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Oie Gauleiter in Berlin.

Empfang beim Führer.

Berlin, 23. Nov. (DNB.) Wie die National­sozialistische Parteikorrespondenz meldet, fand am Freitag in Berlin eine Gauleitertagung der NSDAP, statt, in deren Mittelpunkt ein Empfang beim Führer stand. In kamerad­schaftlichem Beisammensein erörterte der Führer die politischen Fragen.

Die Tagung war eingeleitet worden durch eine Besprechung unter dem Vorsitz des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß, die sich mit politischen Fragen befaßte. Hauptamtsleiter H i l g e n f e l d gab einen Bericht über die Arbeit der NS. - Dolkswohlfahrt. In diesem Sommer wur­den von der NSV. allein 500 000 Kinder verschickt, 35 000 Müttern geholfen und im großen Umfange wurden Betten^ilfen, Wohnungshilfen, Umzugs­hilfen durchgeführt. Heber den gegenwärtigen Stand des Winterhilfswerkes Konnten günstige Angaben gemacht werden. Reichspropagandaleiter Dr. Goeb- b e l s kündigte für das Winterhilfswerk einen gro­ßen Tag der nationalen Solidarität an, sowie besondere Ausgestaltungsmöglichkeiten der Weihnachtsfeiern der Parteiorganisationen.

Die Gauleitertagung befaßte sich anschließend mit Einzelfragen wirtschaftlicher und sozialpoliti­scher Natur, soweit sie Den deutschen Arbeiter betreffen. Mit einem Referat des Hauptamtsleiters S e l z n e r über die Organisation der Deutschen Arbeitsfront und der NSG.Kraft durch Freude" wurde eine Aussprache eingeleitet, in der besonders die Bezirkswalter der Deutschen Arbeitsfront aus ihren Arbeitsgebieten Bericht erstatteten.

Es folgte ein Referat des Hauptamtsleiters Dr. Frauendorfer über Schulunasfragen, in dem u. a. mitgeteilt wurde, daß heute bereits in den 50 Schulen der Partei jährlich etwa 30 000 Parteigenossen an vierwöchigen Schulungskursen teilnehmen. Der Gauleiter von Baden, Pg. Robert Wagner, sprach über die politische Arbeit der Gauleiter.

Oer Oanziger Genats- präsident zurückgetreten.

Danzig, 23. Nov. (DNB.) Der Danziger Senatspräsldent D r. Rau sch n in g, der schon seit längerer Zeit wegen Krankheit von seinem Posten beurlaubt war, hat am heutigen Freitagabend seinen Rücktritt erklärt. In einer von ihm der Presse übergebenen Erklärung heißt es u. a.:Indem ich von Danzigs Bevölke­rung Abschied nehme, rufe ich in dem Sinne, in welchem ich mein Amt zu führen bemüht war, die Bevölkerung auf, jeder an seinem Platze möge sich seiner Mitverantwortung für das große Ganze bewußt sein und das kleine Eigene zurllckstellen. Ich gebe der festen Zu­versicht Ausdruck, Danzigs Bevölkerung werde sich im Danziger Staat immer mehr zu einer unver - brüchlichen Schicksalsgemeinschaft zu- fammenfinben. Durch mein Ausscheiden wird fich an unserem großen Ziel nichts ändern."

Die Wahl des neuen Danziger Se­natspräsidenten wird in den nächsten Tagen durch den Danziger V o l k s t a g stattfinden.

Sicherung von Marschkolonnen «rgen rücksichtslose Kraftfahrer.

Berlin, 23. Nov. (DNB.) Der R e i ch s m i n i - st e r d e r I u st i z hat einen Erlaß an alle Straf­verfolgungsbehörden über die Sicherung von Marsch­kolonnen gegen rücksichtslose Kraftfahrer gerichtet. Der Erlaß erwähnt neun Unalücksfälle aus dem Reich aus der Zeit vom Juni 1933 bis No­vember 1934, die durch rückfichtsloseKraft- fahrer verursacht worden sind und zusammen

4 Tote und 44 Verletzte forderten. Fälle rücksichtslosen oder nur fahrlässigen Anfahrens mar­schierender und arbeitender Kolonnen sind von der Staatsanwaltschaft mit allergrößter Beschleunigung zu bearbeiten. Jndesondere ist zu prüfen, ob Anlaß zur Annahme besteht, daß der Täter sich der Strafe zu entziehen versucht, und ob nicht deshalb sofortige Verhaftung angezeigt erscheint. Dies um so mehr, als die vorgeschriebenen Schluß-, Seiten- und Brustlichter marschierender Abteilungen ebenso wie die Kennzeichnungen von Arbeitsstellen aus Stra­ßen es dem aufmerksamen Kraftfahrer leicht machen, Marsch- und Arbeitsabteilungen rechtzeitig zu er­nennen. Bei der Bearbeitung solcher Fälle muß die Staatsanwaltschaft davon ausgehen, daß die freie Entwicklung des Kraftfahrweiens verlangt, daß der Kraftfahrer bei Begegnen und Ueberholen marschie­render oder arbeitender Kolonnen eine G e s ch w i n . digkeit, die ihm ein jederzeitiges so­fortiges Halten ermöglicht, unter keinen Umständen überschreitet. Bei Beantragung des Strafmaßes ist dem Gesichtspunkt weiter Raum zu gewähren, daß derjenige, der ge­wissenlos oder fahrlässig die Sicherheit marschieren­der Kolonnen oder arbeitender Gruppen gefährdet, imbesonderen M aßeverantwortungs- losgegendie Volksgemeinschaft handelt. Die Empsindlichkeit und Schwere der in solchen

Fällen von der Staatsanwaltschaft beantragten und vom Gericht erkannten Strafe muß für jeden gleich Gewissenlosen ein warnendes Beispiel sein.

Reichs-Giudeuieuwerk."

Ein Erlaß des Rcichserziehiingsministers.

Berlin, 23. Nov. (DNB.) Reichserziehungs- Minister Rust hat aus den privaten Vereinen Deutsches Studentenwerk" undDarlehnskaste des Deutschen Studentenwerks" eine 21 n ft a 11 Reichsstudentenwerk" gebildet. Der Erlaß stellt dem Reichsstudentenwert die Aufgabe, jeder volksdeutschen Begabung ohne Rücksicht auf Herkommen und wirtschaftliche Kraft den Zugang zur Hochschule zu ermüg- l i ch e n. Sein Ziel ist die Auslese der Tüch­tigsten im Sinne nationalsozialistischer Forde­rungen.

Im einzelnen bestimmt der Erlaß: DasReichs- Studentenwerk" untersteht der Aufsicht des Reichs­erziehungsministers, der auch den Leiter ernennt. Die bestehenden Einrichtungen des stu­dentischen Selbsthilfewerkes sind nach Bestimmung des Reichserziehungsministers in das Reichs- Studentenwerk zu überführen. Das ,Reichs-Studentenwerk" und seine Gliederungen werden getragen durch Zuweisungen aus

Mitteln des Reiches und der Länder, durch Selbsthtlfebeiträge der Studie, renben und durch freigewordene Mittel Die Selbsthilfebeiträge der Studierenden roerbeit durch den Reichserziehungsnunister festgesetzt. Da; Reichs-Studentenwerk" bildet einen Freundes, rat, welcher der Werbung von Förderer« und Stiftern zur Durchführung seiner nah», nalsozialistischen Volksausgabe dient. Die Leitung des Reichs-Studentenwerks ist Pg. Dr. Streit übertragen.

Kontrolle der Blumenpreise am Totensonntag.

Berlin, 23. Nov. (DNB.) Anläßlich des Buß und Bettages hat sich die unerfreuliche Erscheinung bemerkbar gemacht, daß beim Verkauf v o n Blumen und Kränzen an den Fried. Höfen vielfach wesentlich überhöhte Preise gefor. dert worden sind. Der Reichskommissar für Preisüberwachung weist darauf hin, daß am kommenden Totensonntag durch Stichprobe^ eine Kontrolle der Blumenpreise statt, finden wird und gegen Blumenverkäufer, die sich de, in diesem Falle als roenig anständig anzusehend« Handlung der Preisüberhöhung schuld^ machen, scharf vorgegangen wird.

Die russisch-französische Entente.

Die Vorkriegsmethode.

Die Franzosen versuchen, ihrer Dorkriegsleier in- sofern einige neue Töne zu entlocken, als sie ein Militärbündnis mit Rußland nicht für hinderlich erachten, durch einen Ostpaktplan ergänzt zu werden. DerTemps" wußte zu rnel- den, aus den Unterredungen zwischen Litwinow und Laval fein ein Militärbündnis entsprungen, und in dieser Beziehung hat Laval unzweifelhaft die bol­schewistenfreundliche Art des bourgeoisen Dourner- gue fortgesetzt. Aber wenn die Franzosen glauben, damit .den Ostpaktplan wieder aufleben zu lassen, irren sie sich. Wir haben gar keine Veranlassung, einem System beizutreten, das so einseitig gegen Deutschland sich wendet und Polen, an das Laval eine Note richten will, wird heute noch weniger als früher sich der Pression beugen, die Frankreich durch Näteruhland ausübt. Der Barthousche Plan ist und bleibt tot und herausgekommen ist nur ein fowjet- russisch-französisches Militärbündnis. Die peripheren Mächte haben sich gegen den Kern Europas geeinigt, aber diese Einigung selbst muß mit französischen Franken bezahlt werden, und wenn diese ausbleiben, schmollt der Bolschewik. So ist diese Verbindung recht ungleicher Partner doch von vornherein brü­chig und nur die Not hält das Verhältnis eine zeit­lang aufrecht.

Daran andern auch die Vorwürfe und Anklagen nichts, die bei der Beratung des Heeres- Haushaltes die Lautsprecher der französischen Regierung gegen Deutschland richteten. Noch un­längst hat der Führer durch zwei französische Front­soldaten seinem Wunsche nach Verständigung mit Frankreich Ausdruck gegeben. Wenn die französische Presse diese Verständigung ablehnt und sich dafür Räterußland in die Arme wirft, dann ist das eine Malaise, die das französische Volk mit ewigen Rü­stungen bezahlen muß, aber es ist das Gegenteil von Dernunftvolitik. Die Kanonenkönige und son­stigen Jnteressentengruppen, die das französische Volk durch ihre Presse beschwatzen, mögen dabei auf ihre Kosten kommen, das Volk selbst aber verkürzt sich sein Stück Brot nur, um Soldaten auf der Wacht zu halten gegen einen Feind, der gar nicht beftebt. Denn die deutschen Anstren­gungen, nach dem Zusammenbruch der Abrüstungs­konferenz seine Verteidigungskraft aufrecht zu er­

halten, sind doch nicht vergleichbar jenen ungeheuer- liehen Programmen, die Frankreich und Rußland schon in den Jahren durchführten, als selbst der französische Oberbefehlshaber feststellte, Deutschland habe alle Bestimmungen des Versailler Vertrages erfüllt. Wir sind zur Abrüstungskonferenz in der Hoffnung auf Gleichberechtigung und auf wirk- llche Abrüstung gegangen. Nicht wir, sondern die Franzosen haben sich um eine Verpflichtung aus dem Versailler Vertrage, und zwar um eine Kern- Verpflichtung, gedrückt. Und es gehört der ganze Mut von Leuten, die ihre Zeit verpaßten, dazu, den Friedenswillen Deutschlands in einen Kriegs­willen umzufälschen.

Paris, 23. Nov. (DNB.) Freitagvormittag setzte die Kammer die Aussprache über den Haus­halt des Kriegsministeriums fort. Der Berichterstatter Archimbaud erklärte, man würde der Sache des Friedens schlecht dienen, wenn man die Auffassung zulasten würde, daß Hit- ler die Bestimmungen des Versailler Vertrages ge­nau einhalte. Sowjetrußland habe Frank­reich als erstes darauf aufmerksam gemacht. Nur eine Union zwischen Frankreich und Rußland werde den Frieden festigen. Es fei zu hoffen, daß die Abrüstungskonferenz Ergebnisse zeitige. Man könne aber nicht damit rechnen. Archimbaud erklärte wörtlich:

In der Erkenntnis, daß die Haltung Deutschlands den Frieden Europas zu gefährden droht, haben Frank­reich und Rußland ihre Freiheit sichern wollen, und es ist nicht zu leugnen, daß eine Verständigung (entente) zwischen beiden Ländern besteht. Ich spreche we­der das Wort Bündnis (alliance) noch das Wort JNililärabkommen (accord militaire) aus. Ich stelle lediglich fest, daß die russische Armee stark ist und sehr gut ausge­rüstet und daß sie uns im Falle eines Kon­fliktes mit Deutschland angeboten ist (offerte).*

Dabei ist es interessant, daß in der französischer Kammer der Berichterstatter Archimbaud deut, sich auf das Bündnis mit Sowjetrußland abzieltt und der bekannte Oberst Fabry ausplauderte, bah die Nachrichten über angebliche deutsche Rüstungen aus--Soroj etruhl and stammten. Kam-

munistische Quellen versorgen also die französisch! Propaganda. Das ist bezeichnend genug und charak. terisiert die ganze Skrupellosigkeit der Mache. Uir sich nicht mit Deutschland verständigen zu muffen fällt man von einer Sünde in die andere uni wundert sich schließlich noch darüber, daß man fällt

Die Radikalsozialisten zögen es vor, Kredite für Kriegsmaterial zu bewilligen als für Erhöhung der Effektivstärken. Mit einem einzigen Jahr­gang unter den Waffen wäre es schwer gewesen, die Ostgrenze von der Nordsee bis zum Mittelmeer' zu verteidigen, wenn nicht die berühmte Linie aus Beton errichtet worden wäre. Die ein­jährige Dienstzeit reiche aus, aber man müße ba« beste Kriegsmaterial besitzen. Der Berichl- erftatter bemängelte daher die Kürzung der Kredit»« für neues Kriegsmaterial um 400 Millionen.

Finanzminister Germain-Martin betonte, er habe die Pflicht, dafür zu sorgen, daß das Schatz, amt in den ersten Monaten des Jahres 1935 g e - schmeidig bleibe. Er habe dem Krregsmrmfte r erklärt, daß er ihm nicht 800 Millionen an zusatz:- lichen Krediten bewilligen könne, aber Marschau P6tain habe ihm geantwortet, daß er eine B k r b c^ Haltung der einjährigen Dienstzeit sicherstellen wolle und die zweijährige Dienstz«: nicht vorzubereiten wünsche. Er verfolge die richte über die deutschen Rüstungen sehr genau. Ei werde 800 Millionen an zusätzlichen Krediten an- fordern, die für bie Motorisierung unö Modernisierung der Armee beftimmil seien. Der Finanzminister erklärte, daß er sich da­her bereitgefunden habe, die Kredite in einer Son­dervorlage aufzunehmen.

Offenherzigkeiten in der pariser Kammer.

Volksdeutsches Totenopfer.

Von Or.Or. Friedrich Lange.

Weit über die Grenzen des Rumpfdeutschland von Versailles hinaus ruft das Totenfest 1934 unsere Gedanken und Wünsche, gerade weil der harte politische Daseinskampf im Alltag unser Mühen und Ringen an den eng gewordenen Gren­zen so oft eine Schranke finden läßt. Das Fest der Toten aber gehört allen Deutschen, sie mögen heute um ein tschechisches Wort zu gebrauchen welchem Staate immer angehören".

Da lind zunächst die teuren Toten des Weltkrieges. 20 Jahre sind es her, daß der Tod unter unserer Jungmannschaft feine grausige Riesenernte mit vollem Einsatz begann. 20 Jahre gerade, als es uns klar wurde, daß der uns auf- gezwungene Waffengang nicht in wenigen Monaten ein Ende finden, sondern viele bittere Jahre mit unsicherem Ausgang heischen würde. Aus dem jubelnden Sterben Desheiligen Frühlings", der 1914 mit Blumen am Helm hinausmarschierten Aktiven, Reservisten und ersten Freiwilligenver­bände wurde gerade damals der Antritt aller Waf­fenfähigen zu Dem Appell, der für so viele der letzte werden sollte.

Die Gräber jenseits der Grenzen sind Zeugen. Immer wieder packt es den Grenzland- wanoerer, wenn man auf das erste Kriegsgrab von 1914/18 draußen trifft, fei es am Rande des alt- belgischen hochdeutschen Sprachgebiets, im Elsaß, in Kärnten oder Polen. Millionen sind es, bie im reichsdeutschen oder österreichischen Feldgrau für ihr deutsches Volk starben, viele hunderttausend Gräber draußen, die sich ähnlich wie einst der lebende Wall hinter den Grenzen um das deutsche Binnenland legen. Den Toten des Weltkrieges ver­danken wir es, daß unsere Heimat nur an wenigen Randstellen, im Elsaß und in Ostpreußen von Feinden betreten und verwüstet wurde, jenem Ost­preußen, wo nun auch der jüngst von uns ge­nommene getreue Eckart unseres Volkes auf dem Schlachtfelde von Tannenberg zwischen seinen ge­fallenen Kameraden ruht.

Wir sehen im Geiste die endlosen Reiben der Gräber in Flandern und Nordfrankreich, in der leid­erfüllten Champagne, in Karpathen, Alpen und Karst, in Mazedonien, Palästina, Mesopotamien und den entrissenen reichsdeutschen Schutzgebieten. Wie grauenvoll sind allein die Zehntausenbe von Reihen- aräbern um Wirten-Verdun, das in früheren Jahrhunderten nur durch Verrat dem Reich ent­rissen werden konnte und noch jahrzehntelang dem Reich bie Treue hielt, nun aber alsfranzösischste" oller Stäbte bei Freund und Feind eine Million Tote forderte, eine Million, über deren Leidensort bas abenblidv Sch-ttuverferlicht bes Leuchtturms

von Douaumont kreist. Wie viele Wirten-Verduns gibt es an Deutschlands alten und neuen Grenzen?! Auch bie Toten des Seekrieges sollen nicht ver- gessen werden, die in den drei Meeren, bes mittel­alterlichen Reiches (Ostsee, Nordsee, Adria) wie in vielen anderen geblieben sind, zumal sich in we­nigen Tagen bas 20. Jahr seit der ebenso rühm- vollen wie unglücklichen Schlacht bei den Falkland­inseln vollendet.Der Schmerz wird neue, es wie­derholt bie Klage bes Lebens labyrinthisch Irren Lauf ..."

Und ein neuer Schmerz gesellt sich Heuer hinzu. Deutlicher als je zuvor schauen mir bie furchtbare Tragik, die noch im Weltkrieg in aller Ehrbarkeit an so vielen Stellen Deutsche gegen Deutsche kämpfen ließ. Deutschbalten mußten für Rußland ihr Leben lassen, in Flandern kämpften Vlamen ge­gen Niedersachsen, die beide abends zuvor dieselben -eimatlichen Lieder über die Gräben hinweg ge­lungen hatten. An der Maas, der so oft tm Deutsch- and-Lied bedungenen, kämpften 1918 mit letzter Verbissenheit Deutschamerikaner gegen Reichsdeut­sche...

Dieser furchtbare Widersinn brachte dann freilich auch die Ueberwindung der früheren rein staatlichen Betrachtungsweise durch den Volksdeutschen Gedanken. In der Not des Zusammenbruchs wurde die Erkenntnis wach, daß Deutschsein nicht von Staatsgrenze oder Staatszugehörigkeit bestimmt wird, daß Deutscher ist, wer deutscher Abkunft ist, deutsch spricht und deutsch fühlt. Seine Krönung fand dieser Gedanke in den letzten Monaten, als in der Hand des österreichischen Grenzlandsohnes alle Gewalt des Deutschen Reiches vereinigt wurde.

Es war indessen ein weiter Weg von den Toten des Weltkrieges zur gestrafften Lebensfülle der Gegenwart. Er ist im Binnenland, aber erst reckt im Grenzkämpfertum wiederum mit Blut besiegelt. Eine heilige Verbundenheit führt von den Kärtner und Posener Befreiungskämpfen zu den Kämp­fern nach Oberschlesien, dem Baltenlande und dem deutschen Westen, wo Separatismus mancherlei Färbungen nur durch deutsche Blutoofer zurück­geschlagen werden konnte. Aber noch ist der Separa­tismus nicht ausgestorben. Immer wieder fordert er irgendwo in deutschsprachigen Landen Opfer, bie nicht beshalb vergessen find, weil man sie nicht ein­zeln aufzählt. Eine Bewegung, die aus dem Erleb­nis des Gefamtvolkes kommt, wird auch jener ge­denken, die einsam und scheinbar auf verlorenem Posten geblieben sind. Wir denken an bie sudeten- beutschen Märzgefallenen von 1919, an ben Sübtlroler Noldin, ber sich in seiner Ver­bannung auf den Schwefelinseln den Tobeskeim holte, an ben Donauschwaben Jakob Sieger, dem über bas Leib seiner Landsleute bas Herz brach, bis zu dem deutschen Schüler von

Riga, ber 1934 von Mitschülern wegen eines deutschen Liedes erstochen wurde usw. Sie alle sind dem dunklen Schoß der heiligen Erde anvertraut, und wir hoffen, daß diese Saat einstaus den Särgen erblühen soll zu schönrem Los.,,"

Das Totenfest ruft uns Lebende. Nie wieder sol­len wir vergessen, wofür die Besten von uns ihr Leben gelassen haben, für den Glauben an Deutschlands Einheit! Unsere polnischen Nachbarn, zu denen das Hitlerreick zahlreiche alte und neue Gemeinsamkeiten gefunoen hat, haben anderthalb Jahrhunderte unter Beweis gestellt: Ver­loren ist trotz allem äußeren Druck ein Volk nur, wenn es sich selbst verloren gibt, wenn es irre an sich wird und der Bruder sich über ben Bruder er­hebt. Wir rund 100 Millionen Deutsche auf dem Erdball unterstehen samt und sonders einer Ge­meinschaftshaftung. Keiner von uns kann und darf hoffen, ihr gewissermaßen durch eine Mauerlücke zu entfliehen. Wir können vielmehr höchstens daran gehen, und sollen es in enger Verbundenheit, Stein für Stein jenes Gefängnisses abzutragen, in bas Die Bestimmungen von Versailles und St. Germain unser Volk gesteckt haben. Hinter diesem Gebot der Toten muß alles zurücktreten, was alte Gegensätze wieder aufreißen oder neue Wunden schlagen könnte. Wir wollen den Frieden in einer Zeit, wo anderwärts fieberhaft gerüstet wird, wo fremde Staatsmänner durch Mörder fallen und Emigranten ber verschiedensten Völker und Staa­ten einen Vernichtungskrieg aller gegen alle ent­fesseln wollen. Nichts kann unserem Wunsche nach einem Frieden der Ehre und der Gleichberechtigung mehr helfen, als wenn wir ben Fremden zeigen, daß unser deutsches Volk drinnen und draußen sich endgültig zusammengefunden hat und über alle veränderlichen Staatsgrenzen hinweg geistig und seelisch zufammensteht im Geiste unserer Toten, von denen ein Denkmal an Oesterreichs Grenze in deutscher und magyarischer Sprache das alte Bibel- wort kündet:Niemand hat größere Liebe denn bie, daß er sein Leben löstet für feine Brüber."

Kunst und Wissenschaft.

Das Unvergängliche im deutschen Schrifttum.

Die Reichsstelle zur Förberung bes deutschen Schrifttums unb bte Preußische Staatsbibliothek in Berlin haben es unternommen, das Unoer- gänglicke im deutschen Schrifttum von der gothiscyen Bibelübersetzung des U l f i l a s bis zu HindenburgsAus meinem Leben" und Adolf HitlersTIein Kamps" in einer Reihe elnbrucks- voller Zeugnisse ins Bewußtsein zu rufen und an­schließend die Auslese des heutigen Schrifttums als

Ergebnis der Tätigkeit der Reichsstelle vor Augem zu führen. Die Ausstellung wurde in ber Staats-- bibliothek feierlich eröffnet.

Reichsleiter Rosenberg sagte in seiner Ab­sprache u. a., erst eine spätere Zeit werbe bie GW der Kämpfe ermessen können, in denen wir heÄi stehen. Die deutsche Seele sehne sich nach Saim- lung und Muße, um die tausendjährige deutsche Ge­schichte besser zu verstehen. Diese Sehnsucht sprecht sich auch aus in dem Verlangen des Volkes nach dem deutsch en Buch. Es gelte ntdjt bloß, neue Gedanken zu produzieren, sondern Diel' mehr den Gehalt der Jahrtausende lebendig im Be­wußtsein der Gegenwart hervortreten zu lassen. Das sei der Hauptzweck dieser Ausstellung. Die For­derung deutschen Schrifttumes dürfe nicht nur ein« Sacke festlicher Veranstaltungen bleiben, sondern müsse täglich geübt werden.

^Oer Triumph des Willens."

Reichsminister Dr. Goebbels besuchte die Ar- beitsräume ßeni Riefen st ahls in Berlin-Neu- kölln, um sich von ben Fortschritten bes Films vorn Reichsparteitag 1934 zu überzeugen, der nach dein Willen des Führer ben NamenDer Tr i umpv des Willens" trägt Der fertige Film ist nur ein Bruchteil bes ungeheuren Materials, bas nW renö bes Reichsparteitages aufgenommen wurde. Runb 128 000 Meter würben in Nürnberg ausge­nommen, an denen allein 32 Kameraleute gearbei­tet haben. Ein Monat war nötig, um das Material zu fichten und auf feine Zusammenstellung hin Z" prüfen. Nach diesen technischen Dingen beginnt J* Aufeinanderfolge der einzelnen Bilder, die Ein^' gung bestimmter Momente, bie Abstimmung einen Teils auf ben anberen. Äst bas vorüber, ginnt bas eigentlicheSchneiden", das 3ufamrnW fügen ber Filmstreifen nach den Ideen der Kun!.' lerin. Der Minister verfolgte ben Werbegang nu großem Interesse und ließ sich die schonfertig Teile vorsühren. Dr. Goebbels äußerte wieberyou seinen Beifall.

Die Havarb-Universltat lehnk wiederum eia Stipendium ab.

Die Havard-Universität hat ein von Matthew Mellon, einem Neffen des früheren Ministers Mellon, angebotenes Stipendium inW von 1500 Dollar für ein einjähriges«1 * bium in Deutfchlanb a b g e l e h nt. von der Universität dabei eingenommene Hauu » ähnelt jener bei der Ablehnung bes von Han i ftaeng! angebotenen 1000-Dollar-Stipenbium. Der Sekretär ber Havarb-Universität, I. ® erklärte, Mellon habe feine Absichten so ausbru w mit jenen Hanfstaengls identifiziert, daß sick Unioerjität gezwungen sah, das Angebot abzuley