fühlung zu halten und für die Durchführung der von ihnen aus gesundheitlichen Gründen angeordneten Maßnahmen gewissenhaft §orge zu tragen.
Der Leitung der HI. steht das selbstverständliche Recht zu, die ihr zur k ö r p e r l i ch e n Ertüchtigung ihrer Mitglieder notwendig erscheinenden Maßnahmen selbständig durchzuführen ^weit es sich um vollgesunde Jugendliche handelt. Sie hat aber auch bei ihnen lebe Vorsorge gegen Gesundheitsschädigungen zu treffen. Die Auv- senduna von Jugendlichen zur Wiederherstellung ihrer Gsundheit ist Angelegenheit der Mandlgen amtlichen Stellen im Benehmen mit der NS. Volks-
Für die genaue Durchführung dieser Richtlinien Et Sorge zu tragen."
Daten für Montag, 26. März.
1827: Ludwig van Beethoven in Wien gestorben.
Persönliche Adjutanten für die politischen Leiter.
Wie das Gaupresseamt bekanntgibt, erhalten ämtliche Kreis-, Ortsgruppen- und Stützpunktleiter )er NSDAP, als Hoheitsträger der Partei per- önliche Adjutanten, und zwar Mitglieder der HI., die in HJ.-Uniform ihren Dienst versehen. Diese Adjutanten sollen nach ein- bis eineinhalbjähriger Dienstzeit als Blockwart in die Partei eingebaut werden und je nach Eignung laufend später für höhere Stellen Verwendung finden. Damit soll idjor jetzt in der Partei junges Führerkorps herangeschult werden, das, von der Pike auf dienend, päter in der Lage ist, die schwere, verantwortungsreiche Arbeit des politischen Leiters zu übernehmen und in nationalsozialistischem Sinn fortzuführen.
Ernennungen in der Hitlerjugend.
Der Obergebietsführung West der Hitlerjugend teilt mit: Reichsjugendführer Baldur von S ch i - rach ernannte auf Vorschlag des Obergebietsführers West, Lauterbacher, den bisherigen Führer des Gebiets Ruhr-Niederrhein, Oberbannführer Heinz Deiner!, den Führer des Gebiets H esse n - N a f f a u, Oberbannführer Walter Kramer, den Führer des Gebiets Westmark, Oberbann- sührer Rolf Karbach, zu Gebietsführern. Die neuernannten Gebietsführer find an der Entwicklung der Hitlerjugend hervorragend beteiligt,
Mütter kämpfen für ihre Kinder!
Die nationalsozialistische Volkswohlfahrt will durch eine großzügige Aufklärung den völkischen Selbsterhaltungstrieb wachrufen, im Gegensatz zu dem bisherigen niedrigen und gemeinen Egoismus für die eigene Person. Dieser wertvolle und natürliche Egoismus dient zur Erhaltung der Art.
Mütter, die heute ihre Kinder mit Liebe und Aufopferung, vielleicht mit Sorgen und Nöten großziehen, wünschen ihrem eigenen Fleisch und Blut im neuen Deutschland Glück und Wohlergehen. Jeder Volksgenosse, der an dem Schicksal Deutschlands Anteil nimmt, wird diese schwere Aufgabe, die die NS.-Volkswohlfahrt in dieser Hinsicht zu erfiHIen hat, würdigen. Er hilft durch die Tat mit, wenn er noch heute in die NS.-Volkswohlfahrt eintritt.
Die Gauwaltung der NS.-Volkswohlfahrt.
Sie neue Aeichsbanknote zu 50 Mark
Die neue Reichsbanknote zu 50 Reichsmark ist 8,5X17 cm groß und auf leicht bläulich gefärbtem Papier hergestellt. Das Papier zeigt in der Durchsicht, von der Vorderseite aus gesehen, links auf dem Schaurande ein Kopfwasserzeichen (David Hansemann) und im bedruckten Teil die große Wertzahl „50". lieber dem rechten Teil des Schaurandes, bis in das Druckbild hinsinreichend, läuft
Kein Druck
kein Zwang bei Zeitungswerbung
Oie Reichöpreffekammer schreibt in ihren Richtlinien unter den Punkten 4 und 5 den Werbern vor:
4. OemWerber ist untersagt,bei derWerbung andere Ze tungen und Zeitschriften ober im Wettbewerb stehende Unternehmungen im Ansehen herabzusehen. Es ist ihm ferner untersagt, zur Abbestellung eines anderen Blattes aufzufordern oder Abbestellungen zu sammeln.
5. Dem Werber ist untersagt, in irgendeiner Hinsicht auf den zu werbenden Bezieher einen Zwang oder Druck auszuüben, insbesondere dürfen nicht irgendwelche Nachteile, z. B. persönlicher, wirtschaftlicher, beruflicher oder sonstiger Art, für die Nichtbezieher einer Zeitung oder Zeitschrist angedroht we den.
Zeder Werber hat sich durch Unterschrift aus feinem Werbeaus^eis zur Einhaltung dieser Dorschristen verpflichtet.
so daß die (Ernennung zu Gebietsführern eine ' Würdigung ihrer geleisteten Arbeit bedeutet.
NSSÄp., für Beamte, «reis Gießen
Auf Grund höherer Weisung werden alle Mitglieder des RDB. aufgefordert, sich umgehend zu vergewissern, daß die Behördenkassen die Beiträge für März und die früheren Monate einbehalten und an den RDB. abgeführt haben. Gegebenenfalls sind die rückständigen Beiträge von den RDB.-Mitgliedern über die Fachschaftsleiter bzw. Vertrauensmänner an die Ortswarte sofort zu zahlen, die sie an den Kassenwart des Amtes für Beamte, Kreis Gießen, abzuliefern haben. Ich mache darauf aufmerksam, daß im Falle rückständiger Beitragsentrichtung die Auszahlung von Sterbegeld an die Erbberechtigten in Frage gestellt ist. Sache der RDB.- Mitglieder ist es, die ordnungsmäßige Ablieferung der Beiträge ständig zu überwachen.
Heil Hitler!
Ulrich, Organisationsleiter.
Aeichsbund Äolkstum und Heimat
Der Landschaftsführer des Gaues Rheinfanken- Nafsau-Hessen, Ministerialrat Ringshausen, hat nunmehr dem Heimatdichter Georg Heß, Leihgestern, die Ringführung im Kreis Gießen übertragen. Der Name „Gg. Heß" gibt uns die Gewähr fiir eine den Zielen des Reichsbundes entsprechende Führung. Geschäftsführer bleibt Herr Lehrer Dem, Gießen,' Frankfurter Straße ' 90, Pestscheckkonto Frankfurt a. M. 198 58.
Errichtung von Thingplähen.
Verschiedene Vorkommnisse in der letzten Zeit veranlassen mich, daraus hinzuweisen, daß der Herr Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda die Entscheidung über die Auswahl der zu errichtenden Thingplätze den Leitern der Landesstellen seines Ministeriums übertragen hat.
Die Entscheidung im Gebiet Hessen-Nassau und Hessen erfolgt allein durch die Landesstelle Hessen- Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda im Einvernehmen mit dem Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger. Von anderen Stellen darf die Errichtung von Thingplätzen weder betrieben, noch durchgeführt werden.
gez.: Müller-Scheid.
An alle Zeitschriften im Gau Hessen-Nassau.
Die Schriftleiter der gesamten, im Gebiet des Gaues Hessen-Nassau der NSDAP, erscheinenden politischen, konfessionellen, fachlichen oder Vereinspresse werden nochmals aufgefordert, umgehend ein Belegexemplar ihrer Zeitschrift mit genauer Angabe des Titels, des Herausgebers, des Schriftleiters, der Auflage und des Erscheinungsortes an die Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, Frankfurt am Main, Bürgerstrahe 9—11, einzusenden. Diese Meldung betrifft alle Zeitungen und Zeitschriften (außer der allgemein bekannten Tagespresse), gleichgültig in welchen Zeitabständen sie erscheinen, ober welche Auflage sie haben. Die bisher säumigen Schriftleiter werden ersucht, nunmehr umgehend die erforderlichen Angaben zu machen.
Der Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda i. V. gez. G. W. Müller.
ein etwa 2 cm breiter, mit kupferbraunen und grünen Fasern belegter Streifen.
Der etwa 4,5 cm breite Schaurand der Vorderseite ist mit einer das Kopfwasserzeichen umschließenden, gemusterten Blindprägung versehen, die die Wertzahl „50" — abwechselnd lesbar und in Spiegelschrift — und den Kontrollstempel enthält. Links unten steht die große dunkelgrüne Wertzahl „50".
Das Druckbild der Note ist nach dem Schaurand au durch eine schmale Zierleiste abgeschlossen. Der Untergrund ist als Kreuz-Jrisdruck so ausgestattet, daß ein blaugrün bis braun verlaufender Streifen in der waagerechten Richtung, und ein rötlicher bis gelbbrauner Streifen in der senkrechten Richtung über den Schein verläuft. Die von zweifarbigem, verschlungenem Linienwerk umgebene Zahl „50" erscheint in blaugrün auf einem rötlich bis gelbbraunen Hintergrund. Jrn unteren Teil befindet sich der Kennbuchstabe.
Die rechte Seite der Note zeigt — in Stahldruck — auf ßreiter Zierleiste, von reichem Guillochen- werk umgeben, das Kopfbildnis David Hansemanns in dunkelgrüner Farbe. Rechts oben ist, wie unten auf dem Schaurand, die Wertzahl „50" angebracht. Im linken größeren Felde steht — ebenfalls in Stahldruck — die Beschriftung in deutschen Buchstaben und dunkelgrüner Farbe.
Der »Hans ®eftmar"=$i(m in Gießen
Seit einigen Tagen wird im Lichtspielhaus Bahnhofstraße der große SA. - Film „Hans W e st - m a r" gezeigt, der bekanntlich nach dem Buche von Hanns Heinz Ewers „Horst Wessel" geschaffen wurde. Der Film offenbart den gewaltigen Kampf der Berliner SA., in dem der unvergeßliche Sturm- sührer Horst Wessel in der vordersten Front mit seinen Sturmkameraden tätig war, und er stellt zugleich einen Ausschnitt aus den Kämpfen, Leiden und Opfern der gesamten SA. dar. In allen Städten, wo der Film bisher gezeigt wurde, hat er mit Recht außerordentlich starke Beachtung des Publikums gefunden. Nur in unserer Stadt hat sich die Bevölkerung bisher diesem bedeutsamen Film gegenüber bedauerlicherweise sehr gleichgültig gezeigt. Wie uns von der Leitung des Lichtspielhauses mitgeteilt wird, lassen die Vorstellungen mit diesem außerordentlich eindrucksvollen und gewaltigen Film hinsichtlich des Besuchs nahezu alles zu wünschen übrig, es offenbart sich jedenfalls eine Interesselosigkeit, die für unsere Stadt beschämend ist. Hoffentlich wird die bisherige Unterlassungssünde unserer Bürgerschaft durch starken Besuch der heutigen Nachmittags-Vorführungen und der drei Vorführungen am morgigen Dienstag, in denen der Film zum letzten Male gezeigt wird, wenigstens einigermaßen ausgeglichen. Die heutige Abendvor- führung wird als Sonderveranstaltung für die SA.- Referve stattfinden.
Obst- und Gartenbauverein Gießen.
Am gestrigen Sonntag beschloß der Obst- und Gartenbauverein Gießen feine Vortragsreihe des Winterhalbjahres mit einem Vortrag über Schädlingsbekämpfung im Gartenbau durch den Leiter der hiesigen Hauptstelle für Pflanzenschutz Dr. Tempel. Nach einigen Einführungsworten des kommissarischen Führers an die Vereinsmitglieder, welche interne Angelegenheiten betrafen und denen der Gedanke zugrunde lag, daß jeder Gartenbesitzer soviel Interesse für feine Obstbäume und andere Kulturgewächje aufbringen sollte, um alle
Pflegemaßnahmen wie Düngen, Auslichten, Entfernen der vielen hängen gebliebenen Fruchtmumien zum Verbrennen, sowie der verschiedenen Spritzungen zum rechten Zeitpunkt mit den geeigneten Mitteln vorzunehmen, nahm Herr Dr. Tempel das Wort.
Wir haben, so betonte der Redner u. a., zunächst zwischen Schädlingen pflanzlicher und tierischer Art zu unterscheiden. Beide zusammen verursachen alljährlich einen Ausfall an Ernteerträgen, der auf nahezu 3 Milliarden Mark geschätzt werden kann. Doch nicht nur mengenmäßig ist das ungeheure Heer der Schädlinge riesengroß, sondern auch ihr Artenreichtum. So leben beispielsweise an unseren Obstbäumen 6700 Arten Schädlinge. Ein wichtiges, zum Teil noch dunkles Kapitel ist die Kenntnis und Anpflanzung widerstandsfähiger Sorten für die verschiedenen klimatischen Verhältnisse und Bodenarten, sowohl bei Obst, wie auch beim Anbau von Gemüse. Ferner gehören zum erfolgreichen Kampf gründliche Bodenbearbeitung, Bodenverbesserung, Düngung, namentlich mit Phosphorsäure, Kalk und vor allem mit Kali, sowie Vermeiden einseitiger Stickstoffdüngung; weiterhin ausreichend große Abstände, so daß jeder Baum, Strauch oder Gemüsepflanze in allen ober- und unterirdischen Teilen im Genuß von Nährstoffen, Licht, Luft und Wärme durch die Nachbarpflanzen nicht benachteiligt werde. Man lasse auch keinem Baum oder Strauch mehr Holz und Früchte, als er normalerweise zu ernähren vermag. Wo dieser Punkt über sehen wird, ist mit einer Verringerung der Ernte und zugleich auch mit Schädlingsbefall sicher zu rechnen.
So wichtig diese Voraussetzungen für den erfolgreichen Kampf gegen Schädlinge auch sein mögen, so genügen sie zeitweise doch nicht, um Masseninvasionen zu verhüten. Sie erscheinen nicht immer nur als Folgen von Vernachlässigungen; auch Witterungseinflüsse, wie strenge Winter, Trockenperioden u. dgl., spielen dabei eine große Rolle. Ihre Bekämpfung mit allen Mitteln, wie Vogelschutz, Schonung der nützlichen Insekten und anderen Tieren, zu denen auch der Maulwurf gehört, ist nicht mehr Sache des einzelnen, sondern der Allgemeinheit. Vor allem gilt es auch, die üblichen Giftmittel, wie DbftbaumEarbolineum, Kupserkalk- brühe, Schwefelkalkmittel und Arsengifte sachgemäß und — was die Hauptsache ist — rechtzeitig und nicht wahllos anzuwenden.
Im speziellen Teile wurden die einzelnen Kultur- pflanzen nebst den ihnen eigenen Schädlingen besprochen. Eine Reihe farbiger Lichtbilder beschloß den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag.
Bornotl.;cn.
— Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Hans Westmar". — Schützenverein, Gießen: 20.15 Uhr, Frühjahrs-Generalversammlung.
— Aus dem Stadt theaterbüro. Morgen, Dienstag, Opernabend mit der Oper „Der Evangelimann" (Siehe heutige Anzeige.)
*
** Neuer Stadtschulrat in Gießen. Uebertragen wurde dem Kreisschulrat Dr. Georg Weigand bei dem Kreisschulamt zu Friedberg die Stelle des Stadtschulrats bei dem Stadtschulamt zu Gießen mit Wirkung vom 16. April 1934 an.
** Polizeipersonalien. In den Ruhestand versetzt wurden die Polizeiinspektoren Wilhelm Schmidt und Wilhelm S ch w i n n zu Gießen, unter Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten langjährigen treuen Dienste und unter besonderer Würdigung des im nationalen Interesse bekundeten Opfersinns, mit Wirkung vom 1. Juli 1934 an.
** Aus dem hessischen Staatsdienst entlassen wurden auf Grund des § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 die Pfleger bei der Landes-Heil- unb Pflegeanstalt Gießen Eduard Schneider und Peter Jochum, sowie der Schreiner bei der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Wilhelm S o l b a ch.
** Silberne Hochzeit. Am morgigen Dienstag, 27. März, können die Eheleute Emil B r e e und Frau Helene, geb. Deibel, Friedensstr. 11, das Fest der Silbernen Hochzeit feiern. Das Jubelpaar ist seit 25 Jahren Leser des Gießener Anzeigers.
** Genehmigte Brennholzversteige» rungen. Die Bürgermeisterei teilt mit, daß die im März abgehaltenen Brennholzversteigerungen genehmigt sind. (Siehe heutige Bekanntmachung.)
** Die Landkrankenkasse des Landkreises Gießen teilt mit, daß ihre Geschäftsräume am Donnerstag, 29. März, wegen Umzugs geschlossen bleiben. (Siehe heutige Bekanntmachung.)
** Die Hausfrauenberatung Gießen veranstaltet am Dienstag und Mittwoch eine Öfter» ausstellung mit Kochvorführungen bzw. Kaffeestunde. (Näheres in der heutigen Anzeige.)
Rundfunkprogramm.
Dienstag, 27. März:
6.05 Uhr: Gymnastik. 7.10: Frühkonzert. 8.25: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.45 Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. Zeitgenossen Richard Wagners. 13.15: Nachrichten. 13.35: Mittagskonzert II. 14.40: Stunde der Frau. 15.50 Wirtschaftsbericht. 16: Nachmittagskonzert des Leipziger Sinfonie-Orchesters. 17.30: „Tod und Gemeinschaft." Vortrag. 17.45: Opern-Duette. 18: „Läßt sich schon heute die Produktion der deutschen Automobil-Industrie für dieses Jahr, übersehen?" Ein Bericht. 18.15: Aus Wirtschaft und Arbeit. 18.25: Italienischer Sprachunterricht. 18.50: Sozialdienst. 19: Stunde der Nation: „Gorch Fock". Eine Hörfolge. 20: Nachrichten. 20.10: Weltpolitischer Monatsbericht: 20.30: Schrammel-Musik. 21: Stimmen der Zeit. 22: Nachrichten. 22.30: Zwischenprogramm. 23: Nachtkonzert. 24 bis 1: Nachtmusik.
Mittwoch, 28. März:
6.05: Gymnastik. 6.55: Frühmsldungen. 7.10: Frühkonzert. 8.25: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.10: Jugendstunde. 10.45 Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert 1.13.15: Nachrichten. 13.35 Mittagskonzert II. 14.30: 3 mal 15 Minuten aus dem Sendebezirk. 15.50: Wirtschaftbericht. 16: Nachmittagskonzert: Volkslieder der Nationen. 17.30: Stunde der Jugend. 18.05: „Vater und Mutter." Nikolaus Schwarzkopf spricht aus Anlaß seines 50. Geburtstages. 18.35: Deutsch für Deutsche. 18.50: Griff ins Heute. 19: Stunde der Nation: „Von der patriotischen Lyrik zum politischen Kampflied". 20: Nachrichten. 20.10: Reichssendung: Unsere Saar. 20.30: Konzert. Werke von Hermann Zilcher. 21.30: „März 1934". Hörwige. 22: Nachrichten. 22.15: Du mußt wissen .. . 22.25: Nachrichten. 22.40: Zwischenprogramm. 23: Nachtkonzert. Anton Dvorak. 24 bis 1: Nachtmusik.


