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ffiosemarie, ffiosemarie...

Roman von Käthe Metzner.

Schluß.

Aber, das macht mich froh, daß es Ihnen ge­lungen ist, den Beweis für Rosemaries Unschuld zu erbringen. Sahen Sie, wie ihre Augen erst ungläubig schauten, und wie sie dann ganz groß und strahlend wurden? Das war das schönste Ge­schenk, das Sie ihr machen konnten, Herr Doktor Wangenheim. Gleich morgen werde ich bei dem neuen Intendanten vorsprechen, um Rosemaries Ehre restlos wiederherzustellen."

Gegen drei Uhr morgens erst hatten sich Lueberg und Wangenheim getrennt.

Der letzte Abend kam heran, an dem Rosemarie in Vertretung der Tinius spielte.

Schon am Nachmittag war Wangenheim m der Brunnerschen Villa zu Gast.

Immer noch einmal mußte er Rosemarie ganz ausführlich erzählen, wie es ihm möglich gewesen war, die Lobe zu einem Geständnis zu bringen.

Mein Onkel Bachstedt läßt dich herzlich grüßen, Rosemarie. Er war tief erschüttert, als er den wah­ren Zusammenhang der Dinge erfuhr, und hat sich bis heute noch Vorwürfe gemacht, daß er die Sache damals nicht gründlicher untersuchte. Aber der Schein war allzusehr gegen dich, armes Kind.

Ich habe heute morgen sofort mit ihm telepho­niert. Meine Verwandten sind glücklich, daß ich dich gefunden habe. Und wir dürften ja nicht vergessen, sie zu besuchen, hat er mir noch ausdrücklich mehr­mals gesagt." r . .

Bachstedt & Co....", sagte Rosemarie sinnend. Nie hätte ich gedacht, daß mein Fuß je die Heimat wieder betreten könnte, geschweige denn, daß ich meinen alten Arbeitsplatz noch einmal wiedersehen würde. Aber nun kann ich ja zurückkommen. Du, Wolfgang, du allein hast den Makel auf meinem Namen gelöscht."

Glaubst du, daß ich nur einen Augenblick an deiner Unschuld gezweifelt hätte, als ich nach Wo­chen von meinem Onkel erfuhr, was geschehen war?" fragte Doktor Wangenheim ernst.

Aber ich ich habe an deiner Liebe gezweifelt, Wolfgang. Lange habe ich an jenem naßkalten Herbstabend auf dich im Parkpavillon gewartet. Immer noch hatte ich gehofft. Aber du kamst nicht. Da dachte ich, du hättest keinen Glauben mehr an mich. Das hat mich getrieben, die Heimat zu ver­lassen, irgendwo unterzutauchen im großen Berlin. Ach, furchtbar waren die Jahre! Nach außen schien

mein Leben das glücklichste, das man sich denken konnte. Selbst Doktor Brunner, der um meine Liebe zu dir wußte, hat nicht geahnt, wie manche Nacht mein Kopfkissen von Tränen naß war." Und mit einem unendlich lieben Blick auf Tante Berta fugte sie hinzu:Auch Tante Berta nicht. Ganz nicht/

Frau Bergmanns Gesicht wurde übersonnt von einem gütigen, zufriedenen Lächeln.

Kind, Kind!" sagte sie nur; aber all ihre Liebe und Sorge um Rosemarie lagen in diesen zwei Worten.

Ja, und das alles geschah, wahrend ich voller Angst heimfuhr zu meinem schwerkranken Vater. Wir tragen alle einen Teil Schuld. Manchmal nein überhaupt, die Menschen sollten mehr anein­ander glauben!" sagte er grübelnd. Dann huschte ein glücklicher Schein über sein Gesicht.

Aber wir wollen nicht von dem Vergangenen mehr reden. Die Zukunft gehört uns."

Und in seligem Plaudern verrannen die Stunden. Wolfgang malte ihr Leben daheim. Nur einmal wurde sein schönes Gesicht noch sehr ernst, als er von der schweren Krise sprach, die seine Werke durchmachen mußten, und die noch nicht restlos überwunden war.

Ich hatte keinen Mut mehr, Rosemarie. Was nützte all mein Schaffen? Für wen?"

Endlich aber war es Zeit, aufzubrechen.

Zum letzten Male fuhr sie der Wagen aus dem vornehmen, stillen Westen hinein in den Weltstadt­trubel zum Großen Schauspielhaus.

Abschiedsvorstellung von Rosemarie Bergmann! kündeten die Anschläge an den Plakatsäulen.

Das Haus war ausverkauft.

Noch einmal in dieser Spielzeit gab man den Faust", und noch einmal schuf Rosemarie ein un­sterblichesGretchen".

Nun, da über Nacht seligste Erfüllung in ihre Seele gekommen war,'schwanden die letzten Hem­mungen.

Wanqenheim, der mit dem Justizrat und Tante Berta in der Loge saß, war tief ergriffen. Das war nicht mehr Rosemarie, seine kleine Rosemarie, das war eine ganz große, gottbegnadete Künstlerin.

Das Schauspielhaus erlebte an diesem Abend einen beispiellosen Erfolg. Blumen über Blumen schleppte man auf die Bühne.

Immer wieder mußte Rosemarie hervortreten.

Wiederkommen! Wiederkommen!" schrien die Berliner.

Plötzlich war Ruhe. Rosemarie stand inmitten ihres riesigen Blumenhains und sprach ein paar Worte:

Ihr lieben Menschen? Ich danke euch von gan­zem Herzen. Ich gedenke in diesem Augenblick meiner toten Mutter, die ebenso wie ich bei ihrem Scheiden so viele ehrliche Freunde zurückließ, aber

ich gedenke auch des kürzlich verschiedenen Leiters dieses Hauses, Doktor Brunners, der es mir durch seine väterliche Hilfe erst ermöglichte, hier als Nach­folgerin meiner Mutter zu wirken. Wenn ihr mir eure Teilnahme beweisen wollt, so schenkt eine kurze Minute des Gedenkens diesen beiden Men­schen, die mir über alles teuer waren."

Rosemarie schwieg und senkte den Kopf in stiller Andacht.

Während ihrer Worte war kein Auge trocken ge­blieben. Große Bewegung ging durch das Haus, während sich alle Köpfe zu einer Minute des Ge­denkens senkten.

Dann prasselte der Beifall noch einmal auf und hielt noch an, als sich der eiserne Vorhang schon lange gesenkt hatte.

Keiner von allen Anwesenden, auch keiner vom Personal des Theater, ahnte, daß an diesem Abend der neue Intendant, Doktor Brunners Nachfolger, im Parkett unter den Zuschauern saß.

*

Doktor Wangenheim wollte die Verlobung nicht einen Tag mehr hinauszögern.

Ich muß dich endlich gewaltsam binden", sagte er lächelnd,sonst läufst du mir eines Tages wieder fort, Liebling."

Es war eine ganz stille Feier in Brunners Villa, an der außer Justizrat Hohl niemand teilnahm.

Merkwürdig!, dachte Wangenheim im stillen, als er mit Hohl zu Rosemarie fuhr, ein alter Jurist bleibt doch ein alter Jurist. Schleppt der Mann selbst zu einer Verlobungsfeier seine dicken Akten­bündel in der Mappe mit. Wahrscheinlich aus Vor­sicht. Vielleicht hat er Angst, daß sie ihm im Hotel inzwischen gestohlen werden könnten. Und .er lächelte über den sonderbaren Kauz.

Doktor Wangenheim hatte aber nicht bemerkt, daß der Justizrat seine Verwunderung wohl ge­sehen hatte und nun seinerseits auch über Wolf­gang Wangenheim lächelte.

Der würde staunen! Der brave Junge bekam nicht nur eine schöne Braut, sondern auch eine Braut, deren bedeutendes Vermögen ihn sofort wiederflott" machen konnte. Aber er lachte leise in sich hinein! das war vorläufig sein Ge­heimnis.

Ein ergreifender Augenblick war es, in dem Wangenheim den goldenen Ring über den zarten Finger schob. Welche Dornenwege der Liebe waren die beiden gegangen, ehe sie das launische Schicksal endlich zueinander geführt hatte! Das launische Schicksal?!

Gottes Wille!" sag'te Tante Berta, der die Tränen über das liebe alte Gesicht liefen.

Als man das Glas erhob, um auf das glückliche Brautpaar zu trinken, waren aller Augen feucht.

Eine Minute Schweigens entstand.__________

Diesen Augenblick aber nutzte Justizrat Hohl. Er legte seine schwere Aktenmappe auf den Tisch, die den ganzen Abend nicht von seiner Seite gewichen war, und machte eine ganz feierlich ernste Miene.

Keiner konnte sich sein rätselhaftes Benehmen er- klären. Was wollte er denn nur jetzt in dieser Stimmung?

Aber ohne ein Wort zu sagen, hatte Hohl seine Mappe geöffnet und nahm ein dickes Aktenbündel NeußBergmann" heraus. Dann sagte er.ernst, während er jedoch Mühe hatte, die eigene freudige Erregung zu unterdrücken: n ,

Mein sehr verehrtes, gnädiges Fräulein! Ich habe Ihnen an diesem Tage eine ganz wichtige Eröffnung zu machen. Es handelt sich um den Nachlaß Ihres seligen Herrn Vaters, des bekannten Kunstmalers Ehrenhard Neuß

Und nun verlaß er das seltsame Testament, das Ehrenhard Neuß im halben Irrwahn schon verfaßt hatte, und nach dem seine Tochter das große Ver­mögen einschließlich des wundervollen Landsitzes Friedenau erst dann erhalten sollte, wenn ein Mann um ihrer selbst willen um sie warb ...

Rosemarie schluchzte. Zu viel war auf sie em- gestürmt in den letzten Tagen. Hatte das Schicksal ihr erst alles, alles genommen, um nun sein Füll­horn über sie auszuschütten, daß es sie fast zu er­drücken drohte?

Aber auch Tante Berta war ganz blaß und still. Jahrelang hatte sie einen Groll genährt gegen Ehrenhard Neuß, weil sie glaubte, daß er sein Ver­mögen und Friedenau in alle Winde habe zer­streuen lassen, ohne seines einzigen Kindes zu ge­denken.

Lange wurde kein Wort gesprochen.

Friedenau... Friedliche Aue! Klang das nicht wie Heimat? Rosemarie sah im Geiste das Bild von Ehrenhard Neuß,Sommerabend im Park", vor dem sie lange mit Wolfgang gestanden hatte, und von dem sie sich nicht hatte trennen können.

Also war doch alles nicht Traum, sondern Wahr­heit, was sie aus ihren Kindertagen in dunkler Erinnerung trug...

Wieder hatten ihre Augen den Ausdruck einer Seherin, aber sie schien nur Glück und Sonne zu schauen.

Und wirklich. Rosemarie sah sich einige Tage später mit Wolfgang Wangenheim in Friedenau. Wie glückliche Kinder liefen sie durch den herrlichen alten Park und standen vor dem See, der wunder­sam im Schein der untergehenden Sonne vor ihnen lag.

Glockenklang schwebte über das Wasser. In der Ferne sang eine süße Mädchenstimme das Lied ihres Lebens:Rosemarie, Rosemarie...!" Aber kein Schmerz mehr durchzitterte die Melodie.

Ende!

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