erde wieder — und nun, am 8 0. Geburtstag Andrees, werden die toten Forscher und Helden einem Mausoleum übergeben, das fortan ein Nationalheiligtum Schwedens darstellen wird.
Andröes Tagebuch konnte, nachdem man die Leiche fand, bald entziffert werden — seither liegt dem Wissenden der ganze unglückliche Verlauf der Ballonfahrt und das letzte Schicksal der Flieger klar vor Augen.
Der Höhenflug des „Adlers", so rekonstruiert der zur Zeit wohl beste Experte der Polarforschung H. H. H o u b e n, das bis zum Fund auf der „Weißen Insel" im Ungewußten gelagerte tragische Geschehen dieser Polfahrt, war schon am ersten Tag zu Ende. Gasverlust. Nebel, Regen und Vereisung drückten ihn rettungslos nieder. Drei Tage stolperte er nur mehr über die wilden Trümmerhaufen des Polareises hin, bis schließlich eine Landung versucht werden mußte, die am 14. Juli 8 Uhr morgens ohne Unfall gelang. Bis fast zum 8 3. Breitengrad war man gekommen. Man rüstete zur Fuß- Wanderung mit drei Schlitten und einem Falt- boot, änderte immer wieder die Marschrichtung, furchtbare Strapazen brachen an, immer tückischer wurde das Eis, über das man sich hinschleppte.
Am 15. September endlich hat man Land gesichtet, aber die saugende Strömung treibt daran vorüber. Auf einer festen Scholle höben sich jetzt die Drei häuslich eingerichtet und eine Schneehütte erbaut, denn im Zelt ist es bei 8 Grad Kälte nicht mehr auszuhalten; dabei wird das Eis von Tag zu Tag unzuverlässiger, es knackt und birst in allen Fugen. Die Scholle wird plötzlich von der Strömung beiseite gestoßen; südlich der Insel kommt man in ruhiges Fahrwasser.
„Es hat den Anschein, als kämen wir von dieser Insel nicht- mehr los!" schreibt Andrse am 22. September. Sie haben auf ihrer Scholle unent« wegt weiter an der Hütte gebaut — da bricht Scholle und Hütte am 2. Oktober in tausend Stücke — und Andrees Tagebuch schweigt fortan.
Nur noch wortkarge Aufzeichnungen Strindbergs verraten, daß sich die drei Män-
>5 ilr, 248 Drittes Blatt k . ___ "■ —-
Gießener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gderheffen)
Dienstag, 23.®ttoberl934
Wiederaufbau eines Staates
WM!"
t: jffflad) ist die alte Residenzstadt Krakau, der burgischen Regiments, daß es nach der Besetzung I), tzlu punkt unserer Jornalistenfahrt durch Polen,! Krakaus das Königsschloß, eine herrliche Bauschöp-
Erpfinden und Bewußtsein des polnischen Vol-
der Zeit des Flugzeugs, des Telephons und des
unb Me meine
Eindrücke und Ergebnisse einer Polenreise.
Don unserem Or. H.-Sonderkorrespondenten.
Rin, ba,
Jdeenträger eines polnischen Nattonalstaates. Grobe Mißgriffe der österreichischen Verwaltung taten das Ihre, um den Funken des Auferstehungswillens einer Nation in der Schicht ihrer besten Söhne im-
Warschau ist zwar als der natürliche geographische und verwaltungsmäßige Mittelpunkt auch im jungen polnischen Staat Hauptstadt geblieben. Polen hat aber doch insofern an die Tradition der Jagellonen wieder angeknüpft, als es in beschleunigtem Tempo das alte Königsschloß auf dem Wawel wieder repräsentativ Herrichten ließ und seinem Staatspräsidenten als Dienstwohnung zur Verfügung hält. In
aber ist die Pflege geschichtlicher Symbole von der allergrößten Bedeutung. In den Tagen unseres
Krakauer Aufenthaltes konnten wir uns davon überzeugen, daß das Königsschloß und die Kathedral- kirche von Tausenden von polnischen Staatsangehörigen aus allen Gegenden des Landes besucht wurden, und es waren absolut nicht die Vergnügungsund Erholungsreisenden, die das Gros dieser nationalen Wallfahrer stellten. Im Empfinden der polnischen Bevölkerung ist jedenfalls Krakau auch heute
gewesen sind.
Und als wir nachts bei klarem Mondenschein durch das schlafende Krakau schlenderten, meinten wir oft, uns habe ein Hauch des deutschen Geistes berührt, der vor Jahrhunderten diese Unvergänglichkeiten schuf.
Renaissance offenbar die Beziehungen zwischen Nürnberg und Krakau sehr eng und freundschaftlich
mer wieder zu schüren. So gehört es, um nur dies zu erwähnen, zu den Unbegreiflichkeiten des habs-
fung des 16. und 17. Jahrhunderts, in eine riesige Kasernenanlage umwandelte. Und es ist noch unbegreiflicher, daß es sich diese Kasernenanlage zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den Krakauer Bürgern mit drei Millionen Gulden abkaufen ließ!
Krakau war bis zum beginnenden 18. Jahrhundert die polnische Krönungs- und Residenzstadt. Erst in den Zeiten des Wahlkönigtums, nach dem Untergang des Geschlechts der Jagellonen, wurde die Residenz nach Warschau verlegt.
Richtung Ost 10° Süd. An Bord alles wohl. Dies ist die dritte Taubenpost."
Und danach — zwei Jahre Schweigen. Erst am 14. Mai 1899 wird im Kolla-Fjord an der Nordküste Islands eine der zwölf Schwimmbojen gefunden, die Andröe hier und da auswerfen wollte, und am 27. August 1900 an der Nordküste von Finnmarken eine zweite; beide enthalten kurze günstige Nachrichten, aber noch vom Abend des ersten Flugtages, und gaben keine Antwort auf die Frage: was ist nach dem 13. Juli 1897 der kühnen Piloten Schicksal geworden? Keine weitere Nachricht, das ewige Eis schwieg...
Anfang August 1930 — da spricht plötzlich die Sphinx des Nordens. Da Fangschiff „Bratvaag" fährt von Spitzbergen-Nordostland nach Franz- Josephs-Land, es hat eine wissenschaftliche Expedition an Bord und steuert die „W e i ß e Insel" nördlich Spitzbergens an. Am Strand findet man Spuren von Menschen — und die Backbordseite eines Segeltuchbootes — und daneben einen Messinabootshaken mit der eingravierten Inschrift: „Andrees Polarexpedition 1896"! Und dann Fund auf Fund: ein in Eis eingefrorenes Buch ... Tagebuch Andröes... und nach und nach drei Skelette: Andröe, Fränkel, Strindberg...
Da geht eine Welle der Trauer und Erschütterung durch die ganze Kulturwelt: Andröes und feiner Leidensgefährten Ueberrefte sind gefunden! Man landet sie in Schweden, gibt sie der Heimat-
Oer Schicksalsflug zum Nordpol.
Beisetzung Andrees und seiner Gefährten. - Oer Fund auf der „Weißen 3nfeP. Ein Tagebuch und seine Geheimnisse.
N
2,90 0,75, 'erh 5,75, 'N besitz
Stockholm, im Oktober.
Mit großen Feierlichkeiten wird man in diesen Tagen die Gebeine des Nordpolforschers Andree und seiner Gefährten nach Stockholm heimholen und sie würdig beisetzen... um diese Zeit, da Andröe, lebte er noch, sein achtzigstes Lebensjahr vollenden würde.
Da steigt er noch einmal ahnungsvoll-tragisch auf aus dem Tatsächlichen und Ungewußten, der heroisch- unglückliche Flug, den man den „Flug zum Schicksal der letzten Menschen" genannt hat und über dessen Leidensstationen und Ende man bis in die jüngste Zeit hinein nichts wußte als das eine: „Verschollen . . ."
Schon 1895 entwarf der schwedische Ingenieur Salomon August Andree den Plan, von Spitzbergen aus im Ballon den Nordpol zu erobern. Auf Spitzbergen ward eine Ballonhalle erbaut, widrige Winde verhinderten den Fahrtantritt im Iahe 1896. Erst am 11. Juli 1897 stieg der Ballon „Adler" auf und nahm Kurs gen Norden — an Bord Andröe, der Ingenieur Knut Fränkel und der Physiker Nils Strindberg. „Es lebe das alte Schweden!" das war der letzte Gruß der Flieger — und das letzte Lippenwort, das die Menschheit von den Dreien vernahm.
Am 15. Juli fängt ein Robbenfänger eine Brieftaube. Sie trägt die Nachricht: „13. Juli 12.30 Uhr mittags 82° 2' Breite 15° 5' östl. Länge. Gute Fahrt.
.443 uhrt:
III.
Krakau*.
Mcchdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Krakau, Oktober 1934.
noch der geschichtliche Mittelpunkt des Landes.
Dabei darf gerade der deutsche Anteil an der Entstehung und der Entwicklung der Stadt nicht vergessen werden. Die ersten Sie>dlungsjahrhunderte sind hier in völliges Dunkel gehüllt. Man weiß nur, daß um das Jahr 1000 herum ein Bistum Krakau eingerichtet wurde. Das 13. Jahrhundert ist dann nach der Abwehr der großen Mongolenzüge der An- fang einer auch unter heutigen Verhältnissen ungewöhnlichen Blütezeit Krakaus, das als Stadt nach Magdeburger Recht neugegründet wurde. Die polnischen Könige zogen damals Tausende von deut- scheu Siedlern, Baumeistern, Malern und Bildhauern nach Krakau. Der deutsche Anteil an den herrlichen Baudenkmälern des Mittelalters, an der Marienkirche und der alten Universität, an den Befestigungsanlagen und zahlreichen Profanbauten des Stadtkerns ist auch heute noch sichtbar. Der Markt- platz heißt hier wie in ßembera Rynek, d. h. Ring, in dessen Mitte bie Tuchhalle als Wahrzeichen lebendiger Wirtschaftsverbundenheit mit der Zeit der deutschen Hansa errichtet wurde. Von dem schönen Rathaus ist leider nur noch der Turm erhalten geblieben. Das Gebäude fiel einem Brande zum Opfer.
Deutsch aber ist nicht nur das architektonische Bild der Stadt, deutsch sind auch die wichtigsten Kunst-
:<t, so genügte die Zeitspanne doch, um ein er» )M:5 Maß von geistiger und kultureller Selb» hlists. Ivifiteit zu erreichen. Nur ein Beispiel dafür: i. W n der Folgezeit ist die Universität aud) I in f- u stets polnisch gewesen, während die nappebje: Bildungsstätten des alten Polen alle ihren id)ung tibniEen Charakter verloren hatten. Drittens aber t. ftür • riöU d i e Stadt der „Ersten Legio n". Qrofrp 105 lebte Pilsudski als politischer Flüchtet geig;! in Krakau, und er gründete hier unter wählte bej'l&Jter Duldung den Schützenbund, der dann un- ft dazttM r nach Kriegsausbruch zur polnischen Legion onbenbaitc t wurde und bereits im Dezember 1914 in roden3 Wimpfen gegen Rußland eingesetzt worden ist. 3 MMer ist also die polnische Geschichte aus den na« . Gegebenheiten und der Gunst der polt«
Umstände heraus immer lebendig geblieben. Deiters ^OZahre österreichischen Regiments haben einer . ■‘‘anJit. n von Jahrhunderten um so weniger antun nnuer als die von Krakau ausgehenden Ströme , liittfij-m Unabhängigkeitsstrebens es oerljältnis» l'ifflfl -afdb zuwege brachten, daß das^ganze öfter» ' Polen seit der Jahrhundertwende roieber
RXIDjeii entgehende Derwaltungsautonomie 0 Nhitili. Die Amtssprache in Galizien war bereits Lchn-it rtan 1900 überall polnisch. Nur der Verkehr mit « n Hntralbehörden in Wien mußte in deutscher W pMch geführt werden. Das ist ein Moment, des- 10.1 n löel-utung für den Wiederaufbau des polnischen 1 taitjie- kaum überschätzt werden kann. Denn es ib ib?r jungen polnischen Staatswesen von 1918/19 1 i i.L a die Möglichkeit, auf einen verhältnismäßig ■ coßPiFStab von ausgebildeten Verroal- uiin jilbeamten zurückzugreifen. Tatsächlich ist <-■. enn a.och heute noch — abgesehen vielleicht von den - heN i al preußischen Teilgebieten — in der pol» .iidhen Verwaltung das kleinpolnische Element, iiin btf.ins an den maßgebenden Stellen vorherr- chen'L.Und es ist selbstverständlich, daß der größte Ceil Mies Beamtentums sein Bildungs- und Ideengut ;nt:f der Krakauer Universität erhielt.
Üiilc den Augen der österreichischen Behörden g^nuf'ite'inan natürlich mit nationalpolnischer Propa- U^ani>a manchmal vorsichtig fein. Je mehr sich aber l^'ie i3e-ehungen zwischen St. Petersburg und Wien U^iN öe: Dorkriegsjahren verschlechterten, um so zg ^räß?«llwurde auch die Ellenbogenfreiheit für die pM W- „Gießener Anzeiger" vom 17. und 20. Oft.
) 40 . ircuu ist ferner im Bewußtsein Polens der ?gcn Aili der noch bis in die Mitte des 19. Jahrhun- sich Lcs politisch e Selbständigkeit besaß.
Stiener Kongreß begründete, da Oesterreich- ir, Rußland und Preußen sich nicht völlig oer» . tarn konnten, Krakau mit den umliegenden kmg. [frfen als selbständige Republik, die ^unbjpiier natürliche Sammelpunkt des nationalen ... x,__. _ v ov „ , ochase ii sittlichen Wollens im polnischen Volke wurde.' sonstigen Schnellverkehrs besteht, rein rationalistisch später km 2uch kaum 30 Jahre später, im Jahre 1846, gedacht, natürlich fein Bedürfnis dazu. Für die 23er= itjadje HlWoublit in ein Großherzogtum umgewandelt tiefung und Verinnerlichung des Nationalgedanfens q dn habsburgischen Kronländern einoerleibt ;u s;- """
490i,
Wert |(¥r pfinöen und Bewußtsein des polnischen Vol- RDl.: Dranfert. Es ist die Stadt des Heiligen Stanis- 5 34, L, neffen silberner Sarg unter einem foftbaren 5 35, Wohin in der Mitte der Kathedrale steht, und es 5 35, j zu lle ich die Stadt der polnischen Königsgräber irjen: j) ter Gedenfftätten der polnischen Freiheits- 4 bis toyfir. Die K a t h e d r a l f i r ch e auf dem Wa- 5 51 J tem Schloßberg, ist nicht nur der religiöse Tur- ."tnrelpunft, als der sie im 14. Jahrhundert er» chsi w. wurde. Sie ist der politische Wall- I 53, jii r sort des polnischen Volkes.
schätze Krakaus. Zwölf Jahre hat der Nürnberger Bildhauer und Erzgießer Veit Stoß hier gewirkt, um sein Meisterwerk: den Hochaltar in der Marienkirche zu fertigen. Und Hans Dürer, ein Bruder unseres großen Nürnberger Meisters ist maßgebend an der Ausschmückung des Königsschlosses auf dem Der Herzog von Olmo, der noch heute dienst« Wawel mit Fresken aus der Geschichte Polens de-1 tuender Großzeremomenmeifter des itallemschen teiligt gewesen. Auch Peter Vischers Gießhütte.Königshofes ist, hat in voller geistiger und körper- hat der Stadt Kunstwerke von zeitloser Bedeutung' licher Frische seinen 104. Geburtstag gefeiert. Der geschenkt, wie denn überhaupt in den Zeiten des 1 Herzog, der 80 Jahre lang im Dienste der italieni* ausklingenden Mittelalters und der beginnenden ; scheu Könige stand, hat vier Königen gedient und ~ ..... ‘ sechs Päpste auf dem Heiligen Stuhl gesehen. Bei
großen Feierlichkeiten führt er noch immer persönlich den Stab des Zeremonienmeisters.
tagsfr'—*—----------------------------------------------------
A per spielt auf der Flöte.
Don Görge Spervogel.
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lus. P-'e: ,at mit seinen vierzehn Jahren noch keine .45:nlfe^en Taten aufzuweisen, wahrhaftig nicht, re &-at i<> meber zum Segelflieger noch zum Lause- undeUnopI »der zu einem einigermaßen erheblichen SliMßH:l,pieler gebracht, ach nein, zu all dem zeigt 3 5enfr Einig Neigung. Aber was er großartig kann, ufit. lsKi Flöte spielen.
s)Jlki darf auch nicht behaupten, daß er die dich« -ehr liebte, etwa eine besondere Wissenschaft ?trhe:e zu einer Sammlertätigkeit neigte oder ■rgmitteen. Ihm fehlt eine derartige Leidenschaft lemif; hr wie aller sonstige Ehrgeiz. Aber er sorgt litt «Ich für seine zwei Wellensittiche, den Alten M, tarn ünt) die Dicke Frau.
lauft ihnen Futter von seinem schmalen Ta- -t\ )enuc?I . Ab und zu baut er ihnen aus Stricknadeln ib ipjoßleiften eine neue Wohnung. So schon bie J^ofyrwjgen auch finb, am liebsten sitzen bie Vogel wilden Haaren. Sie zerren und kreischen, s^ einmal mit viel Wasser und Not glatt» ftebiririe hat.
Sttr) 'Pers Schularbeiten zu einem glücklichen 81-fnbii zirührt, stellt er sich vor dem Käfig auf, tri(= ’J'grt pfeift ein wenig vor sich hin. Wie ein aus- ißnemNfTner Kanarienvogel versteht er sich darauf, ißSchlÜH pmalzt und piepst, es ist wunderschön. Der ?Ullte!l ITtann und die Dicke Frau sitzen auf der ®';ptaioi£,iitrippeln hin und her, sträuben das Gefieder 6i‘ nbu Greben die Köpfe nach allen Regeln der i? lunch Manchmal sperren sie den krummen Schnabel strecken die Zunge heraus und tun so, als jf.'lb il'h e fürchterlich elend zu Mut wäre.
Wi Hmettert das Sanarienlieb bis zu einer ’ S >teütie tüo er erst ganz tief kollert und plötzlich sehr j/1 och jtit,l tüt singt. Da hält es die Dicke Frau einfach idjtnnerir aus und schreit, daß man das Schlimmste vine^-hm möchte. „Lieber Gott", pflegt Per bann ft iwr, „wahrhaftig, ich hätte mir gleich denken in rote , ^baß ihr nur so eine Art Urwaldspatzen S'S idu.' y kräsch, bräbräbrä", erwidern darauf die
Itj! ütti?4f ifl-jj Pöirlcmn gegen den Lärm nicht an, er muß auf j'll ®eiW liigern pfeifen, damit wieder Ruhe eintritt. ’z „Sßlti ffollte doch einmal herausfinden, ob man "a ach Ntf braten Fann", sagt Per, „bann wäret ihr fls °d) A «mal im Leben zu etwas nütze. Aber man Jj •’ 'NN I ud mästen wie man will, ihr bringt es doch
zu nichts. Vielleicht sollte man euch an die Wand werfen und drauftreten."
Dagegen haben die Sittiche nichts einzuwenben, putzen vielmehr ihr Gefieber.
„Möglicherweise hört ihr gar nicht zu", fragt Per mißtrauisch, „wie?"
„Das kannst bu dir wohl benfen", sagen bie Sittiche auf ihre Art, ,,aber bas sollte dich nicht stören."
Nun, erklärt Per, sei es endlich so weit, baß er nicht mehr anbers könne, als ihnen einzeln langsam den Hals umzudrehen. Er tritt ganz dicht an den Käfig heran und fragt mit tiefer, schrecklicher Stimme: „Soll ich?"
„Nur zu", erwidert der Alte Mann, „wir sind derartiges gewöhnt."
Darauf greift Per in das Bauer und nimmt den Alten Mann in die eine, die Dicke Frau in bie anbere Hanb.
„Je", sagt er bann, „was ihr in eurer Dummheit für Glück habt. Womit soll ich euch nun erwürgen?" Sieht auf seine Hände herab. „Verflucht", brummt er, „bas muß ich mir überlegen." Kreuzt bie Arme vor ber Brust unb beginnt im Zimmer auf unb ab zu gehen. Dabei geschieht es ganz von selbst, baß sich bie Fäuste ein wenig öffnen unb ber Alte Mann rechts unb bie Dicke Frau links an ben Aermeln feiner Jacke hochzuentern beginnt. Wer zuerst bie Schulter erreicht, kann sicher fein, baß sich ihm der Kopf zuneigt, schwer vom Nachdenken. Wenn ber Streit um den besten Platz anhebt, wenn die Schnäbel und Krallen zu wild zerren, stürzt Per zum Spiegel, besieht die Kampflage, pfeift abermals scharf auf zwei Fingern und verteilt die Plätze. Dann greift er glücklich zur Flöte und spielt und spielt.
Natürlich läßt es sich nicht vermeiden, daß manches seiner Lieder entweder dem Alten Mann ober ber Dicken Frau nicht gefällt. Hin unb roieber entsteht auch ein schlimmer Ton auf ber Flöte. Jebes Mal erhebt sich in solchen Fällen ein Geschrei. Per dreht die Augen nach oben, zieht die Stirn in Falten und fuchtelt lebensgefährlich mit der Flöte. War der Ton nicht allzu falsch, stellt das den Frieden wieder her. Sonst muß abermals auf den Fingern geschrillt werden.
So geht es bis zur Abendbrotzeit. Wird Per dann gerufen, legt er bas Instrument in ben Kasten unb setzt bie Sittiche in ihr Haus. Natürlich murren sie. Per meint dann, anstatt den Schnabel derart im Leerlauf gehn zu lassen, sollten sie besser ihr Gehirn einschatten. Sie konnten schon längst fix und fertige
Papageien fein, vollkommene Aras oder noch mehr, wenn sie sich das angewöhnen wollten. Nein, es nütze doch nichts, an die Wand werfen und drauftreten, das wäre bei dieser Sachlage das einzig Wahre.
Als ber Junge eines Tages nach Haufe kommt, sitzt die Dicke Frau aufgeplustert und träge im Bauer. Manchmal zittert sie. Per wärmt den kleinen Körper mit ben Händen. Nein, denkt er, es ist wohl besser, bu setzt bich roieber hin unb schläfst bich gesund. Tu den Kopf unter den Flügel. So.
Nachdem die Schulaufgabe gelost ist, findet er den Vogel tot.
„Was soll ich nun mit dir machen?" murmelt Per. „Warum bist du denn gestorben? Was soll ber Alte Mann nun alleine?"
Der Alte Mann putzt sich. Ob er wohl gar nicht traurig ist? Bin ich, fällt ihm ein, bin ich eigentlich traurig? Wahrscheinlich muß man dem Alten Mann eine neue Frau kaufen. Ader die neue würde uns beide ja nicht verstehen. Sie kennt bas Spiel nicht. Wir wollen keine neue... Der Alte kann boch aber nicht allein bleiben, Mensch, bas ist doch klar genug. Woran sie wohl gestorben ist? Vielleicht wird ber Alte auch sterben. Ach, ich will ihn schon allein behalten. Aber bann habe ich. muß er denken, beim Spielen ja immer eine Hand frei, um ihm ben Hals abzubrehen. Möglicherweise macht es ihm auch keinen Spaß mehr, wenn wir ohne bie Frau flöten, nun, wo er niemanden mehr hat zum Zanken und Schreien und Spielen, wenn ich in ber Schule bin. Das würbe ja ein fürchterliches Leden für ihn. Was soll man ba nur tun?
Den ganzen Nachmittag kramt Per in seinem Zimmer herum, kramt, benkt nach, sieht etwas an, kramt Es wirb früh dunkel. Er geht in einen Blumenladen und kauft einen Strauß kleiner weißer Blüten Daraus richtet er in einer Schachtel em Blumenbett her. Er sucht zwei Stöckchen zusammen, aus denen er ein Kreuz zimmert. Als die Dunkelheit vollkommen ist, nimmt er die Schachtel mit dem toten Vogel, ben Flötenkasten und ben Alten Mann
unb geht fort.
Er läuft lange im Stadtwalb umher, bis er eine Stelle findet, bie ihm genügend abseits zu liegen scheint. Dort gräbt er bas Grab. Dann nimmt er bie Äütze ab, setzt ben Alten Mann in sein Haar und beginnt 3u flöten. Ganz leife lotet er unb g.b f.ch unendliche Mühe, richtig zu (pielen <Mt blast er einen Choral, bann das Lied vom guten Kameraden und bann, ach, dann spiell er all leine Lieder rote
an jedem Nachmittag, nicht eines läßt er aus, nicht die Marfchlieder, nicht die Soldatenlieder, nicht bie luftigen unb traurigen Volksmelodien.
Es beginnt zu regnen. Per bläst. Wasser läuft über sein Gesicht. Per spielt. Per friert, Per zittert, Per spielt. Per meint und spielt, bis er die Arme sinken läßt, den Kopf auf bie Knie legt und sich ohne Widerstand dem Strom seiner Trauer geben muß. Der Regen fällt immer, stärker, er merkt es nicht. Der Alte Mann kriecht an seinem Arm herab, er spürt es nicht. Er tastet tränenblind nach der Schachtel mit den Blumen unb dem Vogel, vergißt bas Kreuz, vergißt ben Flötenkasten, vergißt den Alten Mann, schwankt blind unb schluchzend durch den triefenden, flüsternden Wald unb bie Nacht.
Uraufführung »Oer Sieger" am Hessischen Landescheater.
Dor ausDerfauftem Hause fanb im Hessischen Landestheater in Darmstadt die Uraufführung des neuen Schauspiels „Der Sieger" von Friedrich Forster-Burggraf statt. Auf Einladung des Hessischen Staatsminifteriums war der Dichter selbst nach Darmstadt gekommen. In diesem neuesten Werk, dessen Uraufführung zu einem großen Erfolg wurde, gestaltet Forster-Burggraf in zehn Bildern einen bedeutsamen Abschnitt deutscher Geschichte, den Kampf Karls des Großen gegen die Sachsen. Die vorzügliche Darstellung, die Leitung durch Generalintendant Franz Evert und die meisterhaften Bühnenbilder von Max Fritzsche vertieften den starken Eindruck dieser deutschen Tragödie.
Nach dem Höhepunkt des Spieles, der Anrufung Germanias durch Widukind: „Nicht Flamme, nicht Schwert, noch Beil tilgt dich, mein Land. Fremde Gewalt kann groß werden über dir, Haß dich ver- folgen von allen vier Winden, daß du bangst und zagst. Der kann schwach werden in Glauben und Treue und jener, aber Volk, Land und Treue dauern über alle Not und der unrottbare große Gedanke, daß mir sind, stirbt nicht mit Eisen und Zeichen!" rauschten Beifallsstürme durch das festlich geschmückte Haus. Blumen und Lorbeerkränz« belohnten den Dichter und die Hauptdarsteller, besonders den Widukind, Jochen Poelzig, und Emil L o h k a m p als Karl. — Auch die Sonntagsmatinee, bei der der Dichter Proben aus eigenen Werken las, war stark besucht und fand reichen Beifall.


