m. 222 vierter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 22. September (934
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Gießen in großer Zeit
Erinnerungen an den September -1914.
Bischweiler an
stücken gehen
Abschied der 222er von Gießen.
Am
27. August 1914 wurde das Reserve-
Schule und Berufsberatung
Richtlinien für die Zusammenarbeit.
Oberst Rott, gefallen 4. Februar 1915.
erfolgen.
feiten
14.30: Wirtschaftsbericht.
Eine Landsturm-Abteilung im September 1914 in Gießen.
Reben des „Dienstes immer gab es. für die, die Sinn für habcnheit der Natur hatten, in
gleichgestellter Uhr" Schönheit und Er-
um das hat, ihn, das
750 2800 große
leinene Paar
Zahl
Oberstleutnant von R o t s m a n n , im Frühjahr 1932 gestorben.
des Dankes durch die Veranstaltung eines tätigkeits-Konzertes in der Evangelischen
hinaus rund 950 wollene Hemden, Hemden, 250 Paar Unterhosen, wollene Strümpfe, außerdem eine von Fußlappen, wollenen Hand-
Nachrichten. 1510:
Infanterie-Regiment 222 zusammenge- stellt, Regimentsstab, 1. Bataillon und Maschinengewehrzug in Gießen durch das Ersatz-Bataillon I.-R. „Kaiser Wilhelm" Rr. 116, das 2. Bataillon in Mainz durch das Erfaß-Bataillon I.-R. 88, das 3. Bataillon durch das Erfaß-Bataillon I.-R. 117. Einige Tage später wurde das 2. Bataillon nach Friedberg, das 3. Bataillon nach Hanau verlegt. Das R.-I.-R. 222 gehörte als Bestandteil der 48. Reserve-Divison (Führer Gen.-Ltn. von Hahn) und dem 24. Reserve-Korps (Gen. d. I. von G e r o k) an.
In mühevoller und aufreibender, aber von heller Begeisterung getragenen Arbeit wurden die Kriegs- freiwilligen und die Ersatzreservisten in wenigen Wochen zu Soldaten erzogen. Regimentskommandeur war Oberst z. D. Rott, seither Komman-
müssen, die er in dieser ernsten Stunde so eindringlich an uns richtete! Und als dann unser Oberst Rott in der ihm eigenen, kurzen militärischen Form das Gelöbnis ablegte, daß unser Regiment keinem aktiven Regiment an Tapferkeit, Todesverachtung, Vaterlandsliebe und Disziplin nachstehen werde, da konnte man an den leuchtenden Augen der Offiziere und Mannschaften erkennen: die halten dieses Gelöbnis. Unser Oberst und viele, nur allzu viele der damals Versammelten haben dieses Gelöbnis mit dem Tode besiegelt!
Kinderstun.de. 15.35: Küchen sorgen der Junggesellen! Ein kleines Zwiegespräch. 15 45: Studenten von heute! 16: Nachmittagskonzert des Philharmonischen Orchesters. 17.30: Dichter am Bodensee. Ludwig Finckh. 17.45: Kleine Unterhaltung. 18: Stunde der Jugend 18.25: Französischer Sprachunterricht. 19: „Ein Jahr nationalsozialistischer Agrarpolitik". (Sprecher: Reichsminister Walter Darrö. 19.30: Saar- Umschau. 19.45: Das Leben spricht. Soziales Funkbild. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation. Sang und Klang vom Alpenland. Schöne alte Volks, musik. 20.45: Die Opernprobe. Komische Oper in einem Akt. Musik von Albert Lorßing. 21 45: Herbst in Altfrankfurter Gärten. 22.20: Nachrichten. 22.35: Du muht wissen...
oder nicht. Für die Teilnahme an der Erstberatung werden die Lehrer beurlaubt, soweit es schulorgani» satorisch möglich ist.
4. Ein Zwana, sich beraten zu lassen, besteht nicht. Für die Schulentlassenen aber, die die Berufsberatung in Anspruch nehmen, ist der Berufs- beratungstag in vollem Umfange unterrichtsfrei. Dadurch soll dieser Tag, an dem sich für manchen der Schüler sein Lebensschicksal entscheidet, auch äußerlich eine bedeutungsvolle Note enthalten. Diejenigen Schüler, die auf eine Beratung verzichten, nehmen am Unterricht einer anderen Klasse teil.
5. In Gegenden mit überwiegend ungeteilten Schulen und einer entsprechend geringeren Zahl von Entlaßschülern wird der Berufsberater den „Be- rufsberatungstag" im Benehmen mit dem Kreis- fchulrat pp. an einem möglichst zentral gelegenen Punkt abhalten. Ueber Ort und Zeit ergeht von dem Berufsberater an die Lehrkräfte rechtzeitig Mitteilung. Es find dann nur diejenigen Schüler in die Berufsberatungsstunden zu schicken, die es besonders wünschen ober für die nach Auffassung des Lehrers eine Berufsberatung in besonderem Maße förderlich erscheint.
6. Mit der Erstberatung ist die Berufsberatung in einer Reihe von Fällen noch nicht abgeschlossen. Weiterführende Beratung, Eignungsuntersuchung usw. machen manchmal wiederholten Besuch notwendig. Die öffentliche Berufsberatung wird sich jedoch bemühen, Unterrichtsstörungen nach Möglichkeit zu vermeiden.
7. Die Berufsberatung wird in den Räumen be« Arbeitsamts oder der Arbeitsamtsnebenstelle ab- gehalten. Wenn dies aus irgendeinem Grunde nicht zweckmäßig ist, kann die Berufsberatung auch in der Schule oder in sonst dazu geeigneten Räumlich-
beur bes Lanbwehrbe^irks Wiesbaben (gefallen am 4. Februar 1915 in Den Karpathen), Führer bes 1. Bataillons Oberstleutnant a. D. Frhr. von R o t s m a n n , Führer bes 2. Bataillons Oberstleutnant a. D. Mootz (am 27. Oktober 1914 erkrankt), bann Major z. D. Bardeleben (gefallen am 22. Juni 1915 am Dnjestr), Führer des 3. Bataillons Oberstleutnant z. D Müller (gefallen am 30. Oktober 1914 bei Le Maisnil), dann Major Thomas und ab 3. Dezember 1914 Hauptmann d. L. Dettweiler. Der einzige aktive Of- fizier war der Regiments-Adjutant Leutnant M ü l- ler-Hempfing (gefallen am 4. Dezember 1914 bei Hula Dlutowska).
Die Ausbildung des 1. Bataillons lag in den Händen des Oberstl. von Rotsmann, eines Offiziers von ganz hervorragenden militärischen Eigenschaften, der es mit der ihm eigenen Energie
man spät abends den Heimweg vom Exerzierplatz antrat, die Sonne hinter den hohen Tannenbäumen untergegangen war und sich die schlanken Stämme in scharfer, klarer Linienführung vom blutroten Himmel abhobcn. Wenn dann die silberne Mondscheibe aufging und der Abendstern herrlich und feierlich leuchtete und wenn aus den dunkelen Vo- gefenbergen das dumpfe Rollen des Kanonendonners zu vernehmen war, dem auch wir bald entgegengehen sollten.
Am Montag, 12. Oktober, schlug auch für die 222er die Abschiedsstunde. Unter endlosem Jubel, dem Gesang vaterländischer Lieder, geschmückt mit den Blumen des Herbstes, fuhren wir hinein in eine ungewisse Zukunft. Für viele war es die letzte Fayrt aus vaterländischem Boden. L. G.
In sinniger Weise hat das 1/222 dieses Gefühl l tung teilzunehmen, besteht für den Lehrer nicht. Es - - - - -- - ri-fl— Wohl- unterliegt feinem pädagogischen Takt, ob er in dem
Kirche I einen ober anberen Fall persönlich anwesenb ist
Die erste Sriegvanleihezeichnung in Gießen.
In der Stadt Gießen wurden, wie im „Gießener Anzeiger" vom 21. September 1914 mitgeteilt wird, auf die Kriegsanleihe rund 6 800 000 Mark gezeichnet, davon bei der Mitteldeutschen Kreditbank, Fi- Haie Gießen, 3 375 200 Mark in 1159 einzelnen Posten.
Die erste Liebesgabensendung.
Im „Gießener Anzeiger" vom 21. September 1914 berichtet das Kreiskomitee für Rotes Kreuz und Kriegshilfe folgendes: „Die große Zahl der aus den Landgemeinden des Kreises Gießen eingegangenen Liebesgaben ermöglicht es, eine erste Sendung solcher Liebesgaben heute an die Regimenter 116 ins Feld abgehen zu lassen. Die Sendung besteht aus 66 Kisten, und zwar 58 Kisten mit Kleidungsstücken und 8 Kisten mit Lebensmitteln. An Kleidungs-
Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum hat folgende Richtlinien für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Berufsberatung an die Direktionen der höheren Schulen und die Stadt- und Kreisfchulämter gerichtet:
1. Der erstmalige Besuch bei der öffentlichen Berufsberatung wird zeitlich nicht mehr in das freie Belieben der Schüler und Schülerinnen gestellt, es wird vielmehr für die Erstberatung einer Entlaß- klasse im Laufe des letzten Schuljahres ein Tag als „Berufsberatungstag" bestimmt. Dafür wird im Benehmen mit dem zuständigen Kreisschulrat bzw. Direktor der höheren Lehranstalt durch die Lehrpersonen und Berufsberater am besten ein solcher Tag festgesetzt, der stundenplantechnisch am geeignetsten erscheint.
2. Da die richtige Berufswahl der Schüler im Verantwortungsbereich des Elternhauses liegt, werden die Eltern von der Schule eindringlich gebeten, an der Beratung ihres Kindes teilzunehmen. Es soll den Eltern deutlich zum Bewußtsein gebracht werden, daß Berufswahl Lebenswahl bedeutet und deshalb eine stärkere Anteilnahme der Eltern erfordert, als irgendeine alltägliche Familienange- legenheit. Deshalb wird von der öffentlichen Berufsberatung in der Festlegung der Beratungsstunden und in der Verteilung der einzelnen Ratsuchen den innerhalb der Beratungsstunden auf die Teilnahmemöglichkeit der Eltern, soweit es geht, Rücksicht genommen.
3. Um dem „Berufsberatungstag" auch äußerlich fein Gewicht zu geben, erhalten die Lehrkräfte der Entlaßklassen die Möglichkeit, an der Erstberatung teilzunehmen, wenigstens in solchen Fällen, die nach den schulischen Erfahrungen bes Lehrers mutmaßlich besonders schwierig sind oder die eine besondere berufsberaterische Forderung gerechtfertigt erscheinen lassen. Damit soll u. a. auch erreicht werden, daß die Lehrer nicht nur gehalten sind, gleichsam Hilfsstellung bei der Berufsberatung zu leisten, sondern es soll ihnen auch Gelegenheit gegeben werden, selbst zu sehen, welches die praktische Verbindung der speziellen Berufsberatung mit ihrer pädagogischen Arbeit ist. Dadurch kann manches noch vorhandene Mißverständnis beseitigt, das Vertrauensverhältnis aber nur gestärkt werden. Vor- aussetzung für die Teilnahme des Lehrers an der Erstberatung ist natürlich die vorherige Zustimmung der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten (siehe Ziffer 2). Eine dienstliche Verpflichtung, an der Bera-
den herrlichen Sep- tembertagen des Jahres 1914 Bilder landschaftlicher Schönheit, die wohl allen in dauernder Erinnerung geblieben fein werden. Wie herrlich war es, wenn
Rundsunkproqramm
Sonntag, 23. September.
6.15 Uhr: Hafenkonzert. 8.15: Nachrichten. 8.25t Gymnastik. 8.45: Choralblasen. 9: Katholische Morgenfeier. 9.45: Deutsches Schatzkästlein. Des Lebens Schattenbild. Lieder und Fantasten von Justinus Kerner. 10.15: Ehorgesang. Heimat. 11.15: Otto Anthes erzählt eigene Kurzgeschichten. 11.30: Haus- musik. 12: Mittagskonzert I. 13: Mittagskonzert II. 14: Kinderstunde. 15: Stunde des Landes. 16: Nach- mittagskonzert. 17.45: Leichtathletik - Länderkaoipf Deutschland — Frankreich in Magdeburg. 18: Abschied vom Sommer. Eine Hörfolge. 18.40: Der Kaspar, der war kerngesund... Tanzburleske. 19 10: Bunter Sonntag-Nachmittag. 20.15: Sport. 20.30: Klingender Süden. 22: „Familien können Kaffee kochen..." Dom Kasseler Sonntagsausflug. 22.20: Nachrichten 22.35: Nachrichten aus dem Sende- bezirk. 22.40: Der Zeitfunk bringt den Sportspiegel des Sonnags. 23: Tanzmusik. 24 bis 2: Heut gehn wir morgen erst ins Bett!
lllontag, 24. September.
5.50 Uhr: Gymnastik I. 6.15: Gymnastik II. 6 40: Frühmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.30: Eigene Senkung. 11: Werbekonzert. 1145: Sozialdienst. 12: Mittags- konzert I. 13: Saardienst, Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mittagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittagskonzert III.
zugunsten des Roten Kreuzes bekundet. Unter der sachkundigen und feinsinnigen Leitung des Feld- webcls Kasten IV/222 (Musiklehrer in Gießen) wurde ein ausgezeichnetes Programm zusammen- gestellt, das ausschließlich von Freiwilligen des 1. Bataillons bestritten wurde. Die Kirche war am 4. Oktober bis auf den letzten Platz gefüllt, und das klingende Ergebnis war sehr erfreulich. Es war eine in ihrer schlichten Einfachheit und in den künstlerischen Darbietungen erhebende Feier, und als zum Schlüsse das Niederländische Dankgebet mit Orgel- und Violinbegleitung ertönte, da gab es niemand, der nicht aufs tiefste ergriffen war. Wenn man bedenkt, daß die Mitwirkenden an den vorhergehenden Tagen aus dienstlichen Gründen kaum eine freie Minute zum Heben hatten, muß man die Leistungen besonders hoch einschätzen.
Der 20. September 1914 war ein Sonntag. Trüb und zu Regen neigend lieh er sich an, als das Bataillon um 8 Uhr zu einem schlichten Feldgottesdienst sich auf dem Hof der Neuen Kaserne ver- versammelte. Der Nachmittag galt der Familie. Man wollte nochmals den Frieden des Heims um sich haben und sich ganz seinen Lieben widmen. Wer konnte wissen, ob es nicht vielleicht das letztemal war! Ernst, aber zuversichtlich war un ere Stimmung, stand es doch da draußen im O ten und Westen so gut um unsere Sache und war es doch eine herrliche Ausgabe, ihr au* unsere Kraft zur Verfügung stellen zu können. Liebe Freunde und Bekannte kamen, um Abschied zu nehmen und Blumengrüße zu bringen. Am Abend waren alle Caf6s und Restaurants bis auf den letzten Platz mit abschiednehmenden Gruppen besetzt. Nirgends herrschte traurige Stimmung, überall freudig strahlende Gesichter. Abgesehen von den großartigen Erfolgen unseres Hindenburg und unserer Armeen im Westen, die alle Herzen höher schlagen ließen, war gerade das glänzende Ergebnis Der ersten deutschen Kriegsanleihe bekannt geworden, das den beruhigenden Beweis erbrachte, daß Deutschland nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich den Riesenanforderungen gewachsen schien, die dieses Ringen an uns stellte. Niemals ist das „Lieb Vaterland, magst ruhig sein" mit größerer Begeisterung gesungen worden, als In diesen Stunden.
Der 21. September 1914 begann zu tagen. Es war noch dunkel, und dichter Nebel lag auf den Straßen, als die Stunde des Abschiednehmens schlug. Noch ein letzter Händedruck und ein Kuß und dann hieß es: „Die Stirnen empor, die Fahnen voran" — wir gehörten jetzt ganz dem Vaterland. Um 7 Uhr stand das Bataillon marschbereit auf dem Hof der Neuen Kaserne. Ein dreifach donnerndes Hoch auf Kaiser und Grohherzog, und dann ging es mit klingendem Spiel zum Tore hinaus. Ganz Gießen war auf den Beinen und ein Jubel umbrauste die Truppe, daß die Musik nicht dagegen aufkommen konnte. Mit Blumen überschüttet kam das Bataillon am Bahnhof an, um nach Bischweiler zu fahren, wo das R.-I.-R. 222 den letzten Schliff erhalten sollte. Gewaltig ertönte das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" durch die Bahnhofshallen. Gleiberg und Vetzberg entschwanden im grauen Nebel.
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Wie wenig wir Deutsche auf den Krieg vorbe- reitet waren, zeigte der Mangel an Ausrüstungsgegenständen. Erst im letzten Augenblick kamen auf Leiterwagen Tornister, Helme, Patronentaschen, Feldflaschen, Brotbeutel, Zeltbahnen usw. von den Schlachtfeldern im Westen an und gelangten auf dem Marktplatz von ......
Truppe zur Verteilung.
Am 22. September 1914 kam das Regiment nach einem Triumphzug ohnegleichen zu später Nachtstunde in Bischweiler i. E. an, um bis zum 12. Oktober in ernster, anstrengender, aber von Begeiste- rung getragener Arbeit den letzten Schliff zu erhalten. Es hat auf dem Truppenübungsplatz Oberhofen manchen Schweißtropfen gekostet, bis das Regiment in der Hand seines Führer zu einem geschlossenen Ganzen geschmiedet wurde. Vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht und manchmal auch unter Zuhilfenahme dieser nahm der Dienst den ganzen Menschen in Anspruch. Das Verhältnis zu den Einwohnern Bischweilers war im allgemeinen ausgezeichnet, und wo sich bei einigen Fran- zöslingen Schwierigkeiten ergaben, wurden sie schnell und mit dem nötigen Nachdruck beseitigt. Sie konnten das allgemeine Bild, daß die 222er sehr gut aufgehoben waren und auch verpflegt murren, nicht trüben. Oberst Rott hat denn auch vor dem Abschied in einer öffentlichen Bekanntmachung in der Zeitung diesen Gefühlen des Dankes Ausdruck verliehen. Diele 222er haben noch lange Zeit mit ihren Gastgebern im Briefwechsel geftanben.
schuhen, Stauchen, Leibbinden, Orenschüher, Kopf- jchützer, Kniewärmer upb Taschentücher. Die Lebensmittelsendung besteht in etwa 8 Zentner Wurst unb Speck, Schokolabe, einigen Tausend Zigarren, Zigaretten und Tabak. Eine weitere Sendung ist in Vorbereitung."
(Ein 15jät)tiger Kriegsfreiwilliger.
Der „Gießener Anzeiger" vom 21. September 1914 enthält noch folgende interessante Notiz: „Ein 15jäh- riger Kriegsfreiwilliger ist mit unserer Einquartierung in Esießen eingezogen. Der junge Krieger ist der Sohn eines vor dem Feinde gefallenen Haupt- manns: feine Mutter ist früher schon gestorben, und so hat es den jungen Menschen, der auch die Offizierslaufbahn beschreiten will, gedrängt, mit derselben Kompanie im Heere einzurücken, die sein Vater in den Kampf und zum Siege geführt hat. Die älteren Kameraden sind stolz auf ihren jungen Mitstreiter, der bereits vollständig ausgebildet ist unb bie Anstrengungen ber Hebungen in ber Garnison gut überftanben hat."
oerftanb, bas Kriegsmäßige ber Ausbilbung in ben Vorbergrunb zu stellen. Er, ber an sich bie höchsten Anforberungen stellte, verlangte von seinem Batail- Ion, nach echt Moltkescher Art, „bas Unmögliche, bas Mögliche zu erreichen". Unb wenn später I./222 im Felbe so Hervorragenbes geleistet so hat er die Grundlage dazu geschaffen. Für der bet aller Strenge in väterlicher Weife für Wohlergehen seiner Leute sorgte, ging das Bataillon durchs Feuer. Wie hat er für feine „Flöh- hauben", wie er uns so gerne nannte, gesorgt.
Am 16. September wurde das Bataillon dem Divisionskommandeur Sr. Exzellenz Generalleutnant von Hahn auf dem Trieb vorgestellt, ber namentlich bie gute Einzelausbilbung Der Mannschaften in seiner Kritik hervorhob.
Auch für bas 1/222 fanb in ber Aula ber Universität eine Abschiebsfeier statt. Wer biefe tiefergreifenbe Feier am Samstag, 19. September, mitgemacht hat, bem wirb sie für immer in ber Seele haften bleiben. Wie oft haben wir noch ba draußen im Felde an die erhebenden Worte des verehrten Rektors, Geheimrats D, E ck, denken


