Ausgabe 
23.6.1934
 
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1H Jahrgang

Eichener Anzeiger

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MWL General-Anzeiger für Oberhessen WZ jyronffud am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitatrVuch- und Ztemdruckerei R. Lange in Gießen. Lchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 menrgbJnabt^^?ü^e95taf^^)B

Englands Antwort auf die deutsche Transfernote.

Oie englische Regierung schlägt Verhandlungen in London vor.

Europa in Bewegung.

Seit die Genfer Tagung der A b r ü st u n g s - konferenz trotz äußerlicher Einigung mit einem glatten Mißerfolg geendet hat, steht die europäische Politik im Zeichen noch stärkerer Be­wegung und Spannung denn zuvor. Die Völker Europas suchen die Folgerungen aus der neuen Lage zu ziehen und sich für die Zukunft einzurich­ten. Die Zusammenkunft zwischen Hitler und Mussolini in Venedig die ein englisches Blattdas größte und wichtigste Ereignis seit Kriegsende und Friedensschluß" nennt die Warschauer Reise des Reichsministers Dr. Goeb­bels, die Konferenz der Kleinen Entente in Bu­karest, der Besuch des französischen Außenministers Barth ou ebendaselbst, die Aussprache des Be­auftragten der Reichsregierung für Abrüstungsfra­gen von Ribbentrop mit Barthou kenn­zeichnen das europäische Kräftespiel, das durch die von der französischen Kammer bewilligte Erhöhung der Militärkredite und die Ankündigung des Baues zweier Großkampfschiffe durch die italienische Re­gierung noch in ein besonderes Licht gerückt wird.

Während bei den hochgerüsteten Mächten der Widerstand gegen jegliche, auch noch so beschränkte Abrüstung wächst, zeigt sich gleichzeitig eine zuneh­mende Häufuno politischer und Militär - p o l i t i s ch e r A b r e d e n, die zum mindesten unter englischer Duldung von Frankreich und unter fran- zöstscher Führung getroffen werden. Neue Blöcke sind geschmiedet worden, oder sollen geschmiedet werde«. Di?s/ Bündnisse, im Namen derMensch­lichkeit und Kultur" geschlossen, bedeuten nichts, anderes als eine Wiederholung der Einkrei- s u n g s p o l i t i k der Vorkriegszeit. SolcheRe- gionalpakte" müssen zwangsläufig zur Blockbildung in Europa führen.

Gerade jetzt berät in Genf der neu eingesetzte S'.cherheitsausschuß über die R e g i o n a l v e r - träge'', durch die die Grundsätze der Locarno­oerträge auch in Gebieten Anwendung finden sollen, für die die Locarnoverträge keine Geltung -haben. Ein solches Ostlocarno zwischen Sowjetrußland, Polen, der Tschechoslowakei und dem Deutschen Reiche unter französischer Garantie" (bei gleichzeitiger sowjetrussischer Ga­rantie der alten Locarnoverträge) ist für das Deutsche Reich ahne S i n n. Die deutsch-russischen Beziehungen sind durch den Rapallo- und den Berliner Vertrag hinreichend geregelt; mit Polen besteht das große Verständigungsabkommen. Außer­dem bat Deutschland sich bereiterklärt, mit ollen seinen Nachbarn Nichtangriffspakte zu schkeßtzn. Barthous Fahrt nach Bukarest erhält ihre besondere Bedeutung dadurch, daß sie im Zuge der in Genf eingeleiteten regionalen Bünd­nispolitik Frankreichs erfolgt, und zum anderen soll Barthous Anwesenheit die französische Patenschaft bei der Anerkennung der Sowjetunion durch Bukarest und Prag dokumentieren. Ueber- raschend ist die Schärfe, mit der sich der rumänische Außenminister T i t u l e s c u erneut gegen den von Ungarn gemeinsam mit Italien betriebenen Revisionismus" wandte: Rumänien wollelieber den Krieg, als einen erniedrigenden Frieden". Unter diesen Umständen ist die Stellung Ungarns an der Seite Italiens und Deutschlands gegeben, wie es der ungarische Ministerpräsident G ö m b ö s in seiner Oedenburger Rede ausdrücklich feststellte.

Venedig hat der Welt gezeigt, daß Deutsch­land nicht gewillt ist, sich als Faktor der Politik in Europa ausschalten und sich nicht wieder, wie vor dem Krige,einkreisen" zu lassen. Mit den Reisen Hitlers nach Venedig zu Mussolini und Dr. Goebbels nach Warschau erscheint Deutschland wieder als aktives Element der europäischen Politik. Treffend hat Hitler diese aktive Rolle der deutschen Politik in seiner Rede in Gera mit den Worten umrissen:Je mehr die Welt von Blockbildungen redet, um so klarer wird uns, daß man besorgt sein muß um die Erhaltung der eigenen Kraft. Wir heben keine Komplotte mit anderen Völkern ge­schmiedet, haben aber besorgt zu sein dafür, daß nicht Komplotte anderer eines Tages da s deutsche Volk vernichten und es um den Segen seiner inneren Arbeit bringen."

Es konnte sich in Venedig bei dieser ersten Zu­sammenkunft zwischen dem Schöpfer des italieni- Idicn Faschismus und dem Führer der deutschen nctwnalsozialistischen Bewegung und des gesamten deutschen Volkes lediglich darum handeln, über die großen Grundlinien für eine Zusammen­arbeit beider Länder Klarheit zu gewinnen. Mussolini hat als erster der führenden Staats­männer Europas der Forderung Deutsch­lands nach Gleichberechtigung durch die Tot Verständnis entgegengebracht. Bei der fast völligen Gleichheit der italienischen wie der deut­schen Ziele in der Abrüstungsfrage könnte eine ge­meinsame Marschroute für die Zukunft nur von Vorteil fein. Die deutsche Auffassung, daß eine Rückkehr des deutschen Reiches an den Genfer Ver­handlungstisch erst denkbar ist, wenn ihm die praktische Gleichberechtigung zuerkannt ist, wird auch von Mussolini geteilt. Auch Macdonald hat erst vor einigen Tagen wieder ausdrücklich anerkannt,daß Deutschland auf dem Fuße der Gleichberechtigung behandelt werden würde". Wenn der englische Ministerpräsident dann allerdings von dem Deutschen Reich einenweiteren Re,trag" verlangte,um andere Nationen keine Ursache zum Mißtrauen zu geben", so muß man erflaunt fragen, aus welchem Grunde sich Macdo- nalD mit diesem Ersuchen nicht an die französi - she Adresse gewandt hat, zumal er selbst, wie kaum ein anderer, die Sabotagetaktik der Franzosen aus eigener Anschauung kennt.

A a r 11) o u will demnächst auch London und 3t o m auf suchen. In London tuschelt man über

London, 22. Juni. (DNB.) Auf die deutsche Transfernote vom 14. Juni 1934 hat die englische Regierung dem deutschen Bot­schafter in London am 21. Juni eine Antwort­note überreicht, die nunmehr veröffentlicht wird. In der Note betont die britische Regierung ein­gangs, daß sie zu ihrem Bedauern die Wahrneh­mung machen müsse, daß die Note keinen prak­tischen Gedanken darüber enthalte, wie der wei­tere A n l e i h e d i e n st für die Dawes- und die Younganleihe vor sich gehen solle. Die britische Re­gierung würdige die Schwierigkeiten der deutschen Regierung in der Devisenfrage, fei aber nicht der Ansicht, daß diese eine vollstän­dige Aushebung des gesamten Transfers für die Schulden Deutschlands im Gefolge haben müßten. Die Gründe der deutschen Note würden stichhaltig sein, wenn gesagt worden wäre, daß Deutschland auch weiterhin den vollen Anleihedienst für alle seine Schulden decken müsse. Die Vertreter der Gläubiger seien durchaus bereit gewesen, sich mit zeitweiligen, behelfsmäßigen Konzessionen einver­standen zu erklären, die ihrer Ansicht nach ange­messen waren, um die gegenwärtigen Transfer­schwierigkeiten zu überwinden. Sie hätten Gründe für die Annahme gefunden, daß

das augenblickliche scharfe Fallen der Reichs- dankreferoen wenigstens zum Teil die Folge von außergewöhnlichen Belangen sei, die später Berücksichtigung finden würden, und daß gewisse Deviseneingänge zu erwarten seien, die überhaupt nicht in Rechnung gestellt wären. Die britische Note betont dann, daß die Gläubiger be­reit gewesen wären, die gesamte Nicht- Reichsschuld zu fundieren, vorausgesetzt, daß bft Zinsen für die Dawes- und die Poung- anleihe voll gezahlt würden. Die finanziellen Fol­gen hiervon wären gewesen, daß man lediglich 90 Millionen Mark in bar hätte transferieren müssen, während Deutschlands gesamte Devisenverpflichtun­gen in lang- und mittelfristigen Anleihen sich auf 716 Millionen je Jahr belaufen. Demgegenüber schätzt die britische Note Deutschlands Devisenein­kommen aus unsichtbaren Quellen auf 250 Millio­nen Mark, den Ertrag der Ausfuhr auf 350 bis 400 Millionen Mark je Monat, so daß die Zinsen für die Dawes- und die Pounganleihe nur etwa 2 v. H. des deutschen Bruttoeinkommens in Devi­sen betrügen. Der Vorschlag bedinge also keine große Beanspruchung der verfügbaren Devisenbe­stände. Die britische Note gibt dann der Ansicht Ausdruck, daß die Gläubiger den Satz von 40 v. H. für Nicht-Reichsanleihen nicht als angemessen an- fehen könnten, wenn die Bedingungen, auf die er sich gründete, nicht erfüllt würden.

Es bestehe auch keinerlei Begründung für die Be­hauptung, daß eine völlige Aussetzung des Trans­fers auf sechs Monate unbedingt notwendig wäre, ganz gleich, was in der Zukunft geschehe.

Die Devisenzahlungen für die Zinsen der Da­wes- und der Zounganleihe für die nächsten 6 Monate stellen sich auf 45 Millionen Mark.

Dieser Betrag, so meint die Note, müsse laufend aus der zusätzlichen Ausfuhr gedeckt werden kön­nen, die vom Oktober 1933 bis März 1934 erfolgt fei. Die Weigerung der Reichsregierung, auf die Bedingungen der Gläubigervertre- t e r einzugehen, könne die britische Regierung nicht als gerechtfertigt anerkennen, denn die britische Re­gierung sehe in diesen Bedingungen eine für Deutschland äußerst günstige Lösung. Die britische Note erwähnt hier, daß die deutsche Auslandver­schuldung von 1930 bis 1934 von 33 Milliarden auf 18 Milliarden zurückgegangen fei, und daß bis zum 28. Februar 1934 nicht weniger als 767 Mil-

Pläne für eine militärische Zusammenar­beit der beiden General st äbe, die ge­legentlich der Anwesenheit des französischen Gene­ralstabschefs General Weygand in London be­sprochen werden sollen. Wir kennen solche militä­rische Abreden zwischen den beiden Generalstäben aus der Zeit vor dem Kriege, Abmachungen, die zu Bindungen führten, die den Krieg schließ­lich unvermeidlich machten. Ob England wirklich be­reit ist, sich auf solche Dinge wieder einzulassen? In Rom wird Barthou sein Werben um Italien fort» etzen, bisher aber hat Frankreich Italien noch keine Zugeständnisse gemacht, die eine Entspannung des zweifellos bestehenden französisch-italienischen Gegen­satzes ermöglichen könnten. Mussolini wird Barthou sicher über seine Einstellung zur Ab­rüstungsfrage und die von ihm als notwendig er­kannte praktische Gleichberechtigung für Deutschland nicht im Zweifel lassen. Ob es dem Duce gelingen wird, Frankreich von seiner starren Haltung abzubringen und damit den Weg für eine Rückkehr Deutschlands nach Gens zu ebe­nen, ist eine andere Frage. Nach Barthous Rückkehr aus London und Rom wird man über die fran­zösische Haltung klarer sehen.

Die deutsche Auffassung den leitenden französischen Kreisen erneut nahezubringen, hat der Beauftragte der Reichsregierung für Abrüstung von Ribben- tr o b bei seinen Konferenzen mit Barthou und Doumergue Gelegenheit gehabt. DieAb­rüstungspolitik" des französischen Generalstabs, die in der Erhöhung der Militärkredite und in dem Plane der zweijährigen Dienstzeit ihren Nieder­schlag findet, läßt aber vorerst noch eine Einigungs­möglichkeit reichlich vage erscheinen.

Der ergebnislose Verlaus der Genfer Abrüstungs-

lionen Schuldverschreibungen zurückgekauft worden seien. Diese Umstände machten den Eindruck unver­meidlich, daß Deutschlands Politik darin bestehe, zu behaupten, es seien keine Devisenbestände verfüg­bar, um den Dienst der deutschen Anleihen zu be­streiten, und sodann die Bestände, die zur Beglei­chung des Anleihedienstes hätten verwendet werden müssen, dazu zu benutzen, um seine Anleihen zu den niedrigen Preisen, die die Folge der Nicht­bezahlung seien, zurückzukaufen.

Die Darlegungen der deutschen Note über den Handel hindernde Maßnahmen, die gewisse Gläu­bigerländer gegen deutsche Waren angewendet hät­ten, träfen auf Großbritannien nicht zu. Die deutsche Einfuhr nach England habe allein in den letzten 12 Monaten um etwa 3,5 Mil­lionen Pfund zugenommen. Die Einfuhr aus Deutschland in das Vereinigte Königreich sei stets größer gewesen, als die Einfuhr von britischen Produkten nach Deutschland. Der Ueberschuß genüge, um die Zinsen sämtlicher in London aufgelegten deutschen Anleihen mehr als dr ch zu decken und die Zinsen des Londoner Anteils der Dawes- und der Pounganleihe mehr als zehnfach.

Anderseits beschwert sich die britische Regierung darüber, daß deutscherseits gegenüber dem bri­tischen Handel, besonders für Baumwolle und andere Garne, Beschränkungen eingeführt wor­den seien. Sie könne eine Fortsetzung der gün­stigen Behandlung der deutschen Waren auf dem englischen Markt nicht in Aussicht nehmen, wenn britische Waren in wachsendem Maße Be­schränkungen auf dem deutschen Markt unter­worfen und die gerechten Ansprüche britischer Anleihebesiher ohne Ausgleich abgewiesen würden.

Die britische Note erklärt bann, Großbritannien wolle keineswegs die deutsche Ausfuhr unterbinden und wolle ebensowenig irgendwelche ungerechtfertig-

London, 23. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die englische Presse beschäftigt sich ausführlich mit der deutschen Schuldenfrage und unterstreicht besonders die in der englischen Antwortnote an Deutschland enthaltene Einladung, daß deutsche Vertreter zwecks einer Regelung des Problems nach London kommen sollen.

WieTime s" feststellt, sind die Londoner Ge­schäftsleute sich im klaren über die praktischen Schwierigkeiten eines C l e a r i n g s y st e m s. Man möchte es lieber vermieden sehen, weil man fürchtet, daß dadurch

ein neues Hindernis für den internationalen handel

geschaffen wird. Nicht nur in England selbst, son­dern auch in Deutschland müßte ein Clearingamt eingerichtet werden, um eine reibungslose Arbeit des Systems zu ermöglichen. Im ganzen genommen würden die englischen Geschäftsleute die Schaffung einer Sonderabgabe nach der Art der Recovery act, die seinerzeit zur Erlangung der Reparations­zahlungen geschaffen wurde, einem Clearing-System vorziehen.Times" polemisiert dann gegen die For­derung Dr. Schachts, daß die deutsche Roh­stoffbasis durch Rückgabe der deutschen Kolonien wiederhergestellt werden soll. Die letz­ten Ausgaben des amtlichen deutschen Kolonial­

konferenz zwingt auch Italien, an seine Sicherheit zu denken. Italien, das bisher die ihm im Washingtoner Flottenabkommen für feine Schlacht­schiffflotte zugebilligte Tonnage nicht voll ausgenutzt hat, will zwei neue Schlachtschiffe von je 35 000 Tonnen bauen. Demgegenüber plant Frank­reich als Gegenzug ebenfalls den Bau solcher Schiffe. So hat auch zur See das Wett­rüsten eingesetzt, kein glückliches Vorzeichen für die jetzt beginnenden Vorbesprechungen für dje Flot­tenkonferenz des nächsten Jahres.

Die politische Konstellation in Europa bleibt somit nach wie vor gespannt. Alles hängt einzig und allein von Frankreich ab. Der deutsche Stand­punkt bleibt dabei der alte: So aufrichtig die deutsche Friedensliebe ist, so wenig Deutschland einen Krieg will, so fanatisch wird es für die deutsche Freiheit, die deutsche Gleichberechtigung und dis Ehre des deutschen Volkes eintreten .

Gauleiter Sprenger wieder im Dienst.

Das Gaupresseamt berichtet: Mit dem gestrigen Tage hat der von schwerer Krankheit wieder ge­sundete Gauleiter seinen Dienst in vollem Um­fange ausgenommen. Als er gegen 10 Uhr am festlich geschmückten Adolf-Hitler-Haus eintraf, wurde er durch Marschklänge der SS.-Kapelle und feinen gesamten Mitarbeiterstab herzlichst begrüßt. Außer feinen Amtsleitern und der gesamten Be­legschaft des Gauhauses sah man Ministerialrat Pg. v. Z e n g e n Berlin, den SA. - Brigadeführer

ten Forderungen britischer Anleihebesitzer vertreten. Sie sei jedoch der Ansicht, daß die Weigerung, den Dienstler Dawes- und Young-Anleihe fortzusetzen, ungerechtfertigt erscheine. Die Note weist dann dar­auf hin, daß England an der Wiederherstellung des deutschen Wohlstandes und des deutschen Kredits gelegen fei und hierfür Opfer, z. B. in der Repara­tionsfrage, gebracht habe. Diese Bemühungen wären jedoch vergeblich, wenn Deutschland auch weiterhin so handelte, daß sein Kredit zerstört werde. Der Zinssatz der Anleihen, über den in der deutschen Note Klage geführt werde, entspreche dem deutschen Kredit bei Begebung der Anleihen und könne nur geändert werden, wenn Deutschland seinen Kredit so hebe, daß ein Konversionsangebot für die Gläu­biger annehmbar werde.

Zum Schluß erwähnt dann die Note die Tatsache, daß die Regierung sich Vollmachten für die Ein- füljrung eines Clearing-Abkommens habe geben lassen, um die britischen Interessen zu schützen. Das Ausmaß des Schutzes werde davon abhängen, was für Vereinbarungen die Reichsregierung über diese Frage mit anderen Ländern zu treffen in der Lage sei. Die britische Regierung behalte sich vor, Maß­nahmen zu treffen, um die materielle Diskriminie­rung der britischen Gläubiger zu verhindern.

Die britische Regierung fei jedoch bereit, Er­örterungen über die Möglichkeit aufzunehmen, um eine -(Einigung über die Behandlung der britischen Gläubiger zu erzielen, damit die Not­wendigkeit eines Devisenclearings Überhaupt fortfiele; oder auch darüber zu verhandeln, auf welche Weise ein derartiges Clearing mit einem Mindestmaß von Störung für den Handel beider Länder gehandhabt werden könnte. Sie schlägt daher vor. bevollmächtigte Vertreter zu solchen Verhandlungen nach London zu ent­senden.

Handbuches hätten einwandfrei gezeigt, daß die deutschen Kolonien eine Belastung, nicht ein Akti- vum gewesen seien.

In derDaily Mail" wird der englischen Re­gierung geraten, ein überstürztes Vorgehen in der deutschen Moratoriumsfrage zu vermei­den:Wir haben nicht zuviele Ireunde auf dem Festlande, und es gibt Leute, die sich nur freuen würden, wenn England in einen erbitterten Streit mit Deutschland geriete, in dem Dergeltungs- und Wiedervergeltungsmaßnahmen sich jagen. Wir sind durchaus dafür, daß die englischen Gläubiger, soweit praktisch möglich, geschützt werden; aber in diesem Falle dürfte

durch extreme Maßnahmen kaum etwas gewonnen werden."

D a i l y E x p r e ß" findet, daß es n i ch t S a ch e der englischen Nationalregierung sei, mit Zöllen, Verboten, Boykottmaßnahmen oder gar Kanonenbooten dafür zu sorgen, daß die Besitzer ausländischer Wertpapiere ihre Zinsen erhalten.

Die Blätter schenken auch den Meldungen über die neue deutsche Devisenverordnung starke Beachtung.Morning Post" überschreibt ihre Mel­dung:Deutschland schlägt zurück", währendDaily Expreß" von einer deutschenBombe" spricht.

Die führendeFinancial New s" bringt be­sonders scharfe Angriffe gegen die Aeußerungen von

Rödel, den SS.-Standartenführer Schwarz, den Handelskammerpräsidenten Dr. L ü e r und den Landesobmann der DAF., Pg. Becker.

Gauleiter Sprenger, der einen frischen und erholten Eindruck machte, begrüßte dann in der Kantine feine Mitarbeiter durch Handschlag und richtete in der ihm eigenen, alle mitreißenden Weise das Wort an sie:

Parteigenossen, ich kann euch die Mitteilung machen, daß ich nunmehr in alter Frische den Kampf an eurer Spitze wieder aufnehmen werde. Dies um so lieber, als wir gerade in letzter Zeit wieder merken mußten, wie nötig es ist, voll auf dem Damm zu fein. Wir sind es gewohnt, zu kämpfen, und wir werden immer siegen, wenn wir uns un­seren Kampfgeist erhalten. Man hat hier und dort versucht, einen angeblichen Gegensatz zwischen SA. und PO. zu konstruieren. Ihr lacht darüber mit Recht, und ich erkläre daher für alle, die es wissen wollen: Wer der SA. feind ist, ist Gegner der PO.; wer die PO. angreift, hat die SA. gegen sich. In jedem Fall aber ist er ein Feind der Partei, ein Gegner Adolf Hitlers.

Unsere große und berechtigte Hoffnung ist die Jugend, denn aus der heutigen Generation läßt sich das neue Deutschtum in seinem ganzen Um­fang nicht mehr schaffen. Auf dieses Ziel hin wol­len wir unsere Arbeit einstellen, in dieser Richtung rastlos wirken und darin nicht ein Opfer, sondern eine heilige Pflicht und ein besonderes Vorrecht erblicken."

Nach einem stürmischen Heil auf den Führer be­gab sich der Gauleiter in fein Arbeitszimmer. Am Nachmittag fuhr Sprenger in das Reichsstatt« Halterhaus nach Darmstadt, um auch hier seins Dienstgefchäfte wieder aufzunehmen.

Das Äeamg-Sysiem ein Hindernis.

Oie englische presse empfiehlt ihrer Regierung Besonnenheit.