fertigen, in ihm „Chinas Großen Patrioten" zu sehen, nicht nur einen Partei-, sondern auch einen nationalen Führer ..."
Die Uneinigkeit im Lager der Kuomintang ist gewiß nicht allein die Folge übersteigerten Machtwillens Tschianakaischeks und seines immer kleiner werdenden Kreises, sondern vielleicht in noch höherem Maße durch die Unzulänglichkeit der weltanschaulichen Grundlage bedingt. Auch die Lehren Sun Jatsens, des Bearünders der Kuo Min Tang, standen noch au sehr im Banne der liberalistischen Gedankenmsteme aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die im Fernen Osten ebenso wenig mehr den Forderungen des Tages genügen wie im Abendlande.
Ein japanischer Vorstoß in Hinterindien.
England fühlt sich in Singapur bedroht.
Seit einigen Wochen wird davon geraunt, daß Japan mit der siamesischen Regierung wegen eines Durch st ichs der Landenge von Malakka bei dem Ort K r a, nicht weit von der äußersten Südspitze des britischen Birma, in Verhandlungen stehen soll. An dieser Stelle scheinen die Voraussetzungen für einen Kanalbau besonders günstig zu sein. Selbstverständlich verfolgt das Projekt nur wirtschafliche Ziele, was aber schon genügt, um die ohnehin nervösen Engländer noch unruhiger zu machen. Denn wenn hier ein Schiffahrtsweg gebaut wird, dann nimmt er künftig den gesamten Verkehr auf, der heute durch die Straße von Singapur strömt. Aber Kanäle dieser Art lassen sich nicht einfach als ausgesprochen
verkehrsfördernde Einrichtungen aufziehen. Auch der Panama-Kanal besitzt einen unerhörten militärischen Wert. Zudem wird Japan gerade jetzt im fernen Osten nichts unternehmen, was nicht gleichzeitig seiner militärischen Kraft zugute kommt. Eine Londoner Zeitung schlägt Alarm, weil sie glaubt, daß dem englischen Flottenstützpunkt Singapur Gefahr drohe. Die Aufregung ist zunächst noch übertrieben. Denn England ist noch immer stark genug, um bei der siamesischen Regierung dahin zu wirken, daß auf der Halbinsel von Malakka nichts passiert, was sich gegen Singapur richtet. Außerdem dürften wohl viele Jahre ins Land gehen, bis das erste japanische Kriegsschiff diese Straße zur Umgehung des englischen Flottenstützpunktes benutzen kann. Aber das Rätselraten um Kra ist doch bezeichnend für das fernöstliche Kräfte- fpiel.
Oie Kämpfe in Ost-Turkestan.
Moskau, 22. März. (DNB.) Wie die Tele- graphenagtenur der Sowjetunion aus Bachty meldet, hat die unter dem Oberbefehl von Matfchuin stehende Tunganen-Armee eine Niederlage erlitten und versucht, sich auf ihre Operationsbasis in der Provinz Kansu zurückzuziehen. Der Rückzugsweg wurde der Armee von dem Gouverneur S ch e n a abgeschnitten. Die Tunganen waren genötigt, für ihren Rückzug die Straße nach Kaschgar zu benutzen. Bei der Verfolgung besetzten die Provinzialtruppen die Städte Karaschar, Kurle und Kuschta in Ost-Turkestan und erbeuteten die gesamte Artillerieder Tunganen. Außerdem nahmen sie mehr als 1000 Tunganen gefangen. Matschuin ist mit seinem Stab in Automobilen aus Kurle geflüchtet.
Sowjet - Rußland und der Völkerbund.
Französische Hoffnungen.
Paris, 23. März. (Funkfpruch.) Der angeblich bevorstehende Beitritt Sowjetrußlands zum Völkerbund wird von einigen Blättern ange- -kündigt. Der „Petit Parisien" berichtet, daß die Russen in Genf und Paris vorgefühlt und den Eindruck gewonnen hätten, daß ihre Kandidatur nicht nur sympathisch ausgenommen werde, sondern daß sie in anbetracht ihrer Machtstellung höchstwahrscheinlich sogar einen Sitz im Völkerbund s r a t erhalten würden.
„Echo de Paris" weift auf Vorbedingungen hin, die nicht ohne Schwierigkeiten erfüllt werden könnten. Doch suchten die Russen diese Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen durch den Vorschlag, die Befugnisse und Aktionsmittel des Völkerbundes zu erweitern und unverzüglich Garantieverträge gegen einen etwaigen Angreifer abzufchlicßen. Das Blatt glaubt, daß die französische Regierung derartige Vorschläge begünstige, weil sie angeblich geeignet seien, den Graben zwischen Rußland und Deutschland noch zu verbreitern und außerdem die italieni
schen Dölkerbundsreformpläne, die gegen die Aufrechterhaltung der territorialen Ordnung gerichtet feien, zunichte zu machen.
„Republique" sagt, weder Japan noch Deutschland hätten ein Interesse daran, außerhalb des Völkerbundes zu bleiben, sobald die Sowjets eintreten. Die Grenznachbarn Rußlands dürften durch dessen Eintritt in den Völkerbund beruhigt werden. Frankreich werde bei dieser politischen Entwicklung eine Hauptrolle zu spielen haben. Diese optimistische Auffassung wird von anderen Blättern nicht geteilt. So schreibt „Petit Bleu": „Es ist klar, daß die Annäherung der Sowjets an den Völkerbund, der auf Japan schlecht zu sprechen ist, ein politisches Manöver darstellt. Man braucht sich also nur als „guter Europäer" auszugeben, um für den immer wahrscheinlicher werdenden Fall eines ruffisch-japanischenKrie- g e s Unterstützung zu erlangen. Wenn die West- mächte [ich auf dieses Manöver einließen, würden sie gefährliche Ueberraschungen erleben, sobald der Konflikt ausbreche.
Oie Regierungskrisis in der Schweiz.
Bundesrat Musy zurückgetreten. — Oer Freisinnige Baumann als Nachfolger Haeberlins in den Bundesrat gewählt.
Bern, 22. März. (DNB.) Die Vereinigte Bundesversammlung trat zusammen um vier wichtige Wahlakte oorzunehrnen. Außer dem durch den Rücktritt des Bundesrats H a e b e r l i n freigeworde- ncn Bundesratsposten ist noch derjenige des Bundeskanzlers sowie zweier Bunde srichter neu zu besetzen. Die katholische Fraktion schlug zusammen mit den Liberal-Konservativen den Baseler Negierungsrat Dr. Ludwig, den Leiter des Justiz- und Polizeidepartements, als Nachfolger Haeberlins vor, der im 45. Lebensjahre steht und sich in der Schweiz durch seine energische Bekämpfung des Marxismus allgemeines Ansehen errungen hat. Die Freisinnigen und die Bauern- und Bürgerparteien stellen öen 60jährigen Ständerat Johannes Baumann aus Herisau, einen erfahrenen Regierungsmann und Politiker, auf, die Sozialdemokraten den Nationalratspräfidenten Johannes Huber. Im dritten Wahlgang wurde mit 141 von 214 gültigen Stimmen Baumann gewählt. Regierungsrat Ludwig wurde mit 73 Stimmen stark in die Minderheit versetzt. Den Ausschlag gaben die Sozialdemokraten, denen Regierungsrat Ludwig wegen seiner Strenge und Unerbittlichkeit gegenüber den marxistischen Umtrieben ein Dorn im Auge ist.
Die Bundesversammlung wählte ferner den bisherigen Vizekanzler Dr. Georg B o v e t zum Bundeskanzler. Zu Bundesrichtern wurden der Bundesgerichtsschreiber Dr. Huber von Lausanne und Oberrichter Paul K a s s e r in Bern gewählt. Der neugewählte Bundeskanzler ist ein geborener Neuburger und steht wie der neugewählte Bundesrat im 60. Lebensjahr. Eine Reihe von Jahren wirkte er als Journalist, und zwar als Bundesstadtredakteur des freisinnigen waatländischen Blattes „Revue". Sein Auftreten für die internationale Verständigung betätigte er praktisch durch Mitarbeit auf dem internationalen Friedens
büro, das früher feinen Sitz in Bern hatte. Im Nationalrat wirkte er viele Jahre als Ueberfetzer.
Wie wir erfahren, hat Bundesrat M u s y, der Leiter des Finanzdepartements, dem Bundesrat fein Rücktrittsgesuch überreicht. Mit seinem Rücktritt mußte man seit acht Tagen rechnen. Nach der Verwerfung des sogenannten Staatsschutzgesetzes am 11. März und dem Rücktritt von Bundesrat H ä b e r l i n beantragte Bundesrat Musy die Gesamtdemission des Bundesrates; die übrigen sechs Mitglieder, auch Bundesrat Häberlin, waren gegen einen derartigen Schritt. Bundesrat Musy reichte hierauf ein wirtschafts- und finanzpolitisches Programm ein. Diese Vorgänge hatten zur Folge, daß im Nationalrat von verschiedenen Parteien Interpellationen ein- qereicht wurden. In einer hieß es, daß die U n - stimmigkeit im Bundesrat peinliches Aufsehen erregt hätte und geeignet sei, die parlamentarischen Einrichtungen und das Ansehen des Bundesrates selbst in der öffentlichen Meinung herabzumindern. Der Bundesrat beschloß heute, diese Interpellationen noch in dieser Session zu beantworten. An einer zweiten Sitzung des Bundesrates nahm der Finanzminister nicht mehr teil. Es wurde bekannt, daß er dem Präsidenten der Vereinigten Bundesversammlung seine Demission eingereicht habe. Er erklärt darin, daß er während 14 Jahre als Mitglied des Bundesrates auf schwierigstem Posten gestanden habe und das dringende Bedürfnis zu einem längeren Erholungsurlaub empfinde. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen würde er eine längere Abwesenheit vom Amte nicht rechtfertigen können, und ersuche daher die Bundesversammlung, seine Demission anzunehmen. Aus diesem Grunde wird voraussichtlich die Dauer der Bundesversammlung verlängert werden. Die Ersatzwahl soll Anfang nächster Woche stattfinden.
Litauens neuer Angriff aus das Recht von Memel
Das Memelland besitzt nach seiner Losreißung von Deutschland eine ganz eigenartige Verfassung. Der eigene Landtag des Memelgebiets ist der Ausdruck der Autonomie des Landes; da er eine erdrückende deutsche Mehrheit aufweist, ist das „M e m e l d i r e k t o r i u m", die eigentliche Regierungsbehörde, aus deutschen Männern zusammengesetzt. In Memel sitzt auch der „Gouverneur" der litauischen Regierung, er ist der Vertreter des Gesamtstaates.'Der Landtag von Memel entsendet einige Abgeordnete in d i e litauische Volksvertretung in Kowno, doch ist ihr Einfluß dort gleich Null.
Seit Jahren geht das Bestreben Litauens dahin, die ihm unbequeme Autonomie des Memellandes auszuhöhlen. Das Memel-Statut des Völker- bundes, in dem die Rechte der Memelländer festgelegt sind, wird kaum noch beachtet. Nachdem es nicht gelungen ist, den „großlitauischen" Anhang in Memel wesentlich zu verstärken, erfolgt ein Anschlag nach dem andern gegen d i e Selb st Verwaltung des Memelaebiets. Verschiedentlich hat Deutschland gegen alle diese Methoden, die sich in der Entlassung deutscher Beamten, in willkürlichen Eingriffen der Kownoer Regierung, in deutschen Zeitungsverboten usw. äußerten, scharfen Einspruch erhoben. Sogar die Signatarmächte des Völker
bundes haben schon Veranlassung gehabt, bei den Machthabern Litauens Protest zu erheben.
Vor kurzem hat der Präsident des Memeldirektoriums, Schreiber, eine klare und zugleich loyale Rechtsverwahrung der memelländischen Bevölkerung in einer Landtagsrede abgegeben. Er appellierte darin auch an den Rechtssinn des litauischen Staatspräsidenten, die verbrieften Rechte des Memelgebiets zu achten. Einige Tage später ging die Meldung durch die Presse, daß der litauische Gouverneur den Präsidenten Schreiber zur Niederlegung seines Amtes aufgefordert habe. Die „Litauische Telegraphen- Agentur" setzte dieser Meldung ein entschiedenes Dementi gegenüber. Kein Wort sollte wahr sein. Einige Tage später aber brachte dasselbe amtliche Organ der Regierung in Kowno die Meldung, der Präsident Schreiber sei aufgefordert worden, 2 9 Beamte, darunter 21 Mitglieder der Landespolizei zu entlassen, weil gegen diese Persönlichkeiten ein Strafverfahren im Gange sei, da sie verbotenen Organisationen angehören, die mit Waffengewalt litauisches Staatsgebiet entreißen wollten. Zu den so beschuldigten Persönlichkeiten gehören auch die Führer der Deutsch-christlichen Volksgemeinschaft, Dr. Neumann und Baron von der Ropp. Diese Vereinigung ist
Oie Reichsautobahnen beginnen die zweite Arbeitsschlacht mit 15000 Mann. Sür 33 Millionen neue Aufträge vergeben. — 1500 Kilometer Baustrecke in Angriff genommen.
Berlin, 22. März. (DNB.) Zur Eröffnung der Arbeitsschlacht 1934 haben die Baustellen der Reichsautobahn Tausende neuer Arbeiter ausgenommen. Die Gesamtstrecke, die bis zu diesem Termin vorn Generalinspektor für das( deutsche Straßenwesen, Dr.-Jng. Fr. Tod t, zum Bau freigegeben wurde, hat die Länge von 1500 Kilometern (gegenüber 1000 Kilometer am Ende des Jahres 1933) erreicht. Die Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen schuf durch beschleunigte Bearbeitung der Vorentwürfe hierzu die Voraussetzung. 14 von der "Gesellschaft „Reichsautobahnen" eingesetzte Bauleitungen machen die freigegebenen Strecken vergebungsreif und leiten die Bauausführung. Im Bau befinden sich ab 21. März teils im ganzen, teils in Teillosen folgende Strecken:
km ।
Bremen—Hamburg—Lübeck 169
Hannover—Magdeburg 135 |
Duisburg—Dortmund 66 i
Düsseldorf—Köln 24
Frankfurt — Heidelberg — Mannheim 100
Stuttgart—Ulm 85
München—Landesgrenze 100
Halle—Leipzig 20
Merane—Dresden 105 \
Breslau—Liegnitz 70 J
Elbing—Königsberg 110
Stettin—Berlin 92
1076 l
In Bauoorbereitung stehen die Strecken: km
Düsseldorf—Duisburg 25
Frankfurt«. M. — Eisenach (Teilstr.) 30
Heidelberg—Karlsruhe 41
Bayreuth—Leipzig 162
Beuchen—Hindenburg—Gleiwitz 20
Fürstenwalde—Frankfurt a. d. O. 30
Stettin—Augustwalde 44
Brandenburg—Berlin 35
Ostteil des Berliner Ringes 30
417
Als am 23. September 1933 die Bau arbeiten auf der ersten Baustelle der Reichsautobahnen in Frankfurt a M. eröffnet wurden, waren dort 7 0 0 Mann angetreten. Heute ist die Baustelle Frankfurt—Mannheim—Heidelberg im 23 o 11- betrieb und stellt zur Eröffnung des Arbeitsjahres 1934 allein 6000. Insgesamt haben die Baustellen der Reichsautobahnen die Arbeitsschlacht 1934 mit 15 000 Mann begonnen. In den einzelnen Bauabschnitten wurden in diesen Tagen für 33 Millionen Mark neue Aufträge vergeben. Damit kommen die jetzt in Angriff genommenen Baustrecken voll zur Entfaltung, so daß die Zahl der beschäftigten Arbeiter von jetzt ab von Woche zu Woche wächst.
Der ermordete Galmot war Staviskys Todfeind.
Befand sich Tardieu unter den Scheckempfängern des Schwindlers?
Paris, 23. März. (DNB.-Funkspruch.) Der parlamentarische Stavisky-Ausschuß, der am Donnerstag die früheren Minister Durant und Dalamier verhörte, ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß Durant sich einwandfrei habe rechtfertigen können, während Dalamier sich in Widersprücheverwickelt habe, die zweifellos eine nochmalige Vernehmung notwendig machen dürften.
Die vom Abgeordneten H e n r i o t eingereichten Unterlagen über den Fall G a I m o t sind inzwischen an die Generalstaatsanwaltschaft und von dieser an den Untersuchungsrichter weitergeleitet worden. Die Annahme, daß der Abgeordnete von Guayana Galmot, auf Deranlasung Stavaskys umgebracht wurde, scheint sich zu bestätigen durch eine Erklärung des Schriftstellers Josef Kessel, der mit Stavisky sehr befreundet war. Kessel hat ein Buch über Stavisky geschrieben und darin u. a. eine Unterredung mit Stavisky geschildert, der Galmot als seinen Todfeind bezeichnete und drohte, ihm den Garaus zu machen. Nach dem „Echo de Paris" sind durch die Aussagen Henriots auch der frühere Generalstaatsanwalt Prouharam und der frühere Minister Ren6 Renault schwer belastet worden.
Ein Scheckabschnitt trug den verstümmelten Vermerk „Tard...", was von der sozialistischen als „Tardieu" gelesen wurde, während die Rechtspresse unter Protest nach anderen Lesarten sucht. Der sozialistische „Populaire" veröffentlicht jetzt ein angebliches Empfehlungsschreiben des damaligen Ministerpräsidenten Tardieu an den Gerichtsresidenten von Marokko. In diesem Empfehlungsschreiben werden dem im Stavisky-Skandal verhafteten Dubarry bestimmte wirtschtliche Pläne besonders empfohlen. Das Blatt gibt, ohne eine direkte Schlußfolgerung zu ziehen, der Veröffentlichung einen entsprechenden Rahmen, durch den die Verbindung Tardieu-Stavisky-Dubarry beleuchtet werden soll.
Man dankt
Die SPD-Emigranten wollen von Prag nach Paris übersiedeln.
Paris, 23. März (DNB. Funkspruch) Ministerpräsident Doumergue hat in dem am Donnerstag abgehaltenen Kabinettsrat ein Schreiben des Sozialistenführers L 6 on Blum verlesen, das den Wunsch des in Prag sein Unwesen treibenden sogenannten Vorstandes der „Sozialdemokratischen Partei Deutschlands" zum Ausdruck bringt, sich in Paris niederlassen zu dürfen. Der „Vorstand" beklagt sich darüber, seit den Vorgängen in Oesterreich
Schwierigkeiten in seinen Verbindungen und Jnformationsmöglichkeiten zu haben und bittet Leon Blum, bei der französischen Regierung wegen einer etwaigen Ueberfieblung nach Paris vorstellig zu werden. Der Kabinettsrat hat keinen Beschluß gefaßt. Er wird seine Antwort von einer eingehenden Prüfung der Frage abhängig machen, wie sich der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Frankreich z u betätigen gedenkt. Nach dem „Echo de Paris" stehen die meisten Regierungsmitglieder dem Antrag ablehnend gegenüber.
Oie Miliz der französischen Marxisten.
Paris, 23. März. (DNB. Funkspruch.) Die sozialistische Presse unter Führung des „Populaire" war mit voller Entschiedenheit Gerüchten entgegengetreten, daß die sozialistischen Verbände sich bemühen, eine Miliz aufzurichten. Besonderen Eifer sollten die nordfranzösischen Bezirksverbände nach, dieser Richtung an den Tag gelegt haben. Das „Echo de Paris" hatte sich bei der Verbreitung derartiger Behauptungen auf ein g e h e i m e s Rundschreiben berufen, das jetzt vom „Matin" ver- öffentlicht wird. Dieses Rundschreiben, das an die Liller Sozialisten gerichtet ist, kündigt die Notwendigkeit der Schaffung einer derartigen Arbeitermiliz an. Besonderen Eindruck glaubt der Aufruf durch die Bemerkung zu machen, daß die französischen Arbeiter unmöglich das Schicksal ihrer Brüder in Italien, Deutschland und Oesterreich teilen könnten. Die Adressaten werden um Angabeihrer Eignung für den Heeresdienst gebeten. Ableistung der Ehrendienstpflicht und Altersgrenze von 45 Jahren werden in dem Rundschreiben als Bedingungen für den Eintritt in die Miliz angegeben.
*
lieber das F r e i m a u r e r t u m im französischen Parlament veröffentlicht das „Echo oe Paris" die erste Namenslifte von Abgeordneten und Senatoren, die der französischen Freimaurerbewegung angeboren. Es handelt sich anscheinend uni den ersten Teil einer nach dem Alphabet geordneten Lifte der Abgeordneten und Senatoren. Aus dieser ersten Veröffentlichung, die 50 Namen enthält, feien erwähnt: Abg. Vincent Auriol, Senator Verenger, Senator Besnard, Senator Bienvenu Martin, Abg. Läon Blum, der in Bayonne wegen des Stavifky-Skandals verhaftete Ada. Bonnaure, der Abg. von Gouadeloupe-Candace, Abg. Camillo Chautemps, Abg. Dalimier, Abg. Dumesnil, Senator Dumont.
die jetzt einzige politische Vertretung der deutschen Mehrheit im Memelgebiet.
Von deutscher Seite ist sofort festgestellt worden, daß es sich bei den Vorwürfen gegen die Beamten um völlig unbewiesene und unbegründete Behauptungen handelt. Der Zweck des Vorgehens ist klar: weigert sich das Memeldirektorium, solchen, wenn auch sachlich unbegründeten Weisungen zu folgen, dann hat der litauische Gouverneur eine Handhabe, das ihm wegen seiner deutschen Gesinnung unbequeme Direktorium in seinen Rechten anzutasten. Aus indirektem Wege könnte so erreicht werden, was durch einen willkürlichen Angriff nicht möglich erscheint. Präsident Schreiber hat diesen Vorstoß mit einer Erklärung pariert, in der er mitteilt, daß gegen die namhaft gemachten Beamten sofort ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Damit soll sofortige Klarheit geschaffen und allen Vorwänden der Boden entzogen werden. Die angeschuldigten Beamten selbst weisen die gegen sie erhobenen Behauptungen entschieden zurück. Die völlig sachliche und loyale Einstellung der deutschen Selbstverwaltungsorgane ist durch diese Haltung erneut bewiesen. Es wird sich sehr bald zeigen, welches n e u e Spiel ersonnen wurde, um das Mcmelstatut auf die Seite zu schieben. Litauen wird sich aber hoffentlich darüber im Klaren fein, daß feine fortwährenden Angriffe und Rechtsverletzungen ein sehr schlechtes Bild geben müssen. Eines Tages könnte man sich fragen, ob mit einem solchen Staate noch vertragliche Beziehungen möglich sind.
Tschechisches Hahmteil.
Die 72iährige Anastasia Zidek aus Schepantowitz (Tschechoslowakei) hatte sich vor einem tschechoslowakischen Gericht wegen eines „Verbrechens" gegen Paragraph 12 des Schutzgesetzes der Republik zu verantworten. Auf einen Stock gestützt, wankte
die alte Frau zur Anklagebank. Der Briefwechsel mit ihrem Neffen, der in West- fakender SA. an gehört, bildete die Grundlage der Anklage. Wegen Unterlassung der o o r g e f djriebenen Anzeige wurde das alte Mütterlein nach Beratung zu einem Mona t Kerker und tausend Kronen Geldstrafe oder zu weiteren zehn Tagen Werter verurteilt. Die Schilderung des Lebens in der SA. war der Greisin zum Verhängnis geworden.
Oesterre chs Zukunst.
Pariser Bedenken
gegen Beneschs „europäische Lösung".
Paris, 23. März. (DNB. Funkfpruch.) Die von Dr. Benesch vorgeschlagene europäische Lösung der österreichischen Frage wird von der französischen Presse nicht für unbedenklich gehalten. <5te laufe, so schreibt der „Jour", auf die Erhaltung des Status quo, d. h. die Balkanisierung des Donauraumes hinaus, wobei schließlich die „deutsche Lösung", d. h. der Anschluß, den Sieg daoontragen werde. Seltsam sei, daß Benesch sich dieser Losung nur aus einer Pflicht der Loyalität gegenüber Frankreich zu widersetzen scheine. Die „Action Franxaise" glaubt, daß Benesch sich schon jetzt mit dem Anschlußgedanken vertraut machen wolle, da er die Tschechoslowakei nicht für ftarf genug halte. Widerstand zu leisten. „Echo de Paris" meint, die Kleine Entente erwarte von den Großmächten die Verhinderung des Anschlusses, während sie sich selbst die Aufgabe stelle, die Schaffung einer italienischen Schutzherrschaft oder Einflußzone zu Der* hindern. Jedenfalls sei für Erhaltung des Status quo die Annäherung zwischen Italien und der Kleinen Entente notwendig. Leider hab« die Un-


