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freute die tänzerischen Arrangements. Karl L ö f f - l e r hatte die Dekorationen entworfen und insbesondere den Polenball im ersten und des Erntefest bei Baranski im dritten Bild farbig und räumlich geschmackvoll aufgemacht.
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Heinz Weiser traf als Baranski in Haltung und Spiel überzeugend den Typ des leichtlebigen und schnell entflammten Kavaliers; er sang seine Partie mit sympathischem Schwung und kräftigem Einsatz seines tragfähigen, auch in der hohen Lage erfreulich lockeren Organs.
Heinrich Hub spielte den Zarömba etwa auf der Linie seines Zsupan im „Zigeunerbaron", aber um einen halben Grad gedämpfter und seriöser, und hatte mit dem in erstaunliche organische Tiefen reichenden Diplomatenlied einen Sondererfolg.
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Als Helena hatte Hansi S a l z m a n n ausführlich Gelegenheit, ihre Qualitäten im Soubrettenfach herauszustellen; sie sang, spielte und tanzte recht munter und fand insbesondere mit einer merkwürdigen Art von polnischem Schuhplattler (zusammen mit Karl Ludwig Lindt) im zweiten Akt großen Beifall.
ßuije Decker spielte die Tänzerin Wanda Kwa- sinskaia machte eine vorteilhafte, elegante Figur und hdlte aus der nicht übermäßig dankbaren Partie das Möglichste heraus.
Vom übrigen Ensemble machten sich in komischen Partien Frau S ch u b e r t - I ü n g l i n g und K. L. V t n o t, sowie das Quartett der Kavaliere, Kühne, Tank, Valckenberg und F e u ß e r, um die Aufführung verdient.
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D^V.orstellung war gut besucht; es gab rauschenden Beifall und verschiedene Wiederholungen.
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Bauerngeschirr in alter Zeit.
Jur Volkskunde her deutschen Tonkeramik.
Bevor sich feit Ende des 14. Jahrhunderts das „Steinzeug" und damit eine Herstellungsweise durch- gesetzt hatte, die eine größere Mannigfaltigkeit in tform und Schmuck ermöglichte, war das allgemeine Gebrauchsgerät in Deutschland die einfache Tonkeramik. Wenn sie auch verhältnismäßig gleichförmig war, so ist die bisherige Volkskunde doch meist zu Unrecht an ihr vorbeigegangen, denn aus ihr lassen sich wesentliche Aufschlüsse über das Leben der drei- teren Volksschichten, vor allem das Bauerntum, aber auch der kleineren Leute in den Städten gewinnen.
Gebrannte Gefäße in einfacherer Ausführung sind in ältesten Zeiten nachweisbar, denn gemeine Lehmerden sind in Deutschland fast überall anzutreffen. In der jüngeren Steinzeit, also etwa 4000 bis 2000 v. Ehr. gibt es schon viele Formen und Verzierungen wobei vor allem zwischen der vornehmlich nordischen Tiefstichkeramik, der mitteldeutschen Schnurkeramik mit dem Zentrum im Saalegebiet und der donauländischen Bandkeramik zu trennen ist, deren Verzierungen das Gefäß in gewundenen Bändern umgaben. In der Bronzezeit, etwa 2000 bis 800 v. Ehr., herrschen bauchige, weitmündige Urnen» und Terrinenformen mit Buckel- und Rillenverzierungen vor, die zum Teil zu den Formen der eisen- zeitlichen germanischen Gefäße überleitet. Der keltische Einfluß ist besonders am Rhein recht bedeutend, während der römische bemgegebenüber stark zurück- tritt. In der Kirchenkunst spielen die römischen Formen allerdings eine große Rolle, aber für sakrale Geräte kommt der Ton erst im späten Mittelalter, und auch nur recht spärlich, in Betracht. „Das tägliche Geschirr des Bauern bleibt von den modischen Wandlungen der international gewordenen Schichten unberührt, es zeigt noch in romanischer Zeit denselben eisenzeitlichen Charakter, den es vor der Zeitenwende besaß. Wohl in keiner anderen Technik wird es so deutlich wie in der Töpferei, daß eine Linie volkstümlich-uralter Gestaltgebung schon damals neben der klassisch „gehobenen" Kultur des Kunstgewerbes einherläuft, eine Erkenntnis, die wesentlich der Widerstandsfähigkeit des gebrannten Tones zu danken ist", bemerkt Dr. Oswald Ad. Erich in seinem Beitrag „Volkskunst und Volks- inöuftrie" zu dem in der Akademischen Verlagsgesellschaft Athenaion in Potsdam herauskommenden Handbuch der deutschen Volkskunde.
Der Unterschied zwischen den beiden großen germanischen Stämmen der Sachsen und Franken prägt sich auch in der Keramik sehr eindringlich aus. Fernab vom römischen Einflußbereich haben die Sachsen und Friesen am stärksten an ihrer „grobschlächtigen Bauernware" festgehalten, während die beweglicheren Franken manche Anregungen der römischen Kultur ausgenommen haben. Sowohl der Einschlag des keltischen Blutes als auch die entwickelte römische Technik verleihen ihrer Keramik eine besondere Rote; ihre Becher und Krüge sind schlanker und feiner profiliert als die „barbarische" Volkskeramik der Sachsen. Beliebt ist bei ihnen vor allem die ,Rädchenverzierung", d. h. ein Kranz eingedrückter, auf einem Rädchen angeordneter Stempel. Die sächsischen Formen wurden durch die „gehobenen" frgnkischen aber erst verdrängt ober mit ihnen verschmolzen, als die Sachsen schon fünf Jahrhunderte in das Reich einbezogen waren. Diese
Auseinandersetzung der beiden Formenwelten vollzieht sich in romanischer Zeit im Süden des alten Herzogtums Sachsen, und es entsteht gegen Ende des 13. Jahrhunderts eine sächsisch-fränkische Misch- feramif mit überwiegend fränkischem Einschlag, die sich bald darauf vom Bistum Magdeburg aus bis weit nach Ostpreußen hinein verbreitet und die als wahrhaft volkstümliche Ware mitten in einer Zeit romanischer und gotischer Dombauten bestehen bleibt. So bilden sich die schlanken Kannen und Becher heraus, „deren gemünöelter Rand, von oben gesehen, an die Vier- und Fünfnässe gotischer Fenster erinnert. Die schönsten dieser Gefäße er- schließen ihre Ränder wie Blumen und ihre allmähliche Entwicklung aus durchaus volkstümlich- einfachen Formen zeigt deutlich genug, daß gelegentlich auch „gehobenes" Kulturgut aus der Volkskunst zu zunftgerechtem Kunstgewerbe emporfteigt/*
Alte Liebe rostet nicht.
Vor fünfzig Jahren hatte John Hall der hübschen Helen den Hof gemacht, aber erst als weißhaarige alte Leutchen haben die beiden sich nunmehr vor dem Traualter gefunden. In dem Heiratsregister in Wretham, einem kleinen Ort in der Grafschaft Suffolk stand kürzlich zu lesen, daß zur Heirat aufgeboten seien: „John Hall, 72 Jahre alte, Witwer aus Wrentham und Helen Reeves, 70 Jahre alt, Witwe aus Leslie-grvve, East Croydon, Surrey". Die Hochzeit der beiden Aufgebotenen wurde ein großes Fest für den ganzen Ort, aber nur die ältesten Einwohner konnten sich der Liebesgeschichte vor fünfzig Jahren erinnnern, die nicht durch Abneigung von feiten des Burschen ober bes Mäbchens unb auch nicht durch irgenbeinen Wiberstanb gegen eine Eheschließung ihr Enbe fanb, fonbern so auf- hörte, wie es oft ber Fall ist — bas Mäbchen kam nach Lonbon in Stellung» unb ber Bursche kam von bem kleinen väterlichen Geschäft nicht los. Die beiben jungen Leute trafen sich zwar noch zwei ober breimal, aber bann trennte sie bie Entfernung ooneinanber unb bie Zeit, bie zwischen ihren Begegnungen lag. John Hall verheiratete sich in seinem Heimatort unb Helen würbe in Lonbon Frau Reeves. Erst nach bem Tob ihres Manne, kehrte bie Frau wieber in ihre Heimat zurück unB fanb in bem grauhaarigen John Hall, ber ebenfalls Witwer geworben war, einen neuen Lebensgefähr- ten. Beibe haben Kinber, aber ba biefe schon groß unb selbst verheiratet finb, so ftanb ber Eheschlie- ßung ber beiben alten einsamen Leute nichts tm Wege. „Wir werben unsere alten Tage miteinanber verbringen", sagten sie, „wir lieben uns noch und werden sicher glücklich sein."
M. 247 Zweiter Blatt Tleßener Anzeiger <EeneraI-Anzelgee W Sberheffen)iHotttag, 22.(Mtob« 1934
„Deutschland,Deutschland über alles..."
Die Ireiwilligen-Regimenter bei Langemarck im Oktober 1914.
23on Werner Beumelburg.
Aus dem Werk „Flandern" von Werner Beumelburg, das in jeder Buchhandlung zum Preise von 3,75 Mark erhältlich ist, veröffentlichen wir mit Genehmigung des Verlages Gerhard Stalling, Oldenburg i. O./Ber- lin, den nachstehenden Abschnitt (Copyright 1933 by Gerh. Stalling AG., Oldenburg i. £).):
Als bie jungen Regimenter singend durch Belgien marschierten, hatten sie von den englischen Landtruppen nur die Vorstellung, die Natur habe sie mit so langen Seinen ausgerüstet, damit sie schneller davonlaufen könnten. Die Unterschätzung des Gegners ist ein Erbfehler der Deutschen, 'jugendlicher Uebermut tat das übrige. „Engländerfang" war ber fachgemäße Ausbruck für den bevorstehenden Feldzug. Daß bis spätestens Weihnachten alles beendet war, schien Gewißheit ...
Die englischen Kampsverbände, die gleich zu Beginn des Krieges auf das Festland hinuber^eworfen wurden, rekrutierten sich aus Formationen, die fast alle schon in den Kolonien Verwendung gesunden hatten. Die Ausnutzung des Geländes im Angriff und in der Verteidigung, die Zuhilfenahme künstlicher Deckungen und die Irreführung des Gegners durch falsche Bewegungen, die kalte Ruhe im Gefecht und das überlegte Abschießen des Gegners aus unsichtbarer Stellung waren Begriffe, die ihnen in Fleisch unb Blut übergegangen waren. Mit einer Zähigkeit klammerten sich bie Truppen an das Gelände, bie stets neue Tricks erfanb, unb nachts überraschend durch einen Handstreich zurücknahm, was tagsüber bie deutschen Freiwilligen mit Hekatomben von Menschenleben gewonnen. Ost lagen bie beutschen Sturmtruppen stundenlang vor einem vermeintlichen englischen Graben und entdeckten beim Sturmangriff, daß er nur aus einer Reihe ausgehobener Grabenstücke bestand, die mit Rübenköpfen garniert war. In die Verwirrung, die jedem Angriff folgt, prasselte dann das Feuer aus dem ba« hinterliegenden richtigen Graben. Jede englische Stellung war unter bem Gesichtspunkt bes Verteidi- gungsgefechts angelegt und sah alle Möglichkeiten des gedeckten Rückzuges unb ber schweren Schädigung des vordringenden Gegners voraus.
Der Kriegserfahrung des Gegners, bem taktischen Geschick ber Engländer und dem fanatischen Derteidi- gungswillen der um den letzten Fleck ihres Heimatbodens ringenden Belgier hatten die deutschen Freiwilligen nichts entgegenzustellen als eine heroische Opferbereitschaft und einen unvergleichlichen Willen zum Sieg. Niemals ist das starre Gesicht des Todes heiliger gewesen denn damals, als die flandrischen 'Kanäle sich rot färbtem vom Blut, und als sich hinter den Hecken die Leichen der Erschlagenen auf- türmten zu Hügeln. Wer die ewige Verklärung dieses verschwenderischen Opfers nicht zu fassen' vermöchte, ber müßte verzweifeln angesichts solchen Grauens ...
Die 46. Reserve-Division, bie am 22. Oktober ben Befehl erhielt, burch Angriff in den Rücken von Langemarck dort die Entscheidung zu erzwingen, schritt im Lause des 21. Oktober unter ständigen leichten Gefechten am Nordrand des Houthulster Waldes vorüber und erreichte abends das Dörfchen Nachtegaal am Nordwestzipfel des Waldes. In Nachtegaal und den Gehöften von Aschhoop bezog die Division Ortsbiwak und bereitete sich für den nächsten Morgen zum Angriff auf Bixschote vor...
Die Führer, die einen Blick auf die Karte warfen, erkannten die ungeheuren Schwierigkeiten des Geländes, bie in bem quer zur Angriffsrichtung oerlaufenben breiten Kortebeek - Abschnitt ihren Gipfel fanben. Der ungefähr parallel zum Kortebeek oerlaufenbe, etwa fünfhundert Meter bis ein Kilometer von diesem südlich entfernte Damm ber Bahnlinie von Langemarck nach Bixschote bot bem Gegner eine ausgezeichnete Verteidigungslinie. Das diesseits abfallende und jenseits allmählich an
steigende Gelände unterstützte die Verteidigung ebenfalls ...
Abermals bliesen die Hörner zum Sturm. In raschem Anlauf ging es hinunter zum Kortebeek. Jeder Trupp stürmte, wo er sich befand, jeder Mann, der Mut genug hatte, ergriff den Befehl über die um ihn Befindlichen. Kein Haus, das der Gegner nicht bis zum letzten Augenblick verteidigte, kein Graben, den er nicht hieltz bis die Deutschen mit ihren Bajonettspitzen an ihn heranreichten.
Um vier Uhr nachmittags war ein erbittertes Ringen mit englischen Truppen im Gange. In wütendem Ansturm drangen die 215er unter Führung ihres Obersten von O e r tz e n in die englischen Gräben. Bis zum letzten Augenblick streckten die Engländer kaltblütig die Stürmer nieder. Von Hecke zu Hecke wälzte sich der Kampf um jeden Schrittbreit Boden. Obwohl fast alle Offiziere gefallen, kämpften die Freiwilligen mit einer Hartnäckigkeit, als wollten sie Rache nehmen für den gestrigen Tag. Zumal die 4. und 5. Kompanie von 215 zeichneten sich durch eine todesoerachtende Tapferkeit aus, die den Gegner fast lähmte.
Mit besonderer Erbitterung tobte die Schlacht bei Beginn der Dunkelheit auf dem reckten Flügel ber Division am Ostranbe von Bixschote. Ein Sturmangriff folgte bem anbern. Major Ryll von ben 215ern stürzte voran als einer ber ersten Offiziere. Der Angriff prallte mit einem starken englischen Gegenstoß zusammen. Bajonette unb Kolben begannen ihre blutige Arbeit. Major Ryll sammelte um sich, was er erreichen konnte, es waren Truppen von vier ober fünf verschiebenen Regimentern.
Die Freiwilligen klammerten sich am Ranbe von Bixschote fest unb ließen keinen Schrittbreit bes erkämpften Bodens* los...
Oberst von Oertzen baute unterdessen mit rasch zusammengesuchten Kräften der Regimenter 215, 214 und der 18. Jäger den Erfolg des rechten Flügels bei Bixschote weiter nach links aus.
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Die Artillerie ergänzte ihre Munitionsvorräte und eröffnete am frühen Morgen des 23. Oktober das Feuer auf die alten feindlichen Stellungen vor Langemarck und hinter dem Kortebeek-Abschnitt.
In der Nacht hatte die 51. Reserve-Division zur Verstärkung ihres rechten Flügels das Reserveregiment 239 von der 52. Reserve-Division erhalten. Mit diesem Regiment und einigen Batterien des Reserve - Feldartillerie - Regiments 52 verstärkte die Division ihre rechte, aus 240ern und den 23. Jägern bestehende Angriffskolonne unter dem Befehl des Generals von Wechmar. Während in der Nacht 239 aus feiner Stellung als Korpsreserve zur Bahnstation von Poelkappelle vvrrückte, folgte vorn in der Dunkelheit ein feindlicher Angriff dem anderen. Zurückkommende Verwundete berichteten, daß der Feind bereits zum dritten Male angegriffen habe, aber jedesmal mit blutigen Köpfen zurückgeschlagen worden sei...
Wieder sollte der linke Flügel des XXIII. Reservekorps (46. Reserve-Division) mit dem rechten Flügel des XXVI. Reservekorps (Detachement Wechmar) Zusammenwirken.
Mit dem rechten Flügel an Bixschote angelehnt, begann die 46. Reserve-Division einen verzweifelten Kampf gegen den übermächtigen Gegner. Nach und nach wurden alle Truppen ins Feuer geworfen. Die 18. Jäger und Teile des Reserveregiments 213 prallten unter Führung des Majors von Loefen mittags in wütendem Ansturm bis zur Mühle von Bixschote vor und fingen dort 150 Engländer. Weiter rechts, wo 214, 215, und 216 jenseits des Kortebeek um jeden Schrittbreit Boden rangen, erschallte das wilde Schlachtgebrüll der Gegner, die, in Hecken und Waldstücke verstrickt, einen er
bitterten Kampf durchführten. Mit aufgepflanztem Seitengewehr erhoben sich die Freiwilligen und boten ihre Leiber dem mörderischen Gewehrfeuer aus 30 Meter Entfernung. Erst wenn das heisere Gebrüll gegen sie anschlug, hielten die Engländer die Hände hoch und warfen die Gewehre fort.
Das Regiment 215 war bereits so zusammengeschmolzen, daß aus sämtlichen drei Bataillonen ganze vier Gefechtskvmpanien gebildet werden muhten. Den anderen Regimentern erging es nicht viel besser. Fast sämtliche Offiziere bedeckten das Feld...
Aber die führerlosen Truppen zögerten nicht. Als am Nachmittag die schwere deutsche Artillerie ihr schauriges Konzert begann und lohende Brände in den Gehöften jenseits des St. Jeanbaches weckte, erhob sich alles, was noch laufen konnte, zu neuem Angriff. Unteroffiziere und Freiwillige führten die Kompanien. Aus brennenden Häusern wurden über 100 Engländer hervorgeholt. Aber die Bataillone schmolzen zusammen. Der Brand erleuchtete ihre Reihen so, daß sie dem Gegner ein deutliches Ziel boten. Vor der glühenden Windmühle von Bixschote wurden die 213er und 18. Jäger regelrecht zusammengeschossen. Beim Zurückgehen über den hell erleuchteten Platz brach einer nach dem anderen zur Erde nieder. Die weiter rechts über den St. Jean- bach vorgedrungenen Regimenter verloren dort mehr als zwei Drittel ihres Gefechtsbestandes. Als der Feind sich endlich zum Angriff auf die verbluteten Bataillone entschloß, gaben die im Abschnitt noch vorhandenen Kommandeure das grausige Spiel auf und führten die Reste ihrer Truppen wieder über den Kortebeek zurück. Der Feind unterließ den Angriff.
Endlich um 10 Uhr vormittags konnte General von Wechmar seinem Detachement den Befehl zum Angriff geben. Die Schützen des Detachements drangen in raschem Vorgehen beiderseits der Bahnlinie bis an den Kortebeek. Dort empfing sie ein rasendes Schnellfeuer, das zum Eingraben zwang. Als sich in das Gebell der Maschinenge-
)( Lich, 21. Oft. Unter freudigster Anteilnahme der ganzen Bevölkerung 'und von schönem trockenem Herbstwetter begünstigt fand heute die Hundert- Jahrfeier unserer Kleinkinderschule statt und nahm dank der vorzüglichen Vorbereitung in allen Teilen einen glänzenden Verlaus.
Bereits am Samtagnachmittag hatte sich eine Abordnung des Vorstandes (Schwester Lina Nebe- l i n g, Bürgermeister Geil und Stiftsdechant Kahn) auf die Friedhöfe begeben und an den Gräbern der Gründerin (Fürstin Henriette zu Solms-Hohensolms-Lich und der ersten Leiterin bzw. Helferin (Frl. Elisabeth Reger und Margarete Mattig) prachtvolle Kränze niedergelegt, auf deren in den Stadtfarben gehaltenen Schleifen die Inschrift stand: „In dankbarem Gedenken an die Gründung der Kleinkinderschule die Stadt Lich."
Der Festtag, zu dem die Stadt reichen Fahnenschmuck angelegt hatte, wurde mit einem erhebenden
Festgottesdienst
in der gut besuchten und reich mit Blumen- und Pflanzenschmuck ausgestatteten Marienstiftskirche eingeleitet, in dem nach festlichem Vorspiel (Fantasie von I. S. Bach) des Organisten Stein und der Liturgie der Vorsteher des Diakonissenhauses Eli- sabethenstift, Pfarrer Lenz- Darmstadt, auf Grund des Evangeliums des 21. Sonntags nach Trinitatis von der Kindersegnung in eindrucksvoller Predigt von den Kinderschulschwestern als den „barmherzigen Augen und den helfenden Händen der christlichen Kirche" sprach und auf die Bedeutung des Tages hinwies. Choralgefang der Gemeinde und Chorgesang des Kirchenchors („Sei Lob und Ehr" von I. S. Bach und „Bringt her dem Herrn Lob und Ehr" von Joh. Zahn) unter der meisterhaften Leitung feines Chormeisters Stein umrahmten stimmungsvoll die Feierstunde.
wehre am Nachmittag auch noch das Feuer schwe- rer und leichter Artillerie mischte, hielt die stark geschwächte Truppe nicht mehr stand. Erst gingen etn3elne Teile zurück, dann folgte das Ganze. Mik Muhe gelang es, die Kompagnien in den alten (Stellungen bei der Bahnstation von Poelkappelle anzuhalten. Die Division befahl, unter allen Um- )tanoen diese Linie zu verteidigen, zumal inzwischen auch das Zentrum der 56.Reserve-Division von Langemarck abermals bis vor Poelkappelle zurückge» wichen. Auch der linke Flügel der 46. Reserve- Division konnte sich unter diesen Umständen südlich des Kortebeek mcht mehr halten. Zum zweitenmal wurde der Ruckzug angetreten.
Die Truppen hatten ihr Bestes getan. Eine furcht- bare Zahl von Toten bedeckte das Feld Aber es war unmöglich, den Widerstand des einqeqrabenen Gegners zu brechen ...
Am Abend des 23. Oktober waren alle Gewinne des Tages und dazu noch ein Teil des am Vor- tage Erreichten eingebüßt.
Unbezwungen rauchten die Trümmer von Lange- marck ...
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Wer das Lied zuerst angeftimmt? An welcher Stelle, zu welcher Stunde es gesungen wurde? Ob es ein Trupp gesungen, den der Feind von allen Seiten eingekreist, ein Trupp, der durch die Gewalt des Liedes den heranschleichenden Tod bannen wollte wie seinerzeit Volker von Alzey in König Etzels Burg?
Niemand weiß es. Die furchtbare Erregung verschlang alles. Vielleicht, daß der Tod auch den zerschmettert, der das Lied angestimmt. Vielleicht, daß er noch irgendwo lebt ...
Zum Himmel, der angefüllt war von dem ber- ftenben Lärm der Granaten und dem tausendfältigen Heulen und Pfeifen der Eisensplitter, zum Himmel, der sich mit dem Rauch brennender Gehöfte langsam zu verhüllen begann, stieg bas Lied ...
„Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt ..."
Im unmittelbaren Anschluß versammelten sich in den durch die fürstliche Gärtnerei und die Frauenschaft festlich geschmückten Räumen die Vertreter der Stadt, der PO., der NSV., des Kreisamtes und Kreiswohlfahrtsamtes, der Volksschule, der evangelischen und katholischen Kirchenvorstände, des Fürstlichen Hauses, der Frauenorganisationen mit den geladenen Festgästen zu einer
akademischen Feier.
Nach dem Largo von Händel (Harmoniumvortrag von Lehrer Stein) begrüßte Bürgermeister Geil die Festversammlung, darunter besonders die ältesten, über 80 Jahre alten ehemaligen Zöglinge der Anstalt und die einstige Leiterin der Schule, Schwester Kätchen Emmerich, gedachte bann in ehren- ben Worten ber Grünberin unb ersten Leiterin, ließ bie 100jährige Geschichte ber Kleinkinderschule vor dem geistigen Auge der Zuhörer erstehen, dankte dem Elisabethenstist und seinen Schwestern für 50- jährige treue Arbeit an den Kleinkindern der Gemeinde, gab dem Wunsche nach weiterer gesegneter Tätigkeit im Dienst von Gemeinde und Volk Ausdruck und brachte zum Schluß ein begeistert aufgenommenes dreifaches Sieg-Heil auf den Führer des deutschen Volkes aus.
Die Vertreter des Elisabethenstiftes (Pfarrer Lenz, Darmstadt), des Kreisamts und Kreiswohlfahrtsamtes (Oberinspektor Höll- Gießen), der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde Lich (Stiftdechant Kahn und Pfarrer C r ö n l e i n), der Fürstlichen Familie (Fürstin Reinhard), des Alicefrauenvereins (Fürstin Reinhard) und der beiden evangelischen Frauenhilfen (Frau Pfarrer Draudt) sprachen Stadt und Kinderschule die herzlichsten Glück- und Segenswünsche zur Jubelfeier aus und überreichten, dem Beispiel der Stadt folgend, die ein großes Kinderkarussell gestiftet
Hundert Jahre Kleinkinderschute Lich.
Gießener Giadttheater.
Stein und Nedbal: „Polenblut".
Diese Operette, die zweite bereits in ber neuen Spielzeit, war, wenn wir nicht irren, vor etwa zwanzig Jahren große Mode; sie hat in allerjüngster Zeit nicht nur bei uns, sondern auch an anderen Operettenbühnen im Reich eine recht erfolgreiche Wiederaufnahme erfahren.
Die Gründe hierfür liegen übrigens möglicherweise weniger im Musikalischen als in gewissen Motiven des Librettos von L. Stein, die heute wieder, richtig verstanden, eine gewisse Aktualität beanspruchen dürfen.
Graf Baranski, ein polnischer Gutsbesitzer, führt ein flottes und leichtsinniges Leben in Warschau und kümmert sich so wenig um die angestammte Landwirtschaft, daß er nachgerade vor dem Ruin steht, und nur eine reiche Heirat ihn noch retten könnte. Sein Taufpate, alter Freund seines Vaters, möchte ihm wohl feine Tochter zur Frau geben und Baranskis verlotterte Wirtschaft und zerrüttete Finanzen wieder in Ordnung bringen, aber der macht auf Tod und Leben einer Tänzerin von der Warschauer Oper den Hos und lehnt den Antrag des väterlichen Freundes schroff ab.
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Dessen Tochter Helena rächt sich für diese schnöde Behandlung auf eine verblüffende Weise, indem sie sich als angebliche Wirtschafterin auf Baranskis Gut verdingt und in aller Kürze tatsächlich Ordnung ichasst. Baranski ahnt nicht, erstaunlicherweise, wen er da in seinem Hause ausgenommen hat und verliebt sich auch prompt in das vermeintliche Sauern« madchen. Als die eifersüchtige Tänzerin dazukommt und die Zusammenhänge aufklärt, ist es schon zu spät. Baranski und Helena werden, mit freundlicher Nachhilfe von Helenas diplomatischem Papa, ein glückliches Paar.
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Die Musik von Oskar N e b d a l ist dem National- «charakter des Textbuches nicht ungeschickt angepaßt, rhythmisch stark akzentuiert, bringt in pikanter Abwechslung Walzer- und Krakowiak-Motive und weist Sumal im Mittelakt dankbare und publikumssichere ^esangspartien auf.
Oberspielleiter Paul Wrede besorgte eine flüs- 'ige und hübsch ausgestattete Inszenierung. Kapellmeister C u j 6 hatte Orchester und Ensemble fest in toer Hand und brachte eine musikalisch recht sauber l'lingende Ausführung heraus. Theo B ä u l k e be»


