Das Gängertreffen in Grünberg.
Hundert Jahre Männergesang in Grünberg
4- Grünberg, 22. Juni. Aus Anlaß der Hunderjahr-Feier des Männerchores Grünberg, verbunden mit Gruppensingen des Kreises Ohm- Lumdatal im Hessischen Sängerbünde und Wiedersehensfeier der Vereine des ehemaligen Lahntalsängerbundes, das am 30. Juni bis 2. Juli hier begangen wird, sei in Folgendem einiges aus der Geschichte des Vereins, sowie der beiden Sängerbünde hier aufgeführt.
Als eine der ersten oberheffischen Landstädte kann Grünberg für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, die Gründung eines Gesangvereins getätigt zu haben.
Im Jahre 1834 bildete sich hier ein „S i n g v e r - e i n". Im Laufe der Zeit hat der Name noch mehrmals gewechselt: „Gesangverein", „MännergesanL- verein" und heute „Männerchor" Eine Verfügung der damaligen Bezirks-Schulkommission Grünberg aus dem Jahre 1839 fordert ehrenwerte Bürger der Stadt auf, die Bestrebungen des Vereins zu fördern. Neben der jetzigen Vereinsfahne aus dem Jahre 1904 sind noch die zwei alten Vereinsfahnen vorhanden, sie stammen aus den Jahren 1839 und 1862. Im Jahre 1862 trat der Verein dem zwei Jahre zuvor gegründeten Lahntalsängerbunde bei, dem er bis zur Auflösung angehörte. Drei Bundesfeste hat der Verein abgehalten, das IX. am 18. bis 20. Juni 1870, das XVI. am 10. und 12. Juli 1886 und das XXV. am 9. bis 11. Juli 1904. Im geistigen und gesellschaftlichen Leben unserer Stadt hat der Verein stets eine wichtige Nolle eingenommen, er wirkte bei weltlichen und geistlichen Feiern mit und veranstaltete etwa seit Mitte der fünfziger Jahre alljährlich ein größeres Konzert. Das Amt als Vorsitzender übernahm bei der Gründung der damalige Rektor August Glaser. Wie lange er es inne hatte und wer sein Nachfolger war, ist nicht bekannt. Im Jahre 1862 wird er damalige zweite Pfarrer (später Dekan) P u l l ma n n als Vorsitzender erwähnt. Die Namen der weiteren Vorsitzenden: Bürgermeister Christian Pracht (t) 1864 bis 1893, Kaufmann Ferdinand Schott (t) 1893 bis 1899, Küfermeister Georg Möller 1899 bis 1923 (jetzt Ehrenvorsitzender), Rechner Karl Möller 1923 bis 1931 und feit dieser Zeit Uhrmacher Richard I ö ck e l.
Die Dirigenten des Vereins entstammten früher sämtlich dem Lehrerstande. 3n den ersten vierzig Jahren des Vereins blieb der Dirigentensiab in einer Familie und ging vom Vater auf den Sohn über. Als Eigentümlichkeit mag auch erwähnt werden, daß der erste Dirigent noch einen Rebendirigenten hatte, der das (Einüben der Baßstimmen besorgte.
Die Namen der Dirigenten sind: Lehrer Peter Matz e l (t) 1834 bis 1856, als Nebendirigent Lehrer
Joh. Glaser (f) 1834 bis 1847, Lehrer Karl M a - g e l (4) 1856 bis 1875, Lehrer Oppe 1 (t) 1875 bis 1885, Lehrer Mohr (f) 1885 bis 1886, Lehrer Hof (t) 1886 bis 1892, Lehrer R o t.h 1892 bis 1898, Lehrer i. R. Lauber 1898 bis 1925, Berufsschullehrer Gengnagel 1925 bis 1931 und seit dieser Zeit Musiklehrer Fr. Leib (Gießen).
Der Lahntalsängerbund
wurde am 5. September 1860 von 11 Vereinen aus 10 Städten, die sich über 4 damalige deutsche Bundesstaaten verteilten: Hessen, Kurhessen, Nassau und Preußen, gegründet. Anfangs alljährlich, nach 1870 alle zwei Jahre, wurden Bundesfeste abgehalten, im ganzen 37, wobei sich stets der hohe Stand der gesanglichen Leistungen der Bundesvereine feststellen lieh. Die Leitung des Bundes lag von einem Fest zum andern in der Hand des festgebenden Vereins, der Gedanke der „V o r o r t s ch a f t" war in den Bundessatzungen verankert. Gewöhnlich wurde am zweiten Tage eines Bundesfestes ein Sängertag zur Regelung der geschäftlichen Angelegenheiten abgehalten. Erst seit dem Jahre 1902 gibt es einen Bundesvorstand. Die beiden ersten Vorsitzenden: Hauptlehrer Schneider (t), Marburg, 1902 bis 1910 und Rektor Storch (t), Butzbach, 1910 bis 1925 waren umsichtige Leiter des Bundes und ihre Namen stehen heute noch bei den älteren Mitgliedern der Vereine in gutem Andenken. Von 1925 bis 1928 war Reallehrer Stroh lButzbach, jetzt Rektor in Gießen) Bundesvorsitzender und von da ab bis zur Auflösung versah dann Berufsschullehrer Gengnagel (Grünberg) dieses Amt. Die durch die Neuordnung im Sängerbundswesen notwendig gewordene Auflösung des Bundes geschah durch folgenden Beschluß:
„Der Bundessängertag zu Grünberg am 8. Oktober 1933 ist mit seinem Führer einig und der Ueberzeugung: der Aufbau unseres Vaterlandes und damit die Neuordnung und Neugliederung im Deutschen Sängerbund und Hessischen Sängerbund verlangen die Auflösung des Lahntal-Sängerbundes. Im 74. Jahre seines Bestehens geben die Vereine des Lahntal-Sängerbundes ihre innige Verbundenheit hin, um in die nach geographischen Gesichtspunkten begrenzten Gaue eintreten zu können. Wir bringen dieses Opfer im Vertrauen, dem deutschen Vaterlande und dem deukschen Lied einen Dienst zu erweisen und uns der Gründer würdig zu zeigen, die das gleiche Ziel im Zusammenschluß am 30. September 1860 erstrebten.
Die Bundesvereine nehmen am vorgesehenen Stiftungsfeste des Männerchors Grünberg im nächsten Jahre 1934 noch einmal als Gastvereine geschlossen teil und singen als Gesamtchöre: ..Wanderlied" von Lichner mit Orchester und „Es sind die alten Straßen noch, es sind die alten
Häuser noch, die alten Freunde ak^r sind s nicht mehr". Für die Folge versuchen stets die Vereine an den Jubiläen der Vereine des Lahntal-Sängerbundes als Gäste teilzunehmen."
Zuletzt bestand der Lahntal-Sängerbund noch aus 21 Vereinen, die sich auf folgende 17 Orte verteilten: Bad-Nauheim, Butzbach, Braunfels, Dillenburg, Gießen, Großen-Buseck, Grünberg, Homberg (Ohm), Hungen, Kirchhain, Langgöns, Lich, Lollar, Londorf, Marburg, Watzenborn-Steinberg und Wetzlar.
Die Gründung des Ohm-Lumdatal-Vundes erfolgte im Jahre 1890 durch den damaligen Lehrer Knauß (t), Atzenhain, später Hauptlehrer in Gießen. Folgende Orte gehörten dem Bunde zuerst an: Atzenhain, Bernsfeld, Flensungen, Kesselbach, Lumda, Londorf, Merlau, Nieder-Ohmen, Ober- Ohmen, Stangenrod, Weitershain und Wettsaasen, weitere Vereine, di« im Laufe der Zeit hinzukamen, waren: Buragemünüen, Deckenbach, Groß-Eichen, Lardenbach, Lehnheim, Weickartshain u. a. Im Jahre 1926 ist die Zahl der Bundesvereine auf 27 gestiegen und es ergeht Aufnahmesperre, um die Grenzen des Bundes nicht weiter auszudehnen. Meist alle Jahre wurden Bundesfeste abgehalten, sofern nicht besondere Umstände eine Ausnahme erforderten, ebenso Sängertage, welche die geschäftlichen Angelegenheiten regelten. Die schon vor dem Kriege einsetzenden Bestrebungen, mit den Bundesfesten Wertungssingen zu verbinden, konnten nicht durchdringen, erst auf den Bundesfesten nach dem Kriege findet das Wertungssingen Eingang. Lange Jahre, von 1892 bis 1923 leitete Lehrer Gümmer (Merlau) als Vorsitzender den Bund, von da bis zur Auflösung am 5. November 1933 in Ruppertenrod war Rechner Jakob Becker (Kesselbach) als Bundesvorsitzender tätig.
Der jetzige kreis Ohm-Lumdatal, der am 5. November 1933 in Ruppertenrod gebildet wurde, schließt Vereine der früheren Sängergaue: Chattia, Lumdatal, Lahntal und Ohm-Lumdatal, sowie einige früher gaulose Vereine in sich. Mit Ausnahme von Grünberg und einigen Orten südlich und südwestlich davon umfaßt er das GeNet der beiden Flüßchen Ohm und Lumda. Insgesamt sind es 45 Vereine — 43 Männergesangvereine und 2 gemischte Chöre — mit rund 1300 Sängern aus folgenden Orten: Allendorf (Lda.), Allertshausen, Altenhain, Atzenhain, Appenrod, Beltershain, Bernsfeld, Bleidenrod, Babenhausen II, Burggemünden, Büßfeld, Deckenbach, Elpenrod, Flensungen, Freienseen, Geilshausen, Göbelnrod, Groß-Eichen, Grünberg, Haarhausen, Harbach, Homberg (Ohm), Kesselbach, Klein-Eichen, Lardenbach, Lauter, Lehnheim, Londorf, Maulbach, Merlau, Nieder-Gemünden, Nieder-Ofleiden, Nieder-Ohmen, Nordeck, Ober- Ofleiden, Gontershausen, Ober-Ohmen, Odenhausen (Lda.), Queckborn, Reinhardshain, Ruppertenrod, Rüddingshausen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain.
Das Amt als Führer und Kreiswalter liegt in den Händen von Berufsschullehrer Gengnagel (Grünberg). Weiter gehören dem Vorstande an: Karl Dietrich (Lardenbach), stellvertretender
Kreiswalter; Heinrich Decker (Grünberg), Schriftführer; Moritz S ch l i f f e r (Nieder-Ohmen), Schatzmeister; Lehrer Dönges (Merlau), Kreischormeister: Ehrenvorsitzender Jakob Becker (Kesselbach), Joh. S ch w ö b e l (Weitershain) und Ludwig G ö r - n e r t XIII. (Queckborn) als Beisitzer. Mitglieder des Musikausschusses sind: Lehrer Graulich (Burg- gemünden), Lehrer V i« h m a n n (Homberg) und Chorleiter D a u p e r t (Ulrichstein).
Das erste Auftreten des neuen Sängerkreises Ohm-Lumdatal vor der Oeffentlichkeit findet nun in Verbindung mit der Hundertjahrfeier des Mannerchores Grünberg vom 30. Juni bis
2. Juli in Grünberg statt.
Da auch di« Vereine des ehemaligen Lahntal-Sängerbundes als Gastvereine sich beteiligen, kommt diesem Sängertreffen schon einige Bedeutung zu, da annähernd 3000 Sänger daran teilnehmen. Die eigentliche Jubiläumsfeier ist für den Samstagabend vorgesehen, in der Turnhalle wird der Jubelverein ein Festkonzert geben. Der Sonntagmorgen wird ausgefüllt durch ein Wertungssingen. Hier treten die Vereine des Kreises Ohm-Lumdatal in 10 Gruppen von je 3 bis 5 Vereinen in der Turnhalle zum Singen an. Jede Gruppe trägt zwei Chöre vor, ausgewählt wurden Volkslieder, insbesondere Soldaten- und Kriegslieder in vier Jahrhunderten.
Anschließend ist eine große vaterländische Kundgebung auf dem- Marktplatz vorgesehen, bei der als Hauptredner der Führer des Hessischen Sängerbundes, Ministerialrat Ringshausen (Darmstadt), sprechen wird. Massenchöre der Vereine des Kreises Ohm-Lumdatal, sowie der Gastvereine des ehemaligen Lahntal-Sängerdundes werden die Veranstaltung umrahmen.
Nach einem Festzug finden am Nachmittag auf dem Festplatz auf der Käswiese weitere Gesangs- vorträge der Bundesvereine, sowie der Vereine des früheren Lahntal-Sängerbundes statt.
Am Montag findet die Veranstaltung mit einem Volks- und Jugendfest ihren Abschluß.
Kunst und Wissenschaft.
Deutschland-Zyklus
an einer amerikanischen Frauen-Universitat.
Das Smith-College in Northampton, eine der führenden Frauenuniversitäten Amerikas, die jährlich am Schluß des Studienjahres besondere Vorlesungen für frühere Studenten veranstaltet, hielt diesmal eine besondere Deutschland-Tagung ab. Sie stand unter dem Leitsatz „Deutschland seit 1 8 70". Das fünftägige Programm umfaßte zahlreiche Vorlesungen über Themen wie „Bismarck und das Reich", „Die Reparationen und ihre Folgen" und „ Das heutige Deutschland" Außerdem wurden täglich deutsche Kulturfilme der Reichsbahn- zentrale für deutsche Verkehrswerbung vorgeführt. Auch fand eine besondere Ausstellung für die Entwickelung der deutschen Architektur statt.
ZÜNDAPP
Mein lieber Gatte, mein guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel
Herr Erich Stutzenstein
ist am Mittwochabend im 52 Lebensjahre sanft entschlafen
In tiefer Trauer:
Heuchelheim (WilhelmStraße 50), den 23. Juni 1934.
Die Trauerfeier fand auf Wunsch des Entschlafenen in aller Stille statt
03174
3761 l|
Albach, im Juni 1934.
3744 D
3762 D
Brühl'eche Druckerei, Schulstraße 7, Anruf 2251
Fuß
Häuserhof. den 23. Juni 1934.
3777 D
Im Namen aller Hinterbliebenen:
Katharina Müller, geb. Wehrum.
Donnerstagabend 9 Uhr entschlief nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber tieusorgender Mann, mein guter Vater. Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel
Beerdigung: Montag, den 25. Juni, nachmittags 3 Uhr. von der Kirche
Ober-Widdersheim aus
Für die zahlreichen und wohl tuenden Beweise herzlicher Anteilnahme die uns bei dem so schmerzlichen Verluste unseres teuren Entschlafenen durch Schrift, Blumenspenden und ehrendes Geleit entgegengebracht worden sind, sagen wir hierdurch unseren herzlichsten Dank.
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Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. Juni, vormittags 11 Uhr, vom Sterbehause, Bachstraße 96, aus statt
Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. Juni, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt
Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Karoline Römer, geb Hofmann Heuchelheim, den 23. Juni 1934.
Heute früh verschied an einem Herzschlag unsere innigstgeliebte, treue Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester
Frau Marie Erb, geb. Schäfer im 63 Lebensjahr, mitten heraus aus einem arbeitsreichen, gesegneten Leben.
Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Erb, Inspektor.
Allen denen, die unsere liebe Mutter
Katharine Becker
zu ihrer letzten Ruhe geleiteten, sagen wir herzlichen Dank. Besonders danken wir der Krankenschwester die uns bei ihrem langen Leiden so behilflich zur Seite stand.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Rödgen, den 23. Juni 1934.
Freunden. Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht. daß heute früh, 4 ’/4 Uhr, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter. Schwester, Schwägerin und Tante
Frau Marie Wagner, geb. Keil
verw. Größer
nach kurzem Leiden im beinahe vollendeten 65. Lebensjahre sanft entschlafen ist
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