Ausgabe 
23.6.1934
 
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betätigt zu haben. Er war seinerzeit der Staats- rechtslehrer des nachmaligen Kaiser Karl von Oester­reich.

Zuchthaus für nationalsozialistische Zettelverteiler.

Wien, 22. Juni. (DNB.) Vor einem Salzburger Schwurgericht wurden zwei Nationalsozia­listen, die F l u g z e t t e l ausgestreut hatten, zu ein b sechs Monaten schweren Ker­kers verurteilt. Diese Strafe übertrifft bei weitem die Strafen, die jetzt gegen den größten Teil der Schutzbündler verhängt wurden, welche aktiv an den Kämpfen des 12. Februars teilgenommen und zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen haben. Neue Gnadenakte ober immer nur für Schutzbündler.

Wien, 22. Juni. (DNB.) Das der Regierung nahestehendeKleine Blatt" berichtet, daß eine neue Begnadigungsaktion für sozial­demokratische Schutzbündler bevorsteht, die sich auf solche Häftlinge erstreckt, die bereits abgeurteilt worden sind. Ende des Monats werden im Zuge einer sogenannten Administrativ- Begnadigung alle diejenigen sozialdemokratischen Schutzbündler, die bereits die Hälfte ihrer Strafe verbüßt haben, in Freiheit gesetzt werden.

Hohe Kerkerstrafen

gegen Grazer Kommunisten.

Wien, 22. Juni. (DNB.) In dem Grazer Standgerichtsprozeß gegen die beiden Kommunisten Gottfried W r e t s ch k o und Franz P a y e r l ist heute mittag das Urteil gefällt wor­den. W r e t s ch k o wurde zu 15 Jahren, Payerl zu 18 Jahren schweren Kerkers auf Grund des § 6 des Sprengstoffgesetzes verur­teilt. In den Wohnungen der beiden Angeklagten wurden große Mengen von Zündschnüren, Spreng­kapseln, Sprengkörpern, Ammonit, Sauerstofflaschen, ferner Vervielfältigungsapparate und reiches fozial- demokratiscbes Propagandamaterial aufgefunden. Wretschko soll nach der Anklage in der Franziska- nerkirche, im Keller des Städtischen Amtshauses und unter dem Büro der Pdlizeiwachstube Spreng­körper niedergelegt haben. Sie wurden jedoch rechtzeitig entdeckt und die brennenden Zündschnüre ab gelöscht.

Das Reichskonkordat.

Besprechungen in Berlin.

Berlin, 22. Juni. (DNB.) Wie aus kirchlichen Kreisen verlautet, werden am 25. Juni im Reichs­innenministerium die Besprechungen über die An­wendung des Reichskonkordats zwischen der Reichsregierung und drei Vertretern des deutschen Episkopates beginnen. Von feiten des Episkopates sind Erzbischof Dr. Gröber (Freiburg), Bischof Dr. Berning (Osnabrück) und Bischof Dr. Bares (Berlin) mit der Führung der Besprechungen beauftragt wovden. Ueber die Dauer der Besprechungen ist Näheres nicht bekannt.

Weitere Zunahme der Beschäftigtenzahl.

Berlin, 22. Juni (DNB.) Das Ergebnis der von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung geführten Krankenkassen- mitglieder-Statistik für Mai 1934 weisen eine weitere Zunahme der Beschäftigten um rund 236 000 oder 1,5 o. H. aus. Die Gesamt­zahl aller am 31. Mai 1934 Beschäftigten betrug rund 15 559 000, das sind rund 2 379 000 oder 18 Prozent mehr als zur gleichen Zeit des Vor­jahres.

Die Zunahme der Beschäftigten (plus 236000) war im Monat Mai wiederum erheblich größer, als die Abnahme der Arbeitslosen (minus 80 000). Die Gründe dafür dürften, wie auch im April, einmal in der erfolgreichen Unterbringung von Jugendlichen, insbesondere von Ostern aus der Schule Entlassenen zu suchen sein, dann aber auch darin, daß viele Volksgenossen, vorwiegend Fami­lienangehörige, die früher kaum Aussicht auf Ein­stellung hatten, bei der gebesserten Beschäftigtenlage wieder in Arbeit gekommen sind.

Oie 4 v.H.-Anleihe

des Deutschen Reiches von 1934.

Berlin, 22. Juni. (DNB.) Die Anmeldungen zum Erwerb der 4 v. H.-R eichsanleihen von 19 3 4 sind in sehr befriedigendem Umfang einge- laufen und haben ein Gesamtergebnis von fast 300 Millionen R M. erbracht. Hiervon verteilt sich knapp die Hälfte etwa gleichmäßig auf Neuzeichnung und Umtausch der 1929er Reichs­anleihe, während die andere Hälfte auf den Um­tausch der Anleiheablösungsschuld entfällt. Von letz­terer sind rund 80 v. H. des umlaufenden Betrages zum Umtausch in die 4 v. H. Reichsanleihe von 1934 angemeldet worden.

Bedingte Eintrittsmöglichkeit für Jugendliche in die OAF.

Berlin, 22. Juni. (DNB.) Das Jugendamt der Deutschen Arbeitsfront erläßt in Verbindung mit dem Organisationsamt der DAF. folgende Anord­nung:

Die Aufnahmesperre der DAF. für männliche Jugendliche bis zu 18 Jahren und sür weibliche Jugendliche bis zu 21 Jahren wird hiermit aufgehoben.

Vorbedingung für die Erwerbung der Mitglied­schaft in der DAF. ist jedoch die Z u g e h ö r i g k e 1t zur HI. bzw. zum BdM.

Die NSBO.-Dienststellen können also Jugendllche bis zum obengenannten Alter nur dann auf- nehmen, wenn diese bei ihrer Aufnahme in die DAF. ihre Zugehörigkeit zur HI. bzw. zum BdM. nach- veisen.

Gez.: Langer, Leiter des Jugendamtes, OBF.

und Referent in der RIF.

Gez.: Selzner, Organisationsamt der DAF.

Arbeitsdienstpflicht in Danzig.

Danzig, 23. Juni. (DNB.) Der Danziger Senat hat durch Verfügung das obligatorische Ar - beitsdienstpflichtjahr sür jeden arbeits­fähigen Danziger Staatsbürger vom vollendeten 17. bis 25. Lebensjahr eingeführt. Die Verordnung be­stimmt, daß die Arbeiten des Danziger Arbeitsdienstes grundsätzlich ifo auszuwählen und zu gestalten sind, daß sie nach Möglichkeit nicht die freie Wirtschaft beeinträchtigen und keinen Arbeitnehmer aus seiner Dienststelle verdrängen.

Macdonalds Ltrlaub.

Krisengerüchte in der englischen Oppositionspresse.

London, 23. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Mini­sterpräsident Macdonald wird seinen auf drei Monate bemessenen Erholungsurlaub voraussichtlich noch vor Ende nächster Woche antre­ten. Macdonald möchte ihn an sich zum größten Teil in seiner Heimatstadt L o s s i e m o u t h ver­bringen. Sein Augenarzt Horder empfiehlt jedoch einen Aufenthalt im Aus lande. Vertreten wird Macdonald durch Baldwin. Die Oppositionspresse schlachtet die Nachricht von Macdonalds Erholungs­urlaub aus, um wieder einmal weitgehende Mut­maßungen über eine Kabinettsumbildung in Umlauf zu setzen.

Die liberale ZeitungNews Chronicle" schreibt, es sei recht ungewiß, wie sich die Zukunft des Kabinetts gestalten werde.

Macdonalds Erholungsurlaub fei für ihn nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistige Erholung von dem wachsenden Druck der konser­vativen Minister, der die endgültige Zustimmung des Kabinetts zu einer Politik der Wiederauf­rüstung und Isolierung herbeigeführt habe.

Die dauernde Unterordnung derNationalen" un­ter die Konservativen habe Dem Ministerpräsidenten beinahe das Herz gebrochen. Es sei durchaus denk­bar, daß Macdonald zurücktrete, vielleicht auch Baldwin. Jrn Falle eines Rücktritts Mac­donalds könne man mit Neuwahlen rechnen.

Das sozialistische OppositionsblattDaily Herold", das sich häufig in sensationellen Aufbauschunaen ge­fällt, will sogar wissen, daßdie plötzliche Mittei­lung von Macdonalds Rücktrittsabsichten große Auf­regung in politischen Kreisen hervorgerufen habe. Man flüstere bereits von einem Kabinett, in dem Macdonald nicht mehr Ministerprä­sident sein würde, sondern nur noch Berater, während die rechtskonservatioen Kreise darin in stärkerem Maße vertreten sein würden.

Baldwin, der sich aufs engste mit den po­litischen Gedankengängen Macdonalds verbun­den fühle, würde dann ebenfalls zum Rücktritt gezwungen sein.

Demgegenüber warnt der politische Mitarbeiter

desDaily Telegraph" davor, den Gerüchten über etwaige Kabinettsänderungen Glauben zu schenken. Macdonald werde an der Spitze der Regierung bleiben. Die einzige Aenderung würde vielleicht dahingehen, daß Macdonald von dem rein bürokratischen Teil seiner Amtsgeschäfte entlastet würde.

Genugtuung in Paris.

Paris, 22. Juni. (DNB.) Die aus London ein- treffende Nachricht, daß Ministerpräsident Mac­donald auf ärztliches Amaten einen dreimona­tigen Erholungsurlaub antreten wird, wird in ge­wissen Pariser Kreisen mit Genugtung ausgenommen. Man rechnet damit, daß Außenmini­ster Barthou bei seinem Besuch in London nicht von Macdonald, sondern von Baldwin empfan­gen wird. Dies ist, so schreibt in diesem Zusammen­hang ein Abendblatt, vom außenpolitischen Gesichts­punkt aus sehr wichtig, da der Führer der Kon­servativen Partei immer in der Wirklichkeit gedacht und für den französischen Standpunkt großes Verständnis habe.

Barthou in Bukarest.

Vollständige Uebereinstimmung."

Bukarest, 23. Juni. (DNB.) Der französische Außenminister Barthou empfing am Freitag, dem dritten Tage seines Aufenthalts in Rumänien, Pressevertreter, vor denen er besonders betonte, daß im Verlaufe einer Unterredung mit dem Minister­präsidenten Tatarescu eine vollständige Uebereinstimmung Frankreichs und Rumä­niens festgestellt worden sei.

Die rumänische Akademie hat in feier­licher Sitzung Barthou zum Ehrenmit­glied ernannt. Barthou dankte in einer kurzen Ansprache für diese Ehrung. Der König hat Barthou den Orden für kulturelle Verdienste ver­liehen.

Am heutigen Samstagvormittag trat der franzö­sische Außenminister die Weiterreise nach Bel­grad an.

Aus aller Wett.

Dr. Goebbels über aktuelle Fragen des Films

Auf Einladung des Reichsministers für Volks­aufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, fand im Propagandaministerium eine Aussprache über aktuelle Filmfragen statt, an der die führenden Persönlichkeiten der Filmwirtschaft und Filmkunst teilnahmen. Präsident Dr. Scheuer­mann betonte die schwierige Lage der Theater­besitzer, die durch die noch immer nicht beseitigte Lustbarkeitssteuer, die in Wahrheit eine exorbitante Sonderumsatzsteuer darstellt, sowie durch sonstige Abgaben schwer zu leiden hätten.

Reichsminister Dr. G o e b b e l s erklärte, er werde sich nach wie vor dafür einsetzen, daß die wirtschaft­liche Lage der Filmindustrie eine Besserung erfahre, anderseits müsse er aber auch verlangen, daß das nationalsozialistische Prinzip im deut­schen Film stärker zur Geltung komme als bisher. Er verlange keine nationalsozialistischen Programm­filme oder gar eine Darstellung von politischen Er­eignissen, sondern eine Durchdringung des Stoffes mit nationalsozialistischen Ideen und Problemen und eine Anerkennung und Darstellung des Prin­zips höchster Verantwortung, aber auch höchster Autorität. Er verlange eine Filmkunst, die klar und hart auf ein bestimmtes Ziel hinsteuert. Es fei nicht wahr, daß das Ausland nur den deutschen Ausstattungsfilm wolle. Man solle dann lieber auf den ganzen Film verzichten, wenn in aller Zukunft nur solche deutschen Filme hergestellt werden könn­ten. Er wende sich nickst gegen den Lustspielfilm, sondern gegen den gei st losen Lustspiel­fi l m. Es müßten noch mehr als bisher junge Kräfte herangezogen werden, die das große Er­leben unserer Zeit auch im Film künstlerisch zur Darstellung bringen. Der Minister sprach sich gegen eine die Leistung nivellierende Gehaltsnor- mung aus, verlangte aber, daß sich die soldatische Disziplin auch in der Arbeitsweise unseres künstle­rischen Lebens durchsetzen müsse. Dies sei kein Hin­derungsgrund dafür, daß sich die Filmkunst ihren leichten, phantasiebeschwingten Sinn bewahre. Die Herren aus der Filmwirtschaft versicherten, daß sie alle Kräfte anspannen würden, um im Sinne der von dem Minister aufgestellten Richtlinien die deutsche Filmproduktion zu führen, wobei sie die Förderung, die die Filmwirtschaft durch Dr. Goeb­bels erfahren hat, dankbar anerkannten.

Der Hirtsiefer-Prozeß.

Zu Beginn der Freitagverhandlung im Hirt­siefer-Prozeß wandte sich der Vorsitzende gegen einige unrichtige und übertriebene Pressebe­richte übet den ersten Verhandlungstag. Dann wird in der Vernehmung der Angekagten über ihren Tätigkeitsbereich fortgefahren. Der Angeklagte Mi­nisterialrat i. e. R. Dr. Alexander Schneider gibt an, daß er Vorsitzender der Reichszentrale Landaufenthalt" gewesen ist. Er äußert sich ein­gehend über die Tätigkeit dieses Verbandes und seine eigenen Aufgaben innerhalb dieser Organisa­tion. Auf Befragen erklärte er, er habe von der Reichszentrale eine monatliche Aufwandsent­schädigung von 100 RM. erhalten, seine Reise­entschädigung sei die für Beamte übliche mit einem Zuschlag von 20 v. H. gewesen. Für die in der Anklage gerügten Mißstände macht der Angeklagte in der Hauptsache den jetzt angeklagten Geschäfts­führer der Reichszentrale Dr. G e r l i ch verant­wortlich.

Es kommt bann eine Reihe von Protokollen zur Verlesung, die das organisatorische Verhältnis der einzelnen Wohlsahrtsverbände und der Reichs- und Staatsressorts im Rahmen der ReichszentraleLand- aufenhalt" zum Gegenstand haben. Als letzter der vernommenen Angeklagten schilderte Dr. G e r l i ch seine Arbeit, die nach seiner Bekundung im natio­nalpolitischen Sinne lag. In längeren Ausführun­gen wendet sich der Angeklagte dann gegen die Vor­würfe, die die Angeklagten Schneider und Pe­ters im Verlaufe ihrer Ausführungen gegen ihn erhoben haben.

Am Schluffe der Derhandluna überreichten die Verteidiger der Angeklagten Hirtsiefer, Peters und Gerlich dem Gericht einen Antrag, der die Ein­stellung des Verfahrens bezüglich des An­klagekomplexesVerleihung des Ehrendoktortitels

auf Grund des politischen Amnestiegesetzes fordert. Der Vorsitzende erklärte, daß sich die Gerichte dem­nächst über diesen Antrag schlüssig machen werde. Am Montag wird die Verhandlung fortgesetzt werden.

Kapitän petermoeller von derDresden" erstattet Bericht.

Der Norddeutsche Lloyd teilt mit: Von Bord des zurzeit auf der Reise von Stavanger nach Bremerhaven befindlichen DampfersStuttgart7' des Norddeutschen Lloyd ging ein Funkspruch ein, der u. a. besagt, daß Kapitän Petermoeller DampferDresden" nach der Grundberührung 5 Seemeilen von der Unfallstelle entfernt mit dem Vorderschiff an einem von ihm sorgfältig ausge­suchten Platz auf Grund gesetzt habe, da der Schiffs- boben schwer beschädigt war. Das Anstrandsetzen bes DampfersDresden" erfolgte so rechtzeitig, baß alle an Borb befindlichen Personen durch Schiffsboote bezw. Hilfsboot» ohne Uebereilung ge­landet werden konnten. Die reibungslose Landung ist den tadelfrei funktionierenden Rettungsgeräten, den umsichtigen Maßnahmen des Kommandos und der vollkommenen Seemannschaft der Besatzung zu- aufdjreiben. Die Bemühungen wurden unterstützt durch die Ruhe und Selbstbeherrschung aller Fahr­gäste, unter denen sich keine Spur von Panik be­merkbar machte. In höchster Weise ist die dem DampferDresden" erwiesene Assistenz durch die durch ihn herbeigrufenen norwegischen Hilfsdampfer anzuerkennen. Beim Herablassen von Boot II fielen einige Passagiere ins Wasser, Besatzungs­mitglieder sprangen von der Höhe des Bootsdecks nach. Leider sind später zwei Frauen auf dem Transport nach Stavanger verstorben. Alle privaten und amtlichen Stellen irr Kopervik und in Stavanger wetteiferten miteinander im Empfang und in der Unterstützung der Gestrandeten. Dem Verhalten aller am Hilfswerk beteiligten norwegi­schen Stellen und Persönlichkeiten muß großes Lob gezollt werden. LloyddampferStuttgart" über­nahm sämtliche Passagiere, sowie die gesamte Be­satzung derDresden". Die Stimmung unter den Heimkehrern ist gut. Alle Fahrgäste erkennen die beschleunigte Hilfeleistung des DampfersStutt­gart" an. DampferStuttgart" trifft am Sams­tag, .23. Juni, um 13.30 Uhr in Bremerhaven ein. Dr, Ley wird sich nach Bremerhaven begeben, um dort die Fahrgäste der bei Stavanger gescheiter­tenDresden" persönlich zu empfangen.

Das französische Marineministerium hat tele­graphisch den französischen Konsul in Bremen be­auftragt, dem Norddeutschen Lloyd zu dem Unglück derDresden" aufrichtiges Mitgefühl, zugleich aber auch volle Anerkennung für das helden­mütige Verhalten der Besatzung des Schiffes nach dem Unfall auszusprechen.

Neuer Bericht

von der deutschen Himalaja-Expedition.

Dem Drahtlosen Dienst ist von der Deutschen Himalaja-Expedition ein neuer Bericht durch Funk, Boten und Kabel zugegangen. Der Leiter der Expedition Willi M e r k l meldet, daß die Arbeit am Berg nach der Beisetzung des ver­storbenen Kameraden'Alfred Drexel sofort wieder in Angriff genommen wurde. Vom Hauptlager am Nanga Parbat aus werben im Pendelverkehr die Hochlager 2 bis 4 mit Proviant und Ausrüstung versorgt. Das Lager 1 ist stark lawinengefährdet. Es wird deshalb nur als Durchgangslager benutzt. Es wurde ein Hilfslager drei Stunden vom Haupt­lager entfernt hinter der Moräne des Rakiot- Gletschers errichtet. Die Balti-Träger sind oberhalb des Lagers 2, das in 5100 Meter Höhe liegt, nicht mehr zu verwenden. Von dort ab kann der Angriff also nur mit den 30 Darjeeling-Hochträgern geführt werden. Am 15. Juni erstiegen Ulrich Wieland und Eaptain Sang st er zu Erkundungszwecken den 5000 Meter hohen Buldar-Peak. Von dort aus konnten sie die geplante Route des Anstieges ein­sehen. Der Weg wurde als gangbar, wenn auch schwierig befunden. Im Lager 4 in 5800 Meter Höhe wird eine Akklimatisierungspause eintreten. Der deutsche Konsul Kapp hat am 17. Juni die Expedition verlassen und den Rückweg nach Bombay angetreten.

Dag letzte Opfer von Karsten Zentrum geborgen.

Am Freitagnachmittag wurde der Lehrhäuer Johann Hoheisel aus Beuthen als letztes Opfer des schweren Unglücks in Karsten Zentrum geborgen. Wir wir erfahren, wird die gemeinsame Beisetzung der fieben auf dem Felde % der Arbeit gefallenen Bergleute am Sonntag um 16 Uhr in Beuthen erfolgen.

Brand in einer Braunkohlengrube.

Aus bisher noch nicht bekannter Ursache brach in der zur Horremer Brikettsabrik gehörigen rheini­schen Braunkohlengrube Fischbach, die im Tagebau betrieben wird, Feuer aus, das auf den Oststoß der Grube überschlug und dort bald großes Ausmaß annahm. Die Freiwilligen Feuerwehren der Um­gebung und zwei Löschzüge der Kölner Feuerwehr bekämpften den Brand mit etwa 30 Schlauchleitun- gen. Es wird damit gerechnet, daß etwa 50 000 Kubikmeter Braunkohle den Flammen zum Opfer fielen. Verluste an Menschenleben sind nicht zu be­klagen.

Die OGpU. sucht Sündenböcke.

Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die OGPU. im Zusammenhang mit der Explosionskata­stropheFunse" 11 Verhaftungen vorge­nommen. Mit weiteren Verhaftungen ist zu rech­nen. Der Schaden beträgt über 2 Millionen Rubel.

4000 Hühner und 10 000 Eier verbrannt.

Ein weiteres Opfer der großen Trockenheit in England wurde eine Hühnerfarm bei Clacton-on- Sea (Grafschaft Essex); dort war ein Brand ausgebrochen, der wegen Wassermangel nicht ge­löscht werden konnte. 4 0 0 0 Hühner und 10 000 Eier fielen den Flammen zum Opfer. Die Feuerwehr mußte erst in einen aus- getrockneten Teich tiefe Löcher graben, um genügend Wasser zur Rettung des Hauptgebäudes der Farm zu bekommen.

Dorfbrand in Aegypten. 10 Tote, 40 Schwerverletzte.

In einem Dorf in der Nähe von Bilbeis in Aegypten ereignete sich ein Brand von großem Ausmaß. Dabei kamen 10 Personen ums Leben, während 40 Leute schwere Verletzungen er­litten. 200 Behausungen wurden durch das Feuer zerstört.

Selbstmord durch Sprung aus dem 27. Stockwerk.

Die frühere Privatsekretärin des wegen Fälschung verurteilten amerikanischen Bankiers Harriman beging Selb st mord, indem sie sich aus dem 27. Stockwerk eines Wolkenkratzers in der Fifth Avenue in Neuyork hinab stürzte. Die Selbst­mörderin, Miß Burke, war u. a. auch Vorsteherin einer Bankabteilung der Harriman National-Bank Trust Company.

MeberfaU

von mexikanischen Gottlosen auf eine Dorfkirche.

Wie aus Merida (Mexiko) gemeldet wird, über­fielen Atheisten die Kirche des Dorfes Nukuni im Staate Campeche. Sie zerstörten dabei ein Chri» stusbild und ein Bild des Schutzheiligen des Dorfes. Bei dem Ueberfall fangen die Atheisten die Inter­nationale. Die Bevölkerung konnte nach kurzer Zeit die Eindringlinge vertreiben. Einige von ihnen wurden schwer verletzt.

Wirbelsturm in USA. Bisher 6 Tote, 100 Verletzte.

Ein überaus heftiger Wirbelsturm richtete in Mississippi und Luisiana schweren Schaden an. Nach den bisherigen Meldungen sind sechs Personen ge­tötet und etwa 100 verletzt worden. Man rechnet jedvch damit, daß die Zahl der Todesopfer sich bedeutend erhöhen wird, da die Berichte aus den entlegeneren Landesteilen noch ausstehen.

Kleine politische Nachrichten.

Reichskanzler Adolf Hitler empfing am Freitag­mittag den Gauleiter der Kurmark Oberpräsident und Staatsrat K u b e zu einer ausführlichen Be­sprechung der wirtschaftlichen und politischen Lage der beiden ihm anvertrauten Provinzen Branden­burg und Grenzmark.

Reichskanzler Adolf Hitler hat die Ehrenpaten­schaft für das 11. lebende Kind der Maurermeisters­eheleute Michael und Maria Hoos in Riedenheim übernommen und seinen Glückwunsch mit einem Geldgeschenk von 100 Mark übermittelt.

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Vorn Gauparteitag der Gauleitung Essen der NSDAP, überträgt der Neichssender Köln, wie die Reichssendeleitung mitteilt, am Samstag, 23. Juni, in der Zeit von 21 bis 22 Uhr aus dem Stadion in Duisburg die Abendkundgebung mit einer Rede des Reichsministers Dr. Goebbels. Am Sonntag, 24. Juni, gibt der gleiche Sender einen Bericht vom Aufmarsch der SA., SS., PO. usw. (3e spricht Reichsminister Heß. Diese Rede und der Bericht werden am Sonntagabend von 20 bis 21 Uhr von Wachsplattenaufnahmen wiedergegeben.

Wettervoraussage.

Durch den Zustrom kühler Luft des über Skan­dinavien abziehenden Tiefdruckgebietes hat über dem Kontinent ^arometeranstieg eingesetzt, was zur Ent­wicklung eines Hochdruckgebietes mit seinem Kern über den Alpen führt. Im Bereich hohen Druckes wird das Wetter zunächst meist heiter und trocken bleiben, wobei infolge ungehinderter Sonnenstrah­lung die Temperaturen tagsüber kräftig ansteigen.

Aussichten für Sonntag: Teils heiter, teils wolkig, warm und trocken.

Aussichten für Montag: Keine wesentliche Aenderung.

Lufttemperaturen am 22. Juni: mittags 24,1 Grad Celsius, abends 16,6 Grad; am 23. Juni: morgens 16 Grad. Maximum 24,9 Grad, Minimum 11,6 Grad. Erdtemperatureir in 10 Zentimeter Tiefe am 22. Juni: abends 20 Grad; am 23. Juni: morgens 16,3 Grad. Sonnenscheindauer 9,3 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein.

Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Weisse und gesunde Zähne