mit Binden, oder ihre Einzwängung in Strümpfe, kurz, eine Tracht, wie sie der Mensch braucht, wenn er sich behend und geschickt im Freien bewegen will.
Doch neben dem Gedanken an Schutz und Schirm beseelte den Soldaten zu allen Zeiten und in allen Zonen auch überschäumende Lebenslust, und er verlieh dem Ausdruck, indem er sich neben der Nützlichkeits-Tracht eine soldatische Ziertracht schuf. Allerdings wagte sich in den Zeiten, in denen die Schutztracht noch eine ausreichende Sicherbeit gegen die feindlichen Waffen bot, das Schmuckelement nur schüchtern hervor. Am Leben liegt einem mehr als an Schönheit, und so begnügten sich die waffenstarrenden Legionen des alten Rom ebenso wie die vom Kopf bis zu den Zehen bepanzerten Ritterhaufen des Mittelalters mit geringer Zierde. Erft als Panzer, Schild und Visier sich gegen die modernen Feuerwaffen unwirksam erwiesen, bildete sich eine von der bürgerlichen Kleidung streng unterschiedene Soldatentracht heraus. Als die Landsknechte Frundsbergs in der Schlacht von Pavia den speergespickten „Igel" der R'tter öffneten und die Scharfschützen des Marschalls Pescara die in ihren kostbaren Harnischen prunkenden französischen Adeligen blutend in den Sand werfen, da regte sich zum ersten Male in der neueren Geschichte da- Selbstgefühl des eigentlichen Soldatenstandes. Die deutschen Lands knechte bildeten eine eigene Tracht aus, deren wehende Federn, aufgepuffte Wämser und geschlitzte Pluder- Hosen, deren bunte Farbenfreude ihren tollen Wagemut und ihre Lebenslust verkündeten. Der soldatische Zug der Kleidung wirkt in diesen kriegerischen Zeiten bis zum Ausgang des Dreißigjährigen Krieges bestimmend auf das ganze Kostüm ein, und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts beherrscht die malerische Wildheit der Krieger die Männertracht, die sich an riesigen Federhüten, breiten Spitzenkragen und mächtigen Reiterstiefeln nicht genug tun konnte.
Die Versuche, in diesen ersten stehenden Heeren eine einheitliche Kleidung durchzuführen, mußten manches Vorurteil, vor allem auch die Disziplinlosigkeit der Truppen überwinden. Im Mittelalter galt gleichförmige Kleidung als Schimpf, und die Söldner bekundeten gerade ihre Unabhängigkeit in der üppigen Prahlerei ihrer Ausstaffierung. Nur wer in den Dienst eines Herrn trat, also damit seine Freiheit aufgab, nahm die „Farbe" des Vorgesetzten an, und diese „Livree" verkündete seine
Unfreiheit. Deshalb erklärten z. B. die Ratsherren der freien Stadt Magdeburg im Jahre 1293 denjenigen für unfähig, im Rat zu sitzen, der „eines Fürsten Kleidung nähme". Allmählich aber drang die „Leibtracht" der hohen Herren, die ihre Macht versinnbildlichte, auch bei den Soldaten der Fürsten durch, und man begann, diese Kleidung mit einem gewissen Stolz zu tragen. Im Gegensatz zu dem wilden Durcheinander des Landsknechtwesens, dessen ungebundene Tracht zu der geringen Manneszucht paßte, konnte jetzt der Gedanke Geltung gewinnen, durch eine bestimmte Kleidung Ehrbegriffe und Disziplin zu heben. Schon in der Renaissance wird gelegentlich gleichmäßige Kleidung der Soldaten gefordert, und zwar soll sie schwarzweiß-rot sein, „denn schwarz bedeutet Festigkeit und Verschwiegenheit, weiß Reinheit und Freudigkeit, rot Strenge und Schlachtenmut". Schon die ersten Verkünder der allgemeinen Wehrpflicht um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert legten Wert auf gleichförmige Tracht. So verlangte z. B. der Landgraf Moritz von Hessen: „Die Kleidung muß nach Farbe und Schnitt gleichartig sein: die Regimenter sind durch die Farben des Beinkleids, die Kompanien durch ein Abzeichen an den Röcken, die Befehlshaber durch Feldbinden und Federbusch zu unterscheiden." Zugleich verbot er die Auswüchse der damaligen Soldatentracht, die bunten Federn am Hut, die „Bäuche" der Wamse, die pludrigen Hosen. Auch Johann von Nassau erklärte es in seiner Dienstordnung von 1608 als wünschenswert, daß die Leute gleiche „Liberey" tragen, denn „sie hebt den Mut und fördert den Respekt".
Die wüste Soldateska des Dreißigjährigen Kriegs wurde schließlich aus Gründen der notwendigen Unterscheidung dazu gezwungen, für gewisse Abzeichen zu sorgen. So wurde in einzelnen Regimentern gleiche Kleidung eingeführt. Die But- lerschen Dragoner z. B. trugen rote Röcke, die Holk- schen Jäger grüne Röcke mit weißen Litzen. Im schwedischen Heer gab es ein blaues und ein gelbes Regiment, die so nach der Rockfarbe genannt wurden. Die Feldbinden, die zuerst bei den Generalen Karls V. auftraten und jetzt allgemein Mode wurden, dienten ebenfalls zur Heraushebung. So trugen die Schweden bei Lützen grüne Schärpen und die Kaiserlichen rote. In der Schlacht bei Warschau 1651 steckten sich die Brandenburger Eichenzweige an die Hüte, während - sich die verbündeten Schweden durch Strohbüschel kennzeich-
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rten stjjiciiier-, Nachrichten- und Nachschubverbän- n. Di < lalbmotorisierte Kavalleriedivision zählt gegen? zwi Kavalleriebriqaden zu je zwei Kaval- teregnM tern, ein Regiment Dragons portes, ie P! anerkraftwagenabteilung, eine Kraftrad- kadroit,, lin reitendes leichtes Artillerieregiment miib ein s otorisierte schwere Artillerieabteilung so- • • * '2' ie mo:ßa ierte Pionier-, Nachrichten- und Nach- Bfle,.,onDe^)iibDerr6ci3e. Ein Bataillon Dragons portös setzt lhnl .iT-ji) zustMien aus drei Schützen- und einer Be- '"^°° '^eitwa'Eskadron und besitzt ohne Troß- und igbess^‘7unitic-7-ne ir3euqe eine Gefechtsstärke von 124 lÄKa^hliTfetij^-1 ä nb cCijtt1 i6en Kraftwagen, 41 Krafträdern zum mi i 'iwagen, 36 leichte Maschinengewehre, '«7m schw:«c! Maschinengewehre, zwei leichte Minen- lerfer, ' Geschütz und rund 630 Köpfe.
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FrlniMj Sttoit Panzer zur Uniform, b.rgerftra»** L ber Soldatentracht.
/ Man nsi zwar, das Kleid mache den Mann, luflinS her mdnrinnte mit ebensoviel, ja, mit mehr Recht -«kßMf'agen, titqi b e r Mann das Kleid macht. SÄ iedemaick inden sich für beide Anschauungen Bei-
?. Spiele ti ii !::r Geschichte der Soldatentracht. Eine rnus fiii das Kleid des Kriegers der deutliche
BeE.iusdrücÄ'i iner Persönlichkeit und seiner Kampf- arten ^oeise, Berufes und seiner Eigentümlichkeiten, die B^Dann cik: gewinnt die Tracht gleichsam Macht M. l'^iber deii« Soldaten: sie zwingt ihn in ein gleich- .,sörmige^s-rhema und schließt die Truppe zu einer W'cinheitli' iciit Masse zusammen, in der der einzelne iröcrt, seine JniKn Dualität aufgibt und das Kleid ihm Ehre :rn SBt^'unb Wüujkj seines Stanbes verleiht.
lten. Der g’|rö Wert, ber in ber Geschichte bes Kriegs- ikM/'->wesens''to-lmch auf bie Kleibung gelegt worben ist, 25 wftat e in tieferen Sinn, benn ber Anzug bes Sol
daten Sprint einen Einfluß auf ben Geist, der ihn beseiü.IDoch mußte zwischen den verschiedenen
,j.; Mnforbe innz;en an die Soldatentracht, dem Verlan- ’^en na«H taktischer Brauchbarkeit, nach Einheit- ichkeit ck nach Schmuckwert ein Ausgleich ge- chasfen tdfben, und dies ist erst verhältnismäßig pät gel lUAn, als sich nämlich die moderne Uniform us bei m :en Kriegstrachten herausbildete.
JjJ Die 5Ke.er-Kleidung ist zunächst in erster Linie titie c-mutztracht gewesen. Man wollte sich mch Miiiglchkeit gegen die Gefahren des feindlichen (ngriffijsiiiigern. Daher steht der Panzer am Mlnfang^I- kriegerischen Ausrüstung. Sowohl der ömischc e hchlit wie der mittelalterliche Ritter treten im Pal-n^ mit Schild und Helm auf, und ihre rächt irniiiehr Bewaffnung als Bekleidung. . scheint der Soldat nicht in vollen Wehr und so unterscheidet sich sein Aeußeres
kaum r Htm dem des friedlichen Bürgers. Neben Ibiefer f llr-nben Schutztracht gibt es aber freilich !ouch schiho m- den Heeren des Altertums ein leich- 8 i/6>tere5 KlD das die Truppen anlegen, die mehr 311m Vcio^ß und zur Verfolgung bestimmt sind. lHier übikriegt ebenfalls der praktische Nutzen: der . Schleuder! der Träger des Wurfspießes, sie schaf- mlHpen sich : knappe, bequeme Kleidung, die zu den IHllk^'chi-N -:fen paßt, und so entsteht das sich an- |O| • schmiegelederne Wams, das bequem sitzende Mfleid, die feste Umwicklung der Beine -vy
□ $rtßcinl Dien fieiöen das Uebergewicht zu fällt, hängt LSnbi berl i^räumlichen Lage des Landes, in dem Ämtt.,^iisie< ! Visionen aufgestellt oder verwendet wer- iflil m?1*' solli'N.ivon ihrem Wegenetz, von dem Stande mS Mastlll.ierung ihrer Wirtschaft, von dem Stande it LftKter en- und Kraftwagenindustrie ab.
r a iL ei cf) verfügt zur Zeit sowohl über ms', brr^torisi'.'tt als halbmotorisierte Schnelle (Kaval- tiu *9lüö.'.-.*?ie ) T)b. einen. Die motorisierte Division gliedert m.» 20M>> in -'n in Brigade Dragons portes (d. i. Dra- im feier vM igeländegängigen Kraftwagen) zu zwei V nimetiL'.’• zu je drei Bataillonen, einem Kraft- ngst. Tie^DfahrkiM.llon, einem Panzerkraftwagenregiment b73v Ei> Ms Kamps^wagen-(Tank-)Regiment, einem
höeri.ri iment auf Selbstfahrlafetten, motori
sch ri Schritte dröhnen über das Erdreich: die it r lexanders, die Triarier Roms, die Gre- chiedrichs, bie Alte Garde Napoleons tritt lEdipf, entscheidet die Schlachten Hufe klap- 8ai!' wirbelt auf: Die Reiter Hasdrubals, vr Wärme des Ostens, Hunnen, Mongolen, Bayreuther Dragoner, bie Chasseurs ii bi<re Murats brausen über bas Blachfelb, 1 [ o und Vernichtung in bie Reihen bes be-
e!t fi Frage: „Blanke ober Schußwaffe?" ist ilt^g iugunsten ber Schußwaffe entschieben. iaii;«? :er Massenattacke sinb bahin. Die blanke i^eiMeiters wirb allenfalls noch in Einzel- me Rolle spielen. Die zweite Frage: Hchierb il)b Motor?" ist noch in ber Schwebe. Zur i leitet bie Antwort zweifelsohne: „Nicht 16te;-erö oikeMotor, sonbern Pferb und Motor".
d im und Bewegung gelten nicht weniger als ir Ruhe in ben Äugen bes Kriegsgottes. Mcideschwingten Solbaten, ben Reiter,
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Wehr und Waffen.
Bei bem italienischen Manöver trat eine Schnelle Division vorteilhaft in Erscheinung. Die brei Schnellen Divisionen, über die Italien verfügt, sind kürzlich umformiert worden. Sie bestehen jetzt aus zwei „Rassereinen" Brigaden: einer Reiter-, Radfahrerbrigade mit reitender Artillerie and einer motorisierten Brigade (Infanterie auf geländegängigen Kraftwagen, Kraftradschützen, motorisierte Artillerie und Maschinengewehre, technische Truppen). Es ist vorgesehen, daß die einzelnen Teile zweier schnellen Divisionen zu „Rassereinen" — also völlig motorisierten und reinen Kavalleriedivisionen — zusammengefaßt werden können, da man die Erfahrung gemacht hat, daß im gebirgigen Gelände der Apenninenhalbinsel die Panzertruppen starken Geländeabschnitten und Sperrzonen oftmals ohnmächtig gegenüberstanden, während andererseits in der Ebene schnelle Panzerdivisionen in kritischen Lagen den Ausschlag gaben. Die Verkopplung von Reitern und Radfahrern ist eine besondere Eigentümlichkeit des italienischen Heeres. Die italienische Felddienstordnung sagt darüber: „Kavallerie und Radfahrer haben verschiedene, aber sich ergänzende Eigenschaften und können daher sehr gut Zusammenwirken. Die Radfahrer sind weniger befähigt, schnell außerhalb der Wege vor- | wärtszukommen, verfügen aber über eine stärkere Feuer- und Stoßkraft und sind daher als Führer- reseroe besonders geeignet."
Die angelsächsischen Staaten sind zur Zeit noch mit Versuchen beschäftigt und haben ihre
Kavalleriedivisionen erst zum geringen Teil in Motorverbände umgewandelt. Die Ostmächte halten, ebenso wie Japan, der Natur ihres Lebensraumes entsprechend, bisher am strengsten an der allher- gebradjten Form der Kavalleriedivisionen fest und teilen ihnen lediglich motorisierte Aufklärungs- und Nachschubverbände zu.
Die Schwierigkeit beim Einsatz gemischt berittener und motorisierter Verbände liegt naturgemäß in den verschiedenen Marschgeschwindigkeiten ihrer einzelnen Einheiten. Es wird großen Führeraeschicks und sorgsam durchdachter Befehlsgebung bedürfen, sie in Einklang zu bringen. Man wird die einzelnen Teile, je nach der Lage und dem Straßennetz, sprungweise auf verschiedenen Straßen oor- führen, wird die Rasten des einen Teiles zum Marsch des anderen Teiles ausnutzen müssen. Unter allen Umständen muß gewährleistet fein, baß die Bewegung in Fluß bleibt, daß eine möglichst hohe Marschgeschwindigkeit des Gesamtoerbandes erreicht wird; denn in der Geschwindigkeit liegt ja der Wert berittener und motorisierter Kräfte. Geht sie verloren, ist ihr Glanz dahin, lohnen nicht die auf sie verwandten Mühen und Kosten. Eins darf aber vor allem nicht vergessen werden: Nur dann werden Schnelle Divisionen, ganz gleich ob sie beritten, motorisiert oder gemischt sind, ihre Aufgabe lösen, wenn sie jener Reitergeist beseelt, „der den Gegner allemal zuerst attackiert", wenn ihnen Führer voranstreben, die „jenes Stück Verwegenheit besitzen, das zum Haschen der Gelegenheit gehört".
Hundedreffur bei -er Reichswehr.
Ausbau des Hunde-Meidedienstes.
In der einzigen Heereshunde-Anstalt Deutschlands, in Kummersdorf, ging vor kurzem ein Lehrgang zur Ausbildung von Meldehundführern zu Ende: dabei wurden von der bisher üblichen Äuffasfung, der Hund könne nur etwas werden, wenn man ihn wie einen Menschen behandle, abgegangen und zum leit vollkommen Neuartiges versucht. Im Vordergrund» der ganzen Arbeit: steht die AusbildungdesMenschen: denn er muß zunächst lernen, wie die geistigen Fähigkeiten des Hundes beschaffen sind, wobei der menschliche Schüler gleichzeitig unter theoretischer und praktischer Anweisung den Hund lernen läßt. Auf diese Weise wird von Anfang an jeder Fehler in der Behandlung der Hunde vermieden, und arbeitsfreudig lernen die Tiere die von ihnen verlangten Leistungen.
E' muß mit der Ansicht gebrochen werden, daß die Abrichtung nicht für alle Hunde erlernbar sei und daß dazu eine besondere Begabung gehöre. Bei der Reichswehr richtet man sich nach den Richtlinien, die der Vorkämpfer auf diesem Gebiet, Konrad Mo st, schon seit Jahren verfolgt hat. Danach kann jeder Mensch und jeder Hund, der guten Willens ist, die Abrichtung erlernen: anders wäre ja auch eine Massenverwendung des Hundes im Dienst des Heeres gar nicht möglich. Den bei der Reichswehr gemachten Erfahrungen kommt schon deswegen erhöhte Bedeutung zu, weil sich auch die anderen mit Hundeaufzucht und -ab- richtung betrauten Stellen danach zu richten haben werden. Selbst jeder private Hundebesitzer müßte sie beherzigen.
Der berühmte Truppenübungsplatz Kummersdorf erstreckt sich über eine viele Kilometer weite Fläche, die ausschließlich Heereszwecken dient. So weit das Auge reicht, ist fein Zivilist zu erblicken, es fei benn, er habe bei der Reichswehr zu tun. Nirgends ein Privathaus, nicht einmal ein Bahnhof: selbst das Dorf, das der Gegend den Namen gab, liegt einige Kilometer abseits. Schmale Schienen durchqueren das Gelände, auf denen flinke Motordraisinen die Diensttuenden nach allen Richtungen brin
gen. Mitten im Wald hat innerhalb des Schießplatzes die Heeresanstalt ihren Sitz. Schon von weitem hört man eifriges Gebell. Zwinger an Zwinger wohnen die Hunde, teils sind es sogenannte Lehrgangshunde, die nur als Gäste da sind, teils solche der Anstalt selbst, die für die verschiedenartigsten Untersuchungen dienen. Hier sanden die berühmten Versuche über die Spürfähigkeit der Hunde statt, welche die Auffassung über die Fährtenarbeit in ganz neue Bahnen lenkten und damit auch die Umstellung des gesamten Polizei- Diensthundwesens veranlaßten.
Vor mir steht ein menschengroßes, mit Porzellanfüßen versehenes Fährtenrad. Mit Hilfe einer dazu besonders eingerichteten Maschinerie stellte man mit dem Rade künstliche Fährten her, die den menschlichen Fährten in Aussehen und Ärt haargenau glichen, allerdings ohne menschlichen Geruch von sich zu geben. Da zeigte sich etwas ganz Merkwürdiges: die auf die menschlichen Fährten eingearbeiteten Hunde verfolgten diese künstlichen, von jedem menschlichen Geruch freien Fährten genau so, als hätte es sich tatsächlich um Menschen gehandelt. Damit war bewiesen, daß im Gegensatz zur früheren Ansicht der Hund bei der Verfolgung einer menschlichen Fährte nicht etwa durch den menschlichen Art- oder Eigengeruch geleitet wird, sondern durch die Gerüche, bie entstehen, wenn ber menschliche Tritt Pflanzen zerbrückt unb ber Boben eingeritzt wirb. Daraus konnte man nun ersehen, baß es gar nicht möglich ist, Melbehunbe so abzurichten, baß sie zum Heranpürschen an ihre Führer bie menschliche Fährte gebrauchen lernen. Denn bann liefe man Gefahr, baß bie Tiere infolge ber im (Belaube häufig vorkornrnenben menschlichen Fährten, wie oerschiebene Uebungen gezeigt haben, leicht auf anbere Fährten überwechseln, also völlig in bie Irre gehen. Es mußte baher ein anberes Mittel ersonnen werben, um eine einroanbfreie Verfolgung ber menschlichen Fährten zu gewährleisten. Zu bie- sem Zweck erfartb man einen k ü n st l i ch e n Riechstoff, ben ber Melbehunbführer aus einer Tropfkanne zu Boben fallen läßt, sobalb er seinen
Somstag, 22. Dezember (934
Stanbort aufgeben muß. Diesem Riechstoff zu folgen, lernt der Hund sehr schnell.
Ein anderes Versuchsmittel ist die sogenannte Hindernisbahn für Hunde. Sie enthält trockene und mit Wasser gefüllte Gräben, dunkle Laufgänge, Drahthindernisse, Leitern und Treppen, Mauern und Holzzäune: alles dazu bestimmt, um bie Hunde von früher Jugend an mit der Ueber- Windung derartiger Hindernisse vertraut zu machen. Weitere Versuche gelten der Erkenntnis, ob ras» senreine Hunde oder Mischlinge besser arbeiten. Das Ergebnis sprach zugunsten der rassereinen, weshalb man auch nunmehr von künstlichen Rassekreuzungen absieht. Von Kummersdorf gehen diejenigen, die ihre Prüfung bestanden haben, zurück zu ihren Truppenteilen, um dort als Lehrer in der Meldehundabrichtung zu wirken. Täglich wird auf dem Gelände mit den Hunden tüchtig geübt: für die Mannschaft schließt sich daran meist noch ein theoretischer Unterricht an.
Während es beim Menschen in der Regel heißt, man solle nicht zwei Herren dienen, gilt für den Meldehund gerade das Gegenteil: er muß zwei Herren gehorchen, da er ja zwischen zwei Führern hin und her zu laufen hat. Wie überhaupt seine Erziehung — oder wie der Fachausdruck lautet: seine Abrichtung nach ganz anderen Grundsätzen erfolgt als sonst üblich. Man ist, wie schon erwähnt, von der falschen Ansicht abgegangen, den Hund wie einen Menschen, etwa wie ein ungezogenes Kind, lernen zu lassen. Man ist gut zu ihm, doch man nimmt ihn als das, was er ist: nämlich ein Hund. Man versucht nicht, ihm Eigenschaften anzudichten, die seiner Natur fernliegen, sondern ist vielmehr bestrebt, seine angeborenen Triebe zu entfalten, soweit sie für den Verwendungszweck brauchbar sind: und diejenigen Seiten seiner Veranlagung, die hindernd sind, zu hemmen. Alles, was dem Menschen schädlich ist, verleidet man dem Hund, und was uns nützlich, „verannehmlicht" man ihm. Es ist verkehrt, dem Hund „Gutes" und „Böses" in unserem Sinne zuzutrauen, der Hund ist „jenseits von Gut und Böse". Für das Tier gibt es keine „Schuld". Daher sieht man ständig die Soldaten ihre vierbeinigen Zöglinge streicheln und anfeuern und immer wieder vernimmt man das „So ist braaav". Die Hunde wedeln voller Freude, ein Zeichen dafür, daß es ihnen Vergnügen bereitet, zu arbeiten.
Der Meldehund wird zum Ueberbringen von Nachrichten und Skizzen mit Hilfe eines ihm ange- schnallten Meldehundefattels, zum Befördern von Brieftauben, Schießbedarf und Verpflegung und fchueßlich noch zum Legen von Fernfprechkabeln benutzt. Dabei wird er an alle die Geräusche gewöhnt, die im Ernstfall vorkommen können, und durcheilt seine Meldestrecke ohne Scheu vor Gewehr- und Geschützfeuer. Kein Lärm vermag ihn in seiner Arbeit zu behindern oder gar ihn abzuschrecken. Im Gegensatz zum Polizeihund wird er nicht scharf gemacht; der Meldehund soll ja nicht Verbrecher stellen und seinen Führer verteidigen; er dient lediglich der Nachrichtenübermittlung. M. L.
Vom englischen Xanhheer.
In England hat man sich dazu entschlossen, die Rüstung des Landes zu verstärken. Die Tatsache, daß man dabei auch die Schaffung eines Expeditionsheeres zur Verwendung in Belgien und Holland, für das als einziger Gegner natürlich nur Deutschland in Frage kommen kann, gedacht hat, läßt es erwünscht erscheinen, sich wieder einmal die Organisation der britischen Armee zu vergeaenwärtiaen. Bei einer Gesamtstärke von 206 000 Mann zählt die Armee in England nach den Angaben des Generals B a r a t i e r im „Temps" 118 000 Mann. Diese verteilen sich auf 5 Infanteriedivisionen, 4 Kavalleriebrigaden, eine allgemeine Reserve aller Waffen, zu der die schwere Artillerie, die Kampf-
neten. Im ganzen aber erscheint Gustav Adolfs Heer noch „als eine Horde unansehnlicher Bauernknechte in Schafspelzen", und von der Armee des Großen Kurfürsten sagte Friedrich der Große: „Sie konnten nicht viel Manneszucht haben, denn jeder Soldat versah sich selbst mit Kleidung und Waffen, wodurch eine seltsame Buntscheckigkeit entstand."
Die Schöpfung ber Uniform in unterem Sinne, b. h. bie Durchführung einer in Schnitt und Farbe gleichmäßigen Kleidung bei großen Truppen- körpern, ^"schah erst durch Ludwig XIV., dieser Herrscher, der seinen Sinn für Ordnung und Symmetrie der ganzen Kultur seiner Zeit aufprägte, sorgte auch in der Tracht seiner Heere für Gleichmäßigkeit und sah darin eine wichtige Hilfe zum Siege. „Eine andere Farbe, eine Naht mehr, eine Litze weniger können eine Niederlage bringen", pflegte er zu sagen, und das Auge des „Varadekönigs" erlabte sich an dem Anblick harmonisch gekleideter und harmonisch sich bewegender Menschenmengen. Er war auch der erste, der die Soldaten nicht selbst für ihre Kleidung sorgen ließ, sondern sie ihnen aus Staatsmitteln zuwies. Damit war der Wille des Einzelnen ausgeschaltet. Die deutschen Heere folgten dem französischen Beispiel; seit 1697 sorgte auch der deutsche Kaiser für die ganze Ausrüstung seines Heeres. Die Uniform — der Name hat sich erst unter Friedrich d. Gr. eingebürgert — wurde im 18. Jahrhundert zum Gegenstand einer ganzen Wissenschaft gemacht, und zwar war es besonders der „Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I., der die Kleidung seiner Truppen bis ins Kleinste durchbildete und der Soldatentracht den verächtlichen Charakter nahm, der der Bedientenlivree seit dem Mittelalter angehaftet hat. Das Beispiel des preußischen Königs, der stets in Uniform erschien, trug viel dazu bei, dem Svldatenkleid das Ansehen zu verleihen, das es allmählich erhielt.
Das 18. Jahrhundert hat in der Uniformierung der Truppen das Menschenmöglichste geleistet und die Soldaten zu steifen Puppen gemacht, die vom ellenlangen Zopf bis zu den dicken Gamaschen wie Wickelkinder einhergingen. Die Wandlungen der Kriegsführung trugen dazu bei, sie immer bequemer aber auch einfacher und unauffälliger zu gestalten, und heute ist das Ehrenkleid des Soldaten prunklos und nüchtern, aber deswegen nicht weniger schmuck und würdig.


