ttr.7? Erster Blatt
184. Jahrgang
Montag, 26. März 1934
greitMMi’aÄtolWsG Dru* und Verlag: vrühl'sche UniverfitStr-vuch- und Steindruckerei «.Lange «n Sietzen. Schrlstle'tung und Geschäfts stelle: Schukstratze 7
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Spannungen in Frankreich
Oie Schwierigkeiten
der Finanzlage
Leichenöffnung vorgenommen werden soll.
Erregte Stimmung in der sranMchen Provinz
pflichtungen für 18 Monate wesentlich erhöht worden, so daß auch diejenigen jungen Leute, die ihrer Dienstpflicht innerhalb der letzten 5 Jahre Genüge getan haben, Gelegenheit finden, durch eine ISmonatige erneute Militärdienstpflicht wenig- tens vorläufig der Arbeitslosigkeit zu entgehen.
Wien, 25. März. (DNB.) Die „Amtliche Wiener Zeitung" bestätigt die bereits kürzlich gemeldeten Grundzüge der österreichischen Verfassung. Es gibt vier beratende Körperschaften: Den Staatsrat, der 40 bis 50 Mitglieder zählen wird, welche vom Bundespräsidenten auf die Dauer von zehn Jahren ernannt werden, den Kul- turrat mit 30 bis 40 Mitgliedern, den Wirt- s ch a f t s r a t 'mit 70 bis 80 Mitgliedern und den Länderrat mit je zwei Mitgliedern aus jedem Bundesland und aus der bundesunmittelbaren Stadt Wien. Aus diesen beratenden Körperschaften wird dann die beschließende Körperschaft gebildet, die Bundestag heißt. In diesen Bundestag wählen der Staatsrat 20 Mitglieder, der Kulturrat 10 Mitglieder, der Wirtschaftsrat 20 Mitglieder und der Länderrat 9 Mitglieder. Die G e s e tz- initiative liegt bei der Regierung. Wenn die Regierung ein Gesetz braucht, so soll ihr Entwurf den vier beratenden Körperschaften zur Begutachtung übergeben werden. Diese begutachtende Tätigkeit soll in nicht-öffentlichen Sitzungen erfol-
nen-Volkes unwürdig war", so wollte Pilsudski es unter allen Umständen vermeiden, „daß auf der Waagschale des Schicksals, auf die die Schwerter geworfen wurden, der polnische Säbel fehlen sollte".
Von der unerschütterlichen Ueberzeugung beherrscht, daß „nur ein Soldat ein starkes Volk schafft", hat Pilsudski nicht nur vor dem Kriege die Wehrhaftigkeit des Volkes und den Ausbau der militärischen Bewegung als feine wichtigste Aufgabe betrachtet, sondern auch als erster Marschall im neuen polnischen Staat nach diesem Grundsatz gehandelt: „... damit die Armee eine nationale sei, ist ein Volk notwendig, das einen wehrhaften Willen hat und seinen Willen auch durchzusetzen vermag ... Die Stärke des Staates beruht nicht allein auf dem Heere, sondern auf dem Willen der Bürger..., Soldatenzusei n". Dieser wehrhafte Wille erfüllt heute nicht allein die polnische Armee. Das ganze polnische Volk ist von diesem Wehrgedanken beseelt. Es ist das sichtbare Ergebnis einer großen Lebenstat eines Mannes, dessen aufstrebende Bahn Marksteine aufweist, die den Weg der Entwicklung der neuesten Geschichte eines Volkes zeigen und erkennen lassen.
Die ungeheure Wandlung des Volkes ist die
gen. Auf Grund der Gutachten arbeitet dann die Regierung ihre endgültige Regierungsvorlage aus. Der Bundestag kann die Vorlage nur annehmen oder verwerfen, nicht abändern. Der Bundesvoranschlag (Staatshaushalt) soll direkt im Bundestag eingebracht und dort beraten werden. Er kann auch abgeändert und dann durch Beschluß in Kraft gesetzt werden.
Die Mitwirkung des Volkes ist lediglich auf die Wahl des Bundespräsidenten und auf die Volksabstimmung beschränkt, Sie jedoch lediglich a u f Veranlassung der Regierung in zwei Fällen erfolgen kann, einmal wenn die Regierung eine Entscheidung über eine vom Bundestag — der gesetzgebenden Körperschaft — verworfene Regierungsvorlage wünscht, und zweitens, wenn die Regierung selbst die Volksmeinung zu hören wünscht. Ein unmittelbares Volksbegehren ist ausgeschlossen.
Die sonst üblichen Merkmale demokratischer Verfassungen fehlen; selbst dem Bundestag fehlt jede
größte Tat dieses Mannes, sie ist das Lebenswerk Josef Pilsudskis. Mit größter Opferwilligkeit trägt Polen heute die Lasten einer der stärksten und best- gerüfteten Armeen Europas. Geist und Wille der Wehrhaftigkeit, schon in den Schulen pflichtgemäß nach Programm und militärischen Gesichtspunkten gepflegt, erfüllen heute die Nation. Sie sind in entscheidendem Maße Grundträger der polnischen Staatlichkeit. Marschall Pilsudski hat mit dem axiomatischen Satz, daß „der Soldat eine rechtmäßige Regierung braucht, um Soldat zu sein, die Regierung aber einen rechtmäßigen Soldaten braucht, um Regierung zu sein", den ewig gültigen und unzertrennbaren Zusammenhang zwischen den zwei höchsten Formen des menschlichen Daseins zwischen Staatlichkeit und Wehrhaftigkeit, mit unbeirrbarem Sinn für historische Wirklichkeit erkannt und zuin Gesetz seines Handelns erhoben. Aus dieser Erkenntnis heraus find nach Pilsudski „Armee und Außenpolitik die beiden wichtigsten Funktionen des Staates, ausdrücklich staatlich und ausdrücklich mit seinem Bestand verbunden". Die geistige, moralische und materielle Wehrhaftmachung des polnischen Volkes ist unleugbar das größte Werk dieses schöpferischen Lebens.
Blutige Demonstrationen in Toulon und Tours.
haltender Wirkung. „Alles Schöne in meiner Seele ist in Wilna gewachsen" — sagte der Marschall als reifer Mann. Im kleinen geschlossenen Kreise seiner gleichgesinnten Spiel- und Schulkameraden erhielt er den größten Teil seines geistigen Rüstzeugs als späterer Freiheitskämpfer und Revolutionär. Mit größter Bitternis erinnert sich Pilsudski indes an die Zeit, als er das russische Gymnasium besuchte: „In den Schulen litt ich die ganze Zeit unermeßlich. Das Gefühl der Niedergeschlagenheit, des Sklaven, der jeden Augenblick wie ein Wurm zertreten werden kann, lastete auf meinem Herzen wie ein Mühlstein."
Vollends zum Revolutionär aber wurde Marschall Pilsudski erst während seiner fünfjährigen Verbannung in Sibirien. Hier in der unendlichen Weite des asiatischen Rußlands, inmitten der unergründlichen geheimnisvollen Taiga, zwischen fremden Menschen und gemeinen Verbrechern, Kosaken, Sibiriaken und nicht zuletzt unter der Wucht der russischen Knute reifte der glühende, romantisch angehauchte und zurückhaltende Jüngling zum reifen, strengen und feurigen Mann, zum Revolutionär und Verschwörer aus. Hier studierte er die Lehren des Sozialismus und hier las er Karl Marx. Aber Pilsudski ist niemals Marxist gewesen. Denn es ist überaus bezeichnend für den kommenden Kämpfer um das heiligste Gut seines Volkes, um feine nationale Freiheit, daß Pilsudski sich schon in Sibirien zu einer ganz anderen Auffassung über den Sozialismus durchgerungen hatte: „Ein Sozialist in Polen muß nach Unabhängigkeit feines Vaterlandes streben, denn die Unabhängigkeit ist die bedeutsame Bedingung für den Sieg des Sozialismus in Polen." Und es kennzeichnete Pilfufki ferner die Tatsache, daß er niemals das bei den Marxisten so sehr beliebte Wort vom „Klassenhaß" gebrauchte, dafür aber mit größtem Ernst über Ehre und Freiheit und über den Wert der Arbeit schrieb und redete: „... niemand wird bereit sein, für die Erhöhung des Arbeitslohnes um zehn Groschen zu sterben. Man muß dem Menschen ein dem Opfer würdiges Ziel geben. Wir wollen ein unabhängiges Polen, um dort für alle ein besseres, gerechteres Leben einrichten zu können. Es ist notwendig, in den geistigen Umlauf unseres Volkes wiederum die Verachtung des plötzlichen und unerwarteten Todes
Die sozialistische Partei würde diese Frage sofort bei Wiederzusammentritt der Kammer aufwerfen.
Die Arbeitslosigkeit droht Verlängerte Militärdienstzeit als Hilfsmittel.
Paris, 25. März (DNB.) Es sollen sich die Fälle gehäuft haben, in denen sich junge Rekru- ten, die kurz vor der Beendigung ihrer zwölfmonatigen Dienstpflicht standen, in einem Schreiben
schreiben sei weniger auf internationale, als auf innerpolitische Spannungen gemünzt. Die Militärbehörden hätten im Einvernehmen mit v v dem Kriegsminister die Absicht, in diesm Falle die
IDNR-Funksvruck 1 Vor gesamte Regierungsgewalt an sich zu ' ^nriprucy.) -our » , M müHo firh fronen mns nuc, den
Die Gtavisky-Juweten in London entdeckt.
Begründete Zweifel an dem Selbstmord Stavisktzs.
Oie Grundzüge der neuen österreichischen Verfassung
Pilsudski.
Oer Erzieher seines Voltes.
Von unserem A -Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Warschau, März 1934.
geben, daß sie nach ihrer Freilassung keine A r -1 bett finden würden. Der Kriegsrnimster hat, nun verfügt, daß die Rekruten, die kurz vor ihrer . Entlassung stehen, berechtigt sind, im Laufe des | Monats April sich für weitere sechs Monate
Die französischen Sozialisten befürchten einen Militärputsch
Paris, 25. März. (DNB.) „Populaire" veröffentlicht ein angeblich echtes Schriftstück, das mit dem Vermerk „Geheim" vom Generalkommandanten des zweiten militärischen Bezirkes in Amiens an Jndustnelle versandt worden sein soll, die sich in der Hauptsache mit der Herstellung von Kriegsmaterial beschäftigen. In diesem Schriftstück sollen die Empfänger aufgefordert werden, der Kommandantur bis zum 30. März mitzuteilen, mit welchen Kunden oder Lieferanten sie unbedingt in telefonischer Verbindung bleiben müssen. Diese Angaben seien notwendig, um eine Liste der Industriellen aufzustellen, die i m Falle politischer Spannungen oder Mobilisierung berechtigt seien, gewisse ^telefonische Verbindungen aufrechtzuerhalten. Im Falle der Nichtbeantwortung des Rundschreibens wurde den Empfängern zu gegebener Zeit jebe telefonische Verbindung untersagt sein.
Populaire" wirft die Frage auf, ob es tn Frankreich eineArtGefahrenzustan b gebe, der eine solche Maßnahme rechtfertige. Das Rund-
Kunbgebern und Polizei kam es auch in T o u r s , wo eine Gruppe ber sogenannten „französischen Solibarität" eine Versammlung abhielt. Eine nach Hunberten zählenbe Menge von Gegnern hatte sich vor dem Versammlungsgebäude versammelt und warf mit Steinen gegen die Fenster und auf die Polizeibeamten. Als letztere versuchen wollten, die Kundgeber zu zerstreuen, wurden sie mit einem Hagel von Steinen empfangen und sahen sich schließlich gezwungen, sich zuruckzuziehen. Mehrere Revolverschüsse wurden auf feiten der Kundgeber, die sich aus marxistischen und kommunistischen Vereinigungen zusammensetzten, abgegeben. Erst nachdem die Polizei Verstärkung erhalten hatte, gelang es, die Kundgeber zu zerstreuen, die sich nach Der Arbeitsbörse begaben, um dort eine Kundgebung abzuhalten. Unterwegs hielten sie einen Kraftfahrer an, dessen Wagen vollständig zerstört wurde. Da die Kundgeber ihre Verletzten mitgenommen hatten, konnte deren Zahl nicht festgestellt werden. Auf feiten der Polizei waren drei Verletzte zu beklagen. Etwa 30 Verhaftungen konnten durchgeführt werden.
für höhere Ziele au setzen."
Der Weg, den Marschall Pilsudski in ber Richtung auf das weitgesteckte Ziel der Unabhängigkeit betreten hat, war schwer und holprig, reich an Mühe und Arbeit, Bitternis und Enttäuschung. Doch wie alle Verkünder, Neuerer und schöpferische Männer von Format den Durchschnitt ihrer Umgebung vor allem durch eine größere innere Spannkraft überragen, so hat sich auch Pilsudski nur kraft seiner Persönlichkeit, seines unerschütterlichen Glaubens an die Idee und willenstarker Ausdauer nicht nur zum Führer der polnischen Freiheitsbewegung und somit zum Träger und Derköperer des polnischen wehrhaften Kampfes, sondern schließlich zum ersten Staatsmann, Marschall und Führer des selbständigen polnischen Staates erhoben.
An dem Kampf um die Unabhängigkeit, den Josef
Pilsudski Ende des vergangenen Jahrhunderts auf- genommen und der durch den Ausgang des Weltkrieges schließlich zum Siege geführt hat war indes nur eine ganz kleine, wenn auch festgeschloffene Minderheit des polnischen Volkes beteiligt. Dem ver- meaenen Kampfruf Pilsudskis ist nur eine auserlesene Gruppe von ebensolchen Fanatikern der Idee gefolgt Das mar eine der größten Enttäuschungen seines Lebens. Für die Stimmung und den Geist dieser Treugefolgschaft ist bezeichnend daß m den
Marschtönen des ßegionenliebes „Erste Vrigade heiliger Zorn unb Verachtung für die ßauhert unb Gleichgültigkeit ber Umgebung bes eigenen Volkes erflingen Diese Teilnahmslosigkeit bes größeren S bes polnischen Volkes, namentlich wahrenb des russisch-japanischen Krieges und noch mehr wahrend der darauf folgenden ersten russischen ^eoo- lution hat d-n entscheidenden Wendepunkt >m L-b-n und Kampf Pilsudskis herbeigefuhrt. Er ernannte vor allen Dingen die Tatsache, daß revolutionäre und terroristische Mittel im Kampf ^gen den ruf- fischen Unterdrücker allein nicht ausreichen. Diese Erkenntnis erwächst zum großen Gebot semes H n deins: Nur mit der Waffe tn de r H a n d kann und muß sich das Volk Freiheit und Staat erkämpfen. „Allein läßt sich nichts machen. Die Unabhängigkeit läßt sich nicht erbitten, nicht erreden
Paris, 24. März. (DNB.) Der Sarg mit der ßeiche Staviskys wurde am Samstag - auf dem Friedhof in Thamonix wieder ausge- Mar guet Einsparungen in den So- graben und in das ßeichenschauhaus uberge- zialversicherungen in Höhe von mindestens führt. Dort wurde der Sarg in Anwesenheit der 500 Millionen Franken fordern. Der Arbeitsmini-, Aerzte, die die erste Obduktion vorgenommen hat- ster dürfte einen besonderen Plan entwickeln, durch ten, geöffnet. Die Aerzte zeigten den Vertretern den es möglich wäre, dem Staat für die kommenden. der Gerichtsbehörde, daß die Brust Stavi- fünf Jahre eine Summe von sechs Militär- skys keine Wunde au fw eist Darauf wurde d e n Franken aus den Sozialversicherungskassen ber Sarg wieder geschlossen. Er wird tn einem Ge- 3ur Verfügung zu stellen. Ziel ber Verorbnungen packwagen nach Paris befördert wo die zweite sei, eine fünf- bis a ch t p r o z e n t i g e Kür- — morh'n fnIf
jung der Bezüge der Beamten und Pensionsempfänger, ausgenommen die der Frontkämpfer unbKriegsopfer. Schließlich denke man daran, in gewissen Verwaltungszweigen die Zahl der Beamten herabzn- setzen. Die Betroffenen würden mit 60 Prozent ihrer bisherigen Bezüge in den Ruhe st and versetzt werden.
Ein französischer Polizeikommissar konnte tn dem ßondoner ßeihhaus Sutton die gesamten Slavisky-Juwelen im Werte von zehn Millionen Franks beschlagnahmen. Diese Schmuckaegenstände sind mit insgesamt 8000 englischen Pfund beliehen worden. Die erste Pfundoperation geht auf den 25. Sept. 1933, die vorletzte auf den 5. Dezember 1933 und die letzte auf den 8. Februar 1934, also auf eine Zeit nach öem Tode Staviskys zurück. Die Schmucksachen sind im Auftrage Staviskys aus dem Bayon- ner Leihhaus, wo sie als Pfand lagen, entfernt worden Sie waren durch Boten aus Paris gebracht worben. Sie bestehen zum großen Teil aus Diamantenfchmuck, darunter einige sehr schöne Steine im Werte von mehreren tausend Pfund. Die Firma erwarb später die Juwelen. Sie hatte sie bisher nicht zum Verkauf ausgestellt und die Steine befinden sich weiterhin in ihrem Gewahrsam.
Der Helfershelfer Staviskys, Hatnnaux, der den Beinamen „Jo mit den weißen Haaren" trägt, hat sich selbst der Polizei gestellt. H. hatte vor kurzem dem Polizeiinspektor Bonny einen Teil der Staoisky-Schecks zugestellt. Man behauptet aber, daß er einen Teil behalten habe, um damit bei den bezeichneten Persönlichkeiten Erpressungen zu begehen.
GMWM MMM-M eine schwierige Lage vorgefunden, der Fehlbetrag des Staatshaushaltes belaufe sich auf vier Milliarden. Die Regierung habe nicht die Absicht, den ehemaligen Frontkämpfern ein Opfer aufzuzwingen. Wenn es aber notwendig wäre, würde man von allen Franzosen ein Opfer verlangen müssen. Die ehemaligen Frontkämpfer konnten dieses Opfer ablehnen, aber bann würbe er zurück- treten. Man könne bie Steuerschraube nicht noch mehr anziehen. Man könne auch von denen, die leiden, nichts mehr verlangen. Der Finanzminister Germain Martin wird von Arbeitsminister
unb nicht erschachern, man muß bereit fein, sie mit bem Tribut bes Blutes zu erkaufen."
Der Mangel innerer Wehrhaftigkeit bes polnischen Volkes drängte ihn zur entscheidenden Tat: die Jugend durch systematische Erziehung für den kommenden Krieg, den er voraussah und als Patriot herbeisehnte, geistig, moralisch und ^körperlich vorzubereiten. Durch Organisierung der Schützenvereine schuf Pilsudski schon mehrere Jahre vor dem Weltkrieg die polnische Kampfbewegung, deren Ziel es war, wie er selber sagte, „Schaffung einer Funktion ber Macht in unserem Volke". Dies Ziel beherrschte unb lenkte sein Tun und Handeln, gab ihm Kraft und Ausdauer in dem schweren Kampf nicht zuletzt gegen bie Gleichgültigkeit in den Rechen des eigenen Volkes. Er hat später zuruckschauend nicht ohne berechtigten Vorwurf erklärt: „Das polnische Heer, das wir zu bauen anfingen, ist Nicht aus bem Willen unb Wunsch des ganzen polnischen Volkes entstanden". Aus bieser Wehrbewegung erwuchsen dann die Leg-onen. an deren Spitze Pilsudski als schlichter „Kommandant", ohne Abzeichen und Rangnennung, in den Weltkrieg gegen den rumsen Feind gezogen ist. Wenn diese Schar anfänglich auch klein und unansehnlich „und des großen 20-Mlllw-
Am Josefstag hat Polen den Namenstag feines ersten Feldmarschalls und Führers, Josef P 11 s u d- f k i, als eine große nationale Feier festlich begangen. In zahlreichen Festschriften, Vorträgen und Aufsätzen wurde das Leben unb die Bedeutung dieses bedeutenden Mannes als Revolutionär und Freiheitskämpfer, als Organisator, Heerführer und schließlich als Staatsmann, Führer unb Erzieher feines Volkes bargestellt unb geroürbigt. So ungewöhnlich unb bewegt bas Leben dieses Mannes war, so ungewöhnlich und bewegt war sein Ringen um die Erfüllung seiner Ideale. Denn sein Leben war von frühester Jugend an unentwegter, erbitterter Kampf um das höchste Ideal eines Freiheit und Unab-
Toulon, 26. März. (DNB. - Funkspruch.) Während eines Vortrages des Abgeordneten Pbar- n e g a r a y , der besonders durch seine Vorstöße in der Stavisky-Angelegenheit und wegen der Pariser Februar-Unruhen bekannt geworden ist, kam es in den neben dem Versammlungsraum liegenden Straßen zu Demonstrationen, die vom . Komitee zur Bekämpfung des Fafchis-
an das Kriegsministerium geroanbt|mU5 inszeniert worben waren. Die Zusammen- HÜtten, um ihrer Besorgnis barüber Ausbruck zu stöße sollen so ernst gewesen sein, baß Die Polizei u " r’ ' 9f '1 narf) Schluß ber Versammlung bie Ruhe auf ber
Straße überhaupt nicht roieber Herstellen konnte. Erst nachbem 250 Mann ber Mobilgarbe aus Marseille zur Verstärkung herangeschafft wor- -vjiunui» tapiu |iuj । u i weit'.«. * 1-;, -------- ben waren, konnten bie Straßen von ben Demon-
zu verpflichten, bie sie in derselben Eigenschaft und stranten gesäubert werden. Mehrere Mari nein der gleichen Truppenformation abbienen können, i 0 f f i 3 i e r e in Uniform würben von ben Anti- Außerbem ist bie Zahl ber zugelassenen Neuner- \ faschisten tätlich angegriffen. Ein Fähnrich ------£"— ■*° « f« «♦ f * erhöht mürbe sogar schwer verletzt.
Zu einer wahren Straßenschlacht zwischen I
großen Patrioten — um bie hängigkeit seiner Nation.
Schon in ben Kinberjahren war bie ernste Erziehung seiner liebevollen und patriotischen Mutter, die noch unter dem frischen Eindruck des letzten Polenaufstandes von 1863 gegen den russischen Bedrücker stand, auf bie Gestaltung ber überaus emp- sinblichen Seele ihres Sohnes von großer unb an-


