Kr. 249 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Mittwoch, 24. Oktober 1934
Kür -en Büchertisch.
Ewiges Deutschtum.
— Die Mystik der Deutschen. Vom Reich der Liebe. Von Lothar Schreyer. 262 Seiten mit einer Abbildung. Leinen RM. 6,50. Hamburg 1933. Hanseat. Verlagsanstalt. — (640.) — Das Erscheinen des Werkes von Schreyer ist als bedeutsamer Beitrag zur Erkenntnis des geistigen und religiösen Lebens zu begrüßen. Der Verfasser hat es unternommen, eine zusammenfassende Darstellung der deutschen Mystik zu geben. Hier erstehen die deutschen Mystiker wieder, und wir erkennen, wie sie nachwirkend bis in unsere Zeit das innere und äußere Werden des deutschen Volkes mitbestimmt haben. Eine überraschende Kenntnis auch der weniger bekannten Quellen vermittelt uns Worte der Mystiker, aus denen ihre Glaubenshaltung unmißverständlich sichtbar wird. Daß Schreyer nicht nur eine umfassende Darstellung der deutschen Geschichte gibt, sondern auch ihr Verhältnis zum Katholizismus, zum Protestantismus und zur religiösen Krise der Gegenwart untersucht, hebt sein Werk auf eine Höhe zielweisender Auseinandersetzung.
— Kämpfer für das Reich. Don Stein bis Hitler. Von Gert B u ch h e i t. Mit 20 Tiefdrucktafeln, 257 Abbildungen und 10 Kartenskizzen. 250 Seiten, in Leinen gebunden RM. 24,00. Ehr. Belfer AG., Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. — (425.)— Dieses gut ausgestattete Buch ist eine Kundgebung deutschen Geistes und Lebenswillens. In 20 dramatisch gespannten Biographien schildert der Verfasser den Schicksalsweg des deutschen Volkes „vom deutschen Bund zur deutschen Nation". Den Auftakt bildet der tatgewaltige, seiner Zeit weit vorauseilende Freiherr vom Stein, ihm folgen Scharnhorst, Porck und Gneisenau, Kleist — „der Züchtiger der Schande", Fichte — „der Redner an die Nation", Ernst Moritz Arndt — „das Nordlicht der Freiheit". Bilder einer großen Vergangenheit, die von der tiefsten Sehnsucht deutscher Gegenwart ihre Farben erhalten. Der zweite Teil gilt dem Kampf um die nationale Einheit und innere Freiheit des deutschen Volkes. Neben den Studenten Karl Ludwig Sand, der den vaterländischen Geist einer unbefriedigten Jugend verkörpert, neben Robert Blums leidenschaftliche Kämpfernatur tritt Friedrich List, der Verkünder einer deutschen Nationalwirtschaft, der als erster mit dem Enthusiasmus des echten Revolutionärs Idee und Aufgabe der Deutschen vertritt. Im Mittelpunkt des dritten Teils, der dem Werk der Einigung, der Reichsgründung gewidmet ist, steht die Gestalt des eisernen Kanzlers — wahrhaftig ein sinnbildliches Stück deutscher Geschichte, das ergänzt und abgerundet wird durch die nicht minder scharf gezeichneten Lebensbilder des Schlachtenlenkers Moltke, des Waffenschmieds Alfred Krupp und des Kaiserherolds Heinrich von Treitschke. Das Zeitalter der Technik, der liberalistischen Staats- und Wirtschaftsführung, der innenpolitischen Unsicherheit und außenpolitischen Umklammerung spiegelt sich in Schlieffen, dem Lehrmeister der deutschen Armee, der die militärischen Voraussetzungen zum siegreichen Ausgang des End- kampses schafft, aber von feinem Nachfolger nicht verstanden wird. Den Abschluß des Buches bilden die Kapitel über Ludendorff, der eine Weltstunde lang Europa beherrscht, über Hindenburg, den Vater des Vaterlandes, über Moeller van den Bruck, den Propheten des Dritten Reichs, dessen Baumeister Adolf Hitler wird, unter dessen Hand sich die gestaltenden Kräfte des Volkes sammeln. Alles in allem — eine kulturhistorisch bedeutsame Schöpfung. Das gut gewählte Bildmaterial beschränkt sich bewußt auf die Wiedergabe meist unbekannter Gemälde, Zeichnungen, Radierungen und Plastiken.
— Deutsche Leistungen in aller Welt. Von Wilhelm Rumpf. Reclams Universal-Biblio- thek Nr. 7266. Geheftet RM. 0,35, aebunden RM. 0,75. —(391.)— Eine überwältigende Fülle deutscher Leistungen auf allen Gebieten ist in diesem Bändchen zusammengefaßt. Deutsche Bauern und Siedler ziehen nach Uebersee und begründen hier blühende Provinzen. Deutsche Kaufleute schaffen im Ausland Unternehmungen, die heute Weltgeltung haben. Die genialsten Erfinder und Entdecker in Wissenschaft und Technik sind Deutsche gewesen. Die deutschen Denker und Forscher haben Ueberragendes geschaffen, deutsche Staatsmänner und Krieger haben Unvergängliches geleistet — überall sind deutsche Genialität und Tüchtigkeit führend gewesen. Diese z. T. wenig bekannten Tatsachen eindringlich, vollständig und lebendig vor Augen zu führen ist dos besondere Verdienst dieses Buches, das die packendste und erhebendste Lektüre aller Volksgenossen, auch für die Jugend darstellt.
Deutsche Erzähler.
— Hans Heinrich Ehrler: Die drei Begegnungen des Baumei st ers Wilhelm. Roman. Seinen 5,50 Mk., broschiert 4,50 Mk. Albert Langen-Georg Müller Verlag. München 1934. — (397) — Ehrler gestaltet hier den Lebensweg eines suchenden jungen Menschen, seine Entwicklung vom Jüngling zum Mann und zugleich Krisis, Katastrophe und beginnenden Wufbrud) unserer Zeit. Was dem jungen Baumeister Wilhelm geschieht: daß er einem reinen jungen Mädchen gegenüber schuldig wird durch rauschhaftes Sich- Derlieren an eine reife Frau — und daß er, dann geläutert auf den Schlachtfeldern des großen Ärie= ges, wiederum einem edlen jungen Mädchen sich versagen muß und fo dreimal Schuld auf sich ladt, das will verstanden sein als dichterisches Symbol für die Schuld eines ganzen Zeitalters. Die ursprüngliche Ordnung ist gestört. Nur durch Opfer und Verzicht kann diese Schuld gesühnt werden. In der dichterischen Darstellung des Kriegserlebnisses, die ganz auf das naturalistische Drum und Dran verzichtet, gibt Ehrler den Beitrag des katholischen Deutschen zum neuen Werden in Deutschland. Hier ist Krieg als Schicksal gesehen und die Kameradschaft als eine Gemeinschaft, die den Frontgeist auf alle Gebiete des Lebens ausdehnt.
— Hermann Claudius: Armantje. Geschichten aus meiner Kindheit. (Die Kleine Bücherei Nr. 38.) Preis 80 Pf. Albert Langen/ Georg Müller, München 1934. — (368). — Der stille Lyriker Hermann Claudius, der ein Enkel des Matthias Claudius ist, erzählt hier in kleinen Begebenheiten, in den ersten Erlebnissen von Freud und Leid, von der Jugend eines Mannes erzählt, der am Rande der Großstadt aufwuchs. In diesen
Kindheitserlebnissen, die sich durch Innigkeit des Empfindens und Schlichtheit der Sprache auszeichnen, erzählt er von Mutter und Vater, von der früh sterbenden Schwester, vom gütigen Lehrer, von Mitschülern und Freunden, von pfiffigen Streichen und ernsten Begegnungen — von einer seligen Kindheit und ihrem Ende.
— Toni Rothmund: Streit im Hause I r i n g. Roman. 256 Seiten. Geheftet RM. 3,—, Ganzleinen RM. 4,50. Verlag Reclam, Leipzig. — (376.)— Ein Gegenwartsroman, der in die brennendsten Probleme der Zeit, vor allem der deutschen Familie, hineinführt. Es ist nicht nur der alte und immer lebendige Gegensatz zweier Generationen, sondern es geht hier um das Heraufkommen einer neuen Weltanschauung, neuer Lebensformen und Ideale. Dem Adel des Blutes tritt der Adel der Arbeit und der Leistung entgegen und kämpft um feine Anerkennung. Dies geschieht in
dramatisch zugespitzter Handlung voller Spannung und Humor. Die Fragen, um die es geht, sind heute fast in jeder Familie an der Tagesordnung. Toni Rothmund hat diese Probleme zu einer pak- kenden Erzählung gestaltet.
— Helene Chr : staller : Das Blaue Haus. Eine Geschichte aus dem Leben. Druck und Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. In Leinenband 5,60 Mk. — (418) — Die Dichterin berichtet hier vom „Blauen Haus", ihrem Sitz an der Bergstraße, wo sich alljährlich im Sommer ihre Enkelschar ein Stelldichein gibt. Wir erleben einen solchen Sommer im Blauen Haus mit, sehen die Großmutter inmitten ihrer Enkelschar spielen und lernen die Freunde des Hauses kennen. Eine Atmosphäre der Güte und Menschenliebe durchströmt dieses innerliche und dabei doch heitere und lebendige Buch, das auch zum Dorlesen im Familienkreise geeignet ist.
Reisen und Abenteuer.
— H. H. H 0 uben : „S t u r 'm a u f b e n Süd -
p 0 l". Abenteuer und Heldentum der Sudpolfahrer. 308 Seiten mit 3 Karten und 46 Abbildungen. Verlag Ullstein, Berlin. Ganzleinen 6.80 Mark. — (333) — Houbens Werk ist das erste deutsche Buch, das in volkstümlicher Darstellung und doch von wissenschaftlicher Warte aus die bisher so gut wie unbekannte Geschichte der Südpolforschung von ihren ersten Anfängen bis zur unmittelbaren Gegenwart enthüllt. Wie die schon aus dem Altertum herauf- klinqende Sage von einem unbekannten Südland die Phantasie der Welt beschäftigt, wie der berühmte Seefahrer James Cook sich als erster an die Antarktis heranpirscht, wie die Meute der Wal- und Robbenfänger sich auf das neue Jagdgebiet stürzt, das Meer um die Antarktis sich nach und nach mit einem Kranz vergletscherter Inseln bevölkert, Weddell und Roß die ersten Vorstöße nach Süden gelingen, der erste feste Vorposten eines wahrscheinlichen antarktischen Kontinents besetzt wird, die Forschung schließlich zum Sturm auf den Südpol selbst ansetzt — das ballt sich in diesem Buche zur von aufregenden Abenteuern strotzenden Handlung zusammen. Alle Helden der Südpolforschung sind darin zu finden in ihren stolzen Triumphen und ihren ehrenvollen Niederlagen, die vom Erfolg bekränzten, von Zeit und Nachwelt gefeierten, und die auf dem unbarmherzigen Schlachtfeld gefallenen. Die Antarktis wird ein volles Jahrhundert lang zum Stadion eines riesigen Wettstreites der Nationen, der von dem Bewußtsein gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamem Schicksals vornehm Geregelt, ein Symbol geistiger Weltgemeinschaft wird, wahrer Völkerverbundenheit im Zeichen der Wissenschaft. Deutschlands besondere Verdienste um die Südpolforschung finden in diesem deutschen Buche selbstverständlich ihre berechtigte warme Anerkennung.
— Karl Helbig : „Tu an Gila — E i n verrückter Herr wandert am Aequa- 10 r". Mit 35 Abbildungen auf 19 Tafeln und 1 Karte. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. In Halbleinen 2,50 Mark. — (379) — Der Deutsche Karl Helbig, der Sumatra durchwanderte, wurde von den Eingeborenen Tuan Gila, d. h. „verrückter Herr", genannt, denn es erschien den Insulanern unerhört, daß einer von der bevorzugten weißen Rasse zu Fuß gina wie ein gewöhnlicher Bataker. So wandert der Tuan Gila, von einem unsicht
baren Panzer, dem „Tabu" der weißen Vorherrschaft, umhüllt, durch die Wälder. Helbig sieht Land und Leute vom Standpunkt sozusagen des Wanderburschen. Alle die kleinen Geheimnisse erschließen sich ihm, die das Leben erst interessant und schön machen. Er versteht dieses Völkchen, weil er mit ihm tanzt, trinkt und arbeitet. Mitten im sachlichen Studieren wird seine Lernbegierde unversehens zur Liebe zu diesen schlichten farbigen Leuten. Ihr Wesen schließt sich ihm auf, ob sie Köpfe jagen, Reiskulturen anbauen, vollendet künstlerische Häuser errichten, Frauen kaufen, Dämonen beschwören, fröhliche Seichenschmause abhalten, über Natur und Erschaffung der Erde nachdenken, oder den Tiger höflich- ängstlich bitten, sie nicht zu töten.
— Kampf um ben Himalaja. Das Ringen der Deutschen um den Kantsch, den zweithöchsten Berg der Erde. Von Paul Bauer. 200 Seiten. Mit 82 Bildern auf Tafeln, 5 Kartenskizzen und Profilen. Verlag Knorr & Hirth, München. Seinen 4,80 Mark. — (398) — Im Jahre 1929 rüstete Paul Bauer zum erstenmal zu einer deutschen Himalaja- Expedition. Sein Ziel war der 8579 Meter hohe Kangchendzönga, kurz „Kantsch" genannt, der zweithöchste Berg der Erde. Und er hatte Erfolg mit seinen neuen Methoden. Freilich, das letzte Ziel blieb auch ihm versagt. Was ein Himalaja-Sturm in solchen Höhen bedeutet, das hat der unglückliche Ausgang der deutschen Himalaja-Expedition Merkls 1934 gezeigt. Aber Bauer glückte damals der Rückmarsch allen Naturgewalten zum Trotz. Im Jahre 1931 wiederholte er seinen kühnen Angriff. Doch dieser forderte zwei Todesopfer. Trotzdem gelang es, den Angriff bis auf den 7700 Meter hohen Sporngipfel vorzutragen. Dann entschloß sich der Führer schweren Herzens zum zweitenmal zur Umkehr. Aber Deutschland blieb seit Bauer führend im Kampf um die höchsten Gipfel der Erde. Schlicht und packend schilderte Bauer diesen trotzigen Kampf in seinen beiden Büchern „Im Kampf um den Himalaja" (Der erste deutsche Angriff 1929) und „Um den Kantsch" (Der zweite deutsche Angriff 1931). Beide Bücher sind jetzt in einer hervorragend ausgestatteten Volksausgabe vereinigt, und zwar ungekürzt (jedoch ohne den wissenschaftlichen Teil). Aus der reichen Bildausbeute beider Expeditionen sind 82 hochinteressante Fotos.
Biographische Schriften.
— Willi Fr. Könitz er: Hölderlin. Ein Schicksal in Deutschland. Stalling-Bücherei „Schriften an die Nation", Bd. 63 (Verlag Gerhard Stal- ling, Oldenburg i. O. und Berlin. Gebunden 1,20 Mark). — (409) — So wird Hölderlin hier gestaltet: auf dem steinigen, abseitigen Weg des Propheten, als Mahner der Deutschen und Deuter deutschen Schicksals im dichterischen Werk und im heldischen Opfer des eigenen Sehens. Ein Jahrhundert lang hat ihm das Volk Unrecht getan, hat es ihn, einen feiner größten Söhne, nicht gekannt, nicht gehört. So war fein Geschick hart von Beginn: Tod des Vaters, Verständnislosigkeit der Mutter, Flucht vor bürgerlichem Beruf, Kampf um literarische Anerkennung, das Wunder der Diotima-Siebe und bitterste Entsagung, Säuterung in der großen Einsamkeit zum Propheten des Volkes, Heimatlosigkeit des Deutschen auf deutschem Boden, Heimatlosigkeit in der Fremde, Zusammenbruch und Heimkehr eines Kranken, Schwanengesang und vier Jahrzehnte Nacht. Heber den Tod hinaus war sein Geschick hart, so lange, bis die Deutschen begriffen, wie sehr dieser Walter des deutschen Dichterworts, das ihn glühend verzehrte, dem deutschen Schicksal verhaftet, als Künder vom Geist der Helden der deutschen Seele verfallen war.
— Die Briefe der Di 0 tima. Herausgegeben von Karl V i e t 0 r. Insel-Verlag zu Seipzig. Insel-Bücherei Nr. 455. — (312) — Einer der schönsten Briefbände unserer Siteratur, der bereits bei seiner ersten Veröffentlichung vor zwölf Jahren die stärkste Teilnahme gefunden hat, ist jetzt in die Insel-Bücherei ausgenommen worden; die Briefe der Susette Gontard an Hölderlin. Die Siebenden, die sich nur heimlich sehen konnten, trugen sich alles, was sie in den langen Wochen der Trennung bewegte, in den Briefen zu, von denen uns die der Frau zum größten Teil erhalten sind, während wir von Hölderlins Antworten nur drei Entwürfe besitzen. Seit dem ersten Erscheinen der Briefe hat die Forschung viel dazu beigetragen, den Zusammenhang der undatierten Blätter zu klären, und so bietet die neue Ausgabe eine Textfolge, die vielfach von der früheren Anordnung abweicht. Die von Glück und Schmerz erfüllten Siebesbefenntniffe haben damit ihre dauernde Gestalt gefunden. Sie werden in der neuen wohlfeilen Ausgabe des Gießener Siterarhistorikers, der sich gerade als Hölderlin-Forscher einen Namen gemacht hat, als ein Brevier für Siebende in jedermanns Hand fein.
— Karl Maria von Weber. Ein Seben für deutsche Kunst. Roman von Oskar Anwand. Mit 17 Wiedergaben von zeitgenössischen Bildern und drei Faksimiles. Verlag von Rich. Bong. Ganzleinen Preis 5 Mk. — (359) — Aus dem Aben- teuertum eines Wunderkindes und den Wirren am Hofe des napoleonfreundlichen Königs von Württemberg entwickelt sich Weber zum Vorkämpfer der
deutschen Musik. Als Kapellmeister der Prager Oper ergreift ihn 1814 auf einer Kunstreise durch Deutschland beim Anblick der aus Frankreich siegreich ^urückkehrenden Regimenter in Berlin die vaterländische Begeisterung, von der ganz Preußen erfüllt ist. Von Prag wird er als Kapellmeister der ersten deutschen Oper nach Dresden berufen. In Berlin erringt er mit seinem „Freischütz" einen beispiellosen Sieg und entscheidet den Kampf, den Mozart und Beethoven ausgenommen haben und den später Wagner zum vollen Abschluß führt. Mit seinem „Oberon" gewinnt er in Sonbon, wohin sich der Schwerkranke zur Seitung seines Werkes be- geben hat, einen neuen gewaltigen Erfolg — und stirbt am gleichen Tage, als er nach Deutschland aufbrechen will. Die Heimat holt jedoch ihren großen Sohn zurück, dessen Schaffen und Sehnen ihr bis zum letzten Augenblick gegolten hat.
— Kurt Siebmann: Nietzsches Kampf und Untergang in Turin — Nietzsche und Mussolini. Verlag von Max Mohring, Seipzig C 1. — (278) — Siebmann erzählt auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschung und in lebendiger Gestaltung, ohne von den Tatsachen abzuweichen, den erschütternden Kampf Nietzsches in Turin, der den Gipfel von Nietzsches Seben bedeutet. Die Schrift wird bereichert und besonders zeitgemäß durch eine einleitende Gegenüberstellung von Nietzsche und Mussolini. Mussolini, der sich einen Schüler Nietzsches nennt, hat wie kein europäischer Staatsmann Nietzsches Hoffnung auf eine „höhere Spezies", auf ein Ideal des „freien Geistes" erfüllt. Die Schrift Siebmanns wendet sich sowohl an den philosophisch und künstlerisch empfindenden, wie an den politisch-pädagogischen Menschen unserer Zeit.
— Der Sons. Gleichnis einer heldischen Kraft. Von Bernd Sudewig. Geh. 3 Mk., Swd. 4,50 Mk. I. F. Sehmanns Verlag, München. 1934. — (361) — Zwanzig Jahre sind es her, daß Hermann Löns den Heldentod für Deutschland starb; damit endete ein Seben, das so heiß durchglüht war von Kämpfen um höchste Ziele, wie selten eines, das aber auch durch viele und furchtbare Abgründe führte. Sein Werk ist unvergänglich und wird von ihm zeugen. Um fein Seben ist viel geredet und geschrieben worden. Der tiefen Besinnung auf deutsches Wesen, die wir gerade jetzt erleben, entspricht es nicht den Dichter nur um seines Sicbeslebens willen „interessant" zu finden. Söns ist auch der starke ungebrochene Mensch, der uns, gerade weil er Tiefes und Furchtbares erlebt hat, Führer fein kann Sudewig läßt das Vorbild des heldischen Menschen nordischer Art entstehen, wie er sich in Söns verkörpert: Söns, der niederdeutsche, der nordische Mensch und der Dichter nordischen Bauerntums und "irdischer Art.
Alte und neue Gedichte.
heldische Schiller. Eine Gedicht- auswahl. Herausgegeben und eingeleitet von Gerhard Fricke. Reclams Universal-Bibliothek Nr. 7262. Geheftet 35 Pf., gebunden 75 Pf. — (387) — Wir sehen heute Schiller anders als unsere Väter und Großväter. Er ist uns weniger der „Klassiker" als der große lebendige Mensch, der leidenschaftliche Kampfer für Freiheit und Ehre, der heldische Dichter. Die neue Sammlung von Prof. Dr. Gerhard Fricke stellt diesen Kämpfer und Helden heraus Don Schillers revolutionären Jugendgedichten „in ty- rannos“, den überschwenglichen Natur- und Weltphantasien fließt der Strom seiner Dichtung geklärt und gereinigt zu den späteren Schöpfungen, die das Ringen um innere Freiheit, um heldische Ueberwin- dung in hoher Meisterschaft gestalten. (Eine schöne Gabe zum Schiller-Jubiläum, vor allem auch für junge Menschen.
— Paul Ernst: Gedichte und Sprüche. (Die Kleine Bücherei Nr. 39.) Preis RM. 0,80. Albert Sangen / Georg Müller, München 1935. — (369.)— Diese Gedichte und Sprüche sind der unmittelbare und verpflichtende Ausdruck der tiefen Sebensweisheit des Dichters, in überraschend schlich- ter, klarer Sprache niedergeschrieben. Das natürliche Denken eines mit seinem Volke verbundenen Menschen offenbart sich hier. Gut und böse, edel und gemein, fromm und unfromm, sind noch in ihrer alten Kraft lebendig als die mächtigen Gegenpole, zwischen denen menschliches Seben und Tun sich bewegt.
— Hans Friedrich Blunck: Die Frau auf dem Holm. Ballade in 18 Holzschnitten von Klaus W r a g e. Volksausgabe mit den verkleinerten Holzschnitten der Originalausgabe. Propyläen-Verlag, Berlin. Kartoniert 2,— Mark. Mit einer Einleitung von Hanns Arens. — (358) — Blunck und Wrage sind Sandsleute, beide der schweren nordischen Erde verhaftet. Wie sehr die Schwarz- Weiß-Kunst Wrages, der Holzschnitt, zum Klang und Ton der Ballade drängt, zeigen uns die Schnitte zur „Frau auf dem Holm" von Blunck. Bild und Text sind zu einer Einheit verschmolzen. Das war nur möglich, weil zwei Künstler sich fanden, die aus demselben schöpferischen Element aufsteigen; beide verbindet Herkunft und Kraftquelle desselben Sandes. Betrachtet man die Schnitte von Wrage zu dieser Ballade, losgelöst vom Text, also rein als Bild, so fehlt ihnen etwas, genau so wie dem Text, wenn wir ihn vom Bilde lösen.
Hessische Geschichte.
— Richard Haupt: Die Anfänge des Christentums in der Wetterau und die Kirche St. Remigii zu Büdingen. Sonderdruck aus der Zeitschrift zur Kirchengeschichte (3. Folge 3, 52. Band, Heft 2/3, 1953. — (384) — Der Verfasser, den Sesern der „Heimat im Bild" als Mitarbeiter bekannt, gibt in der kleinen „Teuren Freunden in der geliebten Heimat gewidmeten" Schrift zunächst einen Ueberblick über die Geschichte der Wetterau und stellt in den Mittelpunkt der mit zahlreichen Siteraturnachweisen belegten Darstellung eine Untersuchung der Entstehungsgeschichte der Büdinger Remigiuskirche; nach einer kritischen Würdigung der hierfür vorliegenden Arbeiten gewinnt Haupt eine Datierung des Bauwerks „zwar nicht in die Zeit der allerersten Kirchengründungen, aber eine genauere, fast sichere, ins achte Jahrhundert, noch vor Karls des Großen Antritt, und St. Remigii erhält gebührenden und gesicherten Platz in der Kirchen- und Kunstgeschichte des großen Vaterlandes. Die mit mehreren Abbildungen illustrierte Schrift ist kirchen- und heimatgeschichtlich — zumal für Oberhessen und Büdingen — von besonderem Interesse.
— Alexander von Syncker, Major a. D.: Hessen im preußischen Militärdienst 1 620 — 1789. 51 Seiten. S. C. Wittich Verlag, Darmstadt, 1934. —(250) — Der Verfasser hat auf Grund eingehender Quellenstudien im Preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin die hessischen Sandeskinder zu ermitteln gesucht, die in den Jahren von 1620 bis 1789 in brandenburgischen und preußischen Diensten gestanden haben. Der für die Untersuchung gewählte Zeitabschnitt bot große Schwierigkeiten, weil die in Betracht kommenden Quellen vor 1789 in bezug auf Militärpersonalien wenig ergiebig sind. In der 811 Namen umfassenden Zusammenstellung sind die als Hessen erkennbaren Unteroffiziere und Mannschaften aufgeführt; für jeden einzelnen außerdem Geburtsort und Jahr, Konfession, Truppenteil, Dienstgrad und Dienstalter; Offiziere find in dieser Sitte nicht ausgenommen. Obwohl die Arbeit nur einen kleinen Teil der von 1620 bis 1789 überhaupt im preußischen Heeresdienst tätig gewesenen Hessen erfassen konnte, dürfte sie nicht nur militär- und heimatgeschichtlich von Interesse sein, sondern will, worauf der Verfasser selbst hinweist, vor allem der heute vielfach neu angeregten Familienforschung nützliche Dienste leisten.
Ernährungsfragen.
— Subroia Neundörfer: „Ernährungsmiliz. Kartoniert RM. 1,50. Hanseatische Verlagsanstalt AG., Hamburg. —(17)— In der vorliegenden Schrift behandelt der Verfasser die ausreichende Sicherung der Volksernährung! Aehn- lich der Wehrpflicht muß eine Nährpflicht gefordert werden, die vor Eintritt des Ernstfalles schon eine ausreichende Sicherung der Volksernährung schafft. Der Verfasser weist dem Arbeitsdienst diese Aufgabe zu und gibt diesem damit ein Ziel, das sowohl notwendigen, als auch wirtschaftlich - produktiven Ansprüchen gerecht wird.
— Fleischlose Ernährung mit einheimischen Erzeugnissen. Roh-, Dämpf-, Heil- und Kinderkost. Vielseitig, schmackhaft und gesund. 150 neue, erprobte Rezepte mit vielen Bildern, von Marianne F l e i s ch h a ck. RM. 1,60. Falken-Verlag, Berlin-Sichterfelde. — (655.) — Hier ist für die geplagte Hausfrau Rat und Hilfe zu einer gesundheitfördernden, dabei billigen Kost. Die von ihr so verzweifelt gesuchte , Abwechslung" bringen hier wirklich neue und praktisch erprobte Rezepte, als Ergänzungs- ober auch rein vegetarische Kost. Sie zeigen wie aus billigen, einheimischen Erzeugnissen wertvolle, schmackhafte Mahlzeiten bereitet werden können. Die Erläuterungen geben Anleitung


