Kreistag des Kreises Gießen.
Dm Samstagvormittag trat der Kreistag des Kreises Gießen im Sitzungssaale des Regierungsaebäudes zu Gießen zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung zusammen.
Kreisdirektor Klo st ermann begrüßte den Kreistag mit dem deutschen Gruß, der von den Kreistagsmitgliedern in gleicher Weise stehend erwidert wurde. Anschließend teilte Kreisdirektor Klo st ermann mit, daß er vom Staatsministerium beauftragt sei, die Geschäfte des Kreisamts Gießen bis zum 1. Mai zu führen, von da ab sei er endgültig ernannt. Er erwähnte dann, daß er den Kreistagsmitgliedern ja kein Unbekannter sei, und er gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Kreistagsmitglieder und er, wie bisher in der Partei, auch in der Verwaltung des Kreises Gießen gedeihlich Zusammenarbeiten würden zum Segen des Kreises Gießen. Das Vertrauen, das ihn und die Kreistaasabgeordneten in der Partei bisher ^usammengehalten Hube, werde auch in Zukunft fortdauern.
Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten. Zunächst handelte es sich um die Prüfung und Begutachtung der Rechnung der Kreiskasse
Achtung! Achtung! . . .
Die Arbeilsschlachi schaff» weiteren Millionen Volksgenossen Arbeit und Brot. Die seit langem ungewohnte Arbeit kann Anlaß zu zahlreichen Unglücksfällen werden?
Die wenigsten Menschen wissen, wieviel Unfälle im täglichen Leben vorkommen, bei denen Menschen mehr ober weniger schwer verletzt werden. Allein in gewerblichen Betrieben ereignen sich jährlich über 27 000 Unfälle, die eine mehr oder weniger große Erwerbsunfähigkeit zur Jolge haben. Dazu kommen die zahlreichen Unfälle, die außerhalb der Betriebe jeden deutschen Volksgenossen bedrohen. Diese Unfälle verursaä^n unendlichen Schaden an dem Betroffenen und seiner Emilie durch Schmerzen und Minderung oder sogar Verlust der Erwerbsfähigkeit. Auch die ganze Volksgemeinschaft leidet schwer unter diesen Unfällen, trägt sie doch letzten Endes kosten für die Heilung und Renten der verletzten. Darum helft alle mit, Unfälle zu verhüten. Unfallverhütung ist Dienst am Volk.
und des Verwaltungsberichts des Kreisausschusses für das Rechnungsjahr 1933. Beide wurden ohne Aussprache einstimmig genehmigt.
Es folgte der Voranschlag des Kreises Gießen für das Rechnungsjahr 1934, in Verbindung damit die Beschlußfassung über die Ausschlagsätze für die Kreisumlagen und die Kreis- Sondergebäudesteuer für 1934. Der Voranschlag für 1934 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 774 479 Mark gegen 785 065 Mark im Vorjahre ab. Davon entfallen auf die Betriebsrechnung 603 935 Mark (im Vorjahr 619 892 Mark), auf die Vermögensrechnung 170 544 Mark (im Vorjahre 165 173 Mark). Die Steuersätze sind in der gleichen Höhe wie im Vorjahr vorgesehen, da die Kreisverwaltung der Meinung ist, zunächst die bisherigen Steuersätze beizubehalten und erst einmal abzuwarten, wie sich die Wirtschaftsankurbelung im Laufe dieses Jahres auswirken wird, um dann über eine Senkung der Steuersätze Beschluß fassen zu können. Dieser Ansicht schloß sich der Kreistag ohne Aussprache einstimmig an, ebenso wurde der Voranschlag ohne Aussprache en bloc angenommen.
Sodann stimmte der Kreistag dem Beitritt des Kreises Gießen zum Rhein-Mat- nischen Garantie-Verband zu, dem alle übrigen Städte und Kreise als Mitglieder angehören Der Garantieverband ist bekanntlich eine Einrichtung zur Förderung der Finanzierung von Arbeitsbeschaffungsmöglichkeiten. Der Kreis Gießen muß für etwa 14 000 Mark Garantie leisten, jedoch bestehen keinerlei Bedenken gegen die Uebernahme dieser Garantie, da der Kreis praktisch erst an vierter Stelle herangezogen werden könnte, falls die Garantie überhaupt einmal einzulösen wäre.
Weiter stimmte der Kreistag der Auflösung der selbständigen Gemarkung Hof- Güll zu. Die Grundstücke kommen teils zu den
Gemarkungen Eberstadl, Muschenheim, Dorf-Gill und Trais-Münzenberg.
Hierauf bestätigte der Kreistag folgende Beschlüsse des Kreisausschusses zur Durchführung von A rb e i ts b e sch a f fu n g s m a ß n ah m en im Kreise Gießen. Im Interesse der Durchführung einer umfassenden Arbeitsbeschaffung hat der Kreis Gießen mehrere Darlehen bei der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Darlehen ausgenommen. Es handelt sich um folgende Darlehen:
32 800 Mark zur Durchführung von Kanali- sations- und Wasserversorgungsanlagen in den Gemeinden Alten-Buseck, Annerod, Leihgestern, Lich, Queckborn, Trohe und der Wassergenossenschaft Die- berggruppe in Stangenrod:
32 200 Mark für desgleichen in den Gemeinden Daubringen, Lich, Lollar und Staufenberg;
41 000 Mark für Instandsetzungen an öffentlichen Gebäuden in den Gemeinden Ettingshausen, Lauter, Lich, Muschenheim, Ronnenroth, Reiskirchen, Trohe und Watzenborn-Steinberg;
16100 Mark zur Errichtung einer Abwässer- anlaae in der Kreisabdeckerei Garbenteich. Diese Arbeit führt der Kreis in eigener Regie durch
Klagen aus Industrie und Handel über Mangel an tüchtigen Stenographen gaben zahlreichen Industrie- und Handelskammern nach dem Kriege Anlaß, stenographische Prüfungsämter einzurichten. Die hiermit verbundenen Prüfungen wiesen aber insofern Mängel auf, als die Anforderungen an die Prüflinge nicht einheitlich waren. Zur Abhilfe wurden von einzelnen Stellen zwar Vorschriften für Geschäftsstenographenprüfungen erlassen und auch eine Zentralstelle für Ansagestoff errichtet. Trotzdem weichen die Prüfungsergebnisse immer noch sehr voneinander ab.
Das Streben ist deshalb darauf zu richten, Einheitlichkeit in den Prüfungen und den zu stellenden Anforderungen zu erreichen.
Ein bedeutungsvoller Schritt hierzu ist durch die Gründung des Hauptausschusses für Berufserziehung beim Rhein - Mainis'chen Industrie und Handelstag, Sitz Frankfurt a. M., getan worden. Dieser Hauptausschuß, der getragen wird vom Präsidenten des Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstages und Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen sowie vom Landesobmann der NSBO. und Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront für Hessen und Hessen-Nassau, hat jetzt für das Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet einen
Prüfungsausschuß für die Durchführung von Stenographenprüfungen
errichtet. Die Federführung hierfür ist vom Leiter des Hauptausschusses für Berufserziehung der Bezirksstelle Wiesbaden der Industrie- und Handelskammer für das Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet, Sitz Frankfurt a. M., übertragen worden, die sich schon früher rege mit den stenographischen Prüfungen befaßte und sie eifrig gefördert hat. Auch war die Industrie- und Handelskammer Wiesbaden von einer größeren Zahl stenographischer Prüfungsämter als Vorort für das steno-
Kameraden, macht bas Herze leicht, laßt die Trommel rühren! — So fordert eines der Lieber des Deutschen Jungvolks alle Jugend auf zum Marschieren und zum Erleben.
Draußen am Kernberg hatte Stammführer Walter H o tz alles vorbereitet zum er st en Stammführerthing des Stammes Chatten. Man spürte es in allem: Es geht wieder los!
Endlich ist es ja auch nun möglich, draußen an Feuerplätzen, wie früher, Führerbesprechungen abzuhalten. Wenn auch die Feuerung noch nicht so einfach ist, unb erst einige neckische Bemerkungen, wie: ,chis der Brand recht entfacht, längst schon die Sonn' wieder lacht", das Feuer erst etwas an ber Ehre angreifen mußte, so flackerte doch endlich ein loher Brand.
Ein kurzes Geländespiel, voller überraschender Streiche, ging der eigentlichen Besprechung voraus.
Die drei ersteren Darlehen werden an die betreffenden Gemeinden weitergegeben, und daher hat nicht der Kreis, sondern die beteiliaten Gemeinden für die Verzinsung und Tilgung auszukommen. Der Zinssatz beträgt 4'/- v. H., der Tilgungssatz 1,57 v. H. Das Darlehen von 41 000 Mark für Gebäudeinstandsetzungen ist zinsfrei, muß jedoch in fünf gleichen Jahresraten zurückgezahlt werden.
Das Darlehen in Höhe von 16100 Mark belastet den Kreis endgültig. Der Zinssatz ist in diesem Falle auf 4 v. H. und der Tilgungssatz auf 2,47 v. H. festgesetzt.
Der Kreisausschuß hat am 8. Dezember 1933, 22. Januar 1934 und 22. Februar 1934 vorstehende Darlehensaufnahme beschlossen.
Der Führer der RS.-Kreistagsfraktion I u n g - Gießen hob am Schlüsse der Sitzung die Einmütigkeit der Beschlußfassung über alle Vorlagen hervor und betonte die Bereitwilligkeit des Kreistages, in voller Einigkeit und Geschlossenheit mit Vertrauen die Maßnahmen der Kreisverwaltung zu unterstützen. Kreisdirektor Klo st ermann sprach dem Kreistag Dank für die Vertrauenskundgebung und ebenso der Bevölkerung Dank für das Vertrauen aus, da die Verwaltung nur dann gedeihlich arbeiten könne, wenn sie sich von dem Vertrauen der Bevölkerung getragen wisse.
Hierauf wurde der Kreistag geschlossen.
graphische Prüfungswesen und als Versandstelle von Ansagestoff anerkannt. Den Vorsitz des Prüfungsausschusses wird der Präsident der Wiesbadener Geschäftsstelle, Bankdirektor Hermann Schulze, die Geschäftsführung Syndikus Dr. Meuser übernehmen; zum stellvertretenden Vorsitzenden ist Oberstudiendirektor Dr. Schad, Frankfurt a. M.-Eschersheim, in Aussicht genommen. Der Prüfungsausschuß hat die Aufgabe, durch Abhalten von Prüfungen die Kenntnis der Reichskurzschrift zu fördern.
Bis ;um 1. April 1937 können Teilnehmer, die ein anderes System erlernt haben, noch zu Prüfungen in diesem System zugelassen werden.
Am Sitz des Prüfungsausschusses wird eine Prüfungsstelle für die Ablegung von Steno- araphenprüfungen in englischer, französischer, italienischer und spanischer Sprache errichtet. Der Prüfungsausschuß, der aus 12 Mitgliedern sowie dem Geschäftsführer besteht, setzt nach Bedürfnis örtliche Prüfungsausschüsse ein, die den zuständigen Kammern bzw. Bezirksstellen angegliedert werden. Den örtlichen Prüfungsausschüssen obliegt die Veranstaltung von Prüfungen gemäß der vom PASt. aufgestellten Prüfungsordnung, die auch einheitliche Vorschriften für die Abnahme der Prüfung, für die Verwendung des Prüfungsstoffes und die Ausstellung von Zeugnissen enthält. Um eine gleichmäßige Wertung der Arbeiten zu gewährleisten, hat der Vorsitzende des PASt. das Recht, jederzeit die Arbeiten einzufordern und nötigenfalls die Beurteilung zu ändern. Durch derartige Arbeiten beseitigt der PASt. seitherige Mängel und fördert das stenographische Prüfungswesen im Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebiet.
Bei der Dämmerung saßen alle Führer um die Feuerstätte unb fangen frische Marschlieder, bie in dem Basaltsteinbruch, ber ben Platz halb einschließt, sellsam widerhallten.
Hansmuth G r e t h e r, ber neuernannte Jun-g- bannführer Gießens, sprach zu den Jungen. Was allen wie eine Befreiung vorkarn, das griff er einleitend auf und sagte, daß nunmehr die Zeit gekommen sei, in der man den Sälen den Rücken kehre, um in freier Natur die Zusammenkünfte abzuhalten. Dort soll sich unser echter Frohsinn erneuern, um mit der Straffheit in richtigem Verhältnis unsre Wesenheit zu bestimmen. Immer wieder muß über die Art des jungen Führers gesprochen werden, damit bie gemäße Teilung in Führer und Kamerad so wird, wie sie sein soll. Jedes einseitige Betonen ist vom Uebel und wird infolgedessen immer zu Mißhelligkeiten führen.
Vereinheitlichung
-es stenographischen prüsungswesens
ErsterStammMrerthing des Stammes Gatten.
Die äußere Verbindung des erwachsenen Füh. rers zum Jungvolkjungen ist das gleiche Kleid. Auch die älteren unter den Führern sollen die kurze Hol» des Jungen tragen und somit den eigentlichen Charakter der Junkvolkuniform wahren. Die Kleidung ist so gewählt, um eine Abhärtung zu erlangen, Denn für weichliche ist im neuen Deutschland kein Lebensraum; das Reich braucht Starke, die sich auch etwas zumuten können. Aber nicht nur körperlich sollen wir gekräftigt sein, sondern auch in unseren Anschauungen. Die Ehrfurcht vor der Fahne, als unserem Heiligtum in jeder Einheit, muß unser Leben noch mehr bestimmen. Auch unser Fuhrergeist muß stets neuer werden. Es geht nicht an, daß einzelne, besonders hervorstechende Jungen bevorzugt werden. Wir sind gerade für die da, die nicht auf- faden, die mehr Arbeit machen und größere Aufmerksamkeit fordern als andere. Darum sollen Jungen und Eltern merken, daß schon wir bie große Verbundenheit aller zu allen erstreben und vertreten.
Einige technische Fragen wegen der geplanten Sommerzeltlager, die so außerordentlich wichtig unb wertvoll fein werden für die gesamte Jungenarbeit, wurden noch gelöst. Beim Frageteil kam der Jungbannführer noch zur Klarlegung des Unterschieds zwischen der vergangenen bündischen Jugend und der jetzigen, einheitlich zusammengefaßten staatlichen Jugend
Willy Pommerening, der Jungvolkpresse, referent im Oberbann, übermittelte Klarheit über Herkunft und Bedeutung eines Thing. So wie sich unsere Vorfahren in jenen Beratungen, die einen feieränlichen Charakter trugen, Kraft und einheitliche Haltung Entscheidungen gegenüber holten, soll auch uns eine Thingversammlung stärken für unsere Aufgabe an den Jungen. Wir wollen uns zusammenfinden als die Angehörigen einer Gemeinschaft im Sinne dieser auf uns überkommenen Einrichtung, ber wir lediglich einen andern Namen in einem veränderten äußeren Rahmen gaben. Der geschichtliche Name unserer Führerversammlung weist uns in die Vergangenheit, deren damals naturgegebene innere Haltung wir heute bewußt erstreben müssen in der Förderung des nordischen Geistes. Aber der Name erinnert auch daran, daß wir Jetztledenden nicht beziehungslos bahinträumen bürfen, sondern er mahnt uns zum rechten Nebeneinander, zum ehrfürchtigen Gedächtnis an die Generationen, aus denen wir erstanden sind, und zur Verantwortlichkeit den Kommenden gegenüber, auf daß wir einst, im Sinne jener Ahnen, selbst rechte Ahnen werden.
Zum Schluß wurde ein Kreis um das Feuer gebildet. Die äußere Kette war Ausdruck des inneren Gefüges der Zusammengehörigkeit Einige kernige Flammensprüche, die den symbolischen Gehalt des Leuchtens, des gemeinsamen Wirkens offenbarten, beschlossen die Besprechung, die in dieser neuen Art zum tiefen Erlebnis geworden ist. Ibn. 1/116.
Oberbeffen.
Generalversammlung der Spar- und Darlehenskasse Garbenteich.
* Garbenteich, 24. März. Dieser Tage hatte die hiesige Spar- und Darlehenskasse e. G. m. b. H. zur 36. ordentlichen Generalversammlung ihre Mitglieder, welche sich auch zum Teil aus Volksgenrsien vom Nachbarort Hausen zusammensetzen, ins Gasthaus „Zum weißen Roß" eingeladen. Dieser Einladung hatten viele Genossen Folge geleistet, so daß der Saal bis zum letzten Platz besetzt war. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates Ludwig Keßler begrüßte alle Erschienenen recht herzlich, insbesondere aber Herrn Oberrevisor Hartmann und Herrn Fritz (Gießen) und bestimmte sodann als Versammlungsleiter Vorstandsmitglied Joh. Stumpf 7. Dieser betonte in seiner Ansprache, daß mit der heutigen Generalversammlung auch eine kleine Gedenkfeier des 3 5. Gründungstages verbunden fei. In schlichten Worten dankte er den Gründern für das Zustandekommen des heutigen Instituts und überreichte ihnen als Zeichen der Dankbarkeit ein schönes Gedenkblatt. Der leider schon verstorbenen Gründer sowie den Toten des Jahres 1933 gedachte man in der üblichen Form. Sodann erhielt Herr Oberrevisor Hartmann das Wort. Er beglückwünschte zunächst im Auftrage des ländlichen Genossenschaftsverbandes Rhein-Main-Neckar die Kasse zu ihrer Feier und charakterisierte dann in großen Zügen das genossenschaftliche Sparkassenwesen. Er gab seiner Freude besonders darüber Ausdruck, daß er es hier mit einer mustergültig geführten Kasse zu tun habe und bat alle Mitglieder, nun im neuen Deutschland mehr denn je mit der Genossenschaft
Oer erste Theaterbesuch.
Aus den Kindheitserinnerungen berühmter Männer.
„Wer erinnert sich nicht noch seines ersten Theaterabends! Des Einblicks in eine neue Welt! Unb nicht in die Welt des Scheines! Nein, nicht Schein, nicht Erfindung und Nachahmung sind diese Wälder und Kirchen und Städte und Festungswälle: nicht Schein, nicht Nachahmungen sind diese Harnische und Fahnen und Schwerter und Krummstäbe; es ist die wirkliche Welt, die das Kind als solche im Theater anschaut. Der Vorhang wickelt sich auf Das alles da war, ist, wird fein und bleibt." So leitet Gutzkow in feinen Erinnerungen „Aus der Kna- benzeit" die Schilderung seines ersten Theaterbesuchs ein.
2Üie vielen Dichtern unb Künstlern hat sich in dieser ersten Begegnung mit dem Zauberglanz des Theaters eine neue Welt aufgetan, aus der sie den tiefsten Anlaß zu ihrem künstlerischen Schaffen empfingen unb an die sie alsdann dankbar ihre fchönsten Schöpfungen Hingaben. Kann man sich aus dem Leben Goethes ober Tiecks die ungeheure Wirkung solch erster Berührung mit deyi Theater fortdenken? Deck gedachte noch im Alter gern jenes Abends, da der Vater zum erstenmal den Knaben zur Bude eines Puppenspielers mitnahm. Da trat ein prgcht'g gekleideter Prinz auf unb rief mit den wildesten Gebärden der Verzweiflung zu wiederholten Malen: ,,O Cupido, o Cupido welch ein Tyrann bist du!" Im Schmerz unglücklicher Liebe überschlug sich die Holzpuppe in eckigen, steifen, seltsamen Bewegungen, daß Arme unb Beine klappernd gegeneinanderrasselten Dies fratzenhafte Gebaren machte einen entsetzlichen Eindruck auf die Phantasie des Kindes; es brach in lautes Weinen aus und konnte sich gar nicht mehr beruhigen.
Gottfried Keller erinnerte sich fein Leben lang des starken Eindrucks, den der erste richtige Theaterzettel auf ihn gemacht hat mit der Ankündigung des merkwürdigen Stückes: .Die Schubkarren-Promenade ober bas war ich" Grillparzer war, als ihn bie Eltern zum erstenmal mit in bie italienische Oper nahmen, noch zu klein, um einen wirklichen
Genuß bavon zu haben. Er langweilte sich schrecklich, unb nur eine einzige Szene belustigte ihn, „wo bie Leute in einer Laube Schokolabe tranken unb der Geck dieses Stückes, der mit dem Stuhle schaukelte, samt Tasse und Becher rücklinks über zu Boden fiel." Erst später haben sich ihm die wirren elften Eindrücke zu einer tieferen Empfindung für das Theater geklärt.
Wundervoll hat Marie von Ebner-Eschen- b a chin den Schilderung aus ihren Kindheitsiagen die Revolution gemalt, die durch erste theatralische Eindrücke in einem jungen Gemüt hervorgerufen werden. Der Glaube an die eigne Begabung taucht in solchen Augenblicken auf, unb aus ben schwanke nben Gestalten bes Bühnenbilbes fällt ein erster Schein künstlerischer Schöpfung in bie Seele.
Durch einen Besuch ber Oper ist in Gounob ber Gebanke erweckt worben. Komponist zu werben. „Zum erstenmal bin ich in einen Theatersaal gekommen, als bie Malibran in Rossinis .Othello' fang", hat er selber erzählt „Das war noch in ben schönen Tagen bes italienischen Gesangs. Denken Sie! Ich war zwölf Jahre. Meine Begeisterung nahm einen solchen Charakter an, daß meine Mutter ängstlich würbe. Es war nicht nur bie unvergleichliche Sängerin, bie sie entfesselte, es war noch mehr die Musik selbst, diese warme, weiche, flüssige Harmonie, die für mich eine Offenbarung bedeutete. .Mama!' schrie ich beim Fallen des Vorhangs, .Mama, ich muß Musiker werden!' Und meine Mutter lächelte, mich freundlich auf die Backen klopfend: .Glaubst du, daß man sich zum Musiker machen kann wie etwa zum Notars Und ich antwortete entschlossen: .Das weiß ich nicht, Mama, aber ich werde dem Beispiel Rossinis folgen, ich werde Partituren schreiben.' Ich brauche nicht zu fqgen. daß ich des Nachts davon träumte. Am andern Morgen begann ich meine Eltern zu quälen, ich wollte Musik studieren. Aber ich mußte ein ganzes Jahr kämpfen bis zu dem Abend, an dem ich zum zweitenmal ins Theater ging zu einer Vorstellung des .Don Juan'. Bleich vor Erregung lehnte ich mich an die Schulter meiner Mutter: .Ach, Mama!' schrie ich, .das ist die wahre Musik.' Einige Zeit darauf durfte ich in die Musikschule eintreten Mozart hatte mein Schicksal entschieden und blieb mein Gott."
Sprechende Hände.
Unter den Versuchen, von den körperlichen Merkmalen des einzelnen Menschen auf eine bestimmte rassische Herkunft oder auch auf ihnen entsprechende seelische Eigenschaften zu schließen, hat man den Händen bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt. Die allgemein verbreitete Auffassung, daß die Hände werktätiger Menschen breit sind, während die der Kopfarbeiter schmal sind, ist nicht richtig, beim ber Grunbplan der Hand ist ererbt und wird erst in zweiter Linie durch die Arbeitsweise verändert. Es kann kaum mehr ein Zweifel darüber bestehen, daß die verschiedenen Mittelwerte für die absolute Länge und Breite der Hand gleicher Geschlechter in verschiedenen Ländern auf rassische Gründe zurückzuführen ist. Wie Dr. Olga N i p • pert in einem Aufsatz der im I. F. ßeljmanns Verlag, München, herausgegebenen Zeitschrift „Volk und Rasse" auf Grund eigener Untersuchungen und fremder Forschungsergebnisse mitteilt, haben die Messungen an Russen der Roten Armee den besonders hohen Mittelwert der Handlänge von 199 Millimeter ergeben, wobei jedoch berücksichtigt werden muß, daß 'es sich um voll ausgewachsene Soldaten im Durchschnittsalter von 22 Jahren handelt, bei denen das Alter noch keine Veränderungen der Hand hervorgerufen hat. Messungen an 19jährigen Schweizern gelegentlich ber Aushebung zum Heeresbienst hatten ein um 7 Millimeter nichtigeres Durchschnittsergebnis. Im allgemeinen gilt in Mitteleuropa für bie Handlänge die Reihenfolge Norddeutschland. Mittel- deurschland, Schweiz. Auch unter den Frauengruppen haben bie norbdeutschen Frauen bie längste Hanb In der Handbreite stehen die Männer Mitteldeutschlands voran.
Wichtiger noch als die absoluten Zahlen ber Länge unb Breite ist bas Verhältnis zwischen beiden, aus dem die Schmalheit der Hände abgelesen werden kann. Es zeigt sich, daß Russen und Franzosen besonders schmale Hände haben, und baß bie norddeutschen Männer eine schmälere Hand besitzen als bie süblicher wohnenden. Das gleiche gilt auch für die Frauen Deutschlands. Ueber den genau meßbaren Verschiedenheiten dürfen natür
lich nicht die sich aus der vergleichenden Betrachtung erschließenden Formunterschiebe vernachlässigt werden. Eine Ungleichheit der Schlankheit einzelner Finger an der gleichen Hand ist anscheinend mehr lersönlicher Ausdruck als rassisch bedingt. Auch an )en Fingernägeln lassen sich wesentliche Unter- chiede feststellen, wobei vor allem auf Grundform "nd auf den Grad der Krümmung der Längs- und Breitenachse ebenso wie auf die Anwachsstelle.Les Nagels am freien Rande der Fingerspitze zu achten ist. Alles in allem ergibt sich auch aus ber systematischen Untersuchung der Menschenhand auf Grund reichhaltigen Materials ein wertvoller Beitrag für bie Rassenkunbe unb darüber hinaus für die Charakterologie.
Ein Eisenfresser.
Wie aus Agram berichtet wird, wurde dort ein Deutscher namens Otto Dell wegen Magenschmer» zen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Aerzte fanden in seinem Magen zehn eiserne Stifte, drei Schrauben, eine Rolle Eifendraht unb ein großes Stück Eisen. Diese Fremdkörper wurden durch eine Operation entfernt, aber als Dell wiederhergestellt tnar und das Krankenhaus verlassen wollte, ergab eine Nachuntersuchung, baß sich schon wieder zwei Schrauben in seinem Magen befanden, die er aus feiner Bettstelle entfernt unb sich einverleibt hatte. Daraufhin würbe eine neue Operation oorgenom- men. Durch Nachfragen in Deutschlanb stellte man fest, baß Dell schon mehrere berartige Operationen durchgemacht hatte. Der Mann ist ein Eisenfresser, der Messing unb anbere Metalle ablehnt, aber ber Anziehungskraft bes Eisens nicht widerstehen kann. — Eine ganz anbere Geschichte von einer merkwürdigen Speise wird aus Aquila in Italien erzählt. Dort empfing der 64jährige Dittorio b'Allessio den Besuch eines Gläubigers, der ihm einen Schuldschein über tausend Mark präsentierte. D'Allessio ließ sich das Papier geben, angeblich, um die Richtigkeit seiner Unterschrift zu prüfen, zerriß bas Dokument, stopfte bie Fetzen in ben Mund unb verschluckte sie. Er wurde wegen dieser ungewöhnlichen Art, eine Schuld aus ber Welt zu schaffen, zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.


