M. 20 Zweites Blatt
GletzenerAnzelger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, 24. Zanuar M4
Aus der Provinzialhaupistadi
Reichsregierung aus' einer Sonderbeschäftigung roe«
die
aus. Behördliche Personenstandsregister über Ge-
schen Reiche erst seit dem Personenstandsgesetz 00m
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Ein großer Teil davon ist leider in den Wirren des
Die nationalsozialistische Fraktion des Gießener
klaren Zügen schreibt er auf das vor ihm liegende j die Urkunde. Leides sieht es damit weithin, dürftig Blatt weißen Papieres, welches er bei Brechung ! T/.,"--'.’.!,- 7*----- - ----- -
der Linien eigenhändig zur Seite schiebt, die Worte: | burt. Heirat (Zivilehe!) und Tod gibt es im Deut- ,Hoch lebe die Kaiserstadt an der (Spree!1 Das \ scheu Reiche erst seit dem Personenstandsgesetz vom Staunen des Publikums erhöhte sich noch beim i 6. Februar 1875 (Bürgerliches Gesetzbuch). Alle Anblick des dritten Androiden, einer zarten Jung-1 früheren Urkunden find in Kirchenbüchern zu suchen.
von den entzückten Besuchern."
Wir ersehen daraus, daß die Technik schon vor einem halben Jahrhundert in der Lage war, Maschinenmenschen zu bauen, die durch ein kompliziertes Räderwerk belebt wurden.
müssen Sie Ihre Urgroßmutter fragen, vielleicht .... h
kann sie sich noch daran erinnern. Der Hörstock, den ma)iet manche unserer Großeltern auf ihre Spaziergänge '7''” Mitnahmen, schien auf den ersten Blick ein ganz gewöhnlicher Spazierstock zu sein. Er unterschied sich von einem solchen nur dadurch, daß der obere! Teil, die Partie des Griffes, zugleich einen Schall- j fänger bildete, von dem durch ein Leitungs- und Ansatzrohr die gesammelten und verstärkten Schall- \ wellen dem Ohre zugeführt wurden. Dies geschah,! indem man den Stock mit der einen Hand ans Ohr
Unzählige familiengeschichtliche Anfragen aus allen Bevölkerungskreisen konnten auf Grund dieses Materials die ländlichen Pfarrämter in den letzten Monaten beantworten. Es. hat sich dabei gezeigt, daß das Wissen um die Sippengeschichte über die volksbiologische Bedeutung hinaus von Wert ist, weil dadurch die oft gelockerten Beziehungen zu Familie, Heimat und Heimatkirche gefestigt und vertieft werden. Gegenüber den Vorschlägen, die Kirchenbücher zu ihrer Sicherung und Auswertung in Archiven zu sammeln, wurde angeregt, lediglich photographische Wiedergaben der Bücher in einem zentralen Archiv zusammenzutragen, so daß die Originale an ihrem Heimatorte belassen werden
tragenden Hand mit dem Inhalt nicht in Berührung kommen konnte. Auf den zweiten Rand legte man mit Vorliebe Speisereste, Grünzeug, Gewürz, klei- nere Knochen, Obstkerne u. ä. Es gab auch eine automatische Serviergabel, die so konstruiert war, daß man von einer herumgereichten Schüssel ein Stück Fleisch ohne verzwicktes Jonglieren auf den eigenen Teller befördern konnte. Die Gabel war äußerst kompliziert und enthielt sogar eine kleine Spiralfeder.
Die meisten dieser Erfindungen wären für unsere modernen Begriffe im Gebrauch viel zu umständlich und zeitraubend. Wir können höchstens mit einer gewissen Wehmut unserer Großväter gedenken, die noch genügend Muße hatten, sich mit derart geringfügigen Problemen zu befassen.
angestellt worden. Dabei hat sich herausgestellt, daß die Pfarrarchive in zahlreichen Gemeinden bis in das 16. Jahrhundert zurückgehen, wenngleich in den meisten Fällen erst aus der Zeit nach dem 30jähri- gen Kriege Aufzeichnungen erhalten sind.
Zamilienforschung und Kirche.
Die Familienforschung ist auf Grund der bevöl- kerungs- und rassenpolitischen Maßnahmen der
Oer hustende Gtraßenbahnschaffner. Es ist noch nicht allzu lange her, daß
können. Dieser Auffassung hat sich auch der Reichsminister angeschlossen. Zugleich bestimmt ein Erlaß des Ministers, daß alle Urkunden dieser Art unter Schriftdenkmalschutz gestellt werden.
Gauleiter Sprenger bei der Gießener Wachkompanie in Berlin.
GPA. Anläßlich feiner vorgestrigen Anwesenheit in Berlin folgte (Bauleiter Sprenger der Einladung der Wachkompanie, die zur Zeit von der 2. Kompanie der Gießener Garnison I. - R. 15 unter Führung des Hauptmanns Schiel gestellt wird. An diesem ungezwungenen Kameradschaftsabend kam die Verbundenheit zwischen Reichsheer und Bewegung in bester Weise zum Ausdruck. Der Gauleiter betonte in seiner kurzen Ansprache, wie sehr er sich freue, als alter Soldat wieder ein-
MdemHörstolkinderHand...
Wenn Sie wissen wollen, was ein Hörst 0 ck ist,
unter Soldaten zu sein.
1 O=pfennig»$eilftrecfen auf der Straßenbahn.
Zunächst ein Versuch auf drei Monate.
Viele Erfindungen, die mit dem Alltag unserer Gegenwart unzertrennlich verschmolzen sind, waren vor fünfzig Jahren erst im Anmarsch begriffen. Man zerbrach sich damals über Dinge den Kopf, die wir heute als eine selbstverständliche Bequemlichkeit hin- nehmen. Die meisten praktischen Erfindungen, die vor fünf Jahrzehnten gemacht wurden, find fang- und klanglos verschwunden und nur wenige davon sind heute in allgemeinem Gebrauch. Was in jenen Zeiten als sensationelle Neuerung bestaunt wurde, entbehrt für unseren heutigen Standpunkt nicht eines gewissen Humors.
hielt und das Leitungsrohr unmittelbar an die Deffnung des Gehörganges brachte. Wenn man das Leitungsrohr wieder unter den Griff drehte, so hatte man einen bequemen Spazierstock, der fast ebenso aussah wie irgendein anderer.
Was dem einen sein Hörstock, war dem anderen sein Hörsöcher. Der Hör facher war damals das Neueste für schwerhörige Damen. Er bestand aus einem schwarzseidenen Fächer, in dem das eigentliche Hörrohr so geschickt verborgen war, daß man ohne nähere Betrachtung nur den Fächer und nicht das Hörrohr sah.
Oer Kopchatter
und der pra tische Teller.
Was würden Sie dazu sagen, wenn in einem gut besuchten Restaurant plötzlich ein Mann erschiene, der sich einen „Kopfhalter" mitbrächte? Der Ober würde zweifellos ein verblüfftes Gesicht machen, wenn dieser Herr plötzlich zwei riesige U-förmig gestaltete Klammern über die Lehne
Oer Gegenangriff!
Ein Heer von „Soldaten" ist aufmarschiert, um den Kampf gegen die Not der Armen im kalten Winter aufzunehmen. Eine Armee von Soldaten, die nicht im geringsten kriegerisch ausgerüstet ist, sondern unter den grauen „Generalmänteln" mit den roten Kragen und den forschen grauen, rot- bändigen Soldatenmühen stecken wahre Glücks» männer, deren Waffen einzig und allein braune vielverheißende ßosbriefe sind, die sie auf allen Straßen und Plätzen zum Verkauf anbieten. Sie halten treue Wacht, daß jeder Deutsche sein Scherflein zum Winterhilfswerk mit dem Kauf eines 50-Pfennig-Loses beitrage und damit den Gegenangriff im winterlichen Rin-
gravitätisch in Positur setzt und, nachdem er die sind hier kirchlich oder behördlich beglaubigte Ur» von der Rechten geführte Gänsefeder in bas am künden Gewiß find andere Quellen, Erwähnungen Ende feines Schreibtisches eingefügte Tintenfaß ein-. in zeitgeschichtlichen Werken, Hausinschriften, Grabgetaucht und alsdann vorsorglich ausgespritzt hat, * mäler u. a. von beträchtlichem Wert für die For- zu schreiben beginnt. Mit ebenfalls langsamen und schung. Aber die Standfestigkeit gibt immer nur
Straßenbahnwagen nicht von der unsichtbaren Kraft getrieben wurden, die wir Elektrizität nennen. Gewiß erinnern sich noch viele an die gemütlichen und etwas langatmigen Fahrten mit der Pferdebahn, da es oft zu allerhand humorvollen Zwischenfällen kam. Aber auch Unglücksfälle waren damals nicht selten. Während der Schaffner von heute feinen Wagen in kürzester Zeit zum Stehen bringen kann, war dies vor fünfzig Jahren eine recht umständliche Sache. Bremse und Signalglocke waren getrennt voneinander angebracht. Eine Hand hielt die Zügel, die andere schwang die Peitsche. Wenn plötzlich eine unvorhergesehene Gefahr herannahte, bediente sich der Pferdeschaffner einer unförmigen A l a r m p f e i f e. Eine deutsche Zeitung vorn 30. August 1884 schreibt darüber: „Die Alarmpfeife, die der Kutscher nach Anordnung der sächsischen und einiger anderer Behörden beständig im Munde halten soll, ist nicht nur für denselben unbequem, sondern auch höchst unsicher, denn der geringste Reiz zum Husten oder Niesen zwingt ihn, die Pfeife aus dem Munde zu nehmen. Man muß gestehen, daß viel Kaltblütigkeit dazu gehört, im Moment der Gefahr die Pfeife außer Bremse und Zügel zu gebrauchen."
Die französischen Pfevdebahnschaffner behalfen sich mit einem anderen Mittel. Da trat der Kutscher einfach auf einen Blasebalg und brachte so ohrenzerreißende Töne hervor. Bei Frostwetter wurde der Blasebalg allerdings leicht undicht, so daß der Apparat im entscheidenden Moment manchmal versagte. Damals zerbrach sich ein Mann aus dem berüchtigten Berliner Norden namens R i e d e l den Kopf darüber, wie man eine praktische und weithin hörbare Alarmglocke erfinden könnte. Schließlich konstruierte er eine Alarmvorrichtung, die den Kutscher instand setzte, mit der Peitsche in der Hand gleichzeitig zu läuten und zu bremsen, ohne die Zügel aus der Hand zu geben. „Außerdem ist durch die neue Alarmglocke der Uebelstand vermieden, daß das Anschlägen der Glocke unmittelbar neben den Ohren der Passagiere erfolgt, was nervöse Menschen äußerst unangenehm berührt." So wird die Erfindung Riedels in einer alten Zeitung gepriesen. Oer Schlager der Sarson — ein Maschinenmensch.
Wir haben gerade in den letzten Monaten wieder viel von den amerikanischen Maschinenmenschen vernommen. Besonders in schaurigen Filmen ist diese Erfindung, eine Ausgeburt überhitzter Jngenieurhirne, mit Vorliebe verwendet worden. Eine „Spitzenleistung" auf diesem Gebiet war der unheimliche Riesenaffe in dem Film „King Kong". Wer annimmt, daß die redende Maschine erst in unserer Zeit erfunden wurde, wird sich wundern, zu hören, daß es in Berlin schon vor fünfzig
Jahren künstliche Menschen gegeben hat. Sie waren damals der ausgesprochene Schlager der Saison, das Tagesgespräch und die Stammtischunterhaltung. Man sprach von nichts anderem als von den „Androiden", wie die Berliner Maschinenmenschen genannt wurden. Im ersten Stockwerk eines Hauses in der Friedrichstraße waren drei künstliche Menschen zu sehen, von denen der eine schreiben, der andere zeichnen und der dritte Klavier spielen konnte. Ein Journalist, der den „Androiden" einen Besuch abstattete, schildert sie wie folgt: „Nunmehr fefct der Impresario einige Schrauben und Hebel an, ein Druck mit dem Schlüssel — und der Android Nr. 1
„Saisonschlager" vor siinfzigZahren
Merkwürdige Erfindungen von anno dazumal.
Don Theodor Biegler.
seines Sitzes streifen würde. Die Kellner würden dem Geschäftsführer wahrscheinlich einen unauffälligen Wink geben... Und doch waren die Menschen, die vor fünfzig Jahren solch einen transportablen „Kopfhalter" mit sich trugen, durchaus normal. Sie wollten sich das Leben möglichst bequem machen. Wer von uns hätte Zeit, einen komplizierten Kopfhalter mit eingelegtem Ruhepolster umständlich zu befestigen?
Verständlicher ist uns schon die Erfindung des „Speisetellers mit benutzbarem Rand". Dieser Teller hatte außer dem gewöhnlichen Rand noch einen zweiten, der unter dem ersten angesetzt war und ein beträchtliches Stück darüber hinaus- ragte. Das müssen schöne Zeiten gewesen sein! Der Teller war so beschaffen, daß der Daumen der
bewegt sich. Prüfend wendet er das Köpfchen zur Seite, dann setzt er den Bleistift an und entwirft mit langsamen, aber sicheren Strichen das Profilporträt König Georgs III. und feiner Gemahlin Charlotte von England auf ein Blättchen, das vor. ,~..p------o
ihm ausgebreitet ist. Noch staunen wir beim An- | niger Liebhaber zu einem Anliegen des ganzen blick dieser scharfen und ruhigen Konturen, als schon Volkes geworden. Familienforschung braucht aber der andere .künstliche Mensch1, Android Nr. 2 sich ' feste Unterlagen. Der Grundstein und das Gerüst
frau, die einem Klavier mit gewandten Fingern w „
melodiöse Weisen entlockte. Nach dem Schluß des 30jährigen Krieges verbrannt oder sonstwie Der» Konzerts verabschiedete sie sich mit einer graziösen loren gegangen. In Westdeutschland sind kirchliche Verbeugung und einem schelmischen Augenaufschlag j Urkunden auch in den folgenden Jahrhunderten in von den entzückten Besuchern." den Wirren der Frgnzoseneinfälle und -Herrschaft
vernichtet worden. Diese Tatsache tritt gerade jetzt immer wieder unliebsam in Erinnerung, wo jeder -----
Beamte seine arische Herkunft urkundlich nachweifen Stadtrats hat den dankenswerten Beschluß gefaßt, muß und dabei aus dem nun einmal erwachten zunächst versuchsweise ab 1. Februar für die Dauer Interesse an der Erforschung seiner Familie diese von drei Monaten auf der Straßenbahn Teil- auch weiter zurückverfolgen möchte als behördlich strecken zu schaffen, bei denen bas Fahrgeld sich gefordert wird, dabei aber häufig genug auf einen auf 10 Pf. pro Perlon belaufen wird. Der Fahrpreis ' leeren Raum stößt, weil die Urkunden eben ver- für die g e s a m t e Streckenlänge fall mit 20 Pf. pro j Person beibehalten werden. Die Bestimmung über Der hohe Wert der alten Kirchenbücher für die Abgrenzung der Teilstrecken im einzelnen steht Volks-, Familien- und Heimatkunde hat also durch zur Zeit noch nicht endgültig fest. Durch die Ein» die Forderungen des Berufsbeamtengesetzes eine richtung der Teilstrecken hofft man eine erhöhte Jn- neue Würdigung erfahren. Die Bücher find eine , anspruchnahme der Straßenbahn zu erreichen und der wichtigsten, oft die einzige Quelle für die Fa- dadurch die in der jüngsten Rede des Fraktwns- milienforfchunq. Die Kirchenbehörden haben schon führers Hahn im Stadtratsplenum wegen des eit langem der Pflege der kirchlichen Dokumente . großen Umfangs des Fehlbetrags als wahrscheinlich ihre Sorgfalt zugewandt. So ist für den Bereich anqekündigte Stillegung der ßimj? durch die Bahn- der altpreußischen Landeskirche im Jahre 1923 auf, Hofstraße vermeiden zu können. Hoffentlich machen Grund von Fragebogen, die von allen Pfarrämtern 1 unsere Mitbürger nun von der erheblich verbilligten auszufüllen waren, eine genaue Ermittlung über Straßenbahnfahrt recht umfangreichen Gebrauch, haben Bestand an Kirchenbüchern und Pfarrakten mit die berechtigten Erwartungen der natlonalsozia- - "■ • - ' ■ ' - ' ' r‘ < liftifcfjen Stadtratsfraktion erfüllt werden und der
gestalt ihr großzügiger Entschluß die verdiente Würdigung durch die Bürgerschaft erfährt.
Gießener Gtaöttheater
Ar^el Avers: „Bob macht sich gesund!"
Der Schauspieler Axel Soers, der sich im Programmheft bereits vorgestellt und auch einiges über fein Stück gesagt hat, geht von einer Situation aus, bie ebenso pikant wie peinlich genannt werden darf. Während der Chirurg Professor Berger seine Berliner Wohnung zum Besuch eines Aerztekongresses für vierzehn Tage verlassen hat, empfängt feine Frau Gemahlin den Besuch eines befreundeten Rechtsanwaltes, der die Gelegenheit, die ihm übrigens nicht unfreundlich angeboten wird, alsbald stürmisch auszunutzen beginnt.
sein kann.
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Einige oberflächliche Störungen der Gemütlichkeit werden leicht beseitigt: dagegen erwachst eine unvorhergesehene und plötzliche Verstimmung aus dem äußerst formlosen Eindringen eines jungen Mannes, der, angeblich von heftigen schmerzen geplagt, den gänzlich fassungslosen Anwalt als den vermeintlichen Herrn des Hauses um ärztlichen Beistand angeht. *
Da niemand geistesgegenwärtig die peinliche Lage w klären weiß, bleibt dem verstörten Liebhaber nichts anderes übrig, als den späten Gast zu untersuchen und dann verzweifelt zu einer Operation zu f(breiten Ehe er noch mit laienhaften Händen dem ungelegenen Patienten den Bauch aufjckmeiden kann klingelt das Telephon (das m Lustspielen nnrh npnphrHeber ist als im Leben) und der Herr Professor meldet, ebenfalls gänzlich überraschend für alle Beteiligten seine Rückkehr an.
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W obwohl di- nerfdjiebenen 3n <,3.en .n all r Elle meggeräumt worden fmb entgeh es Bem g schulten Blick des heimkehrenden nicht daß m er ner Abwesenheit mehr oorgesallen ist. als l»m neo
legenheit in die andere stürzt, mit hanebüchenen Anspielungen auf die fatale Begegnung am Abend zuvor zur Verzweiflung zu bringen. Das geht so lange, bis die Dame des Hauses der ohnehin fragwürdigen Geselligkeit mit einem höchst radikalen Geständnis' ein Ende bereitet, was einen überaus effektvollen Abschluß ergibt
Da dieses Geständnis insofern übereilt war, als der zu gestehende Tatbestand durch das heftige Dazwischentreten des jungen Mannes namens Bob vereitelt wurde und also der ganze Konflikt, wenn man es mit dem Autor genau nehmen will, um nichts entstand, so darf es dem Besucher überlassen bleiben, sich selbst davon zu überzeugen, wie die Sache in dem etwas lang geratenen Schlußakt unter Dach und Fach gebracht wird. Auf eine grundsätzliche Bewertung des Falles soll hier, da es sich um ein Lustspiel handelt (das, wie der Autor selbst erklärt, schwankhafter Wirkungen nicht ermangelt) so wenig wie auf einige entbehrliche Bosheiten im Dialog eingegangen werden.
Dagegen ist die schauspielerische Schulung des Verfassers dem Stück mit der Erfindung und Ausgestaltung theatralisch wirksamer Arrangements zugute gekommen. Die Spielleitung — Kurt Lüpke । — hat davon nach Kräften (Bebramf) gemacht und eine flotte, sauber abgerundete Aufführung herausgebracht, die dem Publikum sichtlich viel Vergnügen bereitete. Den Herren Löffler und Keim ist die stilvolle und gepflegte Inneneinrichtung der drei Akte zu danken
Es wurde auch mit Lust und Laune gefmelt. Im Mittelpunkt des darstellerischen Quintetts stand .Herr Nieren Seine Rolle erscheint im. Programmheft zwar etwas farblos als „ein junger Mann", aber man begeht wohl keine Indiskretion, wenn man gleich offen zugibt, daß er mit Vornamen Bob heißt Ihm machte es Vergnügen, ■ diesen temperamentvollen Jungen mit gewinnender ‘ Zudringlichkeit uni) einem unwiderstehlichen Redeschwall auszustatten. Und da er halb alle Trumpfe in Der Hand hielt, hatte er schnell Oberwasser und gewonnenes Spiel.
Minder angenehm hatte es Herr L ü p k e in der - « . r v - — L AAUnllfnn ’n Al I ö HO G VI TI'
Nach diesem Auftakt wird es nicht w,underneh- enehm ^atle e5 Herr Lüpke in Der
men, daß im Zweiten Akt alle v b \ , überrafdjenD auf Den Äopf gefteUten IRolle Des.Sin»
ÄTwwÄTäi Ser eton Daß gehend- entglittene Aktwit-tt de- Auftreten, wieder MVSX Anwaltt der von einer Der-'zu erobern.
Maria Koch, als Frau Des Hauses, steuerte das verfängliche Abenteuer mit Gewandtheit und weiblichem Takt an drohenden Klippen vorbei zum guten Ende. Herr Kühne gab den Professor mit Der weltmännischen Sicherheit und klugen Ruhe des wahren Kavaliers, Fräulein Wieland er das Mädchen Mathilde adrett, schnippisch und mit kicherndem Verständnis für den immerhin ungewöhnlichen Fall
Es war ein freundlicher Erfolg: viel Beifall zum Schluß und schon zuvor bei offener Szene.
hth.
ffiinferfporf in Afrika.
Wir Europäer kennen Afrika im allgemeinen nur als das Land der brütenden Hitze, der Tropenhelme und Der schrecklichsten Durstqualen. Der Winter hat aber Diesmal auch mit Schnee unD Eis seinen Einzug in Den schwarzen ErDteil gehalten und weite Gebiete in eine nordisch anmutende Schneelandschaft verwandelt. Aus dem westlichen Marokko wird berichtet, daß sich dort ein regelrechter Wintersportbetrieb mit Skilauf, Bobsleiah- Rennen und Schlittenfahren entwickelt hat: St. Moritz unter afrikanischem Himmel. In Der Umgebung von Casablanca ist großer Schaben unter Der Frühernte angerichtet worDen. Einige FelDer finD völlig vernichtet. Im Innern sinD Eingeborene unter Den ungewohnten Folgen Des harten Winters gestorben.
Zeitschriften.
— Im Januarheft Der „Z e i t w e n D e" (C. H. Beck, München) schreibt R. Eckstein einen Aufsatz „Vom Sinn Der nationalsozialistischen Revolution". Die nationalsozialistische Revolution bringt eine neue geistige Haltung zum Durchbruch. Nicht mehr Der Mensch unD sine Vernunft ist Der Ausgangspunkt Der geistigen Haltung, sonDern Das Objektive, Das Absolute. In ähnlicher Weise bebanDeln Die nächsten Beiträge des Heftes Die Wirtschaftsverfassung, Die Volksmission, Die SieDlungsfragen, Die Kirchenkrife, Den Werktag usw. Das Wertvolle ist. Daß unser I Denken hier von lebenDigen unD fruchtbaren Gesichtspunkten aus mit Dem neuen Werden im Deutschen Volk vertraut gemacht wirD. Der neue Roman „Die SünDerin", ist von Der bekannten schwe- ! bischen Dichterin HilDur Dixelius unD kann sich an innerer Haltung unD Kraft Der Gestaltung mit ihrer
I berühmten „Sara Alelia" messen.
Oie vorgeschichtliche Steinsäge.
Die Menschen Der Steinzeit haben Felsgesteine wie Granit, Gneiß, Diorit unD anDere Eruptivgesteine als einen wichtigen Werkstoff benutzt, Den sie zur Herstellung von Hämmern, Aexten, Steinkeilen unD vielen anDeren Steingeräten nicht entbehren konnten. Die Beschaffung Des Materials war selbst in felsenlosen Ebenen verhältnismäßig einfach. Denn Die Eiszeit hatte auch Dort genügenD Felsge- ftein (FinDlinge), zurückgelaffen. Die Bearbeitung stieß aber für Die in primitivsten Verhältnissen lebenDen Menschen auf große Schwierigkeiten, Denn granitische Steine lassen sich nicht wie z. B. Der Feuerstein (Flint) spalten, sonDern sie springen mehr oDer minDer unregelmäßig ab. Es erschien also als eine fast unlösbare Ausgabe, aus Dem oorgefunDe- nen Material Die Rohform für eine Streitaxt her- zustellen, wenigstens bei Der Damals üblichen „Schlagtechnik". In Dieser Notlage wirD, wie Pros. W. La Baume in einem interessanten Aussatz in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" mitteilt. Der GeDanke aufgekommen sein, Das Gestein zu zersägen, was Durch zahlreiche FunDe aus Der Steinzeit bewiesen wirD, Die Deutliche Sägeflächen zeigen. In Der jüngeren Steinzeit gab es zwei verschiebens Arten bes Steinsägens. Die eine Art von Steinschnitten besitzt eine horizontale Grundlinie unb ist sicherlich durch Anwenbung eines grabliniq geschnittenen Holzbrettes entstanden, bas, auf bie Kants gestellt, unter heftigem Druck hin unb her gezogen würbe. Der eigentlich arbeitenbe Teil war babet nicht bas Brett, sonDern scharfer SanD, Der in eine Rinne an Der Oberfläche gestreut würbe. Die Damit erzielte Tiefe Des Schnittes war ungefähr V» bis IV2 Zentimeter. Nach Dieser Vorarbeit war es leicht, hie burch bie Sägerinne geteilten Stücke burch einen kräftigen Schlag völlig von einanber zu trennen. Die zweite Sägeart ergab eine kreisförmig gebogene Grunblinie, beren Schnitte in her Mitte am tiefsten sinh unb auf ben Schnittflächen kreisförmig gebogene Rillen, bie von hem beim Sägen benutzten scharfen Quarzsanb herrührten. Derartige Schnitte müssen von einer Säge erzeugt worben sein, bie wie ein Penbel aufgehängt war unb hin unb her gezogen würbe. Nachbildungen biefer Sägeapparate sind mehrfach in Museen ausgestellt worben, ohne baß sie jeboch anscheinenb praktisch erprobt würben. Solche Versuche sinb erst im „Staatlichen Museum für Naturkunbe unb Voraeschichte" in Danzig an- gestellt worben. Deren praktische Ergebnisse her von Professor La Baume gegebenen Schilderung entsprechen.


