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runfl und tiefe Ehrfurcht vor dem Schöpfer aller Dinge durchdringen unsere Seele, und wir erkennen in dieser Stunde, wie klein, wie unendlich klein wir Menschen in dem großen Weltgeschehen sind, und Vie bescheiden wir im Grunde eigentlich sein müßten.

Und noch etwas empfinden wir bei diesem rasen­den Jlug: das Gefühl der unbedingten Sicherheit.

Zielbewußt und mit einer unbändigen Energie strebt unser Vogel der Re>ichshauptstadt zu, mit der wir durch unsichtbare Strahlen verbunden sind. Nicht ein einziges Mal kommt uns Insassen der Gedanke, der Flug könnte gefährlich sein. Unser Flugzeug fliegt so ruhig und stetig durch die Luft, daß auch empfindsame Magennerven einen solchen Blitzflug" in aller Ruhe wagen können. Als in der Gegend über dem bewaldeten Fläming die Maschine etwas bockte, meinte einer der Insassen, die verdammten Eisenbahnübergänge!".

Kaum hatten wir den Flughafen Frankfurt, wo ein heftiger Bodenwind in Stärke 6 wehte, ver­lassen, und- schon erreichten wir 1500 Meter Höhe, triß wir bis kurz vor Berlin innehielten. Da der Sturm hinter uns herwehte, so konnte unsere Ma­schine an diesem Tage (22. Juni) eine Schnelligkeit entwickeln, die geradezu phantastisch war. Unser Pilot reichte uns, als wir die Gegend von Halle, das wir etwa 20 Kilometer rechts im Dunst liegen Iahen, einen Zettel herein mit dem Vermerk:

Reisedurchschnitt 384 Kilometer, wir durch­fliegen die Strecke FrankfurtBerlin in einer Stunde sieben Minuten, Rekordflug!" And es stimmte auf die Minute, Abflug 17.35, Landung 18.42 Ahr, statt planmäßig 19.05 Ahr!

Nur einige Zahlen: Nach 20 Minuten überflogen wir Fulda, drüben im Dunst lag die Wasser­kuppe, die Geburtsstätte unserer Segelfliegerei, 15 Minuten später lag die herrliche Wartburg unter uns, wieder 10 Minuten später, eingebettet in herr­lichem Wald, das Kyffhäuser-Denkmal was mag der alte Barbarossa da unten über den gewaltigen Vogel gedacht haben? nach weiteren 10 Minuten schob sich C ö t h e n unter uns weg. 18.32 wurde das breite Silberband der Elbe über­

flogen und des Deutschen Reiches Streusand­büchse lag unter uns. Interessant war der Wett­lauf mit den Wolken. Obwohl sie in derselben Rich­tung, über die Lande eilten, wie wir, fk konnten mit unseren 384 Stundenkilometer keinen Schritt hal­ten und mußten das Rennen aufgehen. Und nun stießen wir hinein in den Dunstkreis Berlins. In diesem Rauch, Staub und Dunst müssen vier Millionen Menschen arbeiten und atmen, gräßlich!" Das war unser aller Gedan-ken. Die Sonnte neigte sich langsam dem Horizonte zu, wie aus Gold blink­ten die Seen um Potsdam herauf zu uns, ein un­beschreiblich schönes, fast symbolisches Bild.

Dir verlieren allmählich an höhe, der Propeller verlangsamt die Tourenzahl, automatisch löst sich das Fahrgestell aus, das während des Fluges zur Minderung des Luftwiderstandes elngezogen war, unter uns auf dem Tempel- Hofer Feld tauchen wie kleine weiße Motten die zahlreichen Flugzeuge des Deutfchlandfluges auf, ein Hopser und wir sind wieder auf der Erde angelangt.

Man könnte stundenlang von den gewaltigen Eindrücken berichten, die man in dieser kurzen Spanne Zeit in sich ausgenommen hat; von der verschiedenen Bauart der Dörfer; von dem Zustand der Aecker und Wiesen, die alle unter der langen Trockenheit gelitten haben; von der begeisterten Stimmung der vier Insassen; von der Kamerad­schaftlichkeit der Piloten; von den herrlichen Wolken­bildern und dergleichen mehr. Es mag genug sein!

Line Stunde und sieben Minuten Flugzeit! Etwa die gleiche Zelt, die ein v-Zug von Gießen nach Frankfurt benötigt!

Frankfurt wird Vorstadt von Berlin als alter Frankfurter, dere bißche was uff sich hält" sage ich umgekehrt:Berlin wird Vorstadt von Frankfurt!"

Eine Stunde sieben Minuten, eine unendlich kurze Zeit im Leben des Menschen, die aber ein ge­waltiges und unvergeßliche Erlebnis in sich birgt. Mögen unsere Nachkommen in 100 Jahren über uns lächeln, für uns Gegenwartsmenschen ist ein solcher Flug Freude, Glücksgefühl, Stolz und Gottesdienst! L. Grießbauer.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

00 Klein-Linden, 24. Juni. Der Tag des Deutschen Jugendfestes wurde in unserer Gemeinde mit dem Sportwettkampf der Schuljugend eröffnet. Nach gemeinsamem Marsch aller Schul­kinder durch das Dorf traten auf dem Sportplatz die am Wettkampf teilnehmenden Knaben und Mäd­chen vom sechsten Schuljahr aufwärts an. Es wurde der von der Behörde angeordnete Dreikampf aus­getragen. Als Kampfrichter hatten sich neben den Lehrern der hiesigen Schule einige Mitglieder des Turnvereins 1889 Klein-Linden in anerkennenswer­ter Weise zur Verfügung gestellt. Die Preisvertei­lung am Schluffe der Veranstaltung wurde von Schulleiter Rektor Dr. Crötzmann voraenom- men. Sie hatte folgendes Ergebnis: Knaben, Alters­klasse 1922/23, 6. und 7. Schuljahr, 75 Meter-Lauf (15Vs Sek. 0 Punkte), Weitsprung (200 cm 0 Punkte), Schlagballwurf (18 m 0 Punkte), 28 Teilnehmer mit 23 Siegern, 1. Preis mit 63 Punk­ten Rudolf Wagner, 2. mit 61 P. Walter Will, 3. mit 57 P. Ludwig Weigel und Albert Henkel, 4. mit 52 P. Hans Germer, Hanfried Knapp und Reinhold Weigel, 5. mit 51 P. Wilhelm Will, 6. mit 50 P. Heinrich Stein, 7. mit 49 P. Hermann Hin­terlang, Alfred Weller und Paul ( 'jel, 8. mit 48 P. Egon Otto, Erwin Neurath und Friedel Ruhl, 9. mit 47. P. Helmuth Weidenhaus und Helmuth Hoßbach, 10. mit 45 P. Karl Ludwig Schmidt, 11. mit 44 P. Erwin Groos, 12. mit 43 P. Horst Lenz, 13. mit 42 P. Hanfried Klein und Ludwig

Lenz, 14. mit 40 P. Walter Bepler. Knaben, Altersklasse 1921, 8. Schuljahr, 100 Meter-Lauf (18Vs Sek. = 0 Punkte), Weitsprung (230 cm 0 Punkte), Schlagballwurf (24 m = 0 Punkte), 15 Teilnehmer mit 7 Siegern: 1. mit 61 P. Karl Weber, 2. mit 53 P. Hermann Volk, 3. mit 50 P. Hans Weller, 4. mit 48 P. Erwin Weller, 5. mit 45 P. Walter Weiß, 6. mit 42 P. Hermann Luh, 7. mit 41 P. Helmuth Schmidt. Mädchen, Alters­klasse 1922/23, 6. und 7. Schuljahr, 75 Meter-Lauf (15V- Sek. = 0 Punkte), Weitsprung 160 cm 0 Punkte), Schlagballwurf (5 m 0 Punkte), 27 Teilnehmer mit 6 Siegern: 1. mit 55 P. Gertrud Hörder, 2. mit 50 P. Marie Siegmund, 3. mit 46 P. Elisabeth Hinterlang, 4. mit 44 P. Marie Weber und Marie Hofmann, 5. mit 40 P. Margot Jung. Mädchen, Altersklasse 1921, 8. Schuljahr, 75 Meter-Lauf (15Vs Sek. = 0 Punkte), Weitsprung 195 cm 0 Punkte), Schlagballwuvf (10 m 0 Punkte), 16 Teilnehmer mit 5 Siegern: 1. mit 52 P. Lotte Kopp, 2. mit 45 P. Marie Rinn, 3. mit 41 P. Elisabeth Zörb und Tilli Rinn, 4. mit 40 P. Marianne Jung. Am Nachmittag führte die Hitler­jugend ihren Wettkampf durch. Das Ergebnis ist folgendes: Leistungsklasse 1: 1. Ludwig Glaum, 2. Erich Weigel, 3. Friedel Jung, 4. Rudolf Holler und Karl Marten, 5. Walter Weber, 6. Wilhelm Steinmüller, 7. Wilhelm Zörb und Hermann Fink, 8. Hermann Ruhl, 9. Erich Schepp, 10. Karl Vogel. Leistungsklasse 2: Dreikampf, bestehend aus 100 Meter-Lauf, Weitsprung, Schlagballwurf: 1. Wil-

Was mein einst war...

Roman von Klothilde von (Stegmann.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.)

13 Fortletzung Nachdruck verboten!

Do lächelten die traurigen Augen der schönen Frau zum ersten Male wieder:

Madame", sagte Madame de Lormes,Sie rechnen mit einem nicht, was wir Frauen in einem Leben, wie ich es führen muß, nur zu genau kennen: der Eitelkeit der Männer! Wenn Ihr Gatte erfährt, daß ich ihn nie geliebt habe, daß es nur ein Spiel war, das ich mit ihm trieb, um eines anderen willen, wird fein verletzter Stolz auch die sogenannte Leidenschaft Überwinden."

Aber ich bin nicht imstande, ihm das alles zu sagen, was Sie mir gebeichtet haben", flüsterte Sofia mutlos.Ich könnte feinen Schmerz, seine Scham nicht mit ansehen."

Ein harter Zug grub sich um den schwellenden Mund der Madame de Lormes.

So sind wir Frauen nun", klang es bitter von ihren Lippen; aber sie sprach es ebenso zu sich selbst wie zu Sofia.Wenn wir lieben, kann man uns allen Schmerz, allen Kummer der Welt berei­ten, und wir fürchten uns, dem Geliebten auch nur den Schatten eines Schmerzes zuzufügen."

Dann fuhr sie entschlossen fort:

Es gibt nur ein Mittel, gnädige Frau, um Alexander Demidoff von seiner törichten Schwär­merei loszulösen. Ich selbst muß ihm das Geständ­nis machen, das ich Ihnen gemacht habe und ich will es tun. Nur weih ich nicht, ob Sie so viel Vertrauen zu mir haben werden, ihn noch einmal zu mir zu lasstn?"

Da sah Sofia mit ihren klaren Augen Madame de Lormes an:

Ich vertraue Ihnen!" gab sie schlicht zur Antwort.

Und dann, als wäre nun nichts mehr zu sagen, gaben sich die beiden Frauen aus den verschiedenen Welten die Hand mit einem verstehenden, erbar­menden, schwesterlichen Druck. Gleich darauf verließ Sofia das Zimmer.

Madame de Lormes sah ihr mit einem weichen, nachdenklichen Blick nach. Dann setzte sie sich an den Schreibtisch, schrieb hastig em paar Zeilen auf die eleganten Seiten eines malvenfarbigen Bries- papieres und klingelte der Zofe.

Der Chauffeur möchte diesen Brief sofort zu Herrn Demidoff besorgen." .

Mit starren Augen sah sie dem Mädchen, das flink hinausging, nach.

Elftes Kapitel.

Nun war die Entscheidung gefallen. Welch ein Glück, daß diese tapfere Frau bei ihr gewesen war, welch Glück für Demidoff! Aber was würde

es ihr, der Madame de Lormes, für Unglück brin­gen? Das hatte sie Sofia verschwiegen.

Unruhig stand sie auf und ging in ihrem Salon auf und ab. Dann blieb sie stehen, eine flackernde Angst flog über ihr Gesicht: sie hatte hinter dem Kleiderschrank nebenan das leise dreimalige Klopfen gehört, das sie kannte. Sie preßte die Hände auf die Brust, sah sich mit irren Augen um, als wollte sie fliehen aber wieder ertönte leise, aber un­geduldiger das Klopfen. Da schloß sie rasch die Tür zum Korridor ab und öffnete den eingebauten Kleiberschrank. Gleich darauf schob sich Siemens Gestalt durch die Kleider hinein ins Zimmer.

Wie lange soll ich denn warten?" fragte er brüsk.Warum machst du denn nicht auf, wenn ich klopfe?"

Ich habe geschlafen", gab Madame de Lormes gepreßt zur Antwort und wich seinen Blicken aus.

Er sah sie mißtrauisch an, dann fuhr er fort zu sprechen:

Also paß auf! Heute abend wird der Gimpel Demidoff gerupft. Du spielst zuerst gegen mich und wirst verlieren, viel verlieren. Dein Geld wird zu Ende sein. Ich nehme an, daß Demidoff sich als Kavalier bewähren und dir sein Portefeuille zur Verfügung stellen wird. Durch einen unserer Leute, die ich im Hotel von Demidoff sitzen habe, weiß ich, daß er sich gestern Geld aus Bulgarien hat kommen lassen. Er ist also reif. Wenn du viel verloren hast und ich dir das verabredete Zeichen gebe, bann hörst du auf und sagst zu Demidoff: Ich habe heute Unglück; aber vielleicht gelingt es Ihnen besser! Daraufhin wird Demidoff selbst zu spielen beginnen, und ich mache das Ende mit ihm. Morgen verschwindest du. Ich folge in einigen Tagen nach. Wir gehen bann nach Cannes; bort werden wir einige von diesen amerikanischen Millionären fin­den, die gestern abgereift sind. Ich habe die Nach­richt von unseren Leuten aus Cannes. Die ganze Rechnung ist richtig und wirb glatt aufgehen."

Ja! Sie wirb glatt aufgehen!" wiederholte Lou mit einem eigentümlichen Ton, ber Liewen auf­blicken ließ.

Was meinst bu benn bamit, baß bu meine Worte wieberholst? Du bist sonderbar!"

Sie lachte unnatürlich laut unb grell auf.

Wieso sonberbar? Ich meine boch nur, baß bu ein sehr, sehr geschickter Rechenmeister bist, unb baß bir so leicht nichts mißlingt."

Wenn ihr nicht patzt, bann natürlich nicht!" gab Liewen siegessicher zur Antwort.Also, bu hast verstauben? Ich gehe schon um zehn Uhr in ben Spielsalon. Du kommst, wie immer, gegen elf Uhr."

Könnte es nicht heute ausnahmsweise etwas später werben?" fragte Lou mit unsicherer Stimme. Ich habe bem Conte d'Estrelle zum Souper zu­gesagt."

Nun, Meinetwegen! Komm eine halbe Stunde später, das wird schließlich auch nichts ausmachen."

Helm Weigel, 2. Walter Lang, 3. Wilhelm Jung, 4. Hermann Stein, 5. Wilhelm Kissel, 6. August Mülln, 7. Helmuth Weber, 8. Karl May, 9. Fritz Diehl, 10. Wilhelm Stein. Am Festabend marschier­ten sämtliche schulentlassenen Jugendorganisationen, ferner SA., SA.-Reserve, viele Vereine und Ein­wohner hinaus an das Allendörfer Wäldchen, um gemeinsam die Sonnenwendfeier zu begehen. Ein großer Holzstoß wurde angezündet, und in Sprechchören gelobten HI. unb BbM., in Einheit unb Kraft bas zu vollenden, was unser Führer von uns verlangt. Sobann würbe burch die HI. der Toten des Weltkrieges unb ber Gefallenen ber na­tionalsozialistischen Revolution gebacht unb ben deut­schen Brüdern in den abgetrennten Gebieten das Treuegelöbnis erneuert. Karl Haas, der Füh­rer der Gefolgschaft Klein-Linden der HI., sprach über die Bedeutung der Wettkämpfe des Tages als eines Dienstes am deutschen Volk, ferner über das ehrwürdige Brauchtum unserer Altvorderen im Sonnenwendfeuer und gelobte treue Mitarbeit der Jugend am Wiederaufbau unseres Vaterlandes. Ortsgruppenleiter Dr. Crößmann schilderte den begonnenen Aufstieg unseres Volkes auf allen Ge­bieten, kulturell, wirtschaftlich und außenpolitisch, unb forberte auf, Kämpfer zu werben für bie große Jbee unseres Führers, um bamit bem Führer ben Dank abzustatten für bie Rettung bes Vaterlanbes vor bem Untergang. SeinSieg-Heil!" galt bem Volkskanzler, in bas die Menge, wie auch in das gemeinsam gesungene Horst-Wessel-, unb Deutsch­landlieb, begeistert einstimmte.

tn. Lang-Göns, 23. Juni. Im Rahmen bes Jugenbfeftes würben heute bie sport­lichen Wettkämpfe ber vier oberen Schul­jahrgänge ausgetragen. In ber ersten Abteilung (7. unb 8. Schuljahr) nahmen 21 Knaben unb 32 Mäbchen baran teil. Sieger würben in Weitsprung, Ballwurf unb Lauf: Ewalb Spies, 66,5 Punkte, Erich Arzt, 55 P., Kurt Philipp, 55 P., Otto Pflü­ger, 54,5 P., Heinz Müller, 53 P., Ewald Herbel, 52 P., Helmut Drücket, 51 P., Willi Reibt, 49,5 P^. Ewalb Brückel, 46 P., Otto May, 43 P. Erna Weiß, 43,5 P., Emma Puhl, 41 P., Irene Müller, 40,5 P. In ber zweiten Abteilung (5. unb 6. Schul­jahr) nahmen 25 Knaben unb 32 Mäbchen an ben Wettkämpfen teil. Sieger würben hier: Ottilie Stoll, 53 P., Erna Lechens, 50 P. Erich Jung, 52 P., Hans Puhl, 52 P., Erich Wissig, 43 P., Reinharb Rühl, 43 P., Helmut Kuhl, 43 P., Richarb Müller, 40 P. Die Ehrenurkunde des Reichs­präsidenten erhalten: In ber ersten Alters­klasse (11- unb 12jährige): Ottilie Stoll, in ber zweiten Altersklasse (13- und 14jährige) Ewald Spies. Zum Schluß wies der Führer des hie­sigen Turnvereins, der den Wettkämpfen beigewohnt hatte, darauf hin, daß fast alle Sieger der Jugend­abteilung des Turnvereins angehören unb forberte bie anbern Schüler auf, nun auch halb Mitglieb bes Turnvereins zu werben, bamit sie bei ben näch­sten Wettkämpfen ebenfalls gut bestehen können.

V Hausen, 23. Juni. Am gestrigen Freitag, 22. Juni, feierte bas Ehepaar Altbürgermeister ßubroig Happel unb Lina geb. Wehrum bas Fest ber ©eibenen Hochzeit. Am Abenb brachte ber Frauenchor Haufen seinem Ehrenmit­glied ein Ständchen und ließ durch seinen Vorsitzen­den, Pfarrer Steiner, zwei Blumenstöcke über­reichen. Der Kirchenvorstand, dem Altbürgermeister Happel angehört, schenkte seinem Mitglied eine künstlerische Aufnahme der Kirche von Hausen mit entsprechender Widmung als Dank für die Ver­dienste, die sich Happel jederzeit im eifrigen und mutigen Eintreten für die Kirche erworben. Das Glückwunschschreiben des Propstes von Oberhessen, Propst Knodt- Gießen, wurde verlesen und bas babei von ber Lanbeskirche gestiftete Gesangbuch überreicht. Altbürgermeister Happel dankte in be­wegten Worten, zugleich im Namen seiner Frau, für alle die Ehrungen, die ihm zuteil geworden, unb lud ben Frauenchor unb ben Kirchenoorstanb zu einer Tasse Kaffee im blumengeschmückten Hofe ein, wo bie Gäste einige gemütliche Stunben ver­lebten.

* Ruttershausen, 25. Juni. Aus der Land­straße RuttershausenOdenhausen ereignete sich dieser Tage ein Verkehrsunfall, der zum Glück noch verhältnismäßig glimpflich ablief. Ein Autofahrer aus Lollar kam dort mit feinem Kraft­wagen einem Fuhrwerk entgegengefahren, hinter dem plötzlich ein Radfahrer aus Odenhausen auf­tauchte. Um den Radler nicht zu überfahren, riß der Autolenker seinen Wagen schnell herum, er konnte jedoch nicht verhindern, daß der Radler durch ein Hinterrad des Autos gestreift und um­geworfen wurde, wodurch er leichtere Perletzungen am Kopfe erlitt. Das Auto Überschlug sich, zum Glück kamen aber auch dessen Insassen mit leichten Verletzungen davon, während der Wagen unver­sehrt blieb.

Kreis Frievberg.

4- Fauerbach v. d. H., 23. Juni. Gestern ver­unglückte der hiesige Spenglermeister Gg. Schmidt tödlich dadurch, daß er bei einem Einwohner am Dache ein Kandel anbringen wollte und aus etwa drei Meter Hohe a b ft ü r 51 e. Dabei fiel er auf den Kops, der seitlich eingedrückt wurde. Ein schwerer Schädelbruch führte den sofortigen Tod herbes Der Verunglückte stand im 64. Lebensjahre.

Kreis Büdingen.

LPD. Bübingen, 24. Juni. Beim K i r s ch e ns pflücken stürzte ein Mann infolge eines Schroin» belanfalles vorn Baum unb bann einen Abhang herab. Dabei trug er schwere äußere und innere Verletzungen davon, bie seine lieber» führung in das hiesige Krankenhaus erforderlich machten.

Kreis Lauterbach.

LPD. H e r b ft e i n, 24. Juni. Hier wurde die Landwirtsfrau Schad beim Anspannen von Kühen von einer Kuh zu Boden gestoßen und bann gegen ben Leib getreten. Dabei erlitt die Frau so schwere innere Verletzungen, daß sie bald darauf starb.

Kreis Weirlar.

(D Krofdorf, 23. Juni. Bei strahlendem Son­nenwetter hielt die hiesige Schule nach einem Marsch mit Musik durch den Ort und nach feierlicher Flaggenhissung auf dem Platz an ber Turnhalle ihre Reich siugendwettkämpfe ab. Während von ben Jungens 50 v. H. Sieger werben konnten, lag ber Prozentsatz ber Siegrinnen niebriger. Es beteilig­ten sich bie Jahrgänge 1920 bis 1923. Sämtliche Schul- tinber erhielten Würstchen unb Brötchen. Mit der Siegerehrung durch den Schulleiter, mit Sieg-Heil auf Führer und Vaterland und mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes schloß die Veranstaltung.

(D Gleiberg, 24. Juni. Die langanhaltende Trockenheit vor dem letzten Regen in diesem Sommer, die unsere Landwirte mit ernster Sorge erfüllte, gibt Anlaß zur Erinnerung eines ähnlichen Zustandes in unserer Gegend vor genau 7 5 Jah­ren. Darüber berichtet die hiesige Gemeindechronik^ 1859: Der Sommer war sehr trocken, so daß dis Pflanzen zum größten Teil nicht anwuchsen und teilweise gar nicht gesetzt werden konnten. Es gab auch viele Würmer und Engerlinge an den Pflan­zen. Am 14. August gab es feit langer Zeit zum erstenmal Regen unb fingen die Leute an, Stoppel- erbten und Stoppelrüben zu säen und gelangten noch zu einer ganz vollständigen Ernte. Die Kar­toffeln fingen jetzt wieder an zu wachsen, es gab auch ziemlich, jedoch wegen ihrer Unreifheit und dünnen Schale verfaulten sie in den Kellern fast halb; im übrigen war die Ernte eine mittelmäßige zu nennen."

Nach dem Genuß von unreifen Stachelbeeren gestorben.

LPD. H a i g e r (Dillkreis), 23. Juni. Nach dem Genuß von unreifen Stachelbeeren ist in Würgendorf das fünfjährige Töchterchen ber Familie Otto Fey nach gräßlichen Schmerzen im Krankenhaus zu Haiger, woselbst man burch eine Operation bas Leben des Kindes zu retten suchte, gestorben.

Er ging mit kurzem Kopfnicken wieder auf dem gleichen Wege hinaus, auf dem er, ungesehen von allen Menschen, zu Lou de Lormes gekommen war. Niemand wußte ja von den dunklen Beziehungen zwischen diesen beiden, denn niemals ließen sie sich in der Oefsentlichkeit zusammen sehen. Lou stand mit starren Augen da.

Wenn er es erfährt, ist es aus mit mir!" flüsterte sie vor sich hin.

*

In dem Blauen Salon war das Spiel in vollem Gange. Es hatte sich in ganz Rom herumgesprochen, daß man hier die waghalsigsten und besten Spieler aus aller Welt antraf, uno daß ungeheure Sum­men umgefetzt wurden. So war es fein Wunder, wenn sich in diesem Klub die Blüte der Gesellschaft zusammenfand, um so mehr, als man nur durch besondere Empfehlungen und Verbindungen hinein- kommen konnte.

Liewen stand an einem Pfeiler unb beobachtete bas Spiel, bas sich an ben Tischen entwickelte. Er selbst spielte noch nicht. Er mußte jetzt seine Kräfte für ben großen Schlag auffparen, ben er gegen Demiboff zu führen gebuchte.

Er sah auf bie Uhr. Halb elf Uhr. Noch eine Stunbe, bann würbe Lou erscheinen, unb hinter ihr, wie ein getreuer Trabant, dieser Dummkopf von Demidoff.

Da stutzte er. In der Tür war die zierliche Gestalt des Marquis d'Estrelle aufgetaucht. Allein?!

Liewen sah schärfer hin. Kam Lou de Lormes noch? Aber nein, ber Marquis fchlenberte, nach allen Seiten grüßenb, allein an ben Tisch heran.

Guten Abenb, Herr Marquis!" grüßte Liewen. Der anbere erroiberte ben Gruß unb sagte zu einem anberen Herrn ber Gesellschaft.

Ich bin boch eher von meiner Fahrt nach Florenz zurückgekommen, als ich buchte. Ursprüng­lich wollte ich ja bis morgen bleiben."

Dann entnahm er seiner Brusttasche eine Hanb- voll Ships und setzte sich an einen freien Platz, um zu spielen.

Liewen hatte die Worte des Franzosen gehört. Ein gefährliches Glitzern kam in feine Augen. Lou hatte ihn also belogen, als sie ihn an eine Ver­abredung mit dem Marquis zum Abendessen glauben machen wollte. Sie hatte gewußt, baß ber Marquis verreist gewesen, aber sie hatte nicht berechnet, baß er früher zurückkommen könnte. Aus welchem Grunbe aber hatte sie ihn belogen?

Doch nur, um sich mit jemanbem zu treffen. Wer war biefer Jemanb? Nun, er würbe es halb genug herausbekommen.

Unauffällig verließ er ben Spielsaal unb fuhr fo schnell er konnte zurück ins Hotel. Schon von weitem sah er hinter ben Spitzenvorhängen Licht! Ein Zeichen, baß Lou baheim war.

Er fuhr mit bem Lift hinauf unb eilte in sein Zimmer. Geräuschlos öffnete er ben Wanbschrank von seiner Seite. Lou ahnte nicht, daß er es längst

fertiggebracht hatte, auch von sich ause bie Tür mit Hilfe eines befonbers konstruierten Schlüssels zu öffnen. Man mußte bei Frauen immer noch vor­sichtiger sein, als biese selbst zu wissen brauchen.

Im Salon hörte er erregte Stimmen, bie von Lou unb eine Männerstimme. Jetzt erkannte er sie: es war bie Stimme Demiboffs, bie lauter unb lauter anschwoll unb plötzlich wie mit einem schluch- zenben Laut abbrach.

In ben Kleibern bes Wanbschranks verborgen, lauschte Liewen, aber er hörte nur noch, wie Demi­boff schrie:

Diesen Verrat werbe ich nie überroinben!"

Dann knallte eine Tür zu, unb Stille war. Der Lauscher hörte, wie Lou tief aufseufzte, bann ver­nahm er einen leisen Laut, wie wenn ein Telephon- Hörer abgenommen wirb, unb Lous Stimme, bie in französischer Sprache eine Nummer verlangte.

Dann war eine Weile Stille eingetreten. Nun tönte roieber Lous Stimme:

Sie finb es, Mabame? Ich wollte Ihnen nur sagen, ich habe Ihrem Gatten alles geftanben. Er wirb sich mir nie roieber nähern. Seien Sie nun klug, Mabame, unb gut! Ich wünsche Ihnen alles Glück, bas Sie verbienen!"

Ihre Stimme schwankte wie von Tränen, bann schien sie noch in ben Apparat hineinzuhören. Gleich darauf fuhr sie mit einem erstickten Aufschrei in bie Höhe. Mit einem Sprung, wie ein Raubtier, war Liewen aus bem Wanbschrank auf sie zugekommen.

Du!" raunte er, und feine Augen funkelten drohend in bie ihren.Was hast bu mit Demiboff zu reben gehabt? Was hast bu ihm gesagt? Hast du ihm unser Geheimnis verraten? Leugne nicht! Ich habe deinen feinen Plan durchschaut. Der Marquis d'Estrelle, mit dem du angeblich soupier­test, ist soeben erst aus Florenz gekommen und versucht bereits sein Glück im Klub, indessen du bu..." Er schüttelte sie roütenb, baß sie unter ben brutalen Hcinben bes Mannes hin unb her schwankte.Ich bringe bich um, wenn bu nicht augenblicklich alles gestehst!"

Dann ließ er sie so unvermutet los, baß sie mit einem leisen Aufschrei in bie Knie fiel. Dort blieb sie liegen, bie Hänbe angstvoll gegen bas Gesicht gehalten, um seinen brohenben Fäusten zu ent­gehen. Aber er riß sie roieber empor.

Du brauchst mir nichts mehr zu erzählen", sagttz er mit unheimlich leiser Stimme.Ich weiß genug. Das wirb bich teuer zu stehen kommen, verlaß bich barauf. Ich gehe jetzt in ben Klub; bu folgst mir in einiger Zeit nach. Kein Mensch barf etwas ahnen. Ich werbe meine Leute aufstellen unb bafür sorgen, baß biefer Demiboff, an bem bu anscheinend einen Narren gefressen hast, unschädlich gemacht wird, wenn er sich etwa auf ben Weg zur Polizei machen sollte, um uns anzuzeigen."

Das wirb er nicht tun!" stammelte bie Frau mit schmerzverzerrtem Gesicht.Er hat mir sein Ehrenwort gegeben." (Fortsetzung folgt).