MMMM.
Vornan von Gert Gothberg.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).
22. Fortsetzung. Nachdruckoerboten!
Der Baron Gleiberg grüßte, blieb noch ein Weilchen stehen, und dann sah er gerade noch, wie Brigitte herauskam, sich über das Mädelchen beugte.
Bielleicht konnte er noch etwas erspähen. Er wollte doch mal sehen, ob---Und ganz weit beugte
sich Baron Gleiberg vor. Aber da klang eine Stimme neben ihm:
„Wünschen der Herr Baron hinauszufahren oder sind Herr Baron heute hier zu Gast? Ich muß nämlich das Tor schließen."
Herrgott noch mal, fuhr der Baron da zusammen. Und er knurrte dann:
„Heim will ich."
Und er fuhr zurück. Aber er dachte wütend: Was der Berken für ungehobelte Bande als Personal hat! Mich regelrecht hinauszubefördern, nachdem ich doch so nett war und die beiden heimgefahren habe!
„Ja — aber Arndt, nun sag' mir doch nur ..."
Brigitte sah auf den Bruder, sah auf das Mädchen, das sie in das Zimmer gebracht hatten, das Käthe gehörte. Brigitte hatte ihr die nassen Schuhe heruntergestreift, während Arndt den Arzt anrief von seinem Zimmer aus. Dann kam er wieder, von Sorge gequält.
Und Brigitte stellte ihre Fragen.
Käthe aber lag still da. War wieder ohnmächtig, Und blaue Schatten lagen unter ihren Augen.
Arndt sagte der Schwester, wo er Käthe gefunden hatte. Er verschwieg ihr aber, daß ihn eine sonderbare Macht geradezu nach dieser Richtung getrieben hatte. Und daß er doch eigentlich ganz woanders hatte hinreiten wollen.
„Ins Wasser gestoßen? Ja, wer sollte denn das getan haben? Die kleine Käthe hatte doch nicht einen solchen Feind, daß man so etwas befürchten müßte?"
„Vielleicht doch. Ich begegnete Julchen Mittrasch. Sie lief allerdings nach Rietesberg hinüber. Sie hatte einen Korb und grüßte mich sehr devot. Ich habe sie zwar im Verdacht, daß sie Weidenkätzchen geschnitten hat. Und vielleicht sah sie da zufällig Käthe Randolf am Wasser, und da hat sie sich herangeschlichen, hat das Mädelchen hineingestoßen."
„Furchtbar! Ich traue es ihr auf einmal zu, Arndt. Denn so einen Zufall gibt es nicht, daß ausgerechnet die Mittrasch in der Nähe gewesen ist, als der kleinen Käthe so etwas angetan wurde."
„Sie kann sich freuen; jetzt habe ich es sott", sagte Arndt von Berken zornig. Dabei blickte er wieder nachdenklich in Käthes liebes, junges Gesicht.
Und ein sonderbarer Gedanke kam ihm. Ein ganz, ganz sonderbarer Gedanke.
Arndt von Berken sprach noch ein paar Worte leise mit seiner Schwester, dann verließ er das Zimmer.
Eine Lungenentzündung hatte Käthe Randolf lange Zeit aufs Krankenlager geworfen. Und Brigitte von Berken hatte dieses Krankenlager nicht verlassen. Der Schloßherr ging auch mit tiefernstem
Gesicht umher. Der infame Klatsch, der von Schloß Gleiberg aus den Ostersonntag über verbreitet wurde, der gedieh ringsum aus bestem Boden.
Arndt wußte es! Wußte alles! Wilhelm Martens hatte es ihm gesagt. Hatte hinzugesetzt:
„Und ich hatte doch gedacht, daß Nora und Sie 7- lieber Berken ... Können Sie denn das Madel nicht wegschicken?" . £ ,
Arndt von Berken hatte den alten Mann einfach stehenlassen. Was hätte er denn auf all den meder- trächtigen Klatsch entgegnen sollen?
Aber in ihm reifte ein Entschluß. —
„Ich habe Ihnen so viele Mühe gemacht. Wie soll ich das jemals gutmachen?"
Käthe Randolf lehnte den blonden Kopf müde an die Schulter Brigittes, die wieder, wie so oft, bei ihr saß, seit sie nun aufstehen konnte. Sie war auch mit Brigitte schon einigemal im Park gewesen, der sich in schönster Pracht präsentierte. Sah sie den Schloßherrn einmal, dann zuckte sie ängstlich zusammen.
Brigitte merkte dies alles genau. Sie hatte auch des Bruders undurchdringliches Gesicht beobachtet, heimlich, voll Sorge.
Was plante er? Hoffentlich entfernte er das Heine, liebe Mädelchen nicht aus Berkenhofen! Sie hatte sich so an Käthe gewöhnt. Und deren unaufdringliche Zärtlichkeit tat ihr so wohl.
Ein wunderschöner Gedanke kam Brigitte einmal. Das war eine Stunde, in der Brigitte von Berken alle Vorurteile, allen Stolz beiseite warf und einen jungen, wertvollen Menschen bei sich einschätzte! Ganz objektiv und gerecht einschätzte!
Aber — es würde wohl nicht sein! Und es durfte vielleicht auch nicht sein. Bestanden nicht im Hausgesetz Klauseln in dieser Beziehung?
Brigitte warf die Gedanken beiseite.
Wohin hatte sie sich verirrt?
Aber sie konnte es nicht ändern, daß sie in den nächsten Tagen, Wochen immer wieder diesen Gedanken hatte.
Freilich! Tante Adelheid! Die letzte noch lebende Berken, die außer ihr, Brigitte, im Hausgesetzbuch zu unterschreiben hatte, wenn ein Gesetz im Einverständnis aller zur Zeit lebenden Berken um- gestoßen wurde.
Tante Adelheid würde niemals unterschreiben, daß Arndt ein armes, kleines Mädel heiraten durfte. Ein Mädel aus dem Volke!
Tante Adelheid, die so adelsstolz und voreänge- nommen war gegen alles, was alte Vorurteile über den Haufen werfen sollte.
Und daran scheiterte ja alles!
*
Nun war ein wundersamer, warmer Frühlingstag. Es grünte und blühte ringsum. Es war, als könne sich die Natur gar nicht genug tun, zu spenden und zu schenken.
Käthe saß in einem hohen Lehnstuhl hinten bei den blühenden Sträuchern, die rosa und weiß blühten, und deren Duft an Mandelblüten erinnerte. Aber Brigitte von Berken nannte die schönen Blüten Hundeblumen. Sie hatten in der ganzen Umgegend schon immer so geheißen.
Niemand war hier. Neben Käthe stand noch der kleine, weiß gedeckte Tisch, an dem sie vorhin Kaffee getrunken und ein Stück guten Kuchen gegessen hatte.
nahmen sind zugelassen. Wenn nämlich alle noch
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Käthe dachte cm die letzten Wochen. Und ein zeternder Atemzug löste sich ihr aus der Brust, stieg empor, vibrierte leise durch die Lufll .
Julchen Mittrasch saß gefangen! Sie hatte, m die Enge getrieben, die unselige Tat eingestanden. Sie würde wohl ein paar Jahr Gefängnis erhalten!, hatte Arndt von Berken gesagt. Und sie hatte gleich noch mit eingestanden, daß Nora von Stetten den Inspektor Fischer wiederholt bei sich empfangen hatte. Dieser, von Eifersucht und Rache geplagt, sollte Käthe Randolf bei seinem Herrn herabsetzen. Sollte sagen, daß er mit Käthe Randolf ein Verhältnis gehabt habe. Julchen hatte das mitangehört, als Nora von Stetten geglaubt hatte, sie, Julchen, sei mit ihrer Arbeit fertig und hätte das Haus längst verlassen.
sprechen. Höre: Ich habe nämlich einen aussühr- lichen Brief an Tante Adelheid geschrieben. Hier ist ihre Antwort:
Einwilligung geben. Und Tante Adelheid gibt sis nie, diese Einwilligung. Du kennst sie doch. Ein alter
Schritt, würde ihn unter tausenden herauskennen. Liebte diesen festen, energischen Schritt.
Arndt von Berken kam zu ihr heran und sagte lächelnd:
„Was macht das kleine Mädel heute? Werden wir bald ganz gesund sein?"
„Ich bin — doch gesund —, ich muß es auch endlich wieder sein. Drüben im Bureau hat sich doch sicherlich sehr viel Arbeit angesammelt."
Er nahm ihre kleine Hand in die seine.
„Daran denken Sie jetzt gar nicht. Wer weiß, ob Sie noch einmal in das Bureau kommen werden."
Käthe zuckte zusammen.
Was hatte er gesagt? Meinte er, daß er sie fort- schicken wollte? Ihre kleine Hand zitterte in der seinen. Der Mann hielt die kleine Hand fest, die sich da so ängstlich und scheu aus der seinen wegstehlen wollte.
„Käthe, wollen Sie meine Frau werden?"
Käthe wagte nicht, den Mann anzusehen. Wenn er sehen könnte, was sie da soeben mit offenen Augen geträumt hatte? Denn es war doch nicht möglich, daß er diese Frage an sie gerichtet hatte?
Und doch! Ganz deutlich hatte sie es gehört. Und jetzt nahm er sie in seine Arme, küßte sie.
„Käthe, willst du meine Frau werden?"
Da kam ein schluchzender Laut über ihre Lippen.
„Arndt — das ist ja — nicht wahr — das kann ja — niemals kann das wahr sein."
„Hast du mich lieb, Käthe?"
„Ja!"
„Seit wann?"
„Seit — seit — seit ich dich in der Eisenbahn sah."
Er lächelte gerührt, küßte den blassen Mund.
„Käthe, ich habe aber immer noch keine richtige Antwort."
„Lieber Neffe!
Hättest Du mir vor zehn Jahren so einen Brief geschrieben, hätte ich den gesamten Familienrat zusammengetrommelt, der aus Brigitte und mir bestanden hätte, und wir hätten Dich mal gründlich untersuchen lassen! Seine Sekretärin heiraten? I du meine Güte! Heute aber sage ich Dir: Mach, was Du willst! Schließlich muß jeder selber wissen, was er tut, und was er läßt. Und die Standes- vorurteile sind nun schon gar ein himmelschreiender Unfiinn. Was nützt denn ein uralter edler Name, wenn seine Träger entweder Säufer, Verschwender oder gar Verbrecher sind. Der Kern im Menschen selber — das ist's, nach was man forschen muß. Das blonde Mädel scheint mir ein stiller, wertvoller Mensch. Warum nicht? Wenn Du es für richtig befindest, dann gib ihr Deinen Namen. Vielleicht wird sie ihn mehr in Ehren halten als irgendein feingebildetes intrigantes Frauenzimmer! Bildung hat jeder Mensch! Nämlich Herzensbildung. Und darauf sieht der liebe Gott — auf weiter gar nichts. Also mache Du, was Du willst. Ich bin mit Deiner Heirat einverstanden. Weißt Du, bei manchem Menschen hapert's nämlich mit der Herzensbildung gewaltig. Der Mensch hat diese Bildung, aber bei manchem fft sie gut und beim andern böse! Und wenn man einen Menschen findet, auf den man sich verlassen kann, ist das mehr wert als ein alter Name.
Gott befohlen!
Deine Tante Adelheid.*' (Fortsetzung folgt!)
— ich will deine £rau sein!" Wieder küßte er sie. Und er bereute es nicht, diH bindende Frage gestellt zu haben.
12. Kapitel.
„Brigitte, ich habe Käthe Randolf gefragt, ob fit meine Frau werden will."
„Also doch!"
„Brigitte, ich hab' gedacht, du glaubst, daß ich wahnsinnig bin, wenn ich dir diese Eröffnung
machen werde."
„Nein! Ich habe das kommen sehen und habe mich in den letzten Wochen selber mit diesem Problem genügend beschäftigt."
„Das konnte ich allerdings nicht ahnen.
„Also, was soll nun werden? Tante Adelheid ift das älteste Mitglied der Familie. Und sie gibt ihrs
Derart bloßgestellt, hatte Nora von Stetten die das älteste Mitglied der_ tfami te uno pe gior igre Gegend wieder verlassen, aber es hieß, Baron Zese- Emw.ll.gung nie. Das e(efe beftimmt ba& ÖU win sei auch mit abgereift, und überhaupt hatte der "ur eine Frau aus altem Adel heiraten darsst. US Baran in legier Zeit sehr viel in Martensbruck zu nahmen find zugelassen Wenn nämlich alle nach tun gehabt. Jedenfalls stand (o viel fest, daß Nara 'ebenden mündigen Mitglieder der Familie ihre van Stetten sich h er in der Gegend unmöglich ge- rF'nm'n------ n"h mbt he
macht hatte. nie' Ole.le ^mroimgung. du rennp pe uuuj. uucc
Man hatte wieder etwas zum Tratschen, aber bis , Name ift bei ihr alles. Je metyr ^nen, desto besser, nach dem stillen Frieden von Berkenhosen langte der „Meinst du? Ich weiß es besser. Menschen können Klatsch nicht. Hier wurde etwas kurz besprochen. Es ' stch zuweilen andern. Wenn „es auch manchmal erst genügte, wenn man es wußte — und dann Schluß i aul pte alten läge geschieht.
damU „Aber Tante Adelheid bestimmt nicht.'
Käthe senkte müde den blonden Kops. Sie sah „Schwesterlein, Liebes du hattest bisher immer rührend blaß und schön aus. Da knirschte der Kies ^echt, wenn du gar so fest auf einem Standpunkt unter einem festen Schritt. Käthe kannte diesen stehen bliebst. Aber heute muß ich dir leider wider-
Denken Sie an STOFFE, denken Sie an BERNARD
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