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Aus -er Provinzialhaupista-t
Ost-
GG-Konzeri in -er Volkshalle
Dos Feldzeichen der EG. zum ersten Male in der Oeffentlichleii.
Der Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher bunb) hielt seine jüngste Monatsversammlung im „Hotel Köhler" ab, zu der wieder mehrere neue Landsleute erschienen waren. Landsmann Gärtner Korus hatte wieder für frischen Blumenschmuck
Zugunsten der Wohlsahrtsarbeit innerhalb der SS. fand am Samstagabend in der Volkshalle ein Konzert statt, das von dem Musikzug der 83. SS.- Standarte unter Leitung von Musikzugführer Wilhelm Bach- Hanau ausgeführt wurde.
Ein schneidiger Marsch („Deutsche Wacht") leitet den Abend ein. Im Anschluß daran hörte man zwei Darbietungen klassischer Musik, und zwar die Ouvertüre zu „Rienzi" und den „Pilcherchor und Lied an den Äbendstern" aus der Oper „Tannhäuser" von Richard Wagner, Der Musikzug brachte diese beiden Kompositionen unter der sorgfältigen Leitung von Musikzugführer B a ch so ausgezeichnet zum Vortrag, daß auch die letzten Feinheiten der Werke völlig ausgeschöpft wurden. Die Zuhörer folgten der Musik mit großer Aufmerksamkeit und dankten mit anhaltendem herzlichen Beifall.
tragt ist, hielt sodann eine kurze Ansprache. Er hieß alle Teilnehmer des Abends herzlich willkommen. Sein besonderer Gruß galt den Kameraden der Reichswehr und den Fördernden Mitgliedern der SS. Er führte sodann u. a. aus, daß die Kameraden der SS. noch heute ganz unter den Eindrücken des Reichsparteitages von Nürnberg stünden.
SS. Die Standarte, die in ihrem Aussehen dem Feldzeichen der SA. sehr ähnlich sieht, trägt auf dem in schwarzer Farbe gehaltenen, silberumrahmten Quersteg den Namen unserer Stadt Gießen in klarer Versalienschrift. Die Schnur um das schwere Tuch des Feldzeichens ist in schwarz und weiß gehalten. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches wurden Feldzeichen und Fahnen in den Saal gebracht und von allen Besuchern mit erhobener Hand gegrüßt.
ES.-Gturmbannführer Iakober.
der mit der Führung der 83. SS.-Standarte beauf-
t e l einen interessanten Einblick in den auf seine Anregung zum ersten Male in Schlesien durchge- ührten „wissenschaftlichen Arbeitsdienst". Der erste Versuch wurde in dem Grenzstädtchen M i l i t s ch nahe der Posener Grenze, das durch seine Karpfenzucht im Reiche bekannt ist, unternommen. Hier waren den stellungslosen Akademikern die Aufgaben zur Erforschung des Problems der Verdichtung der Bevölkerung im Osten un-d des Studiums der Teichwirtschaft gestellt. Eine zweite Gruppe von etwa dreißig Mann wurde in dem Gebirgsdörfchen Löwe n b e r g eingesetzt, die lange Zeit bei den Bau ern untergebracht war und es zum ersten Male fertiggebracht hat, eine bäuerliche Kultur greifbar werden zu lassen. Diese hat den Beweis erbracht, daß es eine Geschichte der Erbhöfe, der Flurnamen, der Flurstücke und Besitztümer gibt, von denen die Bauern nichts mehr wußten. Diese Gruppe hat das erste dörfliche Heimatmuseum im Osten eröffnet. Nun sind weitere Gruppen eingesetzt worden, die die dringendsten Fragen der Bevölkerung des Lan- des, der Erschließung neuen Landes und seine wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Verbesserung der Verkehrsmöglichkeiten im Grenzlande selbst, sowie einer besseren Verbindung mit dem Reich bearbeiten werden. Auch in Hessen sollen solche Versuche des wissenschaftlichen Hilfsdienstes unternommen werden.
Kreispropagandaleiter der NSDAP., Schmelz, betonte die Notwendigkeit der Zusammenfassung aller Vereinsbestrebungen nach einheitlichen Gesichtspunkten im Sinne des Nationalsozialismus. Erst der neuen Führung ist es gelungen, die Wechselwirkungen der Grenzlande mit dem Reich auf fruchtbare Basis zu stellen. Führende Deutsche sind Grenzlandsöhne, die den deutschen Gedanken stärker erlebten und in ihrer Seele ausgenommen haben. Dies ist ein großes Geschenk, das wir dem Grenz
gesorgt.
Vereinsführer Kostorz hieß u. a. den Kreispropagandawart der NSDAP. Schmelz willkommen. Nach dem Hinweis auf einige organifato- rische Notwendigkeiten gab er nochmals den Arbeitsplan für die nächsten Monate bekannt, in dessen Mittelpunkt jeweils ein Vortrag über eine unseren Osten betreffende Frage stehen werde. Im Oktober soll auch ein Hausfrauen-Nachmittaa statt- sinden, der in erster Linie auf Erzeugnisse des deutschen Ostens Hinweisen soll.
Für den am Erscheinen verhinderten Ostreferenten der Gauleitung der NSDAP, referierte der Dereinsführer kurz über „Ziel und Aufgabe der ostdeutschen Heimatverbände". Er erinnerte an die Umbildung der zahlreichen früheren Heimatorganisationen unter eine einheitliche, straffere Führung im nationalsozialistischen Geiste und sprach von der noch im Entwicklungsstadium befindlichen neuen Arbeit an den vom Führer Adolf Hitler neugestellten Aufgaben. So wie das Ziel der Arbeit in den früheren Jahren stets auf die Heimat gerichtet war, der in in schicksalsschwerster Zeit tatbereite Heimatliebe bewiesen und später alle seelischen Kräfte wachgehalten und aufgerüttelt wurden, um die Zurückgewinnung der entrissenen Lande vorzubereiten, so gilt alle Arbeit auch heute wieder der Heimat. Dieser Arbeit hat Adolf Hitler neue Wege gewiesen, wie er auch dem ostdeutschen Volksgenossen nach Jahren des Zweifelns und Miß- trauens wieder neue Hoffnungen auf den Erfolg gegeben hat. Wie in den früheren Jahren gilt es nun für alle Ostdeutschen, sich einzugliedern in die Volksgemeinschaft, mitzuhelfen, daß der Osten dem Westen nahegebracht wird, daß die Schönheiten des Ostens, die Handwerkserzeugnisse u. a. im Westen bekannt werden, daß der Germanenzug vom Osten nach dem Westen gestoppt werde.. Dieser Arbeit darf kein Ostdeutscher sich entziehen, er muß Propagandist seiner Heimat sein. Die Ausrüstung hierzu erhält er nur in den Heimatverbänden, wo seine Erinnerungen an die Heimat aufgefrischt, seine Heimatsprache gesprochen wird.
Anschließend gab Universitätsprofessor Dr. Bech -
Gießfaßwagen der Stadt mit 5000 Liter Wasser folgte unmittelbar. Nachdem die Feuerwehr und der Arbeitsdienst über die Sachlage unterrichtet worden waren, ging es unter der Aufsicht des Forstassessors von Gall an die Feuerbekämpfung. Zunächst wurde vom Arbeitsdienst und von der Feuerwehr ein breiter Schutzgraben um den Feuerherd gezogen. Hieraus die Bekämpfung der Flammen selbst mit Schaufeln und Pickel vorgenommen. Schließlich trat auch die Schlauchmannschaft mit ausgiebiger Wasserbekämpfung in Tätigkeit, lieber« all sah man die Mannschaften in zweckmäßigster und umsichtigster Weise arbeiten, wobei sie bekundeten, daß die Schulungsarbeit auf diesem Gebiete des Dienstes für die Allgemeinheit von vollem Erfolg begleitet war. In kurzer Zeit waren die Flam- niedergekämpft.
Zum Schluß bildeten auf der einen Seite der Brandstätte die Feuerwehr, auf der anderen Seite der Arbeitsdienst Sprechchöre, die der großen Zuschauermenge, die sich rings um das Uebungs- gelände aufgestellt hatte, zuriefen:
Raucht nicht Im Walde!
kein Aeuer im Walde oder in der Rahe des Waldes anmachen!
Der Wald ist wertvollstes Allgemeingut!
Mit dieser eindringlichen Ermahnung fand die interessante und lehrreiche Hebung, die die vollste Schlagkraft der Feuerwehr und des Arbeitsdienstes erwiesen hat, ihren Abschluß.
landdeutschtum zu verdanken haben. Aber die Zu« tauft Deutschlands wird nicht an der Grenze entschieden. So müssen die grenzdeutschen Helmatver- eine sich in der Erkenntnis dem Nationalsozialismus einordnen, daß ihre Arbeit durch die Weckung und Förderung seelischer Kräfte, wie es die Pflege der Heimatliebe, die Förderung heimatlichen Brauchtums usw. ist, eine wertvolle Vorbereitungsarbeit für Deutschland ist.
Der Dereinsführer dankte Universitätsprofessor Dr. Bechtel für feine fehr interessanten Ausführungen und Kreispropagandaleiter Schmelz für das große Verständnis, das er der Arbeit des Bun- des entgeaenbrinat, und sprach das Gelöbnis zu treuer Gefolgschaft aus.
Borriotizen.
— Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Zigeunerblut" mit Son- derbericht vom Reichspartoitag in Nürnberg.
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** Straßensperre. Wegen Ausführung von Walzarbeiten wird die Provinzialstrahe Schotten — Laubach (Gemarkung Schotten) vom 26. September ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleituna erfolgt über Einartshausen—Rainrod— Eichelsachsen.
** Eine Achtzigjährige. Am morgigen Dienstag kann Frau Übrig, Krofdorfer Straße 39, in voller körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag feiern. Das Ehepaar Übrig ist feit über 55 Jahren treuer Leser des Gießener Anzeigers.
** Silberne Hochzeit. Das Ehepaar Joh. Heinrich Fischer und Frau Elisabeth, geborene Trechsler, wohnhaft Weferstraße 8, kann am morgigen Dienstag das Fest der silbernen Hochzeit begehen. Das Jubelpaar ist seit 25 Jahren Bezieher des Gießener Anzeigers.
** Die Jugenderholungspflegekinder kehren zurück. Am heutigen Montag, 24.September, 15.26 Uhr, kehren die 4 Wochen lang int Kreise Groß-Gerau untergebrachten Kinder nach Gießen zurück.
** Verkehrsunfall. In unmittelbarer Nähe des Gasthauses „Bayerischer Hof" in der Bahnhofstraße ereignete sich am Samstagvormittag ein Derkehrsunsall. Ein Lastkraftwagenführer, der in der Richtung nach dem Marktplatz fuhr, geriet, da er anscheinend ein am Bürgersteig stehendes Fahrrad nicht umwerfen wollte, mit feinem Wagen gegen einen Straßenbahnwagen, der m der Weiche stand und auf den Wagen aus der anderen Richtung warten muhte. Der Lenker des Lastkraftwagens geriet dabei mit feinem Fahrzeug gegen den Führerstand des Straßenbahnwagens, der mit großer Gewalt aufgerissen und schwer beschädigt wurde. Der Führer erlitt glücklicherweise nur unwesentliche Hautabschürfungen.
Menschen In Ihm sind, die die Mahnung der Ge- faUenen hören und sie ernst nehmen. Der Tod ist s nicht das Ende, sondern bedeutet erst das Leben, i Weil wir an Christus glauben, glauben wir an das i Leben aus dem Tod! Und Christus jagt es uns: । Ihr Tod ist auch nicht umsonst gewesen. Sie sind i nicht tot, sie leben weil auch ich lebe! Sinnvoll ist i das Walten Gottes. Wir spüren auch da, wo der । Tod scheinbar mit rauher Hand unbarmherzig Men- 1 schenleben vernichtet, Gottes väterliche Liebe. Denn 1 weil Christus nicht im Tode bleibt, sondern aufer« । steht, darum leben unsere Helden ewiglich. Das ist der gewaltige Trost des Evangeliums: Freude trotz Leid, Leben trotz Tod. So bekennen wir uns zu dem lebendigen Christus, der da spricht: ,Zch bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben." Das Volk wird werden, wenn wir uns opfern. Unser deutsches Volk wird leben, wenn es das große Christusopfer versteht. Das Volk wird werden, wenn es in feinem Leben dem Christus nachfolgt, der auf Golgatha für uns gestorben ist. Die toten Helden mahnen uns. So fei unsere Losung: Wir stehen ein für unsere Brüder, treu dem Befehl unseres Gottes. Wir stehen ein für die Brüder, auch wenn wir sterben müssen. Wenn auch der Tod mächtig ist in uns, dann ist aber das Leben mächtig in euch!
Nach einem weiteren Choral sprach Pfarrvikar Balz ein Gebet. , , .
Hierauf gedachte Branddirektor Braubach der Kameraden unter dem grünen Rasen und aller Gefallenen und legte am Gefallenenehrenmal einen großen Krieg zu ihrem Andenken nieder. Er sprach aus, daß die Wehrmänner treu wie bisher ihre Pflicht selbstlos und opferbereit erfüllen und in Treue zum Führer und Reichskanzler weiterhin dienen werden dem Nächsten und damit dem geliebten deutschen Vaterlande. Er brachte ein drei- faches Sieg-Heil auf den Führer und das deutsche Vaterland aus, in das die Teilnehmer laut einstimmten. Mit den gemeinsam gesungenen ersten Versen des Deutschlandliedes und des Horst-Wesfel- Liedes wurde die Feier beschlossen.
Gegen 11 Uhr traten die Wehren wiederum am Brandplatz, diesmal mit ihren Geräten zum
Marsch durch die Stadl
an. Die Kameraden der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz eröffneten den Zug. Der Musikkapelle folgten die Führer der Wehren, Branddirektor Braubach und Kommandant Wenzel, sowie Kreisfeuerwehrinspektor B ou f f i e r. Die Mannschaften führten ihre großen Leitern, die Handwagen mit den Schläuchen und die motorisierten Fouerwehrspritzen mit. Mit flotter Marschmusik bewegte sich der stattliche Zug durch die Landgrafenstraße nach dem Adolf-Hitler-Wall, die Walltorstraße über den Kirchen- und Marktplatz, durch die Schul- und Sonnenstraße, über den Kreuzplatz, durch den Seltersweg, den Horst-Wessel-Wall, die Bahnhofstraße, Kaplansgasse, den Neuenweg, über den Ludwigsplatz, durch die Lundwig- und Bis- markstraße zum Hindenburg-Wall und schließlich durch die Senckenbergstraße, durch die schon der BdM. marschierte, zum Brandplatz, wo sich der Zug auflöste.
Eine große Waldbrandübung
fand von 15 bis gegen 16 Uhr auf einem abgeholzten Waldstück an der Grenze des Dhilosophen- waldes in der Richtung nach dem Flughafen zu statt. Dort war unter der Aufsicht des zuständigen Forstamtes, vertreten durch Forstafsessor v. Gall, in dem auf der Erde lagernden Reisig eine große Brandstätte angezündet worden, die sich bei ziemlichem Winde rasch ausbreitete. Aufgabe der alarmierten Feuerwehr und des gleichfalls alarmierten Arbeitsdienstes war es, diesen Brand zu löschen und dabei zu zeigen, in welch zweckmäßiger Weise bei dieser Feuerbekämpfung oorgeganqen wird.
Um 15 Uhr war der Zeitpunkt des Feueralarms, 15.20 Uhr kam der Arbeitsdienst im Laufschritt quer durch den Wald auf der Brandstelle an, wenige Minuten später war auch die Feuerwehrmannschaft, bestehend aus Mannschaften der Feuerwache, der Freiwilligen und der Gailschen Feuerwehr, auf einem Lastauto zur Stelle. Der große
Die beiden Darbietungen waren ein würdiger Auftakt für die nun folgende Einbringung des der SS.-Standarte vom Führer verliehenen und ge-- v-r----------------------a ।------
weihten Feldzeichens und der drei Sturmfahnen 6er1 Die $$. stehe darüber hinaus im Geiste unter
Kreisleitung Gießen.
Kreispropagandaleiter.
Die Gießener Ortsgruppen veranstalten den E r n t e d a n k t a g am 30. September mit folgenden Dörfern zusammen:
Gießen-Mitte in Watzenborn-Steinberg, Gießen-Ost in Steinbach, Gießen-Nord in Heuchelheim, Gießen-Süd in Leihgestern.
Wir bitten die Gießener Bevölkerung diese Ordnung einzuhalten und sich dort an der Feier zu beteiligen, wo sie der Ortsgruppe nach hmgehort.
Bund heimattreuer Schlesier.
(Deutscher Ostbund.)
Abschied vom Boot.
Von Eva Maag.
Weiße Schaumkämme trägt der See. Graue W^gen gurgeln — es ist wie am Meer. Wir müssen kräftig ziehen, der Win6 bläst um die Ohren. „Einsatz! Ein—satz!" schreit der Steuermann. Die Blätter bleiben häufig in den Wellen hängen, wir „fangen Krebse", und der Hintermann wird dabei klitsch- nasch gespritzt. Man schimpft und schüttelt sich wie ein Pudel, aber dieser Kampf mit dem Element stärkt die Muskeln und die gute Laune.
Ein etwas wilder und aufregender Abschied vom Sommer, vom Rudern und vom Doot. Jetzt gelangen wir in ruhigeres Wasser. Auch hier Himmel grau, Wasser grau und Wind. Aber wir können doch den Schlag länger durchziehen, auch mal wieder ein Wort reden, Gott sei Dank. Denn das strenge Schweigen, für das der Steuermann bei dem Kampf mit den Wellen sorgen muß, fällt uns Ruderfrauen doch recht schwer.
Da ist das Bootshaus, der Steg, wir sind da. Vorbei ist die Abschiedsfahrt. Zwar steigt so mancher später ins Boot, es gibt auch sonnige Herbsttage. Aber man kann nicht mehr damit rechnen, die Saison ist vorbei, man friert an Finger und Zehen. Und mit Pulwärmern und Handschuhen zu rudern, scheint uns nicht recht das Geeignete. Wir holen den Kahn (offiziell verpönter Ausdruck) über die Rolle herauf, legen ihn auf die Bocke, und beginnen die letzte Wgfchung. Sonst eine unbeliebte Arbeit, heute durch die Wehmut etwas beliebter. Alles Kleinzeug heraus, und nun mit der großen Gießkanne Strahl auf Strahl hineingespritzt, bis alles vor Nässe blinkt. Mit Lappen wischen wir nach, und mit dem Schlauch holen wir das Wasser heraus. Mit Kunst und Geschick drückt man sich nach Möglichkeit vor dem Dollenabwischen. Na, schon, heute zum letztenmal — es soll uns nicht darauf ankommen! Die Laufbretter, die Rollsitze usw. wieder hinein — und das blitzblanke Pracht- eremplar wird zugedeckt mit der großen, weißen Plane. Alles verhüllt sie, die verbogene Dolle, die von dem Zusammenprall mit dem Achter herrührt, der uns partout „verschmieren" wollte (Männerachter gegen Damenvierer — Kunststück!), die Kratzer, die Risse, das abgeschabte Lausbrett (besonders hinten beim Steuermann und Kielschwein) — und der ach! so unentwegt quietschende Rollsitz, der sich charaktervoll jeder Oelung widersetzt, um dessentwillen wir hundertmal auf der Fahrt anhielten, um ihn ins Wasser zu stippen, und der doch bis zuletzt muntere Tone von sich gab.
Alles wird gnädig und liebevoll verhüllt vom Tuch. Und im nächsten Jahr, wenn wir wieder beginnen, sind die Spuren verschwunden, denn während des Winterschlafs hat 6er Bootsdiener die Schäden repariert.
Das Boot ist verstaut, nun gehts an die Sachen. Schwerste Aufgabe: der Kocher. Er hat viel geleistet an Würstchen, Setzeiern, Bratkartoffeln und Kaffee für die halbe Ruderwelt, er hat genug geschafft unb verdient, daß man ihn wenigstens einmal im Jahr gründlich scheuert. Mit zusammengebissenen Zähnen schrubben wir ihn mit Sand, und siehe! das kohl- chwarze Gebilde wird allmählich wieder silberweiß. Das ist ein freudiges Wiedersehen mit der alten Farbe.
Das Geschirr wird gründlich gewaschen und verpackt, liebevoll in den Geschirrkorb geschichtet. Eigentlich ist in diesem Sommer nicht viel passiert: Fünf Tassenhenkel, zwei Kannendeckel, ein Zuckerdosendeckelgriff und eine Teekannentülle sind abgeschlagen. Sämtliche Teelöffel sind abhanden gekommen — das ist ja immer so — drei Messergriffe brachen ab, viereinhalb Gabelzinken. Da sind mir Schlimmeres gewohnt. Ist es zu glauben? Die Faß- maranöa ist nicht verlorengegangen, die gute, kleine, geliebte, unentbehrliche und ständig von andern gemopste Faßmaranda! (Faß-mal-ran-da - Einhängegriff zum Kochtopfanfassen.)
Der Schrank ist keine reine Freude. Was sich so für Gelumpe innerhalb eines Jahres ansammelt' Drei fremde Baskenmützen, ein ausgeleiertes Strumpfband, ein fremder, zerknautschter Rock. Dafür ist der eigene verschwunden. Man soll eben keinen Rock besitzen, wenn Hosen es auch tun. Aber natürlich sind die Trainingshosen vertauscht, da hängen ein paar Blaue neben der schwarzen Jacke. Wo hat man sich nur diese entsetzlichen Flecke geholt? Das kann doch nicht einfache Skullschmiere fein? Das ist mindestens Tunke aus einem Höllenkessel. Die Jacke sieht besonders schlimm aus. Kein Wunder, wenn Medizinbälle gegen die Rudererbrust prallen, wenn Regen und Wind sie zausen, und selbstgekochte Gerichte aller Art bekleckern.
Alle Sachen werden verpackt, Jacken, Hosen, Bademäntel, Handtücher, zur Generalreinigung zuhause. Es wir6 ein Riesenpaket — aber die Schuhe, die Stiefkinder, hat man roiebermal vergessen. Traurige, grau-schwarze Gestelle, die durch viel Schlamm, Schilf, Wasser, Moos und Wiese gestakt sind. Einmal im Jahre müht auch ihr geputzt werden!
Das Gummikissen ist verschwunden, statt dessen fand sich ein Filz. Auch recht, besser als gar nichts. Der Sonnenbrille wurde übrigens ein Auge heraus
getreten. — Das ist also die Jahresbilanz — und nun sollte der Schrank eigentlich geschlossen roerben. Aber da man den dritten Schlüssel in dieser Saison verloren oder vergessen hat, sind wiedermal die Krammen gewaltsam geöffnet worden, damit man überhaupt an die Sachen herangelangen kann, und jetzt gehts also nicht zuzuschließen, und das neue Jahr wird mit der gleichen Unordnung beginnen, wie das alte vorübertrollte.
Nun Abschiedsbesuch auf dem Schlafboden, lieber die Leiter und durch die Klappe (die schon jedem mal auf den Kopf gefallen ist) klettern wir hinauf. Die Betten werden abgezogen, denn es schläft sich nicht mehr gemütlich, wenn der Herbstwind durch die Ritzen fegt. Hier ist der alte, liebe Pfeiler, an den man so oft im Dunkeln rannte. Selige Zeiten, als man sich Beulen stieß (scheint uns jetzt!). Und hier dies aufgerauhte Bodenbrett mit den Spänen ohne Zahl. Wenn man sich einmal keinen Splitter in den Fuß riß, war das wahrhaft erstaunlich.
Kahl die Betten, kahl der Raum. Und wir treten zur Luke, durch die Wasser, Bäume und Bootsplatz reizvoll in kleinem Ausschnitt erscheinen. Das Wasser schäumt, die Bäume biegen sich im Wind, unb den Bootsplatz verlassen soeben die letzten Ruderinnen. Mit lautem Knall schlägt das Gitter zu — Vorbei!
(Kastenrudern und Waldlauf wird für den Winterschlaf dringend empfohlen.)
„Aufs Kom nehmend
Eine ganze Reihe volkstümlicher Redensarten find dem Jäger zu verdanken, unb aus ihrer weiten Verbreitung kann man den Schluß ziehen, daß unseren Vorfahren die Jagblust tief im Blut gesteckt hat. Bei manchen Ausdrücken, wie dem „Aufs Korn nehmen", der plattdeutsch zuweilen heißt „Den hebb ick upn Kieker", ist die Herkunft jedermann leicht deutlich. Ursprünglich hieß das Korn auf dem Gewehr die „Absicht", unb dieser Ausdruck wurde hinterher auf das Zielen und schließlich auf jedes Streben nach einem Ziel übertragen. Diese Erklärung, die Victor Hornig in „Westermanns Monatsheften" gibt, ist schon weniger allgemein bekannt und daß „Auf dem Strich haben" ebenfalls eine Redewendung des Jägers ist, ist für viele eine Überraschung. Das Gewehr trug nämlich früher der Länge nach auf dem Lauf einen eingeritzten Strich, der beim Zielen in die Mitte der Kimme gebracht werden muhte. Auch der Ausdruck „Auf den Busch klopfen" stammt aus der Jägersprache; bei der Treibjagd mußten die Treiber, die ein Gehölz umstellt hatten, vordringen unb auf den Busch
klopfen. Manches Tier ging dabei „durch die Sappen". Der Hase ergreift, wenn er „mit allen Hunden gehetzt" ist, das „Hasenpanier", er „schlägt Haken" und „drückt sich" an den Erdboden. An dem Hunde liegt es alsdann, dem Hasen „auf die Sprünge zu kommen" und „ihm den Rang abzulaufen ; Rang kommt von „Rank" und bedeutet so viel wie Krümmuna unb „Ränke" ist bie Mehrzahl biefes Wortes. Auch bie Rebensarten „in bie Binsen" gehen ober „in bie Wicken" ist auf Jagb- aus6rücke zurückzuführen; es sinb bie Enten unb die Hasen, die angeschossen so dem Jäger verloren gehen. Von der alten Vogelstellerei her stammen noch bie Wendungen „er hat den Pfiff heraus", „er ist pfiffig" ober ein „Pfiffikus", dem bie Vogel „ins Netz gehen" ober „auf den Leim kriechen". Der gefangene Vogel ist ein „Pechvogel", ber an ben mit Pech bestrichenen Ruten hängen blieb. Wenn man heute jemanden beim „Schlafittchen nimmt", denkt man wohl kaum mehr an den Jäger, ! ber den angeschossenen Vogel bei ben Schlagfittichen i festhielt. Schließlich ist hier noch anzuführen, batz die Bezeichnung „vorlaut" ebenfalls aus ber Jägersprache entnommen ist und einen Hunb bezeichnet, ber vorzeitig bei ber Jagb einen Laut von sich gibt. In früherer Zeit mußten bie Bauern oft ihren Hunben „einen Knüppel ans Bein binben", bamit bie Hun6e nicht jagten; so sagt man heute auch: „Da liegt ber Knüppel beim Hunb" unb meint damit, man möchte etwas unternehmen, aber barj unb kann es nicht. Auch bas Wörtchen „unbänbifl beschreibt bas Benehmen bes Jagbhundes, ber jago- luftig wilb am Bande zieht. Alle 6iese Wendungen haben so einen volkskundlichen und sprachgeschicht' lichen Wert.
Beethoven spielt im Nebenzimmer.
Als Beethoven einmal gebeten wurde, als Gast im Hause eines reichen Bankiers zu spielen, erklärte er sich dazu bereit unter ber Bebingung, baß er in einem Nebenzimmer spielen unb ungesehen bleiben bürfe. Als sich jeboch ein Gast währenb bes Spiels zu ihm ins Zimmer hereinschlich, stanb Beethoven auf unb verließ roütenb bas Haus. Der Stören- frieb wettete nun mit bem Gastgeber um hunbert Dukaten, Beethoven werbe bennoch wieberkommen unb spielen, unb erbot sich, selbst zu ihm zu gehen unb ihm hunbert Dukaten zu bringen. Beethoven aber schrie empört: „Ich gehe nie wieber in bas Haus eines Wortbrüchigen", unb wies ihm bie Tur. Erst als ber Gastgeber bie hunbert gewonnenen Dukaten ben Armen gab unb sich bie Besuche jenes Storenfriebs verbat, betrat Beethoven wieber fein Haus.


