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wesen) ausgenommen wurde. Die bereits fn der letzten Mitgliederversammlung beschlossene Satzungsänderung, wonach die Leitung des Vereins nunmehr nach dem Führerprinzip erfolgt, ist durchge- sührt worden. Die oorgelegte Jahresrechnung ond der Voranschlag gaben zu keinen Bemerkungen Anlaß. Mit einmütigem Beifall nahm die Versammlung von der Mitteilung des Vorsitzenden Kenntnis, daß er die Ernennung des lanmährigen, um den Verein hochverdienten früheren Vorsitzenden Geheimerat Professor Dr. Krüger, zum Ehrenvorsitzenden zu vollziehen gedenke.
Die ganze Aussprache war getragen von dem Willen zu freudiger Mitarbeit an dem Aufbau des deutschen Musiklebens einerseits durch Aufrechterhaltung der hohen künstlerischen Stufe, durch die sich die Veranstaltungen des Vereins in hundertzweiundvierzigjähriger Tradition stets ausgezeichnet haben, andererseits aber auch durch das ernste Bestreben, das hohe Kulturgut der deutschen Musik möglichst weiten Kreisen der Bevölkerung zugänglich zu machen und näherzubringen. Um dies letztere Ziel zu erreichen, soll auch alsbald eine möglichst umfassende Werbung zur Gewinnung neuer Mitglieder durchgeführt werden.
Erleichterter Versand von Winterhilfs- Spenden durch die Reichspost.
Zur Unterstützung des Winterhilfswerks des beut- schen Volkes befördert die Deutsche Reichspost, wie im Vorjahre, von sogleich an bis Ende März 1935 wieder Postgut im Gewicht bis zu 7 kg mit Gaben für die Winterhilfe. Die sonst für die Einlieferung von Postgut bestehenden Beschränkungen sind vorübergehend für Sendungen mit Gaben für das Winterhilfswerk aufgehoben worden. Es kann also jedermann ohne Rücksicht auf den Aufgabeort und die Anzahl der Sendungen die vom Winterhilfswerk beschafften oder gesammelten und von ihm unentgeltlich an Hilfsbedürftige abzugebenden Lebensmittel, Kleidungs- und Wäschestücke versenden oder erhalten, wenn das Winterhilfswerk oder eine örtliche Vertretung entweder Absender oder Emfänger des Postgutes ist. Die Sendungen und die Postgutkarten müssen neben der Angabe „Postgut" den Vermerk „Winterhilfe" oder „Gaben für die Winterhilfe des deutschen Volkes" tragen.
Vornotlzen.
— TageskalenderfürMontag: Deutsche Arbeitsfront, 20.30 Uhr, Cafö Leib, Eröffnung der außerberuflichen Schulung der Jungmitglieder der DAF. — NSLB., Fachschaft Höhere Schule, Biologische Arbeitsgemeinschaft, 16 Uhr, Physiksaal des Realgymasiums, Vortrag von Dr. Weber. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Schützenkönig wird der Felix".— Gießener Eisverein: 20 Uhr, Eissporthaus, ordentliche Mitglieder-Verfammlung. — Volksmissionarisches Amt der evangelischen Landeskirche Nassau- Hessen, 20 Uhr, Volks-Missions-Vortrag „Weshalb wurden unsere Vorfahren Christen?"
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** Zum Polizeikommissar ernannt. Der Herr Reichsstatthalter hat auf Vorschlag der hessischen Regierung den Polizeimeister Heinrich Peter mann in Gießen mit Wirkung vom 1. September 1934 ab zum Polizeikommissar ernannt.
** Dienstjubiläum, Am 16. Oktober konnte der beim Hauptzollamt Gießen beschäftigte Zollsekretär Ludwig Rohde auf eine 40jährige Dienstzeit bei der Zollverwaltung zurückblicken. Anläßlich dieses Jubiläums wurde ihm von dem Vor-
seine (leine settetänn.
20. Fortsetzung.
Nachdruck verboten!
Vornan von Gert Gothberg.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).
Was konnte er an ihrem Leben ändern? Sie hatte damals aewählt. Hatte den schönen, eleganten Stetten, der so firm war in der Liebe und im Werben, ihm vorgezogen, und sie hatte mit dieser Handlung ihr ganzes ferneres Leben bestimmt. Heute, nun sie zufällig wieder frei war, mußte sie nicht glauben, nur hierherkommen zu brauchen, und alles sei gut. Es sei alles ausgelöscht. Es habe niemals einen siegessicheren Norbert von Stetten gegeben.
Was hatte er damals gelitten?
Nur er allein wußte es! Nicht einmal Brigitte hatte eine Ahnung davon. Wenn sie auch gewußt hatte, daß er Nora liebte — was er gelitten, das hatte sie nicht gewußt. Sorgsam hatte er es ihr verborgen.
„Weinen Sie doch nicht, gnädige Frau. Tränen schaden immer! Und ich wünsche wirklich, daß Sie recht oft lachen. Aber — ich würde niemals vergessen, daß Sie einstmals Norbert von Stetten den Vorzug gaben."
Da wußte Nora, daß all ihr Hoffen töricht gewesen war. Sie hätte ihn besser kennen müssen.
Und doch hatte er sie geliebt.
Und sie war ihm auch heute noch nicht gleichgültig! Auch das wußte sie! Und sie baute darauf ihren Plan.
Aber schwer würde es sein, sehr schwer! Es handelte sich um Arndt von Berken. Der würde so leicht kein Nachfolger sein wollen. Nur wenn die alte, große, leidenschaftliche Liebe wieder in Hellen Flammen über ihn zusammenschlug — dann vielleicht! Dann würde er doch vielleicht vergessen!
Nora strich über den Kopf ihres Pferdes. Sagte:
„Ich habe mich töricht benommen. Vielleicht wollte ich nur etwa gutmachen! Ein eingebildetess Unrecht!"
„Sehen Sie! Wie falsch da wäre, jetzt sein Leben Aum zweitenmal zu gefährden um eines eingebildeten Unrechts willen. Wir wollen gute Freunde bleiben. Unsere Heimat hier ist schön. Wir wollen uns beide daheim wohl fühlen. Sie wissen jedenfalls nun, was die Welt da draußen wert sein kann."
„Ja, Arndt von Berken, ich weiß es. Und ich habe Kan das alte Lied gedacht: ,Wär' ich geblieben
auf meiner Heiden*."
Er sah sie an.
Nein!
Der Vergleich stimmte nicht. Das Lied war auf ein armes kleines Mädel geprägt, das sich ins Leben hinausgesehnt, das nie aus seiner Heide fortgekommen war. Auf diese schlanke, schöne Frau paßte es sicher nicht. Denn Nora Martens hatte mit ihren Eltern sehr weite, schöne Reisen gemacht. Sie war im Winter meist in Berlin gewesen, hatte da vielen Vergnügungen beigewohnt. Aber sie schien sich jetzt in der Rolle des heimgekehrten kleinen Heidemäd- ichens zu gefallen. Oder wollte sie ihm damit impo- mieren? War Nora von Stetten wirklich so naiv, zu glauben, Rollenstudium verfinge bei ihm? Er lhatte Unwahres nie gemocht. Und je länger er Nora ansah, desto mehr wurde es ihm zur Ge-
Loh; Skisport: Wilhelm Althaüs; Bergsteigen und Wandern: Heinrich Klemmrath; Kegeln: Karl Hergenrother; Billard: Fidel Balken; Kanusport: Ludwig Well Hausen; als Vertreterin für den Frauensport wurde Fräulein Else Bickelhaupt vorgeschlagen; als technischer Leiter wurde Franz Lotz empfohlen. Ein Vertreter der Stadt in der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen wird noch benannt werden.
SOlit der Nennung des Vorstandes und der einzelnen Fachamtsleiter gilt, so führte der Dersamm- lungsleiter u. a. aus, die Ortsgruppe Gießen als gebildet. Er wies darauf hin, daß es im Interesse oes Sportes notwendig sei, daß die Vereine den Fachamtsleitern bei ihrer ehrenamtlichen Betätigung alle mögliche Unterstützung zuteil werden lassen. Interne leichtathletische Vereinskämpfe der Spielvereinigung 1900.
Gestern vormittag herrschte auf dem 1900-Sport- Platz reger Sportbetrieb. Die Aktiven, Jugendlichen und Frauen der Leichtathletik-Abteilung beschlossen die Saison nut dem Austrag der Klubmeifterschaf- ten- Es war erfreulich festzustellen, daß einmal die Kampfe eine gute Beteiligung aufzuweisen hatten und daß andererseits sich das Leistungsniveau ttotz der stark vorgeschrittenen Jahreszeit auf beachtlicher Höhe bewegte. Einige Leistungen sind sogar als hervorragend zu bezeichnen. Voranzustellen ist wieder Feldwebel Gugel (J.-R. 15 Gießen) mit 14,61 Meter im Kugelstoßen; auch ließ er sich den Fünfkampf nicht entgehen, allerdings war ihm hier Kilo stark auf den Fersen. Den Dreikampf gewann W. Müller ebenso überlegen, wie die 100 Meter offen. Bei den Langstrecklern gab es einige Ausfälle, aber das soll die gute Leistung von Mootz über 3000 Meter nicht schmälern. In der Jugend war, wie nicht anders zu erwarten, Goß meist tonangebend. Bei den Frauen spielte diese Rolle Lieselotte Diehl. Sehr eifrig bei der Sache waren die Schüler und Mädchen. Sie bewiesen, daß sie in den letzten Wochen schöne Fortschritte gemacht haben.
Die Ergebnisse.
Männer:
100 Meter, Klasse A: 1. W. Müller 11,2Sek.; 2. Gefr. Rebscher (J.-R. 15 Gießen) 11,8 Sek.; 3. Bepperling und Kilo 12,2 Sek. — Klasse B: 1. Pfaff 12,4 Sek.; 2. Gustav Koch 12,7 Sek.; 3. Glagow 13,2 Sek.
4 0 0 Meter, Klasse A: 1. Baumstieger 55,3 Sek.; 2. Bepperling 55,8 Sek.; Franz Koch aufgegeben. — Klasse B: 1. Gustav Koch 58,5 Sek.; 2. Glagow 61,6 Sek.; 3. Pfaff 62,7 Sek.
3000 Meter: 1. Mootz 10:02,8 Min.; 2.Pe- ters 10:10,8 Min.; 3. Gustav Koch 10:34 Min.
Weitsprung, Klasse A: 1. Felsing 5,70 Me- ter; 2. W. Müller 5,60 Meter; 3. H. Jung und Bepperling 5,42 Meter. — Klasse B: 1. Pfaff 5,40 Meter; 2. K. Müller 5,15 Meter; 3. G. Koch 4,85 Meter.
Kugelstoßen, Klasse A: 1. Feldwebel Gugel (J.-R. 15 Gießen) 14,61 Meter (!); 2. Kilo 12,84 Meter; 3. Gefr. Rebscher (J.-R. 15 Gießen) 12,10 Meter. — Klasse B: 1. Obergren. Flach (J.-R. 15 Gießen) 11,24 Meter; 2. Felsing 9,78 Meter; 3. Pfaff 9,40 Meter.
Speerwerfen: 1. Felsing 45,10 Meter; 2. Feldw. Gugel 44,20 Meter; 3. Gefr. Rebscher 43,40 Meter.
Diskuswerfen: 1. Kilo 40,28 Meter; 2.
steher des Hauptzollamts In Gegenwart feiner Ve- rufskameraden ein Glückwunschschreiben des Führers und Reichskanzlers ausgehändigt, worin der Dank für die dem Reiche geleisteten treuen Dienste zum Ausdruck gebracht wird.
** Fünfundzwanzig Jahre im Staatsdienst. Am 20. Oktober konnte der Straf- anstaltsob erwachtmeister beim hiesigen Landgerichtsgefängnis Georg Jost auf eine 25jährige Tätigkeit im Staatsdienst zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar besondere Ehrungen zuteil.
** Zum Bienenseuchen-Sachoerstän- b i g e n bestellt. Herr Gotthard Bodenben-
der (Gießen) wurde als Vienenseuchen-Sachverstan- biger unb Herr Theodor Pfeiffer (Launsbach) als stellvertretender Bienenseuchen-Sachverständiger für den Kreis Gießen bestellt unb verpflichtet.
** Aufgehobene Straßensperre. Die Sttaßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Hungen — Inheiden ist wieder aufgehoben
** Unfall. Am gestrigen Sonntag wurde der 26jährige Schlosser Hans Roloff aus Groß-Ritte bei Kassel mit einer Brustquetschung und einer Quetschung des linken Armes in die hiesige Klinik eingeliefert. Heber die Urfache des Unfalles war bisher noch nichts Näheres zu erfahren.
Eröffnung derzusählichen Berufsschulung durch die HZ.
Am heutigen Montagabend findet im Caf6 Leib die Eröffnung der zusätzlichen Berufs- schulung der Jugend durch die HI. und die Deutsche Arbeitsfront statt. Die Führung der HI. will der deutschen Jugend in ihren Reihen außer der politischen und weltanschaulichen Schulung und außer dem Dienst und den Heimabenden eine zusätzliche Berufsschulung zuteil werden lassen, d. h.: sie will der berufstätigen und schaffenden Jugend für ihre verschiedenen Berufszweige praktisches wie auch theoretisches Wissen verschaffen.
Diese berufliche Schulung, die von erfahrenen Praktikern unb Wirlschaflsführern übermittelt unb gelehrt wirb, soll die 3ugenb an Erfahrung, Dissen unb Kenntnissen für ihren Beruf bereichern unb soll vor allen Dingen jebem einzelnen jungen Menschen bas Interesse an seinem Beruf heben. Es soll burch diese Arbeitsmethode erreicht werben, baß bis deutsche Qualitätsarbeit
ihren Ruf in ber IDeit behält, ja, baß biese Weltgeltung beutscher Wertarbeit stetig vergrößert wirb im Dienste unseres Baterlanbes.
Am heutigen Abend, um 20 Uhr, sprechen über die Richtlinien der Durchführung dieser berufszusätzlichen Schulungsarbeit und ihren Zweck der Leiter der Abteilung „Schulung" des Gebietes Hessen-Nassau, Willi Ruder, und Pg. Hermann Wagner von der Deutschen Arbeitsfront.
Jeder Deutsche, der die berufliche Arbeit der Jugend zu überwachen hat, jeder, der verantwortlich ist für die berufliche Erziehung dieser arbeitenden Juaend, und jeder Wirtschaftsführer erscheint zu dieser Kundgebung und bekundet dadurch sein Interesse und sein Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Jugend.
Der Führer des Bannes 116 des Hitlerjugend: gez.: Heim, Bannführer.
Der Leiter des Sozialen Amtes: Becker.
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„Ortsgruppe Gießen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen."
Eine (Ürünbungs-Berfammlung.
Im Zusammenhang mit der durchgreifenden Neu- organifterung des deutschen Sportes durch den Reichssportführer von Tschammer und Osten und im Zusammenhang mit dem Aufbau des vor einiger Zeit gebildeten Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen wurde, nachdem der Organisationsplan auch für den Gau XII Nordheffen festgelegt war, nunmehr auch in Gießen die Gründung einer Ortsgruppe des Reichsbundes für Leibesübungen vollzogen. Dr. Lauterbach (Kassel), der Geschäfts- führer des Gaubeauftragten, leitete die Versammlung und begrüßte die Führer und Vertreter der Vereine. Leider waren nicht alle Leibesübung treibenden Vereine vertreten.
Die Versammlung hatte sich insbesondere mit Vorschlägen für die Besetzung des Amtes des Vorsitzenden und der Fachämter zu beschäftigen. Dr. Lauterbach wies zunächst auf die Aufgaben der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Reichsbundes
für Leibesübungen hin und betonte, daß der Vorsitzende der Ortsgruppe der amtliche Vertreter des Sportes innerhalb der Stadt fein werde.
Für die Besetzung der einzelnen Aemter wurden vorgeschlagen:
Vorsitzender: Der Leiter des Instituts für Leibesübungen an der Landesuniverfität, Privatdozent Dr. M ö ck e I m a n n.
Geldverwalter: Ludwig Gerhardt.
Mitarbeiter für den H i l f s f v n d des deutschen Sportes: Willy Kunert.
Für die einzelnen Fachämter innerhalb der Ortsgruppe wurden folgende Herren genannt: Geräteturnen, Gymnastik und Sommerspiele: Andreas Re i n i n g ; Fußball: Wilhelm Hohmann; Leichtathletik: Georg R i ch t b e r g ; Handball: Wilhelm Rinn; Schwimmen: Franz Sauer; Ringen, Gewichtheben, Jiu-Jitsu: Hendrich; Fechten: Karl Hergenröther; Schießen: Ed. G o n d - n er; Tennis: Dr. Wilhelm Loh; Radsport: August Deibel; Rudern: Friedrich Lever- mann; Eissport und Rollschuh: Dr. Wilhelm
wißheit, daß ihre Ehe mit Stetten sie vollkommen gewandelt hatte.
„Haben Sie diesen Winter eine große Jagd gegeben?" fragte sie und lächelte.
Das Lächeln war sicherlich berückend. Aber Arndt von Berken sagte kühl:
„Nein, gnädige Frau. Ich war in diesem Winter längere Zeit in Berlin. Außerdem wollte ich mein Revier einmal schonen."
„Ach so!"
„Wenn Sie gestatten, laufe ich noch ein Stückchen mit Ihnen durch den Wald, gnädige Frau."
„Das ist lieb von Ihnen. Aber ich denke, daß ein wilder Ritt besser ist."
Sie riß an den Zügeln des edlen Tieres, das zornig schnaubte. Arndt von Berken war ihr behilflich, dann schwana er sich selbst in den Sattel. Nora ritt wie eine Amazone. Es war ein schönes Bild, das der Mann in sich aufnahm. Aber er hatte kaum Zeit dazu. Er trieb feinen Rappen dicht an Noras Pferd heran. Die weiße Stute war zornig, schnaubte noch immer und hatte an der Hecke gebockt — Nora hatte die Gerte genommen. Am ganzen Gebaren des Pferdes sah Berken ganz genau, daß es Schläge nicht vertrug, und daß es höchstens noch ein Unglück geben würde.
Seine Hand griff fest in die Zügel, ungeachtet des Widerstandes, den Nora leistete.
Er zwang das Tier in eine ruhigere Gangart, und nun ritten sie eine ganze Weile schweigend nebeneinander dahin.
Und die Frau dachte verzweifelt: Er wäre mein Meister gewesen! Bestimmt für immer! Ich hätte ein namenloses Glück finden können, wenn ich mich damals nicht hätte blenden lassen von einem Menschen, der hohl war wie eine schöne, verlockende Frucht. Und nun bleibt Berken unversöhnlich, weil sein Stolz es nicht zuläßt, Stettens Nachfolger zu werden!
Arndt von Berken brachte die schöne enttäuschte Frau nach Hause. Ihr Vater wollte gerade einen Spaziergang unternehmen. Da sah er die beiden kommen. Sein altes vornehmes Gesicht strahlte.
War das denn möglich?
Würde noch werden, was damals der schöne Stetten zerstörte, und was ihm, dem alten Martens, immer und immer wieder leid getan hatte? Denn Arndt von Berken war ihm immer lieb gewesen wie ein Sohn.
Wenn jetzt — das Glück war nicht auszudenken —, wenn jetzt der Arndt die Nora noch heiratete?
Herr Wilhelm Martens war sehr freundlich zu Berken. Und Nora, der Arndt aus dem Sattel geholfen, stand dabei und sah zu Boden. Aber ihre Augen glühten.
So leicht gab sie das Rennen noch nicht auf! Er war ledig geblieben und hatte damit aller Welt bewiesen, daß er sie, Nora, nicht vergessen hatte? Weshalb sollte es ihr nicht gelingen, ihn zu bewegen, ihr noch einmal zu sagen: „Ich liebe dich, Nora!"
Er hatte es ihr damals gesagt!
An einem Ostermorgen war es gewesen. Und er hatte sie geküßt. Wie heiß Arndt von Berken küssen konnte.
Sie hatten sich öfters heimlich getroffen von da an.
Und sie hatte doch ganz ehrlich diese Liebe erwidert, und ja — die Aussicht, daß Arndt von Berken reich war, das hatte ihren Entschluß, seine Frau zu werden, buch mit bestimmt.
Da war Norbert von Stetten gekommen!
Mit seinem sieghaften Lachen, seiner betörenden, wilden Liebe. Und sie war ihm verfallen! Hatte den
Jugendfreund vergessen in diesem Taumel, diesem Taumel und diesem Rausch, der ihr zum Verhängnis geworden war. Und nun vergab ihr Arndt nicht!
Aber hatte sie denn erwarten können, daß er ihr zu Füßen sank, wenn sie heimkam? Voll Reue und von Selbstvorwürfen und der Sehnsucht nach ihm gepeinigt?
Geduld!
Sie mußte Geduld haben!
Er mußte ihr wieder gehören! Und er würde es! Sie liebte ihn jetzt! Jetzt, heute, liebte sie ihn mehr als damals. Und nun mußte auch noch alles gut werden!
Wilhelm Martens aber sagte:
„Kommen Sie doch recht oft herüber zu uns, lieber Berken. Es war recht einsam um mich in den letzten Jahren. Das soll nun ganz anders werden. Jetzt, wo meine Tochter wieder hier ist."
„Ich werde kommen, sooft es meine Zeit erlaubt, Herr Martens. Und ich danke Ihnen sehr für Ihre freundliche Einladung."
„Frühstücken Sie mit uns, lieber Berken!"
In Noras Augen blitzte es auf, aber da sagte Arndt von Berken auch schon ruhig:
„Ich bedauere unendlich. Aber ich muß gegen zehn Uhr daheim fein — habe einen Herrn bestellt."
„Das ist bedauerlich, daß sich das gerade so trifft", meinte Herr Martens, und sein Blick traf sich mit dem der Tochter. Arndt von Berken aber verabschiedete sich, und Frau von Lürthe, die Hausdame auf Martensbrück, eine feine, stille Frau, beobachtete nun das von einem Fenster aus, und sie dachte: Wie gut es wäre, wenn Herr von Berken nicht auf Nora hereinfiele. Er kennt ja ihre furchtbaren Launen nicht. Und davon abgesehen — wird er es jemals vergessen, daß sie damals den Stetten vorgezogen hat? Was will Nora eigentlich? Glaubt sie denn, die Männer müssen ihr gehören, sobald sie es will? An Arndt von Berken wird sie wohl zerbrechen. Er wird nicht vergessen! Und es wäre ja 1 auch schade um ihn. Wie konnte sie damals ihm die Treue brechen und Herrn von Stetten nehmen? Mir ist das immer unbegreiflich gewesen. Und heute wäre es mir unbegreiflich, wenn er das alles vergessen würde. Denn er hat gelitten damals. An seinen Augen habe ich es genau gesehen.
Frau von Lürthe ging an ihre Arbeit zurück. Denn es gab viel zu tun. Doppelt viel, seit die verwohnte Tochter des Hauses wieder daheim war. Sie hetzte immerzu alle Dienstboten durcheinander, und sogar die Köchin blieb davon nicht verschont. Die hatte von einem Eierkuchen davonrennen müssen, um irgend etwas aufs Zimmer der Gnädigen zu tragen. Dann war ihr inzwischen der Eierkuchen angebrannt, und sie hatte vor Wut und gekränktem Ehrgeiz gemeint, die kleine, dicke, sonst so tüchtige Trina?
Draußen aber stand Nora neben ihrem Vater. Und der alte Herr sagte:
„Ohne weiteres vergißt er dir das nicht. Das hat er dir jetzt bewiesen, meine Tochter. Aber na, ich denke, daß er nicht unversöhnlich bleiben wird."
„Wenn du doch recht hättest, Papa."
„Natürlich hab' ich recht!"
Da ging Nora, das Pferd am Zügel führend, langsam den schmalen Weg hin, der zum Wirtschaftshof führte. Dort nahm ihr ein Stalljunge das Pferd ab. Nora sah ein Weilchen dem Hühnervolk zu, das da umherlief, dann wandte sie sich brüsk um und schritt dem Gutshause zu.
11. Kapitel.
„Siebes Fräulein Mittrasch, können Sie mir jede Woche zum Diktat zur Verfügung stehen? Ich betätige mich ein wenig schriftstellerisch, und da brauche ich jemanden, der flott die Schreibmaschine bedienen kann. Ich schreibe Austätze für Magazine. Unter dem Pseudonym Rudolf Heller! Ich brauche Sie aber jede Woche mindestens dreimal. Es könnte ja ruhig in den Abendstunden fein, wenn Sie früh keine Zeit haben."
„Ich habe früh Zeit. Ich habe ja früher auch die Aushilfsstunden in Schloß Berkenhofen gehabt. Ich habe da die Woche über so gegen zehn bis zwölf Stunden gearbeitet. Das könnte ich nun hierher ganz verlegen, da ich ja in Berkenhofen entlassen worden bin."
„Soso — Sie sind entlassen. Weshalb?"
„Weil sich der gnädige Herr doch eine junge,, hübsche Sekretärin aus Berlin mitgebracht hatte!"
Gift und Galle klangen aus Julchen Mittraschs Worten.
Nora horchte auf, sagte aber vorerst nichts. Sie nahm sich jedoch vor, dieses boshafte Wesen hier auf jeden Fall zu engagieren, und wenn es ganztägig war. Die konnte sie nämlich brauchen. Die haßte das Mädchen, das Arndt sich mitgebracht hatte.
Nora lächelte.
Die Sache war interessant, aber ungefährlich! Zugetraut hätte sie es ihm ja nicht, daß er sich da solch kleines Liebesidyll direkt unter den Augen feiner soliden Schwester Brigitte einrichten würde. Nun, das Mädchen würde Berkenhofen verlassen, wenn Arndt sich erst wieder zu ihr, zu Nora, zurück- gesunden hatte. Vorerst mußte sie beide Augen zu» drücken über diese Sache.
„Fräulein Mittrasch, Sie kommen also jetzt zu mir. Ich denke, daß Sie froh sein werden, den kleinen, netten Verdienst mitnehmen zu können — nicht wahr?"
„Gewiß, gnädige Frau. Es ist ja nicht allzu weit. Ich hab' mein Rad, und ich wollte mir immer gern noch etwas hinzuverdienen. Manche Tage ist im Gemeindeamt in Unterslau nicht viel zu tun, und da ich nach Stunden bezahlt werde, so ..."
„Schon gut!" •
Nora empfand das Mädchen plötzlich als etwas Böses; sie fand das rote Haar entsetzlich, die vielen Sommersprossen auch, und die Augen des Geschöpfes, diese falschen, hinterlistigen Augen, nannte sie bei sich gemeine Lichter! Und dennoch vereinbarte sie nun mit dem Mädchen die Arbeitsstunden, vereinbarte den Lohn dafür.
So — das war gemacht! Sie hatte keine Ahnung gehabt, daß die Mittrasch in Berkenhvfen entlassen worden war. Sie hatte sich nur aus dem Grunde mit ihr in Verbindung gesetzt, weil sie hoffte, durch das Mädchen über alles orientiert zu werden, was in Berkenhofen vorging. Nun, die hatte ihr ja schon etwas, vielleicht das zur Zeit Wichtigste, mitgeteilt! Das genügte nämlich vollständig.
Arndt von Berken hatte in der letzten Zeit an keine Heirat gedacht! Er hatte sich nur ein kleines Mädel aus Berlin mitgebracht, das er jederzeit mit einer anständigen Abfindung wieder dorthin zurück- schicken konnte.
Eine nähere Bekanntschaft mit einer der jungen Damen im Umkreis hier wäre gefährlicher gewesen.
Bestimmt!
(Fortsetzung folgt!)


