Dienstag, 24. April 1934
Giehenn Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesien)
Nr. 95 Drittes Blatt
Aus der Provinzialhauptstadt
v. Hindenburg.
lich
** Der Amtsta amt Gießen am '
und und
mlzkam- n, um gestürzt.
Ueberlah es nicht anderen Dein Schicksal zu bessern.
hilf selbst mit, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen.
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Gießen, der Forstrat Kasimir Leo, Büdingen, der Kommunal-Forstwart Ludwig Leschhorn, Dillingen, und der Forstsekretär Georg Trailer, Laubach, sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1935.
** D i e Bildung der Feisch- und Wul |t = preise betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir besonders aufmerksam machen
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Par- Frei- n der Z aus« n sich I, wie r vier Der« t Zäh h feilt der unfe« ielenb, winn wurde großen folgen» t Mei- 'rzeich- Welt- Partien )fes ist en von nenben Derben.
Fördert die Jugendherbergen!
Reichswerbe- und Opferwoche vom 21. bis 29. April.
Die Jugendherbergen, wanderfroher Jugend zur Rast bestimmt, sollen pflegestätten wahrer Volksgemeinschaft und treuer Heimat- und Vaterlandsliebe sein.
gehen und mit Idealismus dabei sind. SA., Frauen» schaften und andere Gliederungen der Partei werden weiterhin die Erziehung vollenden und den erwachsenen Menschen zum brauchbaren Volksgenossen machen.
Viele von den Alten sind in den Jahren des großen Ringens, welches jetzt erst zu Ende geht, verbraucht und abgestumpft worden. Manche Existenz wurde zerbrochen und das Leben des einzelnen zermürbt. Es sind nur wenige der Alten, die nervenstark und elastisch genug waren, den Kampf fürs Dritte Reich mit ungehinderter Kraft aufzunehmen. — Deshalb ist es die Jugend, die die gigantische Arbeit vornehmlich zu leisten hat. Und es ist gut so!
Litten wir nicht an gewissen Alterserscheinungen des Parteienstaates? Um Parlamentarier zu werden, mußte man erst das „beste Mannesalter" überschrit- ten haben, ehe man zu einem solch verantwortungs- reichen Amt fähig gehalten wurde. Es war dann Gepflogenheit, daß man zu einer wiederholten Wahl nur befähigt war, wenn das Greifenalter schon längst erreicht war. Eine richtige Vergreisung der Volksvertretung!
Daß wir Alten uns auch heute noch in die Reihen der jungen Kämpfer stellen, das war nur möglich durch den Einfluß unserer Jungen innerhalb unsrer Familien. Es ging nicht ohne Kämpfe und Mei- nungsverschi"denheiten ab, aber die Jugend siegte Über uns, wir wurden ihre Schüler!
So schöpfen wir unfern Kampfgeist aus dem unversiegbaren Jungborn der deutschen Jugend, aus dessen Quellen wir die Kraft n"hmen, brauchbare Helfer sein zu können an dem Bauwerk eines großen deutschen Vaterlandes! h e y d.
Soll sich Jugend behaupten, so muß sie auch früh gelernt haben, hart gegen sich selbst zu fein, streng in der Erfüllung übernommenen Pflichten. Unverwöhnt, hart in Beruf und Arbeit — hart aber auch genug, um einmal „nein" sagen zu können, keinesfalls so, wie Friedrich Rückert sagt:
Wer stets nur will, wie die andern handeln. Und nur wie die andern wollen wandeln, Dem haben die anderen sein Selbst verhandelt Und andre haben sein Leben durchwandelt!
So möge unsere Jugend sich formen in den vielfachen Gliederungen unserer großen Bewegung. Der nationalsozialistischen Jugend (HI., BDM., u. a.) feien die Jugendlichen beiderlei Geschlechts anvertraut. Die Erziehungsarbeit wird dort von denen geleistet werden, die in unserer Gedankenwelt auf«
Gauleitung veranstaltete Prüfung bestanden haben. Es war das erste Mal, daß kaufmännische Lehrlinge sich einer Prüfung unterzogen, in der sie unter Beweis stellten, was sie in ihrer Lehrzeit gelernt hatten. Die Ueberreichung der Kaufmannsgehilfenbriefe soll in Form einer öffentlichen Feier unter Teilnahme der Behörden, sowie verschiedener Dienststellen der Partei, umrahmt von Musikvorträgen und Ansprachen, am 29. April nachmittags im Caf6 Leib stattfinden.
** Das Vergilben von Getreidepflanzen, wie man es im Frühjahr nicht selten beobachtet, ist bald durch Pilzkrankheiten, bald durch tierische Schädlinge (Drahtwurm, Fritfliege), bald durch Boden- oder Witterungseinflüsse bedingt. Solche Pflanzen gehen in der Folge oft völlig ein. Trifft man aber sofort Gegenmaßnahmen, so können sie sich wieder erholen, so daß der sonst unvermeidbare Ertragsverlust wesentlich gemindert wird. Auskunft hierüber erteilen die Bezirksstellen für Pflanzenschutz an den Landwirtschaftsämtern bzw. Landwirtschaftsschulen, sowie die Hauptstelle für Pflanzenschutz, Gießen, wenn ihr eine Probe der Pflanzen mit Wurzelballen, sowie eine Erdprobe unter Beifügung des einfachen Briefportos eingefanbt wird.
** Da s Holland-Gastspiel der Frank- furterOperimRundfunk. Der Reichssender Frankfurt mit seinen Nebensendern überträgt am heutigen Dienstag, 24. April, von 21.15 bis 22.30 Uhr aus Amsterdam anläßlich eines Gastspiels der Frankfurter Opernhausmitglieder den zweiten Akt aus „RofeNkavalier". Das um diese Zeit angesetzte Kurz-Hörspiel „Fliegerbomben" vom Deutschlandlsender kommt am Freitag, 27. April, von 22.15 bis 122.30 Uhr zur Sendung.
Das Feuerchen im (Sorten.
Als ich vor einigen Tagen allerlei Arbeiten in meinem Garten verrichten wollte, wurde ich durch starken Rauch daran gehindert. Die Luft war feucht, es ging fast gar kein Wind, und fo wälzte sich der Rauch ganz langsam über die Erde hin. Er kam von zwei Feuern, die meine Nachbarn in ihren Gärten angezündet hatten. Da waren noch allerlei lleberrefte vom vorigen Herbst: Kartoffelkraut, Gemüsestrünke, dürres Laub, kleine Aeste und Zweige der beschnittenen Rosen und Stachelbeeren u. v. a. Das war auf einen Haufen geschichtet und angezündet worden. Unwillkürlich schaute ich nach links und rechts, denn von beiden Seiten kam der Rauch. Die Nachbarn, die sich sonst im Leben nicht ausstehen konnten, hatten diesmal denselben Gedanken gehabt.
Beide standen nun da und halfen mit einer Gabel nach, daß auch alles restlos verbrannte. Es sollte ja nun im Frühling nichts Altes, Welkes und Morsches im Garten bleiben. Die Natur war auferstanden,
** Straßensperre. Wegen Ausführung von Walzarbeiten wird die Ortsdurchfahrt Homberg der Provinzialstraße Homberg—Alsfeld von heute ab für jeden Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Nieder-Ofleiden, Dannenrod und Appenrod.
** Die Auszahlung der Renten für Mai. Aus Anlaß des Feiertags der nationalen Arbeit am 1. Mai beginnen die Postanstalten mit der Auszahlung der Unfall-, Invaliden- usw. Renten für Mai am 30. April, mit der Auszahlung der Militärversorgungsgebührnisse am 27. April.
** Die Deutsche Büchne veröffentlicht in unserem heutigen Anzeigenteil den Spielplan für Mai uno die Bestimmungen über die Kartenausgabe. Interessenten seien auf die Anzeige besonders hingewiesen.
** Ueberreichung der Kaufmannsgehilfenbriefe. Wie die Industrie- und Handelskammer Gießen mitteilt, findet am 29. April die Ueberreichung der Kaufmannsgehilfenbriefe an diejenigen kaufmännischen Lehrlinge statt, die die vom Hauptausschuß für Berufserziehung beim Rhein- Mainischen Industrie- und Handelstag im Einvernehmen mit der Deutschen Arbeitsfront und der
Einweihung eines Opfertempels im Oormfioöf.
LPD. Darmstadt, 22. April. In Anwesenheit von Ehrenabordnungen der SA., SS., HI, des NS.-Frontkämpferbundes, der NS.-Frauenschaft, des BDM., des Arbeitsdienstes, der Landespolizei und der Technischen Nothilfe, sowie unter starker Anteilnahme der Bevölkerung Darmstadts wurde heute mittag auf dem Adolf-Hitler-Platz vor dem Monument ein Opfertempel der N S. - Volkswohlfahrt feierlich eingeweiht. Der Tempel ist ein Werk des Darmstädter Künstlers Professor A l b i n m ü 11 e r, der mit den einfachsten Mitteln ein eindrucksvolles, formschönes Werk geschaffen hat. Auf fünf schwarzweißrot gehaltenen Blöcken erhebt sich das Zeichen der NS.-Volks- Wohlfahrt und das Hakenkreuz. Als Bekrönung trägt der Tempel eine Opferschale, aus der abends. eine gewaltige Flamme zum Himmel loht und das Monument in magischen Schein versetzt. Im In- nern des Tempels liegt ein Opferbuch, das mahnt: „Ins Opferbuch trag deinen Namen ein, dann wird er unvergessen sein." Nach einer Ansprache des Gauamtsleiters des Amts für Dolkswohlfahrt Bürgermeister Haug und Darbietungen der Darmstädter Sängerschaft, der Polizeikapelle und des Musikzuges der Standarte 115 begannen die Einzeichnungen in das Opferbuch.
i g bei dem Kreisfchul - Mittwoch, 25. April, ist ausnahmsweise auf Freitag, 27. April, verlegt worden.
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den betreffenden Organen.
Die Rechtsberatung innerhalb der Rechtsberatungsstellen der DAF. erfolgt kostenlos. Sie umfaßt alle Gebietszweige wie: Reichsnährstand, Industrie, Handel, Handwerk, Verkehr,_ Banken und Versicherung, geistige Berufe und Künstler.
Frankfurt a. M., 23. April 1934.
Der Landesobmann und Bezirksleiter der DAF. gez. Becker, MdR.
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* Gießen, 24. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 bis 1.35 Mark, Kochbutter 1,10 bis 1,15, Matte 20 bis 25 Pf- Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische, nach Gewichtsklassen) 8% bis 11, Weißkraut, das Pfund 15, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 15, Rote Rüben 10, Spinat 12 bis 15, Spargel 30 bis 65, Unterkohlrabi 6 bis 8, Feldsalat 80 Pf. bis 1.— Mark, Tomaten 60 Pf., Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 40, Schwarzwurzeln 20 bis 25, Rhabarber 12 bis 15, Kartoffeln 8% Pf., der Zentner 2,80 bis 3,— Mark, Aepfel, das Pfund 20 bis 25 Pf., Suppenhühner 70 bis 80, Salat 15 bis 20, Salatgurken 50 bis 60, Lauch 5 bis 10, Rettich 20, Sellerie 10 bis 35, Radieschen, das Bund 10 Pf.
L^ornoNzcn.
— Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, 20 bis 22.30 Uhr: „Die Frau ohne Kuß". — NS. - Frauen.schaft Gießen-Nord, 20.30 Uhr, Monatsoeksammlung im Haus der' Arbeit. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Mädel wirbelt durch die Welt". — Oberhesfifcher Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr, Ausstellung.
— Aus dem Stadttheaterbüro Morgen, Mittwoch, abend das musikalische Lustspiel „Die Frau ohne Kuß" von Keßler-Kollo. (Siehe heutige Anzeige.)
— Eoang. Frauenhilfe (Evangelischkirchliche Frauenvereine). Morgen, Mittwoch, Hauptversammlung für Oberhessen im Caf6 Leib zu Gießen. (Siehe heutige Anzeige.)
** For st Personalien. In den Ruhestand versetzt wurden auf ihren Antrag und unter Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten langjährigen treuen Dienste und unter besonderer Würdigung des im nationalen Interesse bekundeten Opfersinnes die Förster Gustav Sarnes, Langsdorf, Karl Heinrich Schäfer IL, Groß-Karben, Wilhelm Körber, Meiches, Karl Ruppert, Rainrod, Konrad Fisch III., Nieder-Mockstadt, Heinrich Lotz, Elbenrod, Jakob Karl Schmidt, Gam- bach, Wilhelm Edelmann, Merlau, Ludwig Metz, Forsthaus Glaubzahl, Karl Knaf, Düdelsheim, Nikolaus Schmidt, Eichelsdorf, sämtlich mit Wirkung vom 1. Juli 1934 ab; der Kommunal- Forstwart Johann Joseph III., Zell, mit Wirkung ■ vom 1. Juli 1934; die Förster Karl Bing, Treis ; an der Lumda, Karl Schaaf, Büßfeld, Karl i Eduard Büttner, Rainrod, Otto Buch, Glas- ■ Hütten, der Kommunal-Forstwart Heinrich H o f - ■ mann II., Wallenrod, mit Wirkung vom 1. Okto- ■ ber 1934; der Oberforstmeister Eduard Eckstein, > Grünberg, der Förster Karl Geisel, Gießen, der Kommunal-Forstwart Kaspar Herr öd er, - Nieder-Seemen, sämtlich mit Wirkung vom 1. Ja- j nuar 1935; der Oberforstmeister Karl Nicolaus,
s selbst reichlich könnten erunter« lnde der > Spiel» b näfjte Gossen der Ki» eppl an. heil und XV, denn .andern! scht. und iels den >n.
vor, .A nei weü so weh« ganzen
Die Ministerialabteilung für Bildungswefen, Kultus Kunst und Volkstum hat in einem Erlaß an die'Direktionen der höheren Lehranstalten, der gewerblichen Unterrichtsanstalten und die Kreis- und Stadtschulämter folgendes bestimmt:
Der 1. Mai, der nationale Feiertag des deutschen Volkes wird dieses Jahr in besonderem Ausmaße gefeiert werden. In der Reichshauptstadt selbst wer- d-n drei qroße F-ttrn abgef>alten. Um 9 Uhr vormittags findet im Lustgarten der erste Staatsakt als „Kundgebung der Schuljugend statt. Regie- rungsvertreter werden dabei das Wort ergreisen. Di- Kundgebung wird über all- deutschen Sender ^Wir^emps-hl-n. diese „Kundgebung der Schuljugend" zum Mittelpunkt der artigen Schultern zu machen. Die Schulfeiern f.nd n.cht m den Schu- len selbst, sondern im Freien, aus den I-weil-> für die allgemeine Kundgebung am Nachmittag vorgesehenen Aufmarschplätzen abzuhalten. Zu diesen Feiern sind die über 11 Jahre alte n S ch u • ler und Schülerinnen bis 8.50 Uhr vormittags auf den bezeichneten Plätzen zu versammeln, um dort der Übertragung des Staatsaktes aus dem Lustgarten beizuwohnen
Damit wird erreicht, daß zunächst die Angehörigen der sämtlichen Schulen den nationalen Feiertag
des deutschen Volkes gemeinsam begehen daß außerdem in jeder Stadt eine einheitliche ihrer Große nach überwältigende Veranstaltung, an der sich zweifellos ein großer Teil der Bevölkerung beteiligen wird, zustande kommt. Einleitend haben die Schulleiter in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung des Tages hinzuweifen und die dann folgende Rundfunkübertragung zu erläutern. Die Folge des Staatsaktes selbst wird rechtzeitig durch die Presse bekanntgegeben. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied ist von den Teilnehmern mit-
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Das Recht der Jugend
Ein Rückblick - wie es kam.
überall grünte und blühte es, und da mußten die Zeichen der Verwesung, des Todes vernichtet werden. Das Feuer besorgte das. Die Asche, es gab ein ganz schönes Häufchen, wurde bann auf das Land gestreut und half, daß die kommenden Pflanzen wieder neue Nährstoffe hatten.
Ich schaute lange nach den zusammenfallenden Feuerchen, sah, wie die Flammen einmal hochzüngelten, dann wieder dicker Qualm aufstieg, wenn feuchtes Laub aufgelegt wurde. Aber schließlich waren beide Feuerchen heruntergebrannt. Der Rauch hinderte nicht mehr. Ich konnte meiner Arbeit nachgehen. Am linken Zaun stand mein Nachbar. Ich grüßte und sprach fo mancherlei mit ihm, auch über das Feuerchen. „Na, haben Sie den alten Unrat beseitigt?" „Jawohl! Jetzt wird gegraben und gesät. Ordnung muß sein!" „Das meine ich auch, erwiderte ich, „aber nicht nur im Garten!" Denn mir kam da plötzlich ein Gedanke, als er von, Ordnung sprach.
Mein Nachbar stutzte. Dann fragte er: „Wieso nicht nur im Garten?" „Ich meinte, auch bei den Menschen, in ihrem Zusammenleben sollte manchmal alter, überflüssiger Unrat verbrannt werden, damit alles wieder neu werden kann." Dabei gab ich meinem Nachbar ein Zeichen und wies nach dem anderen Gärtner, der noch mit seinem Feuerchen beschäftigt war. Mein Nachbar hatte sofort verstanden. Die Feindschaft, die sich gewissermaßen über meinen Kops hinweg vor mehreren Jahren über einige Kleinigkeiten entwickelt hatte, bestand in unverminderter Stärke weiter. Deshalb erhielt ich die Antwort: „Mit manchen Menschen kann man halt nicht in die rechte Ordnung kommen."
Aber ich ließ nicht locker. „Könnte man nicht einmal die Probe machen? Es sind doch jetzt schon einige Jahre her, daß Sie damals auseinandergerieten." Er schwieg. Er überlegte. Dann gab er mir plötzlich über den Lattenzaun die Hand und sagte: „Sie haben recht. Versuchen wir es einmal! Ich will nicht der hindernde Teil fein." „Darf ich das dem Nachbarn drüben sagen und ihm einen Vorschlag machen?" „Jawohl!"
Ich war sehr froh an diesem Morgen. Meine Arbeit flog mir nur fo von der Hand. Ich sprach auch gleich mit dem andern Nachbar, und am Nachmittag saßen wir alle drei in meiner noch kahlen Laube und begruben die alte Feindschaft und versicherten uns gegenseitig, von nun an Ordnung zu halten, und wenn wieder einmal etwas vvrkäme, bann wollten wir an die kleinen Feuerchen denken.
Es wäre schön, wenn recht viele Volksgenossen, die noch alten Unrat mit sich herumschleppen, auch zu dieser Erkenntnis kämen. Mit einem Feuerchen hält man seinen Garten in Ordnung, mit einem großen Entschluß, mit gutem Willen wird vieles im Leben wieder auf das rechte Geleife geschoben. Habe ich nicht recht? Gg.
Aufhebung des hessischen Gchlacht- steuergesehes.
Durch Bekanntmachung vom 20. April teilt der hessische Staatsminister mit: Gemäß Artikel 5 des Schlachtsteuergesetzes vom 24. März 1934 — RGBl. Teil I Seite 238 — treten die Gesetze der Länder über die Erhebung von Steuern auf Schlachtungen ober den Verbrauch von Fleisch und Schlachtausgleichssteuern am 1. Mai 1934 außer Kraft. Dementsprechend ist die hessische Verordnung zur Einführung einer Schlachtsteuer (Schlachtsteuergesetz) vom 9. November 1932 — Reg.-Bl. S. 147 — nebst ben hierzu erlassenen Durchführungsbestimmungen nur noch bis Ende April 1934 wirksam.
Kundgebung der Schuljugend am 1. Mai.
zusingen. .
Aus parieiamtlichenBekannimachungen
Der für heute, Dienstag, angesetzte Ortsgruppenabend der NS.-Frauenschaft Gießen- Süd ist auf morgen, Mittwoch, 20.15 Uhr, verlegt worden.
In der N S. - F r a u e n s ch a f t G i e ß e n - O st inbet die Chorstunde von jetzt ab jeden Dienstag im Schützenhaus um 20.15 Uhr statt.
Im NS. - Lehrerbund, Kreis Gießen, ist der festgesetzte Termin für die Entrichtung der Maibeiträge unbedingt einzuhalten Die versetzten Mitglieder sind in den Zahlungslisten noch einmal anzuführen. In einen anderen Kreis versetzte Mitglieder müssen sich bei dem zuständigen Bezirksoder Schulgruppenleiter abmelden. Soweit die Abmeldung noch nicht geschehen ist, muß sie umgehend nachgeholt werden. Die Obleute der Bezirke und Schulgruppen melden weiter an die Geschäftsführung des Kreises (Dr Vogt, Gießen, Sicher Str. 23). Solche Mitglieder, die keinem Bezirk oder keiner Schulgruppe angehören, machen ihre Abmeldung unmittelbar bei der Geschäftsstelle.
Der Bezirk Londorf des NS. - Lehrerbundes hält am morgigen Mittwoch, 14 Uhr, bei Böger in Londorf eine Bezirksversammlung und Tagung der Arbeitsgemeinschaft Volksschule ab.
NG.-Lehrerbund, Gießen.
Mittwoch, 25. April, 15.30 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums Bezirksversammlung der Fachschaft „Höhere Schule" (Gießen-Stadt): 1. Mitteilungen, 2. Vortrag des Kreisfachschaftsleiters über „Das neue Menschenbild". Gäste willkommen.
Rechtsberatungsstellen der DAT.
Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit bestimmt, daß auch im Bezirk Hessen die Rechtsberatungsstellen der DAF. noch vor dem 1. Mai ihre Tätigkeit aufzunehmen haben.
Mit dem heutigen Tage haben i m Bezirk Hessen und Hessen-Nassau 32 Rechtsberatungs st elfen ihre Tätig- feit aufgenommen.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiefen, daß von der Rechisberatung der DAF. nur Mitglieder der DAF. beraten werden.
Das Aufgabengebiet der Rechtsberatungsstellen ist folgendes: .
1. Die Beratung aller Mitglieder der DAF. tn sämtlichen Fragen des Arbeits- und Sozialrechts, 2. dieVertretung vor dem Arbeitsgericht und den
Instanzen (Öberversicherungs- und Reichsversicherungsämter),
3. die Schulung auf fachlicher Basis für Der- trauensmänner, Arbeitsrichter und Beisitzer in
Wenn wir Alten die jungen Menschen verstehen 1 wollen, müssen wir ihr Leben gelebt haben.
Jean Paul.
Mem zweiter Urlaub aus dem Feld von der Ostfront führte mich im Frühjahr 1916 wieder einmal in die Heimat. Die Mutter hat bei den vier Kindern Vaterstelle feit eineinhalb Jahren versehen. Ihre sorgende Hand hat es fertigbringen müssen, Erziehungsarbeit zu leisten, die sonst dem Vater vorbehalten war. Meine Kinder sind mir Fremde geworden, groß und selbständig stehen die Jungens hier vor mir — die Mädels sind ruhig — ich habe das Empfinden, daß sie ernster geworden sind — in sich gekehrt. Wortkarg scheinen sie mir auch — langsam kommt eine Unterhaltung mit ihnen in Fluß. Die Buben fallen dagegen lebhaft in das Gespräch ein, alle vier finden sich auf einer gemein« amen Linie: einem unbändigen Haß gegenüber unseren Feinden. Aus allen Worten spricht das gleiche Empfinden — schade, daß wir noch nicht auch dabei sein können, wir würden ... Begeisterung — und Haß! An der Front kannten wir Alten diesen Haß in solcher Leidenschaft nicht, der sich immer wieder in einer nie vorher gekannten Schärfe bei der Jugend entlädt. — Alle sitzen wir, Vater, Mutter und die vier Sprößlinge am Tisch herum, blaß und hohläugig schauen meine Mädels drein, weil auch diesmal wieder die Buben das größere Brot auf dem Teller haben — ein fast schmerzliches Lächeln tritt in die Züge der Buben, als Mutter erklärt, daß Nelly, die Hündin, die für sechs Personen heute zugeteilten 200 Gramm Wurst bereits zu sich genommen hat. — Damit auch ich höre, wie sonst das Schicksal heutzutage einem mitspielt, wenn man glaubt dem Magen etwas anbieten zu dürfen, erzählt mir meine Jüngste, daß sie unter Tränen vor acht Tagen ein Pfund Butter einem Polizeibeamten unfreiwillig überlassen mußte... Ein frommer Wunsch für den Polizisten — den ich einwarf — löste bei allen von uns helles Lachen aus.
Ein Jahr später. Der Aelteste ist inzwischen Soldat geworden ... Alles in der Familie ist darum besorgt, daß übliche Päckchen dem Bruder täglich zugehen — Freunde und Nachbarföhne fallen — und meine Mädels vergießen viele Tränen in Sorge um den Bruder. — Die Mutter erkrankt, da werden sie tapfer — sie umgeben die Mutter mit fo unendlicher Liebe und wenn sie das Krankenzimmer betreten, da kennen sie nur frohe Gesichter und herzliches Lachen. — Da muß die Mutter ja genesen. —
Ganz andere Menschen sind sie geworden — Menschen mit Pflichten gegen den Nächsten — Tätigkeiten in Krankenhäusern, in Arbeitsstuben und Kochanstalten. Die Pflichten der Mädels brachten es mit sich, daß ich nur täglich kurze Zeit mit ihnen sein konnte —
Niemals ist mir ein Abschied schwerer aeworden als damals. — Das waren ganz andere Menschen, sie lebten eine andere Jugend. Der zweite Junge trat nun auch in den Militärdienst ein. Die ganze Familie stand im Dienst für’s Vaterland. Jeder von uns nach seiner Art: Mir Alten taten unsere Pflicht draußen, die jungen Menschen zu Hause und auch draußen, lebten nur dem Gedanken: Alles für das Vaterland! Es erwuchs ein hartes Geschlecht, noch härter als das Bewußtsein wach wurde, daß Not zu Hause ständig zu Gast war.
Dann kam der Friedensvertrag — da horchte das junae Geschlecht auf und begriff nicht, daß man in der Schule von Menschenrechten svrach, und jetzt dieser Friedensvertrag — einer Vergewaltigung aller Menschenrechte gleich? Ein freies Volk war aefnebelt! Die Freiheit wurde mit Füßen getreten! Zermürbt und ermüdet ließ die Menge alles über sich ergehen, und wo sich Widersacher aegen das System bemerkbar machten für ein freies Vaterland, da kam der Polizeiknüppel und erstickte vollends jede nationale Regung! Unsere Juaend, die von dem „Seaen" einer veraltet-n Weltanschauung nichts wußte, verlangte ihr Recht. Unverbraucht, noch mehr verwachsen mit der Natur, hatte sie bas natürliche Empfinden gegen hie Anmaßung jeder fremben Gewalt, bie ihre Stärke ein»m aroßen Volk gegenüber fühlen lasten wollte. So reifte in ber Jugenb jener Scharfblick für bas Geschehen in ber Natur, bas überall ihr sagte: Das Recht ist stets bei bem Stärkeren! Unb es kam ber Wille zur Stärke?
Allen Gewalten — Zum Trotz sich erhalten?
Nimmer sich beugen — Unb kräftig sich zeigen!
Sie ftanb auf eignen Füßen, biefe Jugenb, stark, kühn unb fest! Hart fein, ist eine Jugenb — nicht gemeint ist bamit bie zufällige Ausnützung von Ueberlegenheit, ober die grundsätzliche Leugnung milderer Triebe. Hart fein! Es ist gemeint solche . Härte, die das Eichenholz vor Linde und Weide voraus hat — bie Härte im Sinn von Festigkeit.


