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Wettbewerb an die 70 Segelflugzeuge und in Rosisitten in Ostpreußen stellte Schmidt gar einen Segelflugweltrekord von 36/4 Stunden auf. Gerade i'm Segelflug erweist sich der schöne deutsche GrundsatzAlle für einen und einer für olle" und deshalb lasse ich als Führer des deut­schen Luftsportes besonders dem Segelfliegen mein Interesse und meine Förderung angedeihen.

Als alter Soldat der deutschen Fliegerei, der sich zusammen mit Hermann Göring im Weltkrieg mit vielen ritterlichen Gegnern in der Luft herum­geschlagen hat, kann ich offen bekennen, daß bei mir, wie bei allen meinen Kameraden, ein L u f t - krieggeüanke Ablehnung erfährt. Denn ich weiß ebenso wie unser Führer um die Schreck­nisse kriegerischer Auseinandersetzungen, insbeson­dere in der Luft, zu gut Bescheid. Aber der Ge­danke, den Sport im Fliegen vorwärts zu treiben, vielen Jugendlichen die Grundlage für sportliche Betätigung in der Luft zu geben und die ganze Volksgemeinschaft flugfreudig und begeistert zu machen, gibt mir immer wieder den Impuls, an dieser schönen und edlen Aufgabe an führender Stelle zu wirken. Wir wollen Männer heranziehen, die sich der Bedeutung des schönen Himmels, der sich über unserem Vaterland wölbt, bewußt sind, die diesen Himmel beherrschen lernen und be­herrschen.

Ein Volk ohne Raum, aber nichtohneLuft-s raum sind wir und wir wollen und dürfen uns darin friedlich tummeln, getragen von der Opfer­kraft unserer ganzen Volksgemeinschaft. Alljährlich werden wir innerhalb einer Luftfahrtwerbewoche denTag der deutschen Luftfahrt" fest­lich begehen und wir werden bei diesem Anlaß auch Vertreter anderer Nationen gern als Zuschauer be­grüßen, die sich in fairer Denkungsart selbst em Bild von unserer rein luftsportlichen Betätigung machen können. Keine Stadt und kein Dorf tn Deutschland soll es an diesem Tag geben, die nicht der großen Idee, nicht wenigstens eines Teiles un­serer luftsportlichen ^Betätigung teilhaftig werden. Addieren wir dann die ?8-Zahlen aller der teil­nehmenden Luftfahrzeuge, so werden wir den Be­weis erbringen können, daß nicht mehr Pferdestär­ken über dem ganzen Reich die Propeller antrei­ben, als es etwa bei einer Militärflugschau in Paris oder London oder sonftwo der Fall ist.

Uns beseelt, was uns niemand streitig machen kann, echter L u f t s p o r t g e i st , und käme die­ses auch nur in Hunderten oder Tausenden von Segelflugzeugen ohne auch nur eine Pferdestärke zum Ausdruck. Was wir ererbt von unseren welt­bekannten Pionieren der Luftfahrt, wollen wir weiterhin erobern, um es zu besitzen.

Gesundheit und Berufswahl.

Von Or. med. Hans Hoske, beratendem Arzt beim Jugendamt der Deutschen Arbeitsfront.

Mit Ostern rückt auch der Zeitpunkt wieder heran, daß ein neuer Jahrgang in die kaufmännische Lehre und in die Reihen der Berufstätigen eintritt. Viele Eltern und ihre Söhne sind damit vor die schicksals­schwere Frage gestellt, ob der neue Bewerber sich auch wirklich für diesen Beruf eignet. Im allge­meinen werden diese Eignungen lediglich von der psychotechnischen Seite her betrachtet, ob also neben genügender Allgemeinbildung eine schnelle Auffassungsgabe, gute Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit vorhanden sind. Der kör­perliche Zu st and wird dabei ganz vernach­lässigt, höchstens wird einmal starke Kurzsichtigkeit als Hinderungsgrund angesehen. Man glaubt viel­fach sogar ernstlich, daß der Schwächliche sich gut für d i e Bürotätigkeiteigne" zumindest, daß dieser Zustand für ihn kein Nachteil sei.

Diese Auffassung gründet sich auf einen leider sehr weit verbreiteten Irrtum über die berufliche Leistung und Beanspruchung des Kaufmanns im modernen Bürobetrieb und feine Rückwirkung auf den Menschen, besonders im jugendlichen Alter. Im allgemeinen erwartet man berufliche Schädigungen immer nur dort, wo offensichtliche Gefahren subjektiver ober objektiver Art vorliegen, wie dies durch erhöhte Unfallgefahr oder durch die Arbeit mit gesundheitsschädlichen Stoffen gegeben ist. Bei anderen Berufen ist man sich der Gesundheitsgefähr­dung nicht bewußt, weil die schädlichen Ursachen nicht augenscheinlich sind. Das hat auch dazu geführt, daß bei den gewerbehygienischen Untersuchungen der Kaufmannsberuf bisher nur sehr wenig berücksich­tigt worden ist. Der Berliner Berufsschularzt Hoppe, sah, daß die Lehrlinge des kaufmännischen Berufes im Verlaufe ihrer Lehrzeit in ihrem all­gemeinen Gesundheitszustand sogar hinter die Gruppe der ungelernten Arbeiter zurückfielen. Ver­antwortlich hierfür macht er den Mangel an wirksamer körperlicher Tätigkeit in diesem Beruf. Professor Schmidt-Kehl von der Universität Würzburg hat bei einer Gegenüber­stellung von Berufen, die durch ihre Arbeit den Körper beanspruchen oder schonen, gefunden, daß die Jungendlichen, welche denWachstumsreizen" der körperlichen Arbeit ausgesetzt waren, eine günstige Entwicklung aufzuweisen hatten. Nicht nur die körperlich Kräftigen, sondern auch die Schwächlichen piaren durch die körperliche Betätigung in ihrer Entwicklung gefördert worden. Im Gegensatz hierzu standen die Berufe, welche Wachstumsreize vermissen lassen. Sie bewirkten, daß die Jugendlichen im Laufe ihrer Lehrzeit im All­

gemeinzustand zurückblieben ober genauer gesagt: sich nicht in bem notroenbigen Maße weiterentwickel­ten. Die ausreichenbe körperliche Tätigkeit ist für biefe Berufe nicht nur ein bedauerlicher Mangel, fonbern für bie Entwicklungszeit ber Jugendlichen gerabezu ein starkes Hemmnis.

Zu ben gleichen Ergebnissen haben auch bie seit bem Jahre 1928 alljährlich durchgeführten Lehr­lingsuntersuchungen ber Deutschen Ange­stelltenschaft unb ihrer Krankenkasse geführt. Die Ziffer von runb 30 v. H ber Lehrlinge, bie ben Be­anspruchungen bes kaufmännischen Berufes nicht ge­wachsen waren, hat ihre wesentliche Ursache barin, baß sich biesem Berufe zu viel gesunbheit- l i ch Schwache zuwenden, bie ber germürbenben Dauerwirkung biefer Berufsart nicht bie notroenbige Kraft entgegenzufetzen haben, währenb starke Bean­spruchungen ihren Körper zur Anpassung, zur Kräfteentfaltung anregen würben. Wir müssen bes- halb mit Schmibt-Ke'hl bie Ansicht vertreten, baß es für bie künftige gefunbheitliche unb bamit auch berufliche Entwicklung bes Schwächlings günstiger ist, wenn er in einen Beruf mit Körperar­beit kommt als an ben Schreibtisch. Auf biesem Grunbsatz baut sich gerabe auch bie so erfolgreiche Arbeit in ben Jugenbheilstätten auf, bie alle biefe Anschauungen von neuem belegt. Leiber finb viele Eltern von bem Wahn befangen,Hanb"arbeit sei nicht stanbesgemäß. Sie opfern lieber bie Ge- funbheit ihres Kinbes auf bem Altar ihrer eigenen Eitelkeit.

Die Lehrlingsuntersuchungen haben barüber hin­aus aber noch gezeigt, wo bie befonbere Belastung bes mobernen kaufmännischen Betriebes für ben einzelnen liegt. Die Entwicklung ber Technik hat zwar moberne Bürohäuser geschaffen, bie bie not- roenbigen Erforbernisse an Licht, Staubfreiheit unb Belüftung recht gut erfüllen, aber biefer Verbesse­rung ber Hygiene bes Betriebsraumes steht eine erhebliche Verschlechterung in ber A r - b e i t s f o r m gegenüber. Das Maß ber Arbeits­intensität hat sich burch Rationalisierung im Be­trieb burch bie verfchiebenen Büromaschinen, burch bie Kurzschrift, Diktierapparate, Fernsprecher um ein vielfaches gesteigert. Hierzu kommt bie erheblich vergrößerte Spannungsleistung burch anhaltenbe Beanspruchung ber Aufmerksamkeit, bie bauernbe Bereitschaftsleistung, sowie bie gestiegenen Geschwin- bigfeitsanforberungen. Da bei ber Form bes mober­nen Betriebes auch ber Lehrling schon in biefer Weise beansprucht wirb, sein Organismus aber an­drerseits für alle Einwirkungen viel empfänglicher

ist, wird eine erhöhte Belastung sowohl des Kreis­lauf- wie des Nervensystems ohne weiteres ver­ständlich. Hinzu kommt, daß der gesamte Umwelts­einfluß gerade i n d e r S t a d t sich in gleicher Rich­tung außerordentlich ungünstig bemerkbar macht. Die Zahl der Krankheitserscheinungen am Kreislauf­und Nervensystem unter ben Jugenblichen nimmf mit ber Größe ber Stäbte beutlich zu. Sie ist in ben Gegenben mit Jnbustrieanhäufungen besonbers erhöht, währenb bie Klein- unb Mittel- stäbte, bie von gesunbem Laub umgeben finb, günstigere Ziffern aufzuweisen haben.

Dort, wo die Jugenblichen burch Leibes­übungen aller Art für bie im Berufe fehlenben Wachstumsreize selber gesorgt haben, ist der Ge- samtzustanb beutlich günstiger. Alles beutet darauf hin, daß ber kaufmännische Beruf nicht ben geeig­neten Platz für ben Gefunbheitsschwachen barstellt, fonbern baß er im Gegenteil Menschen von ho her Leistungsfähigkeit erforbert, soll ein versönlicher Erfolg erzielt werben. Darum wäre es sehr angebracht, wenn bie Berufsberatung in stärkerem Maße als bisher ben körperlichen Zu ft a n b berücksichtigte. Eine berufliche Auslese- Untersuchung ist abzulehnen. Einmal weil beim kaufmännischen Beruf auch noch bie g e i ft i g e Leistungsfähigkeit berücksichtigt werben muh, zum anbern, weil sehr viele Körperschwäch­linge bei richtiger Anleitung unb Lebensweise sich noch zu vollwertigen Menschen ent­wickeln können. Weit nichtiger wäre es dagegen,

wenn die schulärztlichen Untersuchun. g e n zu Beginn des letzten Schuljahres mit Hinblick auf die Berufsberatung sehr gründlich durchgefuhtt und mit den Eltern Rücksprache genommen würde, damit gerade auf gesundheitlichem Gebiete wie dies in vielen Fällen durchaus durchführbar und erfolgversprechend wäre in dem letzten Jahre vor dem Berufseintritt noch die notwendigen Maß- nahmen durchgeführt werden können.

Die Berufsberatung hat im nationalsozialistischen Staat eine ungleich wichtigere und schwierigere Ausgabe zu erfüllen als früher, wo sie wesentlich eine Steigerung der Produktionsleistung zum Ziele hatte. Wenn mir auch heute den richtigen Mann an ben richtigen Fleck stellen wollen, so steht babei doch ber Mensch im Vorbergrunb ber Betrach, tung. Ihm als bem wichtigsten Träger bes Staates muß mehr Beachtung geschenkt werben als ber Wirtschaft". Diese hat sich im Letzten nach bem Menschen zu richten, nicht daß er sich ihr auch m ben ungünstigen unb schäbigenben Momenten an. passen muß. So hat benn die Berufsberatung vor allen Dingen auch eine gesunbheitsvorsorgerlsche Aufgabe: sie soll bem einzelnen ben Weg zeigen, wie er zur vollen Entwicklung ber in ihm ruhenben guten Erbanlagen kommt. Erst eine solche Tätig­keit, bie bas Mögliche zu erreichen unb in ben Dienst der Allgemeinheit zu stellen sucht, erfüllt den Gehalt des heutigen Staatsgedankens nach der bio- logischen wie nach ber sozialen Seite.

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Unser Schaubilb gibt einen Ueberbiirf über die Summen, die die Reichsregierung zur Ver­fügung stellt, um die Wirtschaft anzukurbeln und zwei Millionen Volksgenossen noch in diesem Jahr in Arbeit und Brot zu bringen.

Abnehmende" vfuno-Millionare.

Aus ben Witzblättern kennen wirJohn Bull" als einen sehr runblichen Herrn, ber ben Rock mit ben großen Golbknöpfen kaum über ber Fülle seines Leibes schließen kann unb, bie unver- meibliche Shagpfeife zwischen ben Zähnen, breit unb auslabenb auf einer Reihe von Gelbsäcken sitzt, auf benen sich an ein- bis zweistellige Zahlen eine mehr ober minber große Reihe ebenso runb- licher unb bickleibiger Nullen anschließen. Jrgenbwie ist mit bem Jnselrnann ber Begriff bes Reichtums verbunben. Je nun, auch Englanb hat feine Hungermärschler, auch in Lonbon gibt

es mehr als bei uns bie berüchtigten Elenbsquar- tiere, unb für ben Besucher ber Stabt ist es kein seltener Anblick, zwischen ben untabeiig gekleibeten Herren bes Westens auf ben Straßen auch in hel­len Scharen bie Elenbsgestalten aus ben Scheunen­vierteln bes Ostens auftauchen zu sehen, Männer unb Frauen in Lumpen, vielleicht noch einen auietschenben Kinberwagen mit brei Räbern hinter sich herziehenb. Unb zwischen biefe beiben entgegen­gesetzten Schichten schiebt sich bann noch eine breite Mittelschicht mit einem Jahreseinkommen von 500

I bis 700 Pfunb, bie sich trotz aller Krisenerscheinun-

Manuskripte - ein gutes Such.

Von Alfred Günther.

In ben Buchläben hängen Plakate mit ber Mahnung:Auch Bücher gehören zum täg­lichen Brot"; Alfred Günther vom Ver­lag PH. Reclam in Leipzia erzählt hier von Begegnungen mit werdenden Büchern und Dichtern.

Ehe das Buch gedruckt werden kann, muß es geschrieben fein. Aber wenn es geschrieben ist, ist es noch lange nicht gedruckt. Die Dichter, die Poli­tiker, die Gelehrten, Die Romanschreiber sind immer an der Arbeit, die Schreibmaschinen klappern, die Stenogramme der Sekretärinnen huschen dahin, die Bogen füllen sich. Unb eines Tages ist alles in schöner Orbnung, unb bas Manuskript geht an ben Verleger. Jetzt tritt ber Lektor in Erscheinung, b. h. er tut es nicht. Er ist ber unsichtbarste Mann ber Literatur, nicht bie kleinste Notiz melbet seinen Namen. Aber er ist ber unsichtbare Herr ber Manu­skripte unb bamit ber Dichter, Politiker, Gelehrten, Romanschreiber. Seine Stimme gilt im Rat ber Literaturgeschichte, fein Urteil verhinbert einen Ruhm, er schließt unb öffnet bie schmale Tür zum Erfolg, er stampft bie großen Namen von morgen aus bem Papier.

Der Lektor ist ber große Unbekannte bes Ver­lags. Er sitzt hinter verschlossenen Türen, bas Zimmer mit Manuskripten angefüllt, Blumen stehen auf ber Fensterbank. Manuskripte in allen Farben und Formaten, täglich nehmen die Stöße ab, täg­lich schwellen bie Stöße an. Der Lektor ist ber fleißigste Leser ber Welt, ber neugierigste, wohl- meinenbfte, erwartungsvollste, kritischste, begeistertste und enttäuschteste, ber einfühlsamste unb hart­herzigste. Der Lektor hat ber erfahrenste Leser zu fein. Er muß alle Bücher lesen, womöglich bevor sie erscheinen. Er muß Einblick in bie Werkstätten ber Autoren von Rang haben, er muh wissen, in welchem Mietshaus, in welchem Dorf bie Unbe­kannten arbeiten, bie Fünfunbzwanzigjährigen. Den Prominenten schreibt er bie reizenbsten Briefe, um ihr neustes Werk in feine Manuskriptstöße zu be- fommen. Den Unbekannten muß er gewissermaßen Zeichen geben, baß sie gerabe ihm ihr erstes Manu- skrip! schicken. Das ist seine Leibenschast, benn er hat nur einen Wunsch, in Herrn M., in Fräulein B. einen neuen Hamsun, eine neue Ina Seibel zu ent­decken. Dafür haßt er alle Dilettanten, alle Schmie­rer, alle Konjunkturliteraten. Er haßt leider auch gute und brave Leute, bie für ihr privates Leben den schriftlichen Niederschlag von Erlebnissen und Gedanken brauchen, die sich für Dichter halten, weil die Jugend in ihnen drängt, weil Liebe unb Leid

sie erfüllt. Alle biefe Nachlyriker unb Auch-Schrift­steller möchte er vor ben gigantischen Bau aller Manuskripte führen, bie in einem Jahr burch bie Hänbe ber Lektoren gehen. Unb er möchte sanft barauf hinbeuten, baß nicht jeber Pensionär ober jebe unbefriebigte Frau bas Recht hat, ihre Tage­bücher, ihre Erinnerungen gebrückt zu sehen.

Die Briefe biefer Leute beantwortet er mit schonenber Freunblichkeit, bie Liebes-, Mutter- unb Führergebichte biefer Begeisterten gibt er mit ge­winnender Liebenswürdigkeit zurück. Aber wenn es nach ihm ginge.. Nein, der Lektor darf sich Haß unb Zorn nicht leisten.

Wollen Sie seine tägliche Post kennen lernen? Herr A. melbet, daß sein neües Werk fertig ist, ben unb ben Stoff behanbelt, 300 Manuskriptseiten umfaßt unb noch in biefem Jahr erscheinen muß. Fräulein B. wagt es immer noch einmal, ein neues Werk anzubieten, obwohl sie bisher noch nicht bie Freube einer Annahme hatte. (Dem Lektor kommt es vor, als ob er allein in ber Welt gegen ein Heer von Autoren ftünbe.) Herr C. Berichtet von einem neuen Werk unb schilbert beweglich feine Not unb Verzweifluna, er setzt bie letzten Hoffnungen seines Lebens auf dieses Werk unb seinen Erfolg. Unb ber Lektor empfängt biele Manuskripte. Diese orbentlichen, fehlerfrei mit ber Maschine geschriebe­nen, anstänbig gehefteten. Er öffnet abgegriffene Aktenbeckel mit schon zerknitterten bünnen Blättern, bie ben fünften Durchschlag barstellen. Kein Mensch hat biefe Abschrift je burchgesehen, man spürt bie Hast, mit ber bas Manuskript burch bie Maschine gejagt würbe, enblose Schreibfehler, Seiten nicht einmal numeriert. Unb hier sinb Kolleghefte, benen ein Autor feinen Roman anvertraut hat, oier- hunbert Seiten, eng unb sparsam mit ber Hanb geschrieben, Seite für Seite, in einer Hanbschrift, bie eine Qual für ben Leser bebeutet. Die beutsche Literatur ist schon im Manuskript sehr vielseitig unb bas Werk zeigt auch da schon seinen Charakter.

Auf ben unansehnlichsten Blättern kann ein genialischer Geist, im saubersten Manuskript sich ein Nichts manifestieren. Unb ber Lektor muß es fühlen. Dffenbarenbe unb verräterische erste Seite des Manuskripts! Banalität ist ebenso unverkenn­bar wie Genialität. Aber welche Abstufungen ba= zwischen! Das bohrende Mühen des Ungereiften muß erkannt werden, das geschickte Nachbilden bes Routiniers. Ein blitzenber Stil kann Nichtigkeiten überglänzen, eine sprobe Sprache glückliches Er­lebnis verstecken. Wieviel Mißverhältnis auch bei ben ernsthaften Werken! Ein prachtvoller Stoff ist gefunben, eine wahrhaft originelle Gestalt, ein brennenbes Problem ist aufgegriffen, unb eine un­geschickte Hanb, eine schwache Gestaltungskraft, ein unfähiger Kops verbirbt alles roieber. Viele können prächtig entwerfen, bas erste Kapitel bat Schwung

unb Feuer, aber bann stockt alles, ber Autor wirb immer im Kreis geführt, ein schönes Bilb ist ba unb keine Bewegung.

Unb nun bie enblose Reihe ber Autoren, bie nicht gerabe abschreiben, aber bie auf die abhängigste Weise einem andern Buch folgen, das Erfolg hatte oder sie anregte. Wir sind schon im trägen Gewässer derer, die nicht berufen sind und Schriftstellerei nur als Broterwerb betreiben.

Niemand kennt die Tage und Nächte der un­endlichen Lektüre Nicht nur die Autoren, nicht nur ihre Namen geistern um den einsamen Leser. Tausende gehen gespenstisch mit ihm durch die Straßen, sitzen an seinem Tisch, gehen mit ihm schlafen. Die Figuren der Kriminalromane, die Gestalten der Dichtungen. Die wahrhaft lebendigen und die furchtbar mißgestalteten, die unfertigen, die vergehen wie Rauch oder welken wie Blumen ohne Wasser. Kennt jemand die Träume eines Lektors?

Und wer kennt die finsteren und gefährlichen Dialoge zwischen dem bleichen Lektor und dem ge­röteten ProkLwisten, wenn der Entdecker eines Talents, eines Genies, gegen die Kassenbelege der nackten Tatsachen kämpft? Wer weiß von den atemlosen letzten Verhandlungen zwischen Entdecker und Entdecktem, wer kennt die Qualen der letzten Manuskript-Sorrekturen? Und wer die erledigende Bewegung, mit der der Lektor das fertige Buch in fein Regal stellt, um ein neues Manuskript zu öffnen?

Irrt sich der Lektor nicht? Welche Frage! Selbst wenn alle guten Eigenschaften des Literaturkenners, bes Kritikers, bes künstlerisch empfänglichen Men­schen ooausgesetzt werben kann einer tagein, tagaus ben wachen Sinn, bie frische Einbrucks- fäijigfeit, bie oerftänbige Einfühlungsgabe bereit haben? Wohl ihm, wenn er ein Prophet ist, wehe ihm, wenn er ein Provhet ist! Der Lektor ist ber unbekannte Mann ber Literatur, ein guter Arbeiter ober ein mittelmäßiger, aber einer, ber feinen Be­ruf liebt, ihn als Dienst empfinbet, als Dienst am Buch.

Dom Iestungsvau der Cherusker.

Von ber Kultur der Cherusker hatte man bisher trotz eifriger Forschungen im Gegensatz zu der an­derer germanischer Stämme, die in ber Zeit um Christi Geburt in die Geschichte eintraten, noch wenig Kenntnis. Erst durch Ausgrabungen im letz­ten Jahr haben wir bie Kulturhinterlassenschaften bieses damals bedeutendsten Stammes kennen­gelernt. Man konnte nachweisen, daß die Che­rusker ihre Toten nicht, wie sonst üblich, in Urnen bestatteten, sondern in Brandgrubengräbern, d. h

in halbkugelförmigen Gruben von etwa einem Meter Durchmesser unb einem halben Meter Tiefe. Besonders ertragreiche Siedlungsfunde machten uns mit der Wohnweise der Cherusker in kleinen Blockhäusern bekannt, unb Ausgrabungen bie Prof. Jacob-Friesen auf dem Gehrdener Burgberg bei Hannover vornahm, und über die er in der ZeitschriftGeistige Arbeit" berichtet, eröffneten tiefe Einblicke in ihre hochentwickelte Festungsbau. kunst. Die auf der höchsten Kuppe des Berges an­gebrachte Wehranlage, in der die Grabungen statt- fanden, umschließt einen Raum von etwa einem Hek« tar. Während Holzkonstruktionen in einer Wall­mauer, nach denen man suchte, nicht mehr zu er­kennen waren, ließen sich zwei Tore der Anlage feststellen. An der Stelle dieser Tore war der vor dem Wall liegende Graben durch eine acht bis zehn Meter breite Felsbarre unterbrochen: Zugbrücken kannte man also damals noch nicht. Auffallend war die Konstruktion des Festungsgrabens alsSpitz­graben", die man bisher als kennzeichnend für Rä­cher und Franken angenommen hatte. Während fie sonst nur in Sand und Erde eingetieft finb, batte man biefe Spitzgräben hier aus bem felsigen Untergrund des Berges herausmeißeln müssen. Die Gehrdener Burg kann, da sie keinerlei Wasser hat, nur eine Fluchtburg gewesen sein, die Siedlungen der Cherusker müssen in der Ebene gelegen haben. Der Fürst wohnte dort wohl in einem vornehmen Gutshof und die sich daneben erhebende Burg wurde nur in Zeiten ber Not von ihm unb den Nächst, bewohnenden bezogen.

6od)fchiilnad>ricbfen.

D. Ernst Joh außen, Dozent für Mission und Prunitivreligion in Afrika in der Theologischen Fakultät der Universität Marburg, ist tm 70. Lebensjahre gestorben.

Der ao. Professor Dr. Werner Jensen in der Medizinischen Fakultät ber Universität Berlin ist Zum orbentlichen Professor in berfelben Fakultät ernannt worben.

Dr. Walther Meißner, Privatbozent für Physik an ber Universität Berlin, hat einen Ruf auf ben Lehrstuhl ber technischen Physik an ber Technischen Hochschule München angenommen.

Die ao. Professoren an ber Technischen Hoch­schule in München, Dr. Karl L. Sachs unb Dr. Kurt Trautwein, würben auf Grunb bes § 6 des Berufsbeamtengesetzes in den dauernden Ruhestand versetzt.

Dr. Ernst G r ü n t h a l, Privatdozent für Psycho- logie und Neurologie an ber Universität Würz, bürg, ist auf Grunb bes § 3 bes Gesetzes zur Wieberherstellung bes Berufsbeamtentums aus dem bayerischen Staatsdienst entlassen worden.