Nove gegenüber diesen kehlen VMttkein, die nicht aufhören wollen, ihrer Mission zu dienen, und vielleicht ist auch deshalb nur sein Fauchen so besonders grimmig, Tyrannenart, sich in Verlegenheiten Luft zu machen.
Man soll über das schließliche Absinken dieser botanischen Triarier nicht melancholisch werden. Dazu war beim Massenabfall die richtige Zeit. Man sollte sich vielmehr selbst aufrichten an diesem Unter- gang, der nicht aus müder Resignation geschieht, sondern gewissermaßen mit vollen Segeln vor sich geht. Wo so viel Beharrlichkeit war, da muß schließlich auch wieder ein Frühling sein.
Deshalb eben sollte man nicht immer nur der letzten Rose, sondern auch einmal dem letzten Blatt em literarisches Denkmal setzen. Gewiß ist es be- merkenswert, von einer verglühenden „Marechal Niel" Abschied nehmen zu müssen, aber auch in der Unschembarkeit verbirgt sich oft ein gut Teil wahrer Größe. Selbst das kümmerlichste Blatt einer Roßkastanie ist aller Ehren wert, wenn es nur um seinen Bestand gestritten hat und nun das letzte ist, das letzte in der langen Reihe frühverzagter Brüder.
H. C. v. M.
Die Beförderung von national verdienten Beamten.
Der Hessische Sbaatsminister macht in einer Bekanntmachung auf die genaue Beachtung der Anordnung über die Beförderung von Beamten, die sich im Kampfe um die nationale Erhebung verdient gemacht haben, aufmerksam. In einer Verfügung des Reichsinnenministers wird angeordnet, daß Beamte, die sich im Kampfe um die nationale Erhebung besonders verdient gemacht haben und die Gewähr bieten, daß sie auch fernerhin vorbildlich und erzieherisch im Sinne der nationalsozialistischen Bewegung wirken werden, nach Maßgabe verfüg- barer geeigneter Stellen außer der Reihe zu befördern sind. Voraussetzung für die Beförderung ist, daß die Beamten nach Lebensalter und ihren dienstlichen Leistungen und Fähigkeiten den Anforderungen des höheren Amts voll entsprechen.
Lebens- und Genußmittel einwandfrei ausstellen!
Von der Polizeidirektion Gießen wird Uns mitgeteilt:
Seit längerer Zeit werden von Inhabern von Lebensmittelgeschäften häufig Lebens- und Genußmittel an Stellen, die dem Publikum allgemein zugänglich sind (Verkaufsräume, Platz vor dem Laden auf der Straße, Ständen auf der Straße usw.) derart aufgestellt, daß sie Verunreinigungen durch Straßenstaub und Ausscheidungen von Menschen und Tieren ausgesetzt sind.
Eine derartige Aufbewahrung von Lebensmitteln, hauptsächlich solchen, die ungekocht oder auch ungewaschen genossen werden und nicht mit Glas oder mit einer sonstigen durchsichtigen, aber undurchlässigen Masse so bedeckt sind, daß eine Verunreinigung ausgeschlossen ist, fällt unter das Verbot des § 3 Absatz 1 des Levensmittelgesetzes vom 5. Juli 1927 und ist nach § 12 desselben Gesetzes strafbar.
Gaarkinder-Tlachmittag in Gießen.
Die Kreisamtsleitung der NS.-Volkswohlfahrt veranstaltet am Dienstag, 27. November, 14 Uhr, im Cafe Leib, einen Saarkinder-Nachmittao, an dem alle Kinder von der Saar teilnehmen sollen, die sich gegenwärtig in Stadt und Kreis Gießen zum Ferienaufenthalt befinden. Der Nachmittag soll ein unterhaltsames Programm bringen, das zu einem großen Teil durch Vorführungen der Hitlerjugend und des VdM. getragen fein soll. An der Veranstaltung sollen nicht nur die Kinder, sondern auch die Pflegeeltern der kleinen Gäste von der Saar teilnehmen.
Aus parteiamtlichenBekanntmachungen
Die Ortsgruppe Gießen-Mitte veranstaltet am kommenden Montag, 26. November, 20.30 Uhr, im Cafe Leib, eine Versammlung, zu der alle
Partes» und Volksgenossen Im Ortsgruppenbereich eingeladen sind. Redner: Sturmhauptführer Ott.
Die NS. - Frauenschaft Gießen-Nord hält am kommenden Montag, 20.30 Uhr, im Caf6 Ebel ihre Monatsversammlung ab, zu der die Liederbücher mitzubringen sind.
Die NS. - Frauenschaft Gießen veranstaltet am nächsten Mittwoch, 20.30 Uhr, im Caf6 Leib eine öffentliche Kundgebung mit der Gaufrauenschaftsleiterin B r i n k h o f f (Frankfurt-M.) als Rednerin. Ferner wirken an dem Abend mit: Frau W e y l, Frau L u l e y und Frl. Zimmer. Zur Deckung der Unkosten werden 20 Pfennig pro Person erhoben.
Deutsche Arbeitsfront,
kreiswattung Gießen.
Jungarbeiterinnen und BD7N.
Freitag, um 20.15 Uhr, findet im Saale der Deutschen Arbeitsfront die Eröffnung der hauswirtschaftlichen Kurse statt.
Das Erscheinen ist Pflicht für alle Teilnehme- rinnen der Koch- und Nähkurse in der Stadt Gießen.
Die Kochkurse fallen an diesem Abend aus. Heil Hitler!
Hahn, stellv. Kroisbetriebszellenobmann.
F.d.R.: Gretel Reich^r^d, Kreisjugendreferentin
Rechtsberatungsstelle Gießen.
Die Sprechstunden der Rechtsberatungsstelle am Montag, 26. November, in N i d d a und B ü d i n - g e n fallen aus und finden statt am Mittwoch, 28. November, und zwar in Nidda von 10 bis 12 Uhr im Rathaus und in Büdingen von 15 bis 17 Uhr im Braunen Haus.
Mitgliedsbeiträge und Fragebogen.
Die Verwaltungsstelle 19 Gießen der DAF. macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß die Beiträge von den Mitgliedern, die bis jetzt noch nicht kassiert wurden, bis zum 27. November im Hause Schanzenstrahe 18 (Kartei) entgegengenommen werden, ferner die Fragebogen ausgefüllt abzugeben sind. Auf die Anzeige sei besonders hingewiesen.
Ein alter Ostafrikakämpfer spricht vor her Schuljugend.
Dem Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft, der nicht nur die Aufgabe hat, deutschen Volksgenossen in Südwest- und Ostafrika im Kampf um ihr Deutschtum beizustehen, sondern auch den Kolonialgedanken in der Heimat zu wecken und zu pflegen, war es — wie man uns berichtet — gelungen, Herrn Oberstleutnant Kraut vor Gießener Schuljugend sprechen zu lassen. Oberstleutnant Kraut, der neun Jahre in Afrika zugebracht fjat und den Krieg restlos miterlebte, sprach in lebendiger Weise zuerst von dem Heldenkampf der Schutztruppe und ihrer treuen Askaris. Die deutsche Schutztruppe in Ostafrika unter Führung Lettow- Vordecks hat insgesamt 2000 Gefechte gegen 300 000 Engländer, Belgier und Portugiesen geliefert, wurde nie besiegt und hat sich trotz überwältigender lieber- macht gehalten. Als nach Abschluß des Waffenstillstandes auch die Schutztruppe ihre Waffen niederlegte, erhielt sie diese wieder zurück, womit die Engländer bezeugten, daß sie den Feind nicht zu besiegen vermocht hatten.
Im zweiten Teil zeigte Oberstleutnant Kraut an Hand eigener farbiger Lichtbilder, die zu den besten gehören, die wir haben, die ostafrikanische Landschaft, ihre Bewohner und deren Sitten, die Schutztruppe im Frieden und Krieg, ferner die Hauptwildarten und die Erzeugnisse des Landes; Kokospalmen, Kaffee-, Tee-, Bananen- und Sifal- pflanzungen zogen im Bild vorüber. Wie es heute in Ostafrika aussieht, konnte man ebenfalls sehen und hören. Sind doch 3000 Deutsche wieder drüben, die sich in rastloser Tätigkeit eine Existenz aufbauen, meist als Pflanzer. Auch Bodenschätze be- itzt Ostafrika, wie Kohlen, Erze, Gold, Diamanten^ Natron. Der Redner schloß mit der festen Hoff
nung, daß uns dieses wertvolle deutsche Land, geweiht durch viele deutsche Heldengräber, einstmals wieder ganz gehören möge.
Vornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Ortsgruppe Gießen-Ost, Zelle 1. 20.30 Uhr, „Germania", Lichtbildervortrag „Der Weg des Hakenkreuzes in der Welt". — Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr, „Alt- Wien". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Schloß Hubertus".— Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Volldampf voraus".
— Stadttheater Gießen: Heute Wieder- holung der Walzeroperette: „Ast Wien" von Josel Lanner. Leitung Paul Wrede, musikalische Leitung Kapellmeister C u j 6. (Siehe gestrige Anzeige.)
— Deutsches Volksbildungswerk in der NS.-Gemeinschaft „Äraft .durch Freude" (Volkshochschule) Samstag, 24. November, beginnt die Volkshochschule ihre diesjährige Winterarbeit mit
Verschafft der deutschen Fugend Heime und unterstützt dadurch den Aufbauwillen der Hitlerjugend!
einer Eröffnungsveranstaltung im Großen Hörsaal der Universität. Die Lehrkräfte werden in kurzen Vorträgen über ihre Arbeitsgebiete sprechen. Musikalische Darbietungen eines kleinen Kammerorchesters (Musiklehrer Joh. N e b e li ng und Schülerinnen der Studienan statt) werden den Abend bereichern. Die Veranstaltung findet bei freiem Eintritt statt. Die Lehrgänge beginnen Montag, 26. November. Näheres in der heutigen Anzeige.
— Weihnachtsausstellung der Künft- l e r. Die Gruppe Gießen der Reichskammer der bildenden Künste (Gau Hessen-Nassau) veranstaltet vom kommenden Samstag ab im Turmhaus am Brand ihre diesjährige Weihnachtsausstellung. Zu der Eröffnungsfeier find die Freunde der bildenden Kunst eingeladen. Die Ausstellung, die als Verkaufsausstellung gedacht ist, wird — wie man uns schreibt — einen interessanten Ueberblick über das rege künstlerische Schaffen in unserer engeren Heimat bieten und dadurch beim Publikum hoffentlich lebhafte Beachtung finden. (Siehe heutige Anzeige.)
— Weihnachts-Vastelkurseim Frö- b e l f e m i n a r. Das Fröbelseminar veranstaltet ab Montag, 26. November, an fünf Abenden Weih- nachts-Bastelkurse für Mütter. Auf die heutige Anzeige fei aufmerksam gemacht.
— Koch- und Backkurfe in der Alice- schule. Um den berufstätigen Frauen Gelegenheit zu geben, ihre Kenntnisse im Kochen und Backen zu erweitern, laufen an der Aliceschule entsprechende Abendkurse. (Siehe heutige Anzeige.)
*
** Das Ergebnis der Eintopfgerichtsammlung in Stadt und Kreis Gießen vom vergangenen Sonntag ist, wie wir auf Anfrage bei der ftreisamtsleitung der NSV. erfahren, sehr gut. Eine genaue Zahl läßt sich allerdings noch nicht mitteilen, da die Ergebnisse aus verschiedenen Ortsgruppen bis heute vormittag noch nicht Vorlagen.
**Die Gefallenen - Gedenkfeier am To t e n f o n n t a g. Die Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine fordert im gestrigen Anzeigenteil zur Teilnahme an der am kommenden Sonntag (Totensonntag) auf dem Neuen Friedhof stattfindenden Gefallenen-Gedenkfeier auf. Im heutigen Anzeigenteil lassen der Artillerieverein und der Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten die gleiche Aufforderung an ihre Mitglieder ergehen. Aus die Anzeigen fei besonders hingewiesen.
** Ernennung in der Heil- und Pflegeanstalt. Ernannt wurde die Schwester Anna Luise Lohmann bei der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Gießen mit Wirkung vom 1. Nov.
1934 unter Berufung In das DeamtenverhäktiiK zur Oberpflegerin bei dieser Anstalt mit der Amts- bezeichnung „Oberschwester".
" Schülper,onallen. Übertragen murle der Lehrerin Katharina Sturm zu Lindenfels Kreis Bensheim, zur Zeit kommisiarisch Qn ^er mV toriaschule in Darmstadt, eine Lehrerstelle an Volksschule in Darmstadt; dem Lehrer fteinrik Groß zu Großen-Linden, Kreis Gießen, eine rerftelle an der Volksschule zu Leihgestern, Kre« Gießen; dem Lehrer Georg Reck zu Holzheim Kreis Gießen, eine Lehrerftelle an der Volksschule zu Großen-Linden, Kreis Gießen, alle drei mit Wir- hing vom 16. November 1934 an; dem Lehrer Al- bert Nies zu Sichenhausen, Kreis Schotten, unter Zurücknahme der Versetzung nach Meiches. Kreis Schotten, eine Lehrerftelle an der Volksschule zu Eichelsachsen, Kreis Schotten, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts. — In den Ruhestand Der- setzt wurden auf Nachfuchen die Lehrerinnen an der Volksschule zu Darmstadt Käthe Leeder unb Else Escher sowie der Lehrer an der Volksschule zu Echzell, im Kreise Büdingen, Georg Schuch; sämtliche unter Anerkennung ihrer dem Staate ge- leisteten Dienste und mit Wirkung vorn 16. November 1934 an.
** Warum mitHandgepäckschleppen? Im Interesse einer glatten Abwicklung des Reise- Verkehrs, sowie zur Verhütung von Unfällen unb um Mitreisende vor Belästigungen zu schützen, hat die Deutsche Reichsbahn ihr Zug- und Bahnhofspersonal angewiesen, auf den Umfang des Handgepäcks der Reisenden zu achten. Da immer noch zu beobachten ist, daß in vielen stark besetzten Schnellzügen das von den Reisenden mitgenommene Handgepäck in den Abteilen nicht untergebracht werden kann und in den Seitengängen verstaut wird, erinnert die Reichsbahn daran, daß nur so viel Handgepäck zur Mitnahme in die Züge zugelassen ist, wie der Reisende über und unter seinem Sitz unterbringen kann. Mitnahme von übermäßigem Handgepäck in die Abeile aus Sparsamkeitsgründen ist schon darum unnötig, weil der Gepäcktarif am 1. Mai d. I. um etwa 30 v. H. gesenkt worden ist.
** Bei der Arbeit verletzt. Der 20jährige Arbeitsmann Heinrich Born mußte gestern mit einer schweren Fußverletzung, die er sich bei der Arbeit zugezogen hatte, von Oer Freiwilligen Sani« tätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chirurgischen Klinik gebracht werden.
** DieAltersvereinigung 1869/1919 hielt am Samstagabend im „Bayerischen Löwen" bei gutem Besuch die Schlußfeier ihres 65. Geburtstages ab. Unter dem Vorsitz des Photographen-Ober- meifters Chr. Zimmer entwickelte sich bald eine gemütliche Tagung, bie durch gehaltvolle Ansprachen der Alterskameraden Pfarrer Müller, Val. 9 r et) und Hch. Stimmer, sowie durch gern e-infame Lieder und humorvolle Vorträge vortrefflich aewürzt waren. Eine Sammlung zum Besten des Winter- hilfswerks erbrachte 22 Mark.
** Altersvereinigung 1885/1935. Am Dienstag fand — wie man uns berichtet — im Gasthaus „Germania" eine Versammlung von. Alterskameraden des Jahrgangs 1885 zwecks Organisation der Altersvereinigung 1885/1935 statt. Als Miteinberufer der Versammlung hieß Alterskamerad Lokomotivführer Heinrich R e y die Versammeltem willkommen. Er wies dabei auf die bisherigem Altersvereinigungen hin und betonte, daß diese kameradschaftlichen Zusammenschlüsse vor allem berufen feien, den Gedanken der Volksgemeinschaft im Sinne unseres Führers Adolf Hitler in die Tat umzufetzen und in das Volk hineinzutragen. Hierauf wurde ein vorläufiger provisorischer Vorland gewählt und gleichzeitig beschlossen, die eigentliche Gründungsversammlung am 8. Dezember im Gasthaus „Hindenburg" abzuhalten. Die Alterskameraden des Jahrgangs 1885 werden jetzt schon auf diese Versammlung hingewiesen mit dem Er- uchen, sich diesen Abend für die Gründungsver- ammlung freizuhalten. Nach gemütlichem Beisam- menfein wurde die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen.
Beim öo, idos (itueifi?
Roman von Klothilde v. Stegmann.
22. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Robby zuckte zusammen. Hätte er nicht für Margaret auch seinen Kopf gewettet? Aber was für ein Unrecht, in diesem Zusammenhang jetzt Margaret neben Edelgard zu stellen.
„Also sehen Sie zu, Herr Schöttner, daß wir der Sache möglichst bald auf den Grund kommen. Spione im Werk, das ist schlimmer als Bankerott."
Er erhob sich. Beide Männer gingen mit ernsten Gesichtern dem Ausgang zu.
„Ach so", sagte Robby, „ich habe uns ja eingesperrt." Und er schloß nacheinander die Tür von seinem und vom Nebenzimmer auf.
Nachdem er den Detektiv hinausbegleitet hatte, beschloß Robby, nach Wannsee zu fahren. Er hatte Sehnsucht nach Edelgard.
Die eigentümliche Frage Schöttners hatte eine leise Unruhe in ihm geschaffen. Er schalt sich deswegen und konnte doch nicht darüber hinwegkommen. Am klügsten, er machte sich sofort auf den Weg. Der Spuk war am besten zu bannen, wenn er Edelgard wiedersah. Er sehnte sich nach ihr, nach ihrer lieben Stimme, ihren klaren Augen.
Und jetzt, während er schon in seinem Wagen Wannsee entgegenfuhr, konnte er bereits über die Frage des Detektivs lachen. Diese Leute hatten eigentlich einen traurigen Beruf. Es gab nichts, was ihnen heilig war.
Er ließ den Wagen an der Ecke stehen und ging die paar Schritte bis zu dem Kavalierhäuschen. Unterwegs überlegte er sich, welchen Grund er für feinen Besuch angeben sollte. Nun, es konnte ja etwas eiliges Geschäftliches sein. Da er überdies die Fertigstellung des Baues oft genug selbst kontrollierte, ließ sich sein Hiersein damit zwanglos erklären.
Jetzt stand er vor dem Kavalierhäuschen.
Er drückte auf die Klingel. Eine alte Dienerin erschien.
„Fräulein von Dönitz zu sprechen?" fragte er. „Melden Sie bitte Direktor Herman! Vielleicht kann ich auch der gnädigen Frau meinen Besuch machen.
„Die gnädige Frau ist nicht zu Hause", sagte die alte Dienerin, „aber das gnädige Fräulein. Wollen Herr Direktor eintreten?"
Robby überlegte einen Augenblick. Es widerstrebte ihm, so ohne weiteres zum ersten Male ins Haus zu kommen, wenn Frau von Dönitz abwesend war.
„Bitte, fragen Sie erst Fräulein von Dönitz! Ich warte hier solange."
Nach einigen Augenblicken erschien die alte Dienerin wieder. Ihr Gesicht zeigte äußerste Bestür- -ung.
„Entschuldigen Sie, Herr Direktor", sagte sie stockend, „das gnädige Fräulein — Fräulein Edelgard, sie ist — ich habe es nicht gewußt — sie muß fortgegangen sein."
Robby fühlte sofort, die Alte log. Edelgard war im Hause.
Aber warum kam sie nicht herunter? Warum ließ sie sich verleugnen? Das Herz wurde ihm plötzlich so schwer. Angst legte sich lähmend auf ihn. Und plötzlich sah er wieder vor sich das Gesicht Schöttners, die Frage in seinen Augen und den Schein des Mißtrauens.
„So?! Fräulein von Dönitz ist nicht hier? — Nun, danke!"
Er grüßte kurz und ging.
* -
Arn nächsten Morgen wurde Robby Herman in seinem Hotelzimmer durch ein scharfes Klingeln geweckt. Er war von der Fahrt hierher und der Unruhe um die geheimnisvolle Farbenphoto-Affäre ziemlich nervös gewesen. Lange hatte er keinen Schlaf finden können, und nun weckte ihn dieses verrückte Telephongeklingel.
Was für ein Idiot unten in der Telephonzentrale hatte denn da falsch verbunden? So etwas konnte auch nur im Hotel passieren. Es war wirklich Zeit, daß man ins eigene Heim kam. Er wollte sich herumdrehen und den Anruf überhaupt nicht beachten. Aber das Telephon schrillte immer weiter.
„Wer ist da?" fragte er ärgerlich, und bann noch einmal: „Wer? Herr Kriminalkommissar Schöttner? Ja was gtbfs denn mitten in der Nacht? Haben Sie schon etwas heraus?"
Statt einer Antwort fragte Schöttner am anderen Ende der Leitung:
„Darf ich vielleicht sofort zu Ihnen kommen, Herr Direktor? Es ist sehr dringend."
„Selbstverständlich! Ich erwarte Sie."
Robby Herman zog sich schnell an. Er bestellte Frühstück auf sein Zimmer. Kaum war er fertig, da wurde auch schon Schöttner gemeldet.
„Also stimmt es doch mit der Spionage? Haben Sie den Kerl?"
Robby Herman schob Schöttner einen Sessel hin und setzte sich ihm gegenüber.
„Sie machen ja so ein komisches Gesicht. Also, wer ist es?"
„Herr Direktor" — Schöttners Stimme klang sehr zögernd —, „die Nachricht, die ich zu bringen habe, ist nicht sehr angenehm; aber es ist doch wichtig für mich, zu wissen: Nehmen Sie an Fräulein von Dönitz ein persönliches Interesse?"
„Warum fragen Sie?"
Statt einer Antwort entnahm der Kriminalkommissar seiner Tasche einen Brief.
„Lesen Sie, bitte!"
Robby Herman las, und seine Augen wurden immer entsetzter.
An Herrn Kriminalkommissar a. D. Schöttner.
Sie brauchen nicht weit zu suchen, wenn Sie den Werkspion bei den Internationalen Farbenfilm- Werken finden wollen. Fragen Sie Fräulein Edelgard von Dönitz: erstens, ob sie nicht zum Zweck der Erlangung von Betriebsgeheimnissen mit den jeweiligen Direktoren des Werks befreundet ist. Bei Herrn Direktor Kutfchner hat es angefangen, und bei Herrn Direktor Herman hört es auf. Jedenfalls ist es auffällig, daß keiner vom anderen weiß. Fräulein von Dönitz versteht es sehr gut, immer den augenblicklichen Verehrer im unklaren darüber ZU lassen, wie sie mit dem vorherigen gestanden bat. Ob sie die Nächte in dem Büro wirklich an der Schreibmaschine gearbeitet hat ober ob sie versucht hat, für ihre Spionagezwecke tätig zu fein, werben Sie ja halb genug herausbekvmmen. Ebenso, wo bie Summen hingekommen sein mögen, bie sie für ihre Dienste von auswärtigen Interessenten erhal- ten hat.
Robby Herman hatte ben Brief zu Enbe gelesen. Sein Gesichtsausbruck war ber eines tief erfchüt- terten Menschen.
Der Kriminalkommissar beobachtete ihn schwei- genb.
„Es tut mir furchtbar leib, Herr Direktor — die Sache scheint Ihnen nahe zu gehen."
Robby stand auf.
"Daß man doch nie aufhört, an Frauen zu glauben."
Er sprach es wie zu sich selbst. Er ging zum Fen- ster, mit dem Rücken zum Zimmer starrte er hinaus — lange, schweigend. Der Kriminalkommissar Schöttner wartete ganz still. Dem Manne dort mußte man Zeit geben. Für den war die Entdeckung von der Untreue dieses Mädchens offenbar zum Schicksal geworden.
Nach einer Weile wandte sich Robby um. Etwas Stahlhartes blitzte in seinen Augen.
„2ch bitte Sie, Herr Kriminalkommissar, vorderhand Ihre weiteren Nachforschungen ganz diskret zu behandeln. Niemand im Hause darf hier etwas erfahren. Fräulein von Dönitz wird ihren Dienst bei mir weiter versehen. Daß sie nur belanglose Schriftstücke in bie Hänbe bekommt, bafür werbe ich sorgen. Bitte, geben Sie uns einen zuverlässigen jüngeren Detektiv in ben Betrieb hinein. Ich werbe ihm eine Stellung verschaffen, in ber er bas übrige Personal unauffällig beobachten kann. Wir müssen ehen, wie weit bie gäben schon gesponnen sind. Ich berichte heute noch in einem Kabel nach Neuyork. Ich mochte die Angelegenheit erst den Behörden übergeben, wenn die Generaldirektion in Neuyork informiert ist."
Schöttner erhob sich.
„Wie Sie wünschen, Herr Direktor. Unb für den Beobachtungsposten bei Ihnen wüßte ich schon je- wanden. Ich habe da den jungen Gaßnow — ein fixer Junge, aus gutem Hause. Der Vater ist Arzt. Der Junge hat eine leidenschaftliche krimi
nalistische Neigung. Er wird es zu etwas bringen. Bis jetzt habe ich ihn in der letzten großen Spieler- Affäre dringehabt. Da hat er mir sehr viel genützt. Dem entgeht so leicht feine Fährte."
„Gut, schicken Sie ihn sobald wie möglich!"
„Wenn ich von hier telephonieren darf? Dam kann er sofort kommen."
Eine halbe Stunde später kam ein schlanker, vergnügt aussehender, blonder Junge von 24 Jahren zu Schöttner und Robby. Schöttner weihte ihn in feine neue Aufgabe ein.
Der intelligent aussehende, frische Junge gefiel Robby sofort.
„Sie können bereits morgen bei uns anfangen, Herr Gaßnow. Verstehen Sie etwas von kaufmännischen Dingen?"
„Ich habe die Handelsschule besucht, korrespondiere in fremden Sprachen: französisch, englisch, spanisch. Auch die slawischen Sprachen beherrsche ich."
„Famos! Herr Direktor Studczynski klagte gerade darüber, daß seine Abteilung überlastet wäre. Der junge Korrespondent Wagner soll zwar sehr tüchtig sein; aber er kann es nicht allein schaffen."
„Na schön, Herr Direktor, bann helfen wir eben. Wir werben bas Kinb schon schaukeln."
*
Am Vormittag bieses Tages begab sich folgenbes: Direktor Robby Herman fanb bas Zimmer Edel- garbs leer. Sie hatte telephoniert, baß sie krank wäre unb nicht kommen könnte.
, Robby lächelte bitter, als er bas horte. Wie sie sich verriet! Gestern hatte sie sich nicht sprechen lassen. Heute war sie krank. Das böse Gewissen ließ sie tausenb Grünbe finben, um ihm nicht zu begeg* nen. Vermutlich war boch schon etwas durchgesickeä unb sie sah sich umstellt.
Um zehn Uhr hatte sich ber Aushilfekorresponbent Gaßnow in ber Abteilung Stubczynski gemeldet. Um zwei Uhr telephonierte Robby Herman, daß man ihm jemand zur Aufnahme eines Diktats für die spanische Filiale schicken mochte.
„Na, können Sie ja gehen", sagte ber Abteilung-' leiter zu Gaßnow. „So können Sie sich gleich Ihre Sporen verdienen."
Gaßnow nahm Stenogramwhest unb Papiere unb ging eilig hinaus. Dor ber Tür stand er einen Augenblick still und dachte nach. Er hatte eine Entdeckung gemacht, die immerhin wichtig war. Als er um die Ecke des Ganges bog, kam ihm sehr rasch ein großgewachsener dunkler Herr entgegen. Peter Gaßnow wäre beinahe gegen ihn angerannt
„Nehmen Sie sich doch in acht!" sagte der Herr mit scharfer Stimme. „Können Sie denn nicht sehen?"
(Fortsetzung folgt!)


