Ur. 222 Zweiter Blatt
GletzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)
Zamrtag, 22. September 1934
vor, die serbische Regierung war
roortuni
brechen.
Kind
<$rinnerunq an eine berühmte Episode.
?Nun geschah es einmal, daß er ein Stück Heide
Oer Mann im Osten
Erzählung von Ernst LZiechert.
reich zugrunde gehen werde — schien, diese Behoup? tung doch so ungeheuerlich, daß sie wenig Beachtung gefunden hat. Aber jetzt wird sie durch einen Bericht des russischen Botschafters über ein Gespräch mit San Giuliano bestätigt. Danach hat der Minister dem serbischen Gesandten geraten, den Wiener
sind, nicht zu erfüllen, was sie angenommen haben." Also, die Londoner Konferenz sollte den Serben dazu verhelfen, unter dem Schein einer Genugtuung für Oesterreich-Ungarn tatsächlich ihr Treiben zur Auflösung der Doppelmonarchie fortsetzen zu können — jetzt sogar gedeckt von der Mehr
still mit sich besprochen hatte, in die Ställe ging, um vor Feierabend nach Mensch und Tier zu sehen. Er sagte kein Wort, als er die beiden Pferde nicht vor der Krippe fand, füllte im Hinausgehen etwas Hafer in feine Tasche und machte sich heimlich davon, um die Pferde vom Felde zu holen.
einer Annahme abgeneigt, wünschte aber Verlängerung der Frist, um Zeit für diplomatische und militärische Vorbereitungen zu gewinnen. Sie bat da-
, her den Zaren und den König von Italien, in ! Wien eine Ausdehnung der Frist zu erwirken. In
Einige Tage, später deutete der Italiener an, wie er sich die Durchführung der serbischen Politik dachte:
an einem dieser Tage, daß er niemanden fand, der Tochter und Pflug zu seiner seltsamen Kreuzigung herzugeben bereit war. Es dunkelte schon, als er, überall abgewiesen, auf einem öden Felde bei einem verrosteten Pfluge stand und die verzweifelten Arme in den Wind hob.
Da kam ein Mann über das dämmernde Feld geschritten, barhaupt und barfüßig, wie es da nicht Brauch war. Der nickte ihm schweigend zu und faßte die Handgriffe des Pfluges und ging mit ihm die schwere Erfüllung seines Gelübdes, gleichwie man sich der Not eines Kindes oder eines Kranken schweigend erbarmt. Aber als sie geendet hatten, blieb er noch neben dem Pfluge stehen, die Erde von der blankgewordenen Schar entfernend, und sagte, daß er nun heimkehren möge: sie hätten gefunden. Und dann ging er davon.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Singapore, im August 1934.
Wir haben Glück: Unser Schiff muß nach Port Swettenham, südlich von Penang. Eine Jnsel- fahrt von höchstem Reiz liegt hinter uns. Die Malakka st raße trübt kein Wind. Ab und zu fällt ein kurzer, wolkenbruchartiger Regen, denn es ist Regenzeit. Aber die am Himmel wandernden Wasserreservoire ziehen schnell weiter. Nach sechzehn Stunden nähern wir uns der Küste und biegen in den nördlichen Teil einer riesigen Wassergabel ein, an deren Schnittpunkt Swettenham liegt. Diese tropische Flußfahrt ist ohnegleichen schön. Inseln mit reichem Palmenbestand gleiten vorüber, Wälder tauchen auf, Berge, Gebirge und wieder Inseln und Palmen.
Unser Schiff geht bei ruhiger Fahrt behaglich und ausgeruht seiner Arbeit nach. Die riesigen Segelplanen werden von den Luken genommen, Taue gerollt, Ketten geölt und die Bullaugen geöffnet. Der Kapitän ist überall und nirgends. Gerade war er auf der Brücke, jetzt ist er auf dem Promenadendeck; ein kurzer Gruß, und man sieht ihn dem Mannschaftslogis zueilen. Mit der nautischen Leitung allein ist es nicht getan; da müssen die Schiffsberichte gemacht werden, das Essen wird geprüft, Beschwerden erledigt und vielerlei Kleinigkeiten vereinigt. Der Kapitän muß Führer im besten Sinne des Wortes sein, denn er trägt riesige Verantwortung. Jedes Schiff hat eine Kette von Anweisungen und Vorschriften zu erfüllen, und alle Häfen warten mit neuen Bestimmungen auf. Da kommt der Lotse an Bord, später kommen die Hafenbehörden, werden die Pässe geprüft, Gesundheitskontrolle geübt, werden Anwesenheitsliste und Fracht nachgesehen. Agenten, Freunde des Schiffes, Postbeamte, Händler und vieles mehr erscheinen. Und in allen Räumen sitzen Menschen, die ein Anliegen haben.
Kurze Zeit darauf rasseln die Ketten, Leichter gehen längsseits, eingeborene Hafenarbeiter erfüllen mit ihrem Geschrei die Laderäume. Die „Chiefs" notieren die Lasten, Kaufleute beaufsichtigen ihre Waren, und der zweite Offizier leitet das Ganze. Er muß wissen, wo die Ladungen für die einzelnen Häfen verstaut sind und muß acht geben, daß die Entladezeiten eingehalten werden. Zeit ist Geld, — in der Schiffahrt wird dieses Wort ganz groß geschrieben. Die gemeinsame Arbeit hat denn auch Schiff und Besatzung zu einer Geschlossenheit zu-
*) Vgl. die Aufsätze in Nr. 198 des Gießener Anzeigers vom 25. August, Nr. 204 vom 1. September, Nr. 210 vom 8. September und Nr. 216
vom 15. September. ____________
„Oesterreich werde hierdurch nur einen Scheinerfolg erringen; in der Praxis könne man sich später über vieles einigen." Also, Serbien soll alles versprechen mit dem festen Vorsatz, bas Versprechen zu
Spät in der Nacht kam er heim. Pferde und Pflug waren nicht da. Er fragte den Knecht, den Hirten, er fragte das Kind in der Wiege. Niemand war auf der gerodeten Heide gewesen. Sie zündeten Laternen an und gingen hinaus. Ein schwerer Regen fiel; und was sie fanden, war die Furche, die plötzlich endete, und der Stein, auf dem noch die
xelmonarchie heraufzog, durchaus Partei ge- : en Oesterreich-Ungarn nahm. Sie hat da- -iit eine ebenso illoyale wie friedensgefährliche Poetik ergriffen.
Als die Wiener Regierung ihre unvermeidlichen Sühneforderungen an Serbien vorbereitete, untereß sie nicht, den italieniscken Bundesgenossen im Allgemeinen von ihrer Absicht in Kenntnis zu setzen.
russischen Botschafter. Nach derartigen Aeußerungen i berrascht es nicht, daß die italienische Regierung, ubald der Konflikt zwischen Serbien und der Dop-
Ueber die zufällige Begegnung Bismarcks mit der berühmten Sängerin Pauline Lucca (1841 bis
heit der Konferenzmächte. Eine neue Rechtfertigung der deutschen Politik, die jenen Konferenzvorschlag in richtiger Ahnung feiner Bedeutung zu Fall brachte.
Begleitet waren alle Erklärungen an die russischen und serbischen Diplomaten mit der Versicye- rung, daß Italien bei einem etwaigen Kriege Oesterreichs gegen Serbien den Bündnisfall nicht anerkennen werde: Rußland und Serbien erfuhren also sogleich, daß die ihnen widerwärtige Situation von 1912/13 mit der Geschlossenheit des Dreibundes sich nicht wiederholen werde.
Wie über Italiens Stellungnahme war man in Petersburg auch über die Englands beim Beginn der Krisis im Klaren. Einige bisher unbekannte Bruchstücke der Korrespondenz des russischen Bot-
I Lucca sich will mich oben photographieren lassen". 1— Ich kann nicht", antwortete der Minister, „ich i erwarte meine, Chiffreure.„die scheinen spazieren
Italiens Vorkriegspolitik im Lichte der russischen Akten. Don Or. Gustav Wolost, o. ö. Professor der Geschichte an der Universität Gießen
Im Land des Gummibaums
Durch die malayischen Staaten zum Tor des Ostens.
Don unserem nach Tokio entsandten JR. W.-Berichtersiatter.*
und erklärte dabei ausdrücklich, wenn Serbien Oesterreich durch Ablehnung seiner Forderungen zum Kriege zwänge, denke sie nicht an eine (Eroberung serbischen Gebietes: die territorialen Interessen Italiens wie Rußlands sollten also geschont werden. Trotz dieser Versicherung hat San Guilano dem russischen und englischen Botschafter sogleich erklärt, Oesterreich wolle Serbien durch einen großen Schlag vernichten und scheue zu dem Zweck vor keinem Kriege zurück, und nachdem Oesterreich sein Ultimatum an Serbien gerichtet hatte, wiederholte er diese Behauptung. Er hat dadurch beigetragen, in London und Petersburg das Vertrauen in die Wiener Versicherungen zu schwächen und hat etwaigen Neigungen zur Verständigung von vornherein entgegengearbeitet.
Das Uebelwollen gegen Oesterreich tritt noch stärker in einer anderen Episode auf. Das Ultimatum an Serbien sah bekanntlich eine zweitägige Beant-
Rom erhielt man die Bitte erst nach der Abreise des österreichischen Gesandten aus Belgrad (25. Juli), konnte also nichts mehr unternehmen. Es ist aber bezeichnend, welchen Rat Italien aus Anlaß dieses serbischen Schrittes erteilt hat. Nach einer späteren Erzählung des serbischen Ministerpräsidenten Pasitsch hat Italien empfohlen, die österreichische Note ruhig anzunehmen, sie werde in der Praxis ihre Bedeutung verlieren; Serbien möge den Zeitpunkt abwarten, wo es fein Verhältnis zu Oesterreich radikal regeln, d. h. den Todes- karnpf geaen den Nachbar beginnen könne. Obgleich ähnliche Aeußerungen bereits früher in Rom gefallen waren — z. B. Serbien müsse das Piemont des Balkans werden, an dem Oester-
gegangen zu sein." — „Gengen S', Exzellenz, Sie können die Depeschen später lesen",, sagte die Lucca in ihrem Wiener Dialekt, und Bismarck, galant wie immer, ging mit zum Photographen. Dort ließ sich erst die Sängerin, dann der Minister allein photographieren, als mit einmal die Teufelin aufsprang und rief: „Exzellenz, ich habe eine süperbe Idee! Wie wär's, wenn wir uns zusammen photographieren ließen?" Bismarck stimmte wieder zu, und der Photograph ging ans Werk. Auf dem sehr selten gewordenen Bild sitzt die Sängerin, den Kopf in die linke Hand gestützt, den Beschauer voll ansehend, an der einen Ecke des Tisches, ihr gegenüber an der anderen Ecke Bismarck, die Lucca anblickend, den rechten Arm auf dem Tisch, die linke Hand auf dem Knie ruhend. Nach einigen Tagen war das Bild jn hundert Händen, und ganz Ischl sprach von nichts anderem. Doch einige Zeit später fanden beide Ab- konterfeite, daß es besser sei, das Bild aus dem Kunsthandel zu ziehen, und so mußte sich der Photograph verpflichten, keine neuen Abzüge zu machen, sowie die Platten zu vernichten."
Wie Bismarck selbst über diese Ausnahme dachte, an der seinerzeit in manchen Kreisen Anstoß genommen wurde, geht aus seinem Brief an dsn befreundeten konservative Rittergutsbesitzer Sin*- drae-Roman hervor, der ihm wegen der Photographie sichtlich Vorhaltungen gemacht hatte. Die fragliche Stelle des aus Berlin vom 26. Dezember 1865 datierten Briefes lautet:
„ ... Heber die Lucca-Photographie würden Sie auch vermuthlich weniger streng urtheilen, wenn Sie wüßten, welchen Zufälligkeiten sie ihre Entstehung verdankt hat. Außerdem ist die jetzige Frau von Rhade, wenn auch Sängerin, doch eine Dame, der man ebensowenig wie mir selbst jemals unerlaubte Beziehungen geschlechtlicher Art nachgesagt hat. Demungeachtet würde ich, wenn ich in dem richtigen Augenblick das Aergernis erwogen hätte, welches viele und treue Freunde an diesem Scherze genommen haben, aus dem Bereiche des auf uns gerichteten Glases zurückgetreten sein. Sie sehn aus der Umständlichkeit, mit der ich Ihnen Auskunft gebe, daß ich Ihr Schreiben als ein wohlgemeintes auffasse und mich in keiner Weise des Urtheils derer, die mit mir denselben Glauben bekennen, zu über- heben strebe. Von Ihrer Freundschaft und von Ihrer eigenen christlichen Erkenntnis aber erwarte ich, daß Sie den „Urtheilenden" Vorsicht und Milde bei künftigen Gelegenheiten empfehlen; wir bedürfen deren alle, und wenn ich unter der Dollzahl der Sünder, die des Ruhmes vor Gott mangeln, hoffe, daß Seine Gnade auch mir in den Gefahren und Zweifeln meines Berufs den Stab demüthigen Glaubens nicht nehmen werde, an dem ich meinen Weg zu finden suche, so soll mich dieses Vertrauen weder harthörig gegen tadelnde Freundesworte noch zornig gegen liekloses und hoffährtiges Urtheil machen."
fpondenz zwischen Sasonow, dem Minister des Auswärtigen, und Hartwig, dem Gesandten in Belgrad, einem Führer der Panslawisten und autoritativen Ratgeber der serbischen Regierung, erwartet, aber der Briefwechsel ist spärlich und sein Inhalt ziemlich dürftig, so daß der schon früher ausgesprochene Verdacht, die wichtigsten Stücke seien noch Zur Zärenzeit aus den Archiven entfernt worden, keineswegs grundlos ist.
.Damit ist aber nicht gesagt, daß die Publikation nicht vieles Interessante brächte. Natürlich fällt auf
schafters in London, des Grafen Bencken- dorff, tun aufs neue dar, daß dieser kluge und mit Grey, dem englischen Außenminister, in, engen Beziehungen stehende Diplomat nie an Englands schließlicher Teilnahme am Kriege gezweifelt hat. Er hat die englischen Vermittlungsvorschläge für Schein gehalten und stets die Ueberzeugung gehabt, Grey wolle sich durch diese Schritte nur die Möglichkeit sichern, den Krieg unter einem populären Vorwande, scheinbar unabhängig von den En- tetengenossen, erklären zu können, um der öffentlichen Meinung seines Landes zu genügen.
So ist kein Zweifel, daß man in Petersburg die Entwicklung der Krisis in verhältnismäßiger Nuhtz betrachtet hat: man fühlte sich der Freunde sicher und wußte, daß man es mit den Mittelmächten allein zu tun haben werde.
So kehrte der Bauer zurück in fein Haus, barfüßig und barhäuptig wandernd gleich seinem Helfer, und ohne Zweifel, daß ein Wunder ihn angerührt habe. Und trat in fein Leben zurück, als fei er einen Sonnenbogen lang fortgeroefen, ohne Bericht, ohne Entschuldigung, und erfuhr, daß man vor wenigen Tagen Gespann und Pflug in einem Torfstich des Waldes gefunden. Er vermied, nach dem Tage zu fragen, begrub Gerät und Gebeine und erfüllte von da an die Demut feines Altfitzertums mit niedriger und schwerer Arbeit, indem er das Heideland um den Hof mit feinen Händen rodete, ohne Hilfe eines Menschen oder Tieres. War auch vuucii. ein stiller und hochgeachteter Abendgast bet dem (Thrifti Seelsorger seiner Gemeinde und bestimmte, daß man
, * 111U VvllUHUlv UU«? iiiuntf *-v i vv l 1 MI I 11 /v 1 ' ___ 7 ' ' f * i
ichasler berichtet, am Mordtage selbst, als es den die von England vorgeschlagene K o n s e r e n z .der Mord erfahren hatte, den Königsmarsch und ließ vier sogenannten nicht direkt am serbisch-osterreichi- l ch 3U antihabsburgischen Demonstrationen hinrei- i schen Streit beteiligten Machte England- Deutsch- i en Auch die Regierung lebte in einer ähnlichen! land, Frankreich, Italien sollten die „Interpretation Stimmung Das Verbrechen ist abscheulich, aber i und Anwendung des Ultimatums bestimmen. In her Weltfriede wird es nicht beklagen", sagte San' welchem Geiste die Dreiviertelmehrheit diefts Ge- iuliano der Minister des Auswärtigen, dem j richtshofs entschieden hatte, ist leicht zu ermessen es ..... ~ ~ r wird aber noch deutlicher durch eine weitere Aeuße- s rung des italienischen Ministers. Als der russische j Botschafter meinte, einige Forderungen Oesterreichs seien für Serbien unannehmbar, erwiderte er: „Was bedeutet die Annahme, wenn sie sicher
sammengeführt, die nur in der Struktur unseres neuen Staates ihre Wiederholung findet. Dieses unermüdliche und freudige gemeinsame Schaffen ist auch durch äußere Einflüsse nicht zu stören. Man sorgt dafür, daß die für einen Schiffsbetrieb lebensnotwendige Autorität des Kapitäns in allen Teilen und gegen jedermann streng zum Einsatz kommt.
Port Swettenham ist ein kleinerer Hafen. Der Sitz des Sultanats, dem der Hafen angeschlossen ist, ist Kuala Lumpur, eine Autostunde entfernt. Hier ist die Hauptverwaltung der „FMSR", der Eisenbahnen der förberierten malayischen Staaten, die nördlich nach Penang—Bangkok und südlich nach Singapore führen. Die Hafenboote zeigen die malayische Flagge. Eine Autofahrt brachte uns zunächst auf den großen Fisch-, Fleisch-, O b st - und Gemüsemarkt. Dort sind Markthallen in vorbildlicher europäischer Einrichtung, peinlich sauber und mit edelsten Gemüse- und Obstsorten derart gefüllt, daß einer deutschen Hausfrau bei deren Betrachtung fast das Herz stehen bleiben könnte. Unter den Händlern wieder viele Chinesen, die besonders getrockneten Fisch in jeder Form zum Verkauf bringen. In den Obsthallen erregen zum ersten Male die Mangos unsere Aufmerksamkeit, eine melonenartige Frucht mit wurstähnlichem Aussehen. Wenn man die harte Schale durchschnitten hat, kann man das goldgelbe, saftige, süß- säuerliche Fleisch mit dem Löffel essen. Mango wächst in Hinterindien, Niederländisch-Jndien und auf den Philippinen. Jedes Land behauptet, die schönsten Mangos zu besitzen. In den Genuß einer Durian sind wir nicht gekommen. Erfahrene Leute geraten in Verzückung, weniger Erfahrene warnen jedoch vor dem, wie sie behaupten, unmöglichen Geruch der Frucht.
Auf der Fahrt nach Kuala Lumpur sahen wir zum ersten Male Gummiplantagen in gewaltiger Ausdehnung. Man kann sagen, daß die Malakka-Halbinsel eine einzige riesenhafte Plantage ist. Der Gummibaum ähnelt der deutschen Buche: helle Stämme, dunkelgrünes Laub. Und so gewann man fast den Eindruck, durch endlose Buchenwälder zu fahren. Bei näherem Zusehen entdeckt man, daß der Baum etwa in Manneshöhe ringartig vo.n seiner Rinde befreit ist. Der herausfließende Gummisaft, eine milchige weiße Flüssigkeit, rinnt in kleine Gefäse, die an den unteren Schnittflächen angebracht sind. Eingeborene Plantagenarbeiter sammeln die Flüssigkeit in Eimern. Jede Plantage besitzt fabrikähnliche Anlagen, in denen der Gummi dann weiter verarbeitet wird. Augenblicklich sind die Gummi- preise im Anziehen, nachdem eine Baisse gewaltigen Schaden in den Plantagen und weiter im Handel angerichtet hat.
Als vor drei Jahren der erste Band der russischen Akten über die Vorgeschichte des Weltkrieges erschien, rechnete man auf tiefgreifende Enthüllungen über die Politik aller europäischen Mächte. Die seitdem von der Sowjetregierung herausgegebenen und von Otto H ö tz s ch übersetzten und mit musterhaften erläuternden Anmerkungen versehenen fünf Bände, die die Zeit vom 1. Januar 1914 bis zum Kriegsausbruch umfassen, haben der Forschung eine gewisse Enttäuschung bereitet. Für die großen Fragen bringen sie wenig Neues; zu viel hatten schon die amtlichen und nichtamtlichen Publikationen in Deutschland, Oesterreich, England und Serbien vorweggenommen, manches war auch schon durch Veröffentlichungen in der russischen Presse bekannt geworden. Man hatte namentlich viel von der Korre-
manche Einzelheit neues Licht, namentlich die asiatische und orientalische Politik Rußlands wird uns in ihrer ausgreifenden und offensiven Art viel deutlicher als bisher, das Verhältnis zu England können wir jetzt in zahlreichen Phasen verfolgen, und oor allem wird Italiens Haltung in der K r i f i s des Juli 1914 grell beleuchtet.
Während des Balkankrieges von 1912/13 hatte ich Italien fest an der Seite feiner Dreibundsgenossen gehalten, weil ihm Serbiens Verlangen nach einem adriätischen Hafen ebenso gefährlich wie Deftereicf)=Ungarn erschien, und damit Unzufriedenheit in Paris und Petersburg erregt. Nach der Be- ieitigung dieser Gefahr schlug die italienische Politik im; die römische Regierung bemühte sich um in» üme Beziehungen zu Rußland und ließ in Petersburg mitteilen, daß sie der Wiener Politik im Orient, msbesondere in Albanien, durchaus entgegen sei.
gjroöet hatte, dicht an einem sumpfigen und ver- Kilberten Wald, und zum ersten Male den Pflug hrd) die unbebaute Erde zu ziehen begann. Und ii*i die Abendzeit, als seine Arme schon lahm wur- \\ hm und die Pflugschar wohl zum tausendsten Male (Dm einem Stein oder einer Wurzel aus der ge- tiümmten Furche sprorng, überkam es ihn von i/iiem, so daß er auf Die erschöpften Pferde ein« laug, dem Pflug einen Fußtritt gab, laut wün- henb, daß der Satan ihn hole, und, ohne sich um» Inenden, das Feld verließ, in feiner Stube ein l^ar Gläser Brantwein hinunterstürzte und sich hsnn auf fein gJger warf, um in einen finsteren lc>d zornigen Schlaf zu stürzen.
Der Zustimmung der öffentlichen Meinung war sie SÄ
t en Bundesgenossen trat in besonders drastischer Weise nach dem Mord von Serajewo zu Sage. Man sah in dem Verschwinden des Erz- d erzogs Franz Ferdinand, der als Vertreter einer /kriegerischen und antiitalienischen Politik galt, die Scfretung von einer Gefahr; ja, in einem römischen Kino verlangte das Publikum, wie der russische Bot-
Diese Geschichte ist geschehen, bevor ich ein war, und mein Vater hat sie mir erzählt. Wir gru= , kn ein paar Geviertmeter Heide um, zu einem l Kindergarten; und als es mir nicht gelang, mit Meinen Kinderhänden eine Wurzel aus der Erde zu n_'ißen, sagte ich laut, daß der Teufel sie holen Möge.'Wie'Kinder ja eine stolze Freude daran haben können, den Zorn der Erwachsenen nachzu-
Spaten aus der Hand und fuhr fort, die Erde Narbe der Pflugschar 3" sehen war Nichts wett^ rtmugraben schwieg auch auf meine bestürzten Man sagt, daß sie zwei Wochen lang Tag und Nacht Sen und' sah nur ernst vor sich hin, so daß ich gesucht hätten und daß des Bauern Haar ergraut i'rroirrt und verstoßen herumstehend die Stunden, sei, darüber. Doch verschwieg er ^ Jeöermann, ba| bs Tages mühselig durch die ahnungsvolle Erkennt- er am ersten Abend, als er verwirrt das leere Feld
Im Abendrot erst^nohm er mrch über die Herde 9.9 9 qewußt, ob -- eines Menschen oder
SÄT» STSSKSS .7» XSS SÄÄÄ i» SÄ.”S' S «Vw -- »•- »« -■ »**■» X"-
®or OKkn Jahren . |aSte er bann , 6er ijanb und -inen qrauen Leinen,ack au, seinen
Mer Gegend ein Bauer gelebt, auf einem arm' qcbeu'ten Schultern Er suchte nicht mehr. Er ging lchen Hof, wie die Erde ihn hier zubereitet für uns, 8 seiner Freundschaft bis an dl> Grenzen unsrer M gesät und geerntet und in seinem Haren n“jem 3abr die Steine von den
vXrk seinen Frieden gehabt. Er tat mcht unrecht, Aldern sammeln um Blaß für den Pflug zu haben, cxir kein Wirtshausganger und fein Holzdieb, und u bor| fannt' ibn ba(b jebermann. „Um Christi - ■. • h
cxis als ein einziger matter Flecken auf seinem 8 Ackerrain ausstehend, ihn begrabe, wo die Furche am Stein geendet habe,
^ämen lag, war sein wilder Jähzorn, der mitunter । ’a^ferne'w einem fiügel getragen tjatte, „lafe und daß man auf sem Kreuz s^lbe: „Ehre sei
voer ihn fiel Dann schlug er Vieh und Knechte, ■ »usoern er oieme zu einem ^u9cl ü » Verwun- Gott in der Hohe und dem ärmsten Acker in der
.ud, |.ln ...v... A.isch imü Slul. o.rlor (ich d A 7°. Fr-ud- lieh!" Und need, (einem Wnn(che ist es ge(chehen.'
S s »aJsrS sssm 3i<,mord uni’ J)aulmc £uK0-
I iu-mand ihm zu zürnen vermochte und jeher ihn & ®"ttauWu"9 ^derrükommen versäumte. Nie- um diese Verwirrung des Blute- beklag______ !^d erfuhr wel ™ worum er litt.
Ch?isti^1°7dern^um1°ür°-r"arm-n Seligkeit" w!ll°m 1808)"in"»ad Jschl^st seinerzeit viel geredet und doh man ibn siir"eine Abendstunde lang den Pslug veschrieben worden. Dr. Paul 8tman berichtet m ziehe7^a,s-n md°- einen Gurt um seine Schultern seinem Buch „Bismarck >n Geschichte. Karikatur und eine Ünb^llhr'te Jungfrau an den Handgriften „nd Anekdote" über die Episode folgendes: k?nes Pslüges Und wiewohl er um feines unbe= | „In Ischl war es pass,ert daß Pauline Lucca kannten Scknnerzes willen hochgeachtet war in seiner 6ie berühmte Sängerin, ihre Ferien gleichzeitig mit LondlckoU dritte er viel Mühe und leidenschaftliche dem König Wilhelm und Bismarck ver ebte. Eines Not ^s man sich seiner Bitte erbarmte. Und im Tages blieb die Sangerm -men Augenblick vor dem dritten Jabr"e" seiner Wanderung, in einer sr-md-n!hvtel Elisabeth stehen IN dem der König und Bis- (ftpnpnh traf er erst spät am Abend auf eine bofemarck abzusteigen pflegten Da trat letzterer aus Ba?mberdakeit und mußte geloben, drei Wochen dem Hause, eilte auf „Paulmchen zu und begrüßte hpa ^örhrten Jahres ohne Lohn auf dem Hofe zu i sie herzlich. „Exzellenz, kommen Sie mit , bat die tfaftÄ man seinem Verlangen willfahrte. . !Lucca,,„ich will mich
Ws" dunkelte bereits, als er mit einem bitteren i So ging er wohl 3^" ae,n u c
L ischmack im Herzen erwachte nachdem er sich der Büßer über seine Hetmaterde. 8 19


