mando des Standartenführers Lutter durch Me Kaiser-Allee, Lubwigstraße, Bleichstraße, Hinben- burgwall, Seltersweg, Sonnenstraße zum Lanü- gras-Philipp-Platz, wo die Fahnengruppe mit der Standarte an der Spitze unter Führung des Standartenführers vor dem Standartengebäude Aufstellung nahm. Während die alte Garde und die ihr nachfolgenden Stürme des Standorts Gießen unterwegs schon von zahlreichen Volksgenossen herzlich begrüßt und begleitet worden waren, hatte sich nach der Ankunft auf dem Landgraf-Philipp-Platz im Handumdrehen eine große Menschenmenge aufgestellt, um den Abschluß des Ehrentages der alten SA.-Kämpfer mitzuerleben.
Nachdem die Fahnengruppe und ihr gegenüber der Musikzug Aufstellung genommen hatten, kamen auch schon die alte Garde unter Führung des Standartenadjutanten, Obersturmbannführers Munter, und anschließend die übrigen Stürme heran. Zu den schneidigen Klängen der Musik zeigte die alte Garde einen außerordentlich zackigen Vorbeimarsch vor ihrem Standartenführer. In gleicher Straffheit und Marschdisziplin folgten dann die übrigen Stürme. Während nach dem Vorbeimarsch die einzelnen Stürme abrückten, wurden unter den Klängen des Badenweiler Marsches die Standarte und die Fahnen unter Führung des Standartenadjutanten Obersturmbannführers M ü n k e r in den Fahnensaal der Standarte zurückgebracht.
Vor dem Standartengebäude hatten die alten Kämpfer in drei Gliedern Aufstellung genommen. Nach dem Passieren der Fahnengruppe ertönte das Kommando „Stillgestanden". Dann hielt
Eturmhauptführer Ott
eine kurze Ansprache an die alten Kämpfer, in der er sagte: Der Tag der alten SA.-Kämpfer ist vorbei. Wir sind heute marschiert wie in der Zeit, da mir gegen eine Welt von Feinden marschierten. Wir sind heute marschiert, um zu zeigen, daß die a l t e S A., d e r a l t e S A. - G e i st i n D e u t s ch- land noch regiert und am Platze ist- Wir stehen als die Garanten der deutschen Freiheit. Wir stehen zu unserem Führer, wie in den vergangenen Tagen. Er gehört uns und wir sind seine SA.-Männer. Wir warten auf den Befehl, den er uns gibt. Diesen Befehl führen wir aus, und wenn es sein müßte, besiegeln wir ihn mit dem Tode. Wir alten SA.- Männer grüßen nach altem nationalsozialistischen Brauch, wenn wir auseinandergehen, unseren Führer und Deutschland. Unser Führer ist Deutschland und Deutschland i st unser Führer. Die beiden Begriffe können durch nichts getrennt werden. Wir grüßen Deutschland, indem wir unseren Führer grüßen mit dreimaligem Sieg-Heil!
Mit großer Begeisterung wurde von der alten SA. und der großen Menschenmenge der dreimalige Ruf ausgenommen. Dann kam das Kommando „Wegtreten" — der Ehrentag der alten SA. der Standarte 116 hatte seinen Abschluß gefunden.
Rundfunkprogramm
Dienstag, 23. Oktober.
6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.45: Frühmeldungen. 6.55: Morgenspruch. — Choral. 7: Frühkonzert. 8.30 bis 8.45: Gymna- nastik. 9.15: Nachrichten. 10: Nachrichten. 10.10: Schulfunk. 10.45: Praktische Ratsckläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst. Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus idem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Für die Frau! 15.50: Kunstbericht der Woche. 16: Nachmit- tagskonzert des Philharmonischen Orchesters. 18: Italienischer Sprachunterricht. 18.15: Aus Wirtschaft und Arbeit. 18.30: Unser Junge — der Drang nach Abenteuern — und das Buch. Ein Zwiegespräch. 18.45: Unterhaltungskonzert. 19.45: Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Liederstunde. 20.45: Hab' Achtung vor dem Menschenbild. Von Geächteten und Vergessenen. Funkfolge. 21.15: Orchesterkonzert. Franz Schubert. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Spuk in der Mühle. Kleines Volksstück von Franz Hirtler.
Aus derprovinzialhaupistadi.
Erfreuliche Förderung der Kriegsgräberfürsorge.
Der Verkauf der Abzeichen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Besten der Herrichtung und Unterhaltung der deutschen Soldaten- sriedhöse auf den Schlachtfeldern hat sich am Samstag und am gestrigen Sonntag m Stadt und K^is Gießen in erfreulichster Weise gestattet Die Kameraden der SA., des NSDFB. (Stahlhelm) und des BdM. stellten sich in der Stadt Gießen m dankenswerter Weise mit hingebendem Elfer m den Dienst der Sache mit dem bemerkenswerten Ergebnis daß sie bereits am Samstag abend alle vorhandenen Abzeichen zum Verkauf gebracht hatten. Eine schleunigst bestellte Nachlieferung kam am gestrigen Sonntag früh rechtzeitig hier an und wurde von den wackeren Helfern der SA. und des NSDFB. (Stahlhelm) ebenfalls vollkommen abgesetzt. In den Landorten des Kreises Gießen stellten sich auch die Mitglieder der Kriegervereine und die Kriegsbeschädigten eifrig für den Verkauf der Abzeichen zur Verfügung. Insgesamt wurden in Stadt und Kreis Gießen über 10 000 Abzeichen zum Verkauf gebracht. Das finanzielle Ergebnis aus der Stadt und dem Kreise liegt heute früh abschließend noch nicht vor, da die Meldungen aus den- Kreisorten noch nicht völlig eingegangen sind. In der Stadt Gießen erbrachte die Sammlung einen Erttag von rund 2000 Mark. Angesichts dieses Bettages und im Hinblick auf die voraussichtlichen Ergebnisse aus dem Kreise dürfte — da das Ergebnis der Samm-; hing der Kreisgruppe Gießen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zur Verfügung bleibt
— die Kreisgruppe nunmehr in der Lage sein, den schon seit einer Reihe von Jahren verfolgten Plan der Uebernahme eines Patenfriedhofs zur Betreuung durch unsere engere Gießener Heimat zur Durchführung zu bringen. Es ist zu begrüßen, daß die große Gebefreudigkeit unserer Volksgenossen bei dieser Sammlung die Gießener Kreisgruppe zu diesem Werk befähigt hat.
Großzügige Brotspende aus dem Kreise Gießen.
Die Sammlung von Brot für hilfsbedürftige Volksgenossen, die in den letzten Tagen der vorigen Woche vom Jungvolk in Stadt und Kreis Gießen im Auftrage der NSV. vorgenommen wurde, hat dank der anerkennenswerten großen Gebefreudigkeit in Stadt und Land ein vortreffliches Ergebnis gehabt. Die Kreisamtsleitung der NSV. für den Kreis Gießen war in der erfreulichen Lage, am gestrigen Sonntag mit einer Anzahl Kraftwagen, die von Gießener Firmen in selbstloser Weise zur Verfügung gestellt worden waren, in Begleitung von Vertretern der PO., der NSV. und von Jungens des Jungvolks rund 12 000 Brote aus dem Kreise Gießen nach Offenbach und einer Anzahl Orte der Offenbacher Gegend zu bringen. Von den 12 000 Broten waren allein in der Stadt Gießen rund 5500 durch das Jungvolk gesammelt worden. Die Brotspende wurde in den bedachten Orten überall mit dankbarer Freude in Empfang genommen. Das gute
Ergebnis der Sammlung ist ein erneuter Beweis dafür, wie sehr der Gedanke der schicksalsverbundenen Volksgemeinschaft im Sinne des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler auch in unserer engeren Heimat Wurzel gefaßt hat.
Religiöse Dortragswoche in den Gießener Kirchen.
Vom 22. bis 28. Oktober werden in den vier evangelischen Kirchen und Kapellen Gießens religiöse Vortragsabende gehalten, bei denen auswärtige Geistliche sprechen werden (Siehe besondere Anzeige). Es wird also nun auch in unserer Stadt eine sogenannte volksmissionarische Woche veranstaltet, wie sie in einer Anzahl von anderen Stabten und Gemeinden unseres Landes bereits gehalten wurde. Vielen Lesern wird diese Art kirchlicher Arbeit etwas Neues sein, darum sei hier kurz ein erklärender Hinweis gegeben.
Schon seit Jahrzehnten werden solche Vortrags- wachen seitens der Kirche veranstaltet^Sie stellen eine Ergänzung der regelmäßigen kirchlichen Verkündungen dar und sollen dem Bedürfnis vieler entgegenkommen, wichtige religiöse Wahrheiten, einschneidende Fragen des kirchlichen Lebens auch außerhalb des Gottesdienstes behandelt zu sehen. Diesem Bedürfnis sollen die Vortragswochen bienen, bei benen besonbers geschulte Rebner, Geistliche ber Landeskirche, zur Gemeinde sprechen. So sollen die Vorträge der Bereicherung unb, Vertiefung kirchlich-religiösen Lebens bienen unb sinb weiter eine missionarische Tat ber Kirche, mit ber sie möglichst viele zu erreichen sucht, bie burch bie sonntäglichen Gottesbienste nicht erreicht werben. Die großen christlichen Heilswahrheiten sollen in
ihrer vollen Wucht und Kraft lebendig gemacht werden.
Diese Aufgabe nimmt bie Kirche mit gesteigertem Nachbruck seit unserer großen nationalen Umwälzung in Angriff. Die Kirche kämpft im Dritten Reich barum, Dolkskirche zu sein, bie großen Massen unseres Volkes mit ihrer Heilsbotschaft zu erreichen, bas Leben unseres Volkes mit bem Sauerteig bes Evangeliums zu burchbringen. Volksmissionswochen wollen an ihrem Teil helfen, bie kirchliche Arbeit zu beleben, uns bewußt zu machen, welch köstliches Gut wir an dem Evangelium von Jesus Christus haben, wie es uns in der Reformation Martin Luthers neu geschenkt und von unseren Vätern überliefert ist. Christlicher Glaube mit alle seiner unerschöpflichen Tiefe, seinem Reichtum und seinen Spannungen soll.seine Stätte in unserem Volksleben haben in neuer Kraft und Reinheit, wie es vor Monaten einmal von führender Stelle (Ministerialrat Ringshausen) in einem Erlaß eindrücklich gesagt wurde: Unsere Religion heißt Christus!
Die Themen der einzelnen Vorträge sind bereits in der Anzeige (Samstag) angegeben und werden noch jeweils im Tageskalender in einem kurzen Hinweis wiederholt werden. In den einzelnen Kirchen werden sprechen:
S t a d t k i r ch e : Pfarrer Lic. Flechsenhaar Mainz.
'Wer fjat das StCalsßand geflößten?
Die Antworten auf unsere Preisfrage laufen täglich in erfteulicher Zahl bei der Schristleitung ein. Lei einer Reihe von Einsendungen vermiffen wir aber die Äezugö- quittungeni da solche Einsendungen unvollständig und daher ungültig sind, bitten wir, darauf zu achten, daß jeder Antwort die letzte Quittung beigelegt wird. Wer das von den bisherigen Einsendern versäumt hat, kann es noch nachholen.
cÜergeffen Sie die ßflezugsquittung nidjt!
Der (Steg über sich selbst.
Von Max Sidow
Die große Tragödie von 1812, die mit dem Brand von Moskau begann und nach schweren Kämpfen unb furchtbaren Leiben auf ben Schneefeibern Polens enbete, war so arm an Beispielen wahren Helbentums unb menschlicher Größe, baß sich bie Tat eines namenlosen Deutschen, ber in ber äußersten Verzweiflung sich selbst überroanb, leuchtenb von bem büsteren Silbe ber allgemeinen Zuchtlosigkeit unb Verwilberung abhebt.
Im gläsernen Frost jenes Dezembermorgens, an bem Napoleon bie flüchtenben Trümmer seiner großen Armee verließ, würbe bicht hinter Smorgon auf ber Straße nach Wilna ein Trupp Versprengter von einer Kosakenstreife angegriffen, nach kurzer Gegenwehr überwältigt unb in eine abseits gelegene Scheune getrieben. Hier würben bie Gefangenen nicht allein völlig ausgeplünbert, bie Kosaken rissen nach ihrer Weise ben Unglücklichen auch noch bie armseligen Lumpen vom Leibe, um jebe Möglichkeit zur Flucht von vornherein auszuschließen. Nur einem westfälischen Unteroffizier war neben bem Hemd noch bie Hose verblieben, enhoeber weil bas schäbige Kleibungsstück selbst ben Russen zu schlecht erschien, ober weil ber große, kräftige Mann ihnen Achtung einflößte. Der Westfale war denn auch der einzige aus dem bunt zusammengewürfelten Haufen, der an Flucht denken konnte. Er wartete, bis die Kosaken abgezogen, und der zurückgelassene Doppelposten damit beschäftigt mar, aus abgerissenen Sparren und Brettern und herbeigesuchtem Stroh ein Feuer vor dem Eingang der Scheune anzuzünden. Als aber der dicke Qualm emporschlug unb ben Scheuneneingang minutenlang verbockte, kroch er burch ein verborgenes Loch in ber rückwärtigen Lehmwanb, lief ungesehen bis zu einem nahen Walbe unb erreichte nach einem an- ftrengenben Marsch durch Dickicht und tiefen Schnee die große Heerstraße.
Den Kosaken war er nun entgangen, aber dafür dem Frost ausgeliefert, der ihn jetzt mit einer weit schärferen Klinge angriff, als die feindlichen Reiter sie führten. Seine Haut zuckte unter den Peitschenhieben des Eiswindes zusammen, sein Atem gefror im strähnigen Bart zu kleinen klirrenden Zapfen, und wie er auch die Arme und Beine schlenkerte und Nase und Ohren rieb, die Kälte war stärker als seine Kraft, und er fühlte, daß seine Glieder bald erstarren mußten. Die Hoffnung, unterwegs ein paar Lumpen oder gar eine Satteldecke zu finden, trieb ihn vorwärts. Doch bei keinem der Toten, bei keinem ber verengten Pferbe, bie wie Meilensteine an ber Straße lagen, war auch nur ein Tuchfetzen
zu finben. Enttäuscht spähte er zwischen halb zugefrorenen Wimpern nach ßebenben, aber weit unb breit mar niemanb zu entbetfen. Was freilich hätte er auch von ben Flüchtlingen ber Großen Armee erwarten burfen, von benen manche, schlimmer als bie Kosaken, sich wolfsgierig auf bie Schwachen unb Verwunbeten stürzten, um sie ausguplünbern?
Enblich, eine volle Stunbe nach seinem Entweichen sah er vor sich im Schnee eine dunkle Gestatt. Er rannte darauf zu und schrie vor wilder Freude. Diesen Offizier, der da von einem mächtigen Säbelhieb hingestreckt zu seinen Füßen lag, hatte weder Freund noch Feind ausgeraubt, und Feind wie Freund mußten es sehr eilig gehabt haben, da sie bem Gefallenen nicht einmal ben bitten Schafspelz ausgezogen hatten.
Mit klammen Hänben griff ber Westfale nach bem reglosen Körper, brehte ihn auf ben Rücken unb wollte schon bie Verschnürung bes Pelzes lösen, als er vor einem bumpfen Stöhnen zurückfuhr. Der, ben er für tot gehalten, schlug bie blutverkrusteten Augen auf, ber Blick kam aus großer Leere unb füllte sich langsam mft Erkennen, um bann in einer gewaltigen Anstrengung gegen bas herabgebeugte Gesicht emporzustoßen. An biesem Blick erkannte ber Westfale ben Schwerverrvunbeten. Es war ein hol- länbifcher Oberst, ber vor zwei Tagen ihn unb an* bere mit ber Pistole in ber Hanb aus bem Haufe getrieben hatte, barin sie einen sicheren Unterschlupf vor Nacht unb Frost gefunben.
Der Liegende zwang seine letzte Kraft und hob den Kops. „Kamerad", flüsterte er heiser: „Kamerad, ich bin noch nicht tot!"
Der andere nahm Haltung an. „Zu Befehl, Herr Oberst, dann werde ich einen Augenblick warten." Seine Stimme war hart, sein Gesicht verzog sich um keine Miene bei diesem ungeheuren Witz. Unbewegt stand er da, wie bei der Vergatterung, während sein Herz einen Trommelwirbel der Gefühle schlug. Der Holländer blickte ebenso reglos zu ihm auf, bis er nach einer ewigen Minute den Kopf senkte und vor seinem Schicksal die Augen schloß.
Da begann sich die schweigende Starre zu lösen, unb als sei bas Schwanken ber Waage zwischen Haß unb Mitleib sichtbar geworben, mürbe ber steinern aufgereckte Körper hin unb her geschüttelt, ehe er vor bem Liegenben in die Knie sank. „Herr Oberst!", rief ber Westfale aufgewühlt: ,Kann ich Euch helfen?"
„Branntwein — in meinem Brotbeutel!", hauchte ber Derwunbete, unb mit erstarrten Fingern suchte ber Knieenbe nach ber Flasche, hielt sie jenem an bie Lippen unb trank bann selber einen Schluck, ber ihn kräftig burchseuerte.
Währenb er sich nun um den Obersten mühte und um dessen Kopfwunde zu verbinden, vom eigenen
Hemd einen Fetzen riß, knatterte plötzlich von Smorgon herüber Gewehrfeuer, das sich bald verstärkte. Der Holländer war zusammengezuckt. Der Schrecken scheuchte sein schon halb entflohenes Leben zurück. „Die Kosaken!", schrie er auf- „Wir können hier nicht bleiben!"
Der Westfale sah sich um. Noch lag die Straße leer in der winterlichen Landschaft der weiten Schneefelder unb roalbigen Höhen. Aber aus ber gefrorenen Ferne brohte bie Gefahr, kroch schon bas Grauen heran. Sie mußten weiter. Nirgenbs noch bebeutet ihnen Zögern so sicheren Tob wie hier.
„Könnt Ihr gehen, Herr Oberst?", fragte er, unb als ber Offizier sich vergebens aufzurichten versuchte, griff er entschlossen zu unb lub sich ben gewichtigen Körper auf ben Rücken, nicht anbers, als schulterte er im väterlichen Hofe einen prall gefüllten Kornsack. Dann schritt er schwer vorwärts.
So trug ber beutsche Unteroffizier ben hollän- bischen Obristen gen Westen, als trüge er eine Ge- wissensschulb. Schon bei ber ersten Ruhepause ließ sich ber Oberst ben Rock ausziehen unb zwang ben Westfalen, sich bamit zu bebecken. Nach unsagbaren Mühen gelangten sie am Abenb in bas Dorf Slo- bobta, wo bie Bayern unter General Wrebe lagen — bas einzige noch halbwegs kampffähige unb blszipttmerte Korps ber Armee. Hier enblich waren sie geborgen.
$oUänl)er' der glücklicherweise nicht lebens- gefährlich verletzt war, fanb hier Freunbe, bie für ältliche Hilfe unb anberntags für bie Weiterfahrt m einem Schlitten sorgten. Seinen beutschen Ka- meraben aber nahm er mit, unb o würben beibe gerettet
Kuriose Gäste in einem Lesesaal.
Der Lesesaal bes Britischen Museums in Conbon rft seit fast einem Jahrhundert ein wichtiger geisti- ger Mittelpunkt ber englischen Bildung, ja ber Geistesgeschichte der Wett überhaupt. Mit Hilfe der unvergleichlichen Bücherschätze, die hier zugänglich gemacht werden, sind gewaltige Werke entstanden. Bedeutende Dichter unb Gelehrte haben hier bie Grundlage für ihr Schaffen gewonnen. So hat z B Shaw selbst erzählt, daß er nach einer sehr mangelhaften Schulbilbung sich erst sein Wissen burch ein fünfjähriges hartnäckiges Lesen im Britischen Museum errungen habe. Hier werben auch die Studien für große bibliographische Unternehmungen gemacht. Neben den würdigen Leuchten ber Wissenschaft und ben soliden Forschern, bie sich in biesem Raum zusammenfinden, fehlt cs aber auch nicht an kuriosen Erscheinungen, die den Lesesaal bes Britischen Museums besuchen. Von solchen
exzentrischen Gestatten erzählt G. F. B a r w i ck in einem Buch, daß er dem Britischen Museum gewidmet hat. Da war z. B. ein Herr, der dadurch uni erwünschtes Aufsehen erregte, daß er seine Schreibunterlage als Plakat benutzte und auf bem Tisch, an dem er saß, aufstellte; sie zeigten in großen Buchstaben die Inschrift: „Personen, bie mich erpressen wollen, werben gebeten, sich hier ihr Geld zu holen!" Dieser Monomane, der sich von Erpressern verfolgt glaubte, hielt den ringsherum Sitzenden Vorträge über die Geschichte und die Technik der Erpressung. Als er schließlich behauptete, daß seine Peiniger ihn bis ins Museum verfolgten unb ihm auf brahtlosem Wege Drohungen zuriefen, brachte man ihn einem Nervenarzt M Beobachtung, ber Verfolgungswahn feststellte, b- anderer Stammgast des Lesesaals war ein Mel Vorkämpfer ber Nacktkultur, MacDonald, del der Würbe bes Museums das Zugeständnis maM daß er in einen großen Radmantel gehüllt im saal erschien, aber irgend eine heftigere Bewegung offenbarte unwiderleglich, baß er barunter nichts an hatte. Als man ihm wegen dieser Aergernis W regenben Toilette bie Lesekarte entzog, verschwand er für viele Jahre, doch eines Tages erschien ei» fein gekleideter Herr mit einem Zylinder, der tW Lesekarte erbat. Der alte Beamte blickte ihn prüfend an, unb eine bunkle Erinnerung stieg in W auf: „Entschuldigen Sie, mein Herr, sinb Sie iw Mr. MacDonalb, der Nacktgänger?^ „Ich ®at. es!" sagte der Herr im Zylinderhut. Ein rw* schwieriger Besucher war auch der Herr, der au Bücher bestellte, in denen Anrufungen des SW® enthalten sinb, unb nachbem er einen Berg Literatur erhalten hatte, ben diensttuenden ten um die Erlaubnis bat, alle Beschwörungen wuJ vorlesen zu dürfen. Man teilte ihm mit, daß °e- Erzbischof von Canterbury im Derwaltungsrot oes Museums säße unb daß mit Rücksicht auf w" Teufelsbeschwörungen nicht gebulbet werben konnten. Ein anderer seltsamer Besucher verlangte, das man ihm Bilbnisse von Demosthenes, $lat° u,n Aristoteles zeige, unb als er sie längere Zeit trachtet hatte, bemerkte er beim Weggehen: muß Ihnen noch sagen, weshalb ich biese Portrm zu sehen wünschte. Ich habe nämlich mit ben Sp ren gestern abenb gespeist." Unter ben Büchern ftellungen finben sich bisweilen höchst sonders Wünsche. So schrieb z. B. eine Dame: „Ich nioH gern einige Bücher über Aberglauben, Liebe, H^a- Geburt, Wetter, Blumen, Mobe, Weihnachten, M jahr, Allerheiligen, Krankheit ufw. für morgen (Sam tag) früh zur Lektüre haben." Eine anbere Dam verlangte „sämtliche Bücher in ihrem Besitz UD„ Mütter, gute unb schlechte, unb über Kriegsgreuel ■
Johanneskirche? Pfarrer Hemmer, Lehrbach. , ,
Kapelle bes Alten Friebhofes: Pfarrer Künkel-Oberneisen (Taunus).
Petruskapelle: Pfarrer Lic. Laun, Okarben.
Aus parteiamtlichenBekanntmachungen
Am tommenben Mittwoch, 15 Uhr, finbet in Hungen, Hotel „Solmfer Hof", eine Bezirksversammlung bes NSLB. Bezirk Hungen, Fachschaft Volksschule, Reichsdunb Volkstum und Heimat, statt.
Oer Hebammenverein ehrt Professor Or. Walther.
Jrn Katholischen Vereinshaus fanb biefer Tage — wie man uns berichtet — eine Feier ber Ortsgruppe Gießen bes Hebammenvereins statt, bie ins« Lefonbere ber Ehrung bes weit über Gießen hinaus bekannten Professors Dr. Walther geroibmet war. Professor Dr. Walther würbe zum Ehrenvor- sitzenben bes Vereins ernannt. Wie sehr er von ben Hebammen geachtet unb geschätzt wirb, zeigte bie Zahl berer, bie gekommen war, um an ber Feier teilzunehmen. Aeltere Hebammen, bie schon längt nicht mehr im Dienste sinb, unb solche, bie mancherlei Gebrechen wegen sonst nicht in bie Versammlungen kommen konnten, waren biesmal erschienen. Ober* mebizinalrat Dr. Engau unb bie Lanbesfachschafts- leiterin Frau Wittig (Offenbach) wohnten ebenfalls ber Feier bei. Professor Dr. Walther, bet langjährige Lehrer unb Berater ber Hebammen, hält im Verein schon feit Jahrzehnten, seit bei Grünbung bes Hebammenvereins im Jahre 190$ alljährlich ohne Gegenleistung brei bis vier wissenschaftliche Vorträge. Die Hebammen im Kreise Gießen haben ihm viel zu verbauten. In allen Nöten, nicht allein in beruflichen, fanben bie.Hebammen bei bem bewährten Manne stets ein williges Ohr unb volles Derstänbnis. Die Versammlung brachte einbeütig zum Ausbruck, baß sich alle Mitglieber in herzlicher Dankbarkeit Professor Dr. Walther verbunden fühlen.
Mitgliederversammlung
-es Konzertvereins.
Am Freitag fanb im Stabthaus bie alljährlich, Mitglieberoerfammlung bes Gießener Konzertvereins statt.
In ber vorhergehenben Sitzung bes Beirats würbe enbgültig bie Konzertfolge für ben kommen, ben Winter festgesetzt, bestehenb aus vier Orchester, konzerten, bie im Theater ftattfinben, einem Chorkonzert unb vier Solistenkonzerten mit Alfred Hoehn (Klavier), Maria Neuß (Geige), Adel, heib Arrnholb (Sopran) unb bem Huber. Quartett unter Mitwirkung von Hobohm; näheres barüber wirb alsbalb bekanntgemacht werben.
Zu Beginn ber anfchließenben Mitglieberver. fammlung bankte ber Vorfitzenbe bes Vereins, Professor Eger, Herrn Oberbürgermeister Rit> ter für feine verstänbnisvolle Leitung bes Gieße- ne Musiklebens unb gab bie Versicherung ab, das ber Gießener Konzertverein mit allen Kräften bemüht sein werbe, bie ihm babei übertragenen, be* beutfamen Aufgaben restlos zu erfüllen. Nachdem Oberbürgermeister Ritter in seiner Erwiberung bem Konzertverein gutes Gebeihen gewünscht hatte, erstattete ber Vorsitzenben ben Bericht über bas verflossene Vereinsjahr. Bei bem Rückblick bie währenb bes Jahres veranstalteten Konzerte, bie gut besucht waren, würbigte er insbefonbere auch bie vortrefflichen Leistungen des Gießener Orchestervereins unter ber Leitung von Professor Temesvary. In tiefe Trauer wurde der Der- ein versetzt durch das Ableben seines langjährigen Schriftführers, Dr. S z u b i n f k i, dessen ber Vor- sitzenbe mit waren Worten ber Verehrung uni Dankbarkeit gebuchte. Wichtige Aenberungen sind baburch eingetreten, baß eine Organisation bes gesamten musikalischen Lebens in Deutschlanb durchgeführt würbe, wobei nunmehr ben Gemeinden hie Aufsicht auf biesem Gebiete zusteht. In diesem Rahmen ist nach wie vor bie Veranstaltung von Konzerten Aufgabe bes Konzertvereins, ber in bie Reichsmusikkammer (Reichsverbanb für Konzert-


