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aibt der Sache einen besonders lächerlichen Beigeschmack. Ein neuer Beweis für die Rück­sichtslosigkeit, mit der die Regierungskommission ge­rade gegen die deutschen Veranstaltungen oorzugehen pflegt, ist es aber, daß das Verbot wieder einmal i n letzter Stunde erfolgte. Wie wir weiter erfah­ren, wurde einer der Komiker, Karl Heinz Schnei­der vom Reichssender Köln, fest genommen wegen eines Witzes, den der Künstler über die Se- varatisten gemacht hatte. Schneider wird sich vor dem Abstimmungsgericht zu verantworten haben.

Keine Mißleiiung des kaufenden Publikums!

Eine Warnung

des Reichspropagarninisteriums.

Berlin, 20. Off. (DNB.) 3n Berlin und anderen Großstädten ist hier und da zu beobachten, daß Geschäftsleute in Verken­nung der tatsächlichen Situation auf eine angeb­lich kommendeWarenverknappung Hin­weisen, um ihre Kundschaft zuVorratskäufen zu veranlaffen, die über den gewohnten Be­darf hinausgehen. Ein derartiges Verhalten ist durch nichts begründet und erklärt sich offen­sichtlich aus der Ueberinterefsierlheit von Verkäu­fern, die hierbei ihren Nutzen suchen.

Der Reichsminister für Volksaufklä­rung und Propaganda bitlet alle Volks­genossen, diesem Verhallen einzelner Geschäftsleute entgegenzutreten, da die Tatsachen auch nicht die leisesten Befürchtungen einer Warenver­knappung rechtfertigen, und fordert insbesondere alle Parteigenossen auf, die Firmeninhaber, die selbst oder deren Verkäufer fahrlässig oder gewissen­los dieser Aufklärung zuwiderhandeln, zurückzu­weisen und nötigenfalls zur Anzeige zu bringen.

Der Erwerb der Türplaketien des WHW.

Berlin, 19. Oft. (DNB.) Auf Grund vieler An­fragen wegen der Pressenotiz über den Erwerb von Türplaketten gibt der Reichsbeauftragte für das WHW. nocheinmalfolgendeszur Kenntnis:

Anspruch auf Aushändigung der Plaketten haben:

1. a) Diejenigen Lohn- und Gehaltsemp­fänger, die in den Monaten Oktober, November und Dezember 1934 eine Abgabe in Höhe von 20v.H. und in den Monaten Januar, Februar und März 1935 eine Abgabe in Höhe von 15 o. H. ihrer Lohn­steuer an das WHW. leisten.

b) Fe st besoldete, bie neben ihrer Lohnsteuer­leistung Noch zur Einkommen st euer veran­lagt werden, wenn sie neben ihrer monatlichen Spende in Höhe von 20 v. H. ihrer Lohnsteuer eine monatliche Abgabe in Höhe von 3 v. H. ihres für das Jahr 1933 veranlagten Einkommensteuerbetrags an das Winterhilfswerk entrichten, soweit dieser Be­trag nicht durch Lohn- und Gehaltsabzüge getilgt ist. Diese 3 v. H. werden also lediglich von der Einkom­mensteuerschuld errechnet.

2. Gewerbetreibende und Angehörige der freien Berufe, die zur Einkommensteuer veranlagt werden, soweit sie monatlich eine Abgabe in Höhe von 3 v. H. des für das Jahr 1933 veran­lagten Einkommensteuerbetrages an das Winter­hilfswerk des deutschen Volkes entrichten. (Kapital­gesellschaften unterliegen einer besonderen Rege­lung.)

Lohn- und Gehaltsempfänger, die wegen ihres geringen Einkommens zur Einkommen- (teuer nicht herangezogen werden, erhal­ten die Plakette gegen Zahlung von monatlich 0,25 RM. Die auf diese Weise gespendeten Beträge sind von den Arbeitgebern zu sammeln und der zu­ständigen WHW. - Dienststelle zu über­weisen. Angehörige der freien Berufe und Ge­werbetreibende zahlen diese Spenden unmittel­bar an ihre zuständige WHW.-Dienststelle. Die Eintopfgerichtspenden bleiben von dieser Regelung unberührt.

Oie Reichsleitung 6er ASOAp.

spendet 500000 Mark für das Minterhrlföwerk.

München, 22. Okt. (DNB. Funkspruch.)

Nach

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Zusammenlegung des Reichs­und preußischen Innenministeriums.

Berlin, 20. Okt. (DNB.) Ministerpräsident Goring hat einem Vorschläge des Reichsministers Frick zugestimmt, durch den die Geschäfte der bis-

Meldung des Reichsschatzmeisters der NSDAP., Schwarz, spendet die Reichsleitung der NSDAP, für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1934/35 den Betrag von 500 000 Mark.

Neue Kennzeichnung der altgedienlen SA-Männer.

Berlin, 20. Okt. (DNB.) Der Chef des S t a b e s d e r S A. hat verfügt, daß, unter Fortfall des bisher getragenen Armwinkels, für alte SA.- Männer eine neue Kennzeichnung eingeführt wird, um den altgedienten SA.-Männern ein sicht­bares Zeichen für ihre treue und ununterbrochene Zugehörigkeit zur SA. zu geben. Es handelt sich um verschieden breite grausilberne Aermel- streifen am Aermelausichlag des linken Unter­armes. Es werden getragen: von allen Angehörigen der SA., die eingetreten sind in der Zeit vom

1.1.31.12.1925 1.1.31.12.1926 1.1.31.12.1927 1.1.31.12.1928 1.1.31.12.1929

1.131.12.1930 1.1.31.12.1931

Aermelstreifen 12 mm breit

1.1.30.1.1933 einschl.

Die Berechtigung zum Tragen dieses Aermelstreifens wird durch eine eigene Aus- meisterte von der vorgesetzten SA.-Dienststelle von der Standarte aufwärts bestätigt. Die Aermel­streifen sind ab 2 5. Oktober bei den Verkaufs­stellen der Reichszeugmeisterei zu beziehen. SA.- Männern, die aus der PO. unmittelbar an­schließend in die SA. eingetreten sind und in der PO. als Amtswalter in führenden Stellungen tätig waren, werden die in der PO. zugebrachten Jahre als SA.-Dienstjahre angerechnet. Das gleiche gilt auch für ehemalige Führer der HI. Männer, die aus dem ehemaligen Stahlhelm unmittelbar in die SA. eingetreten sind, erhalten Aerme Istreifen in Schwarz, mit einem 1 mm breiten Mittellängsfaden aus Silber.

Trotz Steuerermäßigungen höhere Steueraufkommen -es Reiches. Nationalsozialistische Steuerpolitik führt zur Gesundung des Staatshaushalts.

Berlin, 21.Okt. (DNB.) Heber die national­sozialistische Steuerpolitik schreibt die NSK. u.a.:

Es ist das unbestreitbare Verdienst des Natio­nalsozialismus, zum ersten Male nach Beendigung des Krieges mit einer umfassenden Steuer- re form und vor allem mit umfassenden Steuer­erleichterungen vor das deutsche Volk ge­treten zu fein. Obwohl an den verschiedensten Stel­len die Steuerschraube bereits merklich gelockert worden ist, sind die Einkünfte, die Reich und Gemeinden aus den Steuern und steuerähnlichen Abgaben ziehen, fast mit jedem Monat grö­ßer geworden. Die Einkünfte des Reiches im dritten Vierteljahr 1934 find bereits 16,8 v. H. höher als um die gleiche Zeit 1933 (gegen 1932 ergibt sich sogar eine Steigerung um rund 2 4 v. H. Die bisher bereits durchgeführten Erleich­terungen in der Einkommensteuer haben dem Staat einen Ausfall von schätzungsweise sechs bis ieben Millionen Reichsmark je Monat verursacht. Trotzdem aber ist das Aufkommen in den Monaten Juli und August um 41,7 v.H. größer gerne» en als in derselben Zeitspanne des Vorjahres. Auch bei der Umsatzsteuer sind schon verschiedene Erleichterungen in den letzten IVs Jahren geschaf- en worden, und trotzdem ist die Ertragskuroe tändig auswärts gerichtet. So haben die

ersten fünf Monate des Steuerjahres 1934/35 gegen­über dem Vorjahr eine Zunahme um 25 v.H. für den Staatsbeutel ergeben.

Auch die Verbrauchssteuern haben höhere Erträgnisse gebracht. Tabaksteuern, Zuckersteuer, Biersteuer usw. sind im Jahre 1934/35 mit erheblich größeren Eingängen im steuerlichen Einkommen des Reiches vertreten als vor einem Jahr. Sogar die Zolleinnahmen liegen noch etwas über den vorjährigen Ergebnissen. Insgesamt sind an Zollen und Verbrauchssteuern im Zeitraum April bis Juni 1934 18,8 v.H. mehr aufgef ommen als in der gleichen Zeit des Vorjahres, in den Monaten Juli und August 13,4 0. H. mehr als in den glei­chen Monaten des Jahres 1933. Dadurch, daß es dem nationalsozialistischen Staat gelungen ist, nahezu zwei Drittel des Arbeitslosenheeres aufzu­lösen und die Beschäftigungszahl um rund vier Millionen Köpfe zu vermehren, hat sich auch eine schwere Last, die aus dem Haus­halt bisher ruhte, neuerdings wesentlich verringert. Die Aufwendungen für die Arbeits - losenunter st ützung bezifferten sich in der Zeit April-August 1933 noch auf 900 Millionen Mark und sind in der gleichen Zeit 1934 auf 4 80 Millionen Mark zurückgegangen. Sie sind also auf die Hälfte gesunken.

Das Staatsbegräbnis poincares.

DNB. Paris, 20. Okt. Bei trübem Herbstwetter and das Staatsbegräbnis des früheren Prä si­lenten der Republik, Raymond Poincare, tatt. Um 10.30 Uhr versammelten sich die Spitzen der Behörden und die geladenen Gäste vor dem mit Trauerflor und einer riesigen Trikolore aus­gestatteten Pantheon, in dem die sterblichen Reste Poincarös seit zwei Tagen ruhen. Auf dem Platz waren neben dem Katafalk große Tribünen errichtet, wo die Mitglieder der Familie, die engsten Mitarbeiter des Verstorbenen und die amtlichen Vertreter Platz fanden, darunter Prinz Niko­laus von Rumänien als Vertreter seines Bruders, Prinz Arsen als Vertreter des jungen üdslawischen Königs, die Botschafter, Bel­giens, Englands, Japans, Aegyptens und Afgha­nistans als Vertreter ihrer Herrscher, mehrere Mis- ionschefs als Vertreter ihrer Staatsoberhäupter und das Diplomatische Korps, darunter der deutsche Geschäftsträger, Botschaftsrat Förster. Nachdem der Präsident der Republik, gefolgt von den Mitgliedern der Regierung, die Ehrentribüne betreten hatte, wurde der Sarg Poincares aus dem PhanthSon herausgetragen und auf den Katafalk aufgebahrt.

Darauf hielt Ministerpräsident Doumergue eine Gedächtnisrede. Er gedachte Poincarös als eines große Franzosen und eines großen Bürgers. Vielleicht sei Poincarö der größte Bürger, den Frankreich seit den tragischen Tagen von 1870 ge­kannt habe. Diesen sei von Jugend auf sein Losungswort gewesen und er fei ihm im ferneren Leben treu geblieben. Doumergue rühmte dann die

Rolle Poicarös während des Krieges, den Sieg bezeichnete er als eine Belohnung für Poincars, d,essen Herz angesichts der gebrachten Opfer geblutet habe.

Dann folgte der Vorbeimarsch der Trup­pen. Das Trauergefolge bildete sich unter Doran­tritt einer Abteilung der Republikanischen Garde, um den Sarg nach der Notre-Dame- Kirche zu überführen, wo die Einsegnung erfolgte. Neben dem Sarge schreitet Staatsminister H e r r i 0 f, ferner der frühere Präsident der Republik M i l l e r a n d. Hinter den Mitgliedern der Familie und den engsten Mitarbeitern des Verstorbenen fol­gen der Präsident der Republik Le- b r u n und die Vertreter der ausländischen Staats­oberhäupter, das Diplomatische Korps, die Vor­stände des Senats und der Kammer, dann die Ehrentruppen, darunter auch Jäger zu Fuß (bei denen Poincar6 vor dem Kriege gedient hat). Längs des Weges hat trotz des ungünstigen Wet­ters eine große Menschenmenge Aufstellung genom­men, die den Trauerzug grüßt. Dor der Notre- Dame-Kirche empfängt Weihbischof C r e p i n den Präsidenten der Republik im Namen des Erzbi­schofs von Paris. Bei der kirchlichen Trauerfeier in der Notre-Dame-Kirche erteilte der Erzbischof von Besanxon, Kardinal B i n e t, die Absolution. Nach der kirchlichen Feier in Norte Dame wurde die Leiche Poincarss mit einem Kraftwagen in Be­gleitung der Staatsminister T a r b i e u und Her- r i 0 t nach Nibec 0 urt übergeführt und dort dem Wunsche des Verstorbenen entsprechend in der Familiengruft beigesetzt.

her getrennt geführten Ministerien des In­nern von Reich und Preußen nunmehr i n einem einheitlichen Ressort zusam- menge faßt werden. Durch diese Maßnahme wird eine erhebliche Vereinfachung und Verbesserung der Geschäftsführung erzielt werden. Dos Ministerium des Innern wird sich in folgende Abteilungen gliedern: I Verfassung und Gesetzgebung, II Beamtentum und Verwaltung (einschließlich der Personalangelegenheiten) III Poli­zei, IV Volksgesundheit, V Kommunalverwaltung, VI Deutschtum, Leibesübungen und Kirche. Abtei­lung I, IV und VI werden unter der Leitung des Staatssekretärs Pfundner in dem bisherigen Dienstgebäude des Reichsministeriums am Königs­platz arbeiten; die Abteilungen II, III und V un­ter der von Staatssekretär Grauert in den Räu­men des bisherigen preußischen Ministeriums Un­ter den Linden.

Göring berichtet dem Führer.

Aus Belgrad zurück.

Berlin, 20. Okt. (DNB.) Auf dem Tempel­hofer Flughafen traf Samstag wenige Minuten vor 16 Uhr Ministerpräsident Göring mit dem FlugzeugManfred von "Richthofen" wieder in Berlin ein. Unmittelbar nach feiner Landung be­gab sich der Ministerpräsident zum Führer und Reichskanzler, um ihm über feinen Aufent­halt in Belgrad Bericht zu erstatten.

Der Abschied des Ministerpräsidenten von Bel­grad hatte sich überaus herzlich gestaltet. Vor dem Abflug hatte er d i e Ortsgruppe der NSDAP, besucht, um auch die Parteigenossen zu begrüßen. Göring besichtigte die Räume des Deutschen Verkehrsbüros, über deren Einrichtung er sich sehr befriedigt äußerte, und richtete dann an die Ortsgruppe eine Ansprache, die er mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen Sieg- Heil auf die erwählten Führer des Reiches und Südflawiens schloß. Nach dem Absingen des Horst- Wessel-Liedes, bei dem der den Ministerpräsidenten begleitende südslawische Divisionsgeneral Stanko- witsch den militärischen Gruß erwies, wurde Gö­ring von dem Landesvertrauensmann der NSDAP. Pg. Neuenhausen zum Kraftwagen geleitet, der ihn zum Save Hasen brachte. Dort erwarteten ihn der Kriegsminister Milowanowitsch und der Handelsminister D e m e t r 0 w i t s ch , um sich von ihm zu verabschieden. Am Flugfelde in Sem- lin Hatten sich der Admiral der südslawischen Flotte Polifsch und der Kommandant der südslawischen Flugstreitkräfte General N e d i t s ch eingefunden. Unter brausenden Heil-Rufen erhoben sich sodann die beiden Maschinen mit dem Ministerpräsidenten und feinen Begleitern in die Luft.

Keine direkte Mion Südflawiens

L 0 n d 0 n , 20. Okt. (DNB. Funkfpruch.)Mor- ning Post- meldet aus Belgrad: Ein Mitglied der Regierung habe erklärt,Südflawien wird wegen der Ermordung des Königs Alexander keine direkte Aktion gegenüber irgendeiner fremden Macht unternehmen. Alles, was Süd­flawien etwa beschließen sollte, wird in eingehender Beratung mit seinen Verbündeten und Nachbarn

und mit vollem Wissen der anderen europäischen Mächte geschehen." Durch diese Erklärungen wer­den die Kriegswolken meggefegt. Es kann somit zuversichtlich gehofft werden, daß die Tragödie von Marseille keine Folgen von der Art der Tragödie von Serajewo haben werde.

Neubildung des südflawischen Kabinetts.

Uzunowitsch wiederum beauftragt.

Belgrad, 20. Okt. (DNB.) Ministerpräfident Uzunowitsch überreichte dem Regentschaftsrat das Rücktrittsgesuch der Regierung. Das Gesuch wurde angenommen. Der Regentschaftsrat be­traute den Ministerpräsidenten mit der Neubil - düng der Regierung. Usunomiftch erklärte Presse­vertretern, daß als Mitglied ber neuen Regierung niemand in Betracht gezogen werde, der sich nicht vorbehaltlos für die bisher geführte Po­litik ausspreche. Die Grundlagen dieser Politik seien: Monarchie unter der Dynastie Karageorae- witsch, nationale und staatliche Einheit, Beibehaltung der gegenwärtigen Verfassung, die ein einiaes und unteilbares Südsla - Wien vorsehe. Außenpolitisch verfolge man eine auf die befreundeten und verbündeten Länder ge­stützte Politik des Friedens und der Aufrecht­erhaltung der durch die Friedensver­träge geschaffenen Verhältnisse. Die ehemaligen Parteien hätten ihre Rolle ausge- spielt, sie könnten niemals wieder auferstehen.

Gömbös in Warschau.

Ein polnisch-ungarisches Kulturabkommen.

Warschau, 21. Okt. (DNB.) Heber den Be­such des ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös in Warschau wurde ein gemeinsames Kommunique herausgegeben, in dem es u. a. heißt: Minister­präsident Gömbös, der polnische Ministerpräsi­dent Prof. Leon Kozlowski und der polnische Außenminister Beck haben in einer Atmosphäre des Vertrauens die Fragen der gegenseitigen pol- msch-ungarischen Beziehungen geprüft, die auf traditionelle Freundschaft gegrün­det sind. Ebenso wurden die internationalen Fragen und besonders die wirtschaftlichen Probleme Mitteleuropas, die beide Län­der interessieren, behandelt. Dieser Meinungsaus­tausch zeigt den aufrichtigen Willen, gegenseitige Beziehungen wieder zu knüpfen und zu entwickeln. Diese Absichten fanden ihren Ausdruck in der Hn- terzeichnung eines polnisch-ungarischen Uebereinfommens über intellek­tuelle Zusammenarbeit. Außerdem wurde beschlossen, in beiden Ländern Ausschüsse zu bilden zum Studium von Wirtschafts- fragen, Verhandlungen einzuleiten, die den Ab­schluß eines Juristen- und Konsular-Hebereinkom- mens zum Ziel haben.

In einer Rede an die Presse sagte Ministerpräsi- dent Gombos u. a.: Polen und Ungarn seien Pioniere der Freiheit und Gerechtigkeit gewesen in emer Epoche, wo die Ohnmacht der Knechtschaft noch die anderen Völker in vielen Teilen Europas lähmte. Der Westen habe nicht immer das Gesicht der Mission der beiden Völker verstanden und die

geschichtliche Entwicklung habe die ernsten Konse, quenzen gezeigt, die dadurch für unseren Kontinent entstanden seien. Beide Länder, Polen und Ungarn, seien zwei mächtige Pfeiler des Friedens und des Gleichgewichtes in Europa. Außerordentlich treffend seien Die Worte des polnischen Publizisten Graf Worcel, der im Jahre 1849 gesagt habe, die Tei« hing Polens wäre wahrscheinlich nicht erfolgt, wenn Ungarn in jener Zeit unabhängig gewesen wäre, und Ungarn wäre nicht unterlegen, wenn es in seiner Not ein mächtiges und freies Polen gehabt hätte. Er sei jetzt nach Polen gekommen in den, Bemühen, dem Geiste des 20. Jahrhunderts die Lehren anzupassen, die sich aus der früheren Ge. schichte ergäben.

Oer Kirchenkampf in Mexiko,

Einftihrung sozialistischen Schulunterrichts,

Mexiko (Stadt), 20. Okt. (DNB.) Die Abgeord. netenkammer beschloß die Ausweisung aller römisch-katholischen Erzbischöfe und! Bischöfe aus dem Lande. Diesen Beschluß be. günbete sie damit, daß die römisch-kathol. Bischöfe nur dem Vatikan verpflichtet und deshalb Aus.' I ä n b e r feien. Mehrere Rebner äußerten die An­sicht, baß bie Agitation gegen ben sozialistischen Unterricht von reaktionären Kreisen ausgehe. Der Kirche würbe vorgeworfen, baß sie während ihrer jahrhundertelangen Herrschaft zwar Kirchen gebaut, aber bie Unterrichtung bes Volkes 0er- nachlässigt habe. Ein Rebner trat für die Verbreitung nationalrevolutionären (9 eb an teures im Volke nach bem Muster Deutschlands und Jia- liens burch Förberung revolutionärer Theater, bes Schrifttumes unb ber Presse ein. Die Behörben bes mexikanischen Staates Zacaticas haben im Zu. sammenhang mit biesem Beschluß ben Geistlichen bie Abreise nahegelegt. Sämtliche Geistlichen des Staates Zacaticas sowie die Geistlichen bes Staates Chiatas sind in Richtung Mexiko-City ab. gereist.

Die nationale Slrbeitstammer Maßnahmen aut Durchführung des f03iq. listischen Unterrichts in ben Schulen und gegen bie Gegner ber neuen Schulrichtung fest, gelegt. Ein Ausschuß soll sämtliche r ö m i s ch - k a. tholischen Beamten ihrer Aemter ent­heben.

In ber Stabt $)autepec im Staate Moreloz südlich von Mexiko-Stabt wurden mehrere Ab. geordnete, die Vorträge über den sozialisti« schen Unterricht hielten, von der Bevölke. rung mit Steinen beworfen. Sie mußten in bas Stabthaus flüchten, wo sie eine Stunde lang belagert würben. In Sa11i11 0 im Staate Coahuila im nörblichen Mexiko wurde die Zeitung I Diario del Norte" wegen ihrer Oppositionspolitik I gegen den Gouverneur des Staates geschloffen. Die Druckerei des Blattes wurde beschlagnahmt | Die ..Prena" behauptet, in politischen Kreisen er« i| wäge man, bas Wohnhaus des Erzbischofs von Mexiko-Stadt, Pascual Diaz, zu national!« fieren, da er in letzter Zeit wiederholt die Woh- nung gewechselt habe. Der Gesetzentwurf zur N» form des Verfafsungsartikels 3, ber bie Erfaj« jung bes sozialistischen Unterricht; vorsieht und bereits von ber Kammer und vom Se­nat angenommen worden ist, wurde den Parla­menten ber Bunbesstaaten zur Ratifizierung zugeleitet.

Der französische Arbeitsminiffer vn- läßt die neusozialiffische Partei.

DNB. Paris, 21. Okt. Der Slrbeitsminifter im Kabinett Doumergue, ber neusozialiftische Abgeord­nete Marquet, ber mit ben Abgeordneten Renaubel unb Montagnon zu den Grün­dern der Partei gehört, hat s e i n e n Aus­tritt aus ber Partei vollzogen, nachbem biefe ihn vor bie Wahl gestellt hatte: Entweber Verbleiben im Ministerium ober in ber Partei. Marquet gchöne bem Kabinett Doumergue mit Zustimmung bet Neusozialistischen Partei an, allerbings nicht als Parteivertreter, sonbern unterpersönlicher Verant­wortung". Aus diesem persönlichen Auftrag hat Arbeitsminister Marquet nun für sich das Recht abgeleitet, s e l b st über sein Verbleiben in ber Re- gierung zu entscheiben. Anbere führenbe Mitglieder j Der Partei verlangten ben Rück 1ritt Marques Aus bieser Lage hat nun Marquet bie Schluß­folgerung gezogen, nachbem er sich mit Herriot beraten hatte. Marquet verwahrt sich dagegen, an­gesichts der jetzigen dramatischen internationalen Lage und der Krise, mit der die arbeitenden Klassen zu kämpfen hätten, von seinem Ministerposten zu- rückzutreten. Er wolle im Gegenteil feine Bemü­hungen zur Heberwindung der Schwierigkeiten fori- setzen.

Thing und Thingspiele.

Die Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsmini- steriums für Dolksaufklärung und Propaganda gibt folgendes bekannt:

Verschiedene Vorkommnisse in der letzten Zeis veranlassen mich. Darauf hinzuweisen, daß es Grund von Anordnungen der Reichstheaterkamni/l untersagt ist, Theatervorstellungen in geschlos' senen Räumen oder im Freien alsThiE spiele" zu bezeichnen oder in einer anderen 8tl in Verbindung mit dem WortThing" zu bringen. Ebenso ist es den Verlagen untersagt, Verlags' werke alsThingspiel" ober alszur Ausführung im Thing ober auf ber Thingstätte" anzukündigen-

1. Die BezeichnungThing",Thingstätte" oW Thingplatz" ist nur zulässig für bauliche Anlagen, beren Errichtung burch ben Herrn ReichsminM für Volksaufklärung und Propaganda für die Zeit nach dem 15. September 1934 oder von einer Lan­desstelle des Reichsministeriums für Volksaust/a» rung und Propaganda in Verbindung mH bem Reichsbund ber deutschen Freilicht- und Dolksscha^ spiele vor dem 15. September 1934 gen ehnntzl und beurkundet worden ist. Anträge auf ErrWE von Thingstätten sind an die zuständige Landes­stelle des Reichsministeriums für Volksaufklärrmß unb Propaganba zu richten. (Für ben Gau Hessen' Nassau: Lanbesstelle Hessen-Nassau bes Reichsmm'' steriums für Volksaufklärung und Propaganda- Frankfurt, Bürgerstraße 9li).

2. AlsThingspiel" dürfen nur solche dramaM* Werke bezeichnet werden, die von dem H^ Reichsdramaturgen schriftlich als solche zugelasse" worden sind.

3. AlsThingspiel"-Veranstaltungen ober um* ähnlichen Namen bürfen nur Veranstaltung^ burchgeführt werben, bie von der RheichstheoK'' kammer zugelassen worden sind.

4. Vereinigungen, die nicht öffentliche ausführunqen veranstalten, kann bie ErlawW ihre Aufführungen alsThingspiel" zu bezeichnen» nicht gegeben werben.

Gez. MüUer-Scheld, M Oaupropaganbaleiter unb Leiter ber Lanbesfieu Hessen-Nassau bes Reichsministeriums für Doits auftlärung unb Propaganda»