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Sottoffl 24 bis i

ttr. 274 Drittes Blatt

An alle Vereine

im Gan Hessen-Nassau.

Betrifft Weihnachtsfeiern.

Das weihnachtsfest ist ein Jeff der Familie. Ich richte daher an alle Vereine im Gau Hesten-Nastau die Aufforderung, auf öffentliche Weihnachtsfeiern in diesem Jahre zu verzichten und etwa geplante Bescherungen von Vereinsmitgliedern im engsten Kreise vorzunehmen.

Dagegen werden die vereine gebeten, ihre ganze Kraft und Aufmerksamkeit auch in der Weihnachts­zeit dem Winterhilfswerk zuzuwenden.

heil Hitler!

3. 2t.: 2N üller- § cheld

Gaupropagandaleiter und Landesstellenleiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.

Aus der Provinzialhauptstadt. Wilhelm Meigen als Botaniker. Von Universitätsprofesior Or. G Funk, Leiter der Botanischen Abteilung des Zorst- instituts der Universität Gießen.

In der vergangenen Woche haben wir Wilhelm Meigen die letzte Ehre erwiesen. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der wegen seines stets hilfs­bereiten Wesens viele Freunde besaß. Als Professor der Chemie hat er bis vor wenigen Jahren an un­serer Landesuniversität gelehrt, bis ihn ein Harles Geschick ans Krankenlager fesselte. Für ihn, der von Jugend auf von hoher Begeisterung für die freie Natur erfüllt war, der nicht nur Erholung in Wäl­dern und Auen und oben in den Bergen suchte, sondern dabei sich auch eingehenden botanischen Studien widmete, mag das jahrelange Kranksein einen besonders schweren Schicksalsschlag bedeutet haben.

Wilhelm Meigen entstammte einer westfälischen Gelehrtenfamilie, in der die Pflege der Naturfor­schung Tradition war. Sein Großvater Johann Wil­helm Meigen (1764 bis 1845) war einer der bedeu­tendsten Jnsektenforscher. Ihm verdankt die Wissen­schaft eine Reihe mit herrlichen Tafeln ausgestatte- ter Werke, in denen zahllose neue von ihm entdeckte : Jnsektenarten beschrieben und das bunte Reich der 1 Schmetterlinge und Fliegen in ein wohlgeordnetes System gebracht wurde. Auch als Verfasser einer Flora von Deutschland und einer Darstellung des gestirnten Himmels ist er hervorgetreten. Ebenso war auch Meigens Vater als Botaniker und Zoologe tätig; er wirkte als Oberlehrer in Wesel, wo Wil­helm Meigen am 12. Juni 1873 geboren wurde.

1 Später siedelte der Vater nach Freiburg i. Br. über, und nun begann für den jungen Naturforscher eine emsige Tätigkeit nicht nur in dem erwählten Haupt- 'schaffungsgebiet der Chemie, für das sich Wilhelm Meigen 1901 an der Freiburger Universität habili- itierte, sondern zugleich auch auf dem Gebiet der 'Pflanzenkunde. Schwarzwald, Kaiserstuhl und be- i nachbarte Gaue unseres Vaterlandes sind es in »erster Linie gewesen, deren herrliche Pflanzenwelt iihn anzog und die er als feinsinniger Naturfreund i jahraus jahrein durchstreifte. Nach wissenschaftlichen - Grundsätzen hat er sich dabei ein großes Herbarium »usammcngetragen, seine Beobachtungen in genauen : Aufzeichnungen niedergelegt und die schönsten und interessantesten Pflanzen unserer Heimat in ihrer natürlichen Umgebung in treffenden photographi- schenAufnahmen festgehalten. DerBadischeBotanische Verein war der Kreis, in dem er von seinen Exkur - ' sionsergebnissen berichtete und schon früh im Sinne i der Naturschutzbewegung wirkte.

Sein Interesse für Pflanzengeographie führte ihn i mit Eichler, dem Botaniker am Stuttgarter Na- i

Oichterabend in der Aula.

Herbert Böhme liest aus eigenen Werken.

Die NS.-Kulturgemeinde, der Goethe-Bund, die ! Hitlerjugend und die Gießener Studentenschaft hat- iten gestern zu einem Vortragsabend in die Neue Aula eingeladen: der junge nationalsozialistische !Dichter Herbert Böhme, der vor kurzem zum i Führer der Reichsfachschaft deutscher Lyriker beru- |fen wurde, las aus eigenen Werken. Gießener Hit- llerjugend leitete den Abend mit zwei kräftig gesun- igenen Liedern,Wildgänse rauschen durch die Macht" undHerbei, herbei zum Kampf", sowie »einem kurzen markigen Sprechchor würdig ein.

Herbert Böhme ist heute 27 Jahre alt; er Htammt aus Frankfurt an der Oder und hat von Der ostdeutschen Landschaft seiner engeren Heimat Sdie ersten entscheidenden Eindrücke erhalten, die noch wielfach in seinen Gedichten spürbar sind. Als Sech- zzehnjähriger schon schrieb er sein erstes Drama, einen ,Epaminondas", den er mit Schulkameraden in «der Aula aufführte. Wenig später folgte ein Schau­spielUm Brandenburg". Als Student veroffent- lllichte er die ersten Gedichte, von denen das auch ^gestern abend vorgetrageneLangemarck und Morgenrot, Deutschland" schnell bekannt und an Dielen Orten gesprochen wurden. Em Arbeitslager- MomanSommersonnenwende" steht, wie wir Horen, vor der Vollendung; ein DramaVolk bricht □auf" wurde in Böhmes Heimatstadt mit viel Er- iisolg aufgeführt, ein anderes,Sieger von Byzanz , iiift Dom Stadttheater Frankfurt an der Oder zur Mraufführung angenommen worden. Das Schau­spielDie Gassenschänke" und ein HörspielDer -Spion" sind noch nicht im Druck erschienen.

Herbert Böhme darf als ein dichterischer Werkünder des neuen Reiches gelten, der aus den Meihen der jungen Generation heroorgegangen ist: Dalles, was er bisher geschrieben hat, jedenfalls alles, mas wir gestern von ihm zu hören bekamen, wur­zelt in Gesinnung und Gedankengut des neuen Deutschland. Ueberall kehren die Begriffe und Vor- stellungsweisen wieder, die heute die Grundlage Lind die innere Voraussetzung dichterischen Schaffens Lilden.

Er begann mit einer Reihe von Gedichten, die mlle, so verschieden sie sein mögen, aus dem gleichen Wesensbereich hervorgegangen sind. Das bereits isrwähnte, vielfach veröffentlichte GedichtLange­marck" war an den Anfang gestellt; es ist offenbar ganz unter dem Eindruck des für die Nachknegs- generation schon ins Mythische erhobenen Erleb-

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Kommunalpolitische Tagung in Alsfeld.

Abschiedskundgebung für Kreisdilektor Or. Stammler.

Alsfeld, 21. Nov. Arn Montag fand im Deutschen Haus" dahier unter Leitung des Kreis­obmannes der Kreisabteilung Alsfeld im Deutschen Gemeindetag, Bürgermeister Dr. Völsing, eine kommunalpolitische Tagung statt, mit der eine Abschiedskundgebung für den am 1. Nov. dieses Jahres in den Ruhestand getretenen Kreis­direktor des Kreises Alsfeld Dr. Stammler ver­bunden war.

Im geschäftlichen Teil der Tagesordnung hielt der Kreis-Amtsleiter der NSV. für den Kreis Als­feld, Paul Götz, einen Vortrag über

das Winlerhilfswerk 1934/35.

Der Redner führte einleitend aus, wenn man über das Winterhilfswerk der NSV. spreche, so bedeute dies nichts anderes als nationalsozialistisches Wollen und nationalsozialistische Weltanschauung zu ver­künden. Der Führer habe es verstanden, das deutsche Volk für das Winterhilfswerk zu mobilisieren, ein einzig in der Welt dastehendes Werk, um das uns das Ausland beneidet. Wer dieses Werk untergrabe oder aus selbstsüchtigen Beweggründen nicht dafür opfert, habe keinen Anspruch auf den Ehrentitel Volksgenosse. Mit dem Winterhilfswerk solle nicht die Schaffung eines neuen Wohlfahrtsstaates be­zweckt werden; im Dritten Reich soll sich jeder durch ehrliche Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen, so lange dies aber noch nicht möglich sei, müsse das Winterhilfswerk eingreifen. Deshalb der Ruf des Führers an seine Amtswalter und an das Volk, mitzuhelfen, daß niemand zu hungern oder zu frie­ren braucht.

Kreis-Amtsleiter Götz gab anschließend einige nähere Mitteilungen über das bisherige Ergebnis der Spenden zum Winterhilfswerk im Kreise Als­feld. Von Interesse war dabei die Feststellung, daß

im kreise Alsfeld an Kartoffeln 6333 Zentner aufgebracht wurden, wovon 5943 Zentner nach der Stadt Offenbach a. 2TL gingen.

Der Redner sprach sodann über das Saarurlauber- werk im Kreise Alsfeld und stellte fest, daß alle Saardeutsche im Kreise Alsfeld die herzlichste Auf­nahme gefunden haben. Er schloß mit einem Appell zur Opferbereitschaft.

Im weiteren Verlaufe der Tagung überreichte der Vorsitzende im Auftrage des Deutschen Ge­meindetages Ehrenurkunden an verschiedene, bereits 25 Jahre im Amt befindliche Bürger- m ei ft er des Kreises Alsfeld, zugleich mit dem Wunsche für ein noch langes, segensreiches Wirken zum Wohle der ihnen anvertrauten Gemeinden. Nach Erledigung der offiziellen Tagesordnung fand eine

Abschiedskundgebung für den in den Ruhestand getretenen Kreisdirektor Dr. Stammler

statt. Bürgermeister Dr. Völsing gedachte in herzlichen Worten des langjährigen, verdienstvollen und segensreichen Wirkens von Kreisdirektor Dr. Stammler im Kreise Alsfeld. Er habe im Jahre 1917 in schwerer Zeit den Kreis Alsfeld übernom­men, ihn immer mit größter Einfachheit und Spar­

samkeit geführt, und sei allezeit ein Vorbild muster- aültiger Pflichterfüllung gewesen. Als Vertreter der Aufsichtsbehörde gegenüber den Bürgermeistern des Kreises sei er diesen stets ein wohlwollender Be­rater gewesen und überall habe zwischen ihm und den Bürgermeistern das beste Einvernehmen be­standen. Auch als Mensch habe er sich infolge seiner schlichten Einfachheit und Hilfsbereitschaft im Ver­kehr mit seinen Untergebenen allgemeine Hochach­tung und Wertschätzung erworben. Er habe zwar während seiner Tätigkeit in Alsfeld auch bittere Stunden erleben müssen, und zweimal habe die ihm feindlich gesinnte hessische rote Regierung, der er wegen seiner politischen Einstellung unbequem ge­wesen sei, versucht, ihn aus seinem Amte zu ent­fernen. Er möge diese Ereignisse vergessen und dürfe überzeugt fein, daß ihn der ganze Kreis Alsfeld nur mit großem Bedauern scheiden sehe. Als äuße­res Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit über­reichte ihm der Vorsitzende namens der Bürger­meister des Kreises ein würdiges Erinnerungsge­schenk.

Kreisbauernführer Geiß dankte namens des Kreisausschusses dem scheidenden Kreisdirektor für alles, was er während seiner langen Wirksamkeit für diesen getan habe.

Kreisleiter Kirchner wies in seiner Ansprache darauf hin, daß man auf den Kreis Alsfeld immer stolz gewesen sei. Dieser sei allezeit ein Hort des nationalen Widerstandes gegen alle diejenigen Kräfte gewesen, die gegen den Nationalsozialismus aufgetreten seien. Dr. Stammler sei immer ein stiller Bundesgenosse der nationalsozialistischen Be­wegung und mit seinem Herzen immer bei der Partei gewesen, trotz der Schwierigkeiten, die seine Stellung mit sich brachte. Es sei für ihn eine große Genugtuung gewesen, daß er unter der neuen hessi­schen Regierung feinen Einzug wieder in Alsfeld halten konnte.

Regierungsassessor Seibert dankte dem schei­denden Kreisdirektor namens des Kreisamts und der kreisangehörigen Bevölkerung für das vorbild­liche Einvernehmen, das während der 17 Jahre seiner Amtsführung im Kreise Alsfeld zwischen ihm und der Bevölkerung bestanden habe.

Kreisdirektvr Dr. Stammler dankte in be­wegten Worten für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen. Die ihm dargebrachten Dankeskund- gebungen müsse er an den Kreis Alsfeld, seine Be­völkerung und an seine Mitarbeiter zurückgeben. Die einzige Grundlage für ein gedeihliches Zu­sammenarbeiten zwischen Kreisamt und Bürger­meistern sei das Vertrauen. Er dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und wünschte weiter ein gutes Zusammenarbeiten mit dem Kreisamt und der Kreisleitung. Dr. Stammler schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Kreis Alsfeld.

Ein gemütliches Beisammensein der Bürger­meister und der sonstigen Gäste, darunter auch die Beamten und Angestellten des Kreisamts Alsfeld, bildete den würdigen Abschluß der Veranstaltung. Sie wurde belebt durch schöne Unterhaltungsmusik, die von Mitgliedern der Gruppenkapelle des Ar­beitslagers in Alsfeld ausgeführt wurde.

turhistorifchen Museum, und dem Geographen Gradmann in Erlangen zusammen, mit denen er eine gewissenhafte pflanzengeographische Durch­forschung von Württemberg, Baden und Hohenzol- lern in Angriff nahm. Von 1904 bis 1927 arbeitete er an diesem Werk mit, dem für die wichtigsten Pflanzenarten zuverlässige Verbreitungskarten bei­gegeben sind. In der gleichen Zeit schrieb er als Beitrag zu einem größeren landeskundlichen Hand­buch eine übersichtliche Darstellung der Pflanzen­welt Badens (2. Aufl. 1912).

Als er 1921 nach Gießen berufen wurde, hat er auch hier floristischen Fragen sein Interesse zuge­

wandt, und es war erstaunlich, wie er über die Pflanzenwelt Hessens Bescheid wußte. Noch 1929 gab er zusammen mit Professor Spilger (Darm­stadt) in den Berichten der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde eineAufforderung zur pflanzengeographischen Durchforschung Hessens" her­aus, in der wichtige Anregungen enthalten sind.

Hatte er sich somit als Autor auf einem Gebiet der Botanik betätigt, das heute im Rahmen einer allgemeinen Hsimatforschung wieder besonderen Wert erhält, so förderte er auch durch die Tat die­jenigen Institute unserer Landesuniversität, die die­ses Gebiet pflegen. Als 1927 die Botanische Abtei-

nisses entstanden und klingt vierfach in den Kehr­reimewiger Melodie" aus: Deutschland! Auch die Gräber des Krieges" sind aus der gleichen Erleb­nissphäre heroorgegangen; Freiheit und Nation sind die immer wiederkehrenden begrifflichen Grund­pfeiler, um die Gedanke und Gedichtform kreisen. In den Strophen des9. November" schafft Böhme die bedeutungsvolle Verbindung zwischen den Ge­fallenen an der Feldherrnhalle und den Gefallenen vor Verdun, vor Douaumont und amToten Mann". Im GedichtDer Führer" bekennt die junge Generation, der Böhme angehört, ihre Ge­folgschaftstreue, Hingen Trommeln und Fanfaren einer neuen Zeit. ImVolk" faßt er die Verkörpe­rung seiner Nation in der DreiheitWir sind der Bauer, der Denker, der Held", und diesesWir sind" enthält, wie uns scheint, auch noch in einem anderen Sinne das Bekenntnis zu gegenwärtigen , Formen des Denkens und Trachtens und zugleich die Abwendung vom Individualismus von gestern. Aus einer Ahnung des ewigen Reiches der Deut­schen erwuchs das GedichtDer neue Dom", wäh­rend dasSonett an die Kameradschaft" ein zeit­nahes Erlebnis in die alte, längst klassisch gewor­dene Form gießt. Einen andern Akkord schlagen die Verse desLiedes der Bauern" an: hier schreibt er das Danklied des ländlichen Menschen an unfern Herrn und Gott", und in den Worten der Acker unser Heiligtum" kündet sich das Wissen des Dichters um die segenspendenden Kräfte der mütterlichen Scholle. Verwandt klingt das Gedicht An die ostdeutsche Landschaft"; hier ergießt sich Böhmes Heimatgesuhl in eine strenge lyrische Form. ImNachtgebet" für Volk und Vaterland scheinen Erinnerungen an Goethes Weimarer Mondlied nachzuklingen. In derEwigen Mutter" wendet sich das lyrische Empfinden wiederum den großen Inhalten Volk und Gemeinschaft zu, zu denen Böhmes Gestaltungen immer wieder zurückkehren. Morgenrot, Deutschland" endlich heißt der hym­nische Gesang, der vom Glauben an Pflug und Altar getragen wird.

Im zweiten Teil des Abends gab Herbert Böhme eine Probe seines Prosawerkes: er las aus einem NovellenbandeDer Großwendbauer" die GeschichteDie Pfuhlberta". Die Motive zu dieser Dorf- und Bauerngeschichte sind dem Dichter offenbar wiederum aus einem engumgrenzten Um­kreis heimatlicher, ostmärkischer Landschaft zuge­wachsen. Hier wird vom Schicksal eines armen ge­schlagenen Dorfmädchens berichtet, das nach einem frevelhaft heraufbeschworenen, aber in der Phan­tasie spukhaft zugespitzten, mystisch aejteigerten, nächtlichen Erlebnis ein jähes und schmerzloses

Ende findet. Märchenhafte Motive und helle, greif­bare Wirklichkeit im naturhaft umhegten, kleinen Bezirk bäuerlicher Gemeinschaft sind in der ein­dringlich zu Gehör gebrachten Erzählung merk­würdig ineinander verwoben.

Die leider nicht sehr zahlreiche, überwiegend jugendliche Hörerschaft dankte mit herzlichem Beifall.

X

Hamburger Hafen.

Don Hans Leip.

Der verzwickte herrliche Lärm eines Hafens wird nirgends ein so augenhaft, ja mit allen Sinnen oerknüpfbarer runder Begriff wie in Hamburg. Der dröhnende, hämmernde, kreischende Arbeitsgang der Werften, der überraschende Anblick dockender Ozean­riesen, das Wunder der selten gewordenen Schoner, Briggs, Barks und Viermaster, deren Topp bis 60 Meter hoch ragt, die außen und innen so muster­gültigen und modernen Ueberfeer der Hapag und die 'nicht weniger blitzsauberen der Hamburg-Ame- rika-Linie, die der Woermann-, der Ostafrika-, der Slomann-Reederei und wie sie alle heißen, auch die Frachtdampfer des Norddeutschen Lloyd und fast aller deutschen und ausländischen Schiffahrtsgesell­schaften, sie zeigen ihre National- und ihre Kontor- slagge allhier, die großartigen Vermittler von Ein- und Ausfuhr über See, die an den Rampen mäch­tiger Kais, an klug angelegten Piers, zwischen Schuppen, Silos, Krähnen, Leichtern und Schuten loschen oder laden in dem großen Umschlagverkehr vom Seeschiff ins Flußschiff ober in die Eisenbahn und umgekehrt.

Tönende, dunstende, prickelnde Augenweide überall: Das Spiel der schnurrenden, rasselnden Laufkatzen, die unheimlichen Getreidesauger, die aussehen wie urweltlich ungeheuerlich aufgerichtete Insekten, da­zwischen Finkenwärder Fischerewer unter braunen Seils, Schwärme von Gemüsekähnen aus den Elb- dörfern, die den Markt der Stadt beschicken, das Gewühl des Führ- und Bugsierbetriebes, der Bar­kassen und Kleinfahrzeuge, dazwischen weiße Jachten, Ausflugdampfer, Blechmusik, winkende Tücher, über­brüllt von großen und kleinen Bässen, von Sirenen, von hell schmetternden Schleppersignalen, von Pfei­fen, Brummen, Gemecker, Kreischen der Weltschiff- fah'rts- und Hafenstimmen. Mitten im Getöse hin und wieder noch die winzigen Fischerjollen alt- niederelbischer Prägung, deren asiatisch anmutenbes kreisförmiges Wurfnetz wie eine auseinanber- praüenbe Krinoline in ben aufgewühlt giftige, braunglasige Flut fällt.

Sreitag, 25. November 1954

hing des Forstinftituts gegründet wurde, kam er freudig zu Hilfe und gab fein wertvolles Herbarium, große Teile feiner botanischen Bücherei und Hun­derte von Negativen seiner prächtigen Vegetatisns- aufnahmen als Geschenk. Aus letzteren hat das In­stitut viele Diapositive Herstellen können, die gerade dem pflanzengeographischen Unterricht zugute kom­men. Und darum ist es nicht zuletzt die Botanische Abteilung des Forstinstituts, die Wilhelm Meigen als einem ihrer treuesten Förderer stets dankbar bleiben wird.

*

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf bert von Dr. E. W. geschriebenen Nekrolog für Pro­fessor Meigen in Nr. 264 bes Gießener Anzeigers vom 10. November 1934. D. Red.

Ode an die letzten Blätter.

Ihr seid sehr tapfer. Ihr wißt, daß ihr sterben müßt, aber ihr wehrt euch. Auch bas letzte bißchen Leben soll euch abgetrotzt werben, unb ihr lehnt es stolz ab, kampflos unb mübe zur Erbe Heber» zusinken, wie bas sicher einfacher wäre, aber be­stimmt auch weniger mutig. Man möchte sagen, baß ihr fast so etwas wie Charakter habt, aufrecht unb selbstbewußt, Charakter in einem morschen Leib, ber eigentlich schon gestorben ist. Unb so müßte man ben Hut gemessen vor euch ziehen, vor euch kleinen, bürren Fetzen, an benen ber lärmenbe Winb höhnisch herumtobt unb roütenb zerrt:Wollt ihr wohl vom Ast herunter?" Aber ihr wollt nicht.

Gewiß gibt es schone botanische ober physikalische Erklärungen bafür, warum an einem Baum, ber bie Masse feiner Blätter längst unb zwar innerhalb von ein paar Tagen verloren hat, noch Wochen um Wochen ein paar bunte Blättlein hängen bleiben. Diese Erklärungen mögen, wie gesagt, sehr ein- leuchtenb sein. Aber es ist sicherlich befriebigenber, zu benfen, baß biefe kleinen trotzigen Läppchen Mut unb Tapferkeit haben, baß sie brave kleine Solbaten sind, bie auch bann noch unverzagt weiter­kämpfen, wenn sie auf verlorenem Posten stehen unb sich besten sogar klar bewußt finb.

Sie geben sich gewiß große Mühe, mit ihren grausam gelichteten Reihen eine ganze, grüne, tau­frische Blattarmee abzugeben. Unb bas ist nicht nur angesichts bes machtvollen Herbststurms beraum bernswert, fonbern auch in anberer, sozusagen see­lischer Hinsicht erfreulich. Denn solange auch nur ein schäbiger Rest an ben sonst so kahlen Aesten hängt, solange brauchen wir noch nicht recht an ben Winter zu glauben. Es ist sicherlich nur ein bürf- tiger Abglanz von vergangener, sommerlicher Pracht, aber eben boch ein Abglanz, stark genug, ein Eckchen Seele an ihm zu wärmen.

Ohne Zweifel ist auch bas in Massen abfallenbe Laub schön gewesen. Man hat es bes öfteren und mit gutem Recht besungen, wennschon es in ber Stabt nicht viel anberes als eine kräftige Mehrarbeit für bie Straßenfeger bebeutet. Aber zum minbeften für bie Kinber ist es ein Quell harmloser Freuben. Ganz zu schweigen von ben Wäldern draußen, in deren tiefen Laubbetten genießerisch zu schlurfen auch für ben Erwachsensten unter uns ein para» biesisches Vergnügen ist. Auch in ben steinernen Straßen kann man sich, ist man nur jung genug dazu, einen Laubhaufen mit Eifer zusammen­scharren, unb ber Verwenbungsmöglichkeiten er­geben sich bann viele. Wie überhaupt berjenige, ber von seinem Fenster aus in einen Garten sehen kann, an bem raschelnben, leuchtenben Teppich unter Kastanien unb Birnbäumen boch allerlei vom Herbste hat.

Unb bennoch wiegen zehn Pfund vtm diesem Laub, herabgefallen im großen Verein, nicht so viel wie nur der brüchige Stiel eines Blattes, das jetzt erst zur Erde taumelt. Nicht nur, daß der Vereinzelung sowieso ein gewisser, eigentümlicher Wert innewohnt dieses Laubstück setzt immer unb immer roieber bem rauhen Norbost einen zähen Willen entgegen, um bann erst, ehrenvoll unb groß, selbst im Fallen, vor einem übermächtigen Feind unterzugehen. Der Sturm, ber jetzt Nacht für Nacht über bas Lanb braust, spielt keine überragenbe

Dahinter bie gitterigen Hellinggerüste ber Werf­ten, bie steilen Mauern ber Docks, bie Tanks, Fabriken, Schlote ber Freihafen - Jnbustrie, ber Speicherfluchten, ber Duckbalben, Höfte, Pontons, bazu bie Stabtsilhouette eng an biefe Wirbel ge­brückt, ein toll zerklüftetes, in ben Stilformen mancher Jahrhunberte gemengtes, hochbahnüber­schnittenes, fabelhaft bewegtes, immer neu erregen» bes Gemälbe, bas zusammengehalten wirb von bem Qualm ber tausenb Schlote, vom Dunst ber Luken unb Labungen, biefem Runb-um-bie-Erbe-Dunst, und von der sonderbaren, an gewaltigen Wolken­stimmungen reichen, graufeuchten, schweren, iri­sierenden, möwendurchflitzten, perlmutterfarbenen Hamburger Luft.

Unvergeßlich zumal ist dieser Eindruck in der frühen, langanschwebenden Herbst- und Frühlings­dämmerung mit dem unausschöpflichen Spiel und Widerschein der Lichter, Lampen, Positionslaternen, Blink-, Blitz- und Leuchtfeuer. Wer die dicke, feucht- dampfige Luft der Wasserkante, von der manche Binnenländer behaupten, sie sei in Streifen ge­schnitten und gerostet besser verdaulich, von Kindes­beinen an genossen hat, der wird nicht aufhören, diese Landschaft wie eine unwahrscheinliche See­räubergeschichte zu lieben, lieber die Straßen- schluchten Hamburgs bis in die fernen Vororte brummt und summt immer das Gefühl von Hafen, Wasserwind und weiter Welt, so dicht liegen die großen Seeschiffe am Herzen dieser Stadt.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Johannes H i e l s ch e r von der Uni­versität M ü n st e r ist zum Ordinarius für Philo­sophie in Münster ernannt worden.

Privatdozent Dr. Paul Hart eck, der bereits einen Lehrauftrag für physikalische Chemie an ber Universität Hamburg hatte, ist zum Ordinarius für physikalische Chemie in Hamburg ernannt wor­den.

Professor Dr. Hans-Heinrich Berg, Extra­ordinarius an der Hochschule für Lehrerbildung in Dortmund, hat einen Ruf auf den durch die Eme­ritierung von Professor Dr. Brauer frei gewor­denen ordentlichen Lehrstuhl für Innere Medizin an der Universität Hamburg erhalten.

Dr. Hans Bernhard von Grünberg ist zum Ordinarius in der Rechts- unb Staatswistenschaft- lichen Fakultät ber Universität Königsberg er­nannt worben.

Der Privatbozent Dr. Karl Michaelis von ber Universität Göttingen erhielt eine Pro­fessur für Bürgerliches, Römisches unb Zivilprozeß­recht an ber Universität Kiel.