Ausgabe 
23.6.1934
 
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Nr.M Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

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Hnfere bevölkerungspolitische Lage.

Ä>n Or. Zrercks, im Massenpolitischen Amt der NSDAP.

Immer noch stößt man hier und da auf einen Volksgenossen, der einem Hinweis auf das Ge­fahrvolle unserer bevölkerungspoli­tischen Luge entgegenhält, daß sich bei objektiver Betrachtung der Dinge die Lage doch wirklich nicht Io schlecht darstelle, wie es nun seit über zwölf Monaten in Presse, Rundfunk und Öffentlichkeit immer wieder geschildert wurde. Bei diesem Einsatz oller Werbemittel müßte man jo beinahe glauben, daß es mit unserer Volkskrast bald am Ende sei und wir ein lebensmüdes Volk seien. Bei all den Mühen und der Schwere der Zeit (so fährt unser Volksgenosse fort), gelte es vor allem, einen klaren Kopf zu bewahren und sich einmal die wahren Zah­len anzusehen. Danach stehe es doch unerschütterlich fest, daß unser Volk sich seit dem vorigen Jahr­hundert in ungeheurem Moße vermehrt und selbst die schwere Erschütterung des Weltkrieges in be­wundernswerter Weise überstanden habe, so daß sogar die Spanne von 1925 bis zur letzten Volks­zählung 1933 einen Zuwachs gebrocht hätte. Und dann hiermit glaubt er uns endgültig geschlagen zu hoben müsse mon die große Not in unserem Lande, das viele Elend und dos Unglück der Ar­beitslosigkeit berücksichtigen, die doch jedem Ver­langen nach kinderreichen Familien entgegenstünden.

Gegen solche Feststellungen, daß unser Volk in den letzten Jahrzehnten dauernd im Wachsen ge­wesen ist und daß heute die schlechte wirtschaftliche Lage bedrückend auf viele Volksgenossen wirkt, ist an und für sich nichts zu sagen. Sie stimmen als Einzeltatsachen. Aber sie genügen nicht, um zu sehen, wo dos Leben unseres Volkes als Gan­zes steht. Das Leben der Nation ist vielgestaltig, alte und junge Generationen haben an ihrem Auf­bau Anteil, und in jedem Augenblick greifen Tod und Geburt in diese Vielheit der Erscheinungen ein und verändern das Gesamtbild. Wenn wir die Kraft und die biologische Stärke eines Volkes beurteilen wollen, so genügt nicht allein die Feststellung der Gesamtzahl, sondern wir müssen die Zunahme ober Abnahme der Fruchtbarkeit eines Volkes beobachten. Hier an der Nahtstelle der Generationen entscheidet sich das Leben einer Nation, ob es weiter wachsen und sich seine Zukunft gestalten will, ober ob es mübe Verzicht leisten will auf alles, was Zukunft und Hoffnung für ein unbekanntes Kinderland in sich birgt

Bei einer solchen Betrachtung muß man ober fest­stellen, daß der biologische Lebenswille unseres deutschen Volkes erheblich im Schwin­den ist und daß seit der Jahrhundertwende die Geburtenziffer so st eil gesunken ist, daß sie heute schon nicht mehr ausreicht, um auch nur den Bestond zu erhalten. Wenn die absolute Zahl des Volkes nicht zurückging, sondern vorläufig noch anstieg, so hat bas seinen Grund darin, daß infolge der medizinischen Fortschritte, besonders in der Frage der Seuchenbekämpfung und in der Be­kämpfung der Säuglingssterblichkeit, die Zahl der Todesfälle sehr stark gesunken ist und wir dem­gemäß viel mehr Menschen in höherem Lebensalter in unserem Beoölkerungsaufbou haben. Diese Bevölkerungsschicht der Vierziger und Fünfziger wird außerdem noch dadurch bedeutend verstärkt, daß sie aus den geburtenreichen Jahr­gängen der Jahrzehnte vor 1900 stammen. Es ist aber klar, daß, sobald diese Generationen in das natürliche Sterbealter einrücken, die Sterb e- ziffe r. wieder hinaufgehen muß. Dies wird in ungefähr 10 bis 20 Jahren der Fall sein.

Schon in allernächster Zeit, die wir selbst noch miterleben werden, wird, wenn die Entwicklung so fortschreitet wie bisher, noch dem anfänglichen Ge­burtenrückgang auch ein nach außen hin deutlicher Rückgang der Gesamtzahl der Bevölke­rung zwangsläufig eintreten müssen und bann in einigen Jahrzehnten die Gefahr für bas Wohl unb

den Bestanb aller unumgänglich heraufbeschwören. Die Geschichte bulbet keine leeren ober schwach be- siebelten Räume, und der bevölkerungspolitische Druck des Slawentums wird zu einer Öejahr für den Bestand der deutschen Nation. Dieser Gefahr kann sich auch der nicht entziehen, der heute be­

sonders klug zu handeln glaubt, wenn er sagt, mein Kind soll es einmal leichter haben als ich. Diese Denkweise ist kurzsichtig und bedroht, wenn sie weiter ungehindert die zukünftige Entwicklung be­einflussen darf, schließlich auch den einzelnen in der Sicherung seines Daseins.

Der Reichsbankpräsideni vor derAuslandspreise.

Dr. Schacht bei seinem Vortrag, den er über die deutsche Devisen- und Schuldentilgungs­politik im Reichspropagandaministerium vor den Vertretern der Auslandpresse hielt. Am Tisch vor dem Rednerpult Reichsminister Dr. Goebbels und Staatssekretär Funk.

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Der neue Mrtschastskörper im Werden.

Von Dr. 3. Serie, Geschäftsführer des Reichsstandes der Deutschen Industrie.

Der Besuch des Reichsministers für Volksaufklä­rung und Propaganda Dr. Goebbels in War­schau hat der ganzen Welt erneut gezeigt, daß das neue Deutschland entscheidenden Wert darauf legt, auch jenseits der Grenzen um Verständnis für die politisch-geistige Struktur des Nationalsozialismus zu werben. Selbst der wohlmeinende Ausländer ist nicht so wie der Inländer in der Lage, die Grund- elemente und Ziele der neuen deutschen Staats- und Volksführung mit der Klarheit und Sicherheit zu erkennen, die notwendig ist, um ein wirklich zutref­fendes Urteil über die Entwicklung fällen zu können. Dies gilt so gut für bas politische unb kulturelle, wie für bas wirtschaftliche Gebiet. Gerade triefe Tatsache konnte ist noch vor einigen Wochen bei internatio­nalen Verhandlungen im Auslande, an benen Jndu- strievertreter aus 14 europäischen Staaten teilnah- men, gut beobachten. Auch in ber beutschen Wirt­schaft vollzieht sich gegenwärtig eine Umstellung, bie nicht einfach an Erscheinungen ber Oberfläche, ober an einzelnen Ereignissen gemessen werben kann, son- bern bie nur aus einem Einblick in bie grunblegen- ben Elemente des neuen Wirtschaftsaufbaues heraus begriffen werden kann.

Alles wurde hinter zwei Aufgaben zurückgestellt, bie in einem inneren Zusammenhang stehen, näm­lich der Rettung des deutschen Bauerntums durch die Sicher st ellung des deutschen Bauern­hofes und der Rettung der deutschen Arbeiterschaft durch die Sicher st ellung des Arbeits-

platzes" diese Feststellung, die der Führer traf, zeigt deutlich, daß sich die nationalsozialistische Regierung bei ihrer Machtübernahme von vornher­ein des Unterschiedes bewußt war, ber sich nach Lage ber Dinge für bie Erfüllung ber einzelnen Teile bes nationalsozialistischen Wirtschaftspro­gramms ergab, nämlich ber Glieberung in bie pri­mären, materiellen Sofortaufgaben einerseits unb bie Gesamt- unb Dauerum- st e l l u n g ber Wirtschaft auf bie national­sozialistischen Karbinalgrunbsätze anberseits. In schnellem Tempo würbe ber Neuaufbau ber Land- wirtschaft in Angriff genommen, unb mit ber glei­chen Energie ging bie Regierung an bie Ueberwin- bung ber Arbeitslosigkeit. Der Einsatz ber staat­lichen Krebitbewilligung unb Krebitbeschaffung führte auch zu einer alsbalbigen Lösung der be­stehenden Erstarrung auf dem deutschen Geld- und Kapitalmarkt.

Darüber hinaus sind bereits eine Reihe grund­legender Maßnahmen getroffen worden, die den Umriß des künftigen Gebäudes und die wichtigsten Wege für die Erreichung der natio­nalsozialistischen Endziele auf dem Gebiete der Wirtschaft deutlich erkennen lassen. Zwei Eckpfeiler des Programms ber NSDAP, von 1920 finb es vor allem, durch die diese Endziele gekennzeichnet wer­den, nämlich erstens der Grundsatz des Punktes 24 des Programms: Gemeinnutz vor Eigen- n u tz, zweitens die Forderung des Punktes 11, die

Gottfried Feder in seinem Kommentar als das Herzstück des Nationalsozialismus"^bezeichnet hat, nämlich die Brechung der Zinsknecht­schaft. Während ber ersterwähnte Grunbsatz ebenfalls nach einem Ausbruck von Feber bie Gesinnung bes ganzen Programms ber NSDAP, barstellt unb seine Anwenbung sich in- solgebessen auf alle Bereiche bes völkischen, staat­lichen, kulturellen unb wirtschaftlichen Lebens er­streckt, trägt bie zweite Forberung insbesondere wirtschaftspolitischen Charakter. Sie geht weit über das Teilgebiet bes eigentlichen Zinspro­blems hinaus, indem hierdurch Die ©runbfrtigen ber Wirtschaftsgestaltung überhaupt er­faßt werben, so bas Verhältnis zwischen Kapital unb Arbeit, Unternehmertum unb Staat, Wirtschaft unb Volk. Das wesentliche ist, baß bas Kapital sei­ner bisherigen Rolle als Beherrscher bes Staa­tes, Beherrscher ber Wirtschaft, Beherrscher ber Arbeit unb bes Arbeiters entfleibet wirb unb baß es ftattbeffen nun Diener ber Wirtschaft, Diener bes Staates, Diener ber Arbeit werben soll. An Stelle eines anonymen, unkontrollierbaren Herr­schaftsbereiches mit stärksten Expansionstendenzen für bie Ausübung bes Machteinflusses soll ber vom Staat überwachte, von ber persönlichen Verantwor­tung getragene Einsatz bes Kapitals an ber rich­tigen Stelle, zu bem richtigen Zeitpunkt unb zu ben richtigen Bebingungen treten.

Eine derartige Umformung ber aefamten wirt­schaftlichen Struktur ist selbstverständlich nicht von heute auf morgen zu erreichen. Grab unb Tempo bes Erfolges hängen in weitem Umfange von ben Maßnahmen ab, bie zur Erreichung dieser Ziele auf dem Gebiete der Menschenführung im wirtschaftlichen Leben, wie auf dem Ge­biete der besonderen sachlichen Wirtschafts­führung selber getroffen werden. Die allgemeine Menschenführung und die Erziehung zur Volks­gemeinschaft auf dem Gebiete des Wirtschafts­lebens hat die Deutsche Arbeitsfront be­reits mit Tatkraft in Angriff genommen. Daneben ist aber auch der Neuaufbau und die Neubildung ber eigentlichen Wirtschaftsführung im Sinne ber sachlichen unb fachlichen Leitung unb Beein­flussung ber Wirtschaftsvorgänge eine unerläßliche weitere Voraussetzung für ben Dauererfolg. Wenn bie fachliche ober regionale wirtschaftspolitische Ap­paratur ber Unternehmer nicht von ben gleichen obersten Zielsetzungen beherrscht wäre, wie sie ben allgemeinen Erziehungsprinzipien bes National­sozialismus entsprechen, bann würbe auf bie Dauer eine unerfreuliche Diskrepanz zwischen ber Men­schenführung und ber Wirtschaftsführung entstehen müssen, unb es wäre unmöglich, zu einer frucht­baren Synthese zwischen ber selbstverständlichen Unterorbnung unter bas Gemeinwohl unb ber gerabe auch nach ben Ausführungen Abolf Hitlers absolut unentbehrlichen Entfaltung der schöpferischen Einzelkräfte zu gelangen.

Dieser neue Wirtschaftskörper ist jetzt im Werden. Seine organisatorische Grundlage ist das Gesetz zur Vorbereitung bes orga­nischen Aufbaues ber Wirtschaft, durch bas ber Reichswirtschaftsminister ermächtigt würbe, Wirtschaftsverbänbe als allgemeine Vertretung ihres Wirtschaftszweiges anzuerkennen, solche Ver­bände zu errichten, aufzulösen oder miteinander zu vereinigen, ihre Führer zu bestellen und abzu­berufen und Außenstehende an Wirtschaftsverbänbe anzuschließen. Am 13. März würbe Direktor Keß­ler zum Führer ber Gesamtorganisa­tion ber gewerblichen Wirtschaft, Graf von ber Goltz zu seinem Stellvertreter ernannt. Damit ist ber grunblegenbe äußere Rahmen für ben organisatorischen Aufbau bes neuen Wirt­schaftskörpers geschaffen. Es wirb jetzt daran ge­arbeitet, die Vielgestaltigkeit des Bestehenden in den neuen Rahmen einzufügen und ihn im einzelnen so auszufüllen, wie es dem Sinne dieses großen schöpferischen Aktes entspricht.

Ein deutscher Wirtschaftskörper, der in der ge­schilderten Weise aufgebaut unb mit nationalsozia­listischem Geiste erfüllt ist unb ber seine ganze Ar­beitsfähigkeit entschlossen unb zielbewußt in ben

Kientopp um 1900."

Aus der Entwicklungsgeschichte des Films.

Die NS.-GerneinschaftKraft burch Freude", bie Deutsche Bühne unb ber Kampfbund für deutsche Kultur hatten zu einem interessanten Filmvortrag eingeladen: der Schriftsteller Walter Steinhauer (Leipzig) gab unter der UeberschriftKientopp um 1900" in ber Aula einen ebenso amüsanten wie aufschlußreichen, zum Nachbenken unb zu mancher­lei Vergleichen anregenden Querschnitt durch bie Entwicklung des Films von seinen ersten schüchter­nen Anfängen bis in die Gegenwart und illustrierte seine Darlegungen durch ein reiches und seltenes Material aus seinem Filmarchiv.

Der Gießener Ortsgruppenleiter der Deutschen Bühne, Dr. K. E. Ruckelshausen, gab ein­leitend einen kurzen Rückblick über die Entwicklung des Films, der gerade heute wichtig sei, um die noch zu lösenden Probleme vor allem künstlerisch-kultu­reller Art zu erfassen; er wies auf die oft festge­stellte Tatsache hin, daß die technische Entwicklung die künstlerische überrannt habe, daß man aber ebenso oft übersehe, was seit den fast vergessenen Anfängen zur Hebung der Filmkultur und des Film- gcschmacks bereits geschehen sei. Heute nun solle mit Humor gezeigt werden, welche Abstände zwischen i jenen ersten Versuchen und der modernen Technik sich auftun.

Herr Walter Steinhauer begann die Vorfüh­rung seines heiteren Raritätenkabinetts mit einem Dank an die Veranstalter. Er sprach zunächst von ber rasenben Entwicklung, welche bie Erfinbung ber Kinematographie durchgemacht habe; wir haben schon den Blick für bie Anfänge verloren, die Er- Iinnerung an die Unzulänglichkeiten und den Kitsch aus den Kinder- und Flegeljahren des Films. Eine Reihe ältester, alter unb neuer Filme solle veran­schaulichen, was sich in den letzten vier Jahrzehnten auf diesem Gebiet ereignet hat.

Steinhauer entwarf dann ein lebendiges Bild jener Jahrmarktsbuden, in denen dasgrößte Welt­wunder des Jahrhunderts" zuerst vor dem staunen­den Publikum erschien. Er erinnerte daran, wie das Interesse des Publikums damals schnell erlahmte unb bereits um 1900 bie erste Filmkrise zu erleben war aus Kinomüdigkeit und Mangel an geeig- Inetem Stoff. Eine erheiternde Schilderung des alten, 'chlechtgelüfteten Ladenkinos mit 15-Meter-Filmen, mit Anreißer und Bilderklärer versetzte bie Hörer n bie typische Situation jener Sturm- unb Drang- Ö eit zurück.

Oskar Meßter, einer ber verdientesten deut- 'chen Filmpioniere, schus eilte Neubelebung durch die

Einführung einer vorerst noch sehr bescheidenen Hanblung" in bas bisher nur bewegliche Bilb. Durch eine sinnreiche Zusammenschaltung mit Schall- platten entstaub sogar schon um 1903 so etwas wie ber erste Tonfilm. Jetzt begann sich auch bas Publi­kum für bie ersten Filmschauspieler zu interessieren: Asta Nielsen, Wanda Treumann, Viggo Larsen unb Waldemar Psilanber hießen bie Berühmtheiten jener Zeit. Hand in Hand ging die technische Ver­feinerung der Kinematographie. Aus dem Kientopp erwuchs das Lichtspielhaus; der Film wurde lang­sam gesellschafts- unb weltmarktfähig. Er würbe Lehr- unb Werbemittel weit über unsere eigenen Grenzen hinaus. Die anschließenben Bilber- unb Szenenfolge war gleichermaßen aufschlußreich für bie technische wie bie geschmackliche Entwicklung seit ber Jahrhundertwende.

Die Vorführung begann mit einer kleinen Geschichte der Kinematographie; sie erläuterte im Bild zunächst die optischen, technischen und historischen Voraus­setzungen der Erfindung, die im Prinzip bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Man sah die ersten tastenden Versuche, lebende, d. h. bewegliche Bilder hervorzubringen; man sah die Vorläufer des Kinos in denßebensräbern", in Wundertrommeln und Wunberbüchern, schließlich ben ersten Filmapparat von 1888 ein wahrhaft abenteuerliches Instru­ment. An der eigentlichen Erfindung waren Deut­sche, Franzosen und Amerikaner ziemlich gleichzeitig beteiligt. 1895 erschienen bie ersten Kurzfilme ber Brüber ßumiere in Paris. Diese seltenen Doku­mente aus ber Geschichte der Kinematographie wurden hier gezeigt, vier Jahrzehnte alt, und man­cher wird über bie verhältnismäßig erstaunliche tech­nische Reife bieser ersten Filmaufnahmen gestaunt haben.

Interessantes Material sah man auch aus ber ak­tuellen Berichterstattung um 1900; ber (leiber un­echte, b. h. gestellte) Bismarck-Film von Meßter, bieAusfahrt ber Chinakrieger" unb die Bilber von Zeppelin unb König Albert von Sachsen kön­nen als früheste Vorläufer ber heutigen Wochenschau gelten. Don heiterster Wirkung war einer ber ersten Trickfilme jener Zeit,Das verkehrte Berlin".

Die ältesten Spielfilme charakterisieren sich meist schon burch ihre Titel als harmloser Klamauk:Der gefräßige Neger",Die Gliederpuppe",Der kleine Apfeldieb",Die Schmetterlingsjagd". Eine zweite Gruppe arbeitet bereits mit ausgesprochenen Span­nungsmomenten (Kinb unb Revolver") auch bie Groteske taucht bereits bamals im Film auf (Der Traum bes Fischers"). Eine große Anzahl älterer Filme, französischer Herkunft, charakterisiert sich burch einen erotischen Einschlag unb kennzeichnet das geschmackliche Niveau des damaligen Publikums.

Die Entwicklung führte bann in bie Vorkriegs­zeit, bie Kriegs- unb Nachkriegszeit; hier war ins­besonbere bie zunehmende Verfeinerung bes Dar­stellungsstiles zu beobachten an interessanten Auf­nahmen aus ben Anfängen berühmter Schauspieler (Deibt, Porten, Nielsen, Krauß). Zum Schluß einige Proben von ber gereiften und-technisch vollkomme­nen Kamerakunst ber Gegenwart in Ausschnitten aus bemBlauen Licht" unbWilhelm Tell".

Der Vortragenbe schloß seine Ausführungen mit bem Appell an bas Publikum, ben guten, künstlerisch wertvollen Film, ben bie neue Regierung als einen staats- unb kulturpolitischen Faktor von hohem Rang geroürbigt wissen wolle, mit allen Kräften zu förbern. Die Hörerschaft bankte mit lebhaftem Bei­fall für bie vielseitig anregenbe unb mehr als nur unterhaltsame Veranstaltung.

llnromantische Rosenernte.

Bulgarien bietet in biefen Wochen für den Rei- fenben eine befonbere Anziehung, benn im Monat Juni erreicht bie Rosenernte hier ihren Höhepunkt, unb basTal ber Rosen", bas sich östlich von Sofia von Pirdok nach Kasanlik in westlicher Richtung erstreckt, wirb zum beliebten Ausflugsort. In ben Stäbtchen unb Dörfern bes Tales, unter benen gegenwärtig Kliffura, Ramanlare, Asiklare, Kar­lowa unb Kalofer bie wichtigsten sind, werden 80 Prozent jenes köstlichen Rosenöles gewonnen, das die Grundlage für alle Rosendüfte der Par­fümeriefabriken liefert. Das Tal verläuft am Fuße des Balkan, der sich hier bis zu einer Höhe von etwa 2000 Meter erhebt, unb zwar an ber Süd- feite, bie steil abfällt, währenb bie Norbfeite in welligem Hügelland verebbt. In ben letzten breißig Jahren ist bas Tal der Rosen allmählich westwärts gewandert. Früher war Kasanlik der Mittelpunkt ber Rosenernte, ganz eingebettet von Rosengärten, aber heute blüht östlich von Kasanlik keine Rose mehr. Krankheit ber Pflanzen unb schlechte Bewirt­schaftung haben biefen Niebergang verursacht, benn bie Blume, bie bie buftenbe Essenz birgt, ist eine sehr zarte unb launische Pflanze, bie sorgfältiger Pflege bebarf. Die befonbere Stellung, Die bas Rosental einnimmt, verbankt es zum guten Teil bem Umftanb, baß es bas einzige Gebiet in Bul­garien ist, bas am frühen Morgen reichlich Tau erhält. Der Tau aber ist notwendig, um ber Blume bie volle Entfaltung ihres Duftes zu ermöglichen.

Wer die bulgarische Rosenernte mit der Erwar­tung besucht, hier paradiesische Farben und eine mächtige Formenfülle zu genießen, wird freilich zunächst schwer enttäuscht sein. Die bulgarische Rose hat nichts von der Schönheit und dem Glanz der

Blumenkönigin unserer Gärten; sie sieht auf den ersten Blick recht unscheinbar, ja überhaupt kaum wie eine Rose aus. Was man erblickt, sind keine prächtigen Blumenbeete, sondern Felder mit Bü­schen, die eher wie Kohl als wie Rosen wirken. Die Blume selbst hat die Gestalt einer Moschusrose, aber die Farbe ist unrein, schmutzig-weiß und blaß- rosa. Wenn man sich jedoch von ber ersten Ent­täuschung erholt hat, bie bem Auge bereitet wird, dann erhält bie Nase einen befonberen Genuß, benn bie ganze Luft ist von einem herrlichen Geruch er­füllt. Zum Besuch ber Rosenernte muß man früh aufstehen. Schon vor Sonnenaufgang finbet man bie Bauernmäbchen aus ben kleinen Orten eifrig beschäftigt, bie Knospen zu pflücken, fo lange noch der Tau auf ihnen liegt. Es hat nichts Roman­tisches, wenn man zuschaut, wie bie Rosen abge­rissen unb in Säcke gestopft werben, woraus sie zur Destillation kommen. Hier werben bie Blumen in einen Kochkessel geworfen, in bem ber Wasser- bampf burch ein Labyrinth von Röhren geleitet wirb. Nachbem bie Blätter biefen Weg gegangen finb, tropft aus einem Hahn eine Flüssigkeit in eine Glasflasche, in ber man bas Rosenöl auf bem Rosenwasser schwimmen sehen kann. Auch bie Ro­senernte Bulgariens ist von ber allgemeinen Wirt­schaftskrise nicht unberührt geblieben; sie bat sogar befonbers barunter gelitten, denn bas Rosenöl ist ein Luxusartikel, ber von ber Konkurrenz billiger Ersatzstoffe, befonbers bes Geranien-Oels, schwer betroffen wirb. Schließlich mußte sich bie bulgarische Lanbwirtschaftsbank ber noHeibenben Rosenbauern unb Destillateure annehmen. Gegenwärtig ist bie Lanbwirtschaftsbank bie Großunternehmerin, bie bie Rosen kauft unb bie Destillierung besorgt. Die Großhändler kaufen wieder von d"r Bank ober diese setzt bas Rosenöl selbst ab. Mit bieser Zen­tralisierung ist noch ein anberer Vorteil verbun- ben. Man hatte nämlich angefangen, bas Rosen­öl mit Geranienöl zu versetzen, um es billige zu machen. Diese Verfälschung, bte zwar streng ver­boten ist unb schwer bestraft wirb, aber boch im­mer vorkam, ist nun burch bie Bank ausgeschaltet, von der die Reinheit des Produktes garantiert wird.

ßocbfdwlnothridrten.

Der Ordinarius für innere Medizin an der Deut­schen Universität Prag, Prof. Dr. W. Nonnen- bruch, erhielt einen Ruf auf den Lehrstuhl für innere Medizin an der Universität Hamburg.

Der frühere Ordinarius für Sieblungsforschung unb Geschichte an der Universität Innsbruck, Professor Dr. Adolf Helbok, hat einen Ruf als Ordinarius an die Universität Berlin erhalten.