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Der filzige Hühnerthorir. Eine alte nordgermanische Bauerngeschichte.

Von Dr. Ioh. Hoffmann.

Der Winter wurde je länger desto härter, und bei manchem der Bauern schaute die Not zu allen Ecken heraus. Es war im März, da kamen zwei Pächter zu Blundketil; sie waren noch am leidlichsten gestellt in Geldsachen, und doch war ihnen jetzt das Heu aus- gegangen und sie baten um Hilfe. Der Bauer ant­wortete, er habe nichts vorrätig, und noch mehr von seinem Vieh wolle er nicht schlachten. Sie fragten nach, ob er vielleicht Leute wisse, die Heu zum Ver­kauf hätten. Er sagte, es fielen ihm keine ein. Sie drangen in ihn und sagten, ihr Vieh würde sterben, wenn sie bei ihm nicht Hilfe fänden. Er meinte, das sei ihre eigene Schuld:Uebrigens hat man mir be­richtet, der Hühnerthorir habe wohl Heu zu ver­kaufen." Sie erwiderten:Don ihm bekommen wir nichts, außer wenn du mit uns gehst; dann wird er gleich verkaufen, wenn du Bürgschaft für uns über­nimmst." Er antwortete:Das kann ich tun und mit euch gehen, es ist nur billig, daß die verkaufen, die Vorrat haben."

Sie machten sich früh am Morgen auf den Weg. Es blies ein Nordwind, ein recht kalter. Bauer Thorir stand aerobe draußen vor dem Hause. Er sah die Leute auf die Hofmauer zureiten, da ging er hinein, schloß die Tür hinter sich und schob den Riegel vor. Er setzte sich zum Frühstück. Jetzt wurde an die Tür geklopft. Der kleine Helgi fing an und sagte:Geh hinaus, Pflegevater! Es werden dich Leute besuchen wollen." Thorir sagte, er wolle zuerst essen. Der Knabe aber lief hinter dem Tisch hervor, ging zur Tür und hieß die draußen freundlich will­kommen. Blundketil fragte, ob Thorir drinnen sei. Er sagte ja.Da sag ihm, er möge herauskommen." Der Knabe tat so und sagte, Blundketil sei draußen gekommen und wolle ihn sprechen. Thorir antwor­tete:Wonach hat Blundketil hier zu schnüffeln? Soll mich wundern, wenn er was Gutes bringt! Ich habe keine Geschäfte mit ihm." Der Knabe ging hin und sagte, Thorir wolle nicht herauskommen.Ach so", sagte Blundketil, dann wollen wir hineingehen.

Sie gingen in die Stube. Man begrüßte sie, nur Thorir schwieg.So liegt die Sache", sagte Blund- ketil,wir möchten Heu bei dir kaufen, Thorir!" Thorir antwortete:Dein Vieh ist mir nicht lieber als meines!" Bludketil sagte:Es macht sich mal so mal so!" Thorir antwortete:Warum hast du reicher Mann Heumangel?" Blundketil sagte:Ich habe nicht eigentlich Heumangel; ich will für meine Pächter kaufen, die hilfsbedürftig sind. Ich möchte

ihnen gern etwas verschaffen, wenn es zu haben wäre."Es wird dir völlig frei und unverwehrt ein, andern das deine zu spenden, aber nicht das meine!" Blundketil antwortete:Ich will es nicht als Geschenk erbitten; laß den Kreisvorsteher Old den Kaufpreis in deinem Namen bestimmen, und oben­drein will ich dir noch Geschenke machen." Thorir sagte, er habe kein Heu zu verkaufen:Und ich will auch keines verkaufen!"

Da ging Blundketil hinaus und feine Begleiter und der Knabe Helgi mit ihnen. Da fing Blundketil an:Wie ift's? H a t dein Pflegevater kein Heu zum Verkauf oder will er nicht verkaufen?" Der Knabe erwiderte:Gewiß hat er, wenn er nur will!" Blundketil sagte:Führ uns einmal zu dem Heu hin." Er tat so. Nun berechnete Blundketil das Futter für Thorirs Vieh, und es wollte ihm schei­nen, auch wenn bis Allding (d. h. Mitte Juni) hin im Stalle gefüttert würde, so würden doch noch fünf Fuder übrig bleiben. Dann gingen sie wieder hinein.

Blundketil sagte:Mir will's so scheinen mit dei­nem Heuvorrat, Thorir, daß ein guter Posten übrig bleiben wird, auch wenn all dein Vieh drinnen ge­füttert wird bis zum Allding, und diesen Rest möcht ich kaufen." Thorir erwiderte:Was soll ich da im nächsten Winter haben, wenn der ebenso wird oder noch schlimmer?" Blundketil antwortete:Ich biete dir an, dir im Sommer Heu zu verschaffen, ebenso viel und genau eben so gutes wie das hier, und es dir ins Haus führen." Thorir antwortete:Wenn euch jetzt das Heu nicht langt, was werdet ihr da im Sommer besser daran sein? Aber ich weiß, du bist so viel mächtiger, daß du mir das Heu wegnehmen kannst, wenn du willst." Blundketil antwortete:So ifts nicht gemeint. Du weißt, Silber deckt alle Schul­den hier zu Land; damit bezahl ich dich." Thorir ant­wortete:3d) begehre dein Silber nicht."So nimm an Ware (d. h. Wollstoff), was der Vorsteher Old dir zu Händen berechnet."Es sind hier wenig Ar­beiter", sagte Thorir,und ich selbst habe keine Lust zum Hin- und Herziehen und will mich mit so etwas nicht abrackern." Blundketil erwiderte:So will ich dir's heimbringen lassen." Thorir sagte^ ,Hch habe nicht Räume dazu, daß man sicher sein könnte, daß es nicht verdorben geht." Blundketil antwortete: Ich will Häute dazu geben und die Ware so ein« schlagen, daß nichts geschieht." Thorir antwortete: Ich will nicht das Getramvel von anderen Leuten in meiner Wohnung haben." Blundketil entgegnete: So soll's den Winter über bei mir sein, und ich roills in Verwahrung haben."Ich kenne dein Schönreden", sagte Thorir,und ich will kein Geschäft mit dir!" Blundketil sagte:Dann um so schlimmer! Wir wer­den nichtsdestoweniger das Heu mitnehmen, magst

du es auch verbieten. Den Wert legen wir an feine Stelle. Wir wollen's uns zu nutze machen, daß wir in der Mehrheit sind." Da schwieg Thorir, und es wurde ihm bös zu Mute. Blundketil ließ Stricke holen und das Heu zusammenbinden, danach luden sie die Lasten auf die Pferde und führten das Heu weg. Aber für Thorirs Vieh hatten sie es reichlich berechnet.

Jetzt ist es zu erzählen, was Thorir anfing. Er machte sich auf den Weg und fein Pflegesohn Helgi mit ihm. Sie ritten nach Breitfarm. Old hieß ihn freundlich willkommen und fragte, was es Neues gäbe.Neueres hab' ich nicht vernommen als den Raub?"Was für ein Raub war das?" sagte Old. Thorir erwiderte:Blundketil hat mir all mein Heu weggenommen, so daß ich jetzt gänzlich entblößt bin. Ich möchte gern deinen Schutz haben. Die Sache geht auch dich an, da du der Vorsteher hier im Kreise bist, du hast das Krumme gerad' zu machen." Old fragte:War es so, Helgi?" Dieser sagte, Thorir entstelle gewaltig. Er beschrieb dann, wie es zuge­gangen war. Old antwortete:Da mische ich nuch nicht ein. Ich hätte es auch so gemacht, wenn ich s nötig hätte." Thorir antwortete:Es ist wahr, wie es im Sprichwort heißt:Der üble Gefährt kommt vom eigenen Herd!" Damit ritt Thorir davon und Helgi mit ihm. Er kam nach Haus und war ge- wattig unzufrieden.

Revolution um einen Brief.

In einem französischen Dörfchen in der Nähe von Saint-Nazaire hat sich in aller Stille eine kleine Re­volution abgespielt. Es handelte sich um einen Brief; der Streit um diesen Brief hat die Bewohner des Dörfchens in zwei Parteien gespalten. Adressiert war das Schreiben an die Familie Coquard. Aber Co- quards gibt es in dem Dorf mehr als einen. Im Verhältnis waren die Coquards in jenem Dorf ungefähr so zahlreich, wie die Lehmanns in Berlin. Kann ein Briefträger vielleicht einen Brief richtig zustellen, der die Aufschrift trägt: An die Familie Lehmann in Berlin? Na also! Auch jener franzö­sische Landbriefträger mit seinem Brief war rat- und hilflos. Er wollte erst den Brief öffnen, um vielleicht aus dem Inhalt auf den Empfänger schließen zu können. Aber das wäre eine schwere Ueberfdjreitung seiner Amtsbefugnisse gewesen. Er entschloß sich zu einer politischen Behandlung der Angelegenheit und berief alle Coquards des Dörf­chens zu einem Kongreß zusammen, damit die Co­quards sich selbst über den Brief einigen könnten. Hätte er geahnt, daß die Sippe der Coquards heftig verfeindet ist, dann hätte er auf dieses Parlamente

Sonnenlicht, bas «ns nach dem Dämmer dieses großzügigen Mausoleums entgegenleuchtet den sanft abfallenden Hügel hinunterblickt auf die fast unendlich scheinende Reihe der weißen Kreuze, die auf den Einzelgräbern von 9000 französischen Ge­fallenen stehen.

Die deutschen Soldatenfriedhöfe sind von ganz anderer Art. Prunk und Heroentum in der äußeren Aufmachung fehlt hier überall. Für sie ist keine Schablone benutzt worden, sondern sie sind obwohl uns der Platz nicht wie den alliier­ten Freunden gefd)entt oder verkauft, sondern uns je nach den örtlichen Verhältnissen zur Verfügung gestellt oder leihweise kraft Friedensvertrag über­laste» wurde mit liebevollem Blick in die Land­schaft y'meingelegt und zum mindesten durch Be­pflanzung ihr so angepaßt worden, daß die Ver­bundenheit der Grabstätten und derer, die in ihnen liegen, mit dem heiß umkämpften Boden symbo­lisch verwirklicht worden ist. Hier haben sich überall deutsche Menschen in den tiefen Sinn eines Weges vom Leben zum Tode, den diese Hunderttausende im Bewußtsein ihrer Pflichten gegen die Volks­gemeinschaft gegangen sind, hineingedacht, und aus ihrer Beschäftigung mit dieser Idee ist eine Ge­staltung unserer Soldatengräber entstanden, die unser deutsches Empfinden auf fremde Erde ver­pflanzte und den Besucher für Augenblicke oer- geffen läßt, daß die Heimat weit ist. Die schwarzen weißbeschrifteten Holzkreuze, die die deutschen Grä­ber schon aus der Ferne kennzeichnen und nach und nach durch Schieferkreuze ersetzt werden sollen,

haben nichts Niederdrückendes und Dufteres, son­dern geben im Verein mit einer sehr verschiedenen, aber stets stimmungsvollen Bepflanzung dem Ort den Charakter einer ernsten, aber doch erhebenden Weihestätte, wie sie unser deutsches Gemüt liebt. Es ist erstaunlich zu sehen, in welchen verschiedenen, nie ermüdenden Formen dieser Ausdruck gefunden wird, den wir am besten vielleicht in den Versen wiedergeben, die eins der überall aufgestellten, stets prunklosen Grabdenkmäler trägt:

Wir liegen zusammen in Reih' und Glied, Wir standen zusammen im Leben;

Drum gleiches Kreuz und gleicher Schmuck Ward uns aufs Grob gegeben.

Nun ruhen wir aus vom heißen Streit Und harren getrost der Ewigkeit.

Der aus diesen Zeilen sprechende Gedanke der Kameradschaft im Leben und im Tode ist als Grundidee aller Friedhofsanlagen anzusehen. Ihm entspricht auch das gleichmäßig bepflanzte, hügel­lose Grabfeld, das dem Begriff des Kameradschafts­friedhofs erschütternden Ausdruck verleiht. Unter diesem Gesichtspunkt soll jeder Besucher diese Grä­ber betrachten, und er wird gewiß zu dem Schluß kommen, daß derVolksbund Deutsche Kriegs­gräberfürsorge", die ihm zur Verfügung stehenden bescheidenen Mittel im richtigen Sinne verwendet, und daß er als berufener Verwalter der Spenden anzusehen ist, die Einzelpersonen, Organisationen usw. der Kriegsgräberfürsorge in der Erkenntnis zuführen, daß hier Geben die Erfüllung einer selbst­verständlichen Dankespflicht an die Toten ist.

Vom Vosponis zum Syrischen Golf.

Von unserem A.S.-Sonderberichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Mersin (Golf von Alexandrette), Febr. 1934.

Istanbul,Mittelpunkt des Islam", Stadt des großen Konstantin und des sagenhaften Byzas, ihres Gründers, dieHerrliche" und dieEr­habene", wie sie die Araber nannten, diese Metro­pole am vielleicht schönsten Hafen der Welt, läßt ihre Pracht nur ganz erkennen, wenn man sie aus der Ferne betrachtet. Im Häusermeer Kon­stantinopels selbst sieht man nur allzu schnell die Fältchen und Runzeln im Antlitz der einst so ver­wöhnten Schönen, die heute vor Ankara, dem Lieblingskind des großen Kemal, etwas stark ver­nachlässigt wird. Die neue Hauptstadt im Herzen Anatoliens hat Istanbul seines politischen Rangeß enthoben, im ehrwürdigen Gebäude der Hohen Pforte, wo vor noch nicht allzu langer Zeit Ge­schichte gemacht wurde wenn auch nicht von den Türken selbst haust ein simpler Statthalter, und der griechische Piräus reißt allmählich den Handel und Schiffsverkehr an sich, der früher über das Goldene Horn gegangen war. Aber unvergäng­lich ist die Pracht und Schönheit der Kuppeln und Minaretts auf den Hügeln Konstantinopels und die wehmütig schöne, unwirkliche, märchenhafte Bucht am Eingang des Bosporus mit ihren orientalischen Fürstenschlossern, an deren Grundmauern sich die Wasser zweier Meere vermählen.

Ein Lokaldampfer, einer deutschen Werft ent­stammend, führt in kurzer Fahrt zum asiatischen Ufer, und einer der letzten Eindrücke, den man von Europa mitnimmt, ist das Denkma l Kemal Paschas an der Spitze der Landzunge, auf der der alte Suttanpalast steht. Die Kolossalstatue zeigt den Führer der jungen Türken, wie er, stolz und entschlossen, hinüberblickt nach Anatolien, dem Zukunftsland.

Und es ist wahrlich nichtsAsiatisches", das einen da in Haidar Pascha, der Kopfstation der Bagdad-Bahn, empfängt: Ein moderner, gro- ßer Bahnhof, ungleich schöner als sein europäischer Bruder am anderen Ufer, prächtige Landhäuser, große Gärten, gutgepflegte Oemüfeplantagen, Weinfelder und Aecker. Ein Bild, das sich nicht ändert, solange der Zug am Golfe von Jsmid ent­langfährt, zwischen Olivenbäumen, Platanen und Zypressen. Don Bursa grüßt der bithynische Olymp herüber, und mitten im Golf der Kranz der Prin­zeninseln, wo jetzt mit aller Kraft gearbeitet wird, um im Frühjahr mit einer Ba defaison größten Stils zu beginnen. Man hofft auf einen großen

Zustrom von Fremden und von Devisen, denn nicht nur ein Krieg kostet Geld, fdnbern auch ein friedliches Aufbauwerk.

Im Innern des Golfes begegnet man einigen Kriegsschiffen. Die türkische Flotte hat sich wegen der zwischenstaatlichen Bestimmungen aus dem Goldenen Horn hierher zurückgezogen, wenn es sich auch nur um einen taktischen und nicht um einen militärischen Rückzug handelt. Diesen Be­griff kennt die junge Türkei nicht. Ihre Losung ist Vormarsch auf allen Gebieten.

Anatolien beginnt erst, wenn die Stadt Jsmid hinter einem liegt. Die subtropische Pflanzenwelt ist jäh verschwunden. Noch einmal unterbricht der See von Sebandscha die einförmliche Landschaft, aber dann hat das Auge mir noch an den Windungen des schmaler und schmaler werdenden Sakaria- Flusses einen Ruhepunkt, jenes Gewässers, mit dessen Namen der türkische Befreiungskrieg aufs engste verknüpft ist. Der Busch nimmt einen auf, höher und höher geht's in dieBergwelt Kleinasiens, und bald zeigt sich zu beiden Seiten des Schienen­stranges der erste Schnee.

Die Nacht ist längst herabgefunken, wenn die erste größere Stadt Eskifchehir, erreicht ist. Ihr Name ist heute ein Begriff geworden. Die ge­samte Republik blickte vor wenigen Wochen mit Stolz auf diesen Knotenpunkt, an dem der Schie­ne nstrong vom Gleise der Bagdad-Bahn nach der Hauptstadt Ankara abzweigt. In Eskifchehir wurde eine Zuckerfabrik eröffnet, erste Etappe des türki­schen Fünfjahresplans, der die heimische Industrie auf eine bisher nicht geahnte Höhe bringen soll.

Selbstversorgung, lautet der wirtschaftliche Schlacht­ruf der Türken. Die Erreichung des Zieles ist aber in noch weite Ferne gerückt, und den eigentlichen Grund erkennt man erst, wenn man weit von Eskifchehir entfernt am nächsten Morgen vor und hinter der Stadt K o n i a, am Rande der Salz- fteppe, die weite, die endlose Einöde betrachtet, in der zwei Dinge fehlen: Wasser und Menschen!

Stunden über Stunden vergehen, ohne daß das Auge durch irgendeine Aeußeruna von Leben in der Wüste erfreut würde. Svärlich die Stationen, an denen nicht, wie sonst in Anatolien, fast die ge­samte Einwohnerschaft des betreffenden Ortes her- beieilt, um Brot, Obst, Eier oder gar ganze ge­bratene Hühner dem Reisenden anzubieten. Die Leute sind hier selber ftoh, wenn sie etwas haben, und nur eine halbwilde Hundeart kommt bettelnd an die Wagenfenster, unter denen dann um jeden

Bissen Brot ein wütender Kampf der erwachten Bestie losbricht.

Der salzige Boden frißt jeben Tropfen des feuch­ten Elements in sich hinein. Hier harrt em Be­wässerungsproblem größten Stils ferner Losung. Einer Lösung, bie übrigens gefunben werben wirb, ba in Ankara ein fester Wille vorhanben ist. Dann aber kann Anatolien auch in feinen ärmsten Teilen ein Türkenvolk beherbergen, bas bas Vielfache dessen barstellt, was jetzt hinter ben Grenzposten in Kleinasien, Syrien unb Europa bie turamsche Zunge spricht. ,

Die Sonne neigt sich abermals bem Untergang entgegen, wenn bie ersten Vorberge bes Taurus erreicht finb, unb es roieber in ben Winter hinein­geht, in kühnen Serpentinen, immer höher unb >öher, bis in bie Wolken hinein. Unb bann, wenn bereits ber schwarze Erbschatten mit ben letzten Stunben bes Tagesgestirns kämpft, wirb bie Wasserscheibe überschritten, geht es vom Paß hin­unter durch zahllose Tunnels, an beren seitlichen Oeffnungen man Tausenbe von Meter hinab zu blicken vermag. Das ist ber technische Höhepunkt bes Meisterwerkes ber Bagdad-Bahn, von beutschen

Hirnen ersonnen, von deutschen Händen geformt...

Unb wenn schon der Abenbstern mit strahlender Helle über ben schneebebeckten Gipfeln leuchtet, wenn bereits von ben Minaretts bie elektrischen Glühbirnen das Ende des Ramadans künden, rast der Zug durch eine andere Natur. Die syrische Ebene ist erreicht, bie geographisch auch diesen Raum um ben Golf von Alexanbrette unb Merstne umfaßt zahlreich bie Sieblungen, unzählige Bache stürzen zu Tal, an deren Ufern noch im Januar bie Platanen grünen. Nach eineinhalb Tagen grüßt man bie Zypresse roieber, unb in der spärlichen Beleuchtung ber Bahnhöfe erkennt man Palmen unb Drangen ... . ,

Ein kurzer Halt dicht vor der Baumwollstadt 21 b an a. Man wechselte ben Zug, ber nun weiter ins französische Manbatsgebiet Syrien rollt, und in weniger als zwei Stunben ist ber Hafen M er - fine erreicht, in besten Bucht bie Schiffe aus allen Mittelmeerlänbern vor Anker liegen. Ueberall aber, ob am Golf von Jsmib ober unter ben Pal­men jenseits bes Taurus, fanben wir 21 r bett, Vertrauen unb Zuversicht, drei unsicht­bare Sterne im Banner der Türkei Kemal Paschas.

Geschichten aus aller Welt.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Der gespenstige Radioapparat.

i. Chicago.

Hier ist unlängst ein Geschichtchen passiert, das wie aus einem Kriminalroman anmutet und bei dem Hauptbeteiligten einen furchtbaren Schrecken her- oorgerufen hat. Ein Einbrecher hatte einen Radio­apparat gestohlen, was an sich durchaus nichts Un­gewöhnliches ist, unb er wollte bie Diebesbeute nun verschärfen". Also ging er in ein Geschäft unb bot ben Apparat alsGelegenheit" an. Da ber Kauf­mann nicht bie Katze im Sack kaufen wollte, prüfte er natürlich zunächst ben Apparat unb stellte ihn richtig ein. Im gleichen Augenblick begann ber Ap­parat zu sprechen unb beschrieb sich selbst ganz ge­nau in allen Einzelheiten unb warnte vor feinem Ankauf. Eine Polizeistation gab nämlich im selben Moment einen Rabiobericht über ben Einbruchs- diebstahl. ben ber im Laben stehenbe Mann ver­übt hatte. Ueber diese gespenstige Rache war ber Einbrecher berart entsetzt, baß er sich wiberstanbs- los festnehmen ließ.

Frechheit siegt!

D. San Franzisko.

Die Hausglocke ging. Freb Bernsen fuhr auf unb eilte zur Tür. Es war ber Postbote gewesen. Hastig griff Freb nach bem umfangreichen Stoß Briefe. Seine Blicke überflogen bie Zeilen.Weg damit!" einen leisen Fluch zwischen ben Lippen wirft er bas zerknitterte Papier von sich. Der nächste Brief ... Aber es ist immer bas gleiche.Wir bebauern außerorbentlich ..." bas ist ber Anfang, bann ein paar höfliche Phrasen oh, Freb kennt bas nun schon seit zwei unb einem halben Jahre. Man könnte verzweifeln. In Freb steigen bunfle Ge­bauten auf. Aber nein, ba ist bas Mädel, bie Mary Du mußt burchhalten" hat sie zu ihm gesagt, irgenbroann bietet sich auch Dir bie Gelegenheit, bie große Chance; an Dir liegt es, sie zu ergreifen unb auszunützen!" Unb auf biefe Gelegenheit war­tet er nun Tage, Monate, Jahre ... Da fällt sein Blick auf bie Morgenzeitung, bie er achtlos beiseite geschoben hatte.Arbeitsmarkt" ein Gesuch neben bem anberen, unb nirgenbs boch halt ein einziges Angebot.Junger Mann ... intelligent ... eigene Initiative ..." Fabelhaft! Aber wo ist bie Annonce aufgegeben? San Fran­zisko? Unb er sitzt in St. Louis aus ist ber Traum. Bis feine Bewerbung ihr Ziel erreicht, werben Hunberte ihm zuvorgekommen fein. Da kommt ihm ein Gebaute. In fliegenber Haft stürzt er zum Telegrapheubüro, füllt er bas Formular aus:Au Firma . . Sau Franzisko ... Stellung angenommen! ... eintreffe morgen ... Kosten für Telegramm bitte abzieheu vom ersten Gehalt ... Freb Bernsen." Zwei Stunben später stampfen unter seinen Füßen bie Räber bes Zuges, unb knappe vierunbzwauzig Stunben danach steht er vor bem Direktor ber Firma. Zwei ruhige Augen sehen ihn prüfenb an, unb eine Hanb

streckt sich ihm entgegenDarf ich bitten, Sir, hier ist ber Austellungsvertrag es fehlt bloß noch Ihre Unterschrift ...'

Ein Mann erregt Aufsehen.

(u) Paris.

Der schnurrige Louis Dechoullieres war in ben ganzen 70 Jahren feines Erbenwalleus ein braver unb pünktlicher Steuerzahler gewesen. Aber in bie- fern Jahre fiel es ihm auf einmal sehr schwer. 300 Frauken stauben auf ber Steuerrechuuug, bie er mit bem besten Willen nicht zusammeubriugen konnte.

Steueraufschub ober ähnliche Daseinserleichterun- geu, wie sie heute in Kutturläuberu üblich siub, kennt man in Frankreich nicht. So kam es, baß ber Steuereiuzieher schließlich in einer so kleinen Stabt wie Maintenon, wo sich bie Sache zutrug, keine unbekannte Persönlichkeit Tag für Tag bei Louis reklamierte. Er hielt ihn auf ber Straße an, im Geschäft, im Cafö unb mahnte an die 300 Frauken.

Schließlich würbe es Louis boch zu bunt. Er ging nach Hause, zog feinen Sountagsauzug an und roanberte auf bas Steueramt.Hören Sie mal", sagte er sehr ruhig zu bem Kassierer,ich habe kein Gelb. 2lber sie bebrohen mich unb wollen nicht mehr länger warten. Gut, ich werbe Ihnen hier genug an Dingen hinterlassen, um bie Steuersumme zu decken." Damit begann er feinen Rock auszuzie- hen, feine Weste, feine Hofe bis er schließlich im Abamskostüm vor bem sprachlosen Beamten staub. Unb bann waubeite er in biefem Aufzuge nach Hause. Die Kleiber hat bie Steuerbehörde auf alle Fälle beschlagnahmen lassen, bie Polizei unter­suchte ben Fall unb ber Regierung hat man einen ausführlichen Bericht geschickt. Vielleicht wirb nun boch in Frankreich ein kleiner Steueraufschub für jene gebulbet, bie wirklich nicht zahlen können, ba- mit nicht noch mehr Louis' sich im Steueramt bis auf bas Allerletzte entfleiben. Man stelle sich vor, ber Fall könnte Schule machen in Frankreich ...

Käse aus Cypern.

A. S. ß o n b o n.

Es gibt eine Menge von schönen Dingen auf ber Insel Cypern im östlichen Mittelmeer, bie heute eine britische Kolonie ist unb seit ben Tagen bes britten ägyptischen Thotmes, ber hier als erster Er­oberer auftrat, burch bie Hcmbe fast aller Völker ge­gangen ist, bie bie Küsten ber antiken See bewohn­ten unb bewohnen. Nicht zuletzt siub es bie Schätze bes klassischen Altertums, an benen Cypern so reich ist. Sie zieren erst zu einem kleinen Teil bie Säle ber Museen, während noch eine Unmenge von Herr­lichkeiten, die ben Neib jebes Sammlers unb bas Entzücken bes Forschers zu erregen geeignet finb, in ber cyperischeu Erde schlummern unb bes Ent- berfers harren.

Kein Wuuber also, daß viele hier ihr Glück ver­suchen wollen unb mit bem Spaten in ber Hand ben Spuren ber ionischen Kunst unb Keramik uach-

rische Hilfsmittel verzichtet. Denn feber von ben Coquarbs verlangte nun ben Brief für sich. Der Brief tarn aus Nantes unb alle Coquarbs be­haupteten einen Brief aus Nantes zu erwarten. Dieser einen Brief von ber Taute, jener einen vom Dukel, usw. DerKongreß" nahm leibeuschaftliche Formen an, laute unb lange Reben würben gehal­ten, bann steigerte sich ber Streit zur Schimvfkano- nabe, schließlich flogen Stühle burch bie Luft. Das Faustrecht würbe proklamiert, jeber versuchte, bem Briefträger ben Brief mit Gewalt zu entreißen unb für sich tu Besitz zu nehmen. Der Briefträger aber steckte ben Brief in bie innere Tasche feines Uni- formrocfes unb gab ihn bann mit ruhigem Gewis­sen als unbestellbar zurück. Leiber war auch einiges Blut aus Munb unb Nase geflossen, unb so mußten einige ber Beteiligten zu Gefängnisstrafen verur­teilt werben.

3eiffd>riffen.

Der Deutsche Stubeut." Wilh. Gottl. Korn Verlag Breslau. Einzelheft 0,60 Mark. Das Februarheft wirb eingeleitet burch einen Aufsatz bes Reichsführers ber DSt. unb bes NSDStB. über bie Aufgaben ber Stubeuteuschaft im Jahre 1934, über ben neuen Aufbau ber Kameradschafts- unb Wohnheime, über bie organisatorische Erfassung aller Studierender burch biefe Heime unb burch bie SA., über bie Trennung ber Aufgaben zwischen studentischen Verbanb unb SA. Es folgen bie ge­nauen Richtlinien für Kamerabschafts- unb Wohn­heime. Ferner einige beachtliche Aufsätze über die Stellung bes Stubenten zurHochschulreform", zwi­schen Wissenschaft unb Wirklichkeit. Aufsätze, bie in ihrem Stoff über bas rein Stubentische hinausgrei- fen, finb überschrieben:Krisis ber Vokabulatur", Durch Lanbbienst unb Sieblung zu neuem Bauern­tum" unbDer deutsche Mensch im osteuropäischen Raum".

ßod)fd)ulno(b richten.

Der Göttinger Aegyptologe Prof. Dr. Kees hat einen Rus auf bas Ordinariat für Aegypto- loaie an der Universität Leipzig erhalten.

Professor Dr. H. H. Rebel in Göttingen erhielt einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für Zahnheilkunde an der Universität Freiburg im Breisgau.

Der Ordinarius für deutsche Rechtsgeschichte und bürgerliches Handelsrecht an ber Universität Halle, Professor Dr. G. Kisch, rft auf Grunb bes § 3 bes Berufsbeamtengesetzes in den Ruhestanb ver­setzt worden.