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Ur. 249 Zweites Blatt

GietzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 24. Moder

Freude empfinden, sondern auch im wirtsckaftlichen Kampfe Deutschlands eine nicht zu unterschätzende Hilfe geleistet haben.

Prüfung der Beamten in der deutschen Kurzschrift.

LPD. Das Personalamt des Hessischen Staatsmini st ers gibt bekannt:

Nach dem Ausschreiben des Reichsministers des Inneren an die Landesregierungen vom 24. Juli 1934 ist bestimmt damit zu rechnen, daß die Reichs-, Län­der- und Gemeindebeamten unter 38 Jahren in einer besonderen Kurzschriftprüfung ihre Fertigkeit in der Deutschen Kurzschrift vom 1. April 1935 ab nach­weisen müssen

Nach der bereits im Entwurf vorliegenden Prü­fungsordnung wird gefordert:

1. Die Uebertragung einer 300 Silben umfassen­den Vorlage in kurzschriftliche Verkehrsschrift;

2. kurzschriftliche Nachschrift einer Ansage von fünf Minuten Dauer in der Geschwindigkeit von 80 Silben in der Minute und ihre sichere Ueber- tragurfg in Lanaschrift

Bei Beamten und Angestellten des Kanzleidienstes erhöht sich die unter 2 geforderte Geschwindigkeit auf 150 Silben in der Minute.

Den Beamten und Angestellten wird das Aus­schreiben des Staatsministers vom 28. Februar 1934 über die Anwendung der Deutschen Kurzschrift bei den Behörden in Erinnerung gebracht und ihnen empfohlen, die Zeit bis zum 1. April 1935 für die Erlernung der Kurzschrift auszunutzen, damit die in Frage kommenden Beamten unter 38 Jahren diese Prüfung im Frühjahr 1935 ablegen können.

Keine Aenderung der deutschen Kurzschrift.

Der Herr Reichsminister des Innern hat sich auf eine Anfrage des Hauptausschusses für Berufs­erziehung beim Rhein - Mainischen Industrie- und Handelstag, Sitz Frankfurt, wie folgt geäußert:

Es ist nicht beabsichtigt, in den nächsten Jahren an dem System der deutschen Kurzschrift etwas zu ändern. Es verbleibt daher bei meinen Erlassen vom 27. Dezember 1933 und vom 27. April 1934."

Es kann daher nur allen Stenographen emp­fohlen werden, sich an der am 18. November statt­findenden Handelskammerprüfung zu beteiligen, sowie allen Beamten, die die deutsche Kurzschrift erlernen müssen, damit bald zu beginnen, damit sie die geforderte Prüfung ablegen können.

NGLB., Kreis Gießen.

Kreisversammlung.

Am 31. Oktober, 16 Uhr, findet im Cafe Leib eine Kreisoersammlung statt. Es spricht der Gaugeschäfts­führer des NSLB. Pg. Schneider (Darmstadt) über verschiedene Versicherungsfragen.

Bender.

Abkeilung: höhere Schule.

Fachschaft fürHeuere Sprachen".

Die nächste Sitzung der neusprachlichen Arbeits­gemeinschaft findet am Freitag, 26. Oktober, 16 Uhr, in der Oberrealschule statt.

Krauß, Fachschaftsleiter.

Gießener Jungvolk transportiert seine Brotsammlung.

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Das Bild zeigt den Transport des Ende voriger Woche vom Jungvolk im Kreise Gießen gesammelten Brotes auf dem Wege von Gießen nach Offenbach.

(Aufnahme: Bildstelle Jungbann 116.)

Gtandartenaufmarsch in Ridda.

Aus der vrovinzialhauptstadt.

Oie Meisen. '

Von Konrad v. Zalkenhausen

Wenn die Dogelschwärme sich sammeln und eines Nachts die große Reise nach Süden angetreten haben, wenn es auf einmal leer geworden ist in Busch und Wald, dann ist der Sommer vorbei, dann geht's mit Macht auf den Winter los mit seiner Unbill.

Ganz leer wird es aber doch nicht in den Büschen und Bäumen. Und unter denen, die zurückgeblieben, ist ein munteres kleines Volk, das für uns von großem Nutzen ist und deswegen eigentlich einen besonderen Schutz genießen sollte. Das Volk der Meisen bleibt auch in der Zeit der Kälte und der Not bei uns. Am weitesten verbreitet und am be­kanntesten unter ihnen sind die Kohlmeise und die kleine Blaumeise. Wer hat nicht schon einmal eine von ihnen Herumturnen sehen? Eben rutschte sie noch wie ein Specht um den Stamm herum, jetzt geht es eilig hinauf, und nun schwingt sie sich in den obersten Wipfel und schaukelt kopfüber an den dünnsten Zweiglein. Ohne Rast und Ruh' geht Die Futtersuche vor sich, die Suche nach Insekten Lind Jnsekteneiern, die, in den Spalten der Rinde, <m den Aesten und Zweigen und an den Knospen wersteckt, die Kälte überdauern wollen, um in der nächsten Wärmezeit eine neue wimmelnde, krie­chende, krabbelnde und fliegende Generation zu Werden. Dieses riesige Heer kleiner und kleinster Lebewesen braucht zu seiner Entstehung zum aller- «gröhten Teil unsere Nutzpflanzen. Jeder kennt die iwurmstichige Frucht. Jeder haßt die gefräßigen Maupen in Garten und Wald, die sich zu einer Vernichtenden Plage vermehren können. Prachtvolle «große Waldbestände fallen immer wieder diesen jgefährlichen Schädlingen zum Opfer. Der Schaden, lder alljährlich der deutschen Wirtschaft durch Schäd- llinge zugefügt wird, beträgt Hunderte von Mil­lionen.

Wir leben in einer Zeit wirtschaftlichen Kampfes. Wir sind immer mehr auf die eigene Kraft und auf die eigene Scholle angewiesen. Und deswegen kön­nen wir es uns nicht erlauben, auf Kosten der deutschen Wirtschaft Schädlinge zu dulden. Krieg den Schädlingen bis aufs Messer muß die Losung sein. Es gibt allerlei Mittel, mit denen man dem Schädlingsheer in feinen verschiedenen Arten und Entwicklungsstufen zu Leibe gehen kann. Kein Mittel aber ist so gut und so wirksam wie die Natur selbst. Ebenso wie der Körper Gegengifte gegen die Krankheitserreger entwickelt, sind in der Natur jedein Geschöpf Feinde gegeben, die eine übermäßige Vermehrung verhinoern. Unter den Feinden der Raupen nehmen die Meisen eine her­vorragende Stellung ein. Man glaubt es kaum, welche Mengen an Raupeneiern die flinken Vögel gerade in den Wintermonaten zusammensuchen müssen, um ihr Leben zu fristen, und wieviel Raupen und Räupchen dazu gehören, um der ewig hungrigen Brut die Schnäbel zu stopfen. Man hat berechnet, daß ein einziges Pärchen unserer Blau­meise im Jahre eineinhalb Zentner Insekten bzw. ihre Brut vertilgt, das bedeutet 120 Millionen Raupeneier oder 150 000 Raupen verschiedener Größe.

Der erfolgreiche Krieg gegen das Schädlingsheer ist daher der Schutz und die Hege der Vögel. Von allen den Arten von Insektenfressern unter den Vögeln sind gerade die Meisen die wichtigsten. Es ist nachgewiesen, daß unser Bestand an nützlichen Vögeln merkbar zurückgegangen ist. Dabei läßt sich der Mangel an natürlichen Bruthöhlen so leicht beheben. Ueberall kann man heute die erprobten und gern angenommenen künstlichen Nistkästen zu billigem Preis erstehen. Die Zeit ist wieder ge­kommen, sie an geeigneten Plätzen im Garten, aber auch im Walde anzubringen. Und wenn dann ein Blaumeisenpärchen die Wohnung bezogen hat, dann werden wir nicht nur an ihrem Dasein eine reine

Am vorigen Sonntag fand in Nidda ein Auf­marsch der Standarte 466 statt, an dem auch mehrere Reiterstürme teilnahmen. Nach der gemeinsamen Verpflegung in der Mittagszeit begann um 13 Uhr der Aufmarsch auf der Gänswiese, wo Standartenführer Kraft dem Brigadeführer Schmidt die Standarte meldete. Brigadeführer Schmidt nahm im Anschluß an eine Ansprache, in deren Verlauf er auch der Gefallenen gedachte, die

Vereidigung der SA.-Anwärter vor. Am Schlüsse der Vereidigung wurde dem Führer Adolf Hitler erneut Treue gelobt und das Horst-Wessel-Lied ge­sungen. Anschließend marschierten die Stürme unter Vorantritt der Standartenkapelle durch die reich- beflaggte Stadt Nidda zum Marktplatz, wo der Vor­beimarsch vor dem Brigadeführer Schmidt und dem Standartenführer Kraft stattfand. Eine große Menschenmenge wohnte dem Aufmarsch bei.

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Der Vorbeimarsch vor Brigadeführer Schmidt auf dem Marktplatz.

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HieGroßmulter Hal es mir erzählt

Von Georg von der Dring.

Als Knabe lebte ich bei meiner Großmutter Anna »Suhren, in Brake an der Weser. Sie war zart und ' nnußte sich viel ruhen. Sie trug ein schlichtes schwar- zes Kleid und am Hals eine goldene Brosche, auf Eber Trauben abgebildet waren.

Wenn die Großmutter zu erzählen begann, blieb ich lange bei ihr im Sofa sitzen. Die früheste Ge­schichte, die ich von ihr hörte, war die vomDübel inn Torf". Sie kannte die alten Zeiten sehr genau uni) konnte sich noch gut auf den Admiral Brommy besinnen, der Anfang der fünfziger Jahre vor un­serer Stadt die erste deutsche Kriegsflotte befehligt hatte. Sie war einst seine Tänzerin gewesen und hatte an der Flagge des Admirals mit gestickt.

Hatte die Großmutter eine Geschichte beendigt, |o pflegte sie zu sagen:Man müßte es aufschrei- fcenr Damals wußte ich noch nicht, daß ich später Der Aufschreiber ihrer Geschichten sein wurde. Jrn- mierhin fing ich mit siebzehn Jahren damit an. Ich schrieb eine kleine Neujahrserzählung aus den Tropen, Erlebnis eines Broker Kapitäns. Die Ol­denburger Zeitung druckte sie. Das war ein Jahr inor dem Tode der Großmutter. Sie lobte mich damals. .

Schon als Knabe bekam ich von ihr die Erleb- miffe der Beta Seebeck aus Vegesack erzählt. Beta nnar mit uns verwandt. Wir kommen alle aus der Kamille Dehls, auch Beta. Beta Seebeck nahm, «als Mann verkleidet, an den Befreiungskriegen teil. °Sie kämpfte bei Waterloo, kehrte aus dem Kriege heim, heiratete einen Kapitän Raschen, hatte zwei Kinder und lebte noch bis zum Jahre 1879 in Wegesack bei Bremen.Man müßte es aufschreiben! seufzte die Großmutter, wenn sie mit der langen k beschichte von Beta, der Freiheitskämpferin, zu

Ende kam ...

Ich nahm es mir zu Herzen, wie alles, was die Großmutter sagte. Auf meinen Deichwanderungen »ah ich mir oft ein rotes Ziegelsteinhaus an und Machte: Hier hätte Beta wohnen ckönnen.

Ach, und wie oft bin ich mit dem Zug durch das Städtchen Elsfleth gefahren! Kurz bevor der Zug len Bahnhof erreicht, braust er an einem Denkmal vorbei, das spitz aufragt. Es ist dem Andenken des .Schwarzen Herzogs", Friedrich Wilhelm von 'Zraunschweig, geweiht, der an dieser Stelle und m Jrake, von napoleonischen Truppen verfolgt, fein Korps nach England einschiffte. Die Eisenbahn führt so nahe am Denkmal vorbei, daß ich als Lind fürchtete, sie würde es umrennen. Später kam

ich auf diesen Gedanken: Wie könnte man die Ge­schichte desSchwarzen Herzogs" mit der von Beta Seebeck zusammenbringen?

Also habe ich so viele Jahre später! einen schwarzen Jäger Johanna aus ihr gemacht. Beim Schreiben mußte ich oft an die Großmutter denken. Aber als die Geschichte fertig und Johanna mit ihrem Ludwig Korfes gerettet war, wurde ich un­zufrieden. Mir war, als säße ich noch bei der Groß­mutter im Sofa, wie vor fünfundzwanzig Jahren, und als fragte sie mich:Wie ging es der Johanna Luerssen denn weiter? Was tat sie in England und was in Spanien? Fand sie ihren kranken Vater? Heiratete sie ihren Korfes? In deinem Buche lese ich nichts davon."

So hörte ich die Großmutter fragen. Ich werde noch viel aufschreiben müssen, denn ihre Geschichten sind ein unerschöpfliches Vermächtnis

Geschichten von WtthelmLeibk.

3utn 90. Geburtstag des Malers.

Wilhelm Leibi war nicht nur in feinem Werk, sondern auch in seiner Persönlichkeit eine der kraft­vollsten Gestalten unter den Künstlern des vorigen Jahrhunderts. Wenn dieser in Köln geborene Maler einen großen Teil seines Lebens in Dörfern der bayerischen Voralpen zubrachte und seine Modelle dort gern aus dem urwüchsig einfachen Landvolk nahm, so hatte er damit den Boden gefunden, auf dem seine Kunst, eine echte und wahrhafte Kunst, gedeihen konnte, die nichts mit den damals so Üppig wuchernden Süßlichkeiten und aufgedonnerten Theaterszenen in der Malerei gemein hatte. Sein großes Vorbild war die Natur, und ihrem Geheim­nis suchte er in unermüdlichem Bemühen auf den Grund zu kommen.Mögen andere malen, was sie wollen, und Mode fein, was will, ich richte mich nur nach der ewig neuen Natur", schrieb er in einem Briefe. Noch heute stehen wir mit Bewun­derung vor feinem berühmten GemäldeDrei Frauen in der Dorfkirche", mit dem in der sorgfältigsten Wiedergabe der Gesichter und der Hände, des Faltenwurfs der Kleider und des Musters des Umschlagtuches die höchste Vollendung erreicht zu fein scheint, ohne eine unkünstlerische und leere Nachahmung der Wirklichkeit darzustellen.

Leibi hatte äußerst muskulöse, wenn auch nicht sehr große Hände, und es ist fast unbegreiflich, daß mit ihnen solche Wunderwerke genauester Fein­malerei geschaffen werden konnten. Bei oberfläch­licher Betrachtung mußte man diesen bedeutenden Maler, der gern hinter dem Mantel der Unschein­

barfeit Schutz vor der lauten Öffentlichkeit suchte, für einen Jäger oder einen Landwirt halten solange man die tiefblauen und in der Erregung funkelnden Augen nicht gesehen hatte. Mit seinen Modellen stand er auf gutem Fuß; natürlich duzte er sie. Sie hatten keine Geheimnisse vor ihm, und er nahm an ihren Erntesorgen, ihren Liebes­händeln und Wilddiebereien mit stärkster Bewegung teil, ohne jedoch selber handelnd einzugreifen, denn er war vor allem ein Augenmensch

Die bärenhafte Körperkraft diesesKölschen Jun­gen" äußerte sich manchmal auf ergötzliche Weife. Als sich einst in einem Kölner GasthausRhein­lands Eiche, der stärkste Mann der Welt" vor einer begeisterten Zuschauerschaft produzierte, da erschien während der Pause plötzlich Leibi auf der Bühne und arbeitete mit den eben benutzten Gewichten so spielend, daßRheinlands Eiche" ihn entsetzt an­flehte, er möchte doch ja aufhören, denn sonst wür­den die Leute glauben, seine Gewichte seien aus Pappe. Verbürgt ist auch die Geschichte, daß er einmal im Faustkampfe sieben Zimmerleute, die ihn zum Raufen aufgefordert hatten nacheinander niederftreckte

Wie er niemals den Zeitströmungen Zugeständ­nisse machte, so machte Leibi sich auch aus Ehrungen nichts Ais er 1892 zum Professor ernannt wurde, meinte er nur:Ich bin nie ein Professor gewesen und werde nie einer fein, aber meine Bilder werden Professoren werden." Während des Malens fiel er von einer Stimmung in die andere. Bald fang er in ausgelassenster Laune selbstgedichtete Schnada­hüpfel, bald schimpfte er, mit Zornesfurchen auf der Stirn, auf seine Modelle ein, die aber trotz dieser etwas urwüchsigen Behandlung stets bei ihm aushielten. Die einfachen Leute zollten feiner Mal­kunst in ihrer Art tiefste Ehrfurcht. Als er das später in den Besitz der Hamburger Kunsthalle über­gegangene Kirchenbild mit den Drei Frauen malte, klagte er eines Abends, daß er eine Faltenpartie am Kleide des Mädchens mit dem schönen Umschlag­tuch nicht fertiggebracht habe. Am nächsten Vor­mittag fand er zu seinem Erstaunen, daß die Falten genau so lagen, wie am Tage zuvor. Das Mädchen hatte sich seine Betrübnis so zu Herzen genommen, daß es die Nacht sitzend im Kirchenstuhl verbracht hatte. , _

Am wvhlsten fühlte sich Leibl unter Bauern. Während er sich gegen neue Bekanntschaften, die aus gesellschaftlichen Gründen entstanden, immer unzu­gänglicher zeigte, lebte er in den bayerischen Dör­fern im engen Verkehr mit den Landbewohnern. Am abendlichen Biertisch saß er meist schweigend da, an­scheinend nur mit seiner Pfeife beschäftigt. Dor der

Bauernarbeit hatte er so hohe Achtung, daß er in einer der zahlreichen Stunden, in denen er mit sei­nem Schaffen nicht zufrieden war, in die Worte ausbrach:Es ist eine Schande, daß ein Mann mit solchen Kräften wie ich, so feine Arbeit treibt; was könnte ich als Bauer leisten."

Was kleine Erfindungen einbringen können.

Die Geschichte der Erfindungen weiß davon zu berichten, daß die Erfinder bedeutsamer, epoche­machender Neuerungen keinen Gewinn von ihrer Arbeit hatten, ja daß sie sich Hohn und Spott ge­fallen lassen mußten und oft in großem Elend starben, ehe man den hohen Wert ihrer Erfindun­gen und Entdeckungen erkannte. Demgegenüber gab es aber auch kleine praktische Erfindungen, zu deren Zustandekommen es keiner besonderen Genia­lität bedurfte, und die jene, die zuerst diesen im Grunde vielleicht sehr einfachen Einfall hatten, zu vielfachen Millionären machten. So hat sich W. H. Palmer aus Baltimore, der Erfinder einer Ver­schlußkappe für Bier- und Sodawasferflaschen in kurzer Zeit ein riesiges Vermögen verdient, wenn er auch zunächst sechs Jahre nach einem Kapitalisten suchen mußte, der sich bereit fand, mit dem von ihm erfundenen Flaschenverschluß einen praktischen Ver­such zu machen. Auch der Glückliche, der auf den Gedanken kam, die glatte Haarnadel durch eine ge­wellte zu ersetzen, wurde mühelos ein reicher Mann; er beobachtete, wie seine Frau sich mit den glatten Haarnadeln plagte und wollte ihr diese Mühe ersparen. Bis die Haarandeln überflüssig wurden, war sein Geschäft gemacht, und es brauchte ihn nicht zu grämen, daß nun auch seine Erfindung dem Wandel der Mode zum Opfer fiel. Der Mann, der zu«rst auf die Idee kam, am Ende des Blei­stiftes gleich einen kleinen Radiergummi zu be­festigen, wurde durch diesen Einfall ein reicher Mann, und ebenso erging es dem glücklichen Er­finder, der eine Klammer erfand, mit der man die Schleifen der Schuhbänder vor dem Aufgehen schützte. Auch derEntdecker" des Kaugummis, der seineErfindung" 1871 patentieren ließ, ein ge- wisser Mr. Adams, wurde in kurzer Zeit Millio­när. Ein stattliches Vermögen verdiente schließlich auch der erfinderische Kopf, der zuerst auf den Ge­danken kam, einen Büchsenöffner zu konstruieren. In all diesen Fällen handelte es sich nicht um Er­findungen, die eine Frucht langen Experimentierens und jahrelangen Grübelns waren, sondern um praktische Einfälle, die der Zufall zuweilen einem Laien zuträgt.